Geschenke..., macht es Sinn und wenn ja, was...

36 Antworten · 7'486 Aufrufe · gestartet 29. Apr. 2018 von miropolos
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2'240 Beiträge · seit 201130. Apr. 2018 · #21
kalachee schrieb:...., haben die Kinder am Wegesrand die Hand aufgehalten und nach «Money! Money!» gerufen. Sowas muss einem wirklich zu denken geben.

Liebe Grüsse
Sam
so war das auch in Kenya, Tanzania...ein trauriges Resultat von schlechtem Gewissen der Völker der nördlichen Hemisphäre...
Gruss M.
Nächste Reiseziele: ab Mai 2025:Zentralasien https://www.polarsteps.com/marimariontour https://www.instagram.com/marimari_on_tour/
zuletzt bearbeitet 30. Apr. 2018
2'391 Beiträge · seit 201602. Mai 2018 · #22
Hallo Henning,
das mit dem Wasser, dass jeder hat, glaube ich so nicht. Ließ mal in meinem Reisebericht unser Erlebnis in Mariental. Außerdem trifft man immer unterwegs im Nirgendwo auf Fussgänger, die mitgenommen werden wollen. Dafür hatten wir keinen Platz, außer leztes Jahr einmal als wir einen neuen Reifen ohne alle Familienmitglieder besorgen mussten. Da haben wir den Transit gerne als Bus nach Outjo angeboten.
Wenn wir schon niemand mitnehmen können, dann fragen wir zumindest, ob sie Wasser brauchen. Und das wird fast immer gerne mit Dank genommen.
Und wir waren auch schon an Hütten im nirgendwo, da war sicher kein Brunnen in der Nähe.
Wasser gebe ich immer! Und da lass ich mir auch nix erzählen, dass das Schadhaft sei.
Und ich gebe auch Geschenke an Menschen bei denen es mir ein Bedürfnis ist. Überall auf der Welt, warum nicht in Afrika? Nicht an Hinz und Kunz.
Übrigens ich gebe auch hier jedem Obdachlosen Geld oder lade ihn zum Essen ein oder bringe Kleidung oder Schlafsack. Ich war im Winter in der Obdachlosenbetreuung aktiv und habe nachts Tee und Suppe rumgefahren, damit sie nicht auf der Strasse erfrieren. Da hörst du Geschichten, da wirst du nie mehr nein sagen, wenn einer nach nem Euro fragt.

Gute Nacht
Sasa
Die Freiheit des Einzelnen endet da, wo seine Faust die Nase eines anderen trifft. 3 Generationen zum ersten Mal auf Pad, Namibia 2016: http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/291659-3-generationen-auf-grosser-namibia-erstlingstour.html
98 Beiträge · seit 201802. Mai 2018 · #23
Sasa schrieb:
Und ich gebe auch Geschenke an Menschen bei denen es mir ein Bedürfnis ist. Überall auf der Welt, warum nicht in Afrika? Nicht an Hinz und Kunz.
Sasa
Danke Sasa 😘
545 Beiträge · seit 201402. Mai 2018 · #24
Sasa schrieb:Hallo Henning,
das mit dem Wasser, dass jeder hat, glaube ich so nicht. Ließ mal in meinem Reisebericht unser Erlebnis in Mariental. Außerdem trifft man immer unterwegs im Nirgendwo auf Fussgänger, die mitgenommen werden wollen. Dafür hatten wir keinen Platz, außer leztes Jahr einmal als wir einen neuen Reifen ohne alle Familienmitglieder besorgen mussten. Da haben wir den Transit gerne als Bus nach Outjo angeboten.
Wenn wir schon niemand mitnehmen können, dann fragen wir zumindest, ob sie Wasser brauchen. Und das wird fast immer gerne mit Dank genommen.
Und wir waren auch schon an Hütten im nirgendwo, da war sicher kein Brunnen in der Nähe.
Wasser gebe ich immer! Und da lass ich mir auch nix erzählen, dass das Schadhaft sei.
Und ich gebe auch Geschenke an Menschen bei denen es mir ein Bedürfnis ist. Überall auf der Welt, warum nicht in Afrika? Nicht an Hinz und Kunz.
Übrigens ich gebe auch hier jedem Obdachlosen Geld oder lade ihn zum Essen ein oder bringe Kleidung oder Schlafsack. Ich war im Winter in der Obdachlosenbetreuung aktiv und habe nachts Tee und Suppe rumgefahren, damit sie nicht auf der Strasse erfrieren. Da hörst du Geschichten, da wirst du nie mehr nein sagen, wenn einer nach nem Euro fragt.

Gute Nacht
Sasa
Moin Sasa,

da Du mich direkt ansprichst…
Ich hatte geschrieben, dass die Einheimischen das sicher besser beurteilen können, wie gut der Zugang zu (Trink-)Wasser für die Bevölkerung ist. Vielleicht mag sich dazu mal einer äußern. Meine ‚Erkenntnisse‘ habe ich aber nicht nur aus der Nachfrage nach Wasser gezogen oder weil es gern genommen wurde. Konkret haben wir auf mehreren Gästefarmen von Namibiern erfahren, dass der Zugang zu (Trink-) Wasser kein generelles Problem ist und die Gastgeber kamen jetzt nicht so rüber, dass die uns da irgendwas erzählen … über Probleme in Namibia haben wir durchaus auch gesprochen, das war also keine bloße Schönfärberei, um den guten Urlaubseindruck nicht zu gefährden.

Insofern bleiben wir für uns dabei, dass wir ohne Gegenleistung nichts geben. Gerade wenn Du mal im Nordwesten erlebst, wie hoch die Erwartungshaltung ist: Wie sollen diese Menschen denn ‚voran kommen‘, wenn die sich auf die Almosen von den Touristen als Lebensgrundlage verlassen? Bei jedweder Entwicklungshilfe wird immer von ‚Hilfe zur Selbsthilfe‘ gesprochen und das schmeiße ich für mich persönlich nicht über Bord, wenn ich die Probleme direkt vor Augen habe. Als Tourist kann und werde ich mit Geschenken niemanden mittel- und langfristig retten können. Aus dem gleichen Grund stellen wir unsere mitteleuropäischen Moral- und Wertevorstellungen im südlichen Afrika ein wenig hinten an, weil Afrika einfach ganz anders ‚tickt‘.
(In diesem Zusammenhang: Danke @ Rehema für Deine lesenswerten Beiträge, fast von 'vor Ort'!)

Zu Deinem letzten Absatz:
Die Probleme in Europa sind meines Erachtens mit denen in Afrika nicht wirklich vergleichbar, da unsere Sozialsysteme über ein ‚etwas engmaschigeres Netz verfügen‘ … aber das wird jetzt etwas zu OT.

Gruß
Henning
463 Beiträge · seit 201502. Mai 2018 · #25
Hallo,

Wir haben in Namibia auch Familien getroffen die mehrere Kilometer bis zur nächsten Wasserstelle gehen müssen. Zwischen Etosha und Rundu sagte uns ein Familienvater, dass er dreimal pro Woche das Wasser für seine Familie bei der 13 Kilometer entfernten Wasserstelle holen muss.

Die leeren 5Liter Wasserflaschen werden von solchen Leuten auch sehr gerne angenommen.


Bei Kleidern, kommt es auch immer auf die Situation an. Wir hatten dieses Jahr etliche Kleinkinderkleidung dabei und die wurde von den Müttern die bei der Namtib Lodge arbeiten sehr sehr gerne angenommen. Die einte Mutter sagte uns "today is Christmas for us ". Es kommt aber ja auch immer darauf an wie man mit diesen Leuten ins Gespräch kommt. Ich hätte die Kleidung nicht irgendjemanden gegeben.

Beim Tsauchab River im Oerwald Camp, haben wir den "Campwächter" zu einem Kaffee und Kuchen eingeladen. Der war so glücklich Kaffe zu trinken. Als er dann noch auf meinem Campingstuhl sitzen durfte, wir hatten ja nur zwei Stühle dabei, war er sehr geehrt. Er konnte es fast nicht glauben, dass er den Stuhl benutzen durfte und ich auf der Geschirrkiste platz nahm.

Jede Situation ist anders und man kann, meiner Meinung nach, nicht sagen wo, wie, was man den anderen schenken oder nicht schenken soll. Klar sollte man den Kindern kein Geld oder Süßigkeit schenken, oder einfach so Geschenke verteilen. Aber es gibt auch Situationen bei denen Wasser oder sonstiges sehr gerne angenommen wird. Man muss halt immer die Situation abschätzen und auch mit den Leuten ins Gespräch kommen. Wir haben einem Jungen, der mit seinen Ziegen unterwegs war, Wasser gegeben. Der war wirklich froh darüber. Was ist daran falsch?

Liebe Grüße
Carmen
2016, Namibia, Botswana, Victoria Falls 2017, Uganda und Ruanda 2017, Kapstadt und Namibia 2018, Namibia und etwas Südafrika (Richtersveld, Augrabies, KTP)
12 Beiträge · seit 201702. Mai 2018 · #27
Auch wenn es vielleicht nicht den allgemeinen Tenor trifft, so haben wir doch bei Reisen in Ländern wie Südafrika oder Namibia immer 1-2kg der in kleine Päckchen verpackten Goldbären dabei. Allerdings schmeissen wir diese nicht aus dem fahrenden Auto und geben sie auch nicht einer Gruppe bettelnder Kinder, wobei es durchaus situationsbedingt schon mal dazu kommt, dass am Weg einige dieser Päckchen den Besitzer wechseln. In aller Regel geben wir dies aber an Orten wo üblicherweise kein Trinkgeld gegeben wird, so z.B. beim Checkin in der Unterkunft oder beim Bezahlen der Nationalparkgebühren. Ganz häufig ist dann auch mal ein (Kugel)Schreiber dabei, weil ich zwar weiß, dass der Betreffende von seinem Arbeitgeber vernünftig ausgestattet sein soll aber es häufig nicht ist. Die Schreiber sind auch nicht in der Firma mitgenommen, sondern sammeln sich im Laufe des Jahres an.

Wir suchen unsere Kleidung - insbesonder T- und Poloshirts auch bei solchen Urlauben immer so aus, dass die Mehrzahl davon das Urlaubsland nicht mehr verlässt und hatten dabei noch nie Probleme dankbare Abnehmer zu finden. Als Camper verschenken wir auch die restlichen Lebensmttel und selbst erworbene Gebrauchsgegenstände nicht erst bei der Fahrzeugrücknahme - die Leute haben meist schon mehr als genug - sondern 1-2 Tage vorher. Das mit der Kleidung und den Lebensmitteln mache ich aber auch, wenn ich nach Ost- oder Südosteuropa fahre, denn auch dort gibt es mehr als genug Armut.

Mit diesen Verhaltensweisen hänge ich nicht den reichen Mitteleuropäer heraus und ein freundlcihes Lächeln habe ich dabei nahezu immer geerntet.

Willi
1'055 Beiträge · seit 201602. Mai 2018 · #28
nachdem ich hier voller Interesse mitlese , möchte ich mich nun auch zu dem Thema äußern.
Verstehen kann ich fast alle Meinungen und es ist natürlich ein " Reizthema " . ich möchte hier mal einen anderen Gesichtspunkt reinbringen - den des Beschenkten. Zu DDR - Zeiten bekamen wir die ausrangierte Bekleidung unserer Verwandten aus dem goldenen Westen , manchmal war auch ein preisgünstiges neues Teil dabei ( Ladenhüter ) - bitte nicht in den falschen Hals bekommen . Wir haben uns nämlich immer ganz mächtig gefreut , waren immer der DDR - Mode voraus und oft habe ich meinen Freundinnen etwas geborgt . Dazu noch die tollen Lebensmittel , geschmuggeltes " Monopoly " und manch anderes ermöglichte unserer 7 köpfigen Familie ein doch ganz gutes Leben, welches wir ohne diese Geschenke nie hätten führen können. Nie in dieser Zeit fühlten wir uns als Bettler oder waren über die " Gaben " beschämt . Auch haben wir uns nie auf diesen Spenden ausgeruht , sondern mit Hausschlachte oder anderen Dingen versucht , ebenfalls Freude zu bereiten. Nach der " Wende " hatten wir dann die Möglichkeit wiederum Freude durch Geschenke z. B. nach Minsk zu bringen . Es ist doch eine Schande , was in unserer Welt so alles weggeworfen wird , und andere haben noch nicht einmal das Nötigste . Das Problem ist die Verteilung dieser Dinge .

Liebe Grüße Conny
Namibia zum 1. Elefantenrunde Abschied für immer Auf neuen Wegen ins Kaokoveld (hummeldumm?") [url//namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/306123-der-kreis-hat-sich-geschlossen-bot-nam.
99 Beiträge · seit 201602. Mai 2018 · #29
Das mit dem 'Wegwerfen' war letztes Jahr bei unserem Besuch in Namibia auch ein Thema.
Nachdem wir am letzten Tag unseren Camper wieder abgegeben hatten, blieb eine nicht
unerhebliche Menge Lebensmittel (wir waren Selbstversorger) übrig. Das meiste davon in
angebrochenen Packungen etc. Einfach wegwerfen wollten wir das wirklich nicht und es einfach
so zu verschenken war uns dann doch etwas peinlich. Also haben wir David, einen Angestellten des
Hotels und der Fahrer, welcher uns vom Flugplatz abholte, gefragt. Der hat uns nur mit großen
Augen angesehen und meinte, dies hier sei Afrika und hier würde grundsätzlich nichts weggeworfen.
Er würde sich über die Sache freuen und sie mit seinen Kollegen, mit denen er eine Unterkunft teilte,
gerne teilen. Gesagt getan und schließlich waren wir es, die für diese Lösung sehr dankbar waren.

Wie weit die unterschiedliche Einschätzung über die Verwendungsfähigkeit von Dingen geht, zeigte uns
auch das Schicksal der Crocs meiner Frau, die sie als Hausschuhersatz und Fußbekleidung im Camp
dabei hatte. Diese hatten mittlerweile in unseren Augen völlig ausgedient und so haben wir sie am
letzten Tag in der Unterkunft in die Mülltonne geworfen. Das Zimmermädchen, welches dann beim
Verlassen unseres Zimmers noch in unserem Beisein mit der Reinigung begann, nahm die Crocs aus dem
Abfallbehälter und stellte sie zu ihren Sachen, um sie für sich mitzunehmen.
2017 - Namibia (10.09. - 04.10.2017) 2019 - Neuseeland (19.01. - 12.02.2019) 2020 - Mecklenburg-Vorpommern (Ersatz Kanada - 06.09. - 19.09.2020)
zuletzt bearbeitet 02. Mai 2018
546 Beiträge · seit 201803. Mai 2018 · #30
....Kleinkinderkleidung dabei und die wurde von den Müttern die bei der Namtib Lodge arbeiten sehr sehr gerne angenommen.
....und hatten dabei noch nie Probleme dankbare Abnehmer zu finden
Es gibt hier noch paarmal die Formulierung , dass es "immer dankbar angenommen wurde".
Ich reibe mich jetzt hier nicht so sehr an dem, was oder wie es verschenkt wurde, sondern eben an dieser Formulierung. Denn man wird in Afrika IMMER DANKBARE ABNEHMER finden - DAS ist ja nicht die Frage, die wir hier diskutieren, oder?
Die Frage ist, wie sinnvoll oder hilfreich es auf lange Sicht ist - egal ob die Menschen das "Wollen", oder gar "Fordern" und ob sie es "dankbar annehmen".

Afrika ist überschwemmt mit Second Hand Kleidung. da braucht man bloß mal in Dar es Salaam über den Markt laufen - oder fast in jedem Dorf mal an einem Markttag herum spazieren (auch in abgelegenen Dörfern, bei Matema, TZ, z.B. verschlug das Angebot uns die Sprache). oder hier in Malawi in den "DAPP" gehen.
Als Tourist kann und werde ich mit Geschenken niemanden mittel- und langfristig retten können. Aus dem gleichen Grund stellen wir unsere mitteleuropäischen Moral- und Wertevorstellungen im südlichen Afrika ein wenig hinten an, weil Afrika einfach ganz anders ‚tickt‘.
Danke, Henning!

DAS ist halt das Problem - dass die Menschen ganz anders ticken.
Aus der Hand eines Weißen nehmen sie alles, was sie kriegen können - während sie untereinander sich verrecken lassen.... Sorry, das klingt hart, aber es ist die Realität. Das in Europa "hochgepriesene "Sozialsystem der Afrikaner reicht eben nur bis zu einem bestimmten Verwandtschaftsgrad - und für alle anderen würde man keinen Finmger krumm machen. Tägliche Realität meines Mannes in Krankenhäusern, da sterben die Menschen reihenweise, nicht weil es an Mitteln mangelt (wie so gerne in den Medien plakativ hingestellt), sondern weil man sich zu fein ist für "den anderen"...
Wir bewegen uns hier in einem völlig anderen Wertesystem!

Ich sage hiermit nicht, dass man nie etwas geben soll - sonst wären wir ja schon längst nicht mehr auf diesem Kontinent. Ich denke schon, dass wir etwas bieten können. Aber das ist vielleicht viel eher "Love, dignity and respect", wie es einmal ein Tanzanier formulierte, als all diese Sachmittel.
Ich bleibe dabei: ein sehr schwieriges Thema.
Aber ich meine, dass "es wird dankbar angeommen" nicht der Maßstab sein klann, ob das jetzt sinnvoll war oder nicht...
Antje
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
12 Beiträge · seit 201703. Mai 2018 · #31
Nun, mit "Love, dignity and respect" können sich die Menschen dort aber nicht ihren Alltag leichter machen. Ich hoffe für mich, dass ich jedem Menschen, der micht nicht gerade blöd anmacht oder bedroht, entsprechend entgegentrete und ich weiß dabei ganz genau, dass ich mich damit im totalen Gegensatz zu allen meinen weißen Bekannten in Südafrika bewege.

Aber nur davon kann sich keiner seinen Alltag leichter oder seinen Magen voll machen. Und von daher sehe ich die Kleinigkeiten, die ich während meines Urlaubs verteilen kann, sehr wohl als sinnvoll an - zumindest so lange, bis ich die "Beglückten" damit nicht beschäme.

Dass Second-Hand-Klamotten in Afrika genau wie EU-Agrarprodukte den Markt überschwemmen, dafür kann ich als Einzelner sehr wenig tun. Und dass man mit gezielten Spenden in Afrika auch viel erreichen kann, wissen wohl die Meisten hier im Forum.
652 Beiträge · seit 200703. Mai 2018 · #32
Hallo Antje und Fomis,
das "anders Ticken" ( 100 % Zustimmung) fällt uns ja bei unseren Besuchen oberflächlich erstmal nicht auf. Deshalb geben und gaben wir Kindersachen z.b. nur an Farmer , die dann nach Bedarf verteilen.Wie das abläuft,hatten wir nicht erwartet. Die Sachen wurden an eine Leine gehangen und die Arbeiter der Farm suchen sich "ein Stück" raus. Würden sie mehr bekommen,setzen sie das schon wieder in Alkohol oder Süßigkeiten um. Wenn der eine Pulli nicht mehr geht,gibt es den nächsten. Es kam auch vor,dass eine Frau sich einen linken Schuh schnappte und eine andere den rechten. Keine von beiden war bereit, ihre "Beute" herzugeben,damit eine ein Paar hat. Seitdem geben wir diese Sachen nur noch an Leute ab, die zuteilen. Das anders "Ticken" ist einfach so und mit unserem Verständnis für Hilfe nur selten vereinbar. Ich glaube ihr, die ihr dort Jahrzehnte verbringt,könntet Bücher drüber schreiben.

Viele Grüße
Mutsel
7'299 Beiträge · seit 200603. Mai 2018 · #33
mutsel schrieb:Es kam auch vor,dass eine Frau sich einen linken Schuh schnappte und eine andere den rechten. Keine von beiden war bereit, ihre "Beute" herzugeben,damit eine ein Paar hat. Seitdem geben wir diese Sachen nur noch an Leute ab, die zuteilen. Das anders "Ticken" ist einfach so und mit unserem Verständnis für Hilfe nur selten vereinbar.

... als Aldi vor ca. 20 Jahren angefangen hat, Kleidung für Kleinkinder zu vergleichsweise günstigen Preisen zu verkaufen, konnte man solche Szenen in jedem Aldi beobachten, wenn die aktuellen Angebote mal wieder Kinderkleidung beinhalteten. Afrikaner waren da allerdings selten unter den Kunden. Das ist bei uns ganz genauso ...

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
7'299 Beiträge · seit 200603. Mai 2018 · #34
Rehema schrieb:
Aber ich meine, dass "es wird dankbar angeommen" nicht der Maßstab sein klann, ob das jetzt sinnvoll war oder nicht...

... vielen Dank!
Dankbar angenommen wird vieles. Da kann ich mich auch hierzulande in die Fußgängerzone stellen und 10-Euro-Scheine verschenken. Die werden auch dankend angenommen.

Während des Krieges zwischen Äthiopien und Eritrea wurde über Jahrzehnte so viel Entwicklungshilfe und Unterstützung in die Länder gepumpt, dass eine ganze Generation verlernt hat, für sich selbst zu sorgen. Lebensmittel und Kleidung wurden einfach immer verteilt.
Der Tourismus ist im Kaokoveld schon lange dabei, das gleiche zu tun.

Wenn ich etwas verschenke, dann an Menschen, die nicht betteln, aber sichtbar Hilfe brauchen - Poliokranke, die auf allen Vieren durch die Straßen robben, Blinde, alte Menschen, die zu stolz sind zum Betteln, aber zu alt zum Arbeiten, Menschen, die auf der Müllkippe leben ... nicht aber an die Menschen, die normalerweise Kontakt zu Touristen haben.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
546 Beiträge · seit 201803. Mai 2018 · #35
Nun, mit "Love, dignity and respect" können sich die Menschen dort aber nicht ihren Alltag leichter machen.
Meine Reaktion auf diesen Satz war ein lautes "Eben DOCH! Gerade DAMIT!"

Wenn Menschen lernen würden, auf diesem Kontinent so miteinander umzugehen, sähe alles anders aus. Und nicht nur auf diesem Kontinent.
Wenn einer nach dem anderen schauen würde! Und sie sich mal genauso viele Gedanken darüber machen würden, wie man einem anderen gut tun könnte, wie Ihr hier alle!!!! Deshalb tue ich auch all die Beiträge nicht "abkanzeln" oder alles Geben als falsch erklären, aber ich hinterfrage halt, ob wir damit auf einem hilfreichen Wege sind!

Der Satz von dem Tanzanier war bei einer Verabschiedung eines dort lange dienenden Arztes. Und der Tanzanier sagte in etwa: "You gave us the most precious thing you could: love, dignity and respect!"
Und: Das äußert sich ja AUCH in Taten.

Und wenn mein Mann Menschen operiert, die von ihren eigenen Landsleuten einfach tagelang in der Ecke liegen gelassen werden, dann hat das etwas damit zu tun, dass er ihnen mit "Love, dignity and respect" begegnet, und das macht SEHR WOHL für viele Menschen den Alltag anders, und nicht nur "angenehmer"!
Wenn ich hingegen in Blantyre jedem was gebe, der bedürftig aussieht (und es vielleicht sogar ist), wird das einen anderen Effekt haben.... Schwer fällt es uns einfach, wenn wir angesichts all dessen, was wir sehen, so wenig "akut" tun können. Deshalb gibt's diese ganze Diskussion hier ja. Aber wir können in der Tat oft wenig tun - und manchmal wäre eben auch weniger mehr...

Es ist an so vielen Stellen eine so lieblose und egoistische Gesellschaft, das können viele in Europa gar nicht denken!

Das Dilemma ist natürlich: es ist ja schon schwierig genug, wie man sich verhält, wenn man in einer solchen Gesellschaft hier als Weißer lebt. Es ist NOCH schwieriger, wie man als Tourist, der eben mal durchreist, etwas "Gutes tun" kann.
Vieles von dem, was Verschiedene hier geschrieben haben, halte ich in begrenztem Maße für gut und gangbar.
Aber wenn wir mit unserer Vorstellung von "für den anderen Denken" kommen, wird das völlig anders ausgelegt und hat damit nicht unbedingt die Effekte, die man erzielen wollte (dafür gab's jetzt in diesem thread auch genügend Beispiele).

Und ob Du's glaubst oder nicht: ich glaube, dass Deine/Eure Form von Anstand, Respekt, dem Umgang, der bei uns erst mal üblich ist, hier auch schon etwas bringt, wenn man sich als Tourist oder "Expat" so verhält. Es müssen nicht immer Sachmittel sein! Auch wenn sich letzteres für uns nach "mehr" anfühlt!
.....und ich weiß dabei ganz genau, dass ich mich damit im totalen Gegensatz zu allen meinen weißen Bekannten in Südafrika bewege.
Na bitte! Da bin ich doch ganz eins mit Dir! Und alleine DAS Macht ja schon einen Unterschied!!! Und manchmal muß es auch gar nicht mehr als DAS sein!
Antje
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
652 Beiträge · seit 200703. Mai 2018 · #36
Hallo,
wir haben im Kaokoveld an Kinder die Holz verkauften,zusätzlich ein Netz Orangen gegeben. Das wollten sie aber nicht,nur mehr Geld. Die Erwachsenen haben im Hintergrund dirigiert.
Ist das im Aldi auch so??? Man sollte weder das eine noch das andere verallgemeinern. Natürlich überlege ich bei offensichtlich Gebrechlichen nicht, ob er es ernst meint oder nicht. und überlege nicht lange. Aber immer diese Verallgemeinerungen mit Europa.... Sicherlich gibt es auch Rempeleien im Aldi bei Verkaufsschlagern,aber das einer einen linken Schuh mitnimmt und ein anderer einen rechten Schuh - geht das an der Kasse.??
Antje, solche Leute wie ihr als Familie,kann ich nur bewundern. Ist das nicht manchmal wie Wasser in ein offenes Faß gießen.?
Grüße
Mutsel
zuletzt bearbeitet 03. Mai 2018
2'060 Beiträge · seit 201303. Mai 2018 · #37
Mitbringsel/Geschenke nach Namibia mitnehmen? Von mir ein klares Ja ........ aber etwas anders als bisher angesprochen.

Unsere beiden ersten Reisen unternahmen wir mit einer größeren Gruppe (Chor) im Bus, der Fahrer war beide Male der gleiche, ein deutschstämmiger Weißer. Während der ersten Tour haben wir uns viel mit ihm unterhalten und er erzählte manches von seiner Mutter. So brachte ich ihm bei der zweiten Reise selbstgebackene Weihnachtsplätzchen samt Rezept mit sowie einen künstlichen Tannenzweig mit kleinen Christbaumschmuck-Anhängern aus Glas, worüber er sich wie ein "Honigkuchenpferd" freute.

Ebenfalls Christbaumschmuck bekam die Frau des Besitzers einer kleinen Reiseagentur, die unsere 3. + 4. Reise mit mir plante, wir hatten nun einen Fahrer (ebenfalls deutschstämmiger Weißer) drei Wochen lang täglich für uns alleine. Während der 3. Reise erfuhr ich, dass er sich demnächst ein Buch über die Geologie Namibias zulegen wollte, das besorgte ich dann in Swakopmund und übergab es ihm zusammen mit dem Trinkgeld. Zur 4. Reise brachte ich ihm von daheim Bücher mit.

Für die Reisen suchten wir uns Projekte, die wir unterstützen wollten und fragten an, was sie brauchen könnten. Einmal war es eine Schule, wo wir Hefte etc. abgaben, einmal ein Kindergarten, der Spielzeug suchte, einmal eine Musikschule, für die wir einen ganzen Koffer voller Blasinstrumente sowie Notenhefte dabei hatten. Einmal hatte ich aus einer Fabrikauflösung Holzperlen dabei und verteilte sie an Frauen, die Schmuck herstellten, z. B. im Living Museum oder in einem Himba-Dorf, das wir besuchten, nachdem ich schon früher gesehen hatte, dass in den Ketten etc. oft auch Holzperlen verarbeitet sind.

Ansonsten führte ich immer ein Anzahl von kleinen Fensterbildern aus Holz mit, auf denen eine oder mehrere Eulen dargestellt waren (ein Artikel aus unserem eigenen Geschäft mit Bezug zu unserem Familiennamen). Diese verschenkte ich, wenn jemand über die Pflicht des Jobs hinaus besonders engagiert oder freundlich war (ohne Rücksicht auf die Hautfarbe), z. B. an die Frau eines Guestfarm-Besitzers, an die Frau eines Lodge-Managers oder an die Männer, die sich um ein kommunales Camp kümmerten und uns von ihren Familien erzählten.

Ich sah dies nie als Geschenk oder Almosen, sondern als kleine Gegengabe für besondere Aufmerksamkeit, die mir/uns gewidmet war.

Ansonsten sah ich es als meine "Pflicht" an, in den Living Museums oder besuchten Dörfern zumindest jeweils eine Kleinigkeit der angebotenen Schmuckstücke oder Gebrauchsgegenstände zu erwerben, was man ja auch nicht als Almosen bezeichnen kann. Außerdem bekommt man dort meist authentischere und interessantere Stücke als auf den großen Holzmärkten, wo wir zuletzt den Eindruck hatten, die in jedem Stand gleich aussehenden Tiere kämen alle aus China.

Ansonsten mussten wir uns selbst keinen Kopf machen, denn wir hatten ja immer einen Fahrer/Guide dabei, der als Einheimischer entscheiden konnte, wann und wo es z. B. sinnvoll war, eine Flasche Wasser zu übergeben.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)