Nacho schrieb:Vermutlich täuscht das Gefühl tatsächlich, wenn man längere Zeit kein Feedback erhält. Ich hab schon oft überlegt, ob ich mich kürzer fassen soll, weil meine Textpassagen vielleicht abschrecken
Schreib den Bericht doch für Dich! Und nicht für die Anderen! So mach zumindest ich das...bei meinem letzten RB gabs ja auch eher wenige Reaktionen. Da ich den Bericht aber für mich schreibe und als HTML abspeichere/auf die Homepage setze interessiert mich das nicht wirklich. Natürlich freue auch ich mich über 'Danke-Button-Drücker' und Leute, die ein Feedback geben. Sehr sogar. Aber ich lass mir nicht die Laune und schon gar nicht den Reisebericht verderben wenn wenig Feedback da ist. Die Reiseberichte speichere ich natürlich nicht nur hier im Forum, denn wenn das mal weg ist ists weg...ich hab meine dann aber noch weil ich sie auf dem Computer geschrieben und mehrfach abgespeichert habe. Und wenn ich mich mal nicht mehr an meine Reisen erinnern können sollte kann ich mir meine Reisen ja vorlesen lassen und so immer wieder von Neuem erleben... 😉 Besser wärs natürlich die Reisen nicht zu vergessen....logo...
Noch ein kleiner Hinweis zu Deinen Zitat-Versuchen: lass beim ersten '' vor dem zu zitierenden Text das '/' weg, dann klappts!
dass ich mich erst jetzt wieder in deinem Bericht zu Wort melde hat bestimmt nichts mit deinen längeren Textpassagen zu tun. Ich bin ein Fan von deinem Schreibstil und freue mich über jedes Kapitel, egal mit viel oder wenig Text! Nach unserem Urlaub hatten aber erstmal unser kleiner Zoo und der Garten Vorrang. Nachdem ich nun endlich auch unsere Urlaubsfotos (von 4 Kameras & Handy) sortiert und auf der Festplatte gesichert habe, werde ich nun auch im Forum wieder vermehrt aktiv sein. Also hau in die Tasten!
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202318. Mai 2026 ·
Schreib den Bericht doch für Dich! Und nicht für die Anderen!
Hallo Picco,
danke dir für deine verständnisvollen Worte und den wertvollen Impuls. Keine Sorge, ich wollte hier kein „Fishing for Compliments“ betreiben oder ein großes Fass aufmachen – ich habe lediglich meine Gedanken laut ausgesprochen.
Im Grunde halte ich es da ganz ähnlich: Ich schreibe in erster Linie für mich selbst. Zum einen, weil ich das Schreiben einfach liebe, aber auch, um die vielen Details festzuhalten und weil ich durch Schreiben die vielen Eindrücke am besten verarbeiten kann. Dass ich meine Leserschaft dabei auch ein wenig inspirieren oder unterhalten möchte, ist für mich ein schöner Nebeneffekt, der das Ganze abrundet. Genau aus diesem Grund schätze ich auch andere Berichte, wie deinen zum Beispiel. Du inspirierst, informierst und bringst deine Leser zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen.
Ich danke dir jedenfalls für den lieben Rat, wie ich mir die Freude am Schreiben bewahre. Damit das Fass nun nicht doch noch „ausläuft“, machen wir am besten wieder den Deckel drauf. Wie man unschwer erkennen kann, bin ich mir ja mit meinem ausführlichen Schreibstil treu geblieben.
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202318. Mai 2026 ·
Liebe Konni,
hab herzlichen Dank für deine lieben Zeilen! Ich freue mich wirklich sehr, dass du meinen Bericht so gerne liest und dir mein Schreibstil gefällt.
Mach dir aber bitte bloß keinen Kopf: Es war nicht meine Absicht eine Mitleidstour zu starten und ganz bestimmt wollte ich niemandem ein schlechtes Gewissen einreden, der lieber still mitliest. Was dich betrifft: Ich weiß ja, dass ihr selbst im KTP wart und wie viel daheim erst mal ansteht, wenn man wieder ankommt – von der Foto-Flut ganz zu schweigen!
Aber damit das Thema hier im Bericht nicht überhandnimmt, haken wir es jetzt einfach ab. Ich freue mich jedenfalls sehr, dass du wieder virtuell mit an Bord bist, und bin schon wahnsinnig gespannt auf deinen eigenen Reisebericht, der hoffentlich auch bald online geht!
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202320. Mai 2026 ·
Sonntag 22. Februar
Guten Morgen Afrika.
Nach dem Regen in der Nacht, hat die Sonne jetzt wieder gute Laune und strahlt übers ganze Gesicht. Was könnte da schöner sein als den Tag mit einem Frühstückchen draußen auf der Veranda zu beginnen und dabei dem Vogelkino zuzuschauen.
Nebenher müssen wir klären, ob wir heute nach Oudtshoorn den schnellen Weg nehmen, oder über den Swartberg Pass fahren. Letzterer würde unsere Fahrtzeit fast verdoppeln. Hmmm – der Pass ist ein Traum, wir sind ihn schon mal gefahren, aber wollen wir heute so lange unterwegs sein? Wir sind uns schnell einig: Ja wir wollen! Es ist sowieso nichts anderes mehr geplant. Die Cango Caves wären noch eine Option, aber beides wird uns zeitlich zu eng und wenn wir uns entscheiden müssen, gewinnt der Pass. Auch wenn die Caves ein echtes Highlight sind – wer Oudtshoorn besucht, sollte sie unbedingt einplanen.
Hier mal ein Foto von unserem Besuch vor ein paar Jahren.
Ein Zaun - zwei Seiten
Wir umgehen die verkehrsreichen Nationalstraßen großzügig und rollen stattdessen über gut gepflegte Schotterpisten durch eine Landschaft, die schöner kaum sein könnte. An manchen Stellen haben die Regenfälle Furten in die Piste gefräst und manche Flüsschen sind noch feucht, führen aber kein Wasser mehr. Alles mehr „Spaß am Steuer als Drama im Busch“. Die meiste Zeit begegnet uns kein einziges anderes Fahrzeug. Genau so mögen wir das.
Wo du hinschaust Berge – mal karg, mal üppig grün. Dazwischen goldgelbe Grasflächen, große Pfützen, kleine Seen. Links und rechts eingezäuntes Farmland: Rinder, Ziegen, Schafe, Strauße. Ein abgemagerter Gaul grast außerhalb des Zauns – vermutlich ohne Zugang zu Wasser. Er sieht erbärmlich aus. Und leider liegt auch ein totes Pferd am Straßenrand. Ein echter Gruselschocker, so ein großes Tier dort liegen zu sehen. Es scheint noch nicht lange das zeitliche gesegnet zu haben, sonst hätte es vermutlich schon deutlich mehr Luft im Bauch. Im Leben entscheidet man leider oft nicht selbst auf welcher Seite des Zauns man lebt.
Swartberg - immer wieder gerne!
Die Zeit und die Kilometer fliegen dahin, ohne dass wir auch nur ansatzweise das Gefühl hätten, die Fahrerei könnte uns irgendwann zu viel werden. Dann taucht Prinz Albert auf – ohne Zepter und ohne Krone, aber immerhin mit einem Ortsschild. Wir rollen leider nur durch, doch das Städtchen wirkt so einladend, dass es eigentlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.
Kurz darauf erreichen wir den Fuß des Swartberg Passes. Wir lieben ihn. Für uns ist er der schönste Pass, den wir bisher entdeckt haben – und wir haben inzwischen schon einige gesehen.
Ich weiß kaum, wohin ich zuerst schauen soll: auf die Felsen, die Farben, die kleinen Mäuerchen, die gurgelnden Bächlein oder die Mini-Wasserfälle, die leise vor sich hin rauschen. Auch die Pflanzenvielfalt überrascht mich, und der starke Kontrast zum tiefblauen Himmel ist zum Verlieben. Hier und da blüht sogar mal eine Protea, ein Blombos oder das zarte „Frolein Erika“.
Die Wege sind schmal, teils bumpy und an manchen Stellen deutlich mitgenommen. Manchmal gibt es ein Mäuerchen als Kante, manchmal geht es einfach ungebremst steil bergab, wenn man mehr Fahrbahnbreite braucht, als vorgesehen ist.
Wir staunen, welche Mini-Rutscher uns hier entgegenkommen – und beobachten auch einen Fahrer, der ungewollten Unterbodenkontakt hat. Ein bisschen mehr Bodenfreiheit, als es ein Rollschuh hergibt, wäre für die Fahrzeugwahl definitiv nicht verkehrt. Mit Gegenverkehr muss man sich arrangieren: Oft kann man weit genug voraussehen und Staubfahnen in der Luft sprechen ebenfalls eine deutliche Sprache bezüglich des Gegenverkehrs, so dass man rechtzeitig in eine Bucht ausweichen kann.
Für einen kurzen Moment haben wir sogar das Glück, einem Klippspringer zuzusehen, wie er flink und akrobatisch präzise über die Felsen turnt, ohne sich die Beine zu verknoten oder abzustürzen.
Oben angekommen gibt es eine kurze Pause. Die Aussicht ist fantastisch. Der Wind hat allerdings ordentlich Power und ist alles andere als lauschig warm. Nix für fröstelnde Weicheier wie mich. Also steigen wir wieder ins Autochen und schlängeln uns den Berg runter.
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202320. Mai 2026 ·
Heiß, staubig – Oudtshoorn
Unten angekommen, Richtung Oudtshoorn, haben wir zwar den grandiosen Pass hinter uns, aber das Gebirge begleitet uns noch ein gutes Stück bis zum Ziel unserer heutigen Fahrt.
Auf einigen Etappen entlang der Felswände ist die Straße halbseitig gesperrt. Riesige Gesteinsbrocken mit einem Durchmesser von bis zu zwei Meter haben den Abgang gemacht und parken unerlaubt auf dem Asphalt. Ein warnender Gruß der Natur: „Fahr vorsichtig, Liebling!“
Je näher wir der Stadt kommen, desto öder wird die Landschaft. Es wirkt, als würde der Fynbos sein letztes Leben aushauchen. Hm… nach dem saftig grünen Karoo-Nationalpark hatte ich mir Oudtshoorn doch nicht ganz so „scheintot“ vorgestellt. Es ist 15.00 Uhr, Planet Sonne schafft es, die Luft auf 39 Grad zu erhitzen, und hat wohl vor, die Straußeneier direkt ohne Wasser zu garen. Der bewölkte Himmel liefert uns dazu ein depressives Einheitsgrau. Das Licht ist diffus und schickt meine Laune endgültig in den Keller bei dem Gedanken, zwei Tage hier stationiert zu sein. Alles wirkt müde, ausgezehrt, erschöpft – hässlich. „Scheintot“ trifft es einfach perfekt.
Wir logieren im Raw Karoo Guesthouse. Das liegt zumindest in einem etwas schöneren Viertel der Stadt. Die Besitzerin begrüßt uns sehr herzlich. Aber gleich nach dem Begrüßungs-Small-Talk kommt sie: die Stressfrage. Was möchtet ihr morgen frühstücken? Es gibt ein Buffet und diverse Optionen zum Bestellen. Ernsthaft? Wir versuchen im Augenblick nur, unsere Lungen beim Atmen nicht zu verbrennen, unser Hirn ist eh schon ein bisschen weichgekocht – und da soll ich jetzt wissen, was ich morgen früh – in 16 Stunden?! – essen will? Sie drückt uns die Speisekarte in die Hand. Auf die Schnelle sticht mir absolut nichts ins Auge, was ich unbedingt auf dem Frühstücksteller haben muss. Daher bestelle ich einfach gar nichts und verlasse mich auf das restliche Buffet.
Unser an sich schönes Apartment liegt leider direkt am Parkplatz. Zwar ist es vorteilhaft, dass unsere Koffer keinen weiten Weg haben und quasi direkt durchs Fenster ins Zimmer geworfen werden könnten. Dafür haben wir aber einen wunderbaren Blick auf eine Auswahl an verschiedenfarbige Blechkisten und auf die Straße. Nix mit Romantik und Idylle. Den Ausblick müssen wir uns also ein bisschen schöntrinken. Prost!
Schokolade mit bitterem Beigeschmack
So schön die Fahrt heute auch war – jetzt sind wir ein bisschen kaputt. Eine Dusche weckt neue Lebensgeister, und es gelüstet uns nach Kaffee und Kuchen. Kaffee können wir uns ja selbst kochen, aber ein Stück Kuchen würde die Gaumenfreude erheblich steigern. Also befragen wir Mr. Google nach einer Bäckerei. Fehlanzeige. Dann eben ein Café – Bingo, das scheint es zu geben. Also hopp hopp ins Autochen und dem Navi hinterher.
Wir finden sogar einen Parkplatz in der Nähe. Perfekt. Doch als wir das Café betreten, merken wir schnell, dass es eher ein Bistro ist. In der Theke liegen zwei belegte Schnitten, schön in Zellophan eingepackt, die uns aber absolut nicht anlachen. Nö, Schnittchen, die aussehen, als hätten wir sie schon den ganzen Tag im Rucksack, sind heute keine Option. Wir wollen Kuchen und gehen wieder. Wir gurken noch ein bisschen durch die Stadt und finden tatsächlich ein weiteres Café – gleiches Spiel. Also echt jetzt… enttäuscht geben wir uns geschlagen und fahren ohne Kuchen zurück ins Guesthouse. Kaffee gibt es trotzdem, und als Kuchenersatz wartet in der Kühlbox noch unsere Glücks Schokolade. Könnte also schlimmer sein.
Da sitzen wir nun auf unserer Veranda und lassen es uns gut gehen. Wie bereits erwähnt, haben wir eine wunderbare Aussicht auf die die parkenden Autos und die Straße.
Am Tor steht plötzlich ein Teenager und ruft uns zu: „Mann, Frau – hast du was zu essen für mich?“ Mir zieht es das Herz zusammen. Wir sagen nein und wenden uns ab. Doch er bleibt hartnäckig, wiederholt seine Frage immer wieder, mit kleinen Pausen dazwischen. Mir schmeckt die Schokolade schon nicht mehr.
Im Auto hätten wir noch eine Packung Kräcker. Vielleicht ist er ein Schulschwänzer, der glaubt, Betteln sei einfacher als Lernen. Vielleicht finden aber weder seine Eltern noch er einen Job, obwohl sie es versucht haben. Den Niedlichkeitsfaktor hat er allerdings schon längst verloren – und damit ist diese Form der Lebensmittelbeschaffung deutlich weniger erfolgsversprechend als noch vor ein paar Jahren.
Vielleicht… vielleicht… vielleicht. Immer wieder habe ich diese Gewissenskonflikte. Wir geben ihm nichts. Er bettelt sicher 15 Minuten lang, bevor er kapituliert. Und ich fühle mich schrecklich. Es hätte mich nichts gekostet, ihm die Kräcker zu geben.
Kleiner Charmeur bevorzugt Strauß statt Maus
Scheint, als hätte der Himmel Erbarmen mit dem ausgetrockneten Land. Er öffnet seine Schleusen und spendet phasenweise immer wieder ein wenig Wasser. Oh weh – das sieht gar nicht gut aus für unsere Meerkat Tour morgen früh. Ob sie überhaupt stattfinden wird? Wäre echt blöd, wenn wir uns mitten in der Nacht aus dem Bett schälen und zum Treffpunkt quälen, nur um dann zu erfahren: Sorry, heute nicht.
Wir haben Klärungsbedarf und zum Glück im De Zeekoe einen Tisch fürs Dinner reserviert. Der Parkplatz vor dem Restaurant verlangt einen kleinen Slalomlauf um die Pfützen herum. An der Rezeption fragen wir noch einmal nach. Die Mitarbeiterin ist sehr freundlich und wirklich bemüht. Im Moment sieht es so aus, als würde die Tour morgen stattfinden. Sie druckt uns sogar einen Plan mit der Wegbeschreibung zum Treffpunkt aus.
Dann werden wir an unseren Tisch gebracht. Hier bekomme ich endlich mein erstes Straußensteak dieser Reise – und es schmeckt hervorragend. Auch das Ambiente gefällt mir sehr, und die Angestellten sind ausgesprochen herzlich.
Ein Katerchen besucht uns am Tisch und sucht schmachtend Blickkontakt. Ganz eindeutig: Diese Augen können sprechen. Ich biete ihm eine Portion Streicheleinheiten an, aber die will er nicht. Es gibt ja noch mehr Gäste. Also zeigt er mir sein Popöchen und stolz erhobenen Schwanzes marschiert er zum Nachbartisch, wo er sich brav hinsetzt und denselben Trick anwendet wie bei mir. Und siehe da – es dauert nicht lange, bis das erste Stückchen Fleisch „versehentlich“ zu Boden fällt. Wozu Mäuse jagen, wenn es hier bestes Straußensteak gibt.
Ich bedauere ein bisschen, dass wir nicht hier unser Zimmer gebucht haben. Die ländliche Atmosphäre wäre mehr nach meinem Geschmack und die Aussicht deutlich ansprechender.
Mission: Findet die Erdmännchen!
Nachdem wir unsere Rechnung beglichen haben, beschließen wir, sicherheitshalber gleich mal einen Abstecher zum Treffpunkt zu machen. Wenn es um Hinweisschilder geht, sind wir nämlich gerne mal auf beiden Augen blind. Bevor wir also morgen früh im stockdunklen Nirgendwo über staubige Feldwege rumpeln und am Ende vor einem Kaninchenbau auf Erdmännchen warten, möchten wir den Weg lieber im Kasten wissen.
Und tatsächlich: Die Unsicherheit fährt prompt als blinder Passagier mit. Wir fahren und fahren, kehren um, fahren wieder zurück. Haben wir schon wieder das Schild übersehen? Es soll doch groß sein! Soweit kann es doch unmöglich sein... Gefühlt zieht sich die Strecke gute 15 bis 20 Minuten. Eigentlich dachten wir, der Treffpunkt läge direkt bei De Zeekoe um die Ecke.
Irgendwann sind wir uns absolut sicher, dass wir längst daran vorbeigebrettert sein müssen. Doch genau in dem Moment taucht es auf: das absolut unübersehbare Erdmännchen-Schild.
Was für eine Erleichterung! Morgen früh wären wir garantiert nervös hin und her gefahren, weil wir davon ausgegangen wären, dass wir den Treffpunkt übersehen hätten. Das hätte unseren Zeitplan komplett gesprengt und das Nervenkostüm schon vor dem ersten Kaffee ruiniert.
Mission erfüllt. Wir drehen um, steuern zurück ins Guesthouse und fallen mit der perfekten Bettschwere in die Federn. Gefühlt fünf Minuten später schrillt auch schon der Wecker – denn diese Touren starten unbarmherzig früh…
Danke für die tollen Protea Bilder! Ich liebe den Fynbos über alles, und Proteen ganz besonders, weshalb gerade auf meiner Terrasse ein Exemplar mal wieder versucht, hier bei uns durchzukommen 😵 Am allerliebsten hab ich aber die Nadelkissen. Vielleicht seht ihr ja noch welche, dann freue ich mich auf die Fotos! 🙂 Tolle Fotos von dem Pass. Der muss auf meine Todo Liste!
Sehr schöner Bericht mit vielen Stationen, die wir letztes Jahr auch hatten. Um den 4x4 Trail im Karoo beneiden wir Dich sehr, wir hatten leider ein dafür ungeeignetes Fahrzeug und gewannen dadurch die Erkenntnis, dass wir noch einmal mit einem 4x4 Fahrzeug zurückkommen. Wir waren vom Karoo NP begeistert und hatten auch Glück, Nashörner zu sehen. In ganz Südafrika sind meines Wissens schon lange keine Nashörner mehr an den Sighting Boards zu markieren, um ihre Sicherheit nicht zu gefährden.
Ich freue mich auf Eure Erfahrungen zur Meerkat-Tour, die ja offensichtlich deutlich besser als unsere war. 🙂
Liebe Grüße Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202321. Mai 2026 ·
caroline schrieb:Liebe Silvia, Am allerliebsten hab ich aber die Nadelkissen. Vielleicht seht ihr ja noch welche, dann freue ich mich auf die Fotos! 🙂 Tolle Fotos von dem Pass. Der muss auf meine Todo Liste!
Ich freu mich jetzt auf die Erdmännchen!
Viele Grüße, Caro
Guten Morgen liebe Caro, Nadelkissen haben wir leider keine gesehen und Proteen auch nur zwei. Im Februar war nicht die richtige Zeit. Aber über die zwei, hab ich mich doch auch sehr gefreut. Deine Begeisterung für diese Pflanzen kann ich absolut nachvollziehen. Ich wünsche dir, dass dein Exemplar auf der Terrasse überlebt und zur Höchstform aufblüht. Den Pass würde ich immer fahren wenn er sich in meine Route einbauen lässt. Aber wenn man die Caves noch nicht gesehen hat, sind die auch unbedingt einen Besuch wert.
Liebe Grüße und eine angenehme restliche Woche, Silvia
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202321. Mai 2026 ·
Guten Morgen liebe Sanne,
wie schön, dass ihr auch Nasis im Karoo gesehen habt! Dann kommen sie wohl doch nicht so selten in die touristisch erschlossenen Gebiete.
An den Schutz der Tiere habe ich gar nicht gedacht, als wir keinen Pin dafür am Board gefunden haben. Es ist wirklich traurig, dass die Tiere so gefährdet sind. Insofern ist es natürlich gut und richtig ihre Aufenthaltsorte geheim zu halten.
Die Erdmännchen werden uns tatsächlich noch überraschen... 😉
Liebe Grüße und einen schönen Tag für dich, Silvia
Dein Bericht macht Lust auf Südafrika. Mal sehen, was die Zukunft noch bringt. Auf den Bericht Erdmännchen freue ich mich besonders.
Viele Grüße Andrea
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202323. Mai 2026 ·
Liebe Andrea, danke dir für deine Feedback. Ich krieg selber Lust auf die nächste Südafrika Reise, während ich in Erinnerungen schwelge 🤪 Zum Glück ist die nächste schon gebucht so dass wir die Monate zählen können.
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202324. Mai 2026 ·
Montag 23. Februar
Aua
Um exakt 4:45 Uhr überrollt mich plötzlich mit lautem Getöse ein Zug – so fühlt es sich zumindest an, als zu dieser unmenschlichen Zeit unbarmherzig unser Wecker schrillt. Knallhart, ohne jedes Mitleid. Und die große Frage des Morgens lautet: Sind wir eigentlich noch ganz backen?!
Ein Zimmer im De Zeekoe wäre also gleich aus mehreren Gründen die bessere Wahl gewesen: Erstens wären wir nicht in der Stadt, sondern hätten es schön ländlich gehabt, vermutlich keinen Ausblick auf den Parkplatz und wir hätten nicht ganz so früh aufstehen müssen. Tja, jetzt ist es, wie es ist. Wir quälen uns aus dem Bett und machen uns startklar.
Aus den gestrigen 39 Grad ist ein echtes Kontrastprogramm geworden, denn es ist ordentlich frisch da draußen. Ich brauche eine lange Hose, einen warmen Pulli und die Steppjacke. Wir springen ins Auto und fahren hinein in die stockdunkle Nacht.
Die Stadt ist um diese Uhrzeit bereits erstaunlich belebt. Ein Großteil der arbeitenden Bevölkerung ist auf dem Weg in ihre persönliche Moneten-Beschaffungs-Manufaktur. Die Leute geistern wie Schatten über die Straße und sind vorzugsweise dunkel gekleidet. Angestrengt versuchen wir unsere noch müden Linsen zu schärfen, damit uns keiner von ihnen unter die Räder kommt.
Heute wissen wir ja zum Glück, wie sehr sich die Strecke zum Treffpunkt zieht, und sind darauf eingestellt. Wir erreichen unser Ziel ohne orientierungsloses Hin und Her und vor allem ohne die Angst, das Schild verpasst zu haben.
Die Spannung steigt...
Schließlich stehen wir als Allererste vor dem verschlossenen Tor. Motor aus. Warten. Jetzt bloß nicht wieder einschlafen… Kurz darauf rollen zwei weitere Fahrzeuge an. Es sind die Veranstalter, die uns erst mal überrascht mustern und sich sichtlich wundern, warum wir eigentlich so exorbitant früh dran sind. Tja, wir haben schlichtweg vergessen, unsere Fahrzeit zu revidieren nachdem wir den Weg gestern schon gefunden haben und deshalb heute nicht mehr suchen müssen. Ich wundere mich selbst über unsere Schmerzresistenz, wenn es um Tiersichtungen geht.
Die Mitarbeiter fahren uns noch ein Stück voraus, dann heißt es aussteigen. Uwe muss ein wenig rangieren, um zwischen den Pfützen eine Stelle zu finden, an der ich aussteigen kann, ohne dass mir ein Zentner Matsch an den Schuhen kleben bleibt. Dann rollen auch schon die nächsten Erdmännchen-Stalker an.
In Rekordgeschwindigkeit steht ein Tisch mit dampfendem Kaffee für uns bereit. Es kommen erstaunlich viele selbsternannte Meerkat-Verhaltensforscher. Ich habe nicht mit so einer großen Gruppe gerechnet. Das fühlt sich direkt nach Massenveranstaltung an – ein erster Dämpfer für meine Vorfreude. Smalltalk-Künste sind wieder gefragt. Für mich ist das immer eine soziale Überforderung – Auf Englisch ist das eine verbal akrobatische Meisterdisziplin.
Dann kommt die Anweisung: Aufteilen in zwei Gruppen – Gott sei Dank! Erleichterung. Wir fahren unserem zugeteilten Guide sicher noch einmal zehn Minuten hinterher. Am Ziel bekommt jeder einen Klappstuhl in die Hand gedrückt und wir watscheln ihm im Gänsemarsch querfeldein hinterher.
Dann – vor einem riesigen Erdloch – hält er an und stellt seinen Stuhl direkt davor ab. Häääää??? Das soll der Meerkat-Bau sein? Ich würde das Loch eher für den Landsitz eines Schakals halten. Aber gut, man beugt sich dem Experten. Ich stelle meinen Stuhl also auch ab und bin wirklich überrascht, wie dicht wir davor hocken. Das fühlt sich extrem bedrängend an – als säßen wir den Tieren bereits mit im Wohnzimmer!
Nachdem sich auch die anderen positioniert haben, fängt der Guide an zu lachen und fragt uns schelmisch, zu welchem Tier dieser Bau wohl wirklich passen könnte. Aha! Ich hätte schwören können, dass das kein Meerkat-Bau ist. Und doch schafft es jemand, von dem ich fachliche Überlegenheit erwarte, mich derart zu verunsichern – so ein Schlitzohr! Wir einigen uns schließlich auf die ehemalige Residenz eines Erdwolfs oder Erdferkels. Es ist ein verlassener Bau; wer wirklich in dieser Ruine gehaust hat, wird wohl das Geheimnis des Tages bleiben.
Ja wo sind sie denn….
Weiter geht’s. Wir laufen noch ein ganzes Stück durch die Prärie und dann sind wir wirklich da. Wir stellen unsere Stühle der Reihe nach auf. Ich sehe keinen Bau, nur Veld und Büsche. Der Himmel ist besorgniserregend bedeckt. Es ist kalt, ab und zu tröpfelt es sogar. Wir warten – und warten… Unser Guide füttert uns derweil mit allerlei Informationen zur Lebensweise der Tiere und meint nebenbei, dass sie sich heute Zeit lassen, weil es so kühl ist.
Dann plötzlich ist die erste Nasenspitze zu sehen. Zugegeben, recht weit weg. Dazu noch die schlechten Lichtverhältnisse – da kommt mein Handy gewaltig an seine Grenzen, was man den Fotos leider auch ansieht. Erst einmal lässt uns das Tier nicht mehr als seine Nasenspitze sehen. Es scheint ihm noch zu frisch zu sein und es taucht wieder ab in die wärmeren Gefilde. Wir warten erneut… Dann überwindet sich das Kerlchen doch, den ganzen Kopf zu zeigen. Ein Blick in alle Richtungen und es kriecht komplett an die frische Luft. Sofort nimmt es Männchen-Stellung ein und dann kommt eines nach dem anderen heraus.
Ich möchte behaupten, dass sie deutlich kleiner ausfallen als in der Kalahari. Offensichtlich frösteln sie, denn sie rücken eng zusammen. Die maximale Bewegungsbereitschaft beschränkt sich für eine gefühlte Ewigkeit auf das Drehen des Kopfes. Dann löst sich die Gruppe mal kurz auf, sucht ein bisschen im näheren Umfeld den Boden ab – aber buhhhh, heute ist es einfach zu kalt! Also schnell wieder zur Familie zurück und Gruppenkuscheln Deluxe. Ah, so lässt es sich besser aushalten.
Tja, heute ist nicht ihr Tag. Viel mehr als diese eine Pose bekommen wir nicht zu sehen. Ihr Entertainment-Programm ist weder abwechslungsreich noch spannend. Sie kuscheln lieber, als sich zu bewegen. Das ist halt Wildlife – heute haben wir einfach Pech gehabt. Bei dem miesen Licht und dem eigenen Frösteln macht das Ganze hier auch nicht sonderlich viel Spaß
Ein Guide mit Leib und Seele
Unser Guide ist noch jung und ein sehr sympathischer Typ. Sein Herz brennt für die Tiere. Er weiß alles über sie und möchte uns heute nicht wieder gehen lassen, bevor wir nicht genauso viel über sie wissen wie er. Ohne Punkt und Komma werden wir von der ersten bis zur letzten Minute mit einem Fakten-Feuerwerk beschossen. Mir bluten schon die Ohren – ich bin drauf und dran, ihn zu bitten, einen Moment mal nichts zu sagen und uns die Stille zu gönnen. Aber ich will ihn weder verletzen noch irgendjemandem auf den Schlips treten. Einige der anderen Besucher, die nicht meine Sprachbarriere haben, scheinen seine Unterhaltung – oder Aufmerksamkeit durchaus zu genießen. Ich ertrage die „Ohrenschmerzen“ heldenhaft – bin aber wirklich froh, als sich das erste Tier dazu entschließt, dass es jetzt Zeit fürs Frühstück ist.
Es begibt sich in die Vierfüßler-Stellung und folgt einer Spur. In Sekundenschnelle verschwindet es zwischen dem Fynbos und ward nicht mehr gesehen. Die anderen folgen ihm und machen sich ebenfalls vom Acker. Innerhalb von drei Atemzügen ist die Show – die keine war – vorbei.
Auf ans schlanke Buffet
Jetzt, wo sich die Erdmännchen ihrem Frühstück widmen, meldet sich auch mein Magen und verlangt nach einer angemessenen Portion Kalorien. Während wir zurück zum Auto laufen, sagt Uwe zu mir: ‚Riechst du das?‘ Ja, ich würde sagen, es duftet nach Thymian und anderen Wildkräutern. Ich habe den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, da pflückt unser Guide schon ein Büschel, reicht es uns zum Schnuppern und bestätigt: ‚Das ist Thymian.‘ Die Karoo ist tatsächlich wie ein riesiger Kräutergarten.
Am Parkplatz bekommt der Guide sein Trinkgeld von uns – wir sind seltsamerweise die Einzigen, die ihm etwas geben, was mich wirklich schockiert. Das tut mir fast schon physisch weh. Er hat sich so leidenschaftlich bemüht, uns zu unterhalten, und gerade die anderen zeigten doch so großes Interesse an seiner ‚Vorlesung‘. Wie kann es sein, dass jetzt die Wertschätzung ausbleibt?
Wir fahren zügig zurück zum Guesthouse. Eine halbe Stunde bleibt uns noch, bevor die offizielle Frühstückszeit endet. Mein Blick fällt im Speisesaal aufs Buffet – oder dorthin, wo ich eines erwartet hätte. Da stehen einsam Toast und Butter, Joghurt, Früchte und Säfte. Ein bisschen mehr hätte ich schon erwartet. Zum Glück mag ich Joghurt und Früchte und esse mich daran satt. Uwe hat sich Eier bestellt und geht somit auch nicht leer aus.
In Anbetracht der eher puristischen Auswahl halte ich mich bei der Bestellung für morgen nicht zurück: Ich ordere eine Wurst-Käse-Platte, Uwe entscheidet sich für die süße Variante. Am Nebentisch kommen wir mit einem deutschen Paar kurz ins Gespräch. Es sind nette Leute, aber ich habe an diesem Morgen bereits mehr Worte gehört, als ich für einen ganzen Tag verkraften kann. Ich bin in diesem Moment eher im Modus „stiller Beobachter“ und halte mich daher dezent zurück.
Viel spannender ist die Familie mit zwei süßen kleinen Mädchen am anderen Tisch. Die Mitarbeiterin vom Frühstücksservice fragt das ältere der beiden, ob es gut geschlafen habe. Das Mädel bejaht strahlend. Als die Dame sich wieder ihrer Arbeit zuwendet, bricht für das kleinere Mädchen eine Welt zusammen. Es macht ein Gesicht, als wäre sie gerade geschlagen worden und flüstert mit Tränen in den Augen: „Ich habe auch gut geschlafen“. Ich ganzer Körper nimmt eine mitleiderregende Haltung an und sie ist auch mit viel gutem Zureden nicht mehr zum Essen zu bewegen. Ich spüre einen Stich im Herzen.
Doch dann eilt Rettung herbei: Die Hauskatze wird zur Tröster-Katze! Ich habe gleich zwei Fellnasen daheim – ich weiß schon, warum. Hattest du einen Sch...-Tag, hilft ein bisschen Katzenfell so gut wie immer. 😊 Bei dem kleinen Mädchen funktioniert es jedenfalls perfekt.
Nachdem die Fell -Nase ihren Job erledigt hat, kommt sie zu mir. Wir sind schon fertig mit dem Frühstück. Sie macht Männchen, legt mir ihre Vorderpfoten auf den Schoß, schaut mich an und wartet auf die Einladung – die sie natürlich prompt bekommt. Sie springt hoch, legt sich augenblicklich hin, rollt sich ein und pennt innerhalb kürzester Zeit weg.
Uwe geht schon vor aufs Zimmer, die anderen Gäste verabschieden sich ebenfalls. Aber ich kann das Fellknäuel einfach noch nicht ablegen. Ich gönne uns beiden ein viertel Stündchen pures Katzen-Glück, bevor auch ich den Raum verlasse.
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202324. Mai 2026 ·
Märchenwaldidylle
Am späten Vormittag machen wir uns auf den Weg zum Rust and Vrede Wasserfall. Das Navi schickt uns durch einsames Hinterland, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Ab und zu taucht ein Haus auf – und überall hängt Wäsche draußen. Offenbar ist heute internationaler Waschtag. Ob die Sachen trocken sind, bevor die regenschwangeren Wolken undicht werden?
Ein paar Frauen winken uns sogar zu. Vermutlich sind wir das Spannendste, was es heute Abend am Küchentisch zu erzählen gibt – naja, spannend genug, um es in meinen RB zu schaffen 😄 . Mitten in der Pampa, wo vielleicht zehn Häuser zusammenkommen, steht tatsächlich ein Schulgebäude. Schafe und Olivenhaine zeigen, dass hier draußen mit Ackerbau und Viehzucht das täglich Brot verdient wird. Die Natur ist traumhaft schön: kleine bunte Blümchen, ein See, wolkenverhangene Bergspitzen – alles wie aus einem Naturkalender
Natürlich haben wir die Distanz wieder einmal unterschätzt. Aber die Landschaft ist so großartig. Wir genießen jeden Augenblick. Auf einer Weide entdecke ich zwei Vögel, die ich noch nie gesehen habe. Die App behauptet, es seien Wollhalsstörche. Wenn die App das sagt, dann stimmt’s… oder halt nicht. Die KI sagt, es sind Hornraben. Sucht euch was aus oder erfindet eine neue Spezies. Wir sind ja auf dem Weg in einen „Märchen-Wald“. Das passt dann schon.
Am Permit Häuschen sitzt ein junger Mann, der vielleicht den einsamsten Job der Welt hat. Den ganzen Tag allein rumhocken und hoffen, dass im besten Fall drei Autos vorbeikommen – Respekt. Reich wird er von unseren vier Euro fünfzig jedenfalls nicht. Hinter dem Tor geht es über einen Feldweg weiter, bis wir am eigentlichen Pfad ankommen. Links und rechts sieht man noch deutlich die Spuren des letzten Brandes.
Wir parken unser Autochen – und sind die einzigen hier. Perfekt. Ich freu mich. Der Naturpfad wirkt wie direkt aus einem Märchenbuch: vermooste Felsen, Farne, verwitterte Natursteintreppen, die aussehen, als würden gleich ein paar Zwerge vorbeihuschen.
Bäume ragen übers Wasser, große Steine liegen darin und laden zum Herumspringen ein. Im Wasser spiegelt sich die Kulisse der hohen Felsen und Pflanzen. Magisch! Der ganze Ort hat so viel Märchenwald Flair, dass man fast erwartet, dass gleich Feen über das Wasser schweben und ihren heiligen Tempel suchen. Über Stege und Brücken gelangen wir schließlich zum Wasserfall.
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202324. Mai 2026 ·
Es ist unfassbar schön. Wir sind allein. Und wir sind still. Jedes Wort wäre hier fehl am Platz. Die großen Steine bieten sich an, es sich drauf gemütlich zu machen und das tun wir auch. Einfach dasitzen, die Schönheit der Natur inhalieren und die Vögel zwitschern hören – Nahrung für die Seele.
Erst auf dem Rückweg, fast am Ende des Zauberwaldes, kommt uns ein junges Pärchen entgegen – in Flipflops. Flipflops! Naja, im weitesten Sinn sind das ja Badelatschen. Dann sind sie schon passend angezogen, falls sie abrutschen und im Wasser landen.
Bitte versuchen Sie es später noch einmal…
Wo wir schon mal in der Nähe sind: Auf nach Meiringspoort zum nächsten Wasserfall! Die Strecke führt am Swartberg entlang, und schon der Weg an sich ist es wert, dorthin zu fahren. Wir überqueren einige Brücken, deren Flüsse darunter gerade kein – oder fast kein – Wasser führen. Von den Wassermassen, die in einigen Wochen hier schockierende Zerstörung anrichten werden, ahnen wir heute noch nichts. Manche Flüsse haben herrlich witzige Namen; so überqueren wir zum Beispiel einen „Dubbele“.
Vor uns schlängelt sich ein LKW mit Anhänger zwischen den Felsen den Berg hinauf. Erst auf den zweiten Blick erkennen wir die blinden Passagiere, die da zwischen den Ladeflächen mitfahren. Mir haut es den Nucki raus! Ist das echt deren Ernst? Fahren die freiwillig so mit oder sichern sie die Ladung? Wir fassen es einfach nicht. In Afrika sieht man ja viel Wagemut, aber das übersteigt alles, was wir bisher gesehen haben. Die beiden Männer, die sich da zwischen die Anhänger klemmen, sehen allerdings nicht halb so angespannt aus wie ich gerade. Hakuna Matata- Mentalität eben!
Leider können die Wolken das Wasser jetzt nicht mehr halten. Es fängt erst an zu tröpfeln, dann zu regnen. Wir biegen auf den Parkplatz ein und überlegen kurz, ob wir falsch abgebogen sind. Außer uns stehen hier nur zwei Fahrzeuge – das ist wohl dem Wetter geschuldet.
Ich steige mutig aus, doch schon die ersten Regentropfen lassen Frostbeulen auf meiner Haut entstehen. Mein Drang, den Wasserfall zu sehen, ist dann doch nicht groß genug, um mich diesem Eisregen auszusetzen.
Uwe läuft also allein zum Pförtnerhäuschen, um herauszufinden, ob der Wasserfall überhaupt etwas zu bieten hat. Ich bleibe im Trockenen und beauftrage ihn pragmatisch, einfach ein paar Fotos für mich zu machen. Er ist jedoch blitzschnell zurück und grinst: Wegen Wartungsarbeiten geschlossen! Hach – was ein Glück, dass ich gleich im Auto geblieben bin!
Na dann, eben kein zweiter Wasserfall mehr für heute. Aber das macht überhaupt gar nichts. Der Weg durch die Swartberge ist schließlich schon für sich allein ein Erlebnis.
Professionelles Nichtstun
Wir fahren zurück zum Guesthouse, kochen uns erst mal einen heißen Kaffee und machen es uns auf unserer überdachten Veranda gemütlich. Während der Regen sanft auf das Dach prasselt, lassen wir uns ganz entspannt in einen wunderbaren Zen-Zustand versetzen.
Regen und trockene Phasen wechseln sich ab. Während wir mit Nichts-tun beschäftigt sind, sehen wir wie die Besitzerin des Hauses mit dem Katzentransporter über den Parkplatz läuft. Ich frage, ob es dem Katerchen nicht gut geht. Nein, es geht ihm nicht gut. Er hat eine genetischbedingte schmerzhafte Krankheit und sie muss ihm eine OP zumuten. Sie wirkt mitgenommen und den Tränen nah. Ich vermute, dass der Kater nicht ihre einzige Sorge ist. Wir lassen sie reden, so viel sie sagen möchte und stellen keine Fragen.
Dinner mit Kuschelfaktor
Fürs Dinner haben wir einen Tisch im Nostalgie Restaurant reserviert, weil die einen schönen Garten haben. Aber heute sieht es schlecht aus mit draußen sitzen. Naja, die werden schon auch drinnen Tische haben. Wir parken ganz in der Nähe. Der Garten ist wirklich ein Idyll. Sämtliche Tische die wohl im Garten reserviert waren, wurden auf die zwar langgezogene, aber schmale Veranda gequetscht. Sie stehen so dicht beieinander, dass es sich fast anfühlt, als würde man seinem Tischnachbarn auf dem Schoß sitzen – sehr unangenehm. Wir bekommen unseren Tisch zugewiesen und bemerken, dass das Ehepaar von heute Morgen direkt neben uns sitzt.
Okay, nach dem entspannten, ruhigen Nachmittag, bin ich jetzt wieder williger mich auf ein Gespräch einzulassen. Die beiden erzählen uns, ihr woher und wohin und auch ihr wie lange und sie klagen, dass sie vom schlechten Wetter verfolgt werden. Wir hatten bisher Glück mit dem Wetter. Die paar gelegentlichen Tropfen, finden wir nicht schlimm. Natürlich werden wir auch nach unserem Woher und Wohin gefragt und in diesem Zusammenhang erwähnen wir unsere letzten beiden Tage in Kapstadt und unsere geplante Pässe -Tour. Fehler!!!
Jetzt hagelt es Hotelempfehlungen, obwohl wir erwähnt haben, dass wir bereits eine Unterkunft gebucht haben. Schlimmer noch empfinde ich es, dass sie uns unsere geplante Pässe-Tour madig machen. Wir werden mit einer wahren Flut an Empfehlungen bedacht, was man in Kapstadt alles großartiges unternehmen kann. Da hilft es auch nicht zu sagen, dass wir Stadt Flüchter sind. Insgesamt sind mir die gut gemeinten Ratschläge entschieden zu viel und zu dominant.
Sie haben es geschafft – ich bin unsicher ob die Pässe Tour so ist, wie ich sie mir vorgestellt habe. Sie haben uns Bettys Bay empfohlen und den Clarence Drive. Da waren wir tatsächlich noch nicht und die Pinguine sind durchaus eine reizvolle Alternative. Hmmm- wir müssen unser Vorhaben überdenken. Aber nicht jetzt. Diese unerbetene Hilfsbereitschaft ist mir schon wieder zu viel. Meine Lösung: Stiller Rückzug. Da kommt es doch sehr gelegen, dass jetzt unser Essen serviert wird, und diesem widmen wir uns hingebungsvoll. Es schmeckt auch wunderbar.
Trotz der kulinarischen Entschädigung fühlen wir uns in diesem beengten Ambiente einfach nicht wohl und belassen es daher beim Hauptgang. Zurück im Guesthouse packen wir unseren Krempel zusammen, damit wir morgen nach dem Frühstück zügig die Weiterfahrt antreten können. Dann wird noch ein bisschen gelesen und geschrieben bis wir ins Land der Träume gleiten und von Märchenwäldern träumen.
Nacho schrieb:Ich möchte behaupten, dass sie deutlich kleiner ausfallen als in der Kalahari. Offensichtlich frösteln sie, denn sie rücken eng zusammen.
Ist ja logisch! Bei Kälte ziehen sich Materialien zusammen, bei Wärme dehnen sie sich aus! So ist ganz schnell klar warum die Erdmännchen so klein sind und warum sich mein Bauch so warm anfühlt...
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202324. Mai 2026 ·
🤣🤣🤣, na klar Picco, das ist die einzig logische Erklärung. Warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen? Blöd, dass ich keine Kontakt- Daten vom Guide hab, das wäre eine sehr informative Ergänzung für seine Lehrvorträge. Liebe Grüße und einen schönen Abend
NachoThemenstarter1'004 Beiträge · seit 202328. Mai 2026 ·
Dienstag 24. Februar
Tapetenwechsel
Um 7:30 Uhr sitzen wir beim Frühstück. Die Wurst-Käse-Platte, die ich gestern geordert habe, ist eine echte Kampfansage, die ich verliere. Der Kaffee schmeckt mir hier besonders gut. In der Vorfreude auf einsame Pässe und viel raue Natur, die wir heute fahren möchten, gehe ich naiverweise davon aus, dass ich später alle paar Minuten diskret hinter einem Busch verschwinden kann. Also trinke ich gleich drei Tassen von meinem Lieblingsgebräu, bei dem Freud und Leid bekanntlich sehr dicht beieinanderliegen.
Guter Dinge verlassen wir heute die Wüstenstadt und damit auch die Karoo. Unser Ziel ist Swellendam, genauer gesagt das Rothman Manor. Der Himmel ist wolkenverhangen. Es sieht ganz danach aus, als bekäme das durstige Land heute eine weitere Wasserspende. Laut unserem Guide von gestern hat diese Gegend seit einem halben Jahr keinen Tropfen mehr gesehen. Der Regen ist ein Segen für alle die hier leben.
Wir bleiben bei unserer geplanten Strecke: über Calitzdorp, den sensationellen Gysmanshoek Pass und Suurbraak nach Swellendam – auch wenn wir mangels Verkehrsschilder erst mal wieder ein bisschen hin und her fahren.
Ja, wo sind wir denn hier gelandet? Ich dachte Solitaire ist in Namibia? 😄
Ich hätte besser vor den drei Tassen Kaffee noch mal auf die Karte geschaut und mir bewusst gemacht, wie lange wir unterwegs sein werden, bis ich wirklich in der Einsamkeit abtauchen kann. Ich frage mich echt, wo Uwe seine ganzen Getränke lässt. Wir fahren gute 90 Minuten auf asphaltierten Straßen und durch Ortschaften, bis es überhaupt die Möglichkeit gibt, sich ohne Publikum zu erleichtern – für mein Körpervolumen ist meine Blase einfach viiiiieeeeel zu unterernährt.
Und das Wissen, dass ich absolut keine Privatsphäre habe, scheint den Flüssigkeitsdurchgang nur noch mehr zu beschleunigen. Drei Mal muss ich mir die Blöße geben und zwischen zwei geöffneten Fahrzeugtüren abtauchen, während der Verkehr wie in der Rushhour an uns vorbeibrettert. Aber mittlerweile ist meine Hemmschwelle sowieso gesunken. Wat mutt, dat mutt. Wir haben schließlich alle den gleichen Notausgang.
Wüstenstadt Ade
Unsere erste Etappe führt uns über Teerstraßen vorbei an zahllosen, üppig grünen Weinbergen. In den Reben hängen schwere blaue Traubenrispen. Anstelle von Zäunen markieren Blumenrabatten mit großen blühenden Sträuchern die Grundstücksgrenzen – vermutlich, um Insekten anzulocken. Wunderschön sieht das aus, aber eben auch sehr kultiviert.
Nach 90 Minuten auf Asphalt verlassen wir die von Menschenhand gestaltete Kulisse. Wir biegen ab – weg von Teer und LKWs, jetzt kommt endlich Schotter unter unsere Räder! Was bin ich froh. Und wie willkommen ist mir der erste Busch, den ich mir aus der Froschperspektive ansehen kann, ohne selbst gesehen zu werden! Da fühle ich mich doch gleich doppelt so gut.
Dicke Luft
Im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert suchen wir die Abfahrt zum Gysmanshoek Pass. Doch die Beschilderung ist alles andere als eindeutig. Plötzlich stehen wir vor einem einspurigen, tief ausgewaschenen und holprigen Feldweg, der sich in die absolute Wildnis frisst. Wir haben massive Zweifel: Das kann doch unmöglich ein offizieller Pass sein! Sind wir hier auf Privatland geraten?
Im Cockpit brennt die Luft. Uwe ist felsenfest davon überzeugt, dass wir hier illegal unterwegs sind, ich halte vehement dagegen: Es gab keine Alternative, wir müssen hier richtig sein. Ich bin genervt, weil es Uwes Aufgabe war, die Routen ins Navi einzupflegen. Aber auf das ist halt auch nicht immer Verlass.
Um des lieben Friedens willen gibt Uwe klein bei und willigt ein, noch ein Stück weiterzufahren. Und siehe da: Mit jeder Kurve verlieren sich die Zweifel und es wird klarer – mein innerer Kompass hatte recht und das Navi auch. Irgendwann stoßen wir auf ein Schild mit dem Hinweis: „Blumen pflücken verboten“. Spätestens jetzt ist klar, dass wir hier fahren dürfen. Aber ganz ehrlich: Es fühlt sich überhaupt nicht an wie ein Pass, sondern wie eine Fahrt durch einen wilden, botanischen Garten
Pure Natur
Was sich uns hier offenbart, ist ein absolutes Kleinod für Natur-Enthusiasten. Man kann förmlich vor sich sehen, wie sich hier früher die schweren Ochsenkarren durch den Staub gequält haben. Wir landen in einem unberührten Fynbos-Paradies. Ich bin mir sicher: In der Hauptblütezeit würde selbst die Blumeninsel Mainau dagegen abstinken. Aber auch jetzt, außerhalb der Saison, entdecken wir die eine oder andere blühende Schönheit. Ich bin ohnehin schon am Limit meiner Begeisterungsfähigkeit – noch mehr blühendes Wunder würde mich emotional komplett überfordern.
Je tiefer uns die Piste ins Nirgendwo führt, desto ursprünglich wild und natürlich wird es. Die Zivilisation scheint in einer anderen Galaxie zu sein, obwohl der Pass gerade mal 13 km lang ist. Die Einsamkeit und die Schönheit dieser Strecke sind schlicht unbeschreiblich. Nur eine Frage lässt uns nicht ganz los, während wir uns an den Berghängen entlangtasten: Wie viele Kilometer müssten wir im Ernstfall eigentlich rückwärtsfahren, wenn uns hier Gegenverkehr begegnet? Ausweichen ist hier definitiv nicht möglich.
Doch das Glück ist auf unserer Seite. Erst ganz am Ende des Passes, als der Weg sich bereits wieder öffnet, kommt uns das erste und einzige Auto entgegen. An einer breiten Stelle kommen wir problemlos aneinander vorbei – und atmen insgeheim beide durch.
Genussmodus an!
Wir lassen die Fenster herunter und schalten in den Genussmodus. Bei Schrittgeschwindigkeit verfallen wir in einen regelrechten Naturrausch. Wir schalten die Musik ab und lassen uns ein auf die Naturakustik, die sich uns bietet. Die Vögel zwitschern sich die Seele aus dem Leib. Ansonsten Stille – keine Stimmen, keine Motoren, nichts außer Vögeln, brummende Insekten und uns.
Uwe muss gefühlt alle paar Meter anhalten, weil ich schon wieder aussteigen und ein neues Blümchen fotografieren möchte. Manche der filigranen Blüten sind nicht größer als ein Fingernagel. Wohin das Auge auch blickt: mannshohe Proteenbüsche. Was für eine Pracht muss das erst sein, wenn die alle gleichzeitig in voller Blüte stehen! Teilweise ragen die Pflanzen links und rechts des Weges so hoch, dass wir uns wie in einem grünen Dschungel fühlen.
Das Schild mit dem Hinweis, dass Blumenpflücken verboten ist, hat sicher seine Berechtigung. Denn ich kann mir lebhaft vorstellen, wie groß die Versuchung für so manchen Amateur-Botaniker sein muss, die heimische Pflanzenvielfalt im eigenen Garten, um ein solches Juwel zu ergänzen. Aber hier, wo sie hingehören, sind sie einfach am schönsten. Afrika und diese Pflanzen gehören einfach zusammen – was hier die Sinne berührt, lässt sich nicht nach Europa transportieren.
Abschied vom Schotterglück
Ich wünschte, der Pass wäre doppelt so lang. Hier geht mir das Herz auf. Wir holpern über Feld- und Waldwege, über Stock und Stein und haben diese atemberaubende Kulisse ganz für uns allein. Wo gibt es das noch? Ein gutes Stück vor uns zeigt sich sogar ein Schakal, der aber schnell scheu im Gebüsch verschwindet.
Erst nachdem wir die Passhöhe überquert haben und sich der Weg wieder nach unten schlängelt, öffnet sich das enge Tal zu den weiten Ausläufern des Overberg-Gebietes. Die ersten Weidezäune markieren das langsame, aber unaufhaltsame Zurückkehren der Zivilisation. Auf den Koppeln entdecken wir sehr außergewöhnliche Rinder.
Jetzt durchfahren wir auch ein paar kleine Flusssenken, die ein bisschen Wasser führen – gerade so viel, dass unserem Autochen die Füße gewaschen werden. An einer Senke, direkt neben unserem Weg, geht eine Schar Helmperlhühner emsig ihrem Tagesgeschäft nach: der unermüdlichen Futtersuche!
Am Ende des Passes verabschiedet sich der Schotter. Wir biegen Richtung Swellendam ab und haben nun noch gut 55 Kilometer schnöde Teerstraße vor uns. Macht aber nichts: Wir sind beide noch während der gesamten restlichen Fahrt völlig geflasht von diesem traumhaften Naturerlebnis. Ganz klar gehört dieser Pass zu unseren schönsten Highlights auf dieser Reise.
Hallo Silvia, vielen Dank für deinen tollen Reisebericht, da fiel mir doch gerade auf, dass wir in 2022 hier in der Umgebung genau die gleiche Tour gefahren sind. Bei der Erdmännchen Tour war es morgens erbärmlich kalt, so dass die Erdmännchen zuerst auch nicht aus ihren Erdlöchern krochen (vernünftig). In Prince Albert habt ihr das Lazy Lizard verpasst (echt leckere Speisen). Der Rust En Vrede Wasserfall war wirklich beeindruckend. Vor allem die zu bewätigenden Kletterpassagen.