THEMA: März 2013 - 2x Big Five in Kenia/Tansania
10 Mai 2013 13:42 #288028
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03.03., Nairobi
Nach dem Frühstück mache ich mich für die Ausflüge bereit. Ziemlich pünktlich fahren Peter und Francis mit der Kutsche vor der Hoteleinfahrt ein. Gestern dachte ich noch, ich wäre alleine auf dieser Tour, aber ich kriege Gesellschaft. Eine Dame aus Kanada begleitet mich, Diane ist ihr Name, sowie eine Einheimische mit Namen Ruth. Diane ist gestern nach mir gelandet und hat sich praktisch für dieselben Aktivitäten entschieden. Bei Ruth muss ich ausholen: soweit ich das verstanden habe, ist Diane politisch interessiert/motiviert und hat über Facebook für die anstehenden Wahlen hier in Kenya einen Politiker kennengelernt, der sich zur Wahl aufgestellt hat. Da dieser aber mit Wahlvorbereitungen beschäftigt ist, kann er sie (Diane) nicht treffen, hat ihr aber stattdessen eine Kollegin oder Familienmitglied als Gesellschaft zur Seite gestellt. Und das wäre dann Ruth. Während der Fahrt durch die Stadt erfahre ich, dass Diane mich in den nächsten zwei Wochen begleiten wird; sie hat dieselbe Tour gebucht wie ich. Ebenso erzählt sie, dass ihr Gepäck noch nicht angekommen ist (sie flog von Vancouver via Atlanta via Heathrow nach Nairobi. In London haben ihre Koffer den Anschluss verpasst). Auch hatte sie gewisse Schwierigkeiten mit den Passformalitäten, weil sie anschliessend nach unserer Tour nach Mosambique und Gabun weiterreist (habe aber den Grund nicht so richtig verstanden). Tja, ihre Ferien beginnen ja blendend, denke ich. Aber sie wird mir immer sympathischer, auch wegen ihrer ersten richtige Frage an mich, ob ich gerne mit ihr am Abend beim Lagerfeuer ein Glas Wein oder Bier trinke. Natürlich, gerne schliesse ich mich dabei an. Die Frau hat Stil (und grossen Durst, wie ich in den nächsten zwei Wochen bemerken werde :cheer: ). Das alles erfahre ich während unserer Fahrt durch die Innenstadt. Unsere beiden Guides zeigen uns dabei mehrheitlich das Regierungsviertel.
Wir fahren stadtauswärts zum Elefanten-Waisenhaus. Wie der Name schon sagt, sind hier Elefanten zu Hause, welche ihre Mütter verloren haben. Unsere Guides führen uns durch einen Pfad mitten durch den Busch. Am Ende betreten wir eine freie Landschaft mit einem offenen Gehege. Hier warten schon die Wärter auf ihre „Babys“. Ziemlich pünktlich kommen wir an, denn kurze Zeit später trottet die erste Gruppe von Elefantenjungen ins Gehege; sie laufen direkt zu einem Wärter, der sie mit Milch füttert.



Anschliessend wird gespielt, an Ästen herumgekaut oder im Schlamm gesuhlt.



Einer der MItarbeiter erzählt währenddessen jeweils über jeden Elefanten, wie alt er ist, wo er gefunden wurde und unter welchen Gründen er jetzt im Waisenhaus aufgepäppelt wird.



Die Warzenschwein-Familie und das Impala sind im Gehege nur Nebendarsteller. Eine weitere Gruppe von Elefanten, jedoch schon ältere Jungen, werden nach dem Abzug der 1. Gruppe ins Gehege geführt und das ganze Spiel beginnt von vorne.
Nach der Vorführung machen wir uns auf den Weg zurück zum Auto und anschliessend fahren wir zum Giraffencenter. Der Treffpunkt im Center ist eine Rondelle, welche an das grosse Gehege der Giraffen angrenzt. Man steigt die Treppe hoch und wird von einem Mitarbeiter mit Futter erwartet. Für einige Besucher heisst es jetzt Mut sammeln, Augen zu und Hand auf – den Rest erledigt die Giraffe. Wer jedoch schon mal im Tierpark Goldau die Tiere gefüttert hat, für den ist das kein Problem… :)



Unsere Guides gehen jedoch noch einen Schritt weiter und „küssen“ die Giraffe, indem sie das Futter zwischen ihre Lippen klemmen. Aber auf diesen speziellen Nervenkitzel verzichten die meisten. Als meine Hand „ausgefressen“ ist, werden wir noch von einem Mitarbeiter über die Giraffe detailliert informiert. Wie gestern jedoch verstehe ich wegen der Aussprache, bzw. dem kenianischen Englisch-Dialekt nicht alles und bin gottlob nicht der einzige. Auch Diane - notabene der englischen Sprache mächtig - hat teilweise Schwierigkeiten, den Ausführungen zu folgen.



Fahren, sehen, füttern und zuhören haben hungrig gemacht. Zum Lunch fahren uns Francis und Peter zu einem netten Lokal nicht weit vom Giraffencenter entfernt. Das Lokal mit Namen Tamambo besitzt einen grossen Garten und grosszügiger Bestuhlung. Das Essen (und das Bier) ist super und erst noch preiswert, weil Diane bezahlt. :)
Diane hat für den Nachmittag das Karen Blixen Museum gebucht. Als sie mich darüber fragt, ob ich Madame Blixen und den Film „Out of Africa“ mit Robert Redford kenne, verneine ich beides, was mir ungläubige Blicke beschert. Bei der Einfahrt ins Museumsareal kommt es mir vor, als wäre der Frauenheld aus dem Film höchstpersönlich anwesend. Diane jauchzt und schreit vor Begeisterung. Was, dieser zu gross geratene Geräteschuppen soll etwas Spezielles sein? Vorbei ist's mit der Begeisterung. Ich halte Abstand und verstecke mich hinter unserem Fahrer Francis.



Die Geräte im Garten haben auch schon bessere Zeiten erlebt.



Wir werden nach einer Einführung durch das Haus geführt und für mich ist es… naja, nicht sonderlich spannend (um es formell auszudrücken), was ich aber Diane nicht sage, sonst gibt’s wieder böse Blicke und dicke Beschwerde! :) Schliesslich muss ich ja zwei Wochen auskommen mit der Frau, da sollte man nicht schon am Anfang alle Sympathien verspielen.

So langsam machen sich die Rumfahrerei und die Besichtigungen als Müdigkeit bemerkbar. Zum Abschluss fahren wir zu einem Schmuck- und Souvenirladen (mit Namen Kazuri). Der Laden ist quasi für die Frauen ein Schlaraffenland; ich warte unterdessen bei den Guides. Bei der Rückfahrt halten wir bei einem Supermarkt, Peter meint, wir könnten ja jetzt schon Getränke für die morgen beginnende Tour kaufen. Gute Idee, machen wir, Diane und ich steuern mit dem Einkaufswagen direkt die Getränkeabteilung an. Beladen mit Bier und Wein sind wir zurück beim Auto, wo Peter uns mit ungläubigen Blick :huh: empfängt: „eigentlich habe ich an Wasser und Fruchtsäfte gedacht…“ Jajaja, dafür haben wir morgen noch Zeit.

Zurück im Hotel findet am Abend das Meeting für unsere Tour statt. Unser CEO während der Kenya-Tour wird Patricia sein. Ebenfalls lerne ich eine neue Mitreisende kennen, Shihomi (sprich: Schihoumi) aus Japan. Hurra, Hahn im Korb, auf Safari mit drei netten Damen :laugh: ! Nach dem Ausfüllen der obligaten Formulare und der Besprechung fragt Patricia zum Schluss, ob wir alles dabei haben. Bei mir i.O., nur Diane ist ohne Schlafsack und Taschenlampe angereist und Shihomi ohne Malariatabletten. Na, das kann ja heiter werden… Patricia ist ein wenig besorgt ab deren Antworten, aber wir sind ja hier in Afrika, irgendwie wird das schon klappen.
Nach gut einer halben Stunde ist das Meeting beendet und wir gehen zum gemütlichen Teil des Abends hinüber. Zum Nachtessen reservieren wir (Diane, Ruth und ich) im Carnivore. Wie der Name es schon sagt, ist der Laden nichts für Vegetarier. Im Stil eines brasilianischen Restaurants laufen die Kellner mit Spiessen verschiedenen Fleischsorten herum und schneiden ein Stück Fleisch ab. Manchmal weiss ich nicht so recht, was für ein Tier und von welchem Teil davon ich esse, aber es mundet. Jedoch finde ich der Preis dafür ziemlich teuer, so eine richtige Touristenabzocke. Nebenan ist noch eine Hüpfbude, aber wir verzichten auf’s Tanzen.
Auf dem Weg zurück ins Hotel müssen wir noch einen Abstecher zu einem Supermarkt machen, um Diane’s vergessene Waren einzukaufen. Der einzige Markt, der noch offen hat, ist Downtown und nicht gerade in einer Gegend, die man als Tourist nachts besucht. Bettler und Frauen (mit Kleinkinder) belagern uns. Der Laden ist sehr gross und nach einer Viertelstunde haben wir, bzw. Diane, nun alles, damit die Tour morgen starten kann.
Der Tag war intensiv und ereignisreich, kein Wunder, dass ich mich aufs Bett freue und ziemlich schnell einschlafe. Ebenso freue ich mich aber auch auf die morgen startende Tour.
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10 Mai 2013 14:15 #288030
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Merci vöu mol Sven för dä RB freue mech uf d Fortzetzig :)

Gruess us Lozärn
Letzte Änderung: 10 Mai 2013 20:56 von connych.
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10 Mai 2013 14:21 #288031
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Hallo Sven,

endlich mal ein Dankeschön für deinen neuen Bericht - ich bin mit Begeisterung dabei!!! In dem Zusammenhang hab ich dann gleich nochmal deinen letzten RB gelesen, da ich 2014 ja ähnlich unterwegs sein werde. Jetzt bin ich gespannt, wie es mit den drei Frauen und dir so klappen wird (und natürlich auch auf die Tiere und die Landschaft B) ).

Grüße von der Nichtselbstfahrerfraktion :)

Bele
Letzte Änderung: 10 Mai 2013 14:23 von Champagner.
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10 Mai 2013 18:43 #288057
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Zwar aktuell in Simbabwe, aber man muss ja schon an die nächste Reise denken

Und das Ziel paßt und der Reisebericht scheint interessant zu werden :)

@Sven - Danke
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12 Mai 2013 13:37 #288178
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Champagner schrieb:
Grüße von der Nichtselbstfahrerfraktion
Bele, der war gut! Den muss ich mir merken... :)

Conny und Mafrot, danke für euer Interesse an meinem Reisebericht.

04.03., Nairobi – Samburu
Heute ist Starttag unserer Tour – und Wahltag in Kenia, was uns fast noch zum „Verhängnis“ wird, später mehr dazu. Zwischenzeitlich hat der Hahn im Korb ausgekräht, ich bin nicht mehr der Einzige Mann unter Frauen :( . In der Nacht ist noch eine amerikanische Familie eingetroffen, die uns für eine Woche in Kenia begleiten wird; Harry und Denise mit ihrem 15-jährigen Sohn Ian. Somit sind wir zu sechst unterwegs, auch nicht schlecht so eine kleine Gruppe. Hinzu kommen Patricia als CEO und Peter als Fahrer sowie weitere zwei Helfer, die aber nur für das Camp und Essen zuständig sind.
Nach dem Verladen des Gepäckes fahren wir um 8:30 Uhr ab, aus Nairobi weg. Bei der Fahrt durch die Innenstadt fällt auf, dass alles ziemlich ruhig ist – kein Verkehr, kaum Personen unterwegs. Die Geschäfte haben geschlossen. Bei den Wahllokalen sehen wir die Menschen in langen Warteschlangen stehen, manchmal gibt es mehreren Reihen davon. Aber alles ist ruhig und diszipliniert, die Leute lesen Zeitung oder sprechen miteinander.
Die Fahrt heute wird lang. Wir fahren über Hügel, an Weizenfelder, Kaffee- oder Früchteplantagen vorbei. Bei einer Rastpause in einem Souvenirshop kaufen wir noch Snacks und Wasser ein. Blöd nur, dass Patricia vergessen hatte zu erwähnen, dass das Wasser für 2 Tage reichen sollte. Wir sind schon zu weit um umzukehren, andererseits fahren wir noch an einigen Ortschaften vorbei, um uns mit Wasserflaschen einzudecken. Kein Problem also – denken wir… aber Wahltag ist Ruhetag und alle Geschäfte, die wir anfahren, haben wie in Nairobi geschlossen. Bei der letzten grossen Ortschaft klappern wir praktisch sämtliche Wege ab, aber wir finden nichts. auch die Einheimischen können uns offenbar nicht weiterhelfen, Patricia’s Anfragen bleiben erfolglos. Als wir die letzte grosse Strasse abfahren, doch noch ein Jubelschrei. Ein kleiner Laden hat geöffnet und die Wasserkanister werden geplündert. Ich glaube, nicht nur wir sind beruhigt.
Jetzt geht’s mit vollem Tempo Richtung Samburu Nationalpark. Dort angekommen, machen wir uns am Gate bereit für unseren ersten Gamedrive.


Eingang zum Samburu-Park. Die winkende Person im Vordergrund ist Patricia

Das Autodach wird ausgeklappt, somit können wir während der Fahrt stehen und die angenehme Brise geniessen; zudem hat man einen besseren Blick über die Landschaft. Tiere lassen sich vereinzelt blicken: Oryx, Elefanten, Giraffen, Gerenuks und andere Gazellen. Die Auswahl ist vielfältig, jedoch treten die Tiere nicht in grossen Herden auf.







Wir fahren im Park gemächlich umher, einige wenige Fahrzeuge sind auch unterwegs. Die Szenerie wirkt sehr ruhig und friedlich. Gegen Ende unserer Pirsch steuern wir auf eine Stelle zu und werden langsamer, bis wir stoppen. Peter hat wohl über Funk erfahren, dass hier was sein muss. Aber was? Alle suchen den Boden ab, aber wir finden nichts ausser Staub und Steine. Patricia und Peter murmeln etwas miteinander, aber wenn das sowas wie Zaubersprüche sind, hilft das aber auch nicht weiter. Blöd, denke ich, strecke dabei zur Entspannung mein Kopf in den Nacken und blicke den Baum hoch, der direkt neben mir steht. Und da schauen mich doch tatsächlich zwei Augen eines jungen Leoparden an.


Gutes Versteck, aber Häuptling Adlerauge sieht alles... ;)

Quel surprise, und das am ersten Tag bei unserer ersten Fahrt. Hätte nicht besser passen können. Ein zweites Fahrzeug kommt hinzu und wir beobachten den kleinen Racker. Von seiner Mutter ist nichts allerdings zu sehen. Nach einer Weile wird ihm der Rummel zu viel und er verschwindet im Gebüsch.



Bei unserer Fahrt zum Lager sehen wir noch eine Elefantenherde zum Abschluss.





Wir erreichen unser Camp um 18:00 Uhr. Alles ist fertig eingerichtet, die Zelte stehen und das Nachtessen ist praktisch auch schon bereit. Unser Chefkoch stellt sich als Francis vor, der Campassistent als Patrick, wobei Letzterer nur hier im Samburu für unser Camp verantwortlich ist. Zum Nachtessen gibt es Suppe, Reis, Huhn und Kohl, sehr fein. Den Abend lassen wir am Lagerfeuer bei einem Bier ausklingen. Hier wird auch klar, warum Shihomi keine Malariatabletten mitgenommen hat: an ihrem Arm hat sie wie einer überdimensionierten Armbanduhr ein japanisches Gadget befestigt. Dieses Ding soll offenbar per Funk die lästigen Viecher abwimmeln. Ob’s was hilft, werden wir in den nächsten Tagen erfahren. Entweder ist sie der Hero oder die Biester werden wie Vampire über sie herfallen.
Letzte Änderung: 12 Mai 2013 13:38 von Seven.
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13 Mai 2013 09:36 #288277
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  • Papa Kenia am 13 Mai 2013 09:36
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Hallo Seven,

auch von mir ein dickes Dankeschön für Deinen Bericht.

Bei Deiner Route sind einige Etappen dabei, die mich auch seit längerem interessieren. Ich werde daher Deinen Bericht mit Interesse weiter verfolgen!

LG
Papa Kenia
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