5 Mon. Elternzeit SA/NAM - Teil IV - WDH->CPT

Reisebericht 46 Antworten · 4’530 Aufrufe · gestartet 03. Juni 2025 von fidel
Themenstarter925 Beiträge · seit 201614. Juli 2025 ·
Fazit Teil IV


Unsere größte Befürchtung bei der Planung dieses Teils war das Wetter und möglicher Regen/Kälte. Wir hatten, wenn ich mich recht erinnere, über den Zeitraum von über 5 Wochen drei Tage mit mehr Regen. Tatsächlich kalt im Freien war es nur an ein oder zwei Orten (z.B. bei Lüderitz), ansonsten war tagsüber meist T-Shirt, manchmal Pulli angesagt. Wie repräsentativ so ein Eindruck ist, ist natürlich immer schwierig zu beurteilen, weil von vielen Zufällen abhängig. Wir hätten jedoch keinerlei Bedenken, erneut in der Jahreszeit diese Route zu bereisen. In den Unterkünften selbst war es (anders als etwa auf unserer Route in Teil I dieses Berichts zu ähnlicher Reisezeit) nie kalt. An der Höhe selbst kann es nicht liegen, denn auch in Wilderness oder im Storms River Mouth Restcamp war es Anfang Mai bisweilen sehr frisch. Vielleicht hatten wir also auch einfach etwas Glück.

Die Route erwies sich auch als gut. Es war natürlich schade, dass wir am Oranje bzw. der Gegend im und um den Richtersveld NP nicht mehr Zeit verbracht hatten. Auch dass der Tankwa Karoo NP keinen Platz hatte, ist schade. Auch im Süden Namibias hätte man natürlich noch mehr Zeit verbringen können, da es auch hier noch ein paar weiße Flecken auf unserer Landkarte gibt. Wir brauchen also wohl mal eine Runde “mitten Durch” bis zum KTP..

Dafür war die Route, vor allem in den letzten Wochen, sehr entspannt und sorgte für einen guten Erholungsfaktor. Vier Nächte pro Stop limitieren zwar das Vorankommen, sind für uns aber wohl die idealste Zahl an Nächten für das richtige Verhältnis von Entdeckung und Entspannung. Dass man damit bei klassischen Urlauben an seine Grenzen stößt, ist uns klar - deshalb bin ich auch sehr gespannt, wie unsere nächste Reise verlaufen wird.

Einzig etwas mehr Tiere wären natürlich schön gewesen, aber dafür ist es nunmal die falsche Gegend. Dafür konnten wir einige sehr schöne Wanderungen machen. Fürs Wandern ist das gesamte Western Cape (und mutmaßlich auch die angrenzenden Regionen) was die Auswahl angeht, extrem hoch zu bewerten. Es gibt eine Vielzahl an tollen Gegenden und Wanderrouten in allen Längen.

Vor allem in der Kapregion (wozu ich jetzt mal alles im Umkreis von 3 Stunden um Kapstadt zähle) haben wir trotz der längeren Zeit gefühlt noch immer so unendlich viel nicht gesehen oder besucht.

Die Route wäre (mit Abstrichen im Namibia-Teil) sicher auch problemlos mit einem normale Auto machbar gewesen, hier benötigten wir aber leider den großen Stauraum im Canopy und ein anderes großes Auto wäre nicht günstiger gewesen.

Es folgt noch ein Gesamtfazit (hoffentlich ohne viel Wiederholungen).
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025
Themenstarter925 Beiträge · seit 201615. Juli 2025 ·
Gesamtfazit

Nach in Summe 143 Tagen und über 2.200 geposteten Bildern ist es nochmal Zeit für ein Gesamtfazit.

Allgemein

Zunächst einmal fällt einem im Rückblick auf, wie viel man bei vermeintlich großzügigem Zeitbudget dennoch auslassen muss oder nicht in der gewünschten Tiefe bereisen kann. Es wäre natürlich spannend zu erleben, wie eine solche Tour aussehen würde, wenn man sie tatsächlich “Open End” bestreiten würde. Das wäre allerdings allenfalls als Camper mit eigenem Fahrzeug oder nach einem Lotto-Gewinn/Erbe irgendwie finanziell darstellbar. Auch wenn man in Südafrika (noch) verhältnismäßig günstig reisen kann, ist es von den Kosten her bei vergleichbarem Standard in anderen Teilen der Welt nochmal deutlich günstiger, lange zu reisen. Zu unseren Kosten hatte ich bereits im Eingangspost zu Teil II und Teil I (Links s. unten) einiges geschrieben.

Eine vergleichbare Reise nach Südafrika wird es daher aller Voraussicht nach nicht mehr geben. Falls sich nochmal eine längere Auszeit ausgehen würde, würden wir diese (mit dann größeren Kindern) voraussichtlich anderswo (ggf. auch in Afrika) verbringen, die Auswahl reicht ja leider nicht für ein Menschenleben aus.

Kinder und Südafrika

Eingangs hatte ich ja bereits auch einiges zur Frage der Sinnhaftigkeit von Fernreisen mit Kindern geschrieben. Daher vielleicht noch ein paar Zeilen an andere (ggf. künftige) Eltern mit ähnlichen Wünschen, ohne mich zu viel zu wiederholen. Die Vorstellungen von “Urlaub” gehen bekanntlich sehr weit auseinander. Ich bin mir sicher, nicht wenig von dem, was wir gemacht haben, würden manche nicht als Urlaub oder Erholung ansehen. Aber manch einer kann sich ja schon nicht einmal einen Selbstversorger-Urlaub vorstellen (ob mit oder ohne Kind). Dennoch ist zu konstatieren, dass der Aufwand an Dingen, die man unterwegs berücksichtigen und erledigen muss, doch extrem steigt, sobald kleine Kinder im Spiel sind. Wie man hoffentlich gesehen hat, kann man so durchaus eine sehr schöne Zeit verbringen. Ob einem das dann jeweils den Aufwand wert ist und man ein ausreichendes Maß an Gelassenheit (oder Afrikavirus) mitbringt, muss jeder für sich entscheiden.

Man ist gerade im Vergleich zu vielen anderen Reisen, die hier in Berichten beschrieben werden, in mancherlei Hinsicht doch deutlich stärker eingeschränkt. Das muss man in seinen Erwartungen berücksichtigen. Vor allem solange Mittagsschlaf noch ein Thema ist, kollidiert dieser leider immer wieder mit möglichen Stops, Aktivitäten oder Ähnlichem. Auch was das (abendliche) Essengehen angeht, tut man sich bisweilen schwerer. Wieviel Zeit am Tag man nur sitzend im Auto verbringen will, ist mit Kindern vermutlich auch anders zu beantworten als ohne. Unseres Erachtens heißt Urlaub mit Kindern aber nicht zwingend, dass man von Morgens bis Abends am Strand, Pool oder Spielplatz sitzen muss. Man kann unseres Erachtens auch sehr gut versuchen, einen Kompromiss aus klassischen Rundreisen mit vielen Stationen und Kilometern und für Kinder interessanten Dingen zu finden.

Für die Frage, ob man Vergleichbares selbst unternehmen sollte, hilft es vor allem in psychischer Hinsicht enorm, wenn man bereits ohne Kinder Vorerfahrungen im südlichen Afrika (oder sonstigen Fernreisen) hat. Dadurch ist für die Eltern einiges bereits bekannt, was ansonsten ggf. noch mehr Stress/Überlegungen verursachen würde. Natürlich geht es auch ohne Vorerfahrungen - wir hätten die beiden Reisen jedoch ohne Vorerfahrungen vor Ort (und Infektion mit dem Afrika-Virus) wohl nicht gewagt (erst recht nicht zur Corona-Zeit). Aber auch hier ist die Risikoeinschätzung natürlich sehr individuell und das Internet ist voll von begeisterten Eltern mit Baby in Südafrika.

Wenn man sich mit den bestehenden Problemen Südafrikas (Sicherheit, Strom- und Wasserversorgung) arrangieren kann, ist Südafrika sicher DAS perfekte Land, um mit kleinen Kindern den Afrika-Virus zu behandeln (oder zu bekommen). Es ist auch das perfekte Land für Safari in jedweder Form für Familien (es sei denn der Geldbeutel ist unbegrenzt). Man kann auch mit kleinen Kindern tolle Wildlife-Erlebnisse und Sichtungen haben und genießen, ohne jeden professionellen Guide o.ä. Namibia ist da, wie im Fazit zu Teil III bereits geschrieben, etwas spezieller aufgrund der schlechteren/dünneren Infrastruktur und der begrenzten Verteilung von Orten mit Tiersichtungs-Möglichkeiten (jenseits von Farmen etc.). Daher wäre mein Rat: Südafrika für Kinder jeden Alters, Namibia vielleicht erst, wenn sie auch Freude an Wüste etc. haben und man sie mit Camping gut begeistern kann.

Man sollte dabei auch bitte keinerlei Angst vor Game Drives mit Kindern haben und diese nach Möglichkeit im eigenen Fahrzeug und Tempo machen. Natürlich kann man nicht mehr von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang rumfahren, aber man kann die Strecke und Dauer frei einteilen nach den Bedürfnissen der Kinder. Hier bietet es sich auch sehr an, immer im Park zu übernachten. Auch wenn das Preisleistungsverhältnis bei Unterkünften außerhalb manchmal besser sein mag, fährt man i.d.R. nicht wegen der Unterkünfte, sondern wegen der Natur und Tierwelt nach Südafrika. Die lassen sich oft bereits im Camp erleben und man spart sich je nach Park und Unterkunft bei jedem Game Drive 30-60 Minuten An- und Abfahrt sondern ist gleich im Geschehen. Der Standard bei Sanparks (und auch ezemvolo) ist dabei stets mindestens Jugendherbergsniveau, oft aber auch deutlich besser und eine einzigartige Lage.

Ob die Kinder so viel davon “haben”, ist bei vielen Arten von Urlaub, die über Strand und Bauernhof-Urlaub hinausgehen, fraglich. K2 wird sich an nichts erinnern können, bei K1 ist es glücklicherweise etwas anders, auch wenn wir hier natürlich trotzdem versuchen, aktiv die Erinnerung aufrechtzuerhalten. Es ist daher natürlich keine Reise, um den Kindern “Afrika” zu zeigen, sondern eine Reise, die hoffentlich gemeinsame Familien-Erinnerungen (wenn auch nur über Bilder) schafft und als Familie zusammenschweißt. Ob man dafür extra nach Südafrika fliegen will, muss jeder für sich selbst beantworten.

Highlights

Nachdem wir sehr viele Ecken des südlichen Afrikas auf unserer Runde besucht haben, stellt sich natürlich mit etwas zeitlichem Abstand ein wenig die Frage nach den “Overall-Highlights”. Hier ist die Auswahl natürlich schwer, ich kann nur sagen, dass es einige Ecken gibt, die unsere Erwartungen / Erfahrungen aus vorherigen Reisen nicht nur erfüllt, sondern übertroffen haben und nachhaltige Begeisterung ausgelöst haben, mit der wir vorher nicht zwingend gerechnet hatten (neben unseren All-Time Favourites KNP u. KTP). Dies sind:

Tsitsikamma NP
Mountain Zebra NP
Drakensberge in jeglicher Form/Gegend
Namibrand NR
Swakopmund
Lüderitz
Cederberge
De Hoop
Kogelberg
Winelands
Kapstadt/Kaphalbinsel

Mehr allgemeine Infos finden sich in den jeweiligen Eingangsposts der einzelnen Teile des Berichts. Diese finden sich - auch für alle späteren Leser - hier:

Teil I 2022: 2 Monate von Kapstadt bis zum KNP über Garden Route, Addo, MZNP, Wild Coast, Oribi, Hluhluwe-Imfolozi, St. Lucia

Teil II 2024: 1 Monat von Johannesburg nach Windhoek über Pilanesberg, Drakensberge, Mokala NP und KTP

Teil III 2024: 3 Wochen mit Bushcamper durch Namibia

Einen Gesamtüberblick über die gefahrene Strecke sieht man hier:



Ansonsten geht es für uns nun in wenigen Wochen wieder los. Wir konnten es leider nicht lassen und haben die Chance ergriffen, für einen Monat durch das östliche Südafrika zu fahren, diesmal im Winter und mit nochmals älteren (2+4) und anstrengenderen Kindern. Hier merkt man übrigens durchaus (neben den absurden Flugpreisen allgemein und v.a. in den Ferien) auch bei den Unterkünften in Südafrika eine deutliche Preissteigerung von 10-20% im Vergleich zu unseren Reisen 2022 und 2024, so dass es ziemlich sicher nichts mehr mit einem jährlichen Afrika-Urlaub wird..

Ich bedanke mich bei allen Lesern, die bis hierher durchgehalten haben und hoffe, dass manch einer vielleicht etwas davon mitnehmen oder profitieren konnte.
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025
2’474 Beiträge · seit 200615. Juli 2025 ·
Guten Abend Fidel,

vielen Dank für Deine Berichte und auch die interessanten Fazits. Eure Art der Reisen ist maximal weit von meiner entfernt. Weder habe ich die Zeit, noch wandere ich, noch habe ich Kinder. 😉 Es war aber sehr interessant zu lesen, wie Ihr reist, wie Ihr auf die Länder schaut, die ich schon so lange bereise.
Häufig denkt man ja, die eigene Art des Reisens sei die allein Seligmachende und es war eine Freude zu sehen, dass eine Reise, die ich so nie hätte machen wollen, doch superschön war. Danke dafür.

Liebe Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
142 Beiträge · seit 202315. Juli 2025 ·
Hallo Fidel,

vielen Dank, nicht nur für diesen Bericht, sondern auch für die anderen Teile! Ich habe sehr gerne mitgelesen 🙂 Wir haben nichts in diese Richtung geplant, trotzdem war es spannend, eure Reisen mitzuverfolgen!

Liebe Grüße
Johanna
554 Beiträge · seit 201715. Juli 2025 ·
Hallo Fidel,

auch von mir ein herzliches "Dankeschön" fürs Mitnehmen auf diese doch sehr besondere Elternzeit-Reise. Ich finde es ganz toll wie ihr das alles gemeistert habt und was ihr erleben durftet. Ganz nebenbei hast du für mich persönlich nochmal das ein oder andere Gebiet bzw. einige Unterkünfte in den Fokus gerückt, die ich bislang nicht auf dem Schirm hatte. Auch wenn ihr nicht mehr für so lange Zeit am Stück verreisen solltet, bin ich doch sicher, dass ihr noch weitere tolle Reisen als Familie erleben und nachhaltige Erinnerungen schaffen werdet.

Liebe Grüße
Kordula 🙂
Themenstarter925 Beiträge · seit 201615. Juli 2025 ·
Vielen Dank für die netten Worte!

@Sanne
Wir kamen ja ursprünglich auch von eurer Art des Reisens her (und fanden die jetzige Art des Reisens und die langweiligen Teerstraßen in Südafrika unvorstellbar). Mit Kindern in dem Alter geht das aber halt nicht mehr in gleichem Maße, da müssen wir noch ein paar Jahre (ich hoffe mal max. 2-3) warten. Dafür eignet sich aber Südafrika optimal als Zwischenlösung.

@Johanna
Selbst wenn keine Reise geplant ist - Inspiration schadet nie 🙂

@Konni
Danke für das schöne Bild - auch eines meiner Lieblingsbilder 🙂

@Dandelion
Das freut mich natürlich zu hören. Es war auch ein wenig meine Absicht hinter dem Bericht, ein paar seltener besuchte oder berichtete Ecken näherzubringen.

Viele Grüße
fidel
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025