NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202329. Juli 2025 ·
18. Mai
Ausgeruht stehen wir auf, spritzen uns ein bisschen Wasser ins Gesicht und springen in unsere Klamotten. Wir sind gut in der Zeit und genießen den morgendlichen Spaziergang zum Parkplatz.
Die Heuschrecken-Konferenz scheint zu Ende zu sein. Keine Ahnung welches Insektenmassaker in der Nacht hier stattgefunden hat, der Weg ist gepflastert mit Leichen und wir laufen im leichten Slalom. Ein bisschen eklig ist der Anblick schon. Beim großen Baum mit den beeindruckend vielen Webervogel - Nestern, warten wir nur kurz auf unsere Abholung. Der Jeep, gelenkt von einer Mitarbeiterin rollt pünktlich vor unsere Füße. Wir schwingen unseren Hintern in den Wagen und haben freie Platzwahl.
Die Mitarbeiterin ist entweder eher von der schweigsamen Sorte Mensch oder noch nicht auf Betriebstemperatur. Jedenfalls ist sie nicht sonderlich mitteilsam. Wir lassen sie in ruhe ihren eigenen Gedanken nachhängen. Fahren kann sie aber, das muss man ihr lassen. Wir werden allerdings den Eindruck nicht los, dass sie bewusst versucht, so viele Heuschrecken wie möglich ins Jenseits zu befördern. Naja, es gibt genug, die Verkehrsleichen machen dem Tierbestand wahrscheinlich nicht wirklich was aus.
Wir holpern über die Feldwege und verspüren eine leichte Namibia-Massage. Nach ein paar Minuten entdecken wir einige Zebras. Wir stoppen und beobachten sie eine Weile, während sie sich am veganen Frühstücksbuffet bedienen. Ob es die von gestern sind, lässt sich schwer sagen. Sie tragen alle Uniform und ohne Grasbüschel im Maul, zur Identifikation ist die Wiedererkennung schwierig.
Wir fahren weiter, denn das Bushman-Paradis wartet auf uns. Es ist ein Felsen, der mit einem Zaun gesichert und abgeschlossen ist, weil leider manch einer versucht hat, diese uralten Malereien mit seiner persönlichen „abstrakten Kunst“ zu ergänzen. Ich werde nie verstehen, warum jemand denkt, sein Geschmier sei kulturell wertvoll.
Die Mitarbeiterin hat einen Schlüssel und verschafft uns Zutritt. Wir zählen jetzt nicht unbedingt zu den Enthusiasten der Felsenmalerei. Aber wir haben doch ein wenig mehr erwartet, als ein Rhino dessen Horn angeblich in Wasserrichtung zeigt und einen Löwen, der ebenfalls im Gestein verewigt wurde. Mehr Hintergrundwissen wird uns auch nicht vermittelt.
Unser Sichtungsglück bleibt hier also überschaubar und wenn ich ehrlich bin, hätte ich dafür nicht extra Geld bezahlen wollen. Das sehen andere Gäste sicher ähnlich, weshalb die Lodge vielleicht das schlaue Register gezogen hat, den Drive kurzerhand ins Übernachtungspaket zu integrieren und den Preis entsprechend anzupassen. Aber das ist reine Mutmaßung. Viel zu erzählen weiß die Mitarbeiterin ja nicht, was den Stopp nicht unbedingt interessanter macht. Wir bleiben nicht länger als fünf Minuten und tun ein bisschen interessiert. Dann steigen wir wieder in den Wagen.
Die Fahrt durch die Natur gefällt uns sehr. Die Felslandschaft ist unglaublich schön.
Wir stoppen am Zebra-Pool. Als ich zum ersten Mal die Namensgebung las, dachte ich tatsächlich, das wäre so eine Art Wassertümpel an dem sich häufig Zebras versammeln, ähnlich wie ein Hippo-Pool. Aber der Name täuscht: Er ist eine Anlehnung an die uniformierten Savannen-Läufer, also an die Streifen, die durch verschiedene Gesteinsschichten entstehen.
Er ist ein natürliches Felsenbecken, das sich mit Regenwasser füllt- was ihn zu einer temporären Kneip-Oase mitten im Granitgestein macht. Im Moment hätten wir gute Karten zum Wasserstampfen. Die Tauchmöglichkeiten im Becken wären heute für eine Runde Aquagymnastik ausreichend.
Vom Parkplatz aus ist er nicht zu sehen. Wir müssen ein bisschen den Felsen hochkraxeln. Was angesichts seiner ebenen Oberfläche gar nicht so einfach für mich ist. Ich kann mich nirgends festhalten und habe Sorge, mit meinen Sneakern abzurutschen. Ein Wanderschuh wäre hier die bessere Wahl. Zu meinem Glück geht es weder weit noch steil nach oben.
Das Wetter lädt heute nicht unbedingt zum Baden ein. Der Himmel ist bedeckt und der Wind würde einen Perückenträger skalpieren. Kalt ist es ebenfalls. Auch wenn die Badewanne im Moment gut gefüllt ist, wird sie heute wohl keine Einladungskarte los.
Zum Sonnenaufgang zieht es uns weiter zum Rock Arch – dem Felsenbogen. Den Zugang durch eine schmale Felsspalte hätten wir allein wahrscheinlich nicht gefunden. Wie schon beim Zebra-Pool habe ich auch hier keinen sicheren Tritt und fühle mich beim Hochkraxeln um Jahre gealtert. Schluchz… es war einmal…
Ich staune umso mehr, wenn ich mir ansehe, welche Outfits die jungen Mädchen tragen: langes Kleidchen – vom Winde verweht – fürs Fotoshooting und Flip-Flops. Ich würde sogar barfuß abrutschen. Wie schaffen die es mit ihren Zehenlappen da hoch?
Meine Vermutung verstärkt sich: das liebe Alter… Schluchz… Schluchz… aber wenn ich mich beeile, schaffe ich den Aufstieg auch noch vor Sonnenuntergang.
Aber an dieser Stelle muss ich mal eine Erklärung zu meiner Dappigkeit loswerden. Ich hatte vor Jahren einen Bandscheibenvorfall der zu spät operiert wurde. Seither habe ich eine Gefühlsstörung in einem Bein. In den ersten Jahren danach hat sich das im normalen Alltag kaum bemerkbar gemacht. Aber mit zunehmendem Alter verstärkt sich diese Störung insofern, dass ich deutlich öfter umknicke oder stolpere, weil ich mein Bein nicht hoch genug anhebe und es nicht merke. So - das ist ein bisschen Selbstverteidigung für mein Ego 😄
Leider sind locker schon 15 Leute schneller hier gewesen als wir. Der Bogen wird dauerhaft von einem Pärchen besetzt, sodass ich im schönsten Licht kein Foto ohne menschliches Portrait machen kann.
Tapfer kämpfe ich mich bis nach oben – ohne darüber nachzudenken, dass ich auch wieder hinuntermuss. Uwe läuft voraus, um mir seine Hand zu reichen und mir Sicherheit zu geben. Ich glaube, er sieht mich mehr als einmal abrutschen und sich innerlich von mir verabschieden. Ganz oben angekommen, bietet uns die Mitarbeiterin der Lodge an, den Fotografen für uns zu spielen. Der Wind ist der Meinung, ich brauche ein neues Haarstyling. Schön sieht anders aus – aber ich habe immerhin ein Beweisfoto, dass ich wirklich da war.
Dann holt mich die Verdrängung mit voller Wucht ein: Ich muss ja auch wieder irgendwie da runter. Ich überlege. Auf dem Hintern rutschen? Dann habe ich, unten angekommen, keinen Hosenboden mehr übrig. Geradeaus? Geht schon mal gar nicht. Uwe bietet an, vorzugehen und mir seine Hand zu reichen – ich probiere es. Fühlt sich schrecklich an. Nein, Nein, Nein...das geht gar nicht. Rückwärts im Vierfüßler? Noch peinlicher als alles, was mich ohnehin schon in Schamesröte taucht. Seitlich scheint die beste Option zu sein. In der Hoffnung, niemanden der hier Anwesenden je wieder zu sehen. Der Abstieg wird mir Alpträume bereiten.
Hurra, ich bin unten. Kein Knie verdreht, kein Knöchel verknackt – nur der Schmerz der Blamage hängt noch an mir. Aber auch der wird vergehen. Vielleicht braucht es noch zwei Nächte mit Alpträumen, dann lasse ich dieses Trauma hinter mir. Fortsetzung folgt
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202330. Juli 2025 ·
Fortsetzung 18. Mai
Wieder platzieren wir uns im Jeep. Und je mehr wir den Rock Arche hinter uns lassen, desto mehr finde ich zurück zu meinem emotionalen Gleichgewicht. Dass mich die Mitarbeiterin auch gesehen hat, wird verdrängt. Das kann ich.
Wir halten erneut. Zwei aneinander gelehnte Felsen bilden eine Spalte, die wie der Eingang zu einer Höhle wirkt. Ein einzelner Baum steht davor und wirkt wie ein Hinweisschild, das andeutet: Hier geht es rein. Einige Felsbrocken liegen verstreut im Zutrittsbereich. Dieses Bild hat eine leicht mystische Anmutung. In einem Film könnte dies das Portal zu einem geheimen Tempel darstellen.
Hier soll die goldene Schlange verborgen sein. Huuuhhh, Klingt fast nach einer Schatzsuche in einem verborgenen Heiligtum, oder? Ein bisschen Indiana-Jones-Feeling liegt in der Luft.
Es ist dunkel, unsere Augen brauchen einen Moment, um sich anzupassen. Ich hoffe, hier hat sich keine lebendige Schlange häuslich eingerichtet.
Wir quetschen uns durch schmale Gänge. Eine Spalte wird von zwei Felsblöcken blockiert, die aussehen wie eine umgekippte Figur. Wir steigen über Steine und Baumwurzeln und achten darauf, nicht zu stolpern. Umfallen wäre aber in diesen Felsspalten sowieso kaum möglich.
Wir laufen nur ein paar Schritte, dann bleibt unsere Reiseführerin stehen und zeigt auf eine Wandbemalung: eine große Schlange. Jaaa, die sehe ich auf Anhieb. Warum sie als „golden“ bezeichnet wird, bleibt ein Rätsel. Vielleicht leuchtet sie je nach Lichteinfall golden.
Wir warten auf die Geschichte… und warten… und warten. Dann kommt der Schlusssatz: Der Künstler wollte zeigen, dass es hier unterschiedlich gefährliche Schlangen gab. Ahhhh...
Das war’s. Mehr als diesen einen Satz hören wir nicht. Kurz. Prägnant. Auf den Punkt. Tja, es braucht eben nicht jeder so viele Worte wie ich.
Wegen mir muss das hier auch nicht künstlich in die Länge gezogen werden. Dann auf zum Frühstück.
In Bezug auf die Naturkulisse finde ich den Drive sehr schön. Der kulturelle Hintergrund war für uns jetzt nicht sooo spannend. Bei einem Aufenthalt von zwei Nächten ist die Tour wie bereits erwähnt, inkludiert. Sie kann auch separat gebucht werden. Dann kostet sie pro Person ca. 15€. Mir wäre der Drive das Geld nicht wert gewesen. Den Rock Arche und den Zebra Pool kann man auch in Eigenregie besuchen und die Felsmalereien…naja, wenn sich jemand richtig dafür begeistern kann, warum nicht. Der Drive dauert in etwa zwei Stunden.
Nach unserer Rückkehr zur Lodge zieht es uns schnurstracks zum Restaurant. Auf zur Frühstücksmission. Wir sind die einzigen Gäste. Wir wählen den Logen-Platz am Fenster und haben Frühstück mit Aussicht.
Während wir unsere Mission erfüllen und das Angebot des Buffets dezimieren, wird uns Vogelkino geboten. Der Pool wird gerade gereinigt. Wir beobachten, wie einige Vögel im Flug versuchen ihre Snacks zu fangen. Andere sind schlauer, sie warten bis der Pool-Reiniger sein Netz auf dem Stein ausklopft. Dann stürzen sie sich auf die Wasserleichen. Schlaue Kerlchen, eingeweichte Insekten sind bestimmt schön saftig.
Angesichts der Entfernung zum Chalet schalten wir in den Energiesparmodus und planen taktisch. Unser Häuschen liegt ja sozusagen im „Funkloch“, weshalb wir unser Basislager auf die Liegestühle am Pool verlegen. Hier gibt es WLAN. Wir lassen es uns in der mittlerweile warmen Sonne gutgehen, lesen, schreiben, chillen und genießen die Ruhe.
Mein Kaffee, gehörte zur Sorte „To Go“. Er schickt mich mehrmals zum Tempel der Erleichterung. Ich nehme die Abkürzung zwischen den Felsen, wo einige Büsche wachsen, die sich verdächtig bewegen. Meine Neugier ist sofort geweckt. Mit suchendem Blick scanne ich das Blattwerk. Da entdecke ich zwischen den Astgabeln mehrere Dassis. Kaum vier Meter von mir entfernt, rund und putzig sehen sie mich mit ihren Knopfaugen an.
Ich bleibe natürlich stehen, nach und nach hüpft eine ganze Kinderstube aus den Felsspalten hervor. Die Tiere lassen sich durch mich nicht stören. Sie spielen und tollen miteinander herum. Ich bin hin und weg. So gerne würde ich Uwe rufen, der nur ein paar Meter weiter auf einem Liegestuhl liegt. Aber ich weiß: Ein Ton und die Show ist vorbei. Also entscheide ich mich fürs stille Genießen.
Während ich das tue, sehe ich im Augenwinkel eine Bewegung und drehe den Kopf. Da huscht eine bildhübsche Siedleragame über den Felsen und bleibt einen Moment sitzen. Gerade lange genug, damit ich ein Foto machen kann, dann macht sie sich aus dem Staub. Der Vormittag entwickelt sich zu einem Energiespar-Buschwalk mit Kleintier-Sichtung. So liebe ich chillen.
Gegen späten Vormittag schlendern wir gemütlich zu unserem Häuschen. Die Terrasse ist perfekt, die Aussicht der absolute Traum. Hier geht die Sattelheuschrecken-Doku weiter.
Auf unserem Solarpanel neben der Terrasse herrscht Heuschrecken-Rushhour. Da gibt es kein vor und kein Zurück mehr. Die müssten doch ein leichtes Fresschen für die Vögel sein. Hängen sie ihnen bei dem Überangebot schon zum Hals raus? Sie könnten bequem aus dem Vollen schöpfen. Oder sind die Portionen einfach zu groß? Der Panzer zu hart? Wir kommen zu dem Schluss: Die Vögel könnten sich auch als Straßenreiniger nützlich machen und die Leichen vom Weg entfernen. Da wäre der Braten direkt schon tranchiert.
Oh weh, ich denke, es ist an der Zeit, dass wir wieder ein bisschen mehr Großwild sehen. Heuschrecken-Feldforschung haben wir inzwischen reichlich betrieben. Ihr müsst aber zugeben, dass sie durchaus krimitauglich wären. Fortsetzung folgt
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202330. Juli 2025 ·
Rest vom 18. Mai
Am Nachmittag meldet sich der kleine Hunger, und ein Kaffee wäre toll. Wir schlendern wieder hoch zum Pool.
Es wurde allerdings noch keine Kaffeestation gerichtet. Wir warten noch eine halbe Stunde – aber da kommt nix, gibt nix. Blöd gelaufen. Für zwei Gäste lohnt der Aufwand wohl nicht.
Okay, dann trinken wir halt einen Cocktail am Pool. Ich bestelle mir eine Piña Colada. Uwe wählt alkoholfrei. In dem Moment, als die Bardame mein Glas auf den Tisch neben meinen Liegestuhl stellen möchte, gerät es in Schräglage, und der halbe Cocktail wird verschüttet. Sie entschuldigt sich, lässt mir das halbe Glas und bringt mir zusätzlich noch einen neuen.
Okay, das sieht jetzt schon ein bisschen nach schwerem Alkoholproblem aus. Als hätte ich mir gleich zwei bestellt. Peinlich… aber peinlich kann ich ja inzwischen. Nach dem halben Glas merke ich schon: Laufen ohne Geländer ist keine gute Idee.
Ein Stündlein später habe ich immer noch Hunger und Lust auf Kaffee. Wir beschließen, uns einen im Chalet zu kochen und im Auto nach den letzten Keksen zu suchen. Die wurden leider schon mehrmals von den schweren Wasserflaschen überrollt und muten jetzt eher wie Streuselkuchen – ohne Kuchen – als wie Kekse an. Aber mit dem Löffel direkt aus der Tüte zu futtern – das wird schon gehen.
Nach unserer Kaffeepause steht mir der Sinn nach einem kleinen Spaziergang. Uwe hat keine Lust. Ich mach mich allein auf den Weg. Die Berge werden langsam in rotgoldenes Licht getaucht, und am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Das ist ein traumhaftes Naturschauspiel. Ich liebe die Landschaft hier sehr. Da geht mir das Herz auf.
Weit entfernt stehen im Feld mehrere Zebras. Sie haben mich fest im Visier. Ich bleibe stehen, versuche ein bisschen näher heranzukommen, damit ich sie mit dem Handy fotografieren kann. Aber ich müsste mich schon sehr nah heranpirschen, und das traue ich mich nicht. Ich möchte keine Ansage von einem Hengst bekommen, der meint, dass ich in seinem Revier nichts zu suchen habe. Also beobachte ich nur – und verzichte auf Beweisfotos.
Sie setzen sich wieder in Bewegung und ich auch – Richtung Heimathafen. Auf unserer Terrasse kann ich sie sogar noch ein paar Minuten beobachten, bevor sie von der Dämmerung verschluckt werden.
Später beim Dinner, das heute deutlich besser schmeckt als gestern, brennt der Himmel förmlich. Die Farben sind der Knaller – sie wirken surreal. Wieder sitzen wir am Fensterplatz von heute Morgen und genießen die Abschiedsvorstellung des Tages.
Kennt ihr das Kinderbuch von Frederick, der kleinen Maus, die Farben für den langen grauen Winter sammelt? Ich würde sagen: Dies hier ist die gelebte Version davon. Diese Eindrücke werde ich mitnehmen – sie tragen mich durch die kommenden Monate, bis ich wieder eine frische Dosis Afrika bekomme.
Ein wunderbarer Rückblick und die Fotos sind echt der Hammer. Nutzt du das neuste IPhone oder welches Handy macht solche tollen Bilder? Ich freue mich schon auf deinen weiteren Bericht! Liebe Grüße Sylvie
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202301. Aug. 2025 ·
Liebe Sylvie, vielen herzlichen Dank für dein tolles Lob und die Anerkennung die du mir damit schenkst. Ich habe das Samsung Galaxy 24 Ultra. Liebe Grüße zurück und ein schönes Wochenende, Silvia
Lotusblume1’944 Beiträge · seit 200901. Aug. 2025 ·
Hallo Nacho, zwischendurch mal ein geschriebenes DANKE für diesen tollen Reisebericht!
Wir waren nun schon öfter in Namibia zu verschiedenen Jahreszeiten, aber eine Sattelheuschrecke haben wir, denke ich, noch nie gesehen jedenfalls nicht in solchen Massen (muss aber auch nicht sein).
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202301. Aug. 2025 ·
Hallo liebe Lotusblume, Hab ganz herzlichen Dank für deine lieben Worte, die natürlich auch eine Motivationsspritze sind. Da bekomme ich augenblicklich Schreibfinger- Zuckungen 🤩 Die Sattelheuschrecken sind glaube ich der Jahreszeit zuzuschreiben. Ich könnte jetzt mit meiner Feld- und Wiesenforschung vermutlich eine Doktorarbeit über die Krabbler schreiben.
Wenn es nix großes an Tieren zu sehen gibt, muss man halt nehmen was man kriegt 🙂 . Interressant sind sie allemal, halt anders als ein süßes Löwenbaby.
Ah, falls es noch niemand bemerkt hat: Diese einzelne Heuschrecke auf dem Foto, ist ein Kriegsveteran. Sie humpelt auf einem halben Bein weniger durchs Leben. War vielleicht auch ins Insektenmassaker verwickelt.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202303. Aug. 2025 ·
19. Mai
Es ist immer schwierig, schon am Vortag zu entscheiden, wann man frühstücken möchte. Wir haben uns auf 8.00 Uhr angemeldet, sind aber schon beim ersten Morgengrauen wach. Die Zeit nutzen wir, um unsere Pferde zu satteln, und dann nehmen wir einen ersten Kaffee auf unserer Terrasse.
Hinter den Bergen bricht der Morgen an, und das Licht schleicht langsam über die Gipfel. Es ist sooo eine grandiose Atmosphäre: Stille, Weite, lauschige Temperaturen, Uwe neben mir – und ein Herz voller Dankbarkeit und Zufriedenheit. Ich wünschte, jeder Tag meines Lebens könnte so beginnen.
Auch der morgendliche Spaziergang zum Restaurant gefällt mir. Ich bin wirklich froh über die Distanz, die wir zwischen Chalet und Restaurant haben, zumindest in den kühleren Morgen – und Abendstunden. Die Bewegung tut gut, und die felsige Umgebung ist märchenhaft schön. Es fehlt nur noch, dass ein Droll zwischen den Steinen sitzt – oder ein Dassie.
Im Restaurant ist der schöne Fensterplatz noch frei, aber das ändern wir sofort und gründen unsere kleine Frühstücks-Niederlassung. Am Buffet gibt es alles, was wir gerne haben.
Während wir unseren Kaffee genießen, beginnt draußen das morgendliche Naturschauspiel. Vögel flattern geschäftig umher – jeder damit beschäftigt, an seiner Umfangsoptimierung zu arbeiten. Manche schnappen im Flug nach Schnarrheuschrecken. Die halten wir im ersten Moment wegen ihrer roten Flügel sogar für Schmetterlinge. Aber nein – wenn sie sich absetzen, verrät ihr Aussehen, welches einem Stück Baumrinde ähnelt, dass sie nur bluffen und in Wahrheit eben doch nur Heuschrecken sind.
Natürlich beobachten wir auch heute wieder die Flattermänner im Energiesparmodus, die das Netz des Poolreinigers hypnotisieren und auf saftige Wasserleichen warten.
Wer eine Heuschrecke oder ein anderes Insekt erfolgreich in seinen Fängen hat, muss sofort einige Kollegen abwehren, die ihm seinen Gaumenschmaus streitig machen möchten. Ein kleiner Vogel muss sich sogar mit einer großen Sattelheuschrecke anlegen, um seine Beute nicht zu verlieren. Ist das zu fassen?
In den Felsspalten turnt bereits der Dassie-Kindergarten herum. Die kleinen Fellnasen klettern über die Steine, kullern übereinander und schnuppern neugierig in jede Ritze. Früh übt sich, wer später im Leben die Überlebens-Tricks draufhaben will…
Ihnen bei ihren akrobatischen Übungen zuzusehen, lässt mein Herz Purzelbäume schlagen. Unsere Frühstückszeit gestaltet sich wieder einmal äußerst unterhaltsam. Freu, Freu!
Danach heißt es Check out. Koffer verstaut, Schlüssel abgegeben – auf zum Teyfelsfontein Adventure Camp! Wir hoffen auf ein Rendezvous mit den legendären Wüstenelefanten. Ein bisschen majestätische Präsenz um die Heuschreckenepisode hinter uns zu lassen, wäre wünschenswert. Uns gelüstet es jetzt große Tiere zu sehen.
Die D1930 zieht sich wie ein staubiges Band aus Schotter vorbei an traumhaft schönen Landstrichen. Melonen gibt es hier auch. Ich staune. Sie wachsen einfach am Straßenrand. Mir scheint, wir sind irgendwo versehentlich auf die Melones-Avenue abgebogen.
Irgendwann sind wir auf der C35. Sie besteht den Tauglichkeitstest nicht wirklich. Ihr Zustand ist weitläufig in sehr schlechtem Zustand. Hier ist die Fullbody-Massage mit Schütteltrauma wieder inklusive.
Entlang der Straße reihen sich erstaunlich viele „Shopping-Center“ – einfache Holzverschläge, in denen Steine, Feuerholz oder Herero-Kleidung angeboten werden. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Kleidung tatsächlich zum Verkauf steht oder ein modernes Firmenlogo darstellen soll, um Aufmerksamkeit zu erregen. Falls Letzteres zutrifft: Bingo. Es funktioniert hervorragend.
Kinder wie Erwachsene laufen uns vors Auto, um uns zum Anhalten zu bewegen. Wir hupen vorsichtig und rollen mit geschlossenen Fenstern im Schritttempo weiter. Kurz stelle ich mir vor, wie ich wohl in einem Herero-Kleidchen aussehe – und habe sofort das Bild eines Sofakissens auf zwei Beinen vor Augen
Zum Leidwesen der arbeitenden Bevölkerung hier haben wir keinen Bedarf an Steinen oder Feuerholz. An vielen Ständen winken uns Kinder mit Wasserflaschen – bettelnd oder auffordernd. Mir tut es in der Seele weh zu sehen, wie sehr sich diese Menschen trotz verschwindend geringer Aussichten um ein Einkommen bemühen, während wir einfach vorbeifahren.
Einige Himba- und Herero-Frauen haben sich zusammengeschlossen. Die Herero-Frauen verbeugen sich regelrecht vor uns, während die Himba mit stolzer Präsenz und Leidenschaft tanzen. Sie haben sich hübsch hergerichtet. Ich frage mich, ob sie hoffen, gegen eine Spende fotografiert zu werden. Das wäre ja durchaus eine gute Business-Idee. Ich würde mich tatsächlich freuen, Fotos von Himba und Herero in ihrer traditionellen Tracht zu haben.
Aber wir zögern. Wir haben Sorge, dass plötzlich von überall Menschen angelaufen kommen könnten – mit Ware, mit Bitten, mit Forderungen. Wir wissen nicht, was uns erwartet, wenn wir anhalten, aussteigen und nach Fotos fragen. Und irgendwie habe ich persönlich auch Hemmungen, sie um ein Fotoshooting zu bitten. Vielleicht denke ich da zu europäisch. Ich stelle mir vor, wie ich mich fühlen würde, wenn mich ein Tourist aus Asien bitten würde, für ein Foto zu posieren – einfach so, mitten auf der Straße.
Wir können mit solchen Situationen nicht umgehen. Also vermeiden wir die Konfrontation und fahren weiter – im Schlepptau ein schlechtes Gewissen, weil die Menschen auch nur versuchen zu überleben, und das Bedauern, kein Foto von einer schönen Himba- oder Herero-Frau zu haben.
Dann lenkt mich meine eigene Realität wieder ab. Unsere heutige Strecke ist märchenhaft schön – wie gemalt. Bis hinauf zu den Gipfeln der Erongo-Hügel wachsen Gräser, Blumen, Büsche und Bäume. Wir überqueren den Huab und andere Trockenflüsse, deren Sandbetten immer noch feucht sind. Die Natur darf nach den Dürrejahren endlich wieder durchatmen.
Plötzlich taucht ein Elefant am Flussufer auf. Direkt am Straßenrand zeigt er sein Seitenprofil er macht keine Anstalten sich zu bewegen, während wir langsam näherkommen…Wenn auch nur auf einem Verkehrsschild. Haaa – reingefallen. 🤩 🤩
Nach gut vier Stunden Panoramafahrt inklusive kostenloser Rüttelmassage auf der Landstraße erreichen wir das Camp. Der Zufahrtsweg führt direkt an den Zelten vorbei – und wir hoffen inständig, dass das hier die Economy-Klasse ist. Wir haben zum Glück Premium gebucht. Diese hier erinnern eher an eine Villa mit eigener Autobahnauffahrt als an ein abgeschiedenes Hideaway.
Beim Check-in ist man darum bemüht, nicht allzu überschwänglich herzlich aufzutreten. Dafür dürfen wir direkt unsere Premium-Residenz beziehen, die sich – Trommelwirbel – gleich an zweiter Stelle neben der Küche und dem Restaurant befindet. Wir haben schließlich Premiumklasse gebucht. Da wollte man uns sicher keine allzu weiten Wege zumuten. So fürsorglich! Wir sind hier garantiert, mitten im Geschehen, und werden nichts verpassen.
Jeder Fußgänger und jedes Fahrzeug müssen an unserem Zelt vorbei, und der Kies unter den Rädern oder Sohlen, knirscht verräterisch. Sollte etwas interessantes passieren - ich werde es mitbekommen! Die Zelte stehen so dicht beieinander, dass wir bei offenen Rollos bequem den Tagesablauf unserer Nachbarn dokumentieren könnten – nicht neugierig versteht sich, nur... gut informiert.
Die Koffer müssen wir auch nicht weit schleppen, denn der Parkplatz befindet sich direkt vor unserem Treppenaufgang. Perfekt, wenn wir auf der Terrasse sitzend das Fahrzeug bewachen möchten.
Beim Öffnen der Zelt Tür überrollt uns eine Hitzewelle wie aus dem Backofen. Das ist im ersten Moment wahrlich atemberaubend. Wir reißen die Rollos auf und sorgen für Durchzug. Das funktioniert sogar besser als erwartet.
Die Inneneinrichtung hat aber wahrlich Wow Effekt. Es ist sehr stylisch eingerichtet und schön geräumig. Die Dusche punktet auch. Sie ist groß und hat einen guten Wasserdruck. Hier drin gibt es nichts zu meckern. Jetzt wo das Zelt belüftet wird, akklimatisiert es sich auch.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202303. Aug. 2025 ·
jekabemu schrieb:Hallo Nacho,
auch von mir mal ein herzliches Dankeschön für den tollen Reisebericht. Nicht nur schöne Fotos sondern auch sehr unterhaltsam geschrieben.
Schöne Grüße an das Sofakissen auf zwei Beinen 😄
LG Jens
Grüß dich Jens, vielen herzlichen Dank für dein großes Lob und die Wertschätzung. Das ist ein Zuckerbonbon für mein Ego 🤩 Liebe Grüße und einen schönen restlichen Tag, Silvia
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202304. Aug. 2025 ·
Immer noch 19. Mai
Heute unternehmen wir nichts mehr. Die Hitze bringt uns um. Bloß nicht bewegen.
Wir wissen: Oben auf dem Berg hinter dem Restaurant gibt es eine Bar mit spektakulärer Aussicht – ideal, um den Sundowner zu zelebrieren. Das ist für diesen Tag der letzte Kraftakt, zu dem wir bereit sind – sofern die Temperaturen rechtzeitig auf ein Niveau sinken, das uns nicht weiter flambieren möchte und uns erlaubt, wieder ohne Lungenröstung zu atmen.
Aber jetzt ruft erst einmal eine erfrischende Dusche. Dann sind wir bereit das kulinarische Niemandsland zwischen Frühstück und Dinner zu überbrücken und uns im Restaurant an der Kaffeestation mit Kaffee und Kuchen zu bedienen. Doch statt Kuchen, wird Gobi-Keks angeboten – Staubt schon beim Hingucken. Na gut, dann halt nur Kaffee. Obwohl…irgendeine Alternative wäre schon nicht schlecht.
Während ich gedanklich den Konditor besuche, wird am Nebentisch eine Portion Eis serviert. Ohhh – das inspiriert mich doch zur Nachahmung. Wir fackeln nicht lange: und plädieren für Gleichbehandlung. Für uns bitte dasselbe. Da spüre ich doch gleich wie die Glückshormone durch meinem Körper tanzen. Denn kaum hingesetzt, sind wir schon reif für die nächste Dusche. Der Aggregatzustand tendiert eindeutig Richtung Dampfwolke. Abkühlung von innen ist wünschenswert.
Manchmal streicht uns ein sanftes Lüftchen über die Haut, mehr eingebildet als real. Doch nach einem Viertel Stündlein wird es aufbrausend. Es mutiert förmlich zu einem Sturm. Innerhalb von wenigen Minuten kühlt das Klima ab und erreicht Wohlfühltemperatur. Wow, eine natürliche Klimaanlage wie auf Bestellung.
Eis genießen, Leute beobachten – das verleiht manchem Urlaubstag eine unterhaltsame Würze. An der Rezeption entfaltet sich eine kleine Szene: Zwei Männer möchten einchecken, doch ihre Reiseagentur hat offenbar ein Kommunikations-Desaster angerichtet. Völlig außer sich reagieren sie auf die Zuweisung eines Zeltes – eine Option, die sie kategorisch ausgeschlossen hatten. Schon die bloße Vorstellung, in einem Zelt zu übernachten, überfordert sie sichtlich.
Während der Mitarbeiter an der Rezeption seine Ratlosigkeit mit bemerkenswerter Gelassenheit zelebriert, telefoniert einer der Gäste hitzig mit der Agentur. Doch der wortreiche Schlagabtausch führt zu keiner Lösung: Hier gibt es keine Alternativen, und für eine Weiterreise ist es mittlerweile zu spät. Widerwillig stimmen sie einer Übernachtung zu – für eine Nacht, mehr ist nicht drin.
Der Rezeptionist sieht zufrieden aus. Auf seiner Stirn steht geschrieben: „Hätte ich dir gleich sagen können, aber wenn du auf Theater stehst…“
Die beiden Männer ziehen unsere Aufmerksamkeit weiter an. Nicht weit von uns sitzt ein junges Pärchen. Zwischen den Männern und den beiden entsteht ein Gespräch. Daraus entwickelt sich eine Anhänglichkeit, die keine Menschenseele auf diesem Planeten haben möchte.
Einer von ihnen textet die beiden so penetrant zu, dass selbst wir uns eine extra Portion geräuschdämmenden Ohrenschmalz wünschen. Ganz offensichtlich gehört er zur Vereinigung diplomierter Besserwisser. Ihm ist sehr daran gelegen, dass sich die beiden für seine Urlaubsgeschichten und Fotos rund um den Globus interessieren -für seine Heldentaten und sein beeindruckendes Wissen. Bei manchen seiner Behauptungen haut es mir schier den Nuckel raus.
Die beiden hilflosen jungen Leute sind viel zu nett, um das Gespräch unmissverständlich zu beenden. Wir hören mehrmals subtile Hinweise à la:, „Danke, fühl dich frei, auch andere Leute kennenzulernen.“
Doch auf dem Ohr hört der Mann nichts. Uns wird das Ganze bald zu viel. Wir ziehen uns zurück - nicht, dass er die Botschaft doch noch deschiffriert und womöglich uns seine ungeteilte Aufmerksamkeit zuteilwerden lässt.
Am frühen Abend nehmen wir die Felsentreppe zum Aussichtsspot in Angriff. Ich muss meinen altbewährten Trick anwenden und aus der erhöhten Position ein paar Fotos machen, bis ich wieder auf menschliche Atemfrequenz komme. Auf halber Höhe habe ich einen tollen Blick auf den Pool und das Restaurant, wo die Mitarbeiter bereits den Grill anfeuern.
Keuchend erreiche ich das Plateau. Endlich geschafft – Neeein, doch noch nicht. Der Weg windet sich um einen letzten Felsen, bevor ich tatsächlich oben bin. Aber was für eine Belohnung? Die Aussicht ist fantastisch, der Himmel gießt bereits sein Honigtöpfchen über die Berge und Landschaften.
In Blickrichtung des Sonnenuntergangs warten einladende Stühle auf uns. Mit einer berauschenden Aussicht habe ich gerechnet, aber nicht mit dem Komfort auf einem Stuhl sitzen zu können- bin einigermaßen begeistert. Ich lasse mich nicht lange bitten und plumpse auf einen der Stühle. Uwe holt uns kühle Getränke und nach und nach finden auch die anderen Stühle einen dankbaren Abnehmer. Wer keinen mehr ergattern kann, setzt sich auf einen Felsen, was ja auch passend für einen Sundowner ist.
Die Szene ist perfekt. Wir haben einen weiten Blick ins Tal und auf die dahinter liegenden Berge. Die Gäste sitzen verteilt auf Stühlen, auf Felsen, mit Gläsern und ihrer Kamera in der Hand. Es wird geschwiegen oder geflüstert, so dass wir die Abendmusik der Vögel hören können. Auch das junge Pärchen hat den Aufstieg auf sich genommen und genießt seine Zweisamkeit auf einem Felsen sitzend.
Doch dann wird die Stille jäh von einer Stimme unterbrochen, die wir heute schon ausgiebig gehört haben. Ja – Mr. diplomierter Besserwisser mit seinem Organ wie ein Lautsprecher hat den Gipfel ebenfalls bestiegen. Er entdeckt das Pärchen. Die Möglichkeit, dass sich die jungen Leute vielleicht nicht in unaussprechlichen Maße über seine Gesellschaft freuen, liegt außerhalb seiner Vorstellungskraft. Ihre bloße Anwesenheit wird als Einladung interpretiert, sich neben sie zu setzen und sie wieder an seinen unerschöpflichen Weisheiten teilhaben zu lassen.
Vorbei ist es mit Stille und Vogelgezwitscher. Ich habe das Gefühl, selbst die Sonne verabschiedet sich heute ein paar Minuten früher. Mit dem letzten Licht schiebt sich die Menschentraube langsam Richtung Felsentreppe zurück. Runter geht es deutlich schneller als rauf.
Im Restaurant sind schon einige Gäste am Essen und auch wir suchen uns direkt einen Tisch. Ich muss nicht erwähnen, dass unser bemitleidenswertes Pärchen ihre Urlaubsbekanntschaft auch beim Essen nicht loswird.
Der Geräuschpegel ist hier deutlich höher als oben auf dem Felsen, weshalb wir die Stimme des „Lautsprechers“ ganz gut ausblenden können.
An der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass wir die Huab-Elefanten-Tour heute Abend beim Guide buchen können. Er käme zu den Tischen. Ja, wir sehen ihn, aber er wird von einem Paar sicher zwanzig Minuten in ein Gespräch verwickelt und bevor er an unserem Tisch ankommt, sind noch andere vor uns dran. Wir warten eine dreiviertel Stunde, bis er endlich bei uns ist. Dann buchen die Tour und können uns endlich mit der nötigen Bettschwere in unser Zelt zurückziehen.
Leider hören wir von jedem Fußgänger das Knirschen des Kieses unter seinen Schuhen. Manche Gäste, die am Ende der Zeltreihe logieren, sind sogar die paar Zentimeter mit dem Auto gefahren. Das hören wir natürlich auch. Genauso wie die Gespräche der letzten Mitarbeiter und als diese dann ebenfalls Feierabend haben und wegfahren. Mit dem Wunsch, morgen lebendige Elefanten zu sehen, schlafen wir heute zur Open-Air-Inszenierung der kleinen Nachtmusik ein – in Besetzung: Schuhsohlen, Autoreifen und Feierabendgespräche.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202307. Aug. 2025 ·
19. mai Tut mir sehr leid, aber für den ersten Abschnitt hab ich keine Fotos.
Die Nacht war ziemlich „freshly“ – im wahrsten Sinne. Kaum hebe ich die Bettdecke an, bekomme ich augenblicklich so etwas wie Gefrierbrand. Es ist saukalt. Wenn ich schon beim Aufstehen friere, ist meine Laune bereits am Nullpunkt, bevor überhaupt etwas Blödes passieren kann.
In Rekordgeschwindigkeit bin ich angezogen – und zwar mit allem, was irgendwie Wärme verspricht. Heute ist definitiv Mantelwetter. Uwe, der sonst eher zur Kühlhausfraktion zählt, greift ebenfalls zu langen Hosen und dicker Jacke. Kaum zu glauben, dass uns gestern noch bei 38 Grad die Schwarte gegrillt wurde. Jetzt ist es sieben Uhr morgens, und die Wetter-App zeigt 13 Grad und damit 25 weniger als gestern Nachmittag. Ein Blick in den Himmel verrät: Heute ist eher mit Wintereinbruch als mit Frühlingsanfang zu rechnen.
Die Aussicht auf eine Fahrt im offenen Wagen – plus noch ein paar Grad weniger durch den Fahrtwind – lässt meine Vorfreude auf den Huab-Elefanten-Ausflug rapide schrumpfen. Bei der Vorstellung, einen halben Tag lang mit klappernten Zähnen unterwegs zu sein, würde ich die Tour am liebsten canceln. Aber wir sind ja überhaupt nur wegen dieser Tour hier. Und im Zelt ist es auch arschkalt. Hier gibt es nirgends die Möglichkeit sich aufzuwärmen.
Wobei, wenn der Ventilator die Luft verwirbelt, müsste sie sich doch durch Reibung aufwärmen, oder? Dann könnten wir quasi die Heizung einschalten. Träumen darf man ja wohl noch.
Wir laufen ein bisschen schneller als sonst zum Frühstück. Ich setze auf Wärme von innen und hole mir einen heißen Kaffee.
Im Restaurant traue ich meinen Augen kaum: Mindestens drei, vielleicht sogar vier Leute tragen kurze Hosen. Ich, eingemummelt wie auf einer Arktisexpedition, komme mir plötzlich leicht overdressed vor. Einige Blicke sprechen Bände. Aber auch wenn sie mich für bekloppt halten. Ich gebe keine einzige Schicht her.
Wir haben noch ein paar Minuten bis zur Abfahrt und suchen noch mal die Villeroy und Poch Abteilung in unserem Zelt auf. Beide Fahrzeuge sind bereits startklar und soweit wir das mitbekommen haben, werden beide voll besetzt sein.
Wir erkennen schon von Weitem Herrn diplomierten Besserwisser wie er dabei ist einem Guide ein Ohr abzukauen. Okay, offensichtlich fährt er im vorderen Jeep mit. Das bedeutet, dass unsere Füße automatisch den Weg zum zweiten Fahrzeug nehmen. Das junge Pärchen kommt kurz nach uns und wird noch nicht von ihrer Urlaubsbekanntschaft registriert. Wir winken ihnen zu und geben ihnen zu verstehen, dass in unserem Fahrzeug noch zwei Plätze frei sind. Sie nehmen unseren Hinweis dankbar an und klettern zu uns in den Wagen. Aber just in dem Moment, als sie sich setzen wollen, kommt unser Guide und zitiert sie wieder raus. Sie wurden in die andere Gruppe eingeteilt.
Wie zwei Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank, liefern sie sich wieder ihrem Ohrenkiller aus. Die Zwei tun mir echt leid. Sie erzählten uns, dass dieses Camp eigentlich nicht in ihrem Budget liegt und dass es eine Ausnahme ist. Oh weh, und dann gleich an beiden Tagen so ein Belästigungs-Desaster. Das ist echt bitter.
Bevor wir losfahren, holt uns Phillip unser Guide, noch warme Ponchos für alle. Ein paar Kurzhosenträger steigen noch mal aus und wechseln schnell die Hosen. Auch wenn es maßlos übertrieben aussieht und Uwe mich auslacht: Ich zieh den Poncho von Phillip noch über meinen Mantel. Außerdem trage ich Mütze, Schal und Handschuhe. So, jetzt kann es losgehen. Damit sind meine letzten Bedenken unterwegs erfrieren zu können, beseitigt. Die Kälte kann mich mal.
Um 8.00 Uhr starten wir. Unser Guide biegt ab und nimmt einen Feldweg unter die Räder. Nach etwa zwanzig Minuten entdecken wir eine große Herde Springböcke. Einige haben es sich im Gras gemütlich gemacht. Wir sehen nur ihre gehörnten Köpfe.
Der Himmel zeigt sich zwar in depressiver Stimmung, aber die Landschaft sieht dennoch malerisch aus. Das Flussufer des Huab ist dicht mit Büschen und Bäumen bewachsen. Phillip und der andere Guide suchen eine Stelle, an der sie die Böschung runter ins Flussbett fahren können.
Die beiden Männer steigen mehrmals aus, werfen einen Blick über die Uferkante und müssen zugeben, dass ein Versuch da runterzukommen, ein halsbrecherischer Akt wäre. Ein kurzer Blick genügt und sagt mehr als tausend Worte. Also wieder rein ins Auto und auf zur nächsten Sackgasse.
Dieses Spiel wiederholt sich mehrmals. Irgendwann scheinen sie der Böschung eine Chance geben zu wollen. Phillip klettert runter, räumt ein bisschen Schwemmholz beiseite, und gibt dem anderen Fahrer Anweisung wo und wie er fahren soll. Schon beim Zusehen stockt uns der Atem. Ob das gut geht? Natürlich tut es das. Die beiden fahren die Tour nicht zum ersten Mal und wissen was geht und was nicht. Aber für fühlt es sich dramatisch an.
Jetzt sind wir dran. Phillip wird vom anderen Guide gelenkt. Es rumpelt und kracht, Zweige und Steine schlagen gegen den Unterboden. Wir krallen uns an den Handläufen fest, damit es uns nicht aus dem Jeep katapultiert. Die Fahrzeuge werden ordentlich auf Herz und Nieren geprüft. Schließlich stehen beide Jeeps im noch feuchten Flussbett – eine reife Leistung von den beiden.
Nun fahren wir voraus. Spuren von Fahrzeugen ziehen sich durch den Sand. Manchmal gehen Seitenarme vom Hauptfluss ab oder eine Bauminsel teilt den Fluss für einige Meter. Steine liegen im Flussbett, Schwemmholz und manchmal ganze entwurzelte Baumstämme. Wollte man so eine Naturszene nachahmen, könnte man sie nicht schöner ins Bild setzen. Das sieht wahrlich märchenhaft aus.
Ich suche permanent das Gebüsch ab, immer in der Erwartung ein paar braune Ohren zu entdecken oder dass ein Elefant hinter einem Baum hervorkommt. Das ist aufregend und spannend. Aber was, wenn tatsächlich einer plötzlich vor uns auftaucht und der Meinung ist, dass wir hier nichts verloren haben? Ausweichen wäre unmöglich, bestenfalls Rückwärtsfahren aber rückwärts die Böschung hoch? Ausgeschlossen! Das macht diese Fahrt sehr abenteuerlich und spannend.
Vor lauter Schauen und Suchen merke ich gar nicht, dass unser Begleitfahrzeug irgendwo in einen Seitenarm abbiegt. Oder sind wir abgebogen? Ich weiß es nicht. Jedenfalls sind wir jetzt allein und das macht alles noch ein Ticken schöner.
Wir suchen nach frischen Elefanten-Spuren – und dazu eignet sich Dung ganz hervorragend. Denn wenn der Pub noch ein Dämpferl hat, ist der Eli nicht weit. Leider dampfen die Haufen, die wir finden, nicht mehr.
Bei dieser Gelegenheit bekommen wir gleich noch ein bisschen Unterricht in Dung-Kunde: Er kann zum Beispiel abgefackelt werden und der Rauch gegen diverse Beschwerden inhaliert.
Ich denke aber nicht, dass man diese Hinterlassenschaften außer Landes schmuggeln muss, um sich bei diversen Zipperlein zu behelfen. Hier in der Pampa ist es allerdings durchaus ein Naturheilmittel – apothekenfrei erhältlich und kostenlos. Wegen Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Guide.
Vor einer Bauminsel sind gerade einige Frankoline emsig dabei, einen auf Sherlock Holmes zu machen. Phillip erklärt uns: Sie stochern im Eli-Müsli herum, auf der Suche nach Samen und Kürbiskernen. Dazu hauen sie ihre Schnäbel in ihr Fundstück und zerpflücken es in einzelne Bestandteile.
Frei von Berührungsängsten hebt Phillip einen trockenen Haufen auf und bricht ihn auseinander, um einige Samen herauszuziehen, und seine Aussagen zu beweisen. Uwe und ich beschließen, dass wir ihm am Ende der Tour nicht die Hand schütteln werden.
Einige Helmperlhühner sind auch im Flussbett unterwegs und wie immer rennen sie wie gestört und laut gackernd vor unserem Auto her – anstatt einfach zur Seite abzubiegen. Das sind einfach keine Querdenker!
Melanie1982725 Beiträge · seit 202307. Aug. 2025 ·
Hi Silvia!
Jetzt bin ich aber richtig gespannt, ob bzw. wann ihr die Elis findet! Wir werden in etwas mehr als 3 Wochen auch auf die Suche nach ihnen gehen. Von der Brandberg White Lady Lodge aus. Darauf freue ich mich sehr! Und wie gut, dass du Mütze, Schal und Handschuhe erwähnst. Darf ich nicht vergessen, einzupacken. Thermounterwäsche wurde heute gekauft 🙂
Mir tut dieses arme Pärchen sehr leid. Da möchte man einfach nur in Ruhe diese tolle Landschaft genießen und dann hat man so eine üble Urlaubsbekanntschaft an der Backe. Dass es aber auch immer wieder Leute gibt, die niemals auf die Idee kommen würden, dass sie stören könnten…
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202308. Aug. 2025 ·
Weiter geht es am 19. Mai
Wir fahren noch ein halbes Stündlein im Flussbett herum: Steilufer rauf und runter, im Gehölz hin und her, zeigen, was Fahrzeug und Fahrer können. Dann … da war doch was? Hat der Busch nicht gewackelt? Doch – der bewegt sich, und Phillip fährt eine Kurve. Ja! Jetzt sehen ihn alle: Der erste Huab-Elefant zeigt uns erst seinen Kopf und dann seinen ganzen Körper … und es werden immer mehr braune Riesen sichtbar.
Wir bleiben stehen und der Motor wird abgestellt. Es stehen noch mindestens vier andere Fahrzeuge fast im Kreis um die Tiere – alle in respektvollem Abstand. Die Tiere sind sehr entspannt. Das Flussbett ist komplett frei. Sie können ungehindert weiterziehen, wenn sie möchten.
Wir sind alle auf Wolke sieben. Der Fotorausch beginnt. Doch ich sitze leider auf der falschen Seite. Nicht ein einziges Foto kann ich machen. Immer habe ich einen Kopf, eine Schulter, oder einen anderen Fotoapparat im Bildausschnitt. Ich könnte heulen so sehr frustriert mich diese Situation.
Teilweise macht Uwe die Fotos mit meinem Handy, weil er die bessere Sicht hat.
Phillip fährt mal ein paar Meter vor oder zurück oder lenkt das Fahrzeug in eine andere Perspektive. Aber leider tut er das immer zugunsten der anderen Sitzreihe. Er hat überhaupt kein Gespür dafür, den Leuten gegenüber auch mal eine gute Sicht zu ermöglichen.
Mir schwillt der Kamm. Ich schimpfe, wenn auch nur ganz leise vor mich hin, doch laut genug, dass Uwe mein Gemaule hört. Dann kommen einige Elefanten auf meine Fahrzeugseite. Ich kann mein Glück kaum fassen. Und was tut Phillip? Er schmeißt den Motor an und dreht den Wagen - wieder zugunsten der anderen.
Jetzt platzt mir fast der Kragen und ich werde so wütend, dass Uwe Erbarmen mit mir – oder mit sich selbst – hat und ihn dazu anhält das Fahrzeug so auszurichten, dass auch wir mal freie Sicht haben. Zum Glück kommt er der Bitte nach – und mein Seelenfrieden wird wieder hergestellt.
Ein Jungtier läuft tapsig herum – einfach goldig, wie es beim Fressen noch unbeholfen mit seinem kleinen Rüssel übt, Blätter vom Busch zu zupfen. Seine Beschützerin immer an seiner Seite. Phillip erzählt, dass die Tiere normalerweise bis ganz an die Fahrzeuge kommen, aber wegen dem Kalb bleiben sie zurzeit auf Distanz.
Zwei halbwüchsige stänkern sich gegenseitig an. Sie rangeln miteinander, bis eine Nanni beherzt dazwischen geht und sie laut trötend und galoppierend in die Benimm- Schule schickt. Die beiden geben Versengeld.
Die Verfolgerin belässt es dann dabei und widmet sich wieder ihren eigenen Interessen – Fressen! Nach ein paar Minuten kommen die zwei Halbstarken zurück. Sie scheinen ihre Lektion für den Moment gelernt zu haben.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202308. Aug. 2025 ·
Melanie1982 schrieb:Hi Silvia!
Jetzt bin ich aber richtig gespannt, ob bzw. wann ihr die Elis findet! Wir werden in etwas mehr als 3 Wochen auch auf die Suche nach ihnen gehen. Von der Brandberg White Lady Lodge aus. Darauf freue ich mich sehr! Und wie gut, dass du Mütze, Schal und Handschuhe erwähnst. Darf ich nicht vergessen, einzupacken. Thermounterwäsche wurde heute gekauft 🙂
Mir tut dieses arme Pärchen sehr leid. Da möchte man einfach nur in Ruhe diese tolle Landschaft genießen und dann hat man so eine üble Urlaubsbekanntschaft an der Backe. Dass es aber auch immer wieder Leute gibt, die niemals auf die Idee kommen würden, dass sie stören könnten…
Liebe Melanie, wie schön, dass du trotz der Textlastigkeit tapfer dabei bleibst. So schnell sind jetzt die Monate vergangen und ihr könnt auch fast schon die Koffer packen. Ich empfehle eine Wärmflasche mitzunehmen. Die hat mich echt glücklich gemacht 😄 Mütze, Schal und Handschuhe braucht es wahrscheinlich nur, wenn ihr im offenen Jeep fahrt. Der Fahrtwind ist das Eklige. Im geschlossenen Auto sitzt man ja windgeschützt und kann die Heizung aufdrehen. Ich bin echt eine Mimose wenn es um Kälte geht.
Elefantenfotos vom Huab hab ich tatsächlich viele. ...und das junge Pärchen war wirklich nicht zu beneiden. So jemandem muss man schon mit der verbalen Keule begegnen, damit die Botschaft ankommt. Grausam nenne ich das. Herr Besserwisser praktiziert Ohrenfolter! Liebe Grüße und einen schönen Tag und weiterhin viel Vorfreude auf euren eigenen Urlaub, Silvia
Melanie1982725 Beiträge · seit 202308. Aug. 2025 ·
🙂 Oh wie herrlich! Ich hoffe so sehr, dass wir die Elefanten zu sehen bekommen!! Wir machen auch ein paar Touren im offenen Fahrzeug und wir werden auch Reiten gehen, da könnten Handschuhe & Co ganz nützlich sein 😎
Wärmflaschen haben wir uns auch zugelegt. Ich denke, der Urlaub kann jetzt kommen 😄
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202309. Aug. 2025 ·
Melanie1982 schrieb:🙂 Oh wie herrlich! Ich hoffe so sehr, dass wir die Elefanten zu sehen bekommen!! Wir machen auch ein paar Touren im offenen Fahrzeug und wir werden auch Reiten gehen, da könnten Handschuhe & Co ganz nützlich sein 😎
Wärmflaschen haben wir uns auch zugelegt. Ich denke, der Urlaub kann jetzt kommen 😄
Guten Morgen liebe Melanie, ich bin zuversichtlich, dass ihr die Elefanten auch finden werdet, und drücke euch die Daumen. Sie zu sehen, ist für mich immer ein Highlight. Mit dem offenen Fahrzeug fühlt man sich ihnen vielleicht noch ein bisschen näher als im geschlossenen.
Ich beneide euch darum, dass ihr Reiten könnt. Ich kann es nicht, hab es trotzdem einmal gewagt. Mein Gaul war aber mehr am Fressen interessiert als an Bewegung. Man glaubt es ja nicht wie viel Zug, der draufhat, wenn er den Kopf senkt. Er hat mich einmal beinahe aus dem Sattel gehoben. Als Nichtkönner brauche ich das Erlebnis nicht nochmal. Nichtsdestotrotz war es ein überwältigendes Gefühl, durch eine Gnu Herde zu reiten und wenn man reiten kann, ist ein Reitausflug durch ein Reservat eine traumhafte Möglichkeit Natur und Tiere zu erleben.
Mit Thermounterwäsche, Wärmflasche und Winterklamotten seid ihr ja bestens auf die frischen Temperaturen vorbereitet.
Ich bin jetzt schon gespannt auf deinen Reisebericht. Liebe Grüße, Silvia
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202309. Aug. 2025 ·
Fortsetzung 19. Mai
Wir beobachten die Herde sehr lange, dann fahren wir weiter – auf einen Hügel, um dort auszusteigen, uns die Beine zu vertreten oder hinter einem Busch zu verschwinden. Von hier haben wir einen schönen Blick auf den Huab, wie er sich durch die Landschaft windet.
Dann heißt es wieder einsteigen, weil Phillip eine zweite Herde suchen möchte. Es dauert gar nicht lange, bis wir sie finden. Aber ich habe leider wieder das Pech, auf der falschen Seite zu sitzen – und dieser ewige Kampf um gute Sicht ist frustrierend und verdirbt mir die Laune. Hier bleiben wir auch tatsächlich nicht mehr so lange.
Während der weiteren Fahrt, sehen wir kaum noch Tiere, aber wunderschöne Landschaften und einen idyllischen kleinen See.
Auf der letzten Etappe zurück zum Camp können wir zwei weitere große Gruppen Springböcke sehen – aber sie sind recht weit entfernt. Wir halten nur kurz.
Das Lunch, das zur Tour gehört, wird uns im Camp-Restaurant in Aussicht gestellt. Heute, bei dem kalten und depressiven Wetter, ist uns das auch tatsächlich sehr recht. Bei gutem Wetter wäre es natürlich wesentlich schöner, irgendwo am Huab die Lunch-Pause zu haben. Vielleicht ist das ja auch so.
Zurück im Camp zieht es uns – ganz im Sinne der Natur - zuerst wieder zur Kaffeerückgabestation in unser Zelt. Anschließend begeben wir uns ins Restaurant, wo uns ein sehr appetitlich angerichtetes Lunch serviert wird. Kaffee steht ebenfalls bereit – und jetzt, da der Tank leer ist, hat das heiße Bohnenwässerchen auch Platz.
Und wieder ist Reality-Show-Time angesagt: Herr diplomierter Ohrenkiller lässt das bemitleidenswerte Pärchen einfach nicht vom Haken. Er sitzt schon wieder neben ihnen und besteht darauf, dass sie ihre restliche Tour abgleichen und prüfen, ob es noch zeitgleiche Überschneidungen gibt. Zu seiner unaussprechlichen Freude ist das tatsächlich der Fall. Ich hoffe, die beiden können kostenlos stornieren und einen Plan B aus dem Ärmel schütteln– so viel Pech auf einer Reise ist ja eine Zumutung.
Während wir im Restaurant sitzen, kämpft sich die Sonne durch die Wolkendecke. Gemeinsam mit dem Kaffee bringt sie uns langsam wieder auf die normale Körpertemperatur eines lebenden Wesens. Allerdings weht ein kräftiger, kühler Wind, und der Feuerball kann sich nicht dauerhaft behaupten. Zurück im Zelt machen wir alle Löcher zu – und frieren immer noch. Da hilft nur noch, sich am Nachmittag ins Bett zu setzen und zuzudecken.
Wir haben keine Lust mehr, irgendetwas zu unternehmen. Einen Selve Drive durch das Gehölz und die steilen Flussböschungen rauf und runter, möchten wir dem Leihwagen nicht zumuten. Zusätzlich fürchten wir, dass wir die Orientierung verlieren könnten. Auch der Gedanke auf uns allein gestellt, ohne Ausweichmöglichkeit im Flussufer unterwegs zu sein und womöglich mit einem auf Krawall gebürsteten Eli konfrontiert zu werden, macht uns nicht an.
Ich frage mich, wie es die Gäste in den wirklich kalten Wintermonaten hier aushalten – es gibt ja nirgends die Möglichkeit, sich aufzuwärmen.
Uwe macht neben mir ein Nickerchen, ich lese und schreibe, und so lassen wir den Rest des Tages an uns vorüberziehen.
Zum Dinner verlassen wir widerwillig das warme Bett – und das auch nur so lange wie unbedingt nötig. Es ist wirklich ungemütlich mit Wintermantel zu essen und ich sehne mich die ganze Zeit danach, mich wieder unter den Bettdecken vergraben zu können. Da fällt mir plötzlich ein: Ich habe doch eine Wärmflasche eingepackt! Ja Mensch, warum habe ich nicht früher daran gedacht? Ich freue mich gerade wie ein Kind über einen erfüllten Weihnachtswunsch. Zurück im Zelt werde ich nachher als allererstes den Wasserkocher bemühen. Mit einem Gefühl der Glückseligkeit nehme ich meine Wärmflasche in die Arme. Ich würde sagen, da habe ich einen neuen besten Freund gefunden und der darf sogar das Bett mit mir teilen.