Ich Reise gerne mit euch mit , um die Vorfreude auf unseren Namibia Trip im nächsten Jahr zu steigern.
LG Norbert
Ich Reise gerne mit euch mit , um die Vorfreude auf unseren Namibia Trip im nächsten Jahr zu steigern.
LG Norbert
wir haben Zuwachs bekommen, das freut mich sehr!
@Beate: Ich hoffe, deine Taktik fällt bei Reinhard auf fruchtbaren Boden... 😉
Liebe Grüße an die Mitfahrer (und ein spezieller Gruß in die Nachbarschaft nach St. Pauli). Ich hau mal weiter in die Tasten.
Liebe Grüße,
Betti
Kann ich schnell noch aufspringen? Bin gerne dabei!!
Vielen Dank für die Mühe!
Liebe Grüße,
Caro
15.4.26: Im Land der Köcherbäume
Mit Sonnenaufgang wachte ich auf und fühlte mich trotz der frühen Stunde fit. Schon am ersten Morgen in Namibia war ich wieder voll drin im Afrika-Rhythmus.
Der Himmel war strahlend blau, das Unwetter an uns vorbeigezogen. Flugs die Flip Flops und ein T-Shirt drübergezogen, schon erklommen wir noch einmal die Düne hinter unserem Zelthaus. Licht und Ausblick waren einfach zu schön.

Schließlich machte sich Thomas einen Kaffee und mir einen Tee, was er praktischerweise beides in unserer Behausung zubereiten konnte, und ich startete den weiteren Tag entspannt auf der Terrasse, während Thomas vorübergehend im Außenbad verschwand.
Die wenigen Dinge, die wir für die eine Nacht ausgepackt hatten, waren schnell wieder in den Taschen verstaut, und so fuhren wir noch vor unserem groben Zeitplan mitsamt Gepäck zum Frühstück ins alte Farmhaus. Wir waren uns einig: Diese erste Station hatte sich als viel mehr als nur ein Zwischenstopp erwiesen.

Sehr rechtzeitig kamen wir los und machten uns auf den insgesamt gut 330 Kilometer langen Weg via B1 nach Süden. An der Tankstelle in Kalkrand hingen etwas abgerissene Gestalten unterschiedlichen Alters ab, einer der Mitarbeiter lehnte sich mit finsterem Blick an meine Fahrerseite und beobachtet mit Argusaugen, dass auch bloß keiner dem Auto zu nahe kam. Das war sicher sehr verdienstvoll und wahrscheinlich (leider) sogar nötig - wir waren froh, als wir dort wegkamen.
Unterwegs verfestigte sich der Eindruck des ersten Tages, dass die Strecken durch den Regen deutlich an Attraktivität gewonnen hatten. Blühende Wüste statt staubiger Einöde, und so sprangen wir während der gesamten Reise immer wieder und so oft wie noch nie spontan aus dem Auto und machten den Weg zum Ziel.

Ich wusste, dass rund um Keetmanshoop noch kurz vor unserer Reise Land unter und die Stadt sogar teilweise abgeschnitten gewesen war. Ich machte mir Gedanken. Was würde uns wohl erwarten? Könnten wir unser Ziel überhaupt erreichen?
Doch wir lernten auf dieser Tour unter anderem auch, dass das Wasser in aller Regel zügig wieder verschwindet. Als wir auf die M29 abbogen und die letzten 40 Kilometer unter die Räder nahmen, war klar zu sehen, dass sich hier erst kürzlich eine Menge Wasser seinen Weg gebahnt hatte. An einer besonders tiefen Senke werkelten Arbeiter fleißig an der teilweise weggeschwemmten Pad. Doch insgesamt fuhren wir wie auf Schienen und es fiel mir alles in allem schwer, mir Wassermassen in dieser Region vorzustellen, die oft über Jahre überhaupt keine Regenfälle erhält.

Wir kamen an der 15 Kilometer nordöstlich von Keetmanshoop gelegenen Gariganus Farm vorbei, deren Köcherbaumwald wir 2015 besucht hatten. Weil uns unter anderem die Unterkünfte auf der Farm nicht gefallen hatten, hatten wir seinerzeit allerdings in der Stadt gewohnt und so Sonnenauf- und -untergang weitgehend verpasst. Schon damals war uns der Gedanke gekommen, dass Mesosaurus vielleicht die bessere Wahl gewesen wäre. Nun sollte sich zeigen, dass diese Ahnung richtig gewesen war.
Hinter dem Giant's Playground mit seinen beeindruckenden Felsstapeln, der ebenfalls zu Gariganus gehört, betraten bzw. befuhren wir Neuland. Die einsame Landschaft war wunderschön und faszinierte uns.

Schließlich kamen wir in Mesosaurus an - und waren etwas ratlos. Was nun? Nichts und niemand war zu sehen. Doch schon hörten wir das Knattern eines Quads, mit dem unser Gastgeber Hendrik vom etwas in der Distanz liegenden Farmhaus angedüst kam. Alles lief unkompliziert und freundlich ab, ein paar kurze Erklärungen, und schon waren wir in unser kleines Häuschen eingezogen.
Es war schlicht, aber längst nicht so schlicht, wie ich es erwartet hatte, und irgendwie gemütlich. Auf jeden Fall für eine Nacht wunderbar. Ich gönnte mir nach der Fahrerei einen Powernap, aber natürlich rief uns der Wald, den wir in Eigenregie und nicht unter der sicher empfehlenswerten Führung von Hendriks Vater erkunden wollten. Wir klemmten uns damit auch die Mesosaurus-Fossilienfundstätte.
Hendrik hatte uns eine einfache Skizze mitgegeben, wir bogen links ab und parkten nach einigen Kilometern am Ende eines gut zu fahrenden schmalen Weges bei den Campsites. Die Landschaft haute uns unterwegs schon um, wild, felsig, unberührt. Und überall Köcherbäume.

Auf der Gariganus Farm soll es etwa 300 geben - hier über 5.000. Diese manchmal 200 bis 300 Jahre alten Bäume wachsen eigentlich vorzugsweise vereinzelt an einsamen Stellen. In Mesosaurus bilden sie tatsächlich einen Wald - wenn auch einen luftigen.



Begeistert kletterten wir zwischen den Felsen umher, liefen auf Hügel und durch Täler und waren dabei mutterseelenallein.



Fast zweieinhalb Stunden blieben wir, machten Meter um Meter. Wer wusste schon, was sich hinter dem nächsten Hügel, den nächsten Felsen verbarg? Ich fühlte mich wie auf einem großen Abenteuerspielplatz.

Erst als die Sonne am Horizont verschwand, gingen wir zurück zum Auto. Auf der Campsite hatte sich mittlerweile eine Handvoll Leute häuslich eingerichtet, als wir winkend vorbeifuhren, ernteten wir erstaunte Blicke. Sie hatten sich offenbar allein gewähnt.


Im letzten Licht fuhren wir die kurze Strecke zurück zur Farm. Ich prägte mir auf der insgesamt ziemlich geraden Pad jede kleinste Kurve und jeden Abzweig ein, denn wir würden am Morgen noch im Dunkeln wiederkommen.

Die Häuschen in Mesosaurus verfügen jeweils über eine Außenküche, doch wir hatten Frühstück und Abendessen mitgebucht und gingen die wenigen Meter zum letzten Haus, in dem sich eine Küche sowie ein großer Esstisch befinden. Die Farmersfrau hatte aber in ihrer eigenen Küche gekocht, und so fuhren Hendrik und seine Teenager-Söhne zum verabredeten Zeitpunkt mit dem Auto vor und entluden haufenweise Töpfe, Schüssel und Schalen, die sie nun vor uns aufbauten. Wir waren in dieser Nacht die einzigen Übernachtungsgäste. War das etwa alles für uns?
Hendrik versicherte sich, dass wir gut versorgt waren und die Familie verschwand. Selbstgebackenes Brot, Salate, Fleisch für Thomas und ein großer vegetarischer Auflauf für mich - wir hätten uns problemlos mehrere Tage davon ernähren können. Leider ließen wir zwangsläufig viel übrig und verstauten die üppigen Reste in der benachbarten Küche in den Kühlschränken. Hendrik bedankte sich am nächsten Morgen herzlich dafür, aber alles andere wäre auch einfach zu schade gewesen.
Der klare Himmel war überwältigend, noch lange standen wir vor unserem Haus. Eine Sternschnuppe jagte die nächste. Gemeinsam sogen wir die Stille in uns auf. Genossen die Abgeschiedenheit und den Moment. Und auch, dass noch so viel Schönes vor uns lag.

wieder einmal großartige Fotos und ein ganz toll geschriebener Reisebericht!
Liebe Grüße, Nicola
Beatnick schrieb:
@Beate: Ich hoffe, deine Taktik fällt bei Reinhard auf fruchtbaren Boden... 😉
Melde Vollzug, war bereits erfolgreich, unsere Tour nimmt langsam Gestalt an 🤗!
P.S. Ein ganz wunderbarer Einstieg in euren Urlaub. Auf die Fotos vom nächsten Morgen freue ich mich schon sehr.
Liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
kaum aus dem Urlaub zurück, steige ich bei deinem Bericht nun auch ganz offiziell zu.
Ich freue mich auf eure Erlebnisse und schöne Fotos davon.
Lieber Gruß
Sascha
16.4.26: In der Sackgasse
Nachts (oder auch am sehr frühen Morgen) klingelte der Wecker. Uff, aber wir hatten es ja nicht anders gewollt. Es dauerte jedoch nicht lang, da war ich putzmunter - schon allein aus lauter Vorfreude. In diesem Fall auf den Sonnenaufgang. Ich checkte vorsorglich mit einem schnellen Blick nach draußen, ob es denn überhaupt sichtbar einen geben würde. Am Himmel funkelten wie schon am Abend die Sterne. Daran würde unsere Morgenaktivität also nicht scheitern.

Wir zogen uns schnell an und setzten uns nach einer Katzenwäsche ins Auto, alles andere konnten wir auch später noch erledigen. Im Dunkeln fuhren wir die paar Kilometer bis zum Köcherbaumwald, vorbei an den offenbar noch selig schlafenden Campern.
Wir parkten den Wagen an derselben Stelle wie am Vorabend und hatten eine ungefähre Idee, wohin wir wollten. Auf jeden Fall hügelaufwärts. Es war noch stockfinster. Mit Taschenlampen suchten wir uns kraxelnd einen Weg über die Steine, jetzt machten sich die mitgebrachten Wanderschuhe so richtig bezahlt.

Immerhin dauerte es nicht lange, bis es langsam zumindest so hell wurde, dass wir unsere eigenen Füße und den Boden erkennen konnten. Mir machte das alles einen Heidenspaß. Es war die perfekte Nacht, mild, windstill, und dann diese Kulisse.
Auf dem Hügel angekommen beobachteten wir, wie sich die Silhouette der eindrucksvollen Bäume nach und nach vor dem Himmel abzeichnete, der langsam die Farben wechselte.


Gegen Sieben kroch schließlich die Sonne hervor. Ein neuer Tag. Was er wohl bringen würde? Vor allem auf Reisen eine spannende Frage...

Die Einsamkeit und Ruhe waren phänomenal, wir tauchten komplett ein in die Stimmung. Allein schon für diese halbe Stunde hatte sich das frühe Aufstehen gelohnt.

Mit der Sonne meldeten sich die Klippschliefer. Sie hatten ihren Schönheitsschlaf beendet und gaben ein kleines Konzert. Ansonsten: nichts. Nur die herrliche Natur und wir.


Die Sonne stieg schnell, schneller als wir auf jeden Fall, wir liefen noch eine ganze Weile weiter. Immer neue felsige Hügel tauchten vor uns auf. Die Landschaft schien zeit- und endlos.


An der höchsten Stelle blickten wir herunter auf den wenige Kilometer langen 4x4-Trail, der sich zwischen den Bäumen hindurch windet. Wir hatten am Vortag kurz überlegt, uns dann aber fürs Laufen entschieden.

Schließlich brachen wir auf, unsere Zeit in Mesosaurus näherte sich dem Ende. Auf dem Rückweg kamen wir an einem kleinen Wegweiser vorbei: View Point. Am Vortag war es schon zu dunkel gewesen, nun bogen wir kurzerhand ab. Weit ging es nicht, der Weg endete schon bald auf einer freien Fläche. Hm. Wie war das gemeint? Sollte man vielleicht auf den Hügel rauf?
Thomas wollte es einfach ausprobieren, ich eher nicht. Ob sich das lohnen würde? Ich hatte Zweifel - und war vielleicht auch ein bisschen bequem.


Thomas winkte von oben. Ich sollte kommen. Also gut. Stiefelte ich also den Hügel hinauf. Ein kurzer Anstieg, aber giftig. Schritt für Schritt im unwegsamen Gelände, jetzt allerdings immerhin bei Tageslicht. Oben angekommen war der Ausblick grandios. Nicht allzu weit entfernt lag unsere Herberge. Dort wartete das Frühstück. Und da wollten wir nun hin. Also ging es vorsichtig wieder bergab.

Der Frühstückstisch war schon reich gedeckt, und wir unterhielten uns lange und gut mit Hendrik. Über den fordernden Farmalltag, den Regen, die Trockenheit, seine Söhne, die in Keetmanshoop und somit nicht gerade um die Ecke zur Schule gingen, das Älterwerden in diesem einsamen Landstrich.
Schließlich verabschiedeten wir uns, glücklich, dass es Mesosaurus so gut mit uns gemeint hatte.

Fast 400 Kilometer lagen vor uns, allerdings der größte Teil auf der B1. Das sollte problemlos zu schaffen sein.

Gedanken machte ich mir eher, ob uns die Fahrt so schnurgerade südwärts nicht allzu lang werden würde. Doch der Regen hatte auch hier für viel Grün und goldenes Gras gesorgt, und so überwog schon wieder die Euphorie.
Der Verkehr war ziemlich überschaubar, und je weiter wir nach Süden kamen, desto einsamer wurde es. Ab und zu überholte ich einen Lkw, das war's, wir kamen gut voran.

Ich glaubte, das Tempolimit eingehalten zu haben, wusste es aber nicht genau. Ich sah im Vorbeifahren aus dem Augenwinkel, wie der Polizist sein Kontroll-Dingsda checkte und dann regelrecht in Jubel ausbrach. Oje! Doch es muss wohl um den Laster vor uns gegangen sein. Der war für seine Verhältnisse eindeutig zu schnell, bei uns kam jedenfalls nichts mehr nach. Doch künftig riss ich mich noch mehr am Riemen als ohnehin schon.
So weit im Süden hatten wir Namibia noch nicht bereist, in Noordoewer waren wir schon fast in Südafrika. Thomas erkundigte sich beim Tanken nach den Straßenverhältnissen, bei Rosh Pinah sollte wegen Überschwemmungen kein Durchkommen sein. Das waren schlechte Nachrichten, keine zwei Tage später sollte das eigentlich unsere Route sein.
Wir bogen auf die C13 ab, immer noch eine breite Straße mit makellosem Asphalt, das hatten wir anders erwartet. Zumal wir gefühlt im Nirgendwo waren. Mit einer faszinierenden Landschaft, die mich an den Mars denken ließ.

Die Erklärung folgte auf dem Fuß, denn die Wüste wich riesigen Feldern voller Weinreben. Ich wusste, dass in der Nähe des ziemlich tristen Ortes Aussenkehr, in dem vor allem die Arbeiter dieser Plantagen leben, Tafeltrauben angebaut werden. Sie sind unter diesen besonderen klimatischen Bedingungen früher reif als in anderen Ländern. Doch die schiere Menge erschlug mich. Mehrere Tausend Hektar umfassen die Anbaugebiete in dieser eigentlich trockenen Wüstenregion. Zum parallel verlaufenden Oranje gab es für uns kein Durchkommen. Wir waren etwas abgeschreckt.
Doch ich fasste mich auch an die eigene Nase. Diese Trauben werden auch nach Europa exportiert. Wer weiß, wie viele davon schon auf unserem Tisch gelandet sind...

Irgendwo zwischen all den Plantagen zweigte die Zufahrt zum Norotshama River Resort ab. Wilde Natur gab es hier nicht. Ich fremdelte.
Das Lodge-Gelände selbst war dann immerhin eine kleine Oase, das uns zugeteilte Häuschen ziemlich neu und modern eingerichtet. Doch seine kleine Terrasse blickte auf einen künstlich angelegten Teich und nicht auf den Oranje. Der Fluss war zwar nur wenige Meter entfernt, aber von hier aus vollständig verborgen. Eine Logik, die uns schleierhaft blieb.
Ich legte mein Veto ein. Ja, wir könnten zwar wechseln, aber die Chalets am Fluss seien älter. Kein Problem, wir zogen um. Das neue Haus war riesig, etwas dunkel, aber in Ordnung. Und hatte den Oranje direkt vor der Tür.

Thomas richtete sich häuslich ein, ich ging auf Vogelpirsch. Ich musste mich nach der langen Fahrt dringend bewegen.


Meine Hoffnung, am Oranje entlangwandern zu können, zerschlug sich schnell. Der Ausblick über den Fluss war schön und die Lodge-Anlage groß und grün, doch alles in allem waren wir umzingelt von der Weintrauben-Industrie.

Am späteren Nachmittag fuhren wir in Richtung Rosh Pinah. Wir wollten runter an den Fluss, das musste doch möglich sein, und gleichzeitig einen ersten kleinen Streckencheck machen. An der Rezeption hatten die Nachfrage ein unklares Bild ergeben. Bei Rosh Pinah sei eine Brücke überspült und infolgedessen gesperrt worden. Zumindest die Einheimischen würden sie aber mittlerweile wohl wieder nutzen.
Direkt hinter Aussenkehr änderte sich wieder schlagartig das Bild, eine tolle Bergkulisse!


Schon bald endete die Teerstraße - und damit auch unsere Reise. Straße gesperrt- damit waren wir in einer Sackgasse gelandet. Kein Durchkommen von hier nach Aus.


Die Reifenspuren zeigten an, dass schon einige das Verbot ignoriert hatten, und auch wir fuhren zumindest noch ein paar Hundert Meter am Schild vorbei weiter, um zumindest einmal direkt an den Oranje heranzukommen.

Es war sehr schön dort unten an seinem Ufer, und mir tat leid, dass wir ihn nun nicht weiter erkunden würden. Doch es war eben, wie es war.

Auf dem Weg zurück kamen wir ins Grübeln. Was nun? Die Strecke nach Ai-Ais war ebenfalls gesperrt, es gab hier also fast nichts zu tun. Auch der für den nächsten Tag geplante 4x4-Trail fiel flach. Die Lodge gefiel uns nicht besonders gut. Mit anderen Worten: Wir wollten weg.
Auf der Campsite von Norotshama trafen wir zufällig einige ebenso sympathische wie anscheinend auch trinkfeste Südafrikaner, die am nächsten Tag mitsamt ihrer Wohnwagen die Strecke über Rosh Pinah nach Aus fahren wollten. Sie hatten keinerlei Sorgen wegen der Brücke oder wegen des Verbots und boten an, uns buchstäblich in ihre Mitte zu nehmen - also mit ihnen Kolonne zu fahren.
Ich geriet in Versuchung. Aber nur kurz. Unser Versicherungsschutz wäre hinfällig. Wir wussten kein bisschen, was uns erwartete. Und dann stellte sich auch noch heraus, dass die Südafrikaner die Strecke noch nie gefahren waren und zudem gerade erst einen Zwangsstopp nach einem Achsbruch hatten einlegen müssen. Wir lehnten dankend ab. Das war uns alles zu viel Risiko.
Es blieb also nur eins: den ganzen Weg nach Keetmanshoop zurück und dann von dort in Richtung Aus. Rund war das nicht - und weit. Ich hatte eine Idee, doch wir konnten die zweite Nacht in Norotshama nicht so kurzfristig stornieren. Egal. Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen.
Mir war sofort die Alte Kalköfen Lodge in den Sinn gekommen, über die ich nur Gutes gehört und gelesen hatte. Schon immer wollte ich mal dort hin. Nun war die Gelegenheit, und wir würden den langen Weg nach Aus perfekt unterbrechen. Thomas buchte problemlos für den nächsten Tag. Und wir freuten uns darauf.
Sodele, bei einem großen Becher Milchkaffee habe ich hier mal endlich aufgeholt und mich an dem klaren Licht und den bunten Farben erfreut! Auch wenn ich selber mit Köcherbäumen üüüüüberhaupt nichts anfangen kann (ich weiß nicht, was mich an denen stört 🙄), gefällt mir euer Spaziergang im Dunkeln dorthin sehr gut! Ich wäre dabei - nachtblind wie ich bin - vermutlich dreimal auf die Nase gefallen, aber gefallen im anderen Sinne des Wortes hätte es mir wohl auch!
Ich freu mich auf Fortsetzungen - liebe Grüße von Bele
Welch eine Freude - ein Reisebericht von euch.
Wir sind nächstes Jahr auch in Apr/Mai das erste Mal zu dieser Zeit unterwegs. Wir möchten auch Namibia etwas grüner und nicht so staubig erleben. Das letzte mal hat uns die Trockenheit irgendwie viel abverlangt.
Die Fotos sind ein Traum und ich werde sie nachher den Guggumann zeigen. Gestern Abend gab es Diskussionen wegen dem Wetter, aber das sieht sehr gut aus. Hoffentlich haben wir auch so viel Glück.
Wir haben auch mit Konni und Silke vergnügliche Stunden auf dem Flughafen in WDH verbracht. Alle anderen im Wartebereich haben neidvoll auf unsere lustige Runde geschaut.
Die meisten eure Unterkünfte kennen wir schon und ich bin gespannt wie ihr das erlebt habt.
Liebe Grüße
Guggu
Danke bis hierher, das ist ja wieder wunderschön, was Ihr so beschreibt und auf den Chip gebannt habt!
An die Teufelskralle Lodge habe ich noch gute Erinnerungen. Die abseits gelegenen Zelthütten, die über die Holzwege erreichbaren Ablutions - und ich erinnere mich gerne an das gute Frühstück und Abendessen! War klasse.
Die Eindrücke von dem Köcherbaumwald sind schon sehr beeindruckend. Toll!
Danke und liebe Grüße
Martin
@Champagner bei einem großen Becher Milchkaffee -> das klingt sehr gemütlich...
Ich wäre dabei - nachtblind wie ich bin - vermutlich dreimal auf die Nase gefallen -> Ich hätte dich natürlich gestützt, Kleene - allerdings kann ich nachts auch nicht mehr so ideal gucken...
@Guggu Welch eine Freude - ein Reisebericht von euch -> welche eine Freude, dass du dabei bist, mein Guggufoss!
Wir sind nächstes Jahr auch in Apr/Mai das erste Mal zu dieser Zeit unterwegs. -> das ist eine großartige Idee. Wir haben es sehr gemocht! Liebste Grüße auch an den Guggumann
@TinuHH An die Teufelskralle Lodge habe ich noch gute Erinnerungen. War klasse. -> Ah, ihr wart da auch schon. Wir waren echt positiv überrascht.
Die Eindrücke von dem Köcherbaumwald sind schon sehr beeindruckend. -> Danke! Es war der Plan, das wenigstens einmal im Leben so richtig anzugehen...
Ich hoffe, ich schaffe heute noch ein Kapitel.
Liebe Grüße und 1000 Dank fürs Mitfahren!
Betti
wieder ein wunderbarer Reisebericht von einem unserer Lieblingssorte. Vielen Dank dafür.
Zu Aussenkehr:
Als wir vor 4 Jahren, auf dem Weg von Kapstadt nach Namibia, dort vorbei fuhren, flogen Flugzeuge über die Plantagen und spritzen die Trauben. Als wir mit Piet aus Klein Aus Vista darüber sprachen meinte er, diese Trauben kann man bei Euch Zuhause im Aldi oder Lidl kaufen.
Im letzten Jahr haben wir keine Flugzeuge mehr gesehen, die Plantagen kamen uns nach 3 Jahren noch größer vor.
Viele Grüße aus Langebaan
ich werde nicht zusteigen, das wird mir zu voll und trubelig. Ich mag eher die Ruhe 😊
Aber deinem Bericht werde ich folgen. Dein Schreibstil gefällt mir und ihr habt ja bisher tolle Erlebnisse gehabt.
Einige Stationen kenne ich schon und freue mich darüber zu lesen. Ich bin sehr gespannt wie es weiter geht.
Liebe Grüße
helen
17.4.26: Glück im Unglück
Die Sonne tat sich am Morgen noch
etwas schwer, als wir zum Restaurantbereich gingen, ähnlich wie der Service
beim Frühstück.


Da es jetzt auch geschmacklich nicht unbedingt ein Knaller war, waren wir relativ schnell fertig und machten einen letzten Rundgang über die Anlage, die Thomas noch gar nicht so recht in Augenschein genommen hatte.

Die südafrikanischen Camper waren gerade am Zusammenpacken und wollten auch zeitnah los in Richtung Rosh Pinah und Aus. Ich war eigentlich ziemlich sicher, dass sie das alles wie geplant über die Bühne bringen würden - aber auch ganz froh, dass wir uns anders entschieden hatten.

Wir hatten längst Routine beim Ein- und Auspacken und unsere Sachen schon vor dem Frühstück flugs wieder verstaut. Es war noch keine Neun, als wir Norotshama verließen. Wir waren überzeugt, in dieser Situation war es das einzig Richtige. Und vielleicht brachte dieser Tag andernorts ja auch mehr, als wir hier unter diesen Umständen hatten erwarten können.
Wir fuhren also dieselbe Strecke zurück, die wir erst am Vortag gekommen waren. Doch wie anders alles im Morgenlicht aussah.



Kaum hatten wir die riesigen Wein-Anbaugebiete hinter uns gelassen, brach zusehends die Sonne durch die Wolken und beleuchtete die roten Bergspitzen.


Wieder stoppten wir spontan am Straßenrand und stiegen aus. Es kam sowieso kein Auto.


Immer mehr verdrängte die Sonne die Wolken, Licht und Farben wechselten ständig.

Begeistert liefen wir durch die karge Landschaft, von der einen Seite auf die andere, vom Mars auf den Mond und wieder zurück.



Wir blieben fast eine Stunde und waren erstaunt, wie die Zeit verflogen war. Aber dass wir Zeit so sorglos verplempern konnten, war ein großes Plus dieser fast vierwöchigen Reise.


Nordwärts ging es wieder über die B1 und dann bei Keetmanshoop auf die B4 nach Westen. Nun hatten wir noch rund 90 Kilometer vor uns und es schon fast geschafft. Bei Seeheim parkten bei einer Brücke mehrere Autos und wir gesellten uns dazu.
Den Anblick eines reißenden Fish Rivers erlebt man nun auch nicht alle Tage. Staunend liefen wir über die Brücke und trafen andere euphorische Besucher, die längst nicht nur Touristen waren.

Eine einheimische Dame hatte sich eigens für dieses besondere Ereignis von ihrer Enkelin mit dem Auto herfahren lassen. Das, so erklärte sie mit leuchtenden Augen, habe sie so auch noch nicht gesehen.

Auch der Rest der Strecke blieb farbenfroh und grün. Hier musste ordentlich was runtergekommen sein.


Schließlich bogen wir auf eine Schotterpiste ab, aus der wir Jahre zuvor auf dem Rückweg vom Fish River Canyon umgekehrt schon einmal herausgefahren waren. Jetzt fiel es uns wieder ein.
Und dann waren wir da, rollten erst an einem der alten Kalköfen vorbei, in denen früher der Kalk für Lüderitz gewonnen wurde, und dann auf den Hof der Alte Kalköfen Lodge. Kaum 16 Uhr, perfektes Timing.
Von nun an - richtig bewusst war uns das noch nicht - würden wir in den nächsten Tagen und Wochen ziemlich auf den Spuren deutscher Geschichte wandeln.


Es ist wahrscheinlich schwer bis unmöglich, den Charme dieser Unterkunft zu beschreiben. Aber wer schon dort war, wird ihm wohl erlegen sein. Es ist der perfekte Ort zum Abschalten. Eine ruhige Oase, trotz der unmittelbaren Nähe zur B4 gefühlt mitten im Nirgendwo.
Die Geschichte, mit viel Liebe zum Detail auch ins Interieur integriert, die Landschaft mit den vielen uralten Kameldornbäumen und den Tafelbergen im Hintergrund sowie die Gastfreundschaft der Besitzer und ihres Teams ergeben eine fantastische Wohlfühl-Kombi. Nach der etwas unflexibel-gelangweilten Attitüde in Norotshama tat uns diese familiäre Atmosphäre besonders gut.
Wir bezogen ein helles, freundliches und blitzsauberes Häuschen, in dem für uns wirklich alles passte.


Später schauten wir uns die Lithops-Gärtnerei an, eine Zuchtstätte für "lebende Steine". Wir waren vollkommen geplättet von der Größe der Gewächshäuser und der Vielzahl der - zum Teil seltenen - Exemplare.
"It became much more than a hobby", sagte uns später unser Gastgeber. Und deutete damit an, wie viel Expertise und Bedeutung, aber vor allem auch Arbeit in dem Projekt steckt, das es sich auch zur Aufgabe gemacht hat, die geschützten Pflanzen zu züchten und dann wieder in ihrer natürlichen Umgebung anzusiedeln, wo sie teilweise leider verschwunden sind.

Kurz vor Sonnenuntergang erkundeten wir noch einen der Kalköfen aus dem 19. Jahrhundert, der direkt an der Zufahrt wie ein Denkmal in den Himmel ragt. Teilweise sind die Arbeitsgeräte noch da, genauso wie die benachbarten und zuweilen auch noch genutzten Bahngleise. Nicht zum letzten Mal fühlten wir uns in die Vergangenheit versetzt.

Doch das Beste kam erst noch. Denn das Abendessen war einfach grandios - trotz der kurzfristigen Buchung auch für mich als Vegetarierin. Wir waren glücklich, hier zu sein und dass wir uns trotz der Zusatzkosten für die Übernachtung an diesem besonderen Ort entschieden hatten. Und das nicht nur aus rein pragmatischen Gründen.
Fortuna hatte es in jeder Hinsicht gut mit uns gemeint: An diesem Abend waren wir die einzigen Gäste, am nächsten Tag wäre nichts mehr frei gewesen - und unser perfekter Ersatzplan nicht aufgegangen.