Reisebericht

Reisebericht Sierra Leone

von BikeAfrica · begonnen 26. März 2013 · 14 Teile

Teil 126. März 2013
Hallo zusammen,

ich bin kürzlich aus Sierra Leone zurückgekehrt und habe begonnen, in einem anderen Forum einen Reisebericht einzustellen. Jetzt frage ich einfach mal, ob es hier auch jemanden interessiert oder ob es am Thema des Forums so weit vorbei geht, dass es eh niemand lesen mag? Irgendwie passt es ja sowieso nur unter "Off Topic".

Gruß
Wolfgang
Teil 227. März 2013
... Los gehts ...

Nach einem Nachtflug komme ich gegen 5:30 Uhr bei völliger Dunkelheit und (im Flugzeug durchgesagten) 25 Grad am Lungi Airport in Sierra Leone an.

Da man den Flughafen auf der anderen Seite einer Bucht gebaut hat, ist die Fahrt in die Hauptstadt Freetown etwas umständlich. Die Straßenverbindung ist fast 200 km lang und führt zudem über heftige Pisten. Eine Taxifahrt unter Mitnahme des Fahrradkartons fällt also aus.
Direkt vom Flughafen gibt es eine Helikopterverbindung nach Aberdeen, einer Strandregion im äußersten Westen Freetowns. Außerdem gibt es einen überteuerten Shuttle zu einem Hoovercraft und einer Schnellbootverbindung, die ebenfalls Aberdeen ansteuern. Ich entscheide mich für die Fähre, die etwa 20 km südlich ablegt und direkt in die Stadt fährt. Das bedeutet, mich vom Fahrradkarton zu verabschieden (für den Rückflug wird sich schon eine Möglichkeit finden) und das Fahrrad am Flughafen startklar zu machen. Dadurch bin ich mit Abstand der letzte Passagier, der den Flughafen verlässt. Also warten vor dem Flughafen eine Menge lästiger Leute, die mir einen Transport oder eine Unterkunft aufschwätzen wollen oder Geldwechsel anbieten. Da ich den aktuellen Kurs nicht kenne und noch nicht weiß, ob das Geldtauschen auf der Straße nicht vielleicht wie in manchen Ländern verboten ist, verzichte ich darauf, vor allem aber auch, weil eine Menschentraube (Polizisten sind auch in dem Getümmel) um mich herum steht und auf mich einredet. Dieser Moment kurz nach der Ankunft in einem afrikanischen Land ist fast überall genauso nervig. Jeder will scheinbar den Neuankömmling übers Ohr hauen. Sobald es hell ist, fahre ich los.

Es ist Sonntagmorgen, der Verkehr sehr gering und die Straße ganz ok. Die Menschen unterwegs winken freundlich und der Start fühlt sich gut an.
An der Fähre wartet bereits ein einheimischer Rennradler, mit dem ich später ins Gespräch komme. Am Fährterminal kann ich bei einem Geldwechsler auch 50 Euro in Leones wechseln. Der Kurs ist nicht so gut wie am nächsten Tag auf der Bank, aber fair und ohne versuchte Tricks. So habe ich erst einmal etwas Geld und kann vor allem auch die Fähre und die erste Übernachtung bezahlen. Die Überfahrt dauert zwischen 45 und 60 Minuten und Anthony, der Rennradler fragt mich, wo ich übernachten will. Ich habe mich fürs YMCA entschieden und Anthony zeigt mir den Weg und radelt vor mir her durch den chaotischen Verkehr. Auf manchen Straßen geht es in beiden Richtungen kaum voran. Dann fährt man als Radfahrer hier zwischen den Autos, die in die gleiche Richtung wollen und dem Gegenverkehr, so lange die Straße breit genug ist. Ab dem Clocktower geht es durch die Straßen, auf denen der größte Teil des Marktes stattfindet. Autos umfahren diese Straßen meist, da sie von Menschen bevölkert werden wie ein Weihnachtsmarkt. Die wenigen Autos, die hier noch fahren, kämpfen sich hupend im Fußgängertempo und Zentimeterabstand durch die Menschenmenge. Die Gebäude sind alle in ziemlich maroden Zustand. Danach gehts irgendwann in eine Seitenstraße und die Gebäude werden ziemlich ärmlich. Die Dächer bestehen generell aus Wellblech, manchmal auch das ganze Gebäude. Leider ist das YMCA voll, aber in der Nähe gibt es eine weitere Unterkunft, die ganz ok ist. Leider gibt es kein Moskitonetz, was auch während fast der gesamten Reise so bleiben wird. Hier gäbe es keine Moskitos, meint man. Für keine Moskitos bin ich dann am nächsten Morgen allerdings ziemlich zerstochen.
Für seine Hilfe lade ich Anthony zu einem Bier in eine kleine Dorfkneipe in der Nähe ein. Ein zweites Bier lehnt er ab. Er muss ja auch noch seine Sinne beisammen haben, um sich mit dem Rad wieder durch den Verkehr zu schlängeln.

Anschließend -inzwischen ist es schon brutal heiß- schaue ich mir zu Fuß ein bisschen die Stadt an. An jeder Abzweigung präge ich mir ein, wie ich laufen muss, um zurückzufinden. Irgendwie wirkt die Stadt sehr trostlos. Auf dem Rückweg sprechen mich ein paar Kinder freundlich an und beginnen kurz darauf mit dem Betteln. Von der anderen Straßenseite ruft ein im Rollstuhl sitzender Poliokranker scherzend zu mir rüber, ich hätte wohl ein paar neue Freunde gewonnen. Ich gehe zu ihm auf die andere Straßenseite und unterhalte mich eine Weile mit ihm. Emerson (Mitte 40) leidet seit seinem 2. Lebensjahr an Polio, ist sehr gebildet und freundlich. Im Gegensatz zu den vielen anderen Menschen gleichen Schicksals bettelt er nicht. Er sitzt jeden Tag an der gleichen Kreuzung und beobachtet die Menschen - von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Er freut sich, dass sich jemand die Zeit nimmt, mit ihm ein Weilchen zu reden.

Am nächsten Morgen gehe ich in die Stadt und treffe als erstes Emerson. Er sagt mir, wo ich eine Bank finde, um Geld zu tauschen und wo der "Supermarkt" ist. Zuhause in Deutschland ist der Supermarkt im Nachbardorf (ca. 2.500 Einwohner) 3-4 mal so groß wie der größte Supermarkt in der Millionenstadt Freetown. In der Bank tausche ich 500 Euro und bekomme ca. 600 Geldscheine zurück. Zum Glück haben meine Hosen Oberschenkeltaschen, die nun prall gefüllt sind.

Ich erkunde anschließend zu Fuß die Stadt und den Marktbereich, aber irgendwie gibt es hier auch in allen anderen Teilen der Stadt irgendwo einen Markt. Da es fast keine Arbeitsplätze gibt, muss jeder versuchen, durch Handeln etwas Geld zu verdienen.

Bevor ich am nächsten Morgen Freetown verlasse, besuche ich noch eine Schule, die sich direkt neben meiner Unterkunft befindet. Die beiden Schulleiter -eine Frau und ein Mann- führen mich durch alle Schulklassen, wobei die Schule auch einen Kindergarten beinhaltetet. Ich bin nun neugierig, was außerhalb der Hauptstadt so passiert. Emerson, den ich auf dem Weg aus der Hauptstadt erneut begegne und der mir den Weg erklärt, ist ebenso neugierig ... ich werde ihn später wiedersehen.

... demnächst gehts weiter ...

Gruß
Wolfgang
Teil 327. März 2013
Die im Bericht erwähnte Schule


Die Schule befindet sich hinter der Mauer. Der größte Teil der Klassenräume befindet sich unter dem Wellblechdach, das nach links weitergeht. Die am rechten Bildrand zu sehende Treppe führt ins Nichts. Das erste Stockwerk des Hauses existiert nicht mehr.


Zerstörtes Haus oder Bauruine unweit meiner Unterkunft. Durch den Krieg wurden viele Häuser zerstört oder nicht mehr fertiggestellt.


Hier ein schon vorbildliches Haus in der Nähe meiner Unterkunft. Viele sehen so ähnlich aus wie der "Zaun" im Vordergrund.


Marktbezirk in der Innenstadt von Freetown


Zweispurige Straße durch den Marktbezirk


Seitengasse auf dem Markt. Man achte auf die Hütten im Hintergrund ...


Blechhütten in der Nähe des Marktes. Über die Brücke fuhr früher eine Bahn. Heute gibt es im Land keine Eisenbahn mehr. Die Schienen auf der Brücke sind auch nicht mehr vorhanden.


Bessere Kneipe am Rande des Marktes


Links davon, direkt anschließend an das vorherige Bild, folgender Anblick. Eines der Wellblechteile ist eine Tür. Dahinter befindet sich ein Bordell.
Zwischen der Kneipe und dem Bordell befindet sich eine offene Abwasserrinne.


Der im Bericht erwähnte Emerson mit einer ebenfalls poliokranken Freundin
Teil 427. März 2013
Teil 2 - raus aus der Stadt

Auf meinem Weg aus der Stadt muss ich wieder durch den Marktbezirk. Die Straßen dorthin sind hoffnungslos verstopft, aber mit dem Rad kommt man zwischen den Autos gut voran. Während ich bei meiner Ankunft am Sonntag noch langsam über den Markt radeln konnte, ist heute nur noch Schieben möglich. Irgendwann erreiche ich die vierspurige Fernverkehrsstraße aus der Stadt in Richtung Osten. Der Verkehr ist nicht übermäßig, aber chaotisch. Immer wieder kommt es vor, dass mich ein Taxi oder Kleinbus überholt und direkt danach bremsend zum Fahrbahnrand zieht, weil ein Passant am Straßenrand steht und anzeigt, dass er mitfahren will. Die Hände sind ständig bremsbereit an den Bremsgriffen und natürlich fahre ich mit Rückspiegel am Rad. Die hier verkehrenden Busse haben teilweise Rechtslenkung, was bedeutet, dass die Fahrgäste in Richtung Straßenmitte aussteigen, während andere Fahrzeuge knapp überholen.

Hitze und Sonne sind für mich zu Beginn der Reise besonders heftig und ich mache Pausen bei jeder Gelegenheit und trinke etwas. Schon um 10:30 Uhr ist es eigentlich zu heiß zum Weiterfahren. Ich weiß, dass ich einige Tage brauchen werde, um mich an die Temperaturen zu gewöhnen. Am Nachmittag erreiche ich Masiaka und bin aufgrund der Hitze ziemlich platt, obwohl es nur ca. 60 oder 70 km waren). Als erstes setze ich mich in den Schatten einer kleinen Kneipe und trinke ein kühles Bier. Neugierige Kinder wollen derweil fotografiert werden.


Als ich bezahlen will, ruft der Besitzer seiner Frau auf Krio zu, sie solle 2.000 addieren (2.000 Leones ~ 40 Cents). Sie verlangt 10.000 Leones und ich antworte, dass das nicht der normale Preis sei. Sie gibt mir 2.000 Leones zurück und meint dann, jetzt -da sie mir das Wechselgeld zurückgegeben habe- könne ich sie ja zu einem Bier einladen. Ja klar - das mache ich bestimmt, nachdem man mich erst zu bescheißen versuchte, zumal die 8.000 Leones auch schon ein stolzer Preis sind, allerdings noch im Rahmen.

Ein Stückchen weiter befindet sich das Guesthouse. Der Besitzer sitzt vor der blau gestrichenen Kneipe und Restaurant. Der gelbe Anbau dahinter ist das Guesthouse.


Von 19 bis ca. 23 Uhr wird mit einem Generator Strom erzeugt. Wasser zum Waschen befindet sich in einer Tonne, aus der man mit einem Plastikbecher das Wasser schöpft und über sich gießt. Auch der Spülkasten der Toilette wird so befüllt (beides in einfachen Unterkünften vieler Länder übrigens völlig normal, allerdings sind dort die Preise meist niedriger).
Das Fahrrad bekomme ich mit etwas Geschick gerade noch so mit in mein Zimmer. Als ich eine Weile im Bett liege, höre ich seltsame Geräusche. Ich denke, es versucht jemand, von außen meine Zimmertür aufzuschließen. Immer, wenn ich etwas sage, ist einige Zeit Ruhe und dann geht es von vorne los. Irgendwann entdecke ich im Lichtschein meiner Taschenlampe die Ursache der Geräusche. Eine Ratte sitzt in etwa 1,50m Höhe auf dem an der Wand aufgesetzten Lichtschalter neben der Tür und knabbert an irgendwas rum. Sie springt runter und verschwindet unter der Tür zur Toilette (10cm Spalt) und von dort durch die Fensteröffnung nach draußen. Später turnt die selbe (oder eine andere?) Ratte 1m direkt oberhalb des Kopfendes meines Bettes an den Gitterstäben des Fensters rum. Die Nacht ist nicht so richtig erholsam, zumal in Sierra Leone durch Ratten häufig Lassa übertragen wird. Bei der letzten Erkrankungswelle kamen etwa ein Drittel der Erkrankten ums Leben.
Am nächsten Morgen erzähle ich dem Besitzer von der/den Ratte/n, doch ein teilnahmsloses Achselzucken ist die Antwort. In einer vergleichbaren Situation in Kamerun wurde umgehend jemand losgeschickt, um mit einer Falle das Tier zu erlegen. Hier ist mit einer Reaktion jedoch nicht zu rechnen. Mal sehen, was ich auf dem Rückweg mache. Durch diese Ortschaft muss ich erneut.

In Masiaka teilt sich die Straße. Ich biege rechts ab in Richtung der zweit- und drittgrößten Stadt des Landes. Der meiste Verkehr läuft weiter geradeaus in die viertgrößte Stadt. Hier gibt es einige Minen und wenn es irgendwo im Land mal etwas vorangehen wird, wird es wohl zuerst in dieser Gegend sein. Meine Strecke ist auf der Landkarte als "Secondary Road (paved)" eingezeichnet. Der Verkehr wird nochmals deutlich weniger und es gibt einen Seitenstreifen für Fußgänger, den ich prima nutzen kann, wenn Autos bzw. Motorräder kommen.


So fährt es sich überraschend angenehm bis Mile 91, einem weiteren Etappenziel. Hier gibt es sogar ein Ortsschild, aber auch die üblichen stummen Zeugen des Bürgerkriegs.




Auf dem Dach meiner Unterkunft turnt ein neugieriger Geier herum. Diese sieht man häufig auch in den Dörfern, aber noch häufiger sieht man Krähen und große Greifvögel.


Meine Unterkunft liegt etwa 1-2km außerhalb der Ortschaft und ich gehe zu Fuß los. Ich finde ein brauchbares "Restaurant", das ich auf dem Rückweg aufsuche. Da ich Fisch nicht mag (solchen, der tagelang in der Sonne lag, schon mal gar nicht) und auf knorpelig sehniges Fleisch mit reichlich Knochensplittern auch gut verzichten kann, frage ich nach etwas ohne Fleisch/Fisch/Huhn. Ich bekomme einen Teller mit Salat, Kohl, Tomaten und Salatgurken mit Mayonaise, die ungekühlt in der Gegend rumsteht. In einer Gegend ohne Leitungswasser ist das zwar ein Frontalangriff auf die Darmflora, aber ich habe Hunger und esse alles auf. Außerdem bekomme ich einen Teller Couscous mit Gemüse.

Als ich mich auf den Nachhauseweg mache, hält ein umgebauter Porsche Cayenne neben mir. Ein einheimischer Plantagenbesitzer, der die meiste Zeit in Frankreich lebt, nimmt mich mit zur Unterkunft, in der er auch übernachtet (er hatte mich dort gesehen). Wenn er in Sierra Leone ist, hat er hier seinen in Qatar umgebauten Porsche stehen. Am nächsten Morgen fotografiere ich das Gefährt, als er es waschen lässt.


Es gibt also auch ein paar sehr reiche Leute in diesem Land, in dem die meisten Menschen nicht wissen, ob sie sich morgen etwas zum Essen kaufen können.

... demnächts gehts weiter ...

Gruß
Wolfgang
Teil 527. März 2013
Teil 3 -

Ursprünglich wollte ich weiter in Richtung Bo, der zweitgrößten Stadt fahren. Unterwegs muss irgendwo die Strecke in das Dorf abgehen, in dem mein Patenkind wohnt. Natürlich ist das Dorf sehr klein und nicht auf meiner Karte verzeichnet. Niemand von den Menschen, die ich frage, hat jemals den Namen des Dorfes gehört. Jede dieser Pisten, die unterwegs abzweigen, könnte dorthin führen und an jeder weiteren Abzweigung könnte ich den nächsten Fehler machen.

Eine der vielen abzweigenden Pisten


Es ist ziemlich aussichtslos und ich fahre zunächst in die andere Richtung. Auch diese Straße ist als "Secondary Road (paved)" eingezeichnet, aber eine Schotterpiste.


Sie beginnt recht gut, hat aber auch Abschnitte mit Wellblech oder Sand, an denen ich teilweise mal kurz schieben muss. Es ist wieder unheimlich heiß und pro geschätzte 10km trinke ich einen Liter Wasser. Die Strecke bis zur nächsten "Stadt" ist nur ca. 50km lang, aber auf Piste reicht mir das für heute auch. Als ich Magburaka erreiche, bin ich durch die Mischung aus Schweiß und Staub völlig dreckig und am Ortseingang gibt es eine kleine Kneipe, in der ich mir erst einmal ein einheimisches Star-Bier genehmige. Dann frage ich mich zur Unterkunft durch, die die beste meiner Reise sein wird. Hier wird abends auch das Endspiel des Afrika-Cups zwischen Nigeria und Burkina Faso übertragen. Viele Dorfbewohner sind zum Zuschauen gekommen. Hier das Restaurant der Unterkunft:


Auf dem Weg zur Unterkunft wieder die gewohnten Zeugen aus dem Bürgerkrieg:


In der Nähe meiner Unterkunft treffe ich ein Kind mit seinem selbstgebauten Spielzeug. Er ist stolz, als ich frage, ob ich ihn damit fotografieren dürfe.


Die eigentliche Kleinstadt liegt etwas abseits der Durchgangsstraße. Als ich diese Moschee fotografiere, kommt sofort jemand angerannt, der mir zuruft, das wäre verboten und eine Straftat. Bevor sich andere dazugesellen, sehe ich zu, dass ich verschwinde.


Ich pausiere einen Tag, da sich meine Achillessehne leicht bemerkbar macht. Dadurch habe ich Zeit, mal Klamotten zu waschen und das Fahrrad durchzusehen. Die Kette ist natürlich dreckig und muss gereinigt und geölt werden und die ein oder andere Schraube hat sich langsam losgerüttelt.

Am nächsten Tag steht nur eine Kurzetappe nach Makeni auf dem Programm. Die Stadt galt füher als Hochburg der RUF, die 1991 den Bürgerkrieg anzettelte. Die Straße dorthin ist eine tadellose Asphaltstraße und die Entfernung beträgt nur 25km. Ich fahre mit wenig Krafteinsatz, da sonst die Achillessehne wieder zu spüren ist. Die Landschaft wird etwas hügeliger und sieht recht schön aus.


In Makeni suche ich mir eine Unterkunft und sehe mir die Stadt (die viertgrößte des Landes) an. Hier leben ca. 100.000 Menschen.

Das Zimmer in meiner Unterkunft. Hier gibts sogar mal ein Moskitonetz und eine funktionierende Dusche, einen Ventilator und Strom in der Nacht.


Am nächsten Morgen besuche ich eine der Kirchen, ...


... bevor ich mich auf den Rückweg mache. Auch wenn ich kein religiöser Mensch oder Kirchgänger bin, finde ich es immer spannend, in Afrika einen Gottesdienst zu besuchen. An den Stellen, an denen in Deutschland eine Orgel erklingt, wird hier getrommelt. Kurz vor Ende bittet mich der Reverend nach vorne, um den Leuten zu sagen, wie ich heiße und woher ich komme. Die Leute freuen sich und applaudieren. Der Reverend bedankt sich nach dem Gottesdienst dafür, dass ich nach vorne gekommen bin.
Danach mache ich mich wieder zurück nach Magburaka. Ich habe heute zwar keine Probleme mit der Sehne, lege aber vorsichtshalber einen weiteren Ruhetag ein.

... Fortsetzung folgt ...

Gruß
Wolfgang
Teil 627. März 2013
... bevor es mit dem Reisebericht weitergeht, noch ein paar Fotos.

Das Zeug hier kennen ja Einige aus Südafrika und Namibia.


Aber wer kennt das?


Und für alle, die nicht so genau wussten, wo Sierra Leone eigentlich so genau liegt. Aber irgendwas scheint auf den ersten Blick fragwürdig ...


Gruß
Wolfgang
Teil 727. März 2013
Teil 4 -

Egal, ob man von Makeni (viertgrößte Stadt) über Magburaka (direkter Weg) in Richtung Bo oder Kenema (zweit- bzw. drittgrößte Stadt) fährt, führt der Weg zwangsläufig über Piste. Der erste Teil ist ok und Kleinbusse fahren bis Yele. Danach ist die Piste zu schlecht für normale Pkw, die hier mangels Bodenfreiheit einfach hängenbleiben würden. Irgendwie ist es ziemlich anstrengend und ich habe keine Lust, die Kamera rauszukramen. Hier sind nur noch einige Geländewagen unterwegs. Als Verkehrsmittel fahren hier Allrad-Lkw. Kaum zu glauben, dass ich auf direktem Weg zwischen zwei der größten Städte des Landes unterwegs bin. Die einzige Tankstelle nach Magburaka auf der Strecke ist eine Ruine, Benzin wird überall entlang der Strecke literweise in Plastikflaschen verkauft. So können sich die vielen Motorradtaxis mit Sprit versorgen. Übernachtungsmöglichkeiten sind unterwegs rar, aber es gibt sie. Man findet sie alleine allerdings nicht und muss nachfragen.

Als ich Bo erreiche, frage ich mich zu einer Unterkunft durch. Warum ich überhaupt einen Reiseführer dabei habe, weiß ich selbst nicht. Ich benutze ihn nicht und habe auch vor der Reise nicht reingeschaut. Nächstes Mal kaufe ich erst gar keinen mehr. Scheint mir noch überflüssiger als 'ne Uhr. 😉
Die Unterkunft liegt relativ ruhig in einem Randbereich und wie immer sind nur wenige Gäste dort, allesamt Afrikaner. Die Marktstände in der Umgebung sind bei Dunkelheit alle mit aus Dosen gebastelten Öllampen beleuchtet. Das sieht irgendwie total toll aus. Ich beschließe, mir zwei solche Lampen als Erinnerung zu kaufen, aber die verkauft man dort nicht. Dafür müsse ich in die Stadt gehen, sagt man mir.

Am nächsten Tag lerne ich in einer kleinen Kneipe gegenüber meiner Unterkunft einen Engländer kennen, der hier in einer Klinik arbeitet. Er ist erstaunt, dass ich bisher erst einen Platten hatte und meint, er habe im Durchschnitt pro Woche zwei Platten mit dem Auto. Als ich ihm sage, dass ich am nächsten Tag in die City will und überlege, ein Motorradtaxi zu nehmen, rät er mir ab. Es sei zu gefährlich. Er sehe jeden Tag die Unfallopfer in der Klinik. Stattdessen erklärt er mir eine Abkürzung, einen Fußweg durch die kleinen Gassen, der mich in 30 Minuten in die Stadtmitte bringt. Entlang der Straße würde ich mindestens die dopellte Zeit benötigen. Das hätte ich -nachdem ich diesen Weg per Rad kam- auch geschätzt.

Die Menschen sind scheinbar verwundert, dass ein Weißer hier entlang läuft. Weiße gehen schließlich keine längeren Strecken zu Fuß. Ich finde auch bereits auf dem Weg zwei Stände, die solche Lampen verkaufen und kaufe jeweils eine. In der Innenstadt bricht an einer Tankstelle gerade Jubel aus. Eine große Zahl Motorradtaxis und Autos wartet davor. Anscheinend gab es einige Zeit kein Benzin, aber heute ist welches verfügbar. Die meisten haben noch Flaschen oder Kanister dabei, um einen kleinen Vorrat mitzunehmen. Auf dem Weg finde ich noch ein Internetcafé und denke, ich könne ja mal nach meinen Mails schauen. Ich weiß nicht, warum da "Internetcafé" auf dem Schild steht, aber es gibt keinen einzigen Computer. Ich kann nicht einmal erkennen, ob der Laden einen Stromanschluss hat. Als ich nachfrage, komme ich zu der Erkenntnis, dass die Besitzer vermutlich gar nicht wissen, was ein Internetcafé eigentlich ist. Dabei kann ich mich aber auch täuschen, denn an dieser Stelle ist eine Verständigung mangels Englischkenntnissen der Besitzer praktisch nicht möglich. Es drängt sich der Verdacht auf, dass man das Schild irgendwo abgeschrieben hat.

Auf dem Rückweg komme ich noch an einem für mich schockierenden Schild vorbei.


Die RUF (Revolutionary United Front) war die Rebellentruppe, die den Bürgerkrieg anzettelte und über 11 Jahren die Zivilbevölkerung terrorisierte und eine sechsstellige Zahl von ihnen ermordete. Nach dem Krieg -das wusste ich bisher nicht- wurde die RUF politische Partei (RUF Party) und ist bis heute aktiv. Sie haben bei den Wahlen immer so um die 2,x Prozent der Stimmen, aber das finde ich schon schlimm genug.

Die zeitweise nur einspurige Piste ist von bis zu 4m hohen Gräsern umgeben


Blick aus Yele


Entlang der Piste


Unterwegs nach Bo


Unterwegs nach Bo


Schlafende Hundefamilie in Bo


Kinderspielzeug


Schulgebäude mit Brunnen im Vordergrund


Irgendwo in Bo


... in Kürze gehts wieder zurück in die Hauptstadt und von dort weiter in die Gegenrichtung ...

Gruß
Wolfgang
Teil 828. März 2013
Teil 5 -

Bei der Abreise aus Bo begegne ich doch tatsächlich mal weißen Touristen. Zwei Männer mit Rucksack überholen mich auf Motorradtaxis stadtauswärts. Die Straße ist nun wieder prima, aber die oft schrottreifen Fahrzeuge sorgen dafür, dass die nächsten Tage im Durchschnitt alle 100 Meter ein großer Ölfleck die Straße ziert (groß = mindestens 100 cm). Viele Autos stehen defekt am Straßenrand. Ein Lkw hinterläßt eine so dichte und große Qualmwolke, dass das Fahrzeug tatsächlich gar nicht mehr durch die Abgase zu sehen ist.

Unterwegs stehen gelegentlich seltsame Bäume. Stamm und Äste sind wie mit einer Art Dornen bedeckt und zahlreiche rote Blüten sind zu sehen. Nur sehr wenige bis gar keine Blätter hängen an den Ästen.


Bevor ich erneut Mile 91 (diesmal aus der anderen Richtung) erreiche, ist am Horizont Rauch zu sehen.


Die Straße führt auf den Brandherd zu und schließlich dran vorbei. Das Feuer ist noch Hunderte Meter entfernt und nur gelegentlich sind auflodernde Flammen zu sehen, aber die Geräuschkulisse ist beachtlich. Ich ertappe mich kurz bei dem Gedanken, in Richtung Feuer zu laufen, um ein paar bessere Fotos machen zu können, aber kurz darauf setzt mein Verstand wieder ein. Einerseits ist gerade alles an unangenehmen Getier wie z.B. Giftschlangen unterwegs von dort nach hier und ohnehin schon gestresst und andererseits habe ich keine Ahnung, wie viele Minen als Überbleibsel aus dem Krieg noch in der Gegend rumliegen. Ich beschränke mich also lieber auf die Fotos, die ich von der Straße machen kann.







Als ich nach Mile 91 komme, stoppe ich an der dortigen Tankstelle, kaufe ein kaltes Bier und setze mich erst einmal in den Schatten. Kurz später kommt zufällig George aus Südafrika vorbei. Er arbeitet hier in der Nähe für ein Aufforstungsprojekt. Wir kommen ins Gespräch und er überredet mich noch zu dem ein oder anderem Bier. Ist ihm vermutlich auch nicht allzu schwergefallen. 😉

Auf dem Weg von Mile 91 komme ich zwangsweise auch wieder durch Masiaka, der Kleinstadt mit den Ratten in der Unterkunft. Ich mache eine kurze Pause, entschließe mich dann aber, weiter in Richtung Freetown zu fahren. Am Stadtrand von Freetown suche ich mir ein Guesthouse, da der Straßenverkehr zum Abend hin sehr gefährlich wird. Es sind sehr viele Autos und auch Lkw unterwegs, die mich auf der hier nur schmalen Straße oft extrem knapp überholen. Die Betreiberin des Guesthouses ist sehr freundlich und hilfsbereit, aber gleichzeitig ist die Unterkunft und besonders die Toilette auch die schmutzigste der ganzen Reise. Statt Ratten sind hier Kakerlaken am Start, aber das ist sicherlich das kleinere Übel. Anhand der Kilometersteine am Straßenrand weiß ich, dass ich heute mindestens 150 km geradelt bin. In den ersten Tagen wäre dies bei der Hitze gar nicht möglich gewesen.

Etwa 300 Meter entfernt liegt eine beliebte Kneipe bzw. "Biergarten". Auf einem großen Bildschirm wird Fußball aus Europa übertragen. Gleichzeitig läuft laute Musik bis morgens um 5 Uhr. Um 7 oder 8 Uhr morgens öffnet man wieder - sieben Tage die Woche.

Gruß
Wolfgang
Teil 928. März 2013
... hier noch ein Erlebnis, das zeitlich irgendwo in den vorherigen Beitrag gehört. Irgendwo vor Masiaka ...

Irgendwo auf der Strecke überholt mich ein Kleinbus und bremst ab. Durch die geöffnete Hecktür bedeutet mir ein junger Mann, ich solle anhalten. Das mache ich auch, denn mit dem Auto hätten sie mich eh gleich wieder eingeholt, wenn ich weiterfahren würde. Aus dem Kleinbus steigen etwa zehn Männer in verschiedenem Alter zwischen ca. 20 und 70 Jahren und geben mir freundlich die Hand, wie es halt so üblich ist. Der Fahrer, ein etwas untersetzter Mann in Trainingshose und Unterhemd stellt mir ein paar Fragen und will dann plötzlich meinen Pass und das Visum kontrollieren. Ich schütle den Kopf und antworte, er sei schließlich kein Polizist. Ich will weiterfahren, doch der Typ springt mir vors Rad und hält entschlossen den Lenker fest. Ich habe kurz etwas weiche Beine und fürchte, die Situation könne eskalieren, doch die anderen Leute bleiben gelassen stehen. Einige bestätigen, dass er Polizist sei.
Um die Situation etwas zu beruhigen, entschuldige ich mich und erkläre, dass ich ihn ja nicht als Polizist hätte erkennen können. Er selbst behauptet noch, er sein Bürgermeister und Politiker und macht sich wichtig. Ich komme nicht drum herum, meinen Pass rauszukramen und anschließend fragt er mich aus, was ich im Land mache und was in meinen Packtaschen ist. Zunächst will er die auch kontrollieren, aber ich erzähle ihm, dass da halt Klamotten, Ersatzteile und ein Zelt drin sind und damit ist er dann zufrieden. Nach langem wichtigtuerischem Geschwafel und Belehrungen verschwindet der unsympathische Zeitgenosse mit seinen Begleitern wieder. Alle geben mir zum Abschied wieder freundlich die Hand. Ich bin bis heute der Meinung, dass es sich nur um einen Wichtigtuer und ca. zehn sehr neugierige, aber freundliche Leute handelte. Aber wie schnell könnte eine solche Situation auch anders ausgehen ...

Über Ostern gehts weiter.

@Janet
Bei gutem Wetter gibts dann auch mal ein Foto von den Öllampen. Ich hoffe, ich finde was, was sich als Docht eignet. Aber erwarte nichts Großartiges. Das sind einfach zwei olle Blechdosen in der Größe einer kleinen Kondensmilchdose mit 'nem angelöteten Henkel und 'ner Öffnung oben. Typische Gebrauchsgegenstände halt und kein Kunsthandwerk.

Gruß
Wolfgang
Teil 1029. März 2013
...

Am nächsten Morgen fahre ich die letzten Kilometer in die Stadt und suche wieder die Unterkunft auf, in der ich zu Beginn übernachtete. Hier hatte ich meinen Schlafsack deponiert, den ich sinnloserweise mit nach Sierra Leone genommen hatte. Aufgrund der großen Hitze habe ich immer mit freiem Oberkörper geschlafen. Es gibt hier zu dieser Jahreszeit nichts Überflüssigeres als einen Schlafsack. Sobald es hell wird, suchen sich die Schweißtropen den Weg aus den Poren. Jeden Morgen bin ich schon schweißgebadet, bevor ich mich überhaupt bewegt habe.

Ich besuche nochmal die kleine Kneipe, in die ich Anthony (den einheimischen Radler, der mir am ersten Tag den Weg zeigte) eingeladen hatte. Einige der Kinder sowie die freundliche Großmutter nehmen für ein Foto Platz.



Das Zimmer in meiner Unterkunft befindet sich im ersten Stock. Ich habe einen kleinen Balkon, auf dem ich zwei gewaschene T-Shirts aufhänge. Dabei schaue ich auf die Blechdächer des Nachbargrundstücks, von dem mich ein paar Kinder beobachten und nach einem kurzen "Hallo" und "Wie heißt du?" und "Woher kommst du?" möchten sie, dass ich sie besuchen komme. Die Behausung sieht von oben ziemlich übel aus, aber eigentlich ist es ganz ok. Es gibt sogar einen Stromanschluss und elektrisches Licht. Eines der Kinder bringt mir sofort einen Plastikstuhl und ein Mann fragt mich, ob ich etwas trinken möchte und hat schon eine Flasche in der Hand. Natürlich lehne ich das ab, denn besonders viel Geld hat die Familie sicherlich nicht. Es stehen zeitweise 15 Kinder um mich rum und wenn eines geht, kommt ein anderes. Insgesamt mögen es vielleicht um die 20 Kinder sein und auf dem Grundstück wohnen offenbar 2-3 Familien. Wie das räumlich funktioniert, ist mir schleierhaft. Auch sind sämtliche Kinder sauber gekleidet, was in dieser Umgebung eine zusätzliche Herausforderung darstellt. Am nächsten Morgen steht eine Frau im Hof und wäscht Klamotten mit der Hand. Nach einer gefühlten Ewigkeit hängen einige Wäscheleinen voller Kleidung.




Auf diesem Foto ist auch die offene Abwasserrinne am linken Bildrand zu sehen. In der Regenzeit riecht das hier bestimmt besonders aromatisch. Im Moment gehts noch.


Heute Abend spielt Arsenal London gegen Bayern München. Europäischer Fussball ist beliebt und solche Spiele kann man überall sehen. Mir passiert es auf der Reise auch mehrfach, dass mich wildfremde Leute über die Ergebnisse aus der Bundesliga oder dem DFB-Pokal informieren, nachdem sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme. Ich besuche eine dieser unauffälligen Blechhütten, die sich manchmal Cinema oder Entertainment Center nennen. Zum Glück hängen ein paar Ventilatoren an der Decke und die Temperaturen sind erträglich. Der Eintritt kostet 1.000 Leones für die Holzbänke im vorderen Bereich, 1.500 Leones für einige der Plastikstühle dahinter und 2.000 Leones (<40 Cents) für die sechs Polsterstühle. Als einziger Weißer werde ich gar nicht erst gefragt. Man verlangt 2.000 Leones und bugsiert mich dann auf einen der 6 Polsterstühle. Ich zähle die Zahl der Bänke und die Leute pro Bank. Etwa 150-200 Menschen sitzen hier auf engstem Raum. Der Gang, um die Bänke zu erreichen, wird am Ende auch noch mit kleinen Bänken zugestellt. Jeder Zentimeter Raum wird genutzt und die Hütte ist gerammelt voll. Die meisten der Zuschauer sind für die Bayern, ein Teil auch für Arsenal. In der Hütte ist eine Bombenstimmung; im Stadion selbst kann es nicht besser gewesen sein. Nach dem Spiel laufe ich um ca. 22:30 Uhr durch Freetown und habe keinerlei Bedenken bzgl. Sicherheit, außer dass ich irgendwo auf den kaputten Straßen in ein Loch treten und umknicken könnte.

Morgen gehts zur Strandregion nach Aberdeen. Dort soll es wohl etwas Tourismus geben.

Gruß
Wolfgang
Teil 1131. März 2013
Teil 7 ...

Am nächsten Morgen fahre ich nach Aberdeen. Der mir entgegenkommende Verkehr ist fast zum Erliegen gekommen. Die Autos bewegen sich kaum von der Stelle. Ich habe den Eindruck, dass viele Autofahrer gerne mit mir tauschen würden, als sie sehen, wie ich fröhlich vor mich hinradle.
In Aberdeen quatscht mich jemand an, den ich schon in der Stadt gesehen habe. Ich kann mich zwar nicht erinnern, aber er kennt tatsächlich meine Mailadresse. Ich habe einfach mit zu vielen Leuten gesprochen, als dass ich mich an jeden einzelnen erinnern könnte. Leider habe ich auch nach unserem erneuten Treffen seinen Namen vergessen.

Er erzählt mir, dass seine Mutter während oder kurz nach seiner Geburt starb. Sein Vater wurde während des Bürgerkriegs mit Macheten ermordet, als er 11 Jahre alt war. Er verwendet dabei das Wort "geschlachtet/abgeschlachtet", während er davon erzählt. Er selbst konnte flüchten, aber es wurde mit Gewehren auf ihn geschossen. Ein Streifschuss erwischte ihn am Nacken. Die Narbe ist mehrere Zentimeter lang.
Er freut sich wie ein kleines Kind, als er seinen Heimatort auf meiner Landkarte findet. Er liegt im Osten nahe der Grenze zu Liberia. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit einem winzigen Laden, der kaum breiter ist als die Tür. Die Öffnungen daneben gehören schon zu den angrenzenden Shops.


Es dauert keine 10 Sekunden, bis er auf diesem Baum steht.


In Aberdeen suche ich nach einer Unterkunft, aber entweder sind sie sehr teuer oder einfach schlecht. Ich fahre weiter in Richtung Lumley am Strand entlang. Hier gibt es mehrere Hotels und Unterkünfte, aber unter 90 US$ pro Nacht geht da nichts. Ein Hohn für die Einheimischen, die hier mit 30 Euro einen ganzen Monat überleben müssen.
An einer Unterkunft frage ich gerade nach, als mir zwei junge Männer bettelnd entgegenkommen. Sie brauchten Geld für Medikamente, sagen sie. Die Hand des einen ist dick angeschwollen und ein Finger ist offen. Ich wimmele sie ab und antworte, dass ich mir zunächst eine Bleibe für die Nacht suchen muss. Das gelingt mir später dann in Lumley auch zu einem vernünftigen Preis. Das Zimmer hier ist ganz ok und groß.


Das Preisschild in der Unterkunft lässt eine gewisse Geräuschentwicklung befürchten, aber ich irre mich.


Am nächsten Tag sehe ich die beiden wieder und die Hand sieht wirklich nicht gut aus, irgendwie wie aufgeblasen. Der verletzte Finger ist doppelt so dick wie die anderen und farblich passt er auch schon nicht mehr ganz dazu. Ich sage dem Verletzten, dass er in ein Krankenhaus gehen soll und er antwortet, dass er das schon versucht hat und die 15.000 Leones (< 3 Euro) für die Untersuchung nicht bezahlen konnte. Dabei muss er fast weinen. Da stehe ich nun. Auf der einen Seite unterstütze ich Bettelei nicht sehr (Ausnahmen wie Behinderte ausgenommen) und weiß, dass es das Problem oft noch verstärkt, aber hier geht es um ein offensichtliches gesundheitliches Problem und der junge Mann wird hier vielleicht seinen Finger, die ganze Hand oder noch mehr verlieren können. Ich gebe ihm also kein Geld, sondern gehe mit ihm zum nächsten Krankenhaus. Dort freue ich mich erst einmal, dass ich nicht selbst zur Behandlung dort bin, aber immerhin sind die Spritzen steril verpackt.

Ich bezahle die erste Untersuchung durch den Arzt und bin auch bei der Untersuchung und Behandlung dabei, die definitiv schmerzhaft ist. Er muss auch in den nächsten 5 Tagen täglich zur Behandlung, die nächsten 2 Wochen alle 3 Tage zum Kontrollbesuch zum Arzt, braucht Tabletten und Spritzen. Danach -so hofft man- wäre es wieder ok. Ich bezahle die komplette weitere Behandlung im Krankenhaus vorab für die nächsten zwei Wochen. Es kostet mich insgesamt keine 20 Euro. Mehr kann ich wohl nicht tun, weniger aber auch nicht. Mein Gewissen würde mich wahrscheinlich nicht mehr schlafen lassen. Wegen 20 Euro hätte der junge Mann hier in Kürze vielleicht seine Hand verloren.

Zwei Tage später treffe ich den Verletzten wieder. Seine Hand sieht schon deutlich besser aus. Er bedankt sich überschwenglich für meine Hilfe und ich spüre, dass ihm diese Situation auch nicht angenehm ist. Ich für meinen Teil bin der Meinung, dass ich an der richtigen Stelle eine Ausnahme gemacht habe, was die Reaktion auf Bettelei angeht.

Gruß
Wolfgang
Teil 1201. Apr. 2013
Teil 8 ...

Der Strand zwischen Aberdeen und Lumley ist 3-4 km lang. Hier ist während der Woche absolut nichts los.


Am Wochenende jedoch reiht sich vormittags ein provisorisches Fußballfeld an das nächste. Am Sonntagnachmittag ab ca. 16:30 Uhr trainiert hier auch der Amputee Soccer Club. Zufällig hatte ich ein paar Tage zuvor einen Spieler kennengelernt, der auch schon bei Weltmeisterschaften gespielt hat. Er war später auch der auffälligste Spieler auf dem Feld.

Hier spielen Kriegsversehrte, die durch Minen ein Bein verloren haben. Der Torwart ist der einzige Spieler mit zwei Beinen, aber dieser hat nur einen Arm. Wer nun denkt, dass ein solches Spiel an eine Altherrenveranstaltung erinnert, täuscht sich gewaltig. Die Spieler sind unglaublich fit. Die Krücken sinken bei jedem Schritt bis zur Oberkante des Gummistopfens ein, aber die Spieler sind durch einen Zwischenschritt auf dem verbliebenen Bein fast so schnell wie zweibeinige Spieler und es geht richtig zur Sache. Da wird reingegrätscht wie bei einem normalen Fußballspiel. Nach nicht einmal 10 Minuten ist in einem fairen Zweikampf die erste Krücke zerbrochen. Vor dem Spiel stehen alle Spieler in einem Halbkreis um den Präsidenten und es gibt eine kleine Zeremonie mit einem Lied und einer Art Gebet, um an die Opfer des Bürgerkriegs zu denken.

Wer diesen Krieg überlebt und ein Bein verloren hat und dennoch Sport treibt, der hat sein Leben wohl wieder einigermaßen im Griff. Viele haben das sicherlich nicht mehr geschafft. Besonders diejenigen mit abgehackten Armen können den Rest ihres Lebens nicht mehr ohne fremde Hilfe auskommen. Der Bürgerkrieg in Sierra Leone war von üblen Dingen überschattet. die Rebellen der RUF wollten gegen die Regierung vorgehen, kämpften de fakto aber gegen die Zivilbevölkerung, um Druck auf die Regierung auszuüben. Oft wurden ganze Dörfer überfallen und die Menschen ermordet. Zehntausenden wurden die Arme mit Macheten abgehackt. Gelegentlich sieht man die verstümmelten Menschen im Getümmel auf den Straßen. Diese grausammen Taten und das ansonsten so friedlich scheinende Land passen nur schwer zusammen.

Vom Fussballspiel habe ich keine Fotos gemacht, aber ich verlinke mal drei Videos vom gleichen Schauplatz. Da kommen auch noch einige Infos über das Land mit.

Gruß
Wolfgang

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Teil 1302. Apr. 2013
picco schrieb:Hoi Wolfgang
BikeAfrica schrieb:Vielleicht nehme ich das zum Anlass, mir mal meine Tagebücher aus Zambia/Zimbabwe und Gambia/Senegal/Guinea-Bissau vorzunehmen und darüber auch was zu pinseln.
🙄 Was heisst hier 'vieleicht'???? 🙄
Los, hopp, mach!!! 🤩 😈 😎 😗
... na eins nach dem andern. 😉

Hier erst mal der nächste Teil ...


Irgendwo in Lumley (habe dort etwa 'ne Woche verbracht und daher die Häufung der Erlebnisse dort) kommt mir gegen Abend jemand entgegen und sagt im Vorbeigehen "Hallo", wie es häufig üblich ist. Ich antworte und drehe mich drei Meter später um. Zufällig dreht er sich auch um und wir kommen ins Gespräch. Anders als die meisten Leute im Land, die kleiner sind als ich, ist er einen halben Kopf größer und recht muskulös. Er ist Boxer und kommt vom Konditionstraining am Strand, wo er im weichen Sand Sprinttraining macht.
Nach einem kurzen Gespräch fragt er mich, wohin ich gehe. Ich sage ihm, dass ich in die Strandbar gehe und er sagt, er müsse erst nach Hause und komme dann nach. Er würde sich gerne mit mir unterhalten. Nach einer Weile kommt er tatsächlich wieder und wir unterhalten uns ca. eine Stunde. Er erzählt, dass er in einem Projekt für ehemalige Kindersoldaten mitarbeitet.

Hier mal die Strandbar in der Nähe meiner Unterkunft. Hier habe ich die Tage ausklingen lassen ...


Zwei Tage später treffe ich ihn wieder. Er fragt mich, ob ich ihn begleiten wolle. Er habe den ehemaligen Kindersoldaten von mir erzählt und sie wären interessiert, mich kennenzulernen. Ich komme mit ihm mit und gebe etwa 20 jungen Männern die Hand. Wohl die meisten von ihnen haben schon Menschen getötet oder waren zumindest dabei.

Sie sind sehr freundlich und sehr interessiert und man merkt ihnen ihre Vergangenheit zunächst nicht an. Sie fragen mich nach den Lebensumständen in Deutschland und erzählen von ihren. Ihre Dörfer wurden überfallen und sie als kleine Kinder oder Jugendliche verschleppt. Um selbst zu überleben, mussten sie manchmal ihre eigenen Familienangehörigen töten. Man hat sie mit Drogen vollgepumpt, um sie zu manipulieren. Sie haben schlimme Dinge getan, um ihren eigenen Tod zu verhindern.

Nach dem Krieg ging die schwere Zeit jedoch weiter. Mal abgesehen von der Verarbeitung der eigenen Erlebnisse und dem Verlust von Eltern und Geschwistern wollten sie die Menschen in ihren Dörfern nicht mehr bei sich haben. Sie hatten Angst vor ihnen, die ja oft ihre eigenen Verwandten und Nachbarn getötet hatten. Also waren die meisten völlig entwurzelt und auf sich selbst gestellt. Dazu kommt, dass sie ihre Kindheit im Krieg verbracht haben, demnach auch keine Schulbildung haben und kaum eine Chance auf einen Job haben.

Sie leben nun in einer Gruppe von Menschen, die das gleiche Schicksal durchlebt haben. Ihren Unterhalt verdienen sie mit dem Waschen von Autos. Sie leben in wenigen Blechhütten unter einfachsten Bedingungen. Einige von ihnen müssen im Freien schlafen, weil es in den Hütten nicht genug Platz gibt. Das Ganze spielt sich nicht einmal 50 Meter entfernt von der Hauptstraße ab. Die Folgen des Bürgerkrieges sind auch nach seinem Ende langwierig ...

Falls sich jemand mit dem Thema "Kindersoldaten" näher beschäftigen will, kann ich den Film "Lost Children" (gabs vor Jahren mal kostenlos von der Caritas) empfehlen. Ich habe ihn bei Youtube in Einzelteilen gefunden und verlinke den mal hier. Da gehts zwar nicht um die RUF in Sierra Leone, sondern um die LRA in Uganda, aber das spielt keine große Rolle. Ist überall die gleiche Situation.
Ich gehe davon aus, dass es sich einige nicht bis zum Schluss anschauen können. Und schaut es nicht gerade beim Essen an ...

Gruß
Wolfgang

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nicht öffentlich sichtbar - funktioniert evtl. nicht:
http://www.youtube.com/watch?v=OnM6j6Znw98&list=UUVLcAc5C1gM_N0cAfZJZSGQ

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Teil 1405. Apr. 2013
... Letzter Teil ...

Nach dem Besuch der Strandregion komme ich zurück nach Freetown. Emerson (der Poliokranke) freut sich, dass ich noch gesund und in einem Stück zurückgekommen bin. Vier andere Leute begrüßen mich an diesem Tag in der Stadt mit Namen (und der ist für die Leute dort oft schwerer auszusprechen als für mich der ihre). Irgendwie kennt man den weißen Radfahrer jetzt langsam bereits. Die Kinder in der Nachbarschaft meiner Unterkunft (die vom letzten Zwischenstopp in Freetown) springen fröhlich um mich herum und ziehen mich an den Händen mit nach Hause.

Am Abend besuche ich wieder mal eine Kirche, da ich auf dem Heimweg laute Musik vernehme. Die Menschen tanzen in der Kirche und die Musik ist fast so laut wie in einer Disco. Zwischendurch wird die Musik leiser bzw. verstummt und ein Pfarrer spricht. Dann folgt wieder laute Musik und Tanz. Kirche ist hier gleichzeitig Nachdenken und Unterhaltung.

Am nächsten Tag geht es durch die Stadt zur Fähre, um nach Lungi zum internationalen Flughafen zu kommen. Dort finde ich ein einfaches Guesthouse wenige Fußminuten entfernt vom Flughafen. Die beiden Hotels hier in der Nähe rufen 150 US$ für die Übernachtung auf.
Ich schaue mich im Dorf um, denn mehr als ein Dorf ist das hier nicht. Das bedeutet gleichzeitig, dass ich viel Zeit habe, um auf Erich Kästners Spuren zu wandeln (Toren besuchen in fremden Ländern die Museen. Weise gehen in die Tavernen). Ich will unbedingt noch ein Foto einer Dose des aus Deutschland importierten "Cody's" machen (Foto weiter vorne im Bericht). Ich muss mehrere davon bestellen, bis mich das äußere Aussehen einer Dose endlich zufriedenstellt und für ein Foto geeignet erscheint. Außerdem besorge ich mir als Packmaterial drei Carlsberg-Kartons (nein, den Inhalt habe ich nicht gesoffen), in denen deren Bierdosen an Geschäfte und Kneipen verkauft werden. Dann gehe ich in die Unterkunft und packe ein bisschen Gepäck für den Flug.

Am nächsten Tag laufe ich noch ein wenig umher und versuche dann, in irgendwelchen Kneipen vielleicht noch ein besseres Foto einer Bierdose zu machen, aber so viel ich auch trinke ... besser wirds nicht. Ich lerne aber einige Einheimische kennen und habe einen interessanten Tag. Am frühen Abend dusche ich nochmal in der Unterkunft und gehe in der Dämmerung, das Fahrrad schiebend (Pedale sind schon abmontiert und Fahrrad gewaschen) zum Flughafen. Ein Mitarbeiter des Guesthouses begleitet mich und verabschiedet sich, als wir am Flughafengebäude sind. Von irgendwo kommt ein ca. 25jähriger Einheimischer und hilft mir, das Fahrrad mit den Kartons, Kabelbindern und Klebeband halbwegs vernünftig zu verpacken. Meine Packtaschen kommen mit Ausnahme des Handgepäcks in einen Nylonsack. Jetzt ist es etwa 20 Uhr und dunkel. Check-In beginnt um 3 Uhr morgens.

Die Flughafenhalle ist komplett menschenleer. Vor dem Eingang sitzen zwei Sicherheitskräfte. Ich lehne mein Fahrrad und mein Gepäck an einen Metalltisch im Inneren der Halle. Mitsamt dem Handgepäck gehe ich mit dem Einheimischen ins Dorf und wir lassen uns an einer Bretterbude auf Stühlen nieder. Ich gebe ihm eine Cola aus und versuche es mit Carlsberg (Cody's macht anscheinend müde). Wir reden bis ca. 24 Uhr und dann werde ich langsam zu müde und gehe mit ihm zurück zum Flughafen, wo er sich verabschiedet. Dafür begrüßt mich ein Flughafenmitarbeiter von der Gepäckabfertigung (wieder mit Namen), den ich während meiner kurzen Zeit in Lungi irgendwo kennengelernt habe (vielleicht wurde mein Fahrrad deshalb so sorgsam verladen). Ich muss gestehen, dass ich mich in den seltentsten Fällen an die Namen meiner Gegenüber erinnern kann und manchmal nicht einmal ans Gesicht. Ich lernte während der Reise einfach zu viele Menschen kennen und schüttelte an manchen Tagen Dutzenden die Hände.

In der Halle sind jetzt vielleicht 15 Leute, die auch auf den Flug warten. Ich mache mich auf einer Bank lang und schlafe ein bisschen. So gegen 2:30 Uhr werde ich wieder wach. Jetzt ist mehr Betrieb. Man hat einen Teil des Bereichs vor dem Check-In-Schalter abgesperrt und mein Rad samt Gepäck steht dort. Langsam kommt Leben in die Bude.

Als die Check-In Schalter besetzt werden und der offensichtliche Chef der Schicht in Sicht kommt, frage ich ihn, ob ich mein Fahrrad und das Gepäck jetzt wieder hinter die Absperrung bugsieren und mich anstellen soll, aber er meint, ich solle ihm seinen Pass zeigen und dann mit meinem Geraffel gleich zum Schalter gehen. Das ist prima. So halte ich niemanden auf und bin sogar vor den beiden Rollstuhlfahrern als Erster am Schalter, bevor die Absperrung überhaupt geöffnet ist. Er fragt mich nur noch, ob ich die Luft aus den Reifen gelassen habe. Ich versichere ihm, dass ich den Luftdruck soweit abgelassen habe, dass weder dem Fahrrad noch dem Flugzeug etwas passieren könne und damit ist er zufrieden.

Am Check-In-Schalter bekomme ich meinen Boarding-Pass, der auf unbedrucktem Karton vollständig per Hand geschrieben wird. Den Boarding-Pass für den knappen Anschlussflug in Casablanca bekomme ich natürlich nicht. Dann noch an einem Sicherheitskontrolleur vorbei, der mich offen fragt, ob ich etwas Geld für ihn habe, damit er sich am Abend ein Bier kaufen kann. Als ich verneine, fragt er nochmal nach. Ich sage ihm, dass ich alles ausgegeben habe, weil ich es ja nicht mehr brauche (stimmt nicht ganz, weil ich ja immer Scheine als Erinnerung behalte und sammle bzw. als Lesezeichen für Bücher verwende). Daraufhin fragt er mich, ob ich ihm sonst etwas geben könne. Ziemlich dreiste Masche, aber offenbar oft genug erfolgreich. Diesmal nicht. Im Flugzeug herrscht freie Sitzwahl, damit man das Land noch einmal von seiner chaotischen Seite sieht.

In Casablanca betrete ich das Flughafengebäude 25 Minuten vor Abflug nach Frankfurt. An den langen Schlangen vor den Schaltern zur Ausstellung eines Boarding-Passes und der Sicherheitskontrolle schleust man mich jeweils vorbei nach vorne. Ich muss die ganze Abflughalle entlang zum Flugsteig 31, dem vorletzten. Kurz vor Ende des Boarding gelange ich ins Flugzeug. Anders als in Sierra Leone, wo ich mit kurzen Hosen und T-Shirt nicht auffiel, tragen hier die Leute alle Winterjacken und verstopfen damit rücksichtslos die Gepäckfächer. 😉
Wenn sowas jeder machen würde ...

Nach einem nach meinem Empfinden ruhigen Flug (ok, vielleicht habe ich andere Fluggäste durch Schnarchen gestört?) komme ich in Frankfurt an. Als ich das Gepäckband erreiche, steht mein Fahrrad schon daneben (kommt sonst immer als ziemlich letztes Gepäckstück). Gleich danach läuft mein Nylonsack über das Förderband. Als Erster verlasse ich die Ankunftshalle, wo mich schon der Fahrer des Flughafenshuttles erwartet. Wir verlassen das Gebäude, wo ich bei 3 Grad Außentemperatur in kurzen Hosen, T-Shirt und Sandalen erstmals nach vier Wochen endlich wieder zu schwitzen aufhöre.
Endlich wieder Aussicht auf Schnee ... 😉


So, das wars erstmal aus Sierra Leone.
Wenn ich mein Tagebuch von Gambia bis Guinea-Bissau in die Finger bekomme, gibts wieder 'nen Bericht, wenn auch von einer lange zurückliegenden Tour. Soviel sei aber schon mal verraten: Für Guinea-Bissau hatte ich nicht mal 'ne Landkarte und dass gerade ein Militärputsch passierte und das Auswärtige Amt eine Reisewarnung rausgab, während ich schon in Gambia und Senegal unterwegs war, bekam ich gar nicht mit.

Gruß
Wolfgang


Was hier jetzt noch fehlt, ist das Foto von den Öllampen für Janet und das kurze Fazit am Schluss. Ist nicht vergessen - kommt noch ...

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