THEMA: Namibia im Jan. 21
20 Apr 2021 23:34 #613366
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13.1. Lost im Desolation Valley

Wie gut, daß wir den nun folgenden Tag ausgeruht und bestgelaunt begannen - so hatte unsere Stimmung viel Spielraum nach unten, bevor sie völlig absackte… („Unsere“ schreibe ich aus reiner Solidarität mit den Fahrern…ich fand den Tag einfach nur abenteuerlich, und ich liebe Abenteuer…).
Zunächst ging es ganz langweilig los auf der C43 Richtung Süden, dann Abzweig nach Fonteine.



Mit diesem kleinen Rastplatz verbinde ich eine bleibende Erinnerung - die muß ich jetzt doch loswerden, weil sie mich nicht losläßt…also Exkurs vom Reisebericht: (wer keine langatmige Handystory lesen mag, überspringe den folgenden Absatz bis --)

Ich hatte eingangs schon erwähnt, daß ich beim Autovermieter mein „weitgereistes“ altes iPhone in Empfang nehmen konnte. Dazu die Geschichte:
-Vor ziemlich genau 1 Jahr waren wir in Botswana und Namibia unterwegs, ebenfalls mit einem Hilux von Bushlore , ebenfalls (zumindest in Namibia) ohne Vorausbuchungen. Vor allem deshalb hatte ich extra ein altes abgelegtes Iphone mitgenommen, um es mit einer namibischen SIM-Karte bestücken zu können. (Leichtsinnig wie ich in solchen Dingen bin, waren auf dem iPhone alle meine ungeschützten Daten noch abrufbar…) OK, wir hatten bereits bei Ankunft in Windhoek eine SIM-Karte und entsprechendes Kontingent gekauft und das dann 2 Wochen später nach Grenzübergang von Botswana nach Namibia aktiviert. Da einige Probeanrufe nicht funktioniert haben (warum auch immer….?), wir es aber auch nicht wirklich brauchten, legten wir es erst mal zur Seite..(Ja wohin genau??) Einen dringenden Anruf beim Autovermieter in Windhoek erledigten wir mit unsrem normal gebräuchlichen Iphone. Ging ja auch.
Erst weitere 4 Tage später - wir waren inzwischen über Anib Lodge - Spitzkoppe - Desolation Valley - Fonteine in der Khowarib-Community-CS gelandet - suchten wir wieder nach dem Handy. Stundenlang, vergeblich. Wir nahmen das ganze Auto auseinander….nichts. Wir telefonierten mit der Anib-Lodge, wo ich meinte, es noch in der Hand gehabt zu haben. Nichts. Ich war zunehmend verzweifelt: Die SIM-Karte war ja nicht das Problem, das alte abgelegte Iphone konnte ich auch verschmerzen - aber der Gedanke, daß alle meine Daten, Fotos, Kontakte usw. ungeschützt irgendwo rumlagen, beunruhigte mich ziemlich. (Daß ich mir dauernd anhören mußte, wie absolut dumm ich doch sei, die Daten alle auf dem alten iPhone gelassen zu haben, machte die Sache nicht erträglicher..) Schließlich versuchte ich mich mit dem Gedanken zu trösten, daß das gute alte Stück incl. der Daten drauf unentdeckt und einsam irgendwo im Wüstensand verenden würde, und versuchte zu vergessen.
Bei Abgabe des Fahrzeuges am Ende der Tour durchsuchten wir noch einmal alles. Nein, das arme Ding mußte wirklich einsam im Wüstensand liegen.
Monate später…..erreichte mich eine mail eines völlig unbekannten Absenders: „Hi, we picked up an iPhone with this emailaddress“- ich war erst mal total verblüfft, bis ich kapierte, das das iPhone offenbar dem in jedem Sinne sicheren Ende im Wüstensand entkommen war. Ebenso überrascht war ich von der Ehrlichkeit des Finders/der Finderin. Toll!
Viele emails folgten. Es stellte sich heraus: Die lange völlig anonyme Absenderin hatte das iPhone „im Damaraland“ gefunden, wo sie lebte. Ich schickte ihr ein Foto von unsrem Stop am Fonteine-Rastplatz: Ja, genau dort! Sie stamme aus der Ansiedlung dort. Nein, sie könne es nicht schicken, habe weder Verpackungsmöglichkeit noch Porto usw. Aber sie werde es pflegen, damit es nicht kaputt gehe. Sie habe selbst ein neueres iPhone und kenne sich daher aus (aha, kein Geld, aber ein neues iPhone?)
Wir vereinbarten: Ich schicke an eine Freundin in Windhoek eine Verpackung in einer Verpackung, darin Geld für Porto und Finderlohn. Sie werde irgendwann dorthin fahren und mir das iPhone dann schicken. - Das Päckchen kam zurück: Inzwischen hatte Corona sämtlichen Flugverkehr zwischen Deutschland und Namibia lahm gelegt.
Also tröstete ich mich mal wieder mit dem Gedanken, dass das Handy nun zwar nicht einsam im Wüstensand verenden würde, aber bei einer offenbar ehrlichen Finderin gut aufgehoben sei.
Die Finderin bekam in weiteren emails, später auch per WhatsApp, zunehmend ein Gesicht (die Kommunikation war immer etwas schwierig, sie hatte offenbar selten Internetverbindung , und englisch war ganz offenbar nicht ihre Muttersprache): eine sehr junge dunkelhäutige hübsche Namibierin, die gerne mit ihren Kurven posierte. Zwischendrin wurde es auch mal spannend: Das iPhone sei plötzlich verschwunden - Polizeidrohung - wiedergekommen usw. Jedenfalls ein interessanter Kontakt.
Klar, dass wir uns vorgenommen hatten, bei erneuter Reise nach Namibia diese ehrliche Finderin kennenzulernen und das iPhone gegen guten Finderlohn selbst in Empfang zu nehmen .
Wegen erneuter Coronawelle änderten wir den Plan - wir wollten nicht lange durch Windhoek irren und uns mit Unbekannten treffen. Also kamen wir auf die Idee, sie könne das Handy beim Autovermieter abgeben, erhalte von dem einen Finderlohn, und er bekomme das Geld später von uns. Hat super geklappt, alle zufrieden: Der junge „Stationsleiter“ von Bushlore fuhr extra an einen Treffpunkt in der Stadt, freute sich über die hübsche junge Bekanntschaft, die Finderin freute sich über das Geld, und ich freute mich über das iPhone. Happy End.
So, sorry, viel zu lang. Aber mich hat diese Handyreise irgendwie bewegt.
--
Nun endlich weiter im Text! Wir machen also ziemlich genau 1 Jahr später wieder Rast in Fonteine, diesmal aus Norden kommend. Und wollen fast genau die gleiche Strecke in der anderen Richtung durch den Huab /durchs Desolation Valley fahren. Auch das vor allem deshalb, weil es mich Abenteuersüchtige wieder hierher zog, wo wir vor 1 Jahr den aufregendsten Abend des Urlaubs erlebten: Damals schlichen sich lautlos kurz vor Sonnenuntergang, als wir gerade das Abendessen beendet hatten, gefühlt alle in der Gegend lebenden Wüstenelefanten an (auch wenn andere dafür extra Pirschfahrten unternehmen - für uns kamen sie sehr überraschend und ziemlich ungelegen) und versammelten sich um unseren Hilux, in den wir uns in letzter Sek. noch zurückziehen konnten. Und zwar ohne Übertreibung „hautnah“ = die große Leitkuh, die zu allem Überfluss auch noch ein zu schützendes Baby bei sich hatte, schaute uns durchs Autofenster seehr kritisch-fragend an : „Freund oder Feind?“ Sie hätte nur mit den auffallend langen Zähnen wackeln müssen, um unser Fenster zu zertrümmern….Nach unendlich langen seeehr aufregenden stummen gefühlten Stunden (es waren ca. 30 Minuten), in denen die Gedanken Kreise jagten ( „Jaa, ich hab euch gaanz lieb - hoffentlich glauben die das - wißt ihr nicht, daß ich früher immer einen Elefanten als Haustier wollte? Weil das so intelligente gutmütige Tiere sind?- Ruhig bleiben! Luft anhalten! - Warum nur geht dies blöd blau leuchtende Display des Autos nicht aus?Das wirkt doch bedrohlich - Hoffentlich riechen die Lbm. hinten im Auto nicht-die Tür ist nur angelehnt…“ usw…) trottete sie von dannen, die ganze Herde im Schlepptau. Wir sahen nur noch die weißen Zähne, dann waren sie in der Dunkelheit verschwunden. Wir drehten damals im Stockdusteren noch um und nächtigten auf einem andren Platz (ungestört). Erst am nächsten Tag verstanden wir: Wir hatten uns mitten auf deren Versammlungsplatz gestellt… Ich bat die Dickhäuter nachträglich um Verzeihung.




Foto vom Jan. 2020: rechts um den Hügel herum der Elefantenplatz




das war das letzte mögliche Foto von den ersten Elefanten, bevor es zu dunkel wurde (es ist schon per Fotoshop aufgehellt) Allerdings war mir danach auch nicht mehr nach Fotografieren zumute...

Sorry für dies erneute Abschweifen. Aber diese Erinnerung wird noch gebraucht… auch bei dieser Tour sollte das Desolation Valley für bleibende Erinnerung sorgen ..
Wir fahren also endlich weiter von Fontaine nach Süden und wollen dieses Mal die in der T4A - Karte (dicker) eingezeichnete Strecke nördlich des Riverbed nehmen, die ja irgendwo beim Viewpoint über den Huab führen sollte, dann weiter Richtung Ugab Base Camp. Soweit der Plan. Ich muß gestehen: Wir waren ja die Strecke „in etwa“ schon gefahren, und dann auch noch allein - diesmal waren wir 2 Autos! Also hatte ich mich nicht näher informiert. Sonst hätte ich vorher schon im Forum den „Point of no return“ oder die Bemerkung „river crossing difficult to impossible“ lesen können….Wie wir genau gefahren sind, weiß ich bis jetzt nicht. Jedenfalls fuhren wir voller Elan ins trockene Riverbed,















nachdem es zunächst noch recht "zivil" aussah, verlor sich die Spur zunehmend; die Fahrer mußten sich sehr auf die Strecke konzentrieren , die beiden Navis war ebenso ratlos wie wir. Ich genoß die Landschaft und behielt auch den Überblick :da drüben ist die andere Seite, wo wir hin wollen… Vorher allerdings wurde es eng- wohl die Stelle, die andere als den „Point of no return“ bezeichnen… immer enger und immer sumpfiger.




Da ging es definitiv nicht weiter - und wenn uns jetzt dazu noch ein Elefant begegnen würde, hätten wir ein sehr großes Problem. Angesichts dessen schien uns das unmöglich erscheinende Umdrehen immer noch die bessere Alternative. Ein Lob an die Fahrer : sie schafften es ohne Verluste….Allerdings fing danach der Streß erst richtig an: die Fahrer, die sich ja immer auf den Weg konzentrieren mußten, hatten die Orientierung verloren, die Meinungen, wohin man jetzt fahren solle, gingen auseinander….



ich war mir zwar sicher, die Richtung zu wissen (schließlich sieht man ja das andere Ufer - wenn es vorher links von uns war und jetzt immer noch links ist, haben wir nicht umgedreht, sondern irgendwie das Flussbett durchquert…), konnte mich aber nicht durchsetzen…(Ich hatte Recht, zeigte sich später!). Ratlose Minuten, zum einzigen Mal gereizte Stimmung… Und dann kam mir die Eingebung: Genau dort war doch der Elefantenversammlungsplatz, wo wir letztes Jahr umringt waren! Mein visuelles Erinnerungskästchen ging plötzlich auf - aus andrer Perspektive sieht alles so anders aus! Aber nun erkannte auch mein Mann: genau hier war es!



Hier stehen wir genau auf dem Elefantenversammlungsplatz, wo sie uns vor 1 Jahr umringt hatten; inzwischen wirkt er seit langem ungenutzt

Damit war die Situation gerettet. Wir kannten den weiteren Weg.






Zum Vergleich: oben das aktuelle Foto, von NO kommend; darunter das Foto von vor 1 Jahr von SW aus fotografiert




Blick zurück ins Riverbed; an dieser Stelle hatten wir vor 1 Jahr übernachtet (wie wohl schon einige andere Fomis auch)

Also hatten wir irgendwie tatsächlich den River überquert (was ich ja gesagt hatte! Recht gehabt! Habe ich aber nicht wiederholt, die Fahrer hatten Streß genug...) Jetzt gings raus aus dem Flußbett, weiter nach Süden Richtung Ugab Base Camp.


ein sehr steiniger Weg


zur Abwechslung ab und zu Spielkugeln (was ist das für eine Pflanze?? )


und einzelne Welwitschien





Zwar gab es vorher auf der landschaftlich wieder sehr reizvollen Strecke voller interessanter Steinformationen (ein Eldorado für Geologen!) schon einige Plätze, wo man hätte nächtigen können, aber der Wind (und vielleicht auch ein wenig das Bedürfnis nach etwas mehr Sicherheit) trieben uns bis zum Camp, das wir um 17.00 erreichten. Es wirkte wie ausgestorben. Nur 2 junge neugierige Hunde schnupperten um uns rum und zeigten uns, dass irgendwo jemand sein müsse.






Der aufregende, für die Fahrer sehr stressige, für mich trotz allem unvergesslich schöne Tag hatte es verdient, mit viel GT und Spaghetti Bolognese verabschiedet zu werden. (Das Desolation Valley hat sich seitdem in meine größte Schublade mit den Erinnerungskästchen eingenistet…)
Namibia Camper 1999, 2005,2007, 2011, 2012; Botswana 2011,2012, 2018 ; Uganda+ Ruanda 2016; Südtansania 2018; Botswana/Limpopo zu Pferd 2018; Madagaskar zu Pferd 2019;Botswana+ Namibia/ Kaokofeld 2020; Namibia Camper 2021
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20 Apr 2021 23:35 #613367
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ojeee-da fehlen alle Fotos - irgendwas mal wieder verkehrt gemacht - wird morgen nachgeholt...
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Hallo Bsc,

Danke für Euren letzten Teil (Desolation Valley) des RB und die erklärenden Fotos.

Für uns ganz besonders interessant - sind wir doch bald (Mitte Mai) selbst in dieser Gegend unterwegs.
Anreisen werden wir vom Ugab Rhino Camp und dann weiter Ri Palmwag. Haben auch 2 Tage Zeit vergesehen und werden
irgendwo auf dem Weg unseren Übernachtungsplatz wählen.

Gesunde Grüsse & freue mich schon auf die Fortsetzung
Gerhard
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21 Apr 2021 12:36 #613403
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Bsc schrieb:

zur Abwechslung ab und zu Spielkugeln (was ist das für eine Pflanze?? )

Es ist nicht genau zu erkennen und die Pflanze selbst sieht schon ein wenig kaputt aus, aber ich denke, es sind Nara-Melonen.
Hast Du noch ein größeres Foto von den Früchten?

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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BikeAfrica schrieb:
Bsc schrieb:
zur Abwechslung ab und zu Spielkugeln (was ist das für eine Pflanze?? )

Es ist nicht genau zu erkennen und die Pflanze selbst sieht schon ein wenig kaputt aus, aber ich denke, es sind Nara-Melonen.
Hast Du noch ein größeres Foto von den Früchten?

Richtig, es sind Nara-Melonen und so sehen sie von innen aus:





LG
Logi
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21 Apr 2021 16:40 #613428
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hallo Gerhard, dann fahrt ihr ja genau die Strecke und in gleicher Richtung wie wir letztes Jahr! Die ist echt schön! Macht nur nicht den gleichen Fehler wie wir - wir haben ewig und vergeblich den "viewpoint" gesucht ...und dann unten am Rande / im riverbed nächtigen wollen... da gabs den Elefantenbesuch und viele Löwenspuren... Gute Fahrt!
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