Satelitten ohne teures Telefon

10 Antworten · 2'551 Aufrufe · gestartet 02. Feb. 2023 von swisschees
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Themenstarter1'715 Beiträge · seit 200602. Feb. 2023 · #1
Hie wurde schon oft zum Thema Handynetzabdekung in Afrika angefragt. Für Abenteurer welch sich gerne abseits der normalen Routen bewegen, habe ich zufällig ein Gerät gefunden mit dem man das Iridium Satellitensignal empfangen kann. Es wir mit dem Handy verbunden und ist viel günstiger als ein Sat-Telefon.

https://www.expeditionstechnik.de/satelliten-tracking/zoleo-global-satellite-communicator.html

Gruss
Emanuel
http://africanomads.wordpress.com/ www.nelson2africa.blogspot.com https://europenomads.travel.blog/ YouTube Kanal https://bit.ly/3uEEK59
zuletzt bearbeitet 20. Okt. 2023
7'255 Beiträge · seit 200603. Feb. 2023 · #2
Hallo Emanuel

Etwas ähnliches gibt es auch von Garmin (InReach Messanger). Ich werde das auf meiner nächsten Reise mal testen.

Nicht vergessen, zusätzlich zum Gerät braucht es auch noch ein Abo für das Iridium Netz. Das kostet zwar deutlich weniger als die Gesprächseinheiten. Kommt aber doch noch dazu. Die Preise beginnen bei 20 Euro / Monat. Das Abo kann monatlich unterbrochen werden. Zusätzlich gibt es eine Einrichtungsgebür von 40 Euro.

Für eine erste Reise sind somit die Anschaffungskosten und das Abo bei ca. 320 Euro. Bei Folgereisen jeweils ab 20 Euro / Monat.

Spannend finde ich den SOS Button über den ich das Internationale Notruf Zentrum von Garmin kontaktieren kann.

Herzliche Grüsse
Chrigu
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zuletzt bearbeitet 03. Feb. 2023
59 Beiträge · seit 202203. Feb. 2023 · #3
Hallo,

wir haben im Dez/Jan das Garmin InReach Mini2 mit dabei gehabt und das kann auch SMS versenden und empfangen und hat auch einen SOS Knopf für den Notfall. Ist nicht blitzschnell, bis die Nachricht ankommt, aber man kann auch außerhalb des Mobilfunknetzes im Notfall kommunizieren. Bei der Erstellung eines Accounts bei Garmin muss man zwei Notfallkontakte angeben. Das sind bei uns Personen in Namibia, die dann im Notfall auch wissen wie und wo wir unterwegs sind. Da reicht dann auch eine kurze SMS, um Zugriff auf jemanden mit Zugang zu WLAN und Mobilfunk zu haben. Das günstigste Paket mit 20 SMS kostet ca. 20 EURO für einen Monat, unbegrenzt SMS 80 EURO. Das kann aber nur für den Zeitraum der Nutzung aktiviert werden und schickt mit der SMS auch immer die Position mit. Werden wir im August in Botswana wieder an Bord haben. Gibt sicher komfortablere Lösungen, die aber auch deutlich teurer sind.

Wirkliche Erfahrungen im Notfall kann ich erfreulicherweise bisher nicht bieten.

Beste Grüße,
Holger
229 Beiträge · seit 202207. Apr. 2025 · #5
Ich kapiere mal diesen älteren Thread für eine Anfrage. Vielleicht kann mir jemand Tipps geben?
Einen Teil meiner Reise Nam/BOT habe ich über NCAT gebucht. Eingeschlossen eine Rettungsversicherung von emedrescue 24. Ich habe mir den inreach Messenger gekauft und ein Abo bei Protegear abgeschlossen.
Angenommen ich habe einen Notfall und drücke den SOS-Knopf, dann schicken die Amerikaner aus dem Garmin Rettungscenter die Kavallerie.
Soweit alles verstanden.
Hier meine Fragen:
1.) Weiß jemand, welcher lokaler Dienstleister von Garmin beauftragt werden würde? Macht ja keinen Sinn, mich von X retten zu lassen, obwohl ich bei Y versichert bin.
2.) Weiß jemand, wie ich im Notfall anstatt die Garmin Rettungszentrale direkt emedrescue 24 oder OAR (überlege mir gerade noch, dort auch eine Mitgliedschaft abzuschließen weil wir auch in der Einzugsbereich unterwegs sein werden) mit dem Messenger kontaktieren kann?
Chrigu, wie ist dein Setting? Du bist doch auch mit inreach unterwegs...
Andere Tipps zum Notfall und Kommunikation per inreach willkommen.
Danke schon mal!
Adrian
63 Beiträge · seit 202307. Apr. 2025 · #6
Hallo Adrian, ich nutze auch das Garmin Inreach. Du kannst mit dem Gerät per Email oder SMS jeden kontaktieren. Einfacher wird dies noch, wenn du auf dem Smartphone die Eathmate App von Garmin hast. Diese koppelt sich mit dem Inreach und du kannst Emails oder SMS auf dem Smartphone schreiben und versenden. Der Notfallknopf löst nur die automatisierte Retungskette aus.
Grüße
Jan
7'255 Beiträge · seit 200607. Apr. 2025 · #7
Ad Rian schrieb:
Chrigu, wie ist dein Setting? Du bist doch auch mit inreach unterwegs...
Bei einer gebuchten Reise würde ich immer als erstes den Veranstalter kontaktieren. NCAT hat eine 24/7 Notrufnummer (Handy) an das kannst du eine SMS senden. Du kannst diese auch direkt als Notfallkontakt vor Ort bei Garmin angeben. Ausserdem würde ich immer dem Autoverleiher und dem Veranstalter sagen, dass ihr ein InReach dabei habt und evtl. über diesen Weg Kontakt aufnehmt.

Herzliche Grüsse
Chrigu
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87 Beiträge · seit 202207. Apr. 2025 · #8
Ich hatte letztes Jahr in einem Nachbarland Namibias weitab jeglichen Mobilfunks leider tatsächlich einen Beinahe-Notfall und ich möchte im Folgenden mal kurz berichten, was geholfen hat und was nicht.

Situation: festgefahren im Schlamm, bei (erfolgreicher) Selbst-Bergung - keine allzu große Sache - dummerweise den Fuß blutig verletzt. Eine Infektion des Fußes, ggf. mit systemischen Folgen, war klar zu befürchten. Der Rückweg führte erstens wieder durch den gleichen Schlamm und zweitens war die nächste größere Stadt eine Tagesreise und die Hauptstadt zwei Tagesreisen entfernt. Folgende Fragen waren plötzlich sehr, sehr wichtig - in absteigender Dringlichkeit:

1. das aktuelle Wetter sowie eine Prognose
2. medizinischer Rat
3. der bestmögliche Notfallkontakt, falls beim Rückweg was schief geht
4. Strecken-Infos, also tatsächliche Berichte anderer Reisenden, so aktuell wie möglich
5. welche medizinische Hilfe gibt es wo

Das Satphone hatte ich natürlich dabei, es war aber für die meisten dieser Fragen weitestgehend nutzlos. Ein Garmin InReach oder ähnlich wäre noch nutzloser gewesen. Ich brauchte nicht die Kavallerie, verbunden mit einer vermutlich mindestens fünfstelligen Rescue-Rechnung, sondern in erster Linie Informationen als Basis für vernünftige Entscheidungen. Ich brauche diese Infos hier, jetzt sofort und ohne allen meinen Kontakten stundenlang meine aktuelle Situation zu erklären und diese unnötig in Sorge zu versetzen.

Was hingegen extrem nützlich war: mein Starlink-Kit im Auto - sprich all die gewohnten Kommunikationsmittel vom Telefon über Whatsapp bis hin zu Google und zu Internetforen. Nachdem klar war, dass das Wetter aktuell wirklich ok ist (Satellitenbild -> kein weiterer Regen in der Region) und morgen wahrscheinlich halten wird (Vorhersage), habe ich zunächst an Ort und Stelle ein Lager aufgeschlagen, um erst einmal in Ruhe planen zu können und nicht überstürzt weiteren Unfug anzurichten. Ich habe dann als Zweites per WhatsApp einen befreundeten Arzt in D kontaktiert und nach dem Senden von Bildern den Griff in die Bordapotheke abgestimmt und die Dringlichkeit der Rückreise hinterfragt. Anschließend habe ich mir einen Notfallkontakt im Land mit lokalen Kontakten erarbeitet (ebenfalls WhatsApp) - falls die Schlammstelle mich auf dem Rückweg wieder erwischt und mich aufgrund des nun vorhandenen körperlichen Handicaps endgultig festhält. Dann war die nächste Frage: wo gibt's medizinische Hilfe, und in welcher Qualität? Ich habe mir für alle denkbaren Szenarien mehrere Adressen gesucht: über den nächstgelegenen Rural Health Post übers Distrikt-Krankenhaus bis hin zur besten Klinik in der Hauptstadt. Schließlich ging's an die Routen- und Zeitplanung. Wichtigste Quelle: dieses Forum hier, die 4x4community.co.za, Google Maps (Satbilder) sowie natürlich T4A.

Am nächsten Morgen, eine Nachtfahrt erschien zu riskant und der Dringlichkeit nicht angemessen, ging's dann zurück. Die Schlammstelle vom Hinweg konnte ich dank Google-Maps-Satbildern tatsächlich umfahren. Nach ca. 20h Fahrt, davon 10h für die ersten 100km, und einer weiteren Übernachtung war ich dann beim Arzt in der Hauptstadt. Der Fuß hatte natürlich eine Infektion, durch korrekte Medikation keine Stunde nach der Verletzung war diese aber nun zwei Tage später bereits weitgehend unter Kontrolle und auf dem Weg der Besserung.

Die medizinsiche Versorgung war übrigens weit besser, als alles, was ich bisher aus Deutschland aus der Notfallversorgung kenne: der Arzt hatte direkt Zeit. Zum Ultraschall ging's einfach in den Nachbarraum und keine halbe Stunde später war das Blut fertig analysiert. Die Medikation wurde leicht angepasst und die passenden Tabletten bekam ich direkt in die Hand gedrückt. Eine Stunde nach Ankunft bezahlte ich die Rechnung (keine 70 EUR) und 7 Tage später ging die Reise frisch erholt weiter. Heute ist der Fuß wieder perfekt in Ordnung und nicht mal die Langzeit-Krankenversicherung hat sich letztlich rentiert...

Und die Moral von der Geschichte: ohne Starlink wäre aus dem Beinahe-Notfall mit 80% Wahrscheinlichkeit ein echter Notfall geworden, inklusive Kavallerie und fünfstelliger Rechnung. Bleibende gesundheitliche Schäden nicht ausgeschlossen. Dummerweise hilft die Erkenntnis allen Namibia-Reisenden aktuell nichts - denn Starlink ist im Land, m.E. getrieben durch niedere politische Motive, inzwischen blockiert. Alternativen: gibt es (derzeit) nicht. Aber vielleicht helfen die Einblicke dem einen oder anderen, der in den Nachbarländern unterwegs ist - denn Namibia ist nach meinem Wissensstand aktuell das einzige Land auf dem Kontinent, wo das der Fall ist.

Bitte keine Diskussion über den Besitzer von Starlink/SpaceX - das ist hier im Thread absolut nicht relevant und hilft niemandem.
zuletzt bearbeitet 07. Apr. 2025
7'255 Beiträge · seit 200607. Apr. 2025 · #9
Ich finde es bei all diesen Varianten aber immer extrem wichtig, wenn man auch jemanden vor Ort hat, den man kontaktieren kann. Unsere wichtigsten Kontakte sind immer die 24/7 Hotline unserer Partner in Namibia (Buchungen und Fahrzeuge). Da wissen wir, dass diese extrem zuverlässig sind und sich auf Zuruf auch kümmern. D.h. Es reicht, wenn ich denen eine Nachricht schicke mit Infos die ich brauche. Daraufhin werde ich eine ganze Anzahl Nachrichten zurück bekommen.

Wenn man diese Kontakte nicht hat, ist es doof. Wenn man keinen Veranstalter und keinen Mietwagen hat, ist es sinnvoll sich ein eigens Sicherheitsnetz aufzubauen. Z.B. gute Freunde vor Ort oder der Unterstellort wo man sein eigenes Fahrzeug hat. Wir haben auch immer die Tracks4Africa Guide App dabei. Darin habe ich zumindest einen schnellen Zugriff auf viele Telefonnummern in der näheren Umgebung (Lodges, Werkstätten, Krankenhäuser).

Ich habe die Messenger bei uns nun wieder aus der Vermietung genommen. Das System an und für sich funktioniert gut und ist kostengünstig. Der Erklärungsaufwand ist aber immer sehr gross. Für viele ist das Vorgehen zu kompliziert. Am besten haben sich immer noch die Satelliten Telefon bewährt. Damit kann man einfach jemanden anrufen (sofern man die richtigen Nummern hat).

Herzliche Grüsse
Chrigu

P.S. Die Variante Starlink wäre perfekt aber funktioniert bekannterweise in Namibia nicht. Wir werden für unsere grosse WOW Tour (Namibia - Tansania und zurück) auch Starlink dabei haben.
zebra.reisen: Individuelle und Begleitete Selbstfahrerreisen, Kleingruppenreisen und Reiseberatung Satellitentelefon: Satellitentelefon für die weltweite Nutzung Reiseplanung / Reiseberatung: Besprechung per Videokonferenz Der Zebra Shop: Karten, Bücher und Infos für das südliche Afrika Erlebnisse: Einige unserer Reiseerlebnisse aus Namibia, Botswana und Sambia
925 Beiträge · seit 201607. Apr. 2025 · #10
Das Beispiel zeigt doch eher, wie wichtig es ist, jemanden erreichen zu können, der helfen kann durch Recherche etc. und dass es wichtiger ist, die richtigen Rufnummern parat zu haben. All das kann ein klassisches Satfon leisten, dafür brauche ich kein Starlink, dafür halt klassische Vorbereitung. Wenn ich selbst niemanden kenne, der im Bedarfsdall die Arbeit für mich aus der Heimat (oder in der Nähe) machen kann, muss ich dafür halt einen Profi wie etwa einen Tour Operator vor Ort einspannen/zahlen.
Reiseberichte: SA-KTP-NAM 2017 - Uganda 2018 - Elternzeit 2 M. Südafrika 2022 - Elternzeit 3 M. SA/NAM 2024 Teil I, Teil II, Teil III - SA KNP + KZN 2025
128 Beiträge · seit 202407. Apr. 2025 · #11
fidel schrieb:Das Beispiel zeigt doch eher, wie wichtig es ist, jemanden erreichen zu können, der helfen kann durch Recherche etc. und dass es wichtiger ist, die richtigen Rufnummern parat zu haben. All das kann ein klassisches Satfon leisten, dafür brauche ich kein Starlink, dafür halt klassische Vorbereitung. Wenn ich selbst niemanden kenne, der im Bedarfsdall die Arbeit für mich aus der Heimat (oder in der Nähe) machen kann, muss ich dafür halt einen Profi wie etwa einen Tour Operator vor Ort einspannen/zahlen.
Starlink ist technisch schon bestechend und mit dem neuen Reisetarif mit 10 GB für 9 Euro/Monat preislich konkurrenzlos. Man hat dann bei Problemen ein paar mehr Optionen als mit dem Satfon, z.B. Fotos von kaputten Teilen am Körper oder am Auto zu senden oder Videos mit Anleitungen zu empfangen.

Was die Leute, die hier unterstellen, dass Namibia Starlink aus "niederen politische Motiven" verhindert, aber möglicherweise nicht begreifen: Sie sind nicht der Nabel der Welt. Für Namibia hat es keine Priorität, dass der Deutsche Horst Mümmelmann auf seinem Trip durch das Kaokoveld die bestmöglichste und billigste Internetanbindung hat. Sicherlich wäre Starlink auch für abgelegene Orte, Farmen, und Lodges in Namibia interessant. Aber Namibia als Land hat ein paar mehr Dinge zu berücksichtigen. Wie weit beschädigt man die heimische TK-Branche durch Starlink - eine der wenigen wirtschaftlichen Erfolgsgeschichten Namibias? Wie viel Steuern gehen verloren? Wie viel Abhängigkeit entsteht? Wie viel Macht will man Musk geben, der schon bewiesen hat, lokale Gesetze und Urteile zu ignorieren, wenn ihm das gerade passt (siehe Streit mit Brasilien). Das alles sind keine namibischen Besonderheiten. Italien hatte auch einen Vertrag mit Starlink über mehrere Milliarden ausgehandelt und dann wieder Abstand genommen, weil Italien Musk/Starlink nicht für hinreichend verlässlich hält.