THEMA: USA 2024 - Wale, Vulkane und Geysire
03 Jul 2024 20:00 #689746
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Liebes Forum,

lange Zeit habe ich hin und herüberlegt, ob ich diesen „artfremden“ Reisebericht einstellen soll. Letztendlich habe ich mich dafür entschieden und ich hoffe man sieht es mir nach. Ermutigt durch die sporadischen Reiseberichte auch aus anderen Regionen und der Tatsachen, dass ich schon lange keinen Reisebericht mehr geschrieben habe (und ich Bock darauf hatte :) ) und weil das Namibia-Forum das einzige Reiseforum ist, in dem ich mich angemeldet habe, waren Beweggründe diesen Bericht hier einzustellen. Aber auch weil ich denke, dass der eine oder andere im Forum sich über Anregungen für neue Reisen außerhalb Afrikas freut.

Wie immer habe ich den Bericht im Vorfeld komplett geschrieben und werde Diesen in geballten Paketen hier einstellen. Auch geblieben ist, dass es am Anfang sehr textlastig wird, und gegen später die, hoffentlich sehenswerten, Bilder zunehmen. Anders als sonst ist diesmal der Text eher nüchtern sachlich gehalten und weniger überdreht :laugh: . Das spiegelt eben auch etwas die Stimmung dieser Reise wider (was selbstverständlich nicht bedeutet, dass dieser Urlaub schlecht gewesen wäre, er war echt klasse, mit unglaublich vielen Eindrücken und Erlebnissen).

Die Motivation
Meine Frau lag mir schon seit Jahren in den Ohren, dass sie durch die USA reisen möchte und ich habe immer auf Durchzug gestellt. Das hing damit zusammen, dass ich vor knapp dreißig Jahren nach dem Wehrdienst mit meinen drei besten Freunden 6 Wochen von San Francisco bis New York gereist bin. Diese Reise ist auch heute noch für mich so prägend, dass ich das nicht wiederholen wollte. Die Erwartungen wären viel zu hoch gewesen. Als vorletztes Jahr aber ein Kollege in seiner Elternzeit den Nordwesten der USA bereist hat und wir uns im Vorfeld darüber ausgetauscht haben, habe ich wieder Blut geleckt, zumal ich diese Region damals nicht bereist hatte (Abgesehen von Yellowstone und Salt Lake City).

Der grobe Routenplan: Seattle – North Cascades – Anarchortes wegen Whale Watching – Mount Olympic – Mount Rainier – Mount ST. Hellens – Portland – Glacier National Park – Yellowstone National Park – Salt Lake City



Bevor es richtig los ging, gab es noch einen Abstecher nach Midland, Michigan, um einen alten Freund zu besuchen.


Die ersten Tage (31. 05 bis 02.06) - Midland

Im Rückspiegel sehe ich das Unheil auf mich zukommen. Langsam, aber unaufhaltsam nähern sich links und rechts von meinem Auto zwei riesige amerikanische Pickups. Als sie mich zeitgleich beidseitig überholen, verdunkelt sich der Himmel und man kann förmlich die Gravitationskräfte dieser Kolosse spüren. Ich komme mir vor wie Stefan Raab, als er 1999 zwischen den beiden Klitschko-Brüder saß. Glücklicherweise ist der Spuk nach einer Minute vorbei und ich atme erleichtert aus. Ich befinde mich auf der Interstate 75 von Detroit auf dem Weg nach Midland, Michigan.

Ca 12h vorher war ich mit meiner Frau nach Frankfurt aufgebrochen und hatte die Lufthansa-Maschine nach Detroit bestiegen. Mit leichter Verspätung landeten wir am späten Nachmittag in Detroit. Der Flug war dank Bord-Entertainment recht unspektakulär und ich war über das Platzangebot bei Lufthansa positiv überrascht. Bei der Immigration lief es dafür nicht ganz so zügig. Für Nicht US-Bürger war lediglich ein Schalter offen. Glücklicherweise war unsere Maschine der einzige internationale Flug, und nachdem die US-Bürger abgefertigt waren, konnten wir dann auch die restlichen Schalter nutzen. Die Fragen der Beamtin am Schalter waren unproblematisch und als wir durch waren, warteten unsere Koffer bereits auf dem Gepäckband. Mit einem Shuttle-Bus ging es dann zur, etwas vom Flughafen abseits gelegenen, Mietwagenstation. Bei Übernahme des Autos kam dann die erste Überraschung. In Erwartung der Mitteilung, wo unser Auto stand, bekam ich Folgendes zu hören: „Midsize-Car? Sie sehen Reihe 6? Suchen sie sich Einen aus“. Ich dachte ich hätte mich verhört und fragte nach. Nein, ich hatte richtig verstanden. Ich durfte tatsächlich aus ca 15 Autos mir Einen raussuchen. Mein inneres Kind schrie nur „Wie geil ist das denn!“ und fing an, bereits die Autos zu selektieren. Meine Nr.1 wurde leider kurze Zeit darauf von jemanden anderen genommen, und ich blieb meinen deutschen Wurzeln treu und entschied mich für einen blauen VW-Jetta. Unsere Sachen waren schnell verladen und beim Verlassen der Mietwagenstation wurde dann erfasst, welchen Wagen ich genommen hatte. Auf Nachfrage, was mit der Bestandaufnahme von Kratzern und Beulen wäre, bekamen wir die Aussage, Alles was kleiner als ein Golfball und kürzer als eine Dollarnote ist, wird nicht erfasst. Also hier läuft das Mietwagengedöns definitiv anders ab als in Namibia oder Europa.

Einer meiner ältesten Freunde aus der Schulzeit lebt mittlerweile seit 20 Jahren mit Familie in Midland, Michigan. Als wir unsere USA-Reise planten, war klar, dass wir einen Abstecher zu ihm einplanen werden, und zu ihm machten wir uns nun auf den Weg. Zwei Stunden später lotste mich mein Navi in seine Auffahrt.



Wir wurden bereits erwartet und bei leckerer Lasagne saßen wir trotz langer Anreise und Jetlag noch Stunden lang zusammen und haben gequatscht.
Die nächsten zwei Tage verbrachten wir mit Reden, der Zubereitung der leckersten Rippchen, die ich je gegessen habe, im Smoker sowie Ausflügen nach Frankenmuth und den Lake Huron. Die Stadt Frankenmuth wurde um 1845 von Franken besiedelt und die deutsche Herkunft wird auf amerikanische Art vermarktet. Bayern alla Disneyland. Für einen Deutschen ist vieles echt zum Kringeln und man muss nicht alles verstehen. German Fries haben wir herausgefunden sind Bratkartoffeln, aber was sich hinter einer German Margarita versteckt, keine Ahnung.












Die zwei Tage vergingen wie im Flug, und wir waren von der tollen Gastfreundschaft meines Freundes, seiner Frau und Tochter überwältigt. Es war einfach schön, sich mal wieder länger zu sehen und zu reden.
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03 Jul 2024 20:05 #689748
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03.06 – 05.06 Seattle

Am Montag früh standen bereits die ersten beruflichen Videokonferenzen für meinen Freund an, und wir machten uns auf den Weg zum Flughafen um nach Seattle zu fliegen. Leider war bei mir mal wieder die Nervosität ausgebrochen. Als ich am Abend zuvor den Online-Check-In machen wollte, stellte sich heraus, dass wir keine festen Sitzplätze hatten, sondern nur Stand-By-Sitzplätze, dies wohl aufgrund einer kostengünstigsten Buchung. Es ist einfach nur zum Kotzen, wenn das Reisebüro solche Details für sich behält und man das so spät erst realisiert. Glücklicherweise lief alles gut, am Gate bekamen wir dann auch Bordkarten und Sitzplätze und pünktlich landeten wir ins Seattle. Hier in Seattle sollte nun unsere große USA-Nordwest-Reise losgehen. Und diese traten wir zu viert an, nämlich noch mit der Schwester meiner Frau und deren Mann. Die beiden waren bereits zwei Stunden vor uns in Seattle gelandet und warteten am Gepäckband unserer Maschine. Der Zufall wollte, dass ich die beiden hinter dem Gepäckband stehen sah, aber just in dem Moment bereits unsere Koffer auf dem Band entlangfuhren. Während meine Frau die beiden begrüßte, sprang ich los um unsere Koffer zu krallen und schloss mich dann der Begrüßung an. Prioritäten setzten kann ich :) .

Mit dem Taxi ging es zum The Mediterranean Inn. Das Hotel liegt sehr nah zu der Parkanlage, in der auch die Space-Needle steht. Und genau das war unser erstes Ziel, welches wir nach dem Bezug unsere Hotelzimmer ansteuerten.





Aufgrund dessen, dass unsere Mitreisenden, im Gegensatz zu uns, gerade ihren Jetlag in voller Stärke genießen durften, beließen wir es dabei im Park nur um die Sehenswürdigkeiten herumzulaufen, um dann in Hotelnähe ein Restaurant aufzusuchen.






Der Dienstag-Morgen begrüßte uns mit dichten Wolken, niedrigen Temperaturen und leichten Nieselregen. Dennoch brachen wir zu Fuß auf, und liefen in Richtung Seattle Waterfront. Auf dem Weg lag der Olympic Sculpture Park. Als bekennender Kunstbanause komme ich dennoch nicht umhin festzustellen, dass mich einige Skulpturen optisch angesprochen haben.





Anschließend ging es zum Aquarium, auf das ich mich ziemlich gefreut hatte. Was mir gut gefallen hat, war der Schwerpunkt auf die lokale Unterwasserwelt des Puget Sounds. Eine Unterwasserwelt, die ich selber noch nicht betaucht habe. Den Bereich, in dem man Weichtiere anfassen durfte, fand ich interessant. Als Taucher ist die oberste Regel eben nichts unter Wasser anzufassen. Zu spüren, wie ein Seestern anfängt mit seinen Stacheln deine Finger zu umgreifen war für mich neu und ziemlich cool. Dabei musste ich aber immer wieder an die Szene aus „Findet Dorie“ denken, wo Dorie und Hank ins Streichelbecken geraten und voller Panik versuchen, den Kinderhänden auszuweichen. Ansonsten merkt man schon, dass das Aquarium ziemlich in die Jahre gekommen ist, und manches nicht mehr zeitgemäß ist. Der Neubau nebendran ist leider noch nicht fertig.

Als wir das Aquarium verließen, kam die Sonne raus und der Hunger trieb uns in den Pike Place Market, ein ziemlich abgefahrener Ort. Diverse Restaurants, coole Fischläden, und unzählige andere Läden, unter anderem wohl der älteste Comicladen der USA.






(Der erste Starbucks)

Gerade als wir beschlossen hat, zum Hafen und die Hafenrundfahrt zu machen, kam eine Regenfront. Der Regen trieb uns ins Trockene und völlig ungeplant fanden wir uns an der Gum Wall wieder. An zwei Hauswänden kleben hunderttausende gekaute Kaugummis. Und ja: es ist so eklig wie es sich anhört.



Glücklicherweise zog die Regenfront sehr schnell durch und die Sonne kam just in dem Moment heraus, als wir vor dem Schiff für die Hafenrundfahrt standen. Abfahrt war in 10 min und mit einer Spurteinlage zum Ticketschalter und dann zum Boot schafften wir es. Wegen dem Regen war die Anzahl der Besucher auf den Boot gering und wir genossen in den wärmenden Sonnenstrahlen die Hafenrundfahrt auf dem Oberdeck.



(Blick auf den Olympic NP)










Es war spät geworden und so machten wir uns zu Fuß auf den Rückweg. Im Gegensatz zum Morgen hatten wir nun schönsten Sonnenschein, der leider nun auch die hässlichen Seiten Seattles zum Vorschein brachten: Die homeless people. Für uns als Deutsche war das ein eher erschreckender Anblick. Menschen, die mit ihrem Hab und Gut auf der Straße leben, weil sie sich keine Wohnung leisten können, und teilweise im Drogendelirium auf der Straße lagen. Menschen, die sich vor dir die Spritze in den Arm setzen oder brüllend an dir vorbeilaufen.


Am Mittwoch brachen wir zu Fuß in Richtung Pioneer Square auf.



Ich hatte bereits in Deutschland Tickets für „Beneath the streets“ gebucht, und die sollte dort um 11 Uhr losgehen. Ich bin auf diese Tour durch die Scheibenwelt-Romane von Terry Pratchett gestoßen, der die Geschichte Seattles in seinen Romanen eingearbeitet hatte. Als Seattle gegründet wurde, wurde die Stadt auf einem schlammigen Untergrund gebaut. Die vielen Regenfälle und der Pazifik sorgten dafür, dass die Straßen meist aufgeweicht waren und bei Hochwasser regelmäßig überschwemmt wurde und dadurch Mensch, Tieren und Fuhrwerke versanken. 1889 wurde Seattle fast vollständig durch einen Brand zerstört. Ursache war ein Ölbrand, den jemand versuchte mit Wasser zu löschen. Das war an für sich schon dämlich genug. Da das genau neben der Whisky-Brennerei passiert, machte das Ganze erst richtig explosiv. Nach dieser Warmsanierung entschloss man sich Seattle neu und besser aufzubauen. Zitat aus Wikipedia:
„Die Stadt verbot daraufhin hölzerne Gebäude und beschloss, Teile der Stadt „anzuheben“, um dadurch die Probleme zu lösen. Dazu wurden die Steilufer zum Puget Sound hin abgetragen. Die Straßen wurden mit dem Abraum angefüllt und erhielten dadurch eine gleichmäßigere Steigung.
Da diese Geländearbeiten aber nur langsam vorankamen, wurden die neuen Gebäude vom alten Straßenniveau ausgehend errichtet. Durch das spätere Anheben der Straßen um bis zu zehn Meter entstand eine stellenweise extrem gefährliche Höhendifferenz zwischen Straße und Gehsteig, weshalb im Laufe der Zeit die Gehsteige auf dem neuen Straßenniveau überdeckt und die Hauseingänge in höhere, jetzt „ebenerdige“ Stockwerke verlegt wurden. Die ehemaligen Erdgeschosse wurden zu Kellern.“



Und genau das kann man bei der gebuchten Tour besichtigen. Man steht auf den alten Bürgersteigen nur ein paar Meter unter der Oberfläche. Aus Sicht eines Fotografen macht das nicht so viel her, aber die Geschichten dazu sind einen Besuch wert.
Nach der Tour erkundeten wir noch etwas die Gegend um den Pioneer Square, bevor wir uns entlang der Waterfront zum Pocket Beach und über den Centennial Park langsam, aber stetig zurück zum Hotel arbeiteten.



(Das erste Hochhaus in Seattle)




Punkt 19 Uhr standen dann meine Frau und ich wieder vor der Space-Needle, die mittlerweile von der Schwabenfraktion unserer Reisegruppe zu „The Schniedel“ (Anspielung auf, na ihr wisst schon) umgedichtet wurde, um auf die Aussichtsplattform hochzufahren. 19 Uhr deshalb, da der Eintrittspreis dann von 45$ auf 35$ reduziert wird. Der Ausblick war fulminant. Und da das Wetter aufgeklart hatte, konnte man auch endlich den Mount Rainier sehen.




Anhang:
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03 Jul 2024 20:12 #689749
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06.06 – Fahrt nach Anacortes

Ein Tag mit Höhen und Tiefen. Heute verlassen wir Seattle und unser Road Trip bis Salt Lake City beginnt. Und was ist das Wichtigste an einem Road Trip? Genau, ein fahrbarer Untersatz. Und den hieß es am Flughafen bei Avis in Empfang zu nehmen. Also alle Mann und Frauen wieder in ein Taxi und zurück zum Flughafen. Mein Problem an diesem Tag: Die Zeit.

Der Mietwagen war über das Reisebüro schon sehr früh gebucht worden. So weit so gut, bis ich bei der Detailplanung für diesen Tag feststellen musste, dass die Übernahme für 11 Uhr angesetzt war. Für unser Programm viel zu spät. Bei dem Versuch die Übernahme auf 8 Uhr vorzulegen, kam von Avis: Geht, aber dann ist das wie eine Neubuchung und die kostet euch 500$ mehr. Super. Das war es uns nicht wert, aber um Prof. Schnauz aus der Feuerzangenbowle zu zitieren: „Da stellen wir uns mal ganz dumm“ und standen gegen 9:30 bei Avis an dem Schalter und bekamen, ohne zu murren, den Wagen. Einen Chrysler Pacifica.



Bis wir allerdings den Wagen gefunden hatten, alles verstaut war, jeder seinen Sitz hatte und wir aus dem Parkhaus raus waren (aufgrund von Blödheit war ich zwar aus der Avis-Station rausgefahren, nur um anschließend bei der Mietwagenrückgabe wieder reinzufahren und ich musste somit die Runde nochmal drehen), war es bereits 11 Uhr. Unser Ziel war Anacortes aber mit dem Zwischenziel North Cascades NP. Auf dem Weg dahin, führte mein Navi uns leider in einem bestimmten Bereich nicht über den Highway, sondern über die parallele Straße, die mit Ampeln nur gespickt war und so erreichten wir später als gehofft den North Cascades NP. Der Stress viel aber ab, bei diesem Natur-Anblick.



Zeit für einen kurzen Trail hatten wir auch noch.










Es war zwar nur ein kurzer Abstecher, aber ich bin froh diesen gemacht zu haben, vor allem wegen der Pleite mit Glacier NP, dazu später mehr.
Am frühen Abend erreichen wir Anacortes und bezogen unsere Zimmer im Anaco Bay Inn. Die Unterkunft war in Ordnung, aber man sieht überall, dass die große Zeit des Hotels längst vorbei ist.


07.06 – Anacortes, Whale Watching

Heute ging es zum Whale Watching, der große Wunsch meiner Frau. Ich selber war bis zu diesem Zeitpunkt eher verhalten. Vor Madeira hatte ich vor vielen Jahren das gemacht und bin da ziemlich ernüchternd zurückgekommen. 2,5h angeschnallt auf einem Speed-Zodiak über die Wellen geeiert, um genau eine Minute lang die kleine Rückenflosse eines Pottwals zu sehen, der dann abtaucht, kurz mit der Fluke wackelt und dann für Stunden weg war. Meine Erwartung für diesen Tag war gering, Tendenz gegen Null. Aber es sollte, glücklicherweise, anders kommen.

Wir fuhren zum Hafen von Anacortes, meldeten uns beim Veranstalter an und nach einer halben Stunde konnten wir mit geschätzten 30 weiteren Interessierten auf das Boot. Aus der Erfahrung mit Madeira hatte ich ein kleines Zodiak abgelehnt (O-Ton von mir: Wir brauchen ein größeres Boot ) und wir hatten ein Festrumpfboot gebucht. Auch wenn die Sonne schien, war es kalt und mir war klar auf dem Boot mit dem Fahrtwind, wird es richtig kalt. Also ganz viele Schichten angezogen.







Bereits nach einer halben Stunde hielt das Boot an und wir hatten Buckelwale. Es war eine Mutter mit ihrem Kalb und noch einem weiteren Erwachsenen. Wegen dem Kalb konnte die Mutter nicht so lange tauchen und so kamen die Wale im 10/15 Minuten Takt an die Oberfläche. Und da Mutter und Kalb nie gleichzeitig auftauchten, war man immer gewarnt vom Blas des ersten und wusste: gleich kommt der zweite Wal. Wir sind ca 1h bei den Walen geblieben. Ich war einfach nur begeistert. Kein Vergleich zu Madeira.












Aber Wale waren nicht die einzigen Tiere, die es zu sehen gab: Zwei Puffin- Arten, Seehunde und Seelöwen.
















Es war ein durch und durch toller Vormittag, und zählt zu meinen Highlights dieser Reise.
Am frühen Nachmittag fuhren wir nochmal zum Washington Park und wanderten entlang der Küste.







08.06. – Fahrt in Richtung Olympic NP

Wir verlassen Anacortes und fahren die Insel gen Süden bis Fort Casey um dort mit der Fähre nach Port Townsend überzusetzten. Unterwegs kommen wir an Naval Air Station Whidhey vorbei. Einen Abstecher (Vielleicht hätte man was sehen können) dahin verwerfe ich sofort, da das Interesse meiner Mitreisenden an Navy Kampfflugzeugen auf einer Skala von 1 bis 10, bei minus 1 liegt. Also bleibt es bei diesem Foto.



Nach dem Überqueren der Canoe Pass Bridge halte ich an, und der Rest der Mannschaft darf sich mit mir die Brücke anschauen.










Meine Frau hat einen Adler-Blick, was Fluch und Segen zu gleich ist. Fluch, weil sie ständig an mir irgendwelche Fussel, Brösel oder was weiß ich für Teilchen im Mikrobereich entdeckt und wegwischt. Segen, weil sie immer die geilen Tiere entdeckt. Als wir auf der Brücke stehen, findet sie zielsicher den Weißkopfseeadler (Ok den habe auch ich gesehen) und den Seehund, der in der starken Strömung im Deception Pass jagt und spielt.








Weiter geht es zur Fähre. Dort angekommen, stelle ich mal wieder fest, in Amerika etwas ohne Vorbuchen zu machen, kann in die Hose gehen. Für die Fähre müssen wir uns in die Reihe ohne Vorreservierung stellen und mit Sorge sehe ich die Schlange mit Reservierung immer länger werden. Als die Fähre da ist und beladen wird, kommt es wie es kommen muss. 2/3 der auf die Fähre passenden Fahrzeuge haben eine Reservierung. Als unsere Reihe endlich drankommt, kann das Auto vor mir noch drauffahren. Wir müssen warten. Ich könnte ….., aber es hilft nichts, wir müssen 1,5h auf die nächste Fähre warten. Die Zeit überbrücken wir mit laufen am Strand und picknicken.



(Das hätte unsere Fähre sein können)






Als wir endlich übergesetzt sind, wollen wir uns Port Townsend anschauen. Dummerweise findet ein Fest statt, und die Stadt und die Parkplätze platzen aus allen Nähten. Wir finden keinen Parkplatz und fahren weiter zu unserer Unterkunft, dem Olympic View Inn in Sequim.
Nachdem ich mich von der Fahrerei des Tages etwas erholt habe, geht es in das naheliegende Dungeness National Wildlife Refuge. Eine nette Rangerin steht im Eingangsbereich und wir bekommen den Tipp den kleinen Umweg durch den Wald zu nehmen. Die erhofften Paarhufer, die dort leben sollen, sehen wir leider nicht, dafür aber diesen Gesellen.



Als wir den Wald verlassen, treffen wir auf den windumtosenden Strand, der mit Tonnen von Treibholz bedeckt ist. Eigentlich kann man bis zum Leuchtturm laufen was um die 4h benötigt, aber da wir so spät dran sind, war eh klar, dass wir bis dahin nicht kommen werden. Wir wollten auch nur ein paar Schritte den Strand entlang laufen. Aber es kommen uns etliche weitere Besucher entgegen, und als eine Dame uns sagt, ihnen wäre bereits gesagt worden, man solle wegen dem Wetter umkehren, entschließen wir uns auch dazu.






Abends gehen wir beim Mexikaner um die Ecke. Bei der Bestellung werde ich gefragt, ob ich eine normale oder mexikanische Cola haben möchte. Mutig wie ich sein kann ?, bestelle ich die Mexikanische und bekomme eine stinknormale Coca Cola in der Glasflasche. Der Unterschied ist der „gute“ Zucker und nicht der böse „Maissirup“, wie bei den üblichen Softgetränke.
Letzte Änderung: 03 Jul 2024 20:18 von Bonebreaker.
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03 Jul 2024 20:22 #689750
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09.06 Olympic National Park

Wir entscheiden uns heute mal frühstücken zu gehen, und zwar im Mariner Cafe.



Ich fand die Atmosphäre ziemlich cool und bekam eine riesige, superleckere heiße Schokolade mit einem Berg aus Sahne obendrauf. Oder wie meine Frau sagte „Der Chuck Norris unter den heißen Schokoladen“.



Damit gestärkt ging es auf die Fahrt um den Olympic NP. Ziel war der HOH Rain Forest. Unterwegs noch eine Sightseeing-Stopp am wunderschönen Lake Crescent.












Für alle Twilight-Fans. Ja durch Forks sind wir auch gekommen.



Vor dem Hoh Rain Forrest war Stau. Aufgrund der begrenzten Parksituation konnte man nur einfahren, wenn ein Auto herauskam. Ich vermute wir musste eine knappe Stunde warten, dann durften auch wir rein. Wir liefen zuerst den Hall of Mosses Pfad und nach unserem Mittagspicknick noch den Spruce Natural trail.
















Wir verließen den Forest und auf unserem Weg nach Ocean Shores, wo wir im Lighthouse Suites Inn gebucht hatte, machten wir noch einen Zwischenstopp am Ruby Beach. Der Kontrast zum Vormittag war gewaltig. Hatten wir bis dato Sonnenschein und einen blauen Himmel, war es damit an der Pazifikküste schlagartig vorbei. Graue Regenwolken und ein starker kalter Wind von Meer her.










Zum Abendessen geht es zum Bennett’s Fish Shack. Von außen sieht es wie die letzte Kaschemme aus, drinnen hat es einen amerikanischen rustikalen Charme, in dem ich mich wohlfühle und ich bestelle Fish an Chips, die lecker sind.





10.06. Mt Rainier

Der Morgen startete, wie der Vortag endete. Bewölkt und regnerisch, aber der starke Wind vom Vortag war weg. Mit jedem Kilometer, den wir uns dem Mount Rainier näherten, wurde der Himmel blauer. Beim Parkeingang war erneut eine große Fahrzeugschlange. Bei unserer Reiseplanung fand ich heraus, dass mittlerweile für stark frequentierte NP der Eintritt reglementiert war und es pro Tag feste Kontingente gab, die reingelassen wurden. Man konnte über das Internet sich eine Reservierung sichern oder vor Ort. Die im Internet waren nur ab einem bestimmten Zeitraum freigeschalten. Sowohl für den Glacier als auch für Rainier hatten wir uns im Vorfeld die Reservierung geholt. Vom Stau war ich weniger überrascht als vielmehr darüber, dass es so schleppend ging. Dieses Reservierungssystem gibt es noch nicht so lange (ich glaube erst seit diesem Jahr) und am Gate standen viele Autos, die das nicht wussten und dann erst am Parkeingang erfuhren, dass sie nicht reindürfen. Das dabei etliche rumdiskutierten, ist logisch und die hielten auf. Als wir endlich drin waren, fuhren wir die Paradise Road gemütlich entlang und hielten an diversen Aussichtpunkten und Sehenswürdigkeiten entlang der Straße, bis wir am Henry Jackson Visitor Center ankamen.














Unser Plan dort etwas die Beine zu vertreten und einen kurzen Trail zu laufen, ging leider in die Hose. Hier oben war alles zugeschneit. Nur die Straße war freigeräumt. Also die Stevens Canyon Road weiter gen Osten. Am Reflection Lake war es mit einem Foto, wie der Rainier sich im Wasser spiegelt, nicht weiter her. Ist nicht ins Wasser, sondern in den Schnee gefallen.



Wir verließen den NP am Osteingang und fuhren noch das kurze Stück zur Packwood Lodge, wo wir übernachteten.


11.06 St Helens & Portland

Tagesziel diesmal: Portland, aber mit einem Abstecher zu dem berühmtesten Vulkan Nordamerikas, den Mt. St. Helens. Von Packwood ist die Luftlinie gar nicht so weit zum St. Helens, aber leider gibt es wegen den Bergen keinen direkten Weg und man muss erst ganz weit nach Westen bis Ethel, bevor man wieder einen Schlenker machen kann, um gen Osten zum St. Helens vorzustoßen. Das Glück der letzten Tage mit dem Wetter lässt uns heute im Stich. Als wir das Visitor Center am Berg erreichen, liegt Alles in den Regenwolken.







Wir gehen notgedrungen in das Visitor Center und schauen uns die interessante Ausstellung zu dem Vulkanausbruch an.
Wir brechen ab und fahren zurück. Bevor wir endgültig auf die Interstate 5 in Richtung Portland auffahren, machen wir nochmal Rast beim WA Parks Mt Saint Helens Interpretive Center. Dort gibt es kurzen Wanderweg. Ich bin schlecht gelaunt und lasse meine Kamera beim Auto. Wir waren keine fünf Minuten losgelaufen, renne ich bereits wie von Hummeln gebissen zurück und schnappe mir meine Kamera. Der Grund war dieser Ausblick:



Zumindest hat Mount St. Helens uns liebenswerterweise einen Blick auf seine Knie erlaubt :laugh:

Doch damit nicht genug, Auf dem Trail tummeln sich Strumpfbandnatter, diverse Vögel und plötzlich saust ein AH64- Apache über uns hinweg. Ich fange an wie Honigkuchenpferd zu grinsen. Gab es wenigstens hier eine kleine Entschädigung für den verregneten St. Helens.











Aber die Zeit drängt und wir sitzen schon bald wieder im Auto und fahren nach Portland, gebucht war das Courtyard by Marriott in der Stadt. Da das Hotel 50$ für das Valet-Parken wollte, stelle ich das Auto gleich um die Ecke auf einen der vielen Public-Parking Plätze.
Die Damen unsere Gruppe wollten nun Shoppen gehen, weil Oregon angeblich keine Tax verlangen würden, und daher alles so günstig sei. Ich wollte nicht shoppen. Nachdem aber das Marine Museum an diesem Tag zu hatte, die Sehenswürdigkeiten an der Riverfront die Damen auch noch anschauen wollte, verwarf ich meinen Plan etwas alleine zu machen und wir vier gingen shoppen, zum Pioneer Place. Nun der Plan ging nicht so ganz auf, den in diesem Center gab es vereinfacht formuliert entweder Geschäfte alla Louis Vuitton oder alla H&M. Beides was die Damen nicht wollten.

Mein Schwippschwager hoffte schon auf eine frühzeitige Rückkehr, ich konnte aber an der Körpersprache meiner Frau ablesen, dass das zwar gerade alles ziemlich doof ist, sie aber noch nicht aufgegeben hat. Wäre mein Mund nur so schlau gewesen, wie meine Intuition. Bevor ich nachdenken konnte, kam von mir ein „Und wo solls denn jetzt hin gehen“, in leicht nöligen Ton. Ist ungefähr wie bei dem Typen in Seattle gelaufen, der brennendes Öl mit Wasser löschen wollte. Glücklicherweise war diesmal keine Whisky-Brennerei in der Nähe. Meine Frau war jedenfalls stinkig und lief schnurstracks in eine beliebige Richtung. Glücklicherweise tauchte ein großes japanisches Geschäft auf, das ein bisschen wie Ikea aufgebaut war, Namen habe ich vergessen. Nette Sachen, aber auch nicht ganz billig, und für Menschen mit 191cm Körpergröße nicht passendes vorhanden. Aber meine Frau war besänftigt und wieder guter Laune. Nur gekauft wurde natürlich: nichts. Männer und Frauen verstehen unter shoppen halt etwas anderes.

Laut Reiseführer ist Portland unteranderen dafür bekannt, dass es dort viel Streetfood gibt. Da wir mittlerweile Hunger hatten und es Zeit für ein vernünftiges Abendessen war, gingen wir zu einem Streetfoodmarket, der bei unserem Hotel um die Ecke lag. Es gab Dutzende Wägen mit Essen nach amerikanischer, asiatischer, mexikanischer, indischer, türkischer und was weiß ich welcher Art. Es war für jeden etwas dabei, ziemlich cool.






So gestärkt machten wir uns zu Fuß zur Riverfront und beim schönsten Abendlicht konnten wir die diversen Brücken unter anderem auch die Steel Bridge (welch einfallsreicher Namen) bewundern Letztere ist eine noch aktive vertikale Hebebrücke, die 1912 in Betrieb genommen wurde. Architektonisch eher der Glöckner von Notre Dame unter den Brücken, technisch aber ne ziemlich coole Sache.







(Hier wurden die Innenaufnahmen des Films Maverick mit Mel Gibson gedreht)
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12.06 Walla Walla

Da wir unsere Zimmer ohne Frühstück gebucht hatte, gingen wir ins Grits N‘ Gravy um uns zu stärken. Ehrlich gesagt hauptsächlich die anderen, ich war noch pappsatt von meinem Abendessen. Wir checkten aus und ich holte unserem Wagen und fuhr zum Hotel, damit wir unser Koffer nicht durch die Gegend schleppen mussten. Dabei durfte ich feststellen, dass Amerikaner Probleme haben unter beengten Verhältnissen Auto zu fahren. Natürlich waren wir nicht die Einzigen, die loswollten. Ich stellte mich vor ein Auto, dessen Besitzer auch gerade am Einladen war, und setzte zurück, damit ich vorne nicht in die Querstraße reinragte. Beim Herfahren hatte ich gesehen, dass hinter dem Auto eine Autolänge (europäische Autolänge, nicht amerikanische :) ) Platz war, sonst hätte mich auch nicht vor ihn gestellt. Kaum war ich ausgestiegen, kam der Fahrer und bat mich wieder vorzufahren, sonst käme er nicht raus. Echt jetzt? Das Prinzip rückwärtszufahren, lernt ihr schon in der Fahrstunde, oder? Ich war aber lieb und kam seinem Wunsch natürlich entgegen, ohne zu maulen.

Bei wenig Verkehr verließen wir Portland und fuhren bei Troutdale von der Interstate 84 ab, um den Historic Scenic Highway parallel entlangzufahren.



Es ist eine wunderschöne Strecke, mit tollen Ausblicken auf das Columbia Flusstal, gespickt mit etlichen schönen Wasserfällen entlang der Strecke.









Im Anschluss besichtigten wir noch den Bonneville Dam.





Danach ging es weiter den Columbiariver in Richtung Walla Walla entlang. Schon nach kurzer Zeit änderte sich die Landschaft, die Nadelwälder verschwanden und die Halbwüste, auch als Great Basin bezeichnet, breitete sich vor uns aus. Wir fuhren nicht auf den direkten Weg nach Walla Walla, sondern machten einen Abstecher über Pendelton, weil wir noch in Tamastslikt Cultural Institute vorbeischauen wollten, was unser Reiseführer als eins der besten Indianer Museum bezeichnete.
Nun, ehrlich gesagt, es war OK, aber das Prädikant „eins der Besten“ fällt mir schwer zu bestätigen. Gut, ich kenne die anderen nicht, und vielleicht waren die dadurch geschürten Erwartungen einfach zu hoch. Es hat mich nicht wirklich begeistert. Es ging viel um die Bedeutung der Pferde und natürlich die Vertreibung und Unterdrückung der Indianer durch die Siedler. Aber ich bin mit mehr Fragen rausgekommen als ich rein gegangen bin. Nur eins von vielen Beispielen. In einem der Erklärtexte wird beschrieben, dass die Bögen aus Holz verstärkt mit Knochen von Tieren hergestellt wurden. Nur warum gibt es kein Exponat dazu? Ich hätte mir das wirklich gerne mit eigenen Augen gesehen. Das nur als kleines Beispiel, aber so erging es mir den ganzen Aufenthalt, wo du hingeschaut hast, wirkte so vieles unvollständig.

Danach ging es in La Quinta Inn in Walla Walla. Im Laufe der Zeit hatte sich unter uns Vieren eine gewisse Arbeitsteilung eingestellt. Meine Frau war Reiseführerin, sie hatte ja auch die Reise im Großen und Ganzen mit dem Reisebüro abgestimmt. Sie las uns die wichtigsten Passagen aus den Reiseführern zu den täglichen Zielen vor und unterstützte mich bei der Navigation. Ich war der Fahrer und Fotograf und meiner Schwägerin und deren Mann suchten abends die Restaurants raus.

Für diesen Abend war mongolisch angesagt. Ja wir haben nicht nur Burger gegessen . Für mich war es das erste Mal. Man nimmt sich eine Schale (klein, mittel, groß) tut sich dort die kalten und teilweise rohen Zutaten (Nudel, Gemüse, Fleisch ect) rein und übergibt das Ganze dem Koch, der das auf einer riesigen Platte anbrät und dir dann, wenn es fertig ist, in der Schale zurück gibt. Als ich dabei bin meine Schale zu füllen, registriere ich, dass man schon versucht einen schönen Berg in seine Schale draufzuladen. Es wird ja nicht nach Gewicht, sondern nach Schalengröße abgerechnet. Zufrieden mit meinem Ergebnis gebe ich die Schale an den Koch, der etwas verwundert guckt. Ich denke noch so, habe ich übertrieben. Er war wohl verwundert über meine „kleine“ Menge. Eine amerikanische Familie kam rein, die mir zeigte, dass ich einfach ein ahnungsloser Stümper im Lebensmittelstapeln bin. Zuerst nehme man die größte Schale und füllt diese, dann wird mit den gefrorenen Fleischstücken der Schalenrand erhöht, danach gibt es eine neue Ladung Zutaten. Wenn das Paket dabei ist, wieder runterzurutschen wird mit den Händen das ganze komprimiert und neu aufgestapelt. Das wird so lange wiederholt, bis nichts mehr geht. Und dass war für eine Person. Ich spiele einfach nicht in deren Gewichtsklasse, und das meine ich wortwörtlich :)

Den Abend lassen wir im Freien ausklingen. Es ist das erste Mal, dass wir aufgrund der Außentemperaturen, aber auch weil das Hotel eine halbwegs nette Sitzgelegenheit im Freien anbot, das machen können.


13.06 Coeur D’Alene

Als wir aufbrechen, liegen bis Spokane, unser erstes Tagesziel, 3h Autofahrt vor uns, die ich routiniert runterspule. Wie die Gebildeten und Älteren unter Euch natürlich wissen, war Spokane Gastgeber des Expo 1974. Ich muss das natürlich nicht wissen, ich war da ja noch nicht geboren :laugh: . Aber jetzt ist diese essentielle Wissenslücke auch geschlossen. Die Besonderheit ist, dass durch Spokane nicht nur der gleichnamige Fluss durchfließt, sondern dieser eben dort auch zwei Wasserfälle hat. Um darum herum liegt das schön gemachte ehemalige Expogelände.
















Am Nachmittag geht es weiter zu unserem Tagesziel Coeur D’Alene. Der Name stammt von den französischen Pelzhändlern für den dort damals lebenden Indianerstamm, da diese wohl ziemlich hart verhandelte, daher Herz aus Stein. Wir erreichen unser Hotel, das Days Inn Coeur D’Alene.
Wir machen uns auf, um den See zu besuchen und stellen fest, dass dieser Ort ein klassischer amerikanischer Urlaubsort ist. Auf dem See tummeln sich Motorboote, mit und ohne Gleitschirme, es gibt Ausflugsboote, und regelmäßig starten und landen Wasserflugzeuge.





Wir beschließen entlang des gebirgigen Ufers entlangzuwandern. Natürlich sind wir nicht die Einzigen. Vor allem Jugendliche in Gruppen kommen uns entgegen. In jeder Bucht, an der wir vorbeikommen, herrscht Partiestimmung. Je länger wir laufen, desto „leerer“ wird es und nach einer Dreiviertelstunde kommen wir an eine Bucht, die zwar nicht leer ist, aber so wenige Besucher hat, dass wir Vier ein Plätzchen für uns finden.






Meine Frau und ich gehen, wie geplant, schwimmen. Als mein Fuß im Wasser ist, bestätigt sich mein Verdacht. Es ist arschkalt. Da meine Frau mich kennt (ich gehöre zur Fraktion heiß duschen), kommt ein „Blamier mich bloß nicht“ in meine Richtung. Etwas beleidigt lasse ich mich rückwärts in Wasser plumpsen und unterdrücke einen Aufschrei. Himmelherrgott: es wirklich kalt. Aber wie so oft ist der Anfang das Schwerste, und nach kurzer Zeit hat man sich an die Temperatur gewöhnt und wir schwimmen, bzw planschen im Wasser rum. Ehrlich gesagt irgendwie komme ich mir auch wieder wie ein Teenager vor, der in seinen Urlaub mit Freunden an irgendeinem See seine Zeit verbringt. Die Wassertemperatur zwingt aber einen dann doch irgendwann wieder raus und wir machen uns auf den Rückweg, zumal das Auto nur ein 2h Parkticket hat.

Unser Versuch in der Pizzeria um die Ecke essen zugehen, schlägt fehlt, da die gerade Pizzas für eine Hochzeitsgesellschaft machen und die nächsten 3h belegt sind. Aber ein sehr guter Burgerladen um die Ecke kann unseren Hunger stillen.



14.06 Kalispell

Der letzte Fahrtag bevor wir in den Glacier NP kommen, bricht an. Unterwegs ist als Stopp die Bison Range geplant. Bis dahin fahren wir durch eine wunderschöne Landschaft mit Flusstälern, Gebirge und Nadelwald.



Teilweise schimmern die Flüsse blau und im Hintergrund sieht man die Schneebedecke Berge. Ich Vollidiot fahre weiter, weil zum einem es nicht ganz so einfach ist auf den Straßen jederzeit anzuhalten, zum anderen wollte ich meine Mitreisenden nicht total mit meiner Fotoleidenschaft nerven, zumal man bei 70Meilen/h meist eher eine Vollbremsung ausführen muss, um die entdeckten Haltemöglichkeiten erwischen zu können. Morgen kann ich das alles in Ruhe fotografieren, dachte ich mir ja. Spoiler: es kam anders.
Als wir die die Bison Range erreichen und im, obligatorischen, Visitor Center Eintritt zahlen und eine Karte erhalten, wird uns erklärt es gibt zwei Möglichkeiten. Die Dreiviertel-Stunde strecke, wo man entlang der Weiden langfährt und dann umkehren muss, oder die 2h Tour, die als Rundweg angelegt ist und man an Ende die Weidenstrecke entlangfährt.



Wir nehmen die 2h Tour und bereits 2min nach dem Losfahren ist es wie in Namibia im Etosha. Langsam entlangfahren und nach Tieren Ausschau halten. Wir hatten uns für die Bison-Range entschieden, weil ich dachte, sollten wir im Yellowstone wider Erwarten Keine sehen, dann haben wir hier wenigsten die Chance.
Der Weg ging über die Berge mit teilweise 10% Steigung. In machen Bereich durfte man Aussteigen und Sicht über die Landschaft genießen.









Es waren zwei schöne Stunden mit vereinzelten Bisons.




Aber auch andere Tiere galt es zu entdecken.







Die große Herde war dann, welch Überraschung, am Ende im Bereich der großen Weiden.









Von der Bison Range ging entlang des Flathead-Lakes nach Kalispell (Wen die Göttin Kali genau verflucht hat, haben wir nicht herausgefunden) in das Super 8 Hotel. Als wir nach dem Abendessen noch einen Verdauungsspaziergang im angrenzenden Wohngebiet unternahmen, war irgendetwas komisch. Es waren gefühlt mehr Autos unterwegs als gewohnt, vor allem viele getunte Autos. Zuerst dachten wir uns nichts dabei, es war Freitag Abend. Aber es wurden immer mehr und mehr, auch aufgemotzte Pickups, die immer kurz Gas gaben, damit die V8 aufheulten. Es war ähnlich in Mannheim, wenn die Prolls ihre BMWs Abends zum Zeigen in der Innenstadt rumkutschieren. Als wir uns an die Hauptstraße stellten, war klar, da war irgendetwas los. Eine krasse Karre nach der anderen fuhr mit durchdrehenden Rädern und aufheulenden Motoren an uns vorbei.



Wir haben bis heute nicht herausgefunden, was es war, vermutlich irgendein Auto/Drift oder sonstwas Treffen.
So lustig das Ganze anfangs war, als um 11 Uhr in der Nacht man nicht schlafen konnte, weil die Herrschaften als weiter ihre Motoren aufbrüllen liesen, war das extrem nervig. Gottseidank gibt es Ohropax.
Letzte Änderung: 03 Jul 2024 20:42 von Bonebreaker.
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  • Gabi-Muc am 04 Jul 2024 00:44
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Hallo,

vielen Dank für Deinen Bericht und die dazugehörigen tollen Fotos. Das macht Lust auf einen USA Urlaub.

LG

Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
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