lisolu886 Beiträge · seit 200701. Apr. 2013 · Beeindruckend, diese Männer.
Diese Videos erinnern mich mal wieder daran, dass wir in Deutschland seit über 65 Jahren ohne Krieg leben dürfen.
LG
Lisolu
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200601. Apr. 2013 · ... als ich dort war, war sogar eine junge Frau mit dabei. Die war allerdings noch recht neu bei dem Sport und lernte erst noch. Beim Trainigsspiel hat sie dann entweder daneben gesessen oder mit einem anderen Spieler hinter dem Tor hin und her gekickt.
Gerade bei dieser Anfängerin hat man dann im Vergleich gemerkt, was da an Kraft, Kondition und Geschicklichkeit dazugehört.
Beschwerlich ist aber auch die Anfahrt zum Strand. Die meisten wohnen soweit entfernt, dass sie mit dem Taxi kommen. Eine Taxifahrt kostet dort nicht allzu viel, aber für die Amputierten, die es ja noch schwerer haben, einen Job zu finden, ist auch das viel Geld.
Mit dem Mann, der zu Beginn des ersten Videos seine Geschichte erzählt, habe ich 'ne Weile gesprochen. Es gibt kaum Sponsoren für den Sport. Sierra Leone hat schon öfter beim Africa Cup oder bei Weltmeisterschaften teilgenommen, aber jedes Mal ist die Teilnahme aus finanziellen Gründen fraglich. Beim Africa Cup kam es schon vor, dass die Hälfte der ursprünglich vorgesehenen Teams aus finanziellen Gründen nicht anreisen konnten.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
AfricaDirect1’271 Beiträge · seit 200701. Apr. 2013 · Hallo Wolfgang,
nun bin ich hinterher "geradelt" und Dir auf Deiner Reise in dieses doch recht unbekannte Land gefolgt. Und es ist faszinierend, von Deinen Erlebnisse zu lesen und die Bilder anzuschauen.
Ich gebe zu, diese Art zu reisen wäre nicht meins, denn ich hätte da viel zu viel Angst. Ich habe schon immer die Radfahrer in Johannesburg bewundert, denn dort wäre ich schon kein Fahrrad gefahren, aufgrund des Verkehrs. Aber wahrscheinlich ist das in SA noch absolut harmlos im Vergleich zu den anderen Ländern, die Du so mit dem Fahrrad bereist.
Vielen Dank für den Reisebericht, mit dem Du uns in dieses ungewöhnliche Land "entführst". Ich freue mich auf die Fortsetzung.
Schöne Grüße,
Nicole
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200602. Apr. 2013 · AfricaDirect schrieb:Ich gebe zu, diese Art zu reisen wäre nicht meins, denn ich hätte da viel zu viel Angst. Ich habe schon immer die Radfahrer in Johannesburg bewundert, denn dort wäre ich schon kein Fahrrad gefahren, aufgrund des Verkehrs. Aber wahrscheinlich ist das in SA noch absolut harmlos im Vergleich zu den anderen Ländern, die Du so mit dem Fahrrad bereist.
... nun, ich kenne Südafrika und Johannesburg nicht und deshalb kann ich es nicht vergleichen. Die meisten Großstädte sind erstaunlich einfach mit dem Rad zu befahren. Da bewegt sich der Verkehr ja oft kaum noch und dann kommt man mit dem Rad recht gut zurecht.
Gefährlich sind die Ausfallstraßen, mit denen man die Städte erreicht oder verlässt. Da habe ich einige als sehr gefährlich in Erinnerung und dazu gehört auch Freetown. Komischerweise war die Fahrt aus Freetown raus an einem Montagmorgen, an dem ich Berufsverkehr erwartet hatte, sehr ruhig. Zurück kam ich auf der gleichen Strecke an einem Samstagnachmittag/-abend und es war einige Male sehr knapp und es war richtig viel los auf der Straße.
Ich bin in Afrika auch immer mit einem Rückspiegel unterwegs. Anders ist es mir auch zu gefährlich. Und ich habe in diversen Ländern schon einige Male die Straße im letzten Moment verlassen müssen.
Gruß
Wolfgang
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Kiboko1’249 Beiträge · seit 200902. Apr. 2013 · Hallo Wolfgang,
wenn jetzt Dein Fahrrad sich noch schwerer dreht,
liegt es daran, dass ein Nilpferd noch mit auf dem Gepäckträger sitzt. 🙂
Vielen Dank für Deine Geschichten, Bilder und Beiträge.
Ich bewundere Deinen Mut und Deine Energie, mit der Du durch Afrika reist.
Durch Deinen Reisebericht werde ich Sierra Leone auf meiner Wunschlsite
wieder ein paar Positionen nach oben schieben. 🤩
Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Beitrag.
Viele Gruesse
Bernd
Ägypten, Äthiopien, Benin, Botswana, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kenia (2x), Madagaskar, Malawi, Marokko, Mauretanien, Namibia, Niger, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe (2x), Sudan, Tansania (3x), Togo, Tschad, Uganda (2x)
Fotoreportagen und Bildgalerien aus aller Welt:
foto-kiboko.de
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200602. Apr. 2013 · Hallo Bernd,
Kiboko schrieb:Vielen Dank für Deine Geschichten, Bilder und Beiträge.
freut mich, dass Dir der Bericht gefällt und auch allgemein gut ankommt.
Vielleicht nehme ich das zum Anlass, mir mal meine Tagebücher aus Zambia/Zimbabwe und Gambia/Senegal/Guinea-Bissau vorzunehmen und darüber auch was zu pinseln. Letzteres wäre ja für dieses Forum auch ein eher unbekanntes Reiseziel.
Durch Deinen Reisebericht werde ich Sierra Leone auf meiner Wunschlsite
wieder ein paar Positionen nach oben schieben. 🤩
Laut Deiner Signatur sehe ich, dass Dir auch langsam die Reiseländer ausgehen. 😉
Ich persönlich würde im Vergleich zu Sierra Leone aber eindeutig lieber Kamerun empfehlen.
Dazu habe ich auch mal in grauer Vorzeit einen kurzen Bericht
http://home.arcor.de/bikeafrica/kamerun/rb/r-kam03.htmFotos
http://home.arcor.de/bikeafrica/kamerun/fotos/f-kam03.htmund allgemeine Infos
http://home.arcor.de/bikeafrica/i-kam.htmniedergeschrieben. Könnte auch ein Land für Dich sein ...
Ich freue mich schon auf Deinen nächsten Beitrag.
Mal schauen ... vieleicht folgt der nächste heute noch. Es wird aber auch schon der Vorletzte sein.
Gruß
Wolfgang
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picco6’388 Beiträge · seit 201102. Apr. 2013 · Hoi Wolfgang
BikeAfrica schrieb:Vielleicht nehme ich das zum Anlass, mir mal meine Tagebücher aus Zambia/Zimbabwe und Gambia/Senegal/Guinea-Bissau vorzunehmen und darüber auch was zu pinseln.
🙄 Was heisst hier 'vieleicht'???? 🙄
Los, hopp, mach!!! 🤩 😈 😎 😗
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200602. Apr. 2013 · picco schrieb:Hoi WolfgangBikeAfrica schrieb:Vielleicht nehme ich das zum Anlass, mir mal meine Tagebücher aus Zambia/Zimbabwe und Gambia/Senegal/Guinea-Bissau vorzunehmen und darüber auch was zu pinseln.
🙄 Was heisst hier 'vieleicht'???? 🙄
Los, hopp, mach!!! 🤩 😈 😎 😗
... na eins nach dem andern. 😉
Hier erst mal der nächste Teil ...
Irgendwo in Lumley (habe dort etwa 'ne Woche verbracht und daher die Häufung der Erlebnisse dort) kommt mir gegen Abend jemand entgegen und sagt im Vorbeigehen "Hallo", wie es häufig üblich ist. Ich antworte und drehe mich drei Meter später um. Zufällig dreht er sich auch um und wir kommen ins Gespräch. Anders als die meisten Leute im Land, die kleiner sind als ich, ist er einen halben Kopf größer und recht muskulös. Er ist Boxer und kommt vom Konditionstraining am Strand, wo er im weichen Sand Sprinttraining macht.
Nach einem kurzen Gespräch fragt er mich, wohin ich gehe. Ich sage ihm, dass ich in die Strandbar gehe und er sagt, er müsse erst nach Hause und komme dann nach. Er würde sich gerne mit mir unterhalten. Nach einer Weile kommt er tatsächlich wieder und wir unterhalten uns ca. eine Stunde. Er erzählt, dass er in einem Projekt für ehemalige Kindersoldaten mitarbeitet.
Hier mal die Strandbar in der Nähe meiner Unterkunft. Hier habe ich die Tage ausklingen lassen ...

Zwei Tage später treffe ich ihn wieder. Er fragt mich, ob ich ihn begleiten wolle. Er habe den ehemaligen Kindersoldaten von mir erzählt und sie wären interessiert, mich kennenzulernen. Ich komme mit ihm mit und gebe etwa 20 jungen Männern die Hand. Wohl die meisten von ihnen haben schon Menschen getötet oder waren zumindest dabei.
Sie sind sehr freundlich und sehr interessiert und man merkt ihnen ihre Vergangenheit zunächst nicht an. Sie fragen mich nach den Lebensumständen in Deutschland und erzählen von ihren. Ihre Dörfer wurden überfallen und sie als kleine Kinder oder Jugendliche verschleppt. Um selbst zu überleben, mussten sie manchmal ihre eigenen Familienangehörigen töten. Man hat sie mit Drogen vollgepumpt, um sie zu manipulieren. Sie haben schlimme Dinge getan, um ihren eigenen Tod zu verhindern.
Nach dem Krieg ging die schwere Zeit jedoch weiter. Mal abgesehen von der Verarbeitung der eigenen Erlebnisse und dem Verlust von Eltern und Geschwistern wollten sie die Menschen in ihren Dörfern nicht mehr bei sich haben. Sie hatten Angst vor ihnen, die ja oft ihre eigenen Verwandten und Nachbarn getötet hatten. Also waren die meisten völlig entwurzelt und auf sich selbst gestellt. Dazu kommt, dass sie ihre Kindheit im Krieg verbracht haben, demnach auch keine Schulbildung haben und kaum eine Chance auf einen Job haben.
Sie leben nun in einer Gruppe von Menschen, die das gleiche Schicksal durchlebt haben. Ihren Unterhalt verdienen sie mit dem Waschen von Autos. Sie leben in wenigen Blechhütten unter einfachsten Bedingungen. Einige von ihnen müssen im Freien schlafen, weil es in den Hütten nicht genug Platz gibt. Das Ganze spielt sich nicht einmal 50 Meter entfernt von der Hauptstraße ab. Die Folgen des Bürgerkrieges sind auch nach seinem Ende langwierig ...
Falls sich jemand mit dem Thema "Kindersoldaten" näher beschäftigen will, kann ich den Film "Lost Children" (gabs vor Jahren mal kostenlos von der Caritas) empfehlen. Ich habe ihn bei Youtube in Einzelteilen gefunden und verlinke den mal hier. Da gehts zwar nicht um die RUF in Sierra Leone, sondern um die LRA in Uganda, aber das spielt keine große Rolle. Ist überall die gleiche Situation.
Ich gehe davon aus, dass es sich einige nicht bis zum Schluss anschauen können. Und schaut es nicht gerade beim Essen an ...
Gruß
Wolfgang
Bei YouTube ansehen ↗
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nicht öffentlich sichtbar - funktioniert evtl. nicht:
http://www.youtube.com/watch?v=OnM6j6Znw98&list=UUVLcAc5C1gM_N0cAfZJZSGQBei YouTube ansehen ↗
Bei YouTube ansehen ↗
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st@ffi117 Beiträge · seit 201102. Apr. 2013 · Hallo Bike Africa!
Schön, dass du fleißig weiter schreibst, obwohl ich jetzt grad mal durchatmen musste. Danke, dass du uns mitnimmst! Gruessle Steffi
Wilderness is not a luxury but a necessity of the human spirit
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200602. Apr. 2013 · Hallo Steffi,
ich habe zwar schon einige Bücher über dieses Thema gelesen, aber wenn man Menschen mit solchem Schicksal tatsächlich gegenüber steht, ist das schon sehr seltsam. Man steht da ziemlich hilflos rum und stellt sich gleichzeitig die Frage, ob es so geschickt war, dahin mitzukommen. Spät nachmittags und nicht mehr lange bis zur Dämmerung und niemand wusste, wo ich überhaupt bin. Diese Menschen sind arm und haben kaum eine Chance im Leben und gleichzeitig denkt man sich, ihre Hemmschwelle zu einem Raub oder Schlimmeren ist vielleicht nicht sehr groß, aber den allermeisten tut man damit unrecht.
Die sind über ihre Vergangenheit auch nicht glücklich und sie waren alle sehr nett, haben mich rumgeführt und mir Ganja zum Rauchen angeboten. Es hat keiner von ihnen irgendwie gebettelt oder auch nur eine Andeutung gemacht. Als ich meinte, es wäre nun Zeit, wieder zu gehen, da es bald dunkel würde, hat mich der Boxer wieder bis zu meiner Unterkunft begleitet. Er wollte mir kurze Videos von den Lebensumständen dort schicken, damit ich die bei Youtube o.ä. für die Öffentlichkeit bereitstellen kann, damit die Leute anderswo davon erfahren. Ich gehe aber davon aus, dass das aufgrund mangelnder Bandbreite nicht funktionieren wird.
Gruß
Wolfgang
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Kiboko1’249 Beiträge · seit 200902. Apr. 2013 · Hallo Wolfgang
BikeAfrica schrieb: Zambia/Zimbabwe und Gambia/Senegal/Guinea-Bissau . Letzteres wäre ja für dieses Forum auch ein eher unbekanntes Reiseziel.
Sehr gerne!
Guinea-Bissau (Billargos Achipel) ist ebenfalls weit oben auf meiner Wunschliste. 🤩
Gambia und Senegal stehen irgenwo im Mittelfeld.
Nach Zimbabwe geht es im Juli/August. 🤩 🤩 🤩
BikeAfrica schrieb:
Laut Deiner Signatur sehe ich, dass Dir auch langsam die Reiseländer ausgehen. 😉
Ich persönlich würde im Vergleich zu Sierra Leone aber eindeutig lieber Kamerun empfehlen.
Noch brauche ich keine Angst zu haben, dass mir die Reiseländer ausgehen.
Es gibt in Afrika (und der Rest der Welt) noch soooooo viel zu sehen.
Danke für die Links auf Deine Reiseberichte.
Die kannte ich schon. 🙂
Nach unserer (Lichtangler und Kiboko) Gabunreise sind die Nachbarländer Kamerun, Kongo und Zentralafrikanische Rep. in meiner Wunschliste weit abgefallen.
Wer Axels Vortrag in Kronau gesehen hat, weiss warum. 🤪
Viele Gruesse
Bernd
Ägypten, Äthiopien, Benin, Botswana, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kenia (2x), Madagaskar, Malawi, Marokko, Mauretanien, Namibia, Niger, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe (2x), Sudan, Tansania (3x), Togo, Tschad, Uganda (2x)
Fotoreportagen und Bildgalerien aus aller Welt:
foto-kiboko.de
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200604. Apr. 2013 · Hallo Bernd,
Kiboko schrieb:
Nach unserer (Lichtangler und Kiboko) Gabunreise sind die Nachbarländer Kamerun, Kongo und Zentralafrikanische Rep. in meiner Wunschliste weit abgefallen.
Wer Axels Vortrag in Kronau gesehen hat, weiss warum. 🤪
kannst Du mal kurz schreiben, warum?
Die Zentralafrikanische Republik, Congo und Gabun sind doch nicht mit Kamerun zu vergleichen, wobei es sicherlich auch auf die Region ankommt.
Für mich war Kamerun ein Highlight in Afrika und ich würde wieder dorthin fahren. Bei Sierra Leone müsste ich noch mal ein paar Nächte drüber schlafen ...
Gruß
Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200605. Apr. 2013 · ... Letzter Teil ...
Nach dem Besuch der Strandregion komme ich zurück nach Freetown. Emerson (der Poliokranke) freut sich, dass ich noch gesund und in einem Stück zurückgekommen bin. Vier andere Leute begrüßen mich an diesem Tag in der Stadt mit Namen (und der ist für die Leute dort oft schwerer auszusprechen als für mich der ihre). Irgendwie kennt man den weißen Radfahrer jetzt langsam bereits. Die Kinder in der Nachbarschaft meiner Unterkunft (die vom letzten Zwischenstopp in Freetown) springen fröhlich um mich herum und ziehen mich an den Händen mit nach Hause.
Am Abend besuche ich wieder mal eine Kirche, da ich auf dem Heimweg laute Musik vernehme. Die Menschen tanzen in der Kirche und die Musik ist fast so laut wie in einer Disco. Zwischendurch wird die Musik leiser bzw. verstummt und ein Pfarrer spricht. Dann folgt wieder laute Musik und Tanz. Kirche ist hier gleichzeitig Nachdenken und Unterhaltung.
Am nächsten Tag geht es durch die Stadt zur Fähre, um nach Lungi zum internationalen Flughafen zu kommen. Dort finde ich ein einfaches Guesthouse wenige Fußminuten entfernt vom Flughafen. Die beiden Hotels hier in der Nähe rufen 150 US$ für die Übernachtung auf.
Ich schaue mich im Dorf um, denn mehr als ein Dorf ist das hier nicht. Das bedeutet gleichzeitig, dass ich viel Zeit habe, um auf Erich Kästners Spuren zu wandeln (Toren besuchen in fremden Ländern die Museen. Weise gehen in die Tavernen). Ich will unbedingt noch ein Foto einer Dose des aus Deutschland importierten "Cody's" machen (Foto weiter vorne im Bericht). Ich muss mehrere davon bestellen, bis mich das äußere Aussehen einer Dose endlich zufriedenstellt und für ein Foto geeignet erscheint. Außerdem besorge ich mir als Packmaterial drei Carlsberg-Kartons (nein, den Inhalt habe ich nicht gesoffen), in denen deren Bierdosen an Geschäfte und Kneipen verkauft werden. Dann gehe ich in die Unterkunft und packe ein bisschen Gepäck für den Flug.
Am nächsten Tag laufe ich noch ein wenig umher und versuche dann, in irgendwelchen Kneipen vielleicht noch ein besseres Foto einer Bierdose zu machen, aber so viel ich auch trinke ... besser wirds nicht. Ich lerne aber einige Einheimische kennen und habe einen interessanten Tag. Am frühen Abend dusche ich nochmal in der Unterkunft und gehe in der Dämmerung, das Fahrrad schiebend (Pedale sind schon abmontiert und Fahrrad gewaschen) zum Flughafen. Ein Mitarbeiter des Guesthouses begleitet mich und verabschiedet sich, als wir am Flughafengebäude sind. Von irgendwo kommt ein ca. 25jähriger Einheimischer und hilft mir, das Fahrrad mit den Kartons, Kabelbindern und Klebeband halbwegs vernünftig zu verpacken. Meine Packtaschen kommen mit Ausnahme des Handgepäcks in einen Nylonsack. Jetzt ist es etwa 20 Uhr und dunkel. Check-In beginnt um 3 Uhr morgens.
Die Flughafenhalle ist komplett menschenleer. Vor dem Eingang sitzen zwei Sicherheitskräfte. Ich lehne mein Fahrrad und mein Gepäck an einen Metalltisch im Inneren der Halle. Mitsamt dem Handgepäck gehe ich mit dem Einheimischen ins Dorf und wir lassen uns an einer Bretterbude auf Stühlen nieder. Ich gebe ihm eine Cola aus und versuche es mit Carlsberg (Cody's macht anscheinend müde). Wir reden bis ca. 24 Uhr und dann werde ich langsam zu müde und gehe mit ihm zurück zum Flughafen, wo er sich verabschiedet. Dafür begrüßt mich ein Flughafenmitarbeiter von der Gepäckabfertigung (wieder mit Namen), den ich während meiner kurzen Zeit in Lungi irgendwo kennengelernt habe (vielleicht wurde mein Fahrrad deshalb so sorgsam verladen). Ich muss gestehen, dass ich mich in den seltentsten Fällen an die Namen meiner Gegenüber erinnern kann und manchmal nicht einmal ans Gesicht. Ich lernte während der Reise einfach zu viele Menschen kennen und schüttelte an manchen Tagen Dutzenden die Hände.
In der Halle sind jetzt vielleicht 15 Leute, die auch auf den Flug warten. Ich mache mich auf einer Bank lang und schlafe ein bisschen. So gegen 2:30 Uhr werde ich wieder wach. Jetzt ist mehr Betrieb. Man hat einen Teil des Bereichs vor dem Check-In-Schalter abgesperrt und mein Rad samt Gepäck steht dort. Langsam kommt Leben in die Bude.
Als die Check-In Schalter besetzt werden und der offensichtliche Chef der Schicht in Sicht kommt, frage ich ihn, ob ich mein Fahrrad und das Gepäck jetzt wieder hinter die Absperrung bugsieren und mich anstellen soll, aber er meint, ich solle ihm seinen Pass zeigen und dann mit meinem Geraffel gleich zum Schalter gehen. Das ist prima. So halte ich niemanden auf und bin sogar vor den beiden Rollstuhlfahrern als Erster am Schalter, bevor die Absperrung überhaupt geöffnet ist. Er fragt mich nur noch, ob ich die Luft aus den Reifen gelassen habe. Ich versichere ihm, dass ich den Luftdruck soweit abgelassen habe, dass weder dem Fahrrad noch dem Flugzeug etwas passieren könne und damit ist er zufrieden.
Am Check-In-Schalter bekomme ich meinen Boarding-Pass, der auf unbedrucktem Karton vollständig per Hand geschrieben wird. Den Boarding-Pass für den knappen Anschlussflug in Casablanca bekomme ich natürlich nicht. Dann noch an einem Sicherheitskontrolleur vorbei, der mich offen fragt, ob ich etwas Geld für ihn habe, damit er sich am Abend ein Bier kaufen kann. Als ich verneine, fragt er nochmal nach. Ich sage ihm, dass ich alles ausgegeben habe, weil ich es ja nicht mehr brauche (stimmt nicht ganz, weil ich ja immer Scheine als Erinnerung behalte und sammle bzw. als Lesezeichen für Bücher verwende). Daraufhin fragt er mich, ob ich ihm sonst etwas geben könne. Ziemlich dreiste Masche, aber offenbar oft genug erfolgreich. Diesmal nicht. Im Flugzeug herrscht freie Sitzwahl, damit man das Land noch einmal von seiner chaotischen Seite sieht.
In Casablanca betrete ich das Flughafengebäude 25 Minuten vor Abflug nach Frankfurt. An den langen Schlangen vor den Schaltern zur Ausstellung eines Boarding-Passes und der Sicherheitskontrolle schleust man mich jeweils vorbei nach vorne. Ich muss die ganze Abflughalle entlang zum Flugsteig 31, dem vorletzten. Kurz vor Ende des Boarding gelange ich ins Flugzeug. Anders als in Sierra Leone, wo ich mit kurzen Hosen und T-Shirt nicht auffiel, tragen hier die Leute alle Winterjacken und verstopfen damit rücksichtslos die Gepäckfächer. 😉
Wenn sowas jeder machen würde ...
Nach einem nach meinem Empfinden ruhigen Flug (ok, vielleicht habe ich andere Fluggäste durch Schnarchen gestört?) komme ich in Frankfurt an. Als ich das Gepäckband erreiche, steht mein Fahrrad schon daneben (kommt sonst immer als ziemlich letztes Gepäckstück). Gleich danach läuft mein Nylonsack über das Förderband. Als Erster verlasse ich die Ankunftshalle, wo mich schon der Fahrer des Flughafenshuttles erwartet. Wir verlassen das Gebäude, wo ich bei 3 Grad Außentemperatur in kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen erstmals nach vier Wochen endlich wieder zu schwitzen aufhöre.
Endlich wieder Aussicht auf Schnee ... 😉
So, das wars erstmal aus Sierra Leone.
Wenn ich mein Tagebuch von Gambia bis Guinea-Bissau in die Finger bekomme, gibts wieder 'nen Bericht, wenn auch von einer lange zurückliegenden Tour. Soviel sei aber schon mal verraten: Für Guinea-Bissau hatte ich nicht mal 'ne Landkarte und dass gerade ein Militärputsch passierte und das Auswärtige Amt eine Reisewarnung rausgab, während ich schon in Gambia und Senegal unterwegs war, bekam ich gar nicht mit.
Gruß
Wolfgang
Was hier jetzt noch fehlt, ist das Foto von den Öllampen für Janet und das kurze Fazit am Schluss. Ist nicht vergessen - kommt noch ...
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
easytrack63 Beiträge · seit 201105. Apr. 2013 · Wirklich großartig, vielen Dank für den spannenden und lehrreichen Bericht
ANNICK8’057 Beiträge · seit 200805. Apr. 2013 · Hallo Wolfgang,
Ich glaube das Land ist auch wieder etwas für mich! 😎
Du hast es durch deinen tollen Reisebericht bestätigt. 🙂
Aber ich glaube, ich werde mir ein anderes Verkehrsmittel anschaffen! 😛
Liebe Grüsse
Annick
picco6’388 Beiträge · seit 201105. Apr. 2013 · Hoi Wolfgang und Danke für den interessanten Bericht!!!
OK, vom Fahrad als Transportmittel konntest Du mich trotz Rückspiegel nicht überzeugen (da hats ja keinen Motor...igitt!!!), aber es zeigt sich mal wieder dass es auch interessante Orte abseits des Touristenstroms gibt!
Nur eins lass mich Dir noch mit auf den Weg geben...
BikeAfrica schrieb:...und versuche dann, in irgendwelchen Kneipen vielleicht noch ein besseres Foto einer Bierdose zu machen, aber so viel ich auch trinke ... besser wirds nicht.
Alkohol löst keine Probleme...auch bei Kamera's nicht! 😈
BikeAfricaThemenstarter7’317 Beiträge · seit 200605. Apr. 2013 · picco schrieb:OK, vom Fahrad als Transportmittel konntest Du mich trotz Rückspiegel nicht überzeugen (da hats ja keinen Motor...igitt!!!), aber es zeigt sich mal wieder dass es auch interessante Orte abseits des Touristenstroms gibt!
... beim nächsten Reisebericht gibts nicht mal den Rückspiegel am Rad. Den hatte ich auf dieser Reise nämlich vergessen. Sowas kommt mal vor, wenn man sich keine Checkliste macht und spontan am Vorabend packt.
Nur eins lass mich Dir noch mit auf den Weg geben...BikeAfrica schrieb:...und versuche dann, in irgendwelchen Kneipen vielleicht noch ein besseres Foto einer Bierdose zu machen, aber so viel ich auch trinke ... besser wirds nicht.
Alkohol löst keine Probleme...auch bei Kamera's nicht! 😈
... da habe ich mich ja völlig missverständlich ausgedrückt. Ich habe natürlich nur Cola ohne Ende getrunken und wurde davon so zittrig, dass ich die Dosen anderer Kneipenbesucher nicht mehr vernünftig ablichten konnte. 😉
Gruß
Wolfgang
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take off1’674 Beiträge · seit 201205. Apr. 2013 · Hallo Wolfgang
Vielen Dank für deinen interessanten Reisebericht.
Ich reise ja auch gerne, aber alleine die Idee die Welt mit dem Fahrrad zu bereisen finde ich total crazy - aber hoch interessant .
Du hast uns tolle Eindrücke über das Land vermittelt.
Werde dich gerne auf deiner nächsten Reise begleiten.
(Nein, keine Angst, 🤩 - ich meine natürlich deinen Reisebericht lesen)
Liebe Grüße
Dagmar
Nunanani521 Beiträge · seit 201105. Apr. 2013 · Hallo Wolfgang,
Vielen Dank, dass Du Deinen Reisebericht für uns schreibst und einstellst.
Ich finde sehr interessant, was Du alles erlebst und wie Du die Menschen einschätzt und beschreibst.
Danke auch, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, die Filmteile zu verlinken, hat uns sehr nachdenklich gemacht.
Gruß,
Nunanani
Südafrika, Botswana, Namibia, Zimbabwe, Mosambik,...
st@ffi117 Beiträge · seit 201105. Apr. 2013 · Hallo Bice Africa,
auch ich bin jetzt dazu gekommen, alles zu Ende zu lesen. Vor allem fand ich deine Begegnungen mit den ehemaligen "West-Side-Boys" interessant, eben den Kindersoldaten, die damals zu diesen Greultaten fähig waren. Ich frage mich, wie sowas damals möglich war. Wie das überhaupt möglich ist. Ich habe mal von einer Geschichte gelesen von einem 12 jährigen Kindersoldaten in Sierra Leone, der im Drogenrausch seiner Schwester den Arm abgetrennt hatte. Als er zwei Tage später diese Verstümmelung entdeckte und er fragte, wer zum Teufel das angerichtet hat und er die Wahrheit erfuhr, ist er schreiend zusammengebrochen. Ich glaube, daß Menschen, die in bürgerkriegs- oder in kriegsähnlichen Zuständen leben müssen, fast zu allem fähig sein können. Immerhin passiert dies ja immer wieder. Ich glaube den Menschen, denen du begegnet bist, daß sie darüber nicht glücklich und sie sind ganz sicher noch traumatisiert.
Danke, daß du uns mitgenommen hast! Für mich war das kein gewöhnlicher Reisebericht!
Liebe Grüße
st@ffi
Wilderness is not a luxury but a necessity of the human spirit