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THEMA: Japan–Parks, Volljährigkeit, Berge, Fleischklopse
20 Jan 2024 14:36 #680783
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Über den Jahreswechsel waren wir 3 Wochen bei Schwiegermuttern. Ich hatte die Kamera dabei und habe ein paar Fotos gemacht. Wenn auch schon wieder kein Afrika-Bericht, so gibt es ja durchaus Interesse an etwas exotischeren Reisezielen, oder? Und wenn das hier durch ist, kommt ein Reisebericht aus Ecuador.

Wir waren mit einer Ausnahme nur in Tokyo. Die Ausnahme waren 3 Tage Hida-Takayama, ein beliebtes Ausflugsziel in den japanischen Alpen. Also keine klassische Rundreise, daher gibt es hier auch nur punktuelle Impressionen. Auch der ungemütliche Winter bietet einige Fotomotive, man muss nicht unbedingt immer nur Sommerurlaub in Japan machen, und auch die Tierwelt ist zu dieser Jahreszeit aktiv und sichtbar.

Der erste kleine Ausflug innerhalb Tokyo’s führte mich zur U-Bahn-Station Nishi-Nippori, um durch das Yanaka-Viertel zu schlendern. Dort gibt es sowohl einen recht grossen Friedhof, auf dem die Tokugawa-Familie bestattet liegt, als auch die Yanaka-Ginza, eine schmale Einkaufsgasse mit kleinen Läden.



Tokyo ist unglaublich eng bebaut, auch mit Einzelhäusern, aus deren Fenstern man seinen Nachbarn mit Handschlag begrüßen kann, wenn auch der Nachbar sich in seinem Fenster zeigt. Aber die Japaner begrüßen sich ja nicht mit Handschlag, sondern haben blickdichte Vorhänge. Da es keinen Platz für weitläufige Vorgärten gibt, sind die Hauseingänge häufig mit Blumentöpfen vollgestellt.

Weiter ging es in den Rikugien-Park (U-Bahnstation Sengoku). Er wird als einer der bedeutendsten und ältesten Parks Japans bezeichnet und wurde während des Tokugawa-Shogunats errichtet (ca. im Jahr 1702).




Die Parks in der Grossstadt sind erstaunlich voll von Vögeln. Die Parks, die eine größere Wasserfläche haben, sind auch Aufenthaltsorte für Reiher.


Da ich mich bisher nie für Tokyo’s Vogelwelt interessiert hatte, ist dies meine erste Sichtung einer Buntmeise. Im Laufe der 3 Wochen sind mir danach ständig Buntmeisen aufgefallen.


Der Herbst ist auch in Japan bekannt für seinen „Indian Summer“, und die Blätter des japanischen Ahorns stechen mit seiner Farbgebung zwischen gelb und tiefrot dabei heraus. In vielen Parks sind diese Bäume gepflanzt. Erstaunlicherweise sind selbst Anfang Januar diese Farbspiele noch zu bewundern.
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21 Jan 2024 18:43 #680853
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Bunkyo-ku ist der Stadtbezirk, in dem meine Frau aufgewachsen ist. Dort liegt der Nezu Jinja. Zum Neujahr gehen alle Japaner zum Schrein in ihrer Nachbarschaft, um für ein gutes neues Jahr zu bitten. Hier auf dem Bild am 3. Januar ist es erstaunlich leer, an anderen Schreinen ist deutlich mehr los.




Es gibt auch ganz Hartgesottene, die zum ersten Glockenschlag um Mitternacht am Schrein sein wollen. Das kann zu einem riesigen Gedränge führen an den bekanntesten Schreinen des Landes. So gehen in den ersten 3 Tagen im Januar etwa 3 Mio Menschen zum Meiji Jingu, einem Schrein im Stadtteil Yoyogi. Auch ich war mal dort in der Silvesternacht 1998, weil ich in der Nähe wohnte, es hat mich etwa 3 Stunden gekostet, um zum Schrein vordringen zu können. Direkt vor dem Meiji Jingu stehen dann Polizisten, bewaffnet mit Plexi-Schutzschilden. Warum? Zum Beten wird eine kleine Geldgabe, meist etwa 100 Yen, in eine kleine Holzbox geworfen. Da aber der Bereich vor der Holzbox in diesen Tagen abgesperrt ist, werden aus dem Gedränge heraus die Geldstücke nach vorne zum Schrein geworfen, die Polizisten schützen sich so vor den geworfenen Münzen. In regelmässigen Abständen wird das Geld zusammengefegt und abtransportiert.

Auch die Tokyo University („Todai“ – Tokyo Daigaku) liegt im Bezirk Bunkyo. Der Campus war Schauplatz von Studentenunruhen im Jahr 1960 als Protest gegen den Sicherheitsvertrag mit den USA, in deren Folge 500 Studenten verletzt wurden. Solch eine Randale traut man heutzutage den Japanern gar nicht mehr zu. Wenn mal eine Demo stattfindet, dann nur noch in Kleinstgruppen gesittet auf dem Bürgersteig. Die Todai liegt übrigens auf dem Uni-Ranking in Japan ganz vorne. Der Campus ist sehr gross, umzäunt mit mehreren Eingangstoren.


Die Uni hat auch einen eigenen Park, in dem auch Ahorn-Bäume wachsen.





Shinjuku Gyoen ist ein Park im Stadtteil Shinjuku. Er ist völlig überlaufen zur Zeit der Kirschblüte. Jetzt im Januar ist nicht viel los. Blumen blühen aber doch, so dass Hana-mi (das Blütenbetrachten) auch in der kalten Jahreszeit möglich ist.






Der prägendste Vogel Tokyo’s ist meiner Meinung nach der Rabe. Sie sind überall zu sehen, nicht nur in den Parks, sondern auch entweder in den Lüften fliegend oder in einem Baum oder auf einem Strommast sitzend. Das Krächzen ist allgegenwärtig und auf Dauer nervtötend. Als ich vor etwa 25 Jahren in Tokyo gewohnt hatte, war ein Rabe vor meinem Schlafzimmerfenster mitten in der Nacht immer sehr mitteilungsbedürftig, und das über Monate.




Obwohl Shinjuku nicht weit entfernt von meiner Wohnung war, habe ich bisher einige Sehenswürdigkeiten in diesem Stadtteil noch nicht besucht. Dies habe ich nun im Januar ´24 nachgeholt. Omoide Yokocho gehört dazu: dies ist ein kleiner Häuserblock, der für seine kleinen Yakitori-Bars bekannt ist. Yakitori sind kleine Spiesse mit Hünchenfleisch.




Würden nicht so viele Ausländer („Gaijin“) durch die engen Gassen mit Fotoapparaten laufen, könnte man sich fast in alte Zeiten zurückversetzt fühlen, als es noch keine Hochhäuser gab. Dies ist eine der sehr wenigen noch verbliebenen Stellen, an denen das alte Tokyo durchschimmert, genauso wie die zuvor erwähnte Yanaka-Ginza. Das Foto mit den Gästen an der Theke ist eine Vollaufnahme des Restaurants, größer ist das Restaurant nicht. Omoide Yokocho liegt gleich hinter der Shinjuku Station, den meistfrequentierten Bahnhof der Welt (über 3 Mio Menschen täglich). Man findet hier nicht die Haute Cuisine, dafür bodenständig schmackhafte Hühnchenspiesse (Yakitori).

Weiter geht es in Shinjuku durch das Kabuki-cho zum Golden Gai, wo ich bisher ebenfalls noch nicht war. Auf dem Weg dorthin passiere ich Godzilla, der über die Dachkante eines Kinogebäudes äugt.



Golden Gai ist ein altes Vergnügungsviertel und besteht auch nur aus einem Häuserblock mit wenigen Gassen. Hier soll Japans Mafia, die Yakuza, seit Urzeiten wirken. Tagsüber sieht es eher trostlos aus, es sind viele Shot Bars hier wie auch Hostess-Bars. Am Strasseneingang zu diesem Viertel gibt es eine ständige Lautsprecheransage, in der davor gewarnt wird, dass einige Läden ihre Gäste mit Wucherpreisen abzuziehen versuchen. Ich bin in keine Bar gegangen, sondern habe mich auf das (verbotene) Fotografieren beschränkt.






Neben dem Golden Gai liegt der Hanazono Jinja. Hier ist am späten Nachmittag des 6. Januars mehr los als am vorigen Nezu Jinja. Die Leute stehen Schlange, um ihre Neujahrswünsche zu platzieren.
Letzte Änderung: 21 Jan 2024 19:04 von JP K.
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21 Jan 2024 20:08 #680857
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Vielen Dank für einen Reisebericht aus Japan. Dieses Reiseziel würde ich - ebenso wie übrigens Ecuador - gerne besuchen.

LG

Gabi
03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute von Kapstadt zum Addo Elephant Park
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22 Jan 2024 20:16 #680954
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Besten Dank für die Einstimmung - im Mai geht es für uns zum ersten Mal nach Japan...
LG, Nette
Letzte Änderung: 22 Jan 2024 20:35 von speed66.
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23 Jan 2024 18:14 #681010
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Der Tag des Erwachsenwerdens (Seijin no Hi) wird jährlich am 2. Montag im Januar begangen und ist ein Feiertag, dieses Jahr war es der 8. Januar. Dieser Tag ist den Teenagern gewidmet, die zwischen dem 2. April des vergangenen Jahres und bis zum 1. April diesen Jahres ihr 20. Lebensjahr vollenden. Mit 20 Jahren wurde man bis vor Kurzem volljährig.


Zur Volljährigkeit erhält man von den lokalen Ämtern eine Einladung zu einem Festakt, bei dem den nun Erwachsenen der Ernst des Lebens erklärt wird. Das Alter der Volljährigkeit wurde vor 2 Jahren allerdings auf 18 Jahren abgesenkt, um sich dem international vorherrschenden Altersgrenze anzugleichen. Das hat bei den Behörden allerdings zu Ratlosigkeit geführt, und wie so oft in Japan ist erst einmal nichts passiert. Eine Umfrage unter den lokalen Behörden ergab nämlich, dass bis auf ganz wenige Ausnahmen weiterhin die 20-jährigen eingeladen werden. Als Begründung für ihre völlige Missachtung der neuen Gesetzeslage führen die Behörden an, dass die 18-jährigen ja für die Schul-Examina lernen müssten und die Examensvorbereitung nicht unterbrechen wollen, der Festakt sei ihnen nur lästig, und richtig geniessen können sie diesen Festakt erst mit 20. Keine Ahnung, ob man die 18-jährigen gefragt hat… Allerdings ist die Altersgrenze von 20 nicht ganz verschwunden. Die 18 Jahre gelten nun für die Wahlberechtigung, Heirat, Vertrags- und Kreditfähigkeit. Die 20 Jahre gelten weiterhin für Alkohol, Tabak, Wetten und Glückspiel als Volljährigkeit.

Ohne Smartphone geht auch die volljährige Dame nicht aus dem Haus


Zum Seiji no Hi kleiden sich die jungen Erwachsenen traditionell, die jungen Frauen in Kimono, die jungen Männer – nun ja, heutzutage maximal in schwarzem Anzug, und schauen am Tempel oder Schrein vorbei. Den männlichen Kimono, farblich in schwarz, grau, weiss gehalten, habe ich an dem Tag gar nicht gesehen. Anlass genug für mich, auf Fotojagd zu gehen. Allerdings waren nur die bunten Kimonos für mich interessant, Männer in schwarzen Anzügen habe ich ignoriert, sie waren nicht auffällig. Ansonsten ist der Kimono nämlich fast vollständig aus dem Alltag verschwunden. Vor 25 Jahren habe ich noch vereinzelt Kimono-Trägerinnen auf den Strassen gesehen, jetzt gar nicht mehr.


Dieses Foto habe ich hier eingestellt, weil ein langer Pferdeschwanz eigentlich nicht zum Kimono getragen wird, das gehört sich traditionell nicht, sondern die Haare werden hochgesteckt und Blumenschmuck eingesteckt. Gerade der Stilbruch ist hier interessant.


Es werden viele Fotos gemacht von diesem Ehrentag. Doch zuvor wird nochmal der Kimono zurecht gerückt, die Haare geprüft, hier und da gezupft. Die Mütter können vom volljährigen Kind nicht lassen.


Einige Mütter schmeissen sich auch nochmal in ihren Kimono und posen stolz mit ihren Töchtern, der Vater greift zum Fotoapparat…


…oder die Freundin…


…oder man fotografiert sich gegenseitig…


…oder miteinander.


Der Andrang am Meiji Jingu ist gross, das Haupttor ist nur für ankommende Gäste, über die beiden Seitentore geht’s wieder nach draussen. Die Ordner versuchen, die Menschenströme in geordnete Bahnen zu leiten.




Eine Schrein-Zeremonie wird gleichzeitig abgehalten, ich weiss aber nicht um ihre Bedeutung.


Es ist kalt, die Luft ist klar, zum Kimono wird im Winter häufig ein Fellschal getragen - oder auch nicht.




Gegen 11:30 Uhr breche ich auf, wir haben uns für 13 Uhr zum Mittag in einem Restaurant verabredet, die Wege mit der U-Bahn können durchaus weit sein. Es gibt hervorragendes Tonkatsu (wie Schweineschnitzel, nur besser)


Ich hoffe ich werd jetzt nicht verklagt wegen der Missachtung der Rechte am eigenen Bild oder wegen Eindringen in die Privatsphäre, aber es sind hier ja auch genügend Bilder von Afrikanern eingestellt, von denen nur teilweise die Erlaubnis eingeholt wurde... et hätt noch immer jot jejange.
Letzte Änderung: 23 Jan 2024 18:38 von JP K.
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25 Jan 2024 16:32 #681144
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Hida Takayama
Hida-Takayama ist eine kleine Stadt in den japanischen Alpen. Sie ist bekannt für ihr teilweise rekonstruierten Häuser im alten Stil, die von der näheren und ferneren Umgegend abgebaut und hier wieder aufgebaut wurden. Diese Häuser stehen als gemeinsames Ensemble fussläufig etwas ausserhalb der Stadt in einem Museumsdorf (Hida no Sato). Ferner gibt es eine Altstadt aus Holzhäusern, die ebenfalls touristischen Wert hat und kleinere Shops beherbergt, die auf Touristen ausgelegt sind. Ausserdem sind die Japaner ganz verrückt nach Hida gyu, dem Rindfleisch aus dieser Region. Ich habe da jetzt keinen Unterschied zu anderem Rindsfleisch rausgeschmeckt, aber so sind sie, die Japaner, um regionale Kulinarik wird ein riesen Bohei gemacht.

Wir sind von Tokyo (Shinjuku Bahnstation) mit dem Fernbus gefahren, es gibt eine direkte Verbindung. Die Fahrt dauert etwa 5 Stunden und beinhaltet mehrere Pinkelpausen. Andere Alternativen wie Bahn oder Flug wären teurer gewesen und hätten länger gedauert.

Hier die Altstadt




Hida no Sato mit Ausstellungsräumen in den Häusern








Das Museumsdorf hat auch eine eigene Holzschnitzerei, oder einen freischaffenden Künstler, so genau weiss ich das nicht. Er stellt hauptsächlich Netsuke her. Netzuke sind kleine geschnitzte Figuren, die früher als Gegenstück für Beutelchen am Kimono-Gürtel (Obi) getragen wurden. Dabei wird das Netsuke oberhalb des Obi platziert, die Verbindungsschnur ist hinter dem Obi zu platzieren, und der Beutel hängt dann kurz unterhalb des Obi. Er hat sich bei seinen Schnitzereien auf Eibenholz spezialisiert, das anscheinend sehr langsam wächst und daher eine zeitlang nicht zu beschaffen war, weil alles vorhandene Eibenholz für die Herstellung von Netsuke draufging.


Hida-Takayama hat übrigens eine ähnliche Entsprechung in einem anderen Bergdorf nicht weit entfernt, etwa 70km, in Shirakawa-go. Shirakawa-go ist deutlich berühmter, da Weltkulturstätte. Hier ein Bild von Shirakawa-go, als wir September 2019 dort waren.


Wer sich etwas die Beine vertreten möchte in der Natur: es gibt am Stadtrand einige Wege, die man aufs Geratewohl gehen kann, ohne Angst haben zu müssen, sich in der Wildnis zu verlaufen. Wir haben also nicht die Berge erklommen, sondern sind in Stadtnähe geblieben. Hütten, wie in den europäischen Alpen üblich, gäbe es hier eh nicht auf den Bergen.

Japanischer Zwergspecht


Buntmeise


Japanische Meise (ähnlich einer Kohlmeise)


Japanischer Serau




Der japanische Serau (Kamoshika) ist eine endemische wilde Ziegenart und kommt in weiten Gebieten der japanischen Bergwelt vor. Das Tier hat die Ruhe weg, verhält sich nicht scheu und ist genauso neugierig an uns interessiert wie wir an ihm. Er stapfte im Schnee durch die nicht umzäunten Felder und Kleingärten am Rand einer Strasse, auf der wir spazieren gingen. Es ist bereits das zweite Mal, dass ich einen Serau sah, das erste Mal vor zwei Jahrzehnten ist er auch ganz langsam nach gegenseitiger Musterung davongetrottet. Da sind unsere deutschen Rehe und Hirsche doch erheblich scheuer.

Der eigentliche Grund, warum wir nach Takayama gefahren sind ist folgender. Wir waren schon vor fast 25 Jahren mal in Takayama. Meine damalige Freundin und heutige Frau sagte mir damals, dass im Winter abends die Häuser im Schnee beleuchtet werden und dass dies ganz toll aussieht. Das ging mir all die Jahre nicht aus dem Kopf, und so sind wir hierher für diese Fotos nach einem Vierteljahrhundert zurückgekehrt. Wir waren am 11. Januar dort, der erste Tag, an dem die Abendbeleuchtung angeknipst wurde. Dies wird nun täglich bis Februar so gemacht.






Takayama hat noch ein anderes Museum zu bieten, nämlich die Ausstellung von mehreren Yatai. Yatai sind Zugwagen, die beim Festival von hunderten starken Männern und Frauen durch die Strassen gezogen werden.


Die Yatai unterscheiden sich von den Omikoshi, die von jeweils 40-50 Personen auf den Schultern getragen werden. So ein Mikoshi wiegt über 2 Tonnen, und die Teams wechseln sich alle 5 bis 10 Minuten mit dem Tragen ab, zumal mit dem Schrein auch noch ordentlich geschunkelt wird. Ich habe mich mal bei so einem Umzug beteiligt, ich versichere Euch, man kommt in kürzester Zeit ins Schwitzen und die Schultern werden von den Holzbalken blutig gescheuert.

Um dieses Mal ins Schwitzen zu kommen, habe ich mich lieber in den hoteleigenen Onsen begeben. Das Hotel hatte einen eigenen Busshuttle zum Bahnhof, den wir ausgiebig genutzt haben und liegt ausserhalb der Stadt an einem Berghang mit Aussicht auf Teile der Stadt. Diese Aussicht geniesst man am besten aus dem Onsen heraus. Es gab diverse kleinere Pools und Bottiche, die Wassertemperatur war in allen etwa gleich. Einen Infinity-Pool gab es auch. Alles in allem war der Onsen hier echt gut.






Die Onsen sind auf 2 getrennten Ebenen, eine für Männer und eine für Frauen. Wie in Japan üblich, wechseln die Geschlechter täglich die Ebene. Ansonsten war das 4-Sterne Hotel Associa eher ein unpersönlich liebloser Bunker. Man kann Zimmer mit westlichem Bett, aber auch mit Futon auf Tatami-Matten buchen. Wir haben das westliche Bett genommen, da wir schon bei der Schwiegermutter auf dem Fussboden schlafen. Wichtig war auch, dass es mit Toast, Butter, abgepackter Marmelade (2 Sorten) und etwas Wurst etwas für Westler zum Frühstück gab. Das ist nicht unbedingt selbstverständlich in Japan, ich war schon aus besseren Hotels in einen nahegelegenen Seven Eleven gegangen, um mir ein Sandwich zu besorgen. So fantastisch ich das japanische Essen finde, zum Frühstück muss es bei mir Brot sein.
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