THEMA: Ein bisschen Hummeldumm und viel Hufgetrappel
20 Sep 2013 22:57 #305113
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Hallo!

Im Januar 2013 habe ich meinen Flug gebucht - und danach (und auch davor schon) Stunden um Stunden hier im Forum verbracht und Reiseberichte verschlungen. Auch wenn ich, da ich keine Selbstfahrer-Tour gemacht habe, keine konkreten Tipps brauchte, war es einfach faszinierend und die Vorfreude stieg bei jedem neuen Post den ich hier entdeckte. Zudem gaben die allgemeinen Infos einen guten Eindruck auf was ich mich da eingelassen hatte und worauf ich achten sollte. Wahnsinnig tolle Fotos steigerten mein Reisefieber. Daher soll es nun losgehen mit meinem Reisebericht. Ich hoffe ihr mögt ihn lesen und er ist, trotz "anderer" Reise, trotzdem interessant und vielleicht ja auch hilfreich für andere Alleinreisende.

Nun aber los!

1. Prolog


Allein nach Afrika - warum denn das?

Reisefreudig war ich schon immer. Da ich Single bin, steht schon mal kein Partner zur Verfügung, der mitkommt. Nicht weiter schlimm, doch für die Idee von Afrika konnte ich auch niemanden meiner Freunde und Bekannten begeistern. Zu weit, zu teuer, zu heiß. Und warum ich dahin wollte? Keine Ahnung, vielleicht habe ich als Kind zuviel "Serengeti darf nicht sterben" gesehen. Jedenfall habe ich Dokus über Afrika immer verschlungen, und immer gesagt: ich fahr da mal hin. Dank festem Job ist es in den letzten Jahren möglich gewesen, mir einige Reiseträume zu erfüllen. Und nachdem ich allein nach Island gefahren bin, war klar: Dann fahre ich eben auch allein nach Afrika. Warum niemand mitkommen wollte, hatte aber noch einen speziellen Grund: Als begeisterte Reiterin verknüpfe ich Reisen gern mit Pferden. Und schwupps, war klar: Ich will Giraffen sehen - vom Pferderücken aus. Bei einem auf Reiterreisen spezialisierten Veranstalter habe ich dann einen Trail-Ritt in Namibia gefunden. Eine Reit-Safari in Botswana ist leider unerschwinglich. Und nachdem ich mich dafür entschieden hatte (bereits vor einem Jahr), war klar: Wenn ich schon da runterfliege (und das ist ja auch nicht gerade günstig), will ich noch mehr sehen. So begann meine Zeit im Internet, wo ich mich informierte (auch hier), mir schließlich einen Safari-Anbieter suchte, der das im Programm hatte was ich unbedingt noch sehen wollte und dessen Termine zeitlich zum Ritt passten. Der Flug war auch fix gebucht - und im Januar 2013 war "meine" persönliche Afrika-Traumreise fix und fertig gebucht. Mir blieb nur noch ganz viel Zeit der Vorfreude, mehr als genug Zeit, mir über Ausrüstung und Klamotten Gedanken zu machen und Dinge zu besorgen. Ach ja, und dann gab es einen Schock-Moment: Air Namibia war plötzlich in den "Schlagzeilen", zumindest hier im Forum. Flüge wurden gestrichen, Zwischenlandungen in Angola (wo ich nicht hin wollte), eingelegt. Ich geriet in Panik, recherchierte stundenlang nach den neuesten Infos, registrierte mich hier. Irgendwann dachte ich dann "ok, du fliegst erst Ende August. Bis dahin..." Und ja, bis dahin hatte sich alles normalisiert. Da ich leider auch unter Flugangst leide, war ich ganz froh, dass es noch die alten Maschinen war, weil - so meine Logik - die Piloten diese Dinger wenigsten gut kennen und nicht mit neuer Technik konfrontiert sind (der Absturz in San Francisco kurz vorher war da nämlich noch sehr präsent bei mir :( )

Und damit ihr wisst, bei wem ihr da mitfahrt (aber Achtung, ich bin zwar allein gestartet, habe dann aber wunderbare Begleitung bekommen, könnte also eng werden), hier schon mal ein Foto von mir - in voller Safari-Montur (aufgenommen beim Drive auf Naa'nkuse, dazu später mehr) .



Liebe Grüße, Uta


Reisebericht:
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Letzte Änderung: 24 Okt 2013 22:56 von ontrail.
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21 Sep 2013 00:00 #305114
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24.8. Anreise

Am morgen um 10 Uhr geht es los, per Bahn von Norddeutschland zum Frankfurter Flughafen. Ich schwitze in der Jeans und der Fleecejacke, die nicht in den Koffer sollten. An dem geht prompt auf dem Weg zum Bahnhof eine der vier Rollen kaputt, so dass ich ihn künftig immer anheben und auf den hinteren Rollen ziehen muss. Uff. Die Bahnfahrt verläuft ohne Probleme, und mit reichlich Zeitpuffer komme ich am Flughafen an. Der Check-in-Schalter ist noch nicht mal offen. Ich bin völlig fertig, habe das Gefühl einen Infekt auszubrüten. Letztlich war es dann doch nur das Reisefieber, denn kaum bin ich da, ist das rumkränkeln wie weggeblasen. Nach dem Einchecken stärke ich mich nochmal beim goldenen M, dann warte ich am Gate. Draußen ist es nun auch trübe. Ich habe einen 2erPlatz für mich allein, so merkt auch niemand, wie ich beim Start die Lehnen umkralle. Meine Reiselust passt leider gar nicht zu meiner Flugangst... Dann gibt es Essen, und danach rolle ich mich irgendwie auf den zwei Sitzen zusammen, um etwas zu schlafen. Etwas neidisch bin ich auf die Reisenden, die geistesgegenwärtig die leeren Vierer-Reihen okkupiert haben und sich dort lang hinlegen. Irgendwann nachts rüttelt es mal etwas, aber ich schlafe doch ein wenig. Nach dem Frühstück beginnt der Landeanflug. Es ist dunkel draußen, und ich stelle fest: Da unten ist offenbar nichts. Keine Lichter zu sehen. Nur ein paar entdecke ich, vereinzelt. Die Vorfreude steigt: Die Weite des Landes offenbart sich in diesem dunklen Nichts.

25.8. Windhoek

Es ist frisch, als wir übers Rollfeld laufen. Die Koffer kommen auch rasch. Die Einreise-Beamtin stempelt mich zack zack ab. Kaum durch die Tür durch, entdecke ich einen Herrn, der ein Schild mit meinem Namen hochhält. Der Fahrer, den ich übers Hostel gebucht hat, und der mich vom Flughafen zur Unterkunft bringen soll. Ich folge ihm zu einem etwas ramponiert aussehenden Auto. Kaum sitze ich drin, verschwindet er, angeblich um Parkticket zu zahlen. Erst 15 min später kommt er zurück, mit einem jungen Franzosen im Schlepptau, der offenbar mit zum Hostel soll. Dann fahren wir los. Ich genieße jeden Augenblick, und sage mir immer wieder "du bist da, du bist in Afrika". Die weite Landschaft, die ersten Paviane...um kurz vor sieben sind wir am Chameleon Hostel. Der Fahrer lässt uns rein, ich registriere die vergitterte Pforte und den hohen Zaun. Das gehört eben dazu. Leider ist die Rezeption noch nicht besetzt, und frierend und übermüdet sitze ich etwa 45 min in der Lobby und warte. Dann checke ich ein und werde sehr freundlich begrüßt. Mein Einzelzimmer mit Gemeinschaftsbad ist schon frei. Es ist ein eher dunkles Loch mit einem Waschbecken in einem Gang.



Egal, es ist sauber, Handtücher liegen bereit. Die ganze Anlage wirkt gepflegt, es gibt auch Zimmer mit höherem Standard und En-suite-Bad.



Die Duschen und Toiletten nebenan sind neu gestaltet mit Steinen und Metalltüren, alles ok. Ich hatte bei diesem Preis (23Euro) wirklich mit dem schlimmsten gerechnet. In der offenen Küche gibt es Frühstück für alle. Ich mache mir einen Instant-Kaffee, esse Cereals mit Quark und Toast, beobachte die anderen Gäste.



Wie zu erwarten, junge Backpacker. Aber ich fühle mich wohl und jung genug. Der einzige Unterschied: Backpacker von heute reisen offenbar alle mit Laptop. Ich habe keinen dabei. Es gibt W-Lan, doch ich lasse mein Smartphone stecken und falle erstmal zwei Stunden ins Bett. Nach einer erfrischenden Dusche frage ich an der Rezeption nach, was mit meiner City-Tour ist, die ich gebucht hatte. Es herrscht Verwirrung, dann kommt raus, dass sie nicht stattfindet, da ich die einzige bin, die eine machen wollte. Bin etwas enttäuscht. Zurück im Zimmer, scrolle ich auf dem Smartphone durch meine Mails und finde eine Nachricht von Carsten Möhle, den ich im Zuge der Vorbereitungen auch mal kontaktiert hatte. Ich rufe an und frage, ob es heute noch eine Tour gibt. Carsten persönlich ist dran und ja, es gibt eine Tour, mit drei anderen Leuten, ich kann gern mitkommen. Ich soll um 15 Uhr abgeholt werden. Bis dahin ist noch etwas Zeit, und ich beschließe, in die Stadt zu gehen. Ich frage an der Rezeption nach dem nächsten Supermarkt, mir wird der Weg zum Wernhill Park erklärt - eigentlich nur die Haupstraße runter. Auf meine Frage hin, ob es sicher ist, wird mir geraten, keine Tasche mitzunehmen. Mit etwas Geld in der Hosentasche laufe ich also los. Das ständige Angehupe durch die Taxis ignoriere ich. Da ich auf der falschen Straßenseite bin, verfehle ich den Eingang zur Maill und frage schließlich jemanden. Der junge Mann im Anzug begleitet mich bis zum Pick'n Pay in der Mall, fragt nach meinen Plänen und will schließlich meine Nummer haben. ooops. Ich lächle ihn an und sage dass mein Handy hier nicht funktioniert. Er notiert mir seine Nummer und seinen Namen, falls ich "lost in Windhoek" wäre. Danach kaufe ich ein bisschen Obst, was zu trinken und Instant-Nudeln sowie ein paar Snacks. Über die Post Street laufe ich zurück. Da Sonntag ist, ist nicht viel los. Zurück im Hostel, verspeise ich zum mittag den Fertig-Salat und den Bagel. Wenig später werde ich abgeholt. Carsten steht mit dem offenen Landrover vor der Tür. Eine Frau sitzt schon drin. Wir brausen durch halb Windhoek und holen noch ein Pärchen ab. Dann geht es los. Am klotzigen Präsidenten-Palast vorbei auf einen Hügel mit tollem Blick über die Stadt. Der Landi rumpelt über die mehr als holprige Piste, ein Heidenspaß.









Danach geht es durch die City, vorbei an der Alten Feste, der Christuskirche und der "Kaffeemaschine", dem neuen Unabhängigkeitsgebäude. Carsten erklärt viel und lebhaft, wir lachen viel.





Nach einem weiteren Stop auf einem Hügel, wo Carsten uns die Aloe-Pflanzen zeigt, düsen wir Richtung Katutura. War es in der City heute ruhig, ist es hier sehr lebendig. Das scheint das wahre Windhoek zu sein, wo die Menschen eben leben. Wir wundern uns über die genaue Verteilung der Branchen - eine Straße voll mit Bars, eine mit Friseuren, die andere mit Auto-Werkstätten und Car-Washs - und die lange Hans-Dietrich-Genscher-Straße. Carsten hält natürlich an dem Schild, auf dem das "s" in Genscher fehlt.





Danach geht es über eine Schotterpiste auf den Gorengeab-Dam, wo wir den wunderschönen Sonnenuntergang erleben, mein erster in Afrika. Ich strahle vor mich hin und bin schon überwältigt von den Eindrücken.



Plötzlich kommt über die Schotterpiste eine Horde barfüßiger Kinder angerannt. Keine Frage, sie wollen zu uns. Die Kids entern den Landrover und dürfen mit zurück nach Katutura fahren. Ihre"more speed" Rufe, gemischt mit ihrer Klicksprache, das Gewusel im fahrenden Auto, ihr Lachen: Die Kleinen werden zu meinem persönlichen Highlight der Tour.










An den Hütten lassen wir sie raus, und in der Dämmerung düsen wir zurück nach Windhoek. Carsten bringt mich zum Hostel. ich bereite mir in der Küche die Fertig-Pasta zu, komme am Tisch mit amerikanischen Studenten ins Gespräch, die hier Forschungsarbeiten machen oder auf Rundreise sind. Ich spüle noch ab und falle ins Bett. Trotz musik und Gelächter, die von der Bar zu hören sind, schlafe ich rasch ein.


Reisebericht:
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Letzte Änderung: 24 Okt 2013 22:57 von ontrail.
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21 Sep 2013 07:02 #305117
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Liebe Uta,
die Überschrift ist verleitet auf jeden Fall zum Reinschauen...ich freue mich schon auf Deine Fortsetzung.
Schönes Wochenende
DoNo
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21 Sep 2013 09:50 #305136
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Hallo Uta,

würde mich auch über mehr freuen :laugh: .

Liebe Grüsse
Lil
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21 Sep 2013 17:23 #305193
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Ich bin auch dabei, Uta !

Also hau' bitte weiter in die Tasten - ich freu emich auf die Fortsetzung !

Bei dem Bericht über die Stadtrundfahrt mit Carsten erinnerte ich mich nur zu gut an unsere Tour mit ihm .... :-)

VLG Antje
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21 Sep 2013 18:03 #305201
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26.8. (Herero's Day), Windhoek, Naa'nkuse

Ich wache schon um 6 auf. Draußen ist schon was los. Bis 7 wälze ich mich noch im Bett rum. Ist ja Urlaub, aber ich weiß, dass auch der Rest der Reise von frühem Aufstehen geprägt sein werden. So ist das eben in Namibia - ein Wissen, das ich mir auch hier im Forum angelesen habe ;)
Nehme mir wieder was vom Frühstücksbuffett. Die Auswahl ist natürlich minimal, aber für ein Hostel finde ich es absolut toll, dass es überhaupt was gibt. Ich setze mich etwas an den winzigen Pool, schreibe Tagebuch und hole dann meine Sachen aus dem Zimmer. Denn ab heute beginnt die Safari, und da muss ich, obwohl es heute nur einen Tagesausflug gibt, nochmal das Zimmer wechseln. Das Safari-Paket beinhaltet wohl eine etwas bessere Kategorie. Ich habe die 7-Days-Namibian-Highlights Tour gebucht und auch angegeben, dass ich mir das DZ mit jemand teilen würde, um Kosten zu sparen. Keine Ahnung, ob das eine gute Idee war. Die Safari wird auch von Chameleon durchgeführt, daher hatte ich auch das Hostel als Ankunfstübernachtung gewählt. Diee Touren gibt es als Camping-Touren (noch günstiger) und mit Unterkünften. Es heißt viel Namibia für wenig Geld. Da es mir wichtiger war, bestimmte Dinge zu sehen als tolle Unterkünfte zu haben, hatte ich die Tour gebucht. In der Hoffnung, dass ich auch auf nette Leute treffe. Denn immerhin habe auch ich bei Bekanntgabe meiner Reisepläne prompt das "Hummeldumm" Buch geschenkt bekommen. Jaja, die Gruppendynamik...da ich mich aber für anpassungsfähig halte (und mir mein Handyempfang seit gestern auch völlig schnuppe ist) hoffe ich mal das Beste....

Ich lasse den Koffer und Rucksack in der Lobby und gehe dann ins Safari-Büro. um mit Selma, mit der ich mir im Vorfeld auch gemailt hatte, die Formalien zu klären. Ich muss noch so einen Wisch unterschreiben, dass ich auf eigene Verantwortung mitfahre, werde nochmal gefragt ob ich besondere Bedürfnisse habe (nein---ich nicht, aber der Rest der Gruppe...dazu später mehr) und will dann mit Kreditkarte bezahlen. Dann kommt ein typischer Uta-Moment: Sie ist weg...ich muss gestehen, ich bin manchmal ein totaler Schussel, und suche immer irgendwas...und in jedem Urlaub bleiben Dinge buchstäblich auf der Strecke....aber die Kreditkarte???? Mein Herz rast, ich wühle in meiner Handtasche, düse in die Lobby, klappe dort den Riesen-Koffer auf, durchwühle meinen Rucksack. Sie ist weg. Selma meint, ich soll einfach später nochmal kommen und überlegen, wo die Karte sein könnte und nochmal in Ruhe die Taschen durchgucken. Mir rast der Puls. Nochmal alle Taschen durchgucken. Dann der Gedanke: Ok, ich hatte sie im Safe im Zimmer gelassen. Aber da habe ich vorhin alles rausgeholt....Trotzdem hole ich mir nochmal den Schlüssel. Das Zimmer wurde aber in der Zwischenzeit gereinigt...ich stürze zum kleinen Safe, der ja nun offensteht. Da es so dunkel ist im Zimmer sehe ich nichts, meine Hand tastet rum. Nichts. Dann wühle ich das dünne Tuch beiseite, was da unten drin liegt...und da drunter liegt, ganz still und stumm, die Kreditkarte. Puuhhhh, mir poltern die Steine vom Herzen.... und ja, es wird die einzige Suche in diesem Urlaub bleiben..... ;)

Also zahle ich meine 11500 dollar bei Selma - da ist alles inklusive bis auf Getränke. Ein fairer Preis für die Tour, auch im Nachhinein.
Dann mit Robin, einem der Amis von gestern, nochmal zu Fuß zur Mall. Nochmal Wasser, Snack etc. Robin sucht noch eine Plastik-Reissverschluss-Tasche, die wir dann außerhalb in einem Krusch-Laden bei einem Inder (?) finden. Zurück ins Hostel. Kann nun mein neues Zimmer beziehen. "Kudu" ist groß und geräumig, mit Bad und Dusche im Raum. Heute nacht bin ich noch allein, da andere nur 6 Tage gebucht haben ohne den heutigen Ausflug, so dass ich erst morgen erfahre, ob und mit wem ich mir dann die Zimmer teile.





Dann esse ich wieder einen Salat und einen Bagel, diesmal garniert mit leckerem Frischkäse. Dann ist es schon so weit, wir treffen uns zur "Big Cat Experience", ein Ausflug zur Naa'nkuse Foundation. Ich weiß, dass ist mehr Zoo als Safari. Trotzdem freue ich mich, gehe ja auch zu Hause gern mal in den Wildpark. Und hier passt immerhin auch die Umgebung zum Tier. Wir, das sind außer mir noch Melissa, eine Australierin, etwas älter als ich, zwei Freundinnen aus den USA, Poonam und Christina, etwa Mitte zwanzig, und Devyn, ebenfalls Amerikaner und etwas jünger als ich. Ich überlege noch, ob Melissa nicht doch meine Zimmerpartnerin sein könnte, aber sie hat EZ gebucht. Mit einem kleinen Bus geht es dann nach Naa'nkuse. Erst Richtung Flughafen, dann links auf (meine erste) Schotterpiste nach Naa'nkuse. Die Lobby dort in ihrer modernen Stein-Holz Optik ist schon beeindruckend, und ein großes Foto weist darauf hin, dass auch Brad Pitt und Angelina Jolie samt Kids schon hier waren. Wir müssen noch eine Weile warten und dürfen uns an der Tee/Kaffee-Bar bedienen.








Dann geht es, zusammen mit einem Haufen anderer Gäste, auf zwei offene Safari-Wagen. Ich muss grinsen, endlich sitze ich in so einem Ding (siehe auch Foto im Prolog). Dann geht es los durchs Gelände zur Fütterungstour.




Erste Station ist bei "Lucky", einer dreibeinigen Gepardin, die aufgrund ihrer Behinderung nicht ausgewildert und wohl auch nicht vergesellschaftet werden kann. Für ein Stück Fleisch kommt sie herbei und lässt sich auch nett fotografieren. Ich finde diese Katzen faszinierend, doch Luckys Humpeln versetzt mir einen Stich.






Der zweite Stopp ist am Pavian-Gehege. Sieht aus wie ein etwas runtergekommener Spielplatz. Volunteers laufen rund um den Zaun und werfen Futter-Körner rüber.






Dann geht es zu Fuß weiter zu den Karakalen - und wir dürfen mit ins Gehege! Ich bin begeistert. Zwar laufen die beiden Jungs teilweise etwas hospitalistisch am Zaun entlang, aber sie umrunden auch unsere Gruppe, streichen wie jede Katze um unsere Beine und lassen sich streicheln. Vor lauter Kontaktaufnahme verpeile ich es, mal richtig schöne Fotos von den Tieren zu machen. Die eher unbekannten Karakale fand ich schon immer sehr faszinierend, und ihnen hier so nahe zu kommen ist toll.






Danach geht es mit den Wagen weiter zu dem Wildhunde-Rudel. Für mich als Fan von "Hundkatzemaus", der Tiersendung auf Vox, quasi alte Bekannte. Dr. Wolf lässt grüßen. Den Bericht darüber hatte ich gebannt angeschaut, und nun die Tiere zu sehen, die ich nur aus dem TV kannte, ist toll. Zwei Mitarbeiter werfen von einer erhöhten Plattform ein komplettes totes Warzenschwein ins Gehege, auf das sich das Rudel stürzt. Ihr typischen Winseln und Quietschen zu hören, begeistert mich. Innerhalb kürzester Zeit ist das Schwein an der Bauchseite blutig offen und ausgeweidet. Ich frage mich, wie die Kiddies der mitfahrenden Familie das wohl finden?! Ich jedenfalls freue mich, diese Tiere live zu sehen.
FRAGE: Ich habe auch ein Video der Fütterung, kann ich das hier hochladen?









Weiter geht es zum Leopardengehege. Ein Männchen und ein Weibchen warten auf das Abendessen. Es ist zwar ein Gehege und eine Art Vorführung, aber es ist trotzdem schön, diese Tiere in ihrer quasi natürlichen Umgebung zu sehen, ganz dicht hinter den Maschen des Zauns. Sie sind größer als ich dachte, im heimischen Zoo, wo sie meist eh regungslos irgendwo oben liegen, war mir das nie so bewusst. Und dann das laute Schnurren und dunkle Fauchen, als das Fleisch nicht schnell genug geflogen kommt...





Zum Abschluss geht es zu den Löwen, klar, das Highlight der "Show". Ich finde sie zwar auch beeindruckend, aber ich war ja nach Karakalen und Wildhunden schon happy. Clarence, das Männchen, hebt zu einem gewaltigen Sprung 2m vor mir ab um das geworfene Stück Fleisch in der Luft zu fangen. Wooaaah! Sieht zwar nach einstudiertem Kunststück aus, aber eigentlich könnte er ja auch, wie die beiden Damen, warten, bis es vor seiner Nase im Sand landet. Ein Video gibt es davon auch, evtl kann ich das mal hier hochladen.





Im Sonneuntergang geht es zurück zum Hauptgebäude, wo Philipp, unser Fahrer, schon wartet. Schnell geht es zurück nach Windhoek ins Hostel. Mache mir ein dick belegtes Sandwich und einen Tee, quatsche noch ein bisschen mit den anderen von gestern. Ich bin hundemüde und gehe um ca. 21 Uhr ins sehr gemütliche Bett.



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Letzte Änderung: 21 Sep 2013 20:09 von ontrail.
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