Noch ein Reisebericht - Tanzania April 2012

38 Antworten · 11,9k Aufrufe · gestartet 14. Juni 2012 von baobab2
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Themenstarter195 Beiträge · seit 200914. Juni 2012 · #1
Ich hatte es ja bereits angedroht, hier ist er nun:


Reisebericht Tansania 31.03. – 13.04.2012

Unterkünfte:
3 Nächte Meru View Lodge
3 Nächte Ndutu Safari Lodge
2 Nächte Seronera Wildlife Lodge
1 Nacht Arumeru River Lodge
4 Nächte Mullers Mountain Lodge


Samstag, 31.03.12

Die Nacht zum Samstag ist kurz. Um 3.45 Uhr fahren wir mit Liane zum Flughafen Tegel. Mutti und Papa werden von Tilo gebracht und stoßen am Check-in Schalter dazu. Unser KLM-Flieger hebt 6 Uhr in Richtung Amsterdam ab. Dort ist es kühl, windig und regnerisch wie in Berlin.
Der Flug nach Kilimanjaro Airport verläuft planmäßig von 10.05 bis 19.20 Uhr (+1h) und einigermaßen angenehm dank gutem Service. Für Andre sind die Sitzabstände mit seinen zwei Metern trotzdem eine Herausforderung. Neben der Tragfläche sind Alpen, Italiens Küste, griechische Inseln und die Sahara schön zu sehen. In Äquatornähe tauchen Wolkentürme auf. Bei der Landung ist es schon dunkel, aber noch 30°C warm. Wir begeben uns in das Chaos an den Visa-Schaltern. Neu sind Foto und Fingerscan. Das Gepäck ist vollständig da, nur Andres Tasche kommt verspätet mit Zollvermerk und um einige Feuerzeuge leichter an.
Draußen wartet der Fahrer der Meru View Lodge. 45 Minuten dauert die Fahrt, wir sehen mehr Autos und Gebäude als vor drei Jahren. Waghalsige Überholmanöver diverser Verkehrsteilnehmer lassen uns hoffen, nachts nicht mehr im Auto sitzen zu müssen. Wir beziehen müde, aber wohlbehalten die Zimmer 10 und 11 der Lodge und fühlen uns gleich zuhause, nur für Andre ist alles noch Neuland. Beim späten Abendbrot verzichten wir auf den Nachtisch und fallen sofort in die Betten.

Sonntag, 01.04.12

Gut erholt trotz überpünktlichem Hahnenkrähen und Hundebellen. Der geliebte „Bushsound“ sowie mein Laien - Tai Chi auf der Terrasse sind der perfekte Start in den Tag. Smalltalk mit Touristen aus dem Bungalow nebenan. Wir treffen uns mit den Eltern am Frühstückstisch. Mutti schickt uns erfolgreich in den April. Die Geschichte, von wegen stundenlang per Handy mit Oma telefoniert, sorgt nach Übersetzung auch beim Personal für große Heiterkeit.
Es ist ungewöhnlich warm und schwül, der beste Platz ist die überdachte Poolterrasse. Einfach nur sitzen und genießen. Bald schon nehme ich den neuen Fotoapparat der Eltern mit Superzoom in Beschlag und gehe auf Vogelpirsch. Vom Dorf klingen Gesänge und Partystimmung herüber. Die Tochter der deutschen Lodgebesitzer erklärt, dass heute eine wichtige politische Wahl stattfindet und plaudert mit uns.
Ein Gewitter bringt etwas Abkühlung, ein kurzer Regenguss Glanz und Farbe in die Blumenrabatten. Irgendwann vermissen wir Andre. Er ist allein die Dorfstraße entlang geschlendert, hat sich bei den Kindern mit Bonbons beliebt gemacht und diskret schöne Fotomotive gefunden. Ergebnis sind tolle ungestellte Bilder vom Dorf und dessen Bewohnern.
Ein Gärtner bemerkt mein Interesse an allem was sich bewegt und bringt ein Chamäleon auf einem Stock, das wir auf einen Baum setzen und lange beobachten. Wir ahnen noch nicht, dass uns noch viele Chamäleons auf dieser Reise begegnen werden, das nächste bereits beim Spaziergang zum Eingang des Arusha-Nationalparks. Es ist ein völlig platt gefahrenes Exemplar auf der Sandpiste. Traurig, aber originell, weil jedes Detail zu erkennen ist, selbst die dicke Zungenspitze. Die Leute sind zurückhaltend und freundlich. Die Dorfschule bleibt leider morgen wegen Ferien geschlossen. Es werden sich andere Abnehmer für Muttis Beutel mit Sachspenden und Süßigkeiten finden. Im Eingangsbereich des Arusha-Parks entdecken wir interessante Insekten und Vögel, hören eine Hyäne rufen und sehen den weißen Hintern irgendeines Paarhufers durchs Gebüsch hüpfen.
Für morgen verabreden wir eine Ganztagestour mit Auto und Guide der Lodge durch den uns noch unbekannten Park. Das Abendessen ist lecker. Auf der Terrasse der Eltern erbeutet einer der blassen Geckos, die an jeder Wand in Lampennähe lauern, eine fette Motte. Schnappschuss. Beim Duschen wundern wir uns über rätselhafte leichte Stromschläge beim Berühren der Armaturen. Zum Glück haben wir Gummilatschen an. Lala salama.
8'054 Beiträge · seit 200814. Juni 2012 · #2
Hallo Baobab,

Nett dass Du über Tanzania berichtest!B)

Gibt es da auch noch Bilder zur Ergänzung??? Würde mich da super freuen!:)

Es grüsst
Annick
Südafrika 2014 http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/281763-miam-miam-und-mamamia.html Namibia 2014 [http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/283810/-die-frenchies-in-namibia.html] Tansania 2015 [http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285247-tansania-auf-jeden-fall-wieder.html] Uganda/Ruanda 2015 {http://namibia-forum.ch/forum/160-diverses/286948-uga,html} Tanzania 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/158-diverses/288428-rei,html} Südafrika/Simbabwe 2016 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/290185.html} Südafrika Garden Road 2018 {http://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/295032-the-garden-road-ein-bisschen-anders.html Malawi 2018{http://namibia-forum.ch/forum/154-diverses/296097-reisebericht-malawi-august-2018.html}
409 Beiträge · seit 200715. Juni 2012 · #3
Hallo Ina,

schön daß du doch noch deinen informativen und kurzweiligen Bericht bringst. Bin auf die Fortsetzung gespannt und auf ein paar schöne Bilder. Chamäleons haben wir leider auf unserer Tour nicht gesehen..
Uns hat es auch gut auf Meru View Lodge gefallen.

Schönes Wochenende 😎

Uli
Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben.
Themenstarter195 Beiträge · seit 200916. Juni 2012 · #4
Guten Morgen,
Annick und Uli, ihr habt natürlich recht, Fotos gehören auch dazu. Ich freue mich schon mal, dass ihr den Berichtsanfang überhaupt gefunden habt, die Rubrik ist unbeabsichtigt falsch gewählt. Hier nun Fotos von den beiden ersten Tagen. LG Ina

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Themenstarter195 Beiträge · seit 200916. Juni 2012 · #5
Und weiter geht's:


Montag, 02.04.12

In der Nacht regnet es eine Stunde sintflutartig. Durch die Wellblechdächer ist der Krach enorm. Mutti rechnet bei plötzlichem Aufwachen mit Erdbeben oder Schlimmerem. Vor dem Frühstück nieselt es noch. Am Boden sind kaum Pfützen zu sehen, die Erde saugt alles auf wie ein Schwamm. Die Leute sind froh über die Niederschläge, wir aber hoffen auf schönes Wetter für den Besuch des Nationalparks.
Pünktlich bei der Abfahrt um 9.00 Uhr reißt der Himmel auf. Wir halten auf dem Parkplatz am Gate. Tom, unser Guide, erledigt den Papierkram. Der Kilimandscharo ist erstmalig zu sehen. Ich hole schnell die Videokamera aus der Tasche, aber sie lässt sich nicht einschalten. Das Gehäuse ist ganz heiß. Das fehlte gerade noch, gleich zu Beginn der Reise! Mit dem Ersatzakku funktioniert alles wieder, aber die Karte ist voll. (?) Neue Karte und Aufatmen.
Der Nationalpark entpuppt sich als landschaftlich überaus reizvoll und abwechslungs- reich. Im Areal der sogenannten kleinen Serengeti sehen wir Büffel, Zebras, Giraffen und Warzenschweine. Im Wald des Meru-Berghanges turnen Colobusaffen, Paviane und Blue Monkeys in den Bäumen. Farbenfrohe Schmetterlinge zieren den Aufstieg zum Aussichtspunkt in den Ngurdoto Krater. Viele Vögel präsentieren sich, darunter ein laut rufender Hadada-Ibis, Fisch- und Schopfadler. Unsere schönste Beobachtung: ein Kronenkranichpaar mit zwei Jungen in unmittelbarer Nähe bei der Futtersuche. Sie trampeln im Gras herum und fangen die auffliegenden Insekten. An den Momella Lakes werden gerade Picknickplätze frei. Wir plündern die Lunchpakete und genießen den Rundblick – Flamingos, andere Wasservögel und gewagte Wolkengebilde inklusive. Bei der Weiterfahrt kommen wir drei älteren männlichen Büffeln sehr nahe, Elipsen-Wasserböcke erklimmen einen Hügel, ein Buschbock flüchtet. Wir sehen die weißen Gebäude der Momella Lodge (bekannt durch Hatari – Hardy Krüger) in der Ferne. Das Wetter ist noch immer schön, während sich der Meru bereits den ganzen Tag hinter einem schwarzen Wolkenvorhang versteckt. Donnern ist zu hören und wir machen uns auf den Rückweg. Tom bittet uns, einen anderen Guide mitnehmen zu dürfen. Wir haben natürlich nichts dagegen, sind aber unseren Guide in dem Moment los und haben nur noch einen Fahrer. Die Beiden unterhalten sich bis zum Gate pausenlos.
Als wir in der Meru View Lodge ankommen, hat der Regen gerade aufgehört und ein Regenbogen spannt sich quer über den Garten. Weil es so schön ist, gleich noch ein zweiter. Auf dem Gipfel des Meru ist Schnee zu sehen. Handy- und e-Mail Kontakt mit Romy und Oma – alles in Ordnung daheim. Taschenpacken nach dem Abendbrot. Das Rätsel mit dem Strom an der Dusche ist nicht gelöst. Diesmal kriegt Andre richtig einen gewischt – autsch. Das volle-Karte-Rätsel dagegen klärt sich auf. Eine unabsichtliche Endlosaufnahme in der Tasche. Der Originalakku der Videokamera ist wohl kaputt. Wegen der ominösen Stromverhältnisse? Akkus laden mit bangem Gefühl.

Fotos folgen.
Themenstarter195 Beiträge · seit 200916. Juni 2012 · #6
Hier sind die Fotos vom 2. April.
Gute Nacht und morgen geht es weiter.
Ina

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Themenstarter195 Beiträge · seit 200918. Juni 2012 · #7
Hier schon mal was zu lesen, die Fotos folgen wie gehabt.


Dienstag, 03.04.12

Nachts heult eine Hyäne – ich springe mehrfach mit einem kleinen Voice Recorder aus dem Bett. Sobald ich die Aufnahmetaste drücke, verstummt das Tier. Muss doch mal klappen. Dank meines Lärms hat auch Andre wenig Schlaf. Was soll’s, schlafen kann man zuhause. Nach dem Frühstück verewigen wir noch unsere Kellner Omari und Ramon. Sie freuen sich über kleine Geschenke. Der Gärtner bringt mir einen großen Wasserkäfer zum Ablichten und muss danach selbst dran glauben. Eine sechstägige Safari liegt vor uns – die Spannung wächst. Wer wird hinter dem Steuer des Autos von Leopard Tours sitzen? Da kommt ein großer Wagen. Darin sitzt Gabriel und grinst über beide Ohren. Wir hatten gehofft, unseren Fahrer von April 2009 wieder zu bekommen, nun ist es Gewissheit und die Wiedersehensfreude ist groß. Wir laden unser Gepäck ins Auto. Der Gipfel des Meru zeigt sich noch einmal von seiner schönsten Seite. Ein Baumhörnchen komplettiert eine schon umfangreiche Artenliste. Mutti kann ihre Sonnenbrille nicht finden, wir fahren trotzdem gegen 8.30 Uhr ab. Irgendwo wird sie schon sein.
Es ist sehr warm und sonnig. In Arusha halten wir für ein kurzes Briefing im Impala Hotel. Dann geht es Richtung Ngorongoro. Eine größere Schildkröte am Straßenrand (die einzige auf dieser Reise) entpuppt sich bei näherer Inspektion als Verkehrsopfer.
Immer öfter sind Maasai zu sehen. Sehr vereinzelt sehen wir im Vorbeifahren Gestalten in schwarzen Umhängen mit weiß bemalten Gesichtern – Morani, junge Krieger, die nach der Beschneidung eine Zeit lang allein leben, um sich zu beweisen. Sie könnten laut Gabriel möglicherweise aggressiv und unbeherrscht sein, also besser kein Foto. Schade.
Im Ort Mto Wa Mbu sind einige große Bäume von unzähligen Störchen besetzt und mehr weiß als grün. In einer Kurve nahe dem Aussichtspunkt auf den Lake Manyara steht ein wundervoller Baobab. Wir halten auf einer kleinen Ausweichstelle, damit wir das 2009 verpasste Foto nachholen können. Zwei Jugendliche auf einem Moped kommen vorbei, halten und wollen uns Ketten verkaufen. Richtige Nervensägen. Sie bekommen von Papa Zigaretten und Kugelschreiber, aber Ketten brauchen wir nicht. Zufrieden ziehen sie ab. Als wir wenig später auf einem Parkplatz mit WC halten, haben wir sie wieder am Hals und sie tun als hätten sie uns noch nie vorher gesehen. Wir brauchen immer noch keine Ketten, aber ein Foto gegen ein kleines sawadi ist okay. Nette Jungs trotzdem.
Zeit für die Lunchpause. Wir finden Schattenplätze an der überdachten Seite eines großen Souvenirgeschäftes. Hier steht auch ein Baum voller Webervogelnester inklusive laut lärmender Bewohner. Nach dem Essen schauen wir Frauen in diesen völlig mit Zeugs vollgestopften Shop. Fehler. Man kann keine drei Schritte laufen, ohne von einem der Verkäufer verfolgt zu werden und wehe, man schaut länger als 5 Sekunden auf ein Produkt, schon geht das Verhandeln los. Mutti flüchtet Richtung Toiletten, ich erstehe ein Holzschild mit dem Schriftzug Karibu, für das ich eigentlich auch keinen Platz habe. Support for tansanian people – ermuntern mich die Verkäufer.
Am Eingang zum Ngorongoro Schutzgebiet begrüßen uns Paviane auf der Straße. Sie klettern gern in Autos und bedienen sich, deshalb achten wir beim Aussteigen auf geschlossene Fenster. Nachdem Gabriel den Papierkram erledigt hat, geht es hinauf zum wolkenverhangenen Kraterrand. Am Aussichtspunkt ist die Sicht gleich Null. Es beginnt zu regnen. Für ein Foto am Grzimek Denkmal steigt Andre trotzdem aus. Am Westrand angekommen, reißt der Himmel auf und wir haben doch noch einen passablen Ausblick in den Krater.
Auf dem Weg nach Ndutu säumen viele Thomson-Gazellen und diverse Antilopen den Weg. Je näher wir der Ndutu Safari Lodge kommen, desto weniger Tiere sind zu sehen. Vor drei Jahren sah das anders aus, ich mache mir ein wenig Sorgen. Na wenigstens auf die Dik Dik’s ist Verlass. Gegen 17.30 Uhr sind wir endlich am Ziel - Wiedererkennen und Wohlfühlen ist eins. Alles ist grün, Nektarvögel umschwirren blühende Aloe. Wir beziehen die Zimmer 8 und 9 in einem Bungalow und sind einfach glücklich, 3 Nächte an diesem Ort vor uns zu haben, der eine urige Campingatmosphäre ausstrahlt.
Beim Abendessen haben wir wieder Spaß mit den Ginsterkatzen, die dort regelmäßig das Restaurant aufsuchen. Zurück am Bungalow beobachten wir ein Naturschauspiel. An allen Lampen schwirren unzählige geflügelte Termiten umher. Wie auf Kommando fallen sie zu Boden. Eine Ginsterkatze frisst sich daran satt, direkt an unserer Unterkunft. Den Rest erledigen Ameisen. Im Schein der Taschenlampe sehen wir wieder den Osterhasen (Kaphasen).
Themenstarter195 Beiträge · seit 200918. Juni 2012 · #8
Es folgen die dazugehörigen Bilder. Mir ist aufgefallen, dass standardmäßig die niedrigste Bildqualität angezeigt wird, also besser erstmal auf höchste Bildqualität ändern. Da keine Reaktionen kommen, gehe ich mal davon aus, dass es nicht zu viele Bilder sind. Ansonsten bitte Bescheid geben, ich kann mich da auch kürzer fassen.
Liebe Grüße, Ina
Themenstarter195 Beiträge · seit 200918. Juni 2012 · #9
ups, da habe ich doch glatt vergessen, den Link anzuhängen. Ich schiebe das mal auf die abartige Hitze heute.

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Themenstarter195 Beiträge · seit 200919. Juni 2012 · #10
Und so geht es weiter:


Mittwoch, 04.04.12

Noch im Dunkeln streifen Mutti und ich durch die Anlage. Mit der Dämmerung erwacht die Vogelwelt, es gelingen schöne Tonaufnahmen. Wir sehen eine Fledermaus, Kaphasen, Nektarvögel, Papageien, Mäuse, Dik Dik’s, Impalas, nach dem Frühstück auch Giraffen auf dem Gelände. Ein Angestellter zeigt uns ein Chamäleon – mal wieder, aber eine noch nicht gesehene Art.
Die erste Pirschfahrt ab 8 Uhr beschert uns zunächst verschiedene Greifvögel. Dann steuern wir einen Safariwagen an, den sich ein Gepard als Ausguck erkoren hat. Von der Motorhaube springt er auf das offene Dach, beäugt die Insassen, spielt mit der Antenne und sieht sich in aller Ruhe um. Erst von den Scheibenwischern lässt er sich verscheuchen. Ich verspreche den Insassen des Autos, die selbst nicht mal Fotos machen konnten, ein Video auf youtube zur Erinnerung. Wir begleiten den Gepard anschließend bei der Beutesuche, nur ganz knapp entwischt ihm ein Antilopenjunges. Das erste Mal sehen wir Löffelhunde.
Drei Hyänen dösen an ihrem Erdlochbau. Eine fördert nach einiger Buddelei ein Gnubein zutage und kaut darauf herum, bevor ein Artgenosse es ihr abjagen will. Geier und Marabus streiten um Aas. Am Horizont sind viele Thomsons zu sehen. Schakale und eine Hyäne hoffen auf die erfolgreiche Jagd eines anderen Gepards, aber der muss nach einem erfolglosen Sprint erst einmal ruhen.
Zu unserer großen Freude wandert bzw. rennt auch ein Trupp Gnus in Richtung unserer Lodge, diesmal mit sehr wenigen Jungtieren. Drei Hyänen fressen an einem Gnu, dicht umlagert von Aasvögeln. Es gibt ein ordentliches Gerangel. Immer mehr Vögel kommen und als die Hyänen die Überreste endlich freigeben, geht es richtig zur Sache.
Beim Mittagessen erhalte ich Kameraverbot, kann mich aber nicht daran halten. Die Motive sind einfach zu verlockend. An einem Baumstamm vor uns füttert ein Spechtpaar abwechselnd ein Junges, das immer wieder aus dem Loch herauslinst. An der anderen Seite nisten kleine Papageien in einem Loch. Wer weiß, ob nachher der Himmel so blau ist und sich so viele Vögel auf einmal an der Tränke vor unserem Tisch tummeln.
Die dreistündige Nachmittags-Pirschfahrt startet um 15.30 Uhr. Wir fahren zum Lake Masek, wo sich 2009 das Gnudrama abgespielt hat. Diesmal ist der See gut gefüllt. Wir sehen rosa Flamingos, verschiedene Wasservögel und ein riesiges Schädel- und Knochenfeld. Wir meinen, es sind die Überreste der 2009 auf so qualvolle Weise verendeten Gnus. An einem Baumstamm ist ein Specht lautstark bei der Futtersuche. Krönung der Tour ist ein Löwe am Ufer, der sich von uns gestört fühlt. Er lässt uns keinen Augenblick aus den Augen und scheint ungewöhnlich scheu, wahrscheinlich ist er neu in der Gegend und nicht an Safariautos gewöhnt. Das ist auch für uns eine neue Erfahrung. Angriff oder Flucht? Er verzieht sich ins Schilf.
Im warmen Abendlicht träumt ein Schakal vor sich hin. Glücklich und geschafft kehren wir zur Lodge zurück. Dank nach oben an Oma Berta für das Wetter. Um die 20°C nur, leicht windig – einfach angenehm. Laut Gabriel soll es morgen wieder so schön werden und falls es morgen regnet, dann nur ein paar „Tropsen“. Schöner Sonnenuntergang und Lagerfeuer nach dem Abendessen.
Themenstarter195 Beiträge · seit 200920. Juni 2012 · #11
Und hier die Fotos zum vorherigen Beitrag.

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2'398 Beiträge · seit 201121. Juni 2012 · #12
Hallo Ina,

ach, ist das schön, endlich mal wieder in Ndutu zu sein. So viel Wasser wie man auf Euren Fotos sehen kann, haben wir dort nie gehabt, weder im Juli/August (tierisch wenig ...) noch im Dez./Jan (tierisch viel los).
Geparden (2 halbwüchsige) hatten wir auch mal auf dem Auto, allerdings in der Masai Mara. Und da es noch früh (also kühl) war, hatten wir glücklicherweise das Dach noch zu. 😁 Leider waren wir allein*, so dass wir außer den Fotos der Geparden auf der Kühlerhaube keine Doku haben. Und vom Scheibenwischer ließen sie sich nicht irritieren, den hatten sie zum Knabbern gern! 😎
* abgesehen von der Gepardenmama, aber die wollte ihre Söhne nicht fotografieren! 🤪

LG aus dem nicht (im Ggs. zu Budapest, wo wir heute noch 36° hatten) zu heißen Hamburg,

Karsten
[size =3] Infos NordTZ 22 https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/301813-infos-nordtansania-juni-juli-22.html?start=0 RB Kenia 2020 https://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/299653-kurzer-rb-kenia-sept-2020.html?start=0 Reisebericht Südtanzania 2013 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/282710-tanzanias-sueden-daumendruecken-hilft-nicht-immer.html Kurzbericht 7 Wochen Nam-Bots 2012 http://www.namibia-forum.ch/forum/16-unterkuenfte/254072-kurzbericht-7-wochen-nam-bots.html Bericht Zimbabwe 1995: ... 30 Tage Gefängnis http://www.namibia-forum.ch/forum/139-off-topic/241529--30-tage-gefaengnis.html Reisebericht 2008: 18 Nights in the Bush - ha-ha-ha http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/263931-18-nights-in-the-bush-ha-ha-ha.html Nordtansania Feb. 2015 - Kein RB http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/285690-tansania-februar-2015-kein-reisebericht.html?limitstart=0&start=12] Walking Safari Zimbabwe 97 https://www.namibia-forum.ch/forum/148-diverses/287052-walking-safari.html?limitstart=0
409 Beiträge · seit 200721. Juni 2012 · #13
Hallo Ina,

danke für die wunderschönen Bilder. Als wir nur 2 Wochen nach euch die Ndutu-Lodge besucht haben, war es abends richtig kalt. Aber die Sonnenuntergänge sind einfach einmalig schön dort..
Bei uns war es so matschig, daß wir das Knochenfeld nicht besuchen konnten und rund um den Ndutu-See nur wenig umherfahren konnten. Selbst die Anreise dorthin war ein echtes Abenteuer.

Bitte noch mehr Bilder einstellen 😎

Gruß

Uli
Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben.
Themenstarter195 Beiträge · seit 200921. Juni 2012 · #14
Hallo Karsten und Uli,
da habe ich also einige Erinnerungen erweckt. Gepardenjunge auf dem Auto und abenteuerliche Fahrverhältnisse in der Gegend um Ndutu lassen auch viel Spannendes vermuten. Nun werde ich mal weiter berichten:


Donnerstag, 05.04.12

Der Tag beginnt mit Tai Chi. Mutti ist auch früh wach, wegen des Vollmondes hat sie wenig geschlafen. Gemeinsam gehen wir auf Vogelpirsch durch die Anlage. Überraschung: Unmittelbar hinter der Lagerfeuerstelle liegt ein Büffel, ein als gefährlich geltender Einzelgänger. Das Personal bedeutet uns, lieber ins Restaurant zu gehen. Die Hinweisschilder „Danger“ wenige Meter vor den Unterkünften haben also doch ihre Berechtigung.
Die Vormittagssafari startet mit einem Elefanten. Geier streiten sich lautstark um Zebraschenkel. Geparde, Sekretäre, dann taucht vor uns in einer Senke eine Herde von mehr als 30 Elenantilopen auf. Beeindruckende Tiere, aber auch verdammt scheu. Angesichts ihrer Größe und Masse eigentlich unverständlich. Sie flüchten sofort, aber leicht bergan und dann lange sehr fotogen vor dem Horizont. Ein fantastischer Anblick, der uns tief berührt. Mehrere Adler und Schakale streiten um Aas. Unweit zweier Sekretäre springt ein kleines verlassenes Gnukalb auf, läuft auf uns zu, neben dem Wagen her und irrt dann mit wenig Überlebenschancen weiter – in einiger Entfernung taucht ein Löwenrudel (9 Tiere) an einem frisch erbeuteten Gnu auf. Wir kommen gerade noch rechtzeitig, eine Löwin frisst , ein Jungtier gesellt sich dazu, die anderen liegen schon faul danieder und suchen sich dann ein Plätzchen bei einer abseits liegenden Löwin. Zwei Geparden haben jeder für sich in Sichtweite Thomsongazellen ins Visier genommen. Als wir ganz nah neben dem einen warten, stürmt der andere plötzlich los. Alles setzt sich in Bewegung, es sind nur noch Staubwolken und zwei rasend schnelle Flecken zu sehen. Der Versuch bleibt erfolglos. Der Gepard muss sich erholen, die Thomsons nähern sich auf kurze Distanz. Die Raubtiere sind dieses Jahr zahlreicher und aktiver - vielleicht, weil es nicht so warm ist.
Nach dem Mittagessen Pause bis 16.00 Uhr. Was heißt Pause, die Eltern und Andre legen sich aufs Ohr, ich bin schon wieder auf Fotopirsch. An dem Baumstamm mit den Nistlöchern liegt eine größere Echse. Zack – weg ist sie, nur den Kopf erwische ich noch, als ich mich mit dem Fotoapparat anschleiche. Die Sonne brennt nun ziemlich, also Vogelbeobachtung von einem Schattenplatz aus.
Die Nachmittagssafari beschert uns ein Gänsehauterlebnis. Bei der Suche nach Elefanten begegnen wir einer einzelnen Löwin, die laut rufend umher läuft. In einiger Entfernung trifft sie auf ein Rudel, bestehend aus 4 männlichen und drei weiblichen Tieren. Trotz Unterwerfungsgeste gibt das Rudel ihr bald zu verstehen, dass ihre Anwesenheit nicht erwünscht ist. Es kommt zu einem wütenden Gerangel, Gebrüll und Zähnefletschen. Die Löwin sucht das Weite, das Rudel verfolgt sie unablässig, genau wie wir und einige andere Safariautos. Besonderer Nervenkitzel – in Sichtweite sind Touristen mit Guide zu Fuß unterwegs. Die haben bestimmt einen Schritt zugelegt. Uns war in einer ähnlichen Situation jedenfalls recht mulmig zumute. Wir bleiben bei dem nach allen Seiten Ausschau haltenden Löwenrudel. Die Tiere nehmen die Spur noch einmal auf und laufen über den Airstrip. Ein Löwe findet dort irgendein Müllteil und schleppt es zu unserer Belustigung mit. Die einzelne Löwin kann gedeckt durch einige Safariwagen und dank günstig stehenden Windes entkommen.
Auf dem Heimweg sehen wir noch einen Gepard mit Jagdabsichten und dann endlich bekomme ich einen Wiedehopf vor die Linse. Seit Jahren warte ich auf diesen Moment. Mehr geht nun wirklich nicht. Die Pirschfahrt endet mit Greifvögeln und Sekretär oben im Baum. Nach dem Abendbrot plaudern wir mit anderen Touristen am Lagerfeuer. Ein Ehepaar aus Belgien ist jedes Jahr mehrfach hier in dieser Lodge. Kann ich verstehen. Wenn ich im Lotto gewinnen würde . . .Dann heißt es schon wieder Kofferpacken. Wenn die Zeit doch stehen bleiben könnte. Morgen geht es in die Serengeti.
Themenstarter195 Beiträge · seit 200921. Juni 2012 · #15
Hier nun die Fotoauswahl zum vorherigen Beitrag:

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Themenstarter195 Beiträge · seit 200923. Juni 2012 · #17
@BerndW

???
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So, nach dem gestrigen Fußballspiel und bei strahlendem Sonnenschein im Moment geht es weiter.


Freitag, 06.04.12

Es ist nicht zu glauben, aber bei unserem letzten Frühstück in der Lodge prescht nach einer Gruppe Impalas eine Herde Gnus durch die Anlage, wenn das kein Abschiedsgruß ist.
Am Vormittag nochmals Pirschfahrt im Ndutugebiet. Wir sehen Giraffen, Schaukämpfe veranstaltende Impalas, Gnus am Lake Masek, ein ganzes Rudel Löffelhunde, Kuhantilopen, Zebras und Grantgazellen am Fluss unweit von 3 Löwen ( ein schlafendes Paar und ein am Auge verletzter Pascha), ein Steinböckchenpaar und einen Gepard, der schon wieder nach Beute Ausschau hält. Ein Chamäleon entdecke ich beim Vorbeifahren im Baum – da staunt selbst unser Guide. Wir passieren eine wunderschöne Schilflandschaft mit vielen Reihern und anderen Wasservögeln. Tsetsefliegen gibt es leider auch. Trotz Fliegenklatsche bekommen wir Stiche ab. Am Bau der Streifenhyänen ist nichts zu sehen. Kiebitze verteidigen ihre Nester in gewagten Flugmanövern gegen einen Falken. Wieder ein Chamäleon - vor uns auf der Piste. Gabriel sieht es zum Glück gerade noch rechtzeitig. Der Laufstil ist echt witzig, besonders im Beschleunigungsgang.
Gabriel holt die Genehmigung zur Einreise in die Serengeti beim Ranger Point ab. Das dauert wieder einige Zeit, aber wenigstens gibt es später keinen Ärger. Andre plauscht mit einem Kanadier, der ihm wärmstens einen Besuch in seiner Heimat empfiehlt. Ein kleiner Buschflieger setzt gerade zur Landung an. Nun können wir los.
Wir nehmen eine Abkürzung Richtung Nabi Hill. Auf dem Parkplatz am Gate wieder ein Stopp. Andre unterhält sich mit LKW-Fahrern, die einen Reifen wechseln müssen und verschenkt einen Teil unserer Lunchpakete. Zebras und Gnus queren den Weg. Unterwegs zur Serena Wildlife Lodge sehen wir kurz hinter Nabi Hill endlich eine Schlange. Es ist eine Baumschlange (grüne Mamba), die sich am Boden vor- und zurück- bewegt. Leider wird sie, noch während ich filme, von einem rücksichtslosen Autofahrer überrollt, der uns im Straßenrand überholt. Sie ist bestimmt verletzt worden, das Auto hat auch meinen Arm mit der Kamera fast berührt. Wir sind fassungslos und wütend.
In der Serengeti stehen beidseits der Piste viele Gazellen, Kuhantilopen, einige gleich wieder flüchtende Elenantilopen, Gnus und Zebras. Auf einem großen Stein am Weges-rand sitzen zwei Geparde – posieren wie für ein Werbeposter. Sie halten eine Weile Ausschau und verschwinden im hohen Gras. Ab und an sehen wir sie noch springen, irgendetwas haben sie wohl entdeckt.
In der Lodge angekommen, beziehen wir unsere Zimmer (53 und 54 – Mist! Erdgeschoss in diesem hellhörigen Gebäude) und suchen das übersichtliche Mittagsbuffet auf. Neu ist eine Aussichtsterrasse, von der man einen großartigen Rundblick hat, u.a. auf einen See mit Nilpferden. Vor drei Jahren war dort nur ein übel riechendes Wasserloch. Der Himmel ist bedeckt, es regnet leicht. Die bei Sonnenschein so farbenfrohen Siedleragamen sind eher grau. Die vielen Klippschliefer hingegen zeigen sich sehr aktiv – auch was ihre Verdauung betrifft. Ihre Hinterlassenschaften verströmen besonders in den Gängen zwischen den Felsbrocken den Geruch nach ungeputztem Nagerkäfig. Einige Meerkatzen turnen über die Dächer.
Auf der Nachmittagspirsch versucht Gabriel, einen Leopard zu finden. Jeder Baum wird inspiziert - aber vergebens. Am Seronerafluss hat eine große Giraffengruppe zwischen Palmen und Akazien Lunchtime. Parademäßig überqueren sie das kleine Flusstal und kommen zu uns an die Straße. Bei der Suche nach einem guten Standplatz zum Fotografieren kippt unser Auto plötzlich stark zur Seite. Da war wohl ein Loch. Mutti und ich bekommen Angst, aber die Männer bleiben ganz entspannt und Gabriel bekommt mit einigen Lenkmanövern alles in den Griff. Ganz nah taucht ein Nilpferd auf und spaziert ein Stück am Wasser entlang. Eine Straußenfamilie rennt und tanzt übermütig im Kreis. Bei der Rückfahrt zur Lodge sind wir alle erschöpft von der Fahrt und den Erlebnissen des Tages.
Mal sehen, ob wir in der Lodge Erholung finden. Die Fußbodendielen knarren besonders im Zimmer der Eltern zum Gotterbarmen und wir befürchten Krach von oben. Andre wäscht ein paar Unterhosen. Als ich duschen will, tröpfelt das warme Wasser nur noch.
Nach einem ordentlichen Abendbuffet in etwas steifer Atmosphäre rufen wir von der Rezeption aus in Strausberg an. Schön, die Stimmen der Lieben zu hören. Schnell noch mal den Blick von der Aussichtsterrasse prüfen. Einen schönen Sonnenuntergang hat es heute nicht gegeben, vielleicht sehen wir etwas mit der Taschenlampe. Mutti fällt die Treppe hoch und schlägt sich das Knie auf. Der Schreck ist schlimmer als der Kratzer, aber die neue Hose ist auch kaputt. Es wimmelt hier vor Stolperfallen, man muss höllisch aufpassen. Wir lauschen der abendlichen Geräuschkulisse und dann gibt es noch das Übliche zu erledigen: Akkus laden, Fotos und Videoclips sichern. Wir haben wieder noch keine Karte geschrieben. Keine Zeit oder zu müde.
Themenstarter195 Beiträge · seit 200924. Juni 2012 · #18
Hier nun die Fotos dazu. Ich wünsche euch einen schönen Restsonntag, Ina.

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Themenstarter195 Beiträge · seit 200924. Juni 2012 · #19
Wird es mir langweilig als Alleinunterhalter? Ach, nöh. Besser als die Diskussion bei "Zweimal Gabun - das erste und letzte Mal". Im Falle von Tansania kann ich nur sagen: Einmal noch und dann immer wieder....

Da es draußen regnet und ich nicht auf homesafari gehen kann, hab ich den Computer noch am Laufen. Also weiter geht es:


Samstag, 07.04.12

Die Nacht war wieder etwas unruhig. Hyänengeheul und Geräusche von in der Nähe grasenden Hippos haben mich mehrfach aus dem Bett krabbeln lassen – nichts zu sehen. Noch im Dunkeln gegen 6 Uhr hole ich mir eine Tasse Kaffee im Restaurant und gehe auf die Aussichtsplattform, um die Morgenstimmung zu genießen. Kein Mensch ist da. In Ruhe kann ich Frühsport machen und mir diesen Ort fest ins Gedächtnis prägen. Als die ersten Leute auftauchen, müssen sie wie ich etwas enttäuscht feststellen, dass vom Sonnenaufgang wenig zu sehen ist wegen der Bewölkung. Heißluftballons steigen auf. Wir sehen sie auch noch beim Frühstück landen und wieder starten. Hoffentlich bringen die Regenfälle der letzten Nacht Gabriels Pläne für heute nicht durcheinander.
Wir werden den ganzen Tag auf Safari gehen und nehmen Lunchpakete mit. Kurz vor der Abfahrt verstaucht sich Mutti im Eingangsbereich der Anlage das Fußgelenk, erzählt aber erst viel später im Auto davon, als es dick geschwollen ist. Wieder das linke Bein, das schon lädiert ist. Vermutlich ist das der Tribut für das Glück, das wir heute haben sollen. Gabriel will mit uns zu den Gnus, die sich ca. 30 km entfernt in einer Talsohle im Morugebiet gesammelt haben. Das Wetter ist gut. Die Wege seien passierbar. Na Gott sei Dank. Wir halten zunächst wieder Ausschau nach einem Leopard, er bleibt verborgen. Also los in Richtung Gnus.
Unterwegs sehen wir eine drollige Gruppe Paviane mit ganz Kleinen und haben Spaß, sie eine Weile zu beobachten. Richtig turbulent wird es, als sich zu den Affen auch noch ein ganzer Trupp Zebramangusten gesellt. Eine lange Strecke sehen wir kaum Tiere, dann zwei Elefanten, Büffel und Kuhantilopen. Eine Giraffe läuft vor uns auf der Straße, gibt diese dann gnädig frei und gesellt sich zu ihren Artgenossen, darunter sind auch Jungtiere. Die Landschaft Richtung Moru ist umwerfend. Ich hätte nicht geglaubt, dass wir wieder hierher kommen, da wir diese Gegend letztes Mal von der Sopa Lodge aus besucht hatten. Wir freuen uns, dass Andre das nun auch sehen kann. Leider nur vom Sitzen aus, das Hubdach ist nicht hoch genug, dass er wie wir die meiste Zeit stehen könnte. Riesige Kopjes lassen uns nach Löwen und Hyänen Ausschau halten. Ein Gnu rennt neben dem Auto her. Es hat dasselbe Ziel wie wir.
Und dann sehen wir sie - Gnus zu Abertausenden, dicht gedrängt als einzige schwarze Masse. Uns stockt der Atem. Schnell noch zum Rhino Point: Zigaretten- und Toilettenpause mit bestem Ausblick auf dieses Naturwunder. Dann geht es mit dem Auto mitten hinein. Mutti beschreibt es hervorragend: ,Ich hab Gänsehaut vom Kopf bis zum verstauchten Fuß, den ich vor Aufregung gar nicht mehr merke.’ Die Geräuschkulisse allein .... Von den Löwen, die mit Sicherheit rundherum auf den Kopjes liegen, können wir nur einen entdecken. Satt und faul schläft er auf dem höchsten Punkt eines großen Felsens. Noch eine freudige Überraschung: Vor uns entdecken wir in einem Safariwagen das israelische Paar, das wir in der Ndutu Lodge kennen gelernt haben und das bereits einen Tag vor uns Richtung Sopa Lodge abgereist ist. Was für ein Zufall! Wir genießen ca. 2 Stunden den Anblick der Tiere. Zum Glück läuft die Kamera gerade, als ein großer Schwarm Kuhreiher auffliegt und über die Köpfe der Gnus kreist. Wir müssen uns losreißen, weil ein heftiger Regen beginnt und am Horizont pechschwarze Wolken ein Unwetter ankündigen.
Eigentlich haben wir heute genug erlebt und könnten auf direktem Wege zur Lodge zurück fahren, aber Gabriel hat inzwischen erfahren, dass in der Nähe drei Löwen zu sehen sind und steuert trotz abenteuerlicher Fahrbahnverhältnisse einen Kopje an. Und wie sich das gelohnt hat! Zwischen drei Autos finden wir einen günstigen Beobachtungsplatz. Auf einem malerischen Felsen liegen 2 Löwen und eine Löwin. Hier ist der richtige Platz für unser Lunch. Die Löwen liefern dazu das Unterhaltungs- programm. Während ein Männchen im Schatten schläft, sorgen Simba und Nala für Nachwuchs. Und wie das bei Löwen üblich ist, paaren sie sich in kurzer Zeit mehrfach. Was für eine Szenerie! Was für eine Kulisse! In den Pausen liegen sie zärtlich und verschmust beieinander. Wir können unser Glück kaum fassen, müssen aber irgendwann los, weil die Witterungsverhältnisse für hiesige Wege bedrohlich werden und wir den Einbruch der Nacht nicht wieder festgefahren in der Serengeti erleben wollen wie 2009. (Obwohl das auch was hatte ...)
Der nächste Höhepunkt wartet schon. Von weitem sehen wir ein paar Autos – wie schon bei unserer letzten Reise liegt eine Löwin auf einem Baum. Mutti orakelt, dass es jetzt Zeit sei, den Mittagsschlaf zu beenden und vom Baum zu kommen, möglichst wieder in unsere Richtung. Es ist kaum ausgesprochen, da springt die Löwin vom Baum und steuert direkt auf unser Auto zu. Der Himmel ist dunkel, die Löwin steigt von der Sonne angestrahlt auf einen Stein neben uns. Ich glaube, ich kriege gleich einen zuviel. Andre gelingt eine besonders originelle Aufnahme mit ihr im Rückspiegel. Die Löwin läuft noch eine Weile parallel zum Weg durchs Gras und entfernt sich dann. Wir folgen ihr eine Weile und treten dann den Rückweg an, denn inzwischen regnet es so stark, dass der Scheibenwischer kaum hinterher kommt.
Wir sind erschöpft von all diesen Eindrücken, das muss man erst mal verarbeiten. Aber Gabriel hält noch immer Ausschau nach einem Leopard. Von weitem sehen wir eine Schlange Safariautos – beim Näherkommen erspäht Gabriel auf einem Baum, was er gesucht hat. Der Leopard schläft und viel mehr als ein herabhängender Schwanz ist nicht von ihm zu sehen. Für eine Hysterie reicht es allerdings. Die Fahrer ignorieren alle Verkehrsregeln und stehen in zwei Fahrspuren vor- und rückwärts nebeneinander. Stau in der Serengeti, das hatten wir noch nicht. Es geht nichts mehr. Mutti muss nötig auf Toilette. Zwischen den Autos steckt auch ein Wagen vom Lion Project fest. Von dort aus werden wahrscheinlich die Ranger angefordert, die nötig sind, um das Chaos aufzulösen. Im Vorbeifahren noch schnell ein Foto vom Leopard. Es wird sogar ganz gut, die Kamera sieht mehr als wir.
An der Lodge angekommen, kann Mutti nicht mehr auftreten, Papa und Andre müssen sie bis zum Zimmer stützen. Auf einem Bein hüpfen kann sie wegen der vollen Blase schon gar nicht. Im Zimmer bringen feuchtkalte Wickel erste Linderung. An der Rezeption hat man keine Stockschirme wie sonst in den Unterkünften üblich. Papa und ich suchen draußen im Nieselregen in einem Haufen Äste nach einer passenden Gehhilfe. Bald findet sich ein brauchbarer Stock, sogar mit Griff. Papa kürzt ihn rasch mit seinem Werkzeugmesser auf die passende Länge. Handwerker beobachten uns und machen große Augen. Das Abendessen bringen wir Mutti aufs Zimmer. Im Restaurant wird die gleiche Trommelmusik geboten wie gestern. Geschmackssache. An die tolle Atmosphäre in der Ndutu Lodge kommt diese hier nicht ran. Spät abends ruft Papa, der an der offenen Terrassentür sein Zigarettchen raucht, vor unserem Fenster sei eine Hyäne. Ich sehe nur noch seine Taschenlampe leuchten. Aber spannend ist es allemal.
6'369 Beiträge · seit 201124. Juni 2012 · #20
Hoi baobab2

Nein, Du bist nicht allein!!!B)
Ich lese mit!:)

Danke, vieles erinnert mich an die Serengeti vorletzten Februar, nur bin ich eher der Zelt-ler als der Lodge-ler, aber ich freue mich schon auf das nächste mal!😃
Nur weiter so, ich bin dabei!
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)