Abschied vom Grasland Namibia

Reisebericht 100 Antworten · 7'542 Aufrufe · gestartet 18. Apr. 2026 von Burschi
Themenstarter4'140 Beiträge · seit 200918. Apr. 2026 · #1
Hallo Fomis,
zweiter und letzter Versuch. Der erste wurde ja von den Tiefen des Forums verschluckt und ich habe ihn nicht mehr gefunden. Der letzte, weil, ja weil mir die Zeit davon läuft.
Ich schreibe nämlich meinen „allerletzten“ Namibia-Reisebericht. Die älteren Fomis werden jetzt aufstöhnen: „Der hat sich ja schon zweimal verabschiedet!“ Richtig, aber manchmal kommt es eben anders als man denkt.
Ich gehöre ja zu den Forums- und Namibia-Saurieren, die Namibia kannten,
- als man von Windhoek nach Okahandja noch auf einer Gravelroad fuhr und nicht auf einem Highway,
- - als das Wort „Vorbuchen“ noch nicht erfunden war,
- - als in Windhoek noch nicht mehr als 5 Ampeln standen und „Stau“ gänzlich unbekannt war,
- als noch niemand nach dem WiFi-Passwort fragte,
- als es in Okaukuejo noch eine Telefonzelle gab, die gelegentlich mit Telefonkarte funktionierte
- als es noch sogenannte Farmleitungen gab,
aber das führt jetzt zu weit! Jedenfalls, als Namibia noch „Das Land der roten Stille“ und noch nicht „das Grasland mit dem Tourifunpark“ war.
Ich habe es in allen Nuancen zu allen Jahreszeiten erlebt, zuletzt 2022 als einer der ersten Gäste nach Covid. Da waren außer mir in Okaukuejo nur 5 weitere Gäste und auf etlichen Lodges wurde ich als einziger und erster Gast nach der Pandemie freudig begrüßt.
Inzwischen haben aber ein schwerer Unfall mit dem Rad und zwei Operationen so einiges verändert. Ich habe ja über 25 Jahre lang einen Kalender produziert und mit dem Erlös einige Sozialprojekte in Namibia gefördert. Nun wollte ich mich von Weggefährten und lieben Freunden noch einmal persönlich verabschieden. Und vielleicht die eine oder andere Kleinigkeit entdecken, die ich noch nicht gesehen habe.

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Die hatte ich z.B. noch nie vorher gesehen.
Vielleicht kann ich ja mit dem Bericht dem einen oder anderen helfen, den Blick nicht nur auf die „Big5“ zu richten.
Nun zu den Vorbereitungen: Eigentlich sollte die Reise ja im November 2025 stattfinden, doch eine schwere Erkrankung meiner Frau verhinderte es. Zum Glück konnte ich durch die Reiserücktrittsversicherung nach einigen Hin und Her die Kosten wieder bekommen. Nach Besserung stand dann aber fest, dass ich die Reise nur noch alleine machen kann, und so begannen die Vorbereitungen:
1. Flugbuchung im Reisebüro (Der Flug im März war 200€ billiger als im November!). Mit Lufthansa Cityline von Nürnberg nach Frankfurt (geht heute nicht mehr!) und mit Discover von Frankfurt nach Nürnberg,
2. Buchung aller Unterkünfte über „Abenteuer-in-Namibia“ in Swakopmund (Soll in Kürze verkauft werden.)
3. Autobuchung bei ASCO (Rabatt als Stammkunde)
4. Ausfüllens des „Visa on Arrival“ schon zu Hause
Und nun zum Bericht: Das Schlimmste zuerst. Bei der Rückreise habe ich beim Umsteigen in Frankfurt mein Reisetagebuch in der Sitzmappe liegen lassen. Viele Gedanken sind verloren. Ich muss nun versuchen, anhand der Bilder alles im Gedächtnis zu rekonstruieren und dabei hilft mir hoffentlich auch dieser Bericht ein wenig. Vom vielen Nachdenken bin ich auch schon ziemlich platt!

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Es ist erstaunlich wenig los am Flughafen in Nürnberg und so kann ich nach dem Checkin ganz gelassen ohne Wartezeit zum Security-Check und dann weiter zum Boarding. Wieder habe ich noch eine längere Wartezeit, bis um 18.30 Uhr das Boarding ist. Der Flieger ist rappelvoll, bis auf den letzten Platz, viele reisen aber nur mit Handgepäck.
Pünktlich um 18.50 Uhr startet der Flieger nach Frankfurt in den abendlichen Himmel von Nürnberg.

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Nur 45 Minuten später landet die Maschine schon wieder in Frankfurt. So schnell würde es mit der Bahn natürlich nicht gehen.
Der Abflug erfolgt pünktlich um 22.00 Uhr in Frankfurt. Ich hatte ja extra „Premium Econo-my“ gebucht, um etwas bequemer sitzen zu können. Aber denkste! Die Sitze bei Discover sind unbequemer und enger als z.B. bei Marabu. Trotzdem gelingt es mir zumindest fünf Stunden auf dem Hinflug zu schlafen. Beim gereichten Essen ist mal wieder ein kulinarischer Tiefpunkt erreicht: Rindfleischbrocken mit Kartoffelpüree und Blaukraut, dazu ein Semmelchen mit Butter und Käse und ein Muffin. Da ist selektives Essen angesagt. Bei den Getränken entscheide ich mich für Tomatensaft und Wasser, denn Wein oder Bier gibt es schon nicht mehr gratis. Das Frühstück allerdings war eine Frechheit. So ein undefinierbare warme Rolle und ein Muffin! 🙁 Ein schlechteres habe ich noch nie bekommen. Bei der Bordunterhaltung dominiert der übliche Amerikaschrott und ich entscheide mich für „Troja“, den ich nur zur Hälfte anschaue.
Beim Anflug auf Windhoek zeigt sich lange nichts, denn über Namibia liegt eine Wolkendecke.
Ebenfalls pünktlich um 9.00 Uhr landet der Flieger, wieder weit vom Terminal entfernt, sodass erst ein langer Marsch dorthin zu bewältigen ist. Dann steht der ausgespuckte Tourihaufen erst mal einige Zeit vor dem Terminal, kann schon mal die heiße afrikanische Sonne genießen, bevor die Türen geöffnet werden

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Dann erfolgt das Aschenputtel-Urteil. Eine resolute Dame teilt den Haufen in „E-Visa nach links“ und „Visa on Arrival nach rechts“! Es gibt nur sehr wenige, die wie ich auf das „VoA“ gepokert haben, die Internet-Junkies stehen in einer endlosen Schlange. Bei den wenigen auf meiner Seite ist allerdings ein Einreisedepp dabei, der sich aus irgendeinem Grunde mit dem Schalterbeamten anlegt, weshalb es auch hier stockt. Als ich an der Reihe bin, werde ich von zwei überraschend freundlichen Beamtinnen abgefertigt, was in wenigen Minuten erledigt ist. Auch die Zahlung von 1600 N$ für das Visum geht schnell und problemlos.
Nach den Formalitäten stehen schon alle Koffer neben den Förderbändern und auch meiner ist dabei. Nochmals Durchleuchtungskontrolle und dann ist der Weg frei zu den wartenden Abholern. Auch mein ASCO-Abholer ist schon da und bittet mich noch zu warten, denn er muss nun noch auf einige E-Visa-Ankömmlinge warten. Mir bleibt noch ausreichend Zeit für einen Toiletten gang und um bei einem ATM 3000 N$ zu ziehen, denn mehr rückt der Automat nicht raus. Dann – weiter warten. Immerhin bequemer als in der Schlange stehen!
Endlich sind alle da und wir können zu ASCO fahren. Eine ganz neue Strecke! Zum ersten Mal fahre ich auf der Autobahn nach Windhoek. Keine schmale kurvenreiche Strecke mehr, nein, ein vierspuriger Highway! 🤩
Nach Ankunft beim Autovermieter gehe ich gleich ins Büro, um meinen Koffer wird sich schon jemand kümmern. So bin ich auch hier der erste und kann alle Restformalitäten schnell erledigen. Da ich Stammkunde bin, erkennen mich einige Angestellte wieder und ich werde freudig begrüßt. Auch das Auto, ein Toyota Hilux 4x4 ist top, ein nagelneues Fahrzeug mit 119 km auf dem Tacho! Ob das so toll ist, weiß ich nicht, denn so ein kleiner Kratzer oder Steinschlag ist da schnell passiert.
Um kurz nach 11 Uhr kann ich mit dem Auto den Hof verlassen und fahre mit Hilfe des Handy-Navis, das ich an den Bordcomputer anschließen kann, zum „Thüringer Hof“. Trotz Navi – ich kann das Hotelschild nicht sehen – fahre ich erst mal um den Block, bevor ich den Eingang finde. Dann an der Rezeption weiß man zunächst mal nichts von meiner Buchung. Das fängt ja gut an! Doch nach einiger Zeit der Suche in diversen Ablagen findet sich doch eine Notiz. „Das ist ja schon so früh im Januar gebucht worden!“, stellt man überrascht fest. Also gut! Mit einem Begleiter fahre ich in den abgesperrten Hofparkplatz und beziehe dann mein Zimmer im ersten Stock. Viel auspacken muss ich nicht, denn schon am nächsten Morgen soll es ja weiter gehen.
Vom Thüringer Hof, der zentrumsnah liegt, bis zum Wernhill Einkaufszentrum ist es nicht weit und ich kann für ein paar wenige Dinge, die ich morgen brauche – vor allem Getränke – auch zu Fuß gehen. Schon auf dem Weg dort hin ist alles, was ich an Windhoek so „liebe“, da! Eine bettelnde Horde kleiner Mädchen, herumlungernde Arbeitslose, auf der Independence Avenue ein endloser Strom von Autos in beiden Richtungen, hupende Taxis an den Kreuzungen, in der Fußgängerzone viele „best price“ – Angebote für billigen Touristenramsch, der inzwischen auch die Inflation mitgemacht hat, auch etliche aufgebrezelte junge Frauen, die alles, was sie besitzen auf dem Leib tragen, meist aber wohl in Katutura wohnen, Baulärm an verschiedenen Stellen – alles Eindrücke, die mich veranlassen nach dem Einkauf von Getränken, Brot, Käse und Boerewors schnellsten wieder in die Unterkunft zurückzukehren und im kleinen ruhigen Garten meinen ersten Rockshandy zur Abkühlung durch die Kehle fließen zu lassen. Nein, diesen Massentrubel brauche ich nicht und ich verlasse auch die Unterkunft nicht mehr.

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Das war´s dann für Windhoek. Ich gönne mir später noch ein Windhoek Lager im Garten und bestelle mir ein „Chicken Curry“, das aber aus dicken Rindfleischbrocken besteht. Wie sich auch die Hühner hier verändert haben! 😗
So, ich hoffe, dass dann alles klappt und feue mich, wenn jemand mitreist und da der Bericht ja auch eine Gedächtnisauffrischung für mich ist, bin ich nicht böse, wenn er euch nicht interessiert.
Schönes Wochenende
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2026
2'497 Beiträge · seit 201118. Apr. 2026 · #2
Hallo Burschi,

mich interessiert es auf jeden Fall und ich reise gerne mit.
Ich finde es sehr spannend, wie du den Bogen zwischen damals und heute spannst und freue mich auf mehr.

Liebe Grüße
Karin
Würde sollte niemals ein Konjunktiv sein. Namibia 2016: Infos zu Auto+Camps+die "Jahrhundertsichtung" Namibia 2015: Namibia - Mein Seelenland Namibia und Botswana 2014: Überraschungstour Namibia und Botswana mit Guide Namibia 2013: Drei Heidjer in Namibia - Guck mal, Elefanten!
2'167 Beiträge · seit 200918. Apr. 2026 · #3
Hallo Burschi,
Da reise ich doch sehr gerne mit!
Ich gehoere wohl auch zu den Sauriern - denn als ich das erste Mal in Namibia war stand an der Grenze nur eine Tafel:
"Grens - Border SWA / RSA - Welcome to SWA". 🤩

Tolles Foto von der Velvet Ant, die ja eigentlich eine Wespe ist! https://dewetswild.com/2019/12/01/velvet-ant/#:~:text=There%20are%20several%20species%20of,the%20female%20of%20this%20solitary

Freue mich auf deinen Reisebericht!

Liebe Gruesse
Maddy
Reiseberichte: Camping Tour Northern Namibia, August 2010 Dlinza Forest, Eshowe, KZN, South Africa Die erste Reise - Loggerhead Camping trip 2020: KNP-Mapungubwe-Magoebaskloof-Mt.Sheba
1'523 Beiträge · seit 201118. Apr. 2026 · #4
Guten Tag Burschi,

bin gerne dabei..........dein "Kapital" ist Deine langjährige Erfahrung in Südwest.........man kann immer

lernen.......... 😄 😄 😄

LG............................BMSW
1'675 Beiträge · seit 200718. Apr. 2026 · #5
Hallo Burschi,
seltsam, im November gab es in der Premium Eco ein ganz anderes Essen, und ein richtiges Frühstück. Und natürlich kostenlosen Alkohol, außer Gin Tonic oder Schnäpse.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
Themenstarter4'140 Beiträge · seit 200918. Apr. 2026 · #6
@ pollux
Die Premium economy unterschied sich in NICHTS von den normalen Economy-Plätzen, genauso eng und unbequem die Sitze und genau das gleiche Essen wie Economy! Einziger Unterschied: 55 € mehr für nichts bezahlt. 😈 😈
@maddy
Wäre nioch auf die Ameise / Wespe zu sprechen gekommen, aber vielen Dank für den interessanten Link. Hätte ich den vorher gelesen, wäre ich vielleicht nicht ganz so nah ran. Aber das Tier war im Regen nass geworden und daher vielleicht etws eingeschränkt.
@ Chamäleon (Karin)
Chamäleon kommt noch, freu dich schon mal drauf! 🙂
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33,1k Beiträge · seit 200618. Apr. 2026 · #7
Die Premium economy unterschied sich in NICHTS von den normalen Economy-Plätzen, genauso eng und unbequem die Sitze und genau das gleiche Essen wie Economy! Einziger Unterschied: 55 € mehr für nichts bezahlt. 😈 😈
Nein, Du sprichts von den XL-Sitzen in der Economy (ganz vorne Economy, hinter der PRemium). In der PRemium hast Du einen Sitz weniger pro Reihe, anderes Essen, Alkohol mit drin, kannst die Lehnen deutlich weiter zurückstellen usw. Die Premium Eco ist auch preislich variabel... zwischen so 900 Retour bis zu 1500 Retour. Die XL-Sitze kosten hingegen einen festen Aufpreis zur Economy pro Strecke.

Siehe: https://www.discover-airlines.com/de/de/my-bookings/manage/seat-reservation.html

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2026
1'014 Beiträge · seit 201618. Apr. 2026 · #8
Der Aufpreis für die Premion Eco ist normalerweise deutlich höher und es ist eine eigene Buchungsklasse. Die Sitze haben Fußstützen, jeweils eigene Armlehnen und mehr Platz in Breite und Sitzabstand. Die 55,00 Euro sind eher der Preis für normale Eco-Sitze mit etwas mehr Beinfreiheit.

Yanjep
768 Beiträge · seit 201718. Apr. 2026 · #9
Hallo Burschi, ich komme sehr gerne auf deine Reise mit, welche du dir ja hart verdienen musstest… auch ich finde es spannend zu lesen, wie es in Namibia früher war.
Liebe Grüsse und ein schönes Wochenende, Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute 2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius 2020: Kapstadt und Gardenroute 2022: Namibia 2024: Namibia und Südafrika 2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
274 Beiträge · seit 201718. Apr. 2026 · #10
Moin,
auch ich werde mitfahren. Da ich mich 2023 von Namibia verabschiedet habe, doppelt interessant.
Themenstarter4'140 Beiträge · seit 200918. Apr. 2026 · #11
@ Christian, dann war das wohl ein Missverständnis im Reisebüro. Bleibt aber festzustellen, dass die 55 € Aufpteis in nichts gerechtfertigt sind. Und 1000 € mehr für ein paar Zentimeter und eine oder zwei Büchsen Bier wäre mir ehrlich zu viel.
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1'003 Beiträge · seit 200819. Apr. 2026 · #12
Hallo Burschi,
Ich bin auch dabei!
Sicherlich war diese Reise etwas besonderes für Dich. Deine Kalender fand ich immer eine schöne Idee.
Die Sache mit dem Notizbuch ist sehr ärgerlich 🙁
Ich reise gerne mit dir und kann den kleinem Wehmut nachempfinden. (Stichwort Vorbuchen und wifi 🙂
Viele Grüße
Doro
6'152 Beiträge · seit 200619. Apr. 2026 · #13
hallo Burschi,
sehr gerne begleite ich Dich ins Grasland Namibia und freue mich auf den Reisebericht und das Erlebte. Herzliche Grüße Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
Themenstarter4'140 Beiträge · seit 200919. Apr. 2026 · #15
Guten Morgen,
Noch vorm Schlafengehen habe ich den ersten afrikanischen Schweiß abgeduscht – ich freue mich immer, wenn ich ordentliche Duschen habe und nicht von Strahl zu Strahl springen muss. Für ein Zimmer zur Übernachtung lege ich Wert auf die Dusche, einen Schreibtisch, eine Kofferablage und ein nicht zu weiches Bett. Das Zimmer im Thüriger Hof erfüllte diese Anforderungen. Geschlafen habe ich dann recht ordentlich, auch wenn kurz vor dem Einschlafen noch eine Lichtershow von fünf Polizeifahrzeugen und zwei Sanitätsautos auf der Kreuzung neben der Unterkunft geboten wurde. Doch die Fenster sind schalldicht und so hat mich das nicht weiter gestört.
Schon um 8.00 Uhr konnte ich nach dem Frühstück auschecken und die Fahrt nach Swakopmund beginnen.
Das Navi geleitet mich problemlos aus Windhoek hinaus und ich fahre bis Okahandja erst einmal auf der A1 (ehemalige B1). Dann die erste Überraschung, Okahandja wird von der Autobahn umfahren und man wird direkt ohne durch den Ort zu kommen auf die B2 Richtung Swakopmund geleitet. Bei den Umnummerierungen war es echt hilfreich, dass man noch in der Empfangshalle am Flughafen eine kostenlose aktuelle Straßenkarte bekommt, die früher allein zur Orientierung im ganzen Land ausgereicht hat. Nach Okahandja ist dann die Autobahn zu Ende und es geht auf normaler Teerstraße weiter. Doch auch da wird es wohl bald zu einer weiteren Autobahn kommen. Großbaustelle ist die Strecke zwischen Karibib und Usakos. Schon vor Karibib muss man auf eine kurvenreiche Ortsumfahrung. Pech nur, wenn man einen der vielen mit Kupferplatten beladenen Großlaster, die Kupfer von Sambia nach Wal-visbay befördern, vor sich hat und der bei jeder Kurve beide Fahrspuren braucht. Überholen ist unmöglich, also muss ich im Schritttempo mit vielen Haltepausen hinter ihm her bis nach Usakos schleichen. Wahrscheinlich wäre ich zu Fuß nicht viel langsamer gewesen.
Nach Usakos dann wieder die alte B2. Endlich überholen!
Die Vegetation verändert sich nun zusehends, doch statt der erwarteten roten oder grauen Wüstenerde, ist überall ein leicht grüner Teppich und alle Sträucher sind auch in der Halbwüste grün. Ein völlig anderes Namibia, wie man es nur selten erlebt, doch ich sollte noch andere Folgen des ausnahmsweise übermäßigen Regens in diesem Jahr sehen.
Kurz vor Swakopmund dann wieder Highway, der in mehreren Spuren in die Stadt hinein führt. Noch mal Umleitung, denn auf der Einfallstraße findet gerade ein Motorradrennen statt!
Trotzdem finde ich meine Unterkunft, das Prinzessin Rupprecht Hotel, ohne Probleme, schließlich war ich ja schon oft genug dort.

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Um 12.00 Uhr bin ich dort, habe die Fahrt gut überstanden und werde freundlich begrüßt. Ich bekomme das Zimmer „Augsburg“, das ich bis jetzt noch nie hatte. Mit vier Betten für mich allein! Aber drei davon blieben leer!

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Die Geschichte des ehemaligen deutschen Rotkreuzheimes mit einem angeschlossenen Altersheim im hinteren Teil, will ich hier nicht weiter ausbreiten. Es wird im nächsten Jahr völlig neu gestaltet und bis auf die Frontseite, die unter Denkmalschutz steht, komplett renoviert.
Nach Bezug des Zimmers setze ich mich in den Garten, trinke ein Bier und schaue den Vöglein zu, die in dem Brunnen, der sich in kleinen Kaskaden ergießt, in dem oberen Becken trinken und wie wild baden. Bülbül, Oranjebrillenvogel, Kapsperlinge, Maskenweber, Felsentaube und Wellenastrilde und am Boden laufen Senegaltauben und im Busch krächzt ein Graulärmvogel. Jetzt bin ich in Namibia angekommen. In Stille und Ruhe Vögel beobachten, das ist für mich eine Prämisse in Namibia.

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Am Nachmittag gehe ich dann bei Woermann und Brock meine Vorräte ergänzen und versuche einige Verabredungen zu treffen mit Bekannten und Freunden, die ich in den Tagen in Swakopmund noch sehen möchte.
Vorher aber schlendere ich noch über den Holzschnitzermark, den man als solchen nicht bezeichnen kann, denn es sind alles nur Verkäufer, die versuchen mit „Bestprice“ oder „Saturday Price“ oder „Price für my best friend“ irgendetwas an den Mann bzw. an den Touri zu bringen. Tatsächlich finde ich hier noch etwas Neues, was bisher noch nie angeboten worden war, ein Pangolin. Ich werde mich mit dem Verkäufer bei 150N$ einig und freue mich schon über den Erwerb, da das Pangolin im weiteren Verlauf der Reise noch eine Rolle spielen soll. Zu Beginn des Rundgangs durch den Souvenirmarkt komme ich noch mit einer Frau, die auf dem Arm ein Baby hält, ins Gespräch. Sie sieht nach einer Himba aus, und um sie herum sitzen in diesem Eck lauter Frauen, Himba und Herero. Ich verspreche nach kurzem Gespräch am Ende noch mal wieder zu kommen. Ich hätte mich ja aus dem Staub machen können, doch mich interessierten die Frauen, die aus dem weiten Kaokoveld hierher kommen, doch. So schlendere ich zurück zu dieser Frau, unterhalte mich mit ihr und frage sie, wenn ich ein Armband kaufe, ob ich sie dann mit dem Baby fotografieren darf. Sie stimmt gerne zu und ich mache ein paar nette Bilder. Das spricht sich in Windeseile herum, dass da ein Mann ist, der, wenn er fotografieren darf, auch etwas kauft. So sind bald etliche Bilder im Kasten und drei Armreife für insgesamt 300 N$ für meine Enkelinnen in der Tasche. Sie geben klar zu, dass sie im Halbnacktsein oder in traditionellen Hererogewändern mehr verdienen und zum Unterhalt ihrer Familien im Norden beitragen, als wenn sie in der Heimat einer Beschäftigung nachgehen. Trotz allem geht das Geschäft schlecht. Irgendwie tun sie mir leid. Ich habe mich mit der Frau mit Baby gerne unterhalten, musste dann aber doch abbrechen, als weitere Frauen doch zu aufdringlich wurden. Ich erinnere mich an meine Besuche im Kaokoveld bei den Himba. Das war eine ganz andere Welt. Damals gab es noch nicht einmal die "Living Museum", die heute die ehemaligen Traditionen nachspielen.

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Himbafrau in "moderner" Kleidung

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Hereromädchen in modern interpretierter Hererokleidung für Frauen.
Himbafrauen mit "traditioneller" Bekleidung und nacktem Busen, bilde ich hier nicht ab.
Früher gab es keine Himbafrauen in Swakopmund, sondern nur im Kaokoveld. Heute haben sie sicher alle neben Kindern auch ein Handy und das muss bezahlt und geladen werden. Ihr gesellschaftlicher Status hier in Swakopmund ist aber mehr traurig als zukunftsweisend.
Nach Rückkehr in der Unterkunft treffe ich noch weitere Verabredungen für die nächsten Tage. Alles Leute, von denen ich mich noch verabschieden will.
So weit der erste Tag in Swakopmund.
Viele Grüße:
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
zuletzt bearbeitet 19. Apr. 2026
1'941 Beiträge · seit 201119. Apr. 2026 · #16
Hallo Burschi, ich freue mich auf deine berührenden und spannenden Schilderungen und auch auf deine Fotos.

Liebe Grüße, Margit
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
Themenstarter4'140 Beiträge · seit 200920. Apr. 2026 · #17
Am nächsten Tag steht die „Little Five Tour“ auf dem Programm. Ich habe sie zwar schon mehrere Male gemacht, aber es gibt in der Regel immer wieder mal was Neues zu sehen. Ein Mitarbeiter von Tommys Desert Tours, ein geborener Hamburger, holt mich pünktlich um 8.00 Uhr ab und lädt dann noch vier weitere Personen ein, darunter ein schottisches Ehepaar. Und was passiert? Natürlich wird sofort Englisch gesprochen. Ich verstehe zwar alles, verstehe aber nicht, dass die Engländer in ihrer Spracharroganz glauben, die ganze Welt müsse sich nach ihnen richten.
Wir fahren nur wenige hundert Meter in die Wüste, als schon angehalten wird und auf der ersten Station auch schon nicht nur Informationen gegeben werden – z.B. über das „Müsli“ (Erfindung von Chris Nel) als den Ursprung des Lebens in der Wüste - , sondern auch schon das erste Tier auf dem Programm steht, eine Blindschleiche, die aus dem Sand ausgegraben wird. Es handelt sich um den Sandskink, der sich leider nur auf einer Hand fotografieren lässt, weil er sonst blitzschnell wieder im Sand verschwindet.

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Noch am selben Ort wird der Palmato-Gecko ausgegraben und präsentiert. Seine dünne, fast durchsichtige Haut macht ihn besonders attraktiv und fast jeder kann ein vernünftiges Foto von ihm machen.

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Noch besser zu fotografieren ist die Sandviper, von der unser Guide erst nur auf die Augen, die aus dem Sand herausschauen, hinweist.

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Na, wer sieht sie schon??? 😉

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Jetzt aber, oder? 😗
Für den Normalsterblichen nicht zu sehen. Dann muss auch sie den Sand verlassen und sie demonstriert dann auch, dass sie eine schwangere Schlange ist und nach dem Davonkriechen auch schnell wieder im Sand verschwindet.

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Natürlich tauchen auch noch etliche Käfer auf, die ich auch im Foto festhalte, doch meist interessieren sich die anderen erst dafür, wenn von dem Tok Tockie – Nebeltrinker erzählt wird.
Dann kommt der Höhepunkt der Tour: Ein kleines "Baby"-Namaqua-Chamäleon, das zuerst reglos auf einem schwarzen Stein sitzt, dann aber die Farbe wechselt, als es mit ein paar Würmchen gefüttert wird.

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Diese Würmchen hat dann auch ein Oranjeschmätzer (Trac Trac Chat) erspäht, der sich völlig handzahm einfindet und auch seine Portion Mittagessen abbekommt.

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Ein seltenes Bild, der Schmätzer zusammen mit dem Chamäleon, wobei man hier nun auch sieht, wie winzig das Chamäleon ist.
Nach diesen Höhepunkten geht die eigentliche, informative Tour am Wüstenklo zu Ende, wo auch das obligatorische Gamedrive-Getränk mit ein paar Nüsschen ausgegeben wird.
Und zum Abschluss dann die von mir gehasste Wüstenrallye mit dem Rauf und Runter in den Dünen. Da wird zwei Stunden über den Schutz der Tiere in der Wüste erzählt und dann rast man – außer uns habe ich noch etliche weitere Autos gesehen – unsinnigerweise auf verschiedensten Spuren durch dieses Ökosystem. Das begeistert mich nicht, auch wenn am Schluss ein schöner Ausblick von einer hohen Düne auf das Meer steht.
Punkt 12.00 Uhr werde ich wieder im Hotel abgeliefert. Bliebe noch ein wenig Zeit für einen Mittagessenbummel! Ich schlendere zuerst am Strand entlang und gehe dann zum „Fachwerk“, einem Lokal, das mir früher als „Beergarden“ schon aufgefallen ist, inzwischen aber den Besitzer gewechselt hat. Da heute „Weltfrauentag“ ist, spielt bis 15.00 Uhr eine zweiköpfige Lifeband im Biergarten und ich finde ein schattiges Plätzchen. Und nicht nur das! Ich bekomme ein in Namibia gebrautes dunkles Bier, das auch noch hervorragend mundet. Dazu ein feines Fischgericht (Catch of the day!). Als dann noch Melodien aus meiner Jugendzeit gespielt werden, muss ich schon ein paar Tränchen verdrücken. So allein, weit weg von Zuhause und dann in dem Bewusstsein, dass ich diesen idyllischen Ort wohl nie wieder sehen werde.

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Das hat mir sehr gut gefallen. Zufrieden schlendere ich ins Hotel zurück und mache ein Schläfchen. Am Abend werde ich von einer Freundin abgeholt. Wir machen einen langen Strandspaziergang und fahren dann in ihr Zuhause, in dem sie nun schon seit zwei Jahren nach ihrem Umzug von Deutschland nach Namibia wohnen. Sie fühlen sich sehr wohl in dem Häuschen in einer „Gated Community“, aber für mich wäre das nichts (mehr), vor allem, weil nicht immer so schöne warme Sommertage wie heute in Swakopmund sind. Während meines Aufenthaltes in Swakopmund herrschte Ostwind mit Temperaturen um 33 Grad. Das Geht, aber ich kenne auch die kalten, feuchten Nebeltage!
Liebe Grüße:
Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
zuletzt bearbeitet 20. Apr. 2026
16,9k Beiträge · seit 201220. Apr. 2026 · #18
Burschi schrieb:...Ich schlendere zuerst am Strand entlang und gehe dann zum „Fachwerk“, einem Lokal, das mir früher als „Beergarden“ schon aufgefallen ist, inzwischen aber den Besitzer gewechselt hat. ...
Und noch früher, als es Foto Behrens in der Molte Straße 2 war:


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LG
Logi
Themenstarter4'140 Beiträge · seit 200920. Apr. 2026 · #19
Hallo Logi,
ja, das Fotogeschäft in der Moltke Straße kenne ich schon auch noch gut, da konnte ich dann Filme nachkaufen, wenn mein Vorrat zu Ende ging. Und die belichteten analogen Filme wurden dann in Bleidosen verpackt, damit sie bei der "Röntgenkontrolle" am Flughafen nicht beschädigt wurden. 😄
Allerdings: Meine ersten belichteten Filme von Namibia wurden mir am letzten Abend in Windhoek zusammen mit dem Rucksack aus dem Auto geklaut. Ein Grund dafür, warum ich im nächsten Jahr gleich wieder nach Namibia kam und dann wieder und wieder und ... 😄 😄
LG Burschi
21x Namibia, 6x Botswana, 6x Südafrika, 4x Simbabwe, 2x Sambia, 1x Tansania, 2x Kenia, 1x Mauritius, 1x Sansibar
274 Beiträge · seit 201720. Apr. 2026 · #20
Und zum Abschluss dann die von mir gehasste Wüstenrallye mit dem Rauf und Runter in den Dünen. Da wird zwei Stunden über den Schutz der Tiere in der Wüste erzählt und dann rast man – außer uns habe ich noch etliche weitere Autos gesehen – unsinnigerweise auf verschiedensten Spuren durch dieses Ökosystem.

Ja, das hat mich 2022 auch gestört. Das sollte eigentlich nicht sein.