Schönes, armes Simbabwe // Reise April-Mai 2018

Reisebericht 74 Antworten · 12,5k Aufrufe · gestartet 28. Dez. 2020 von Klaudi
770 Beiträge · seit 201728. Jan. 2021 ·
Ui, was für ein unangenehmes Erlebnis. Das braucht wirklich niemand. Zum Glück habt ihr gut reagiert und sei nun an einem schöneren Ort gelandet!
2016: Südafrika mit Gardenroute 2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius 2020: Kapstadt und Gardenroute 2022: Namibia 2024: Namibia und Südafrika 2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
Themenstarter373 Beiträge · seit 201230. Jan. 2021 ·
Sonntag, 29. April 2018

Heute also die Bvumbas: Als Mutare noch eine reiche, weiße Stadt war, waren die Bvumbas das Wochenendausflugsziel der besseren Gesellschaft. Die höchsten Gipfel liegen 800 m höher als die Stadt im Tal, hier ist es kühler, die Luft klar, die Vegetation üppig. Da kann sich die feine Lady wunderbar in Müßiggang üben, ohne ins Schwitzen zu geraten. Der Reiseführer berichtet, dass besonders reiche Damen damals von ihren Gatten kleine Landsitze in den Bvumbas geschenkt bekamen. Einige dieser Sommerresidenzen existieren noch, zumindest die exotischen Parkanlagen, die man besichtigen kann. Der Reiseführer berichtet auch, dass man das Herzstück der Berge auf einem 65 Kilometer langen Rundweg umfahren kann. Und weil wir ja dem Reiseführer schon öfter auf dem Leim gegangen sind, folgen wir auch dieser Empfehlung. Ihr ahnt, dass wir uns dem nächsten kleinen Abenteuer nähern. Aber der Reihe nach:

Von unserer Campsite aus geht es erst einmal zurück nach Mutare. Auch heute, am Sonntag, tobt das Leben auf den Straßen. Unmittelbar am östlichen Stadtrand beginnt der Anstieg in die Berge. Serpentinen schlängeln sich den Hang hinauf, von den großen 180°-Kehren aus hat man einen sensationellen Blick ins Tal. Es geht höher und höher, die Vegetation verändert sich mit jedem Meter, den wir bergan tun.
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Nach 15 Kilometern erreichen wir den Abzweig der Rundstrecke und wir biegen in das Essex-Valley ein, das den ersten Teil der Strecke bildet. Die Straße ist anfangs noch asphaltiert, wenn auch recht schmal. In Serpentinen geht es nun wieder steil bergab, der Asphalt wird löchrig und hört dann ganz auf. Die dann folgende Naturstraße ist stark ausgewaschen und lässt nur langsames Tempo zu. Die Vegetation zu beiden Seiten ist satt grün und üppig. Je weiter wir ins Tal vordringen, je enger und schlechter wird die Straße, je mehr bildet der Wald einen Tunnel. Sind wir noch richtig? Ja, sind wir, denn es gab keinen Abzweig und lt. QV und der Karte von Reise-Know-How befinden wir uns auf der einzigen Straße im Tal. Nur T4A hat beschlossen, dass wir uns im Niemandsland befinden und unterstützt uns ab sofort nicht mehr. Also weiter. Auf der Talsohle angekommen, wird die Straße zum morastigen Forstweg, der grüne Tunnel ist mittlerweile so dicht, dass kaum noch Sonnenstrahlen eindringen können. Lianen hängen herab, umgestürzte Bäume liegen am Wegesrand, notdürftig zur Seite geschoben. Kommen wir hier jemals wieder raus? Wir folgen tapfer der tiefen Fahrspur, die ein großer Traktor oder ein Forstfahrzeug hinterlassen hat. Endlich gewinnen wir wieder etwas an Höhe, der Weg wird trockener, und nach einer gefühlten Ewigkeit weicht der Wald zurück und wir sehen den Himmel. Auf der Höhe, am Übergang vom Essex- zum Burma-Valley erreichen wir einen großen Holzeinschlag.
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Mit relativ professionellem Gerät werden hier die Reste der Nutzholzflächen abgeholzt und abtransportiert.
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Eine Aufforstung findet selbstredend nicht statt. Die Forstarbeiter scheinen erstaunt, als sie uns sehen. Die spinnen, die Touristen ….

Im Burma-Valley gibt es offensichtlich noch einige intakte Farmen. Unmittelbar an der Grenze zu Mozambique passieren wir große Tee- und Bananenplantagen. Die Straße ist mittlerweile wieder in ordentlichem Zustand, geht bald sogar wieder in Teer über.
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An großen Lagerschuppen stehen LKW mit südafrikanischer Zulassung, sie werden mit Bananen beladen und schaffen das Beste außer Landes. Für den Binnenmarkt bleibt nur der Ausschuss. Weiter talab, da wo früher wohl Tabak angebaut wurde, ist dann Schluss mit lustig. Die großen Stellagen zum Trocknen des Tabaks stehen noch, sind aber sichtlich im Verfall begriffen. Die ehemaligen Arbeiter leben noch hier, jetzt, ohne Arbeit, sitzen sie zusammen, palavern und, falls sie Geld haben, betrinken sie sich. Des einen Leid, des anderen Freud: Für uns als Touristen hat diese extensive Bewirtschaftung weiter Teile des Landes den Vorteil, dass wir auf Landschaften blicken, die, zumindest vordergründig, nicht kultiviert, also naturbelassen sind. Die Natur hat sich seit dem Niedergang der professionellen Landwirtschaft ganz schnell wieder all das zurückgeholt, was der Mensch ihr genommen hatte. So schlängelt sich die Straße talab durch das Burma-Valley, rechts und links üppiger Wildwuchs, die Flanken der Berge grün bewachsen oder mit interessanten Steinformationen bestückt. Nur von Wild fehlt jede Spur. Bei so viel hungrigen Menschen kein Wunder.
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Am Schluss dieser Rundfahrt steigen wir wieder in die Bvumba-Berge hinauf.
Nächstes Highlight des Tages soll Tony’s Coffee Shop sein. Auch den Besuch dieser Institution beschreibt der Reiseführer als ein MUST.
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Besagtes Café liegt in einem großen Garten an einer Bergflanke mit Blick ins Tal.
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Das kleine weiße Gebäude hat nur wenige Plätze,
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und weil die Sonne so schön scheint beschließen wir, im Garten zu sitzen.
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Und dann erscheint Tony, very british, um die 60, Mami’s Liebling und betet uns mit geschlossenen Augen die Kuchenkarte vor. Bei jeder Kuchenzutat, die er nennt, scheint ihm das Wasser im Munde zusammenzulaufen, und das Bedauern, nicht alles selbst essen zu können, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Wir entscheiden uns für Cheesecake à la New York und heiße Schokolade, was ihn verzückt davonschweben lässt. Der Kuchen kommt, die Stücke sind riesig, der Kakao köstlich, serviert auf altem englischem Blümchen-Porzellan.
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Dann kommt die Rechnung, und wir zahlen 42 US$ (in Worten: zweiundvierzig US-Dollar). Natürlich hatten wir die Preise für den Kuchen gelesen, aber wenn dann die Gesamtrechnung die Summe schwarz auf weiß zeigt, trifft einen doch der Schlag. Wir müssen verrückt sein.


Die weitere Fahrt in das Herz der Berge enttäuscht uns: weite Flächen sind abgeholzt und, wie schon öfter erwähnt, nicht wieder aufgeforstet. Lediglich der weite Blick hinein nach Mozambique bis zum Stausee von Chicamba begeistert uns.
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Wie gut, dass wir uns gegen zweit Nächte in den Bvumbas entschieden haben. Man muss dem Reiseführer auch mal die Stirn bieten!

Auf dem Rückweg, wir passieren gerade die Peripherie von Mutare, werden wir beinahe von einem großen LKW gerammt. Im allerletzten Augenblick kann Helmut ausweichen – puh, nochmals Glück gehabt.

Der Kuchen liegt uns den ganzen Nachmittag schwer im Magen – nicht wegen des Preises, sondern wegen der mächtigen Zutaten. Das ist nicht angenehm und behindert sogar das Relaxen. Helmut liegt schon um 7 flach, ich folge erschöpft um 8 Uhr.
zuletzt bearbeitet 30. Jan. 2021
1’564 Beiträge · seit 200630. Jan. 2021 ·
Hi Klaudi,
Dein Schreibstil ist echt klasse!!! macht immer wieder Spass zu lesen. 🙂
Du solltest Bücher schreiben.

LG Hermann
Gast30. Jan. 2021 ·
danke den Klaudis für den schönen und informativen Bericht!!!
Die Natürlichkeit der Landschaft, die ihr im östlichen Bergland vermisst habt, war schon im Rhodesien größtenteils verschwunden, ausradiert. Der einzige Unterschied ist, dass weniger Leute waren. Die einheimischen Bäume waren schon damals fast überall weg, nur mehr in Enklaven wie Parks (Vumba Botanical Garden) und um Farmhäuser vorhanden…. die meistens gar nicht feudal waren. Es gab viele kahle Hänge und Aufforstungen mit Holzplantagen. Zuerst haben die Kolonisten mit Hartholzbedarf und danach Sappi, Mondi und/oder zimbabwische Konsorten dort wie anderswo im südlichen Afrika (Ostkap, KZN, Swaziland usw., usw.) ganze Arbeit geleistet 😈 . Beim Vergleich meiner alten Bilder mit euren sehe ich nur Unterschiede in der Fläche, aber keine prinzipiellen. Manche nannten/nennen das Fortschritt…………..
In den Tallagen war neben Bananen auch Kaffee und Tabak angebaut, letzteres wohl schon seit einiger Zeit nicht mehr. Tabak war in Rhodesien einer DER Devisenbringer, obwohl es dort flächenmäßig gar nicht so spektakulär ausgeschaut hat. Auch das ist jetzt nur mehr Geschichte.
Dafür ist der Gonarezhou-Nationalpark jetzt unvergleichlich schöner als damals. Das ist auch Fortschritt!! 🙂
Grüße, Werner
zuletzt bearbeitet 30. Jan. 2021
8’759 Beiträge · seit 201030. Jan. 2021 ·
Guten Abend Klaudi,

ich hatte deinen Bericht schon angefangen zu lesen, aber dann wegen diverser anderer Projekte total aus den Augen verloren. Matte hat mich die Tage am Telefon wieder mit der Nase drauf gestoßen und jetzt hab ich mir's mal gemütlich gemacht und alles in Ruhe und voller Genuss durchgelesen (btw: du hast die ersten/das erste (?) Kapitel vergessen als Reisebericht zu kennzeichnen, wenn man mit Sonne liest, fehlt/fehlen es/sie).

Mal abgesehen davon, dass Teile eurer Tour bei uns bereits fertig geplant auf der Coronahalde liegen, hat mich dein Bericht auch einfach so total in den Bann gezogen: wunderschöne Fotos, Spannung 🤩 (hätte natürlich nicht sein müssen 🙄 ) und wirklich richtig, richtig gut geschrieben! 🙂

Vielen Dank für die informative und supergute Unterhaltung an diesem ziemlich trüben Januartag! 😘

Liebe Grüße von Bele

P.S. Wasissndas für ein Zebra? Bzw. was ist das für ein Muster?
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Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 30. Jan. 2021
770 Beiträge · seit 201730. Jan. 2021 ·
Hermann schrieb:Hi Klaudi,
Dein Schreibstil ist echt klasse!!! macht immer wieder Spass zu lesen. 🙂
Du solltest Bücher schreiben.

LG Hermann
Das finde ich auch! Habe mich gerade über die Kuchengeschichte amüsiert:-)
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Themenstarter373 Beiträge · seit 201201. Feb. 2021 ·
Vielen Dank euch allen für das Interesse an diesem Bericht über Simbabwe.

@ Hermann
Danke für die Blumen, lieber Hermann.

@ loser
Hallo Werner,
das ist interessant. Ich habe leider keinen Vergleich zu früheren Zeiten. Aber das was du schreibst vom Raubbau ist ja leider überall passiert. Dass die Menschen nun damit weiter machen, ist nicht schön, aber verständlich, wenn man sich ihre wirtschaftliche Situation ansieht.

Was den Gonarezhou angeht, so hoffe ich sehr, dass sich die dort gemachten guten Anfänge weiter fortsetzen. Man kann nur hoffen, dass dann von dort aus ein Signal in andere Parks geht. Aber ob wir das noch erleben?

@ Champagner
Hallo Bele,
danke für den Hinweis, Teil 1 ist nun auch besonnt. Ich freue mich, dass du auch mit dabei bist. Du wirst sehen, Simbabwe ist ein tolles Land und ich drücke feste die Daumen, dass die Reise bald von der Halde runter kommt 😉 .

Zum Zebra habe ich keine Ahnung. Ich vermute einfach eine Laune der Natur. Ähnliche Fehlbildungen haben wir übrigens noch mehrere Male gesehen dort.

@ Enilorac 65
Die Kuchengeschichte war auch für uns der Knaller und sie hat sich genauso abgespielt wie beschrieben. Solltest du jemals nach Simbabwe reisen und auch die Bvumba-Berge besuchen, solltest du bei Tony einkehren - man muss ihn gesehen und erlebt haben. 😄
zuletzt bearbeitet 01. Feb. 2021
Themenstarter373 Beiträge · seit 201201. Feb. 2021 ·
Montag, 30. April 2018

Ruhetag! Und schnell erzählt: morgens machen wir eine fast dreistündige Wanderung auf den umliegenden Hügeln. Auf dem Gelände der Lodge gibt es mehrere bestens markierte Wanderwege, denen wir folgen. Die Hügel sind licht bewaldet, so dass wir stets genügend Schatten finden. Von verschiedenen Punkten aus hat man einen weiten Blick ins Tal des Odzi und in die umliegenden Berge.
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Nachmittags Wäsche waschen, noch ein paar Fotos vom Garten,
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abends Dinner in der Lodge und danach früh ins Zelt, denn morgen wird ein langer Tag.

Eine Frage an die Experten hier im Forum. Kann jemand von euch etwas zu diesen riesig großen behaarten Raupen sagen?
zuletzt bearbeitet 01. Feb. 2021
547 Beiträge · seit 201401. Feb. 2021 ·
Klaudi schrieb:
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Eine Frage an die Experten hier im Forum. Kann jemand von euch etwas zu diesen riesig großen behaarten Raupen sagen?
Hallo Klaudi

Ich bin bei Weitem keine "Expertin", aber die Raupen müssten Prozessionsspinner sein. Vielleicht kann uns jemand noch Genaueres dazu erzählen...

Gruss
Stefanie
Aktueller Reisebericht: 8 Wochen Botswana, Namibia und KTP Reisebericht "Breakfast with Lions" - Kapstadt - KTP November 2018, Reisebericht Südafrika Nordosten 2017/18, Mehr Fotos auf unserer Facebook-Seite "We travel not to escape life, but for life not to escape us."
232 Beiträge · seit 200601. Feb. 2021 ·
Hallo Klaudi
Ich bin gerade überwältigt von deinem Reisebericht und habe einfach eine riesen Freude an den schönen Bildern. Ganz, ganz herzlichen DANK!! Das erste Mal war ich 1997 in Zim und seit dann x-mal, habe es nicht mehr gezählt 😉 . Die Vumbas sind unsere zweite Heimat geworden, haben wir doch dort und in der Provinz Manicaland viele Freunde. Das nächste Mal müsst ihr dann in die Lower Vumbas fahren und die Kwayedza Lodge besuchen, mit Blick auf die Machipanda Ebene in Moz. William & Patience, die Gastgeber, sind auch wunderbare Köche und verwöhnen einen nach Strich und Faden.
Thema Abholzung: eine Katastrophe. Die Friends of the Vumbas versuchen mit allen Mitteln dagegen vorzugehen, auch das wood poaching einzudämmen. Auf dem Gelände der Kwayedza Lodge haben sie mit einer Baumschule begonnen mit dem Ziel, die Vumbas wieder aufzuforsten. Hoffen wir mal, dass das gelingt bei der schwierigen polit. und wirtsch. Lage.
Herzlich, Manaslu
Themenstarter373 Beiträge · seit 201207. Feb. 2021 ·
@ Zugvogel
Hallo Stefanie,
danke für die Bestimmung. Ich muss das mal gründlich recherchieren, denn eine erste Suche im Netz hat mir nur die hiesigen Prozessionsspinner beschert und diese sind ja viel kleiner als die Monster-Raupen, die wir dort vorgefunden haben.

@ loser
danke für den Link.

@ Manaslu
Da werde ich ja ganz neidisch: Simbabwe wäre auch mein Favorit für eine "zweite Heimat". Die Kwayedza Lodge stand auch bei uns auf dem Reiseplan, falls wir in den Vumbas übernachtet hätten. Aber durch das Erlebnis in Chimanimani hatten wir erst einmal die Nase voll von einer Übernachtung in den Bergen. Aber man muss ja noch Ziele haben .... 😉

VG Klaudi
Themenstarter373 Beiträge · seit 201207. Feb. 2021 ·
Dienstag, 1. Mai 2018

Weil wir heute früh starten wollen, hat die Köchin schon wieder frei. Wir frühstücken im Restaurant der Lodge und sind um 8 Uhr auf dem Straße. Unser nächstes Ziel ist Masvingo, das südwestlich liegt. Zuerst nehmen wir die A3 nach Nordwesten bis Nyazura, dann geht es weiter auf Asphalt nach Südwesten. Die Navigatorin hat den Vorschlag gemacht, einen großen Winkel Asphaltstraße abzukürzen und ab Matasa/Buhera eine 50 km lange Naturstraße nach Süden zu nehmen, die bei Gutu wieder auf Asphalt stößt. Das mit den Abkürzungen kennen wir ja nun schon: es ist zwar kürzer, aber meist von Zeitersparnis keine Spur.

Bis Nyazura steigt die A3 stetig an, die höchsten Erhebungen liegen alle über 1500 m. Aus dem grünen Hügelland ragen immer wieder Kegelberge heraus, was bei uns wie so oft die Frage nach der Entstehung aufkommen lässt.
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Der Reiseführer schweigt sich zu solch wichtigen Fragen übrigens aus. Wie gesagt, ab Nyazura biegen wir nach Südwesten ab, durchqueren sanft gewelltes Hochland. Die Natur ist so üppig, die Landschaft abwechslungsreich, und wir sind mal wieder fasziniert von diesem schönen Land.
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Kurz hinter Matasa kommt der Abzweig zur Abkürzung und wir biegen auf die Naturstraße ein. Die nächsten 50 Kilometer durchqueren wir ehemaliges Rinderfarmland, das jetzt trocken und brach liegt. Der Boden ist meist sandig und taugt für Ackerbau wenig. Die wenigen Menschen, die es hierhin verschlagen hat oder die nach der Vertreibung der Farmer geblieben sind, wirken arm und abgestumpft. Zum ersten Mal begegnen uns Menschen unfreundlich, sogar ein wenig feindselig. Dabei ist die Landschaft doch so schön.
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Aber unsere Vorstellung von der Schönheit der Natur ist ja ein Ergebnis unserer Zivilisation, unserer Kultur und unseres Wohlstandes. Wäre man vor 200 Jahren z. B. durch Europa gefahren und hätte die bitterarmen Menschen auf die Schönheit ihrer Umgebung angesprochen, hätte man vielleicht auch nur Kopfschütteln und Unverständnis geerntet. Wenn man um’s tägliche Überleben kämpft, hat man keinen Platz für solche Sentimentalitäten.


Bei Gutu erreichen wir die asphaltierte A4 und fahren weiter nach Süden.
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Die grauen Buckel werden mehr, ihre Ausmaße größer. Aber die Sandflächen sind fruchtbarem Boden gewichen, es gibt wieder kleine Felder und die Menschen wirken zufriedener und winken freundlich. Das letzte Stück bis zum Lake Mutirikwi fahren wir auf der A9, die für hiesige Verhältnisse stark befahren wird. Sie kommt von der Grenze zu Mozambique im Osten und geht über Bulawayo bis nach Sambia. Alles Kupfer aus Sambia, das verschifft werden soll, nimmt diesen Weg, und alle Güter, die im Hafen von Beira gelöscht werden und für Botswana oder Sambia bestimmt sind, auch.

15 km vor Masvingo biegen wir ab nach Süden, um den Stausee Mutirikwi zu umrunden.
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Das gesamte Gebiet ist übersät mit Granitbuckeln riesigen Ausmaßes, dazwischen große Bäume, kleine Wälder, ausgedehnte Feuchtgebiete, Ackerflächen. Die Naturstraße windet sich um die Granitfelsen herum, immer wieder großartige Ausblicke auf die Berge und den See freigebend. Wir sind sehr erinnert als Uganda und den dortigen Lake Mutanda. Auch die hohe Bevölkerungsdichte unterstreicht diesen Eindruck.

Wir passieren die Staumauer
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und sind kurze Zeit später am Tor zu Norma Jean’s Lakeview Resort. Die große Anlage liegt am Hang mit Blick auf den See – ein Traum aus der guten alten Zeit, als die feine englische Gesellschaft Masvingos hierher zur Erholung kam. Ein üppiger, tropischer Garten umgibt die Chalets, das Restaurant und den Campground. Alles wirkt wie gerade aus einem altenglischen Dornröschenschlaf erwacht: die Gebäude außen in weiß und grün, die Inneneinrichtung im dunklen englischen Stil. Selbst im Büro liegt ein dicker Teppich auf dem Schreibtisch, davor zwei gediegene Sessel, auf denen sitzend der legere Camper die Anmeldeformalitäten erledigen kann. Wir wählen die „unterste“ Campsite, da man von ihr einen schönen Blick auf den See hat.
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Die Stellfläche ist eben und frisch geharkt, das Gebäude der offenen Gemeinschaftsküche tiptop und mit Heißwasser bestückt. Jeder Toilettenraum hat seine eigene Dusche, so dass man sich eher in einem Hotel als auf einem Campingplatz wähnt. Das alles müssen wir erst einmal auskosten und genießen, und so beschließen wir, die Besichtigung der Ruinen von Great Zimbabwe auf morgen zu verschieben.
zuletzt bearbeitet 07. Feb. 2021
Themenstarter373 Beiträge · seit 201208. Feb. 2021 ·
Mittwoch, 2. Mai 2018


Morgens liegt Nebel über dem See.
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Beim Auschecken unterhalten wir uns noch ein bisschen mit dem Rezeptionisten. Für uns ist es interessant zu hören, wie die Einheimischen die politische Lage und die wirtschaftliche Situation einschätzen. Bisher, so meint er, könne man wenig spüren von Veränderung, abgesehen von den verschwundenen Polizeikontrollen auf den Straßen, aber alle hofften auf das nächste Jahr, wenn sich nach den Wahlen eine neue Regierung gebildet hat. Diese Hoffnung der Menschen ist vielleicht naiv, aber was soll man anderes tun als hoffen, wenn alles am Boden liegt? Von den wahren Herausforderungen, die auf die neue Regierung warten, kann der normale Mensch im Land sich sowieso keine Vorstellung machen. Aber ob es wirklich eine neue Regierung geben wird, wer weiß das schon … ? Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Präsident nicht weichen will.

Szenenwechsel: Nach kurzer Fahrt erreichen wir die Ruinen von Great Zimbabwe, oder besser gesagt, erst einmal den Eingang zum 7,5 qkm großen Gelände, auf dem sich die Ruinenanlage erstreckt.
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Great Zimbabwe ist die größte Ruinenstätte im südlichen Afrika und gilt heute, nach jahrzehntelangen erbitterten Kontroversen, als bedeutendstes kulturelles Erbe des Landes. Lange Zeit rankten sich hartnäckig romantische Legenden um diese gigantischen Steinruinen und ihre Erbauer. Die ersten weißen Entdecker wollten nicht wahrhaben, dass diese eindrucksvollen Bauten von schwarzen Völkern errichtet worden waren, und so behaupteten sämtliche (Pseudo¬-) Wissenschaftler bis in die 1950er Jahre hinein, dass die Erbauer nichtafrikanischen Ursprungs gewesen seien. Wer das Gegenteil behauptete, wurde diffamiert oder sogar des Landes verwiesen (so zuletzt geschehen 1973).

Die riesige, weit verstreute Anlage wird grob in drei Bereiche unterteilt: Den ältesten Teil bilden die Bergruinen, vermutlich einst der Königssitz, thronend auf einem Hügel. Zu ihren Füßen befindet sich die kreisförmige Great Enclosure, die große Einfriedung, die den königlichen Familien in späteren Jahrhunderten als Wohnstätte diente. An diesen Ringbau schließen sich die weit verteilten Talruinen an, in denen die Privilegierten wohnten.

Da es noch angenehm kühl ist, erklimmen wir zuerst den Hill Complex.
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Es geht steil bergauf über eine holprige Treppenanlage, das Stufenmaß verändert sich bei jedem Tritt und man muss höllisch aufpassen, nicht zu straucheln.
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Dann erreichen wir die ersten Mauern, die den gesamten Berg umschließen.
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Alle Bauten hier oben sind aus passgenauen Steinen zusammengefügt, kein Kleber, kein Mörtel.
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Die dicken Mauern haben ein breites Fundament und verjüngen sich nach oben. Alle Öffnungen, die ins Innere der Anlage führen, sind schmal, und oft verengen sie sich zunehmend und am Ende lassen sie nur einen schlanken Menschen hindurch.
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Innerhalb der Außenmauer liegen verschiedene Innenhöfe, Reste von Gebäuden, weitere innenliegende Mauern, Wachtürme – ein riesiges Labyrinth über den ganzen Berg verteilt. Die vorhandenen Felsblöcke sind geschickt in die Mauerkonstruktionen integriert und geben dauerhaften Halt.
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Nach einer Stunde meinen wir, alles gesehen und fotografiert zu haben und steigen an der Westseite wieder ab in Tal.
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Teil 2 folgt.

VG Klaudi
zuletzt bearbeitet 08. Feb. 2021
Themenstarter373 Beiträge · seit 201210. Feb. 2021 ·
Teil 2

Etwa 600 m Luftlinie entfernt liegt die große Einfriedung am Fuße des Königssitzes.
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Die leicht elliptische Außenmauer hat einen Durchmesser von fast 100 m und ist bis zu 11 m hoch.
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Drei schmale Eingänge führen ins Innere.
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Innen weitere Einfriedungen, Grundmauern von Gebäuden, ein 10 m hoher konischer Turm – auch hier ein Labyrinth an Mauern und Steinen, in dem wir uns mehrmals verlieren.
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Die sogenannten Talruinen „schenken“ wir uns, denn es ist mittlerweile schon sehr warm, und die Reste dieser Ruinen würden unseren unfachmännischen Blicken wenig bieten. So umrunden wir die große Einfriedung noch einmal und bestaunen die kunstvollen Verzierungen an der Mauerkrone.
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Genug Kultur, es wird Zeit, mal wieder wilde Tiere zu sehen. Unser nächstes großes Ziel ist der Hwange Nationalpark, aber bis dahin werden wir es heute nicht schaffen. Heute wollen wir bis Bulawayo, 280 km auf guter Asphaltstraße. Die Landschaft ist unspektakulär, alles auf 1000 m Höhe, mal sandig trocken und spärlich besiedelt, mal üppig grünes Hügelland. Den Verkehr auf der A9 haben wir ja gestern schon kennen gelernt: viele LKW und immer wieder große Überlandbusse. Die „besseren“, sprich teureren Busse, die von den großen Städten aus nach Südafrika fahren, sehen relativ gepflegt und verkehrstüchtig aus. Aber die Busse, die die normale Landbevölkerung transportieren, sind der Knaller: zwischen 30 und 60 Jahren alt, unzählige Male repariert mit Ersatzteilen, die nicht wirklich passen, schwarze Auspuffwolken ausstoßend, hoch beladen mit den Gütern der Fahrgäste, quälen sie sich über Land.
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Am Nachmittag erreichen wir Bulawayo, die zweitgrößte Stadt Simbabwes. Dicke Wolken hängen über der Stadt, im Westen donnert es unaufhörlich. Wir durchqueren die südlichen Außenbezirke auf der Suche nach der Southern Comfort Lodge, wo wir für eine Nacht campen wollen. Alle Anwesen hier haben offensichtlich schon bessere Zeiten erlebt, es scheint schwierig zu sein, den prachtvollen Ursprungszustand zu erhalten. Aber man kann den einstigen Wohlstand noch erahnen: große Grundstücke, große Häuser, üppige Gärten. So auch die Southern Comfort Lodge, einst sicherlich ein herrschaftliches Anwesen. Heute hält man sich mit der Vermietung von Chalets und Campsites sowie der Organisation und Durchführung von Hochzeitsfeiern über Wasser. Wir sind die einzigen Gäste heute, aber morgen soll hier eine Hochzeit stattfinden, und deshalb ist die gesamte Mannschaft im Dauereinsatz bis in den späten Abend. Der Preistafel an der Rezeption zufolge soll allein die Miete für eine Hochzeitsfeier 1000 US$ kosten. Das ist hier wirklich eine Menge Geld, aber Hochzeit geht offensichtlich immer …

Wir richten uns auf einem kleinen, mit Büschen gesäumten Rasenstück ein und freuen uns, mal wieder auf Rasen zu stehen und nicht auf Sand. Am Abend aber wird es kühl und feucht und schnell ist Tau im Gras. Wie sehnt sich der anspruchsvolle Camper da nach einem gepflegten Sandplatz 😉 . Um 8 Uhr verziehen wir uns mit nassen Füßen ins Dachzelt.
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zuletzt bearbeitet 10. Feb. 2021
Themenstarter373 Beiträge · seit 201213. Feb. 2021 ·
Donnerstag, 3. Mai 2018

Um ½ 4 Uhr beginnt das unglaublichste Konzert von Hunden und Hähnen, das ich jemals gehört habe. „Gefühlt“ müssen es Hunderte sein, die immer wieder auf’s Neue bellen und krähen oder antworten. Und das, obwohl wir doch nicht auf dem Land sondern in der Stadt schlafen. Oder vielleicht gerade deshalb? Hier hat jeder mehr als einen Hund, und für Hühner ist auf den großen Grundstücken auch genug Platz. Die Nacht ist also früh vorbei, aber an Aufstehen wollen wir noch nicht denken: draußen ist es kalt und feucht. Bulawayo liegt auf fast 1500 m, und als wir auschecken, meint der Rezeptionist händereibend, dass der Winter begonnen habe.

Über die großen, alten Prachtstraßen im Süden der Stadt fahren wir in Richtung Innenstadt, denn wir wollen noch einkaufen. Auch wenn der Pflegezustand in einen Pflegenotstand übergegangen ist, so kann man erahnen, was für eine schöne Stadt Bulawayo früher einmal gewesen sein muss, die Alleebäume blühen in verschiedenen Farben. Wir hatten viel Verkehr erwartet, schließlich sind wir in der Rushhour unterwegs, aber selbst hier, in dieser großen Stadt, gibt es nicht so viele Autos, wie wir dachten. Aber Ampeln hat’s hier, und was für welche: an den großen Kreuzungen hängen Zusatzampeln, die die jeweilige Wartezeit bis zur Weiterfahrt in Sekunden angeben. Davon könnte man sich in Europa mal eine Scheibe abschneiden 😎 .
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Wir kaufen ein bei Food Lovers und Pick’nPay, das Angebot ist das beste, was wir bisher vorgefunden haben. Sogar Fleisch und Käse können wir kaufen. Die Preise, bis auf Fleisch und Grundnahrungsmittel, sind auf deutschem Niveau oder höher, so kostet z. B. eine kleine Dose Thunfisch 4 US$. Welcher Otto Normalverbraucher soll sich das leisten können? Trotzdem sind diese beiden Supermärkte gut besucht, der Anteil der weißen Käuferschaft liegt bei 50 %. Zum ersten Mal auf unserer Reise sehen wir so viele weiße Simbabwer auf einen Haufen – es gibt sie also doch noch …

Um ½ 10 sind wir raus aus der Stadt, es geht weiter nach Nordwesten. 300 km sollen es noch sein bis Hwange Stadt und dann müssen wir ja noch bis Sinamatella, da gilt es, nicht zu trödeln. Von Bulawayo aus geht es leicht bergab bis auf eine Höhe von 1200 m, rechts und links der Straße lichter Laubwald, ab und zu kleine Dörfer. Sogar die intakten Zäune einer großen Farm passieren wir, aber auch die Ruinen eines gebrandschatzten Herrenhauses. 100 Kilometer vor Hwange Stadt wird die Landschaft wieder hügeliger, interessanter und hilft, die Schläfrigkeit, die sich über Mittag breit gemacht hatte, zu vertreiben. Unzählige alte Busse kommen uns entgegen, ihre Dächer vollgepackt, schwarze Dieselwolken ausspuckend.
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Hwange Stadt, vom Bergbau geprägt und sehr busy vom Geld, das hier verdient wird, streifen wir nur am Rande, biegen vorher ab in Richtung Nationalpark. Wegen des Kohletagebaus, der immer weiter in Richtung Park betrieben wird, müssen wir eine weite Umleitung fahren. Kein Hinweisschild, keine Einzeichnung in der Karte, kein Weg in QV – wenn wir nicht einen Hinweis eines Sicherheitsmannes bekommen hätten, wer weiß, wo wir gelandet wären.

Sinamatella, das „mittlere“ Hauptcamp im Hwange, erreichen wir am Nachmittag.
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Es liegt auf einem Bergrücken, direkt an der Steilkante, und überblickt die weiten Flussebenen im Südwesten.
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In früheren Zeiten war es berühmt für seinen Tierreichtum und die sensationellen Ausblicke auf große Elefantenherden in der Ebene, und ohne Reservierung kam man selten unter. Heute ist der Blick in die Ebene immer noch wunderschön, aber die großen Herden sind verschwunden, die Chalets sind in einem „unterirdischen“, die Campsite in einem erbarmungswürdigen Zustand. Außer uns ist nur noch ein weiteres Pärchen auf der Campsite, wir können uns also den relativ besten Platz aussuchen. Also stehen wir direkt an der Abbruchkante mit Blick auf die Ebene und können ein Schattendach direkt neben uns nutzen. Das sehr bemühte Personal heizt pausenlos den Donkey, und am späten Nachmittag bietet man uns Feuerholz an. Wir wollen zwar nicht grillen, aber es ist offensichtlich, dass die Attendants auf ein Trinkgeld hoffen, und so ordern wir ein Bündel bestes Mopaneholz.
Themenstarter373 Beiträge · seit 201217. Feb. 2021 ·
@ Nadine 3112 und picco

Danke euch für die Ergänzungen. Von Ruanda hatte ich schon gehört, aber dass es diese Ampeln auch in Leverkusen gab .... Ich fand es nur in Simbabwe so bemerkenswert: Vieles dümpelt vor sich hin, aber diese Zusatzampeln funktionieren 😄 .

VG Klaudi
zuletzt bearbeitet 17. Feb. 2021
Themenstarter373 Beiträge · seit 201217. Feb. 2021 ·
Freitag, 4. Mai 2018

Was für ein Tagesbeginn: man öffnet den Reißverschluss des Dachzeltes und blickt auf die große, weite und grüne Ebene im Tal. Das sind die Bilder, die man nie mehr aus dem Kopf bekommt und weshalb wir immer wieder nach Afrika reisen. Einen besseren Platz zum Frühstücken gibt es nicht, und wenn unten im Tal noch eine Elefantenherde vorbeizöge, fühlte man sich im Paradies.

Bevor wir aufbrechen, verhandele ich noch einmal mit dem netten Ranger an der Rezeption, ob wir die kommende Nacht nicht auf einer Wilderness Campsite im Park übernachten können. Als „Walk In Client“ kostet das nur die Hälfte, und auch wenn es dort keine großartigen Fazilitäten gibt, mit den sanitären Anlagen von Sinamatella kann sich jedes Plumpsklo messen. Die CS am Masuma Dam sei zwar immer noch belegt, meint der Ranger, aber er habe ganz früh schon per Funk anfragen lassen, ob der dortige Gast einverstanden sei, dass wir dazu kämen. Und der Gast ist einverstanden … wir können unser Glück kaum fassen.

Wir machen uns also auf zum Masuma Dam, nicht jedoch auf direktem Weg, sondern wir nehmen die Tracks entlang der kleinen Flüsse unten im Tal. Der Ranger hatte dazu Grünes Licht gegeben, alles sei frisch geschoben nach der Regenzeit und gut passierbar. Naja, gut passierbar ist ein relativer Begriff: wir kommen zwar ganz gut voran, aber als wir vom Kashaba Loop auf die Sinamatella River Road wechseln, stehen wir vor den Resten einer Brücke, die Trümmer liegen verstreut im trockenen Flussbett. 😮
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Uff, der Abstieg in den Fluss ist steil, der Aufstieg ebenso, loses Geröll bildet den Untergrund. Aber im tiefsandigen Flussbett kann man Spuren eines Fahrzeugs erkennen. Nach einer gründlichen Inspektion der Örtlichkeit fahren auch wir durch. Ich gehe zu Fuß, den armen Helmut schüttelt es ordentlich im Auto, vor allem bei der steinigen Ausfahrt.
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Ein paar Kilometer weiter, wir machen gerade einen Fotostopp, vermisse ich unseren Reiseführer. Auch wenn er uns oft schlecht berät, verzichten möchten wir auf ihn während der weiteren Reise nicht. Es gibt nur eine Erklärung: bei der großen Schaukelei im Flussbett muss er auf den Boden und dann, als ich wieder ins Auto gestiegen bin, in den Sand gefallen sein. Wir also zurück bis zur zerstörten Brücke, finden ihn aber nicht. Nochmal durch den Fluss, nur wegen des Reiseführers, wollen wir definitiv nicht, also setzen wir leicht deprimiert die Fahrt fort. Der weltbester Fahrer fühlt sich mal wieder bestätigt in seiner Einschätzung, dass die weltbeste Navigatorin keine gescheite Ordnung halten kann. Und dagegen ist gar nix zu sagen. 😉
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Gegen Mittag halten wir zum Picknick am Mandavu Dam. Die baulichen Einrichtungen, vor einigen Jahren renoviert, sind bereits wieder im Verfall begriffen.
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Das Personal ist dem Rotstift zum Opfer gefallen, kein Wunder also, dass alles vermüllt und vergammelt. Für eine Mittagspause am schönen Stausee reicht es uns aus, aber 90 $ für eine Übernachtung, das ginge zu weit. Die Rechnung der Parkverwaltung verstehen wir ohnehin nicht: von den 90 $ Übernachtungspreis könnte man doch locker das Personal und die Renovierung bezahlen und obendrein noch etwas verdienen. Warum man nun das Personal einspart und den Platz nicht vermarktet, verstehe wer will …
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Masuma Dam, unser heutiger Übernachtungsplatz, ist derzeit die einzige bewirtschaftete Übernachtungsstelle im Park im Bereich von Sinamatella.
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Die sehr große, am Steilufer gelegene Aussichtsplattform bietet kühlen Schatten und einen ungestörten Blick über den See.
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Die beiden Angestellten, Knowledge & Quiet, stellen sich stolz vor, und Knowledge legt Wert auf die Feststellung, dass er der Manager sei und Quiet der Attendant. Jeder muss halt noch einen unter sich haben …. Und tatsächlich halten die beiden ihre Hackordnung ein: Knowledge managt, d.h. er tut nichts außer reden, und Quiet putzt und hält alles in Ordnung. Dabei sind die beiden beste Freunde, kaum zu glauben.
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Hier lässt es sich aushalten: Wir installieren schnell unser Zelt und wechseln dann auf die Aussichtsplattform.
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Den ganzen Nachmittag verbringen wir hier, schauen auf’s Wasser, fotografieren, trinken Tee und essen Kekse. Im See leben Hippos und Krokodile, Schildkröten und Warane.
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Am Ufer tummeln sich Elefanten, Wasserböcke und Impalas,
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Vögel gibt es zuhauf.
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Am späten Nachmittag kommt der eigentliche „Platzhalter“ dazu, ein Mann unbestimmten Alters, ein etwas schräger Australier. Ihm haben wir zu verdanken, dass wir hier übernachten dürfen, und auch einem belgischen Ehepaar hat er Asyl gewährt. Wir sind also heute Nacht zu dritt, oder besser gesagt zu fünft, was vom Platz her überhaupt kein Problem ist.

Nach dem Abendessen sitzen wir wieder auf der Plattform bis auch das letzte Tageslicht verschwunden ist. Später, wir liegen schon flach, hören wir heftiges Plantschen aus dem See – eine Herde Elefanten badet ausgiebig. Wie schade, dass der Mond noch nicht aufgegangen ist.

Unseren Reiseführer haben wir übrigens wiedergefunden: er war tatsächlich bei der Schaukelei im Flussbett heruntergefallen und dann unter den Beifahrersitz gerutscht. Dort haben wir ihn am Nachmittag entdeckt und nun kann er uns weiter beraten oder in die Irre führen – je nach dem … 😄
zuletzt bearbeitet 17. Feb. 2021