THEMA: Ecuador-Der Evolutionstheorie auf der Spur + Fotos
10 Apr 2021 19:34 #612198
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  • Sabine26 am 10 Apr 2021 19:34
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Tag 14 – Puerto Ayora – Einschiffung – Isla Plaza Sur
Schiff gesunken, und nun?


Unsere ursprüngliche Planung hatte vorgesehen, dass wir zwei Tage zuvor mit der LAN Ecuador nach San Cristóbal geflogen wären, um dann von dort nach einem Zwischenaufenthalt mit der MY San José eine fünftägige Kreuzfahrt mit Ausschiffung Balta/Santa Cruz zu machen. Seit einigen Jahren dürfen die Schiffe den gleichen Anlandungsort auch nur einmal innerhalb von 14 Tagen besuchen. Wenn man eine genaue Vorstellung der Route auf einem Kreuzfahrtschiff hat, sollte man seine Reservierung am besten ein Jahr im Voraus vornehmen.

Unsere Anforderungen machten die Planungen nicht ganz so leicht. Es sollte ein kleines Schiff oder Katamaran mit nur einer maximalen Zahl von 16 Passagieren sein, hier versprachen wir uns eine privatere Betreuung. Auf alle Fälle wollten wir die Albatrosse auf Española sehen, die nahezu nur auf dieser Insel brüten und das auch nur in bestimmten Monaten im Jahr. In diesem Punkt waren wir zu keinerlei Kompromiss bereit. Zudem stand auf unserer Wunschliste die Insel Bartolomé.

Dies alles gepaart mit einem Schiff, das einen gewissen Komfort versprach und trotz der ohnehin schon nicht gerade günstigen Preise, aber immer noch im notgedrungen dem Reiseziel angepassten höheren Reisebudget lag, war es nicht leicht, das Passende zu finden. Lange suchte ich und wurde dann tatsächlich fündig, die MY San José erfüllte alle Voraussetzungen, sodass wir diese Yacht 14 Monate vor Reisebeginn buchten und anschließend die restlichen Programmpunkte und Flüge passend zum Reisezeitraum.
Das war unsere ursprüngliche Planung oder besser gesagt ursprüngliche Buchung. Aber es kam anders …

Im Monat vor unserer Abreise erhielten wir von unserer Agentur ein Schreiben, in dem sie uns recht kurz und knapp mitteilten, dass die MY San José gesunken sei, sie aber jetzt mit Hochdruck nach einer Alternative für uns suchten. Als ich dies meinem Mann erzählte, dachte er zuerst, ich würde ihn auf den Arm nehmen. Ganz abwegig wäre dies nicht gewesen, weil ich dabei lachen musste. Es war irgendwie surreal. Wenn wir mit allem Möglichen gerechnet hätten, aber nicht damit. (Kurzer Nachtrag: Meine Recherche zum Unglück ergab, dass niemand zu Schaden kam; alle Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten sich retten). Recht schnell begriffen wir aber, dass es jetzt eine echte Herausforderung werden würde, eine Alternative zu finden. Mehrmals telefonierte ich mit unserer Agentur, die aber leider noch nichts Passendes für uns gefunden hatte, weil einfach alles ausgebucht war. Eine Kabine hätten sie auf einem äußerst einfachen Schiff für uns gehabt, das hatten sie aber gleich verworfen. Nachdem ich mir dieses Schiff angeschaut hatte, stellte ich fest, die Agentur hatte richtig entschieden.

Nach einer Weile kam dann der Anruf, dass man einen Platz auf der Santa Cruz für uns hätte. Mittlerweile schon froh, überhaupt etwas zu bekommen, hatten wir uns bereits mit dem Gedanken angefreundet, dass es doch ein größeres Schiff werden würde. Gestört hat uns jedoch bei dieser Möglichkeit, dass wir direkt vom Schiff den langen Rückflug hätten antreten müssen, noch viel mehr aber störte uns, dass Española auf der Route nicht besucht würde, stattdessen aber Genovesa. Diese Insel hätten wir uns auch gerne angeschaut, aber Española war wirklich der einzige Punkt, von dem wir nicht abrücken wollten. So hielt die Agentur auf unseren Wunsch hin die Reservierung, suchte aber weiter und … wurde fündig. Man konnte uns die allerletzte Kabine auf der La Pinta buchen. Die La Pinta ist eine der exklusivsten Yachten für Touristen im Galápagos Archipel. Sie verfügt über eine Kapazität für 48 Passagiere, was wiederum bedeutet, dass bei Anlandungen keine weiteren Schiffe vor Ort sein werden, da dies auch die maximale Zahl der Touristen ist, die gleichzeitig einen Anlandeort besuchen dürfen. Statt Bartolomé sollte auf dieser Route Punta Pitt besucht werden, so würden wir sogar hoffentlich auch Rotfußtölpel zu Gesicht bekommen. Rotfußtölpel kann man nur auf Genovesa und in Punta Pitt sehen. Die absolute Krönung des Ganzen aber war, dass uns die Agentur die Reservierung auf der La Pinta ohne jeglichen Aufpreis anbot und dieser wäre nicht unerheblich zu der ursprünglichen Buchung auf der MY San José gewesen, die jetzt ein Dasein auf dem Meeresgrund irgendwo in der Sullivan Bay fristet.

Nachdem wir uns das Schiff und die Route angeschaut hatten, wuchs unsere Vorfreude auf die Tour nahezu ins Unermessliche.
Wir mussten jetzt noch den Flug von Festland Ecuador mit Ziel San Cristóbal auf Ziel Baltra umbuchen, Hotel auf San Cristóbal stornieren, zusätzliche Nächte dafür im Ikala sowie eine Nacht in Guayaquil reservieren. Zum Glück auch hier für uns, alle Umbuchungen gingen problemlos und ohne großen Kostenaufwand. Das Vor- und Nachprogramm war zwar jetzt nicht mehr ganz so rund, aber passte immer noch.

Heute sollte es also auf die La Pinta gehen. Wir bringen den Transfer in umgekehrter Reihenfolge zum Flughafen Baltra hinter uns, wo wir auf die Guides der La Pinta treffen und etwas später dann auf die anderen Mitreisenden, die allesamt mit einer Maschine aus Quito landeten.
Recht schnell stellt sich heraus, dass neben uns noch an Bord sind: 2 Neuseeländer, 2 Engländer, 2 Schweden, 4 Schweizer und 35 US-Amerikaner, die einer amerikanischen Reisegruppe angehörten und sich auch alle untereinander kannten.

Wir werden mit dem Bus in wenigen Minuten zum kleinen Hafen gebracht, wo wir in die Pangas umsteigen. Diese Boote kannten wir bisher unter dem Begriff Zodiacs, hier nennt man sie Pangas. Nachdem wir unsere sehr schöne Kabine mit großzügigem Bad und Panoramafenster bezogen haben, können wir auch bereits schon zum Mittagessen gehen. Im Restaurant gibt es zumeist 6er Tische sowie zwei 4er Tische. Das Essen sollte die ganze Reise über hervorragend sein, die Auswahl großartig. Während wir es uns schmecken lassen, wird der Anker gelichtet und wir starten unsere Fahrt zur Insel Plaza Sur, wo wir am Nachmittag anlanden werden.

Jetzt stellt sich für uns heraus, dass wir uns seinerzeit bezüglich der Schiffsgröße geirrt haben. Sollten wir jemals wieder auf das Archipel reisen, würden wir uns aus zwei Gründen wieder für ein größeres Schiff entscheiden, zum einen spürt man wahrscheinlich den teilweise extremen Seegang nicht ganz so stark und zum anderen befinden sich z. B. auf der La Pinta 4 Guides und nicht wie auf einem kleineren Schiff nur 1 Guide, sodass man die Wahl aus mehreren Touren hat. Dies ist auch ein extremer Vorteil für Menschen, die vielleicht eine bestimmte Tour nicht machen wollen oder aufgrund einer körperlichen Einschränkung nicht machen können. Es gibt immer noch eine Alternative.

Die Insel Plaza Sur ist klein (13 ha), aber voller Leben. Wir haben ausreichend Zeit für den Landgang. Die Tierwelt lässt sich gleich bei der Anlandung in Form von Galápagos Seelöwen blicken. Diese denken gar nicht daran, aus dem Weg zu gehen - besser ist es auf jeden Fall, wenn wir einen größeren Bogen um die Bullen machen. Dann sehen wir auch schon die ersten Exemplare der Landleguane. Sie kommen hier in reichlicher Anzahl vor. Am Himmel ziehen Fregattvögel ihre Kreise und später am Strand sitzen in aller Seelenruhe Gabelschwanzmöwen. Besonders faszinierend finden wir an diesen weiß, blau und grau gefiederten Vögeln mit den roten Beinen den tiefroten Kranz um die Augen. Noch beeindruckender ist jedoch, dass keines dieser Tiere auch nur irgendein Anzeichen von Scheu gegenüber uns Menschen zeigt. Das ist einfach unglaublich.

Der Boden der hügeligen Insel ist übersät von tiefroten Galápagos Sesuvien und mittendrin stehen Baumopuntien. Die Galápagos Sesuvien sind endemisch und nur in der Trockenzeit rot. Zur Regenzeit wechseln sie ihre Farbe und zeigen sich grün.
Kleine graue Felsen sowie dunkles Lavagestein, das überall auf dem Eiland zu finden ist, erhöhen noch einmal den farblichen Kontrast zum tiefblauen Meer.
Eine wirklich schöne kleine Insel in der untergehenden Nachmittagssonne, perfekt als Einstieg auf die Fahrt durch das Galápagos Archipel.

Zurück auf dem Schiff geht es mir dank Reisetabletten einigermaßen gut, sodass ich nach dem Abendessen dem sehr interessanten Vortrag der Guides sowie der Vorausschau auf das morgige Tagesprogramm lauschen kann.


Die Insel Plaza Sur und ihre Tier- und Pflanzenwelt















Im Hintergrund ist unser Schiff, die La Pinta, zu sehen































So, das war's für heute ... und ich hoffe, ich konnte alle, die sich Bilder gewünscht haben, zufrieden stellen. Ich freue mich auf Euer Feedback.




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Letzte Änderung: 10 Apr 2021 19:41 von Sabine26.
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Hallo Sabine,
bislang bin ich blinder Passagier gewesen :whistle: , aber jetzt muss damit Schluss sein. In diesen Zeiten, wo man nur eingeschränkt reisen kann, erzeugt dein Bericht eine unglaubliche Sehnsucht in mir. Sehr launig geschrieben und (zum Glück!) auch endlich mit den passenden Fotos versehen, spricht mich dieses Land immer mehr an. Schon beim Reisebericht des bajuwarischen Schorsch hatte ich mir Appetit geholt, und jetzt bin ich nur noch gespannt, was du auf den Galapagos Inseln erlebt hast. Die Tier - und Pflanzenwelt muss dort einzigartig sein.
Vielen Dank für deine Mühe!

Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte:
Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: namibia-forum.ch/for...n-pampa-und-eis.html
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10 Apr 2021 23:22 #612217
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Hallo, Sabine,

danke für Deinen umfangreichen Bericht - mit Fotos! :)
Ecuador ist Neuland für uns - daher bin ich gespant, wie es weitergeht!

LG Doro
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11 Apr 2021 11:28 #612238
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Hallo Sabine,

regelrecht "verschlungen" haben wir Deinen Bericht der letzten Tage, speziell natürlich die Einschiffung und die ersten Stunden auf der La Pinta. Und Du hast es trefflich beschrieben:
Jetzt stellt sich für uns heraus, dass wir uns seinerzeit bezüglich der Schiffsgröße geirrt haben. Sollten wir jemals wieder auf das Archipel reisen, würden wir uns aus zwei Gründen wieder für ein größeres Schiff entscheiden, zum einen spürt man wahrscheinlich den teilweise extremen Seegang nicht ganz so stark und zum anderen befinden sich z. B. auf der La Pinta 4 Guides und nicht wie auf einem kleineren Schiff nur 1 Guide, sodass man die Wahl aus mehreren Touren hat. Dies ist auch ein extremer Vorteil für Menschen, die vielleicht eine bestimmte Tour nicht machen wollen oder aufgrund einer körperlichen Einschränkung nicht machen können. Es gibt immer noch eine Alternative.

Wenn ich noch ergänzen darf: Du kannst auf den etwas größeren Schiffen (unsere Santa Cruz hatte ungefähr doppelt so viele Kabinen wie die La Pinta) den Leuten aus dem Weg gehen, die Dir, sagen wir mal vorsichtig, auf den Geist gehen. Und davon gibt es leider grad genug.

Eure La Pinta ist ja die Luxus-Ausführung von Metropolitan. Wir haben bei Metropolitan damals direkt im last-minute gebucht, und unsere Santa Cruz ging zu einem m.M. nach absoluten Schnäppchenpreis über die Bühne. Im Nachhinein würden wir es wieder so tun, zumal wir meinen, dass man nur auf einer Kreuzfahrt die Inseln wirklich kennen lernt. So schön auf unserer Reise Isabella auch war (wir waren dort zwei Nächte), so sehr ist eine Cruise das absolute i-Tüpfelchen.

Ansonsten stellen wir fest, dass wir fast die selbe Route gefahren sind. Auch in Ecuardor. Cuenca hat uns ebenfalls sehr gut gefallen, leider war eine Nacht zu kurz. Was bei Euerer Rundreise fehlt, das sind diese wunderschönen Unterkünfte am Cotopaxi und am Chimborazo. Das waren (außer Galapagos) unsere highlights schlechthin.

Und nun noch zur Teufelsnase - wäre ich mit an Bord des Zuges gewesen und Du wärst in den Genuss gekommen, mit mir das Tanzbein zu schwingen, dann würdest Du heute ganz anders reden ....... ;) :woohoo: :laugh:
Im Ernst: es stimmt, mit Kaffeefahrt hast Du es richtig beschrieben. Wir haben das auch so gesehen, uns aber auf diese Touriveranstaltung bewusst einfach eingelassen. Das hat dann schon gepasst.

Jetzt sind wir gespannt, ob Ihr auch Genovesa angesteuert habt. Unsere Lieblingsdestination auf Galapagos.

LG
der bayern schorsch
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11 Apr 2021 11:59 #612239
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Hallo Beate,
Old Women schrieb:
Hallo Sabine,
bislang bin ich blinder Passagier gewesen :whistle: , aber jetzt muss damit Schluss sein. In diesen Zeiten, wo man nur eingeschränkt reisen kann, erzeugt dein Bericht eine unglaubliche Sehnsucht in mir. Sehr launig geschrieben und (zum Glück!) auch endlich mit den passenden Fotos versehen, spricht mich dieses Land immer mehr an. Schon beim Reisebericht des bajuwarischen Schorsch hatte ich mir Appetit geholt, und jetzt bin ich nur noch gespannt, was du auf den Galapagos Inseln erlebt hast. Die Tier - und Pflanzenwelt muss dort einzigartig sein.

vielen lieben Dank, dass Du dich als bisheriger blinder Passagier gemeldet hast (das motiviert zum Schreiben, ansonsten kann ich es ja im stillen Kämmerlein nur für uns machen) und dass Dir der Bericht gefällt. Ich hoffe, dass Du Deine Sehnsucht dann bald wieder stillen kannst. Auch mir fehlt das Reisen sehr!

Übrigens auch Danke für Deinen Bericht über die Carretera Austral, diesen habe ich vor noch nicht langer Zeit gelesen, da C+A zu unseren absoluten Lieblingsdestinationen gehören und wir seit fast 2 Jahrzehnten immer mal wieder hin gereist sind.

Liebe Grüße
Sabine
Letzte Änderung: 11 Apr 2021 12:04 von Sabine26.
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Hallo Doro,
Flori schrieb:
danke für Deinen umfangreichen Bericht - mit Fotos! :)

Sehr gerne!
Flori schrieb:
Ecuador ist Neuland für uns - daher bin ich gespant, wie es weitergeht!

Freut mich, wenn ich Euch ein "Neuland" näherbringen kann.

Liebe Grüße
Sabine
Letzte Änderung: 11 Apr 2021 12:04 von Sabine26.
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