Sonntag, 29. April 2018Heute also die Bvumbas: Als Mutare noch eine reiche, weiße Stadt war, waren die Bvumbas
das Wochenendausflugsziel der besseren Gesellschaft. Die höchsten Gipfel liegen 800 m höher als die Stadt im Tal, hier ist es kühler, die Luft klar, die Vegetation üppig. Da kann sich die feine Lady wunderbar in Müßiggang üben, ohne ins Schwitzen zu geraten. Der Reiseführer berichtet, dass besonders reiche Damen damals von ihren Gatten kleine Landsitze in den Bvumbas geschenkt bekamen. Einige dieser Sommerresidenzen existieren noch, zumindest die exotischen Parkanlagen, die man besichtigen kann. Der Reiseführer berichtet auch, dass man das Herzstück der Berge auf einem 65 Kilometer langen Rundweg umfahren kann. Und weil wir ja dem Reiseführer schon öfter auf dem Leim gegangen sind, folgen wir auch dieser Empfehlung. Ihr ahnt, dass wir uns dem nächsten kleinen Abenteuer nähern. Aber der Reihe nach:
Von unserer Campsite aus geht es erst einmal zurück nach Mutare. Auch heute, am Sonntag, tobt das Leben auf den Straßen. Unmittelbar am östlichen Stadtrand beginnt der Anstieg in die Berge. Serpentinen schlängeln sich den Hang hinauf, von den großen 180°-Kehren aus hat man einen sensationellen Blick ins Tal. Es geht höher und höher, die Vegetation verändert sich mit jedem Meter, den wir bergan tun.


Nach 15 Kilometern erreichen wir den Abzweig der Rundstrecke und wir biegen in das Essex-Valley ein, das den ersten Teil der Strecke bildet. Die Straße ist anfangs noch asphaltiert, wenn auch recht schmal. In Serpentinen geht es nun wieder steil bergab, der Asphalt wird löchrig und hört dann ganz auf. Die dann folgende Naturstraße ist stark ausgewaschen und lässt nur langsames Tempo zu. Die Vegetation zu beiden Seiten ist satt grün und üppig. Je weiter wir ins Tal vordringen, je enger und schlechter wird die Straße, je mehr bildet der Wald einen Tunnel. Sind wir noch richtig? Ja, sind wir, denn es gab keinen Abzweig und lt. QV und der Karte von Reise-Know-How befinden wir uns auf der einzigen Straße im Tal. Nur T4A hat beschlossen, dass wir uns im Niemandsland befinden und unterstützt uns ab sofort nicht mehr. Also weiter. Auf der Talsohle angekommen, wird die Straße zum morastigen Forstweg, der grüne Tunnel ist mittlerweile so dicht, dass kaum noch Sonnenstrahlen eindringen können. Lianen hängen herab, umgestürzte Bäume liegen am Wegesrand, notdürftig zur Seite geschoben. Kommen wir hier jemals wieder raus? Wir folgen tapfer der tiefen Fahrspur, die ein großer Traktor oder ein Forstfahrzeug hinterlassen hat. Endlich gewinnen wir wieder etwas an Höhe, der Weg wird trockener, und nach einer gefühlten Ewigkeit weicht der Wald zurück und wir sehen den Himmel. Auf der Höhe, am Übergang vom Essex- zum Burma-Valley erreichen wir einen großen Holzeinschlag.

Mit relativ professionellem Gerät werden hier die Reste der Nutzholzflächen abgeholzt und abtransportiert.
Eine Aufforstung findet selbstredend nicht statt. Die Forstarbeiter scheinen erstaunt, als sie uns sehen. Die spinnen, die Touristen ….
Im Burma-Valley gibt es offensichtlich noch einige intakte Farmen. Unmittelbar an der Grenze zu Mozambique passieren wir große Tee- und Bananenplantagen. Die Straße ist mittlerweile wieder in ordentlichem Zustand, geht bald sogar wieder in Teer über.
An großen Lagerschuppen stehen LKW mit südafrikanischer Zulassung, sie werden mit Bananen beladen und schaffen das Beste außer Landes. Für den Binnenmarkt bleibt nur der Ausschuss. Weiter talab, da wo früher wohl Tabak angebaut wurde, ist dann Schluss mit lustig. Die großen Stellagen zum Trocknen des Tabaks stehen noch, sind aber sichtlich im Verfall begriffen. Die ehemaligen Arbeiter leben noch hier, jetzt, ohne Arbeit, sitzen sie zusammen, palavern und, falls sie Geld haben, betrinken sie sich. Des einen Leid, des anderen Freud: Für uns als Touristen hat diese extensive Bewirtschaftung weiter Teile des Landes den Vorteil, dass wir auf Landschaften blicken, die, zumindest vordergründig, nicht kultiviert, also naturbelassen sind. Die Natur hat sich seit dem Niedergang der professionellen Landwirtschaft ganz schnell wieder all das zurückgeholt, was der Mensch ihr genommen hatte. So schlängelt sich die Straße talab durch das Burma-Valley, rechts und links üppiger Wildwuchs, die Flanken der Berge grün bewachsen oder mit interessanten Steinformationen bestückt. Nur von Wild fehlt jede Spur. Bei so viel hungrigen Menschen kein Wunder.
Am Schluss dieser Rundfahrt steigen wir wieder in die Bvumba-Berge hinauf.
Nächstes Highlight des Tages soll Tony’s Coffee Shop sein. Auch den Besuch dieser Institution beschreibt der Reiseführer als ein MUST.
Besagtes Café liegt in einem großen Garten an einer Bergflanke mit Blick ins Tal.
Das kleine weiße Gebäude hat nur wenige Plätze,
und weil die Sonne so schön scheint beschließen wir, im Garten zu sitzen.
Und dann erscheint Tony, very british, um die 60, Mami’s Liebling und betet uns mit geschlossenen Augen die Kuchenkarte vor. Bei jeder Kuchenzutat, die er nennt, scheint ihm das Wasser im Munde zusammenzulaufen, und das Bedauern, nicht alles selbst essen zu können, steht ihm ins Gesicht geschrieben. Wir entscheiden uns für Cheesecake à la New York und heiße Schokolade, was ihn verzückt davonschweben lässt. Der Kuchen kommt, die Stücke sind riesig, der Kakao köstlich, serviert auf altem englischem Blümchen-Porzellan.
Dann kommt die Rechnung, und wir zahlen 42 US$ (in Worten: zweiundvierzig US-Dollar). Natürlich hatten wir die Preise für den Kuchen gelesen, aber wenn dann die Gesamtrechnung die Summe schwarz auf weiß zeigt, trifft einen doch der Schlag. Wir müssen verrückt sein.
Die weitere Fahrt in das Herz der Berge enttäuscht uns: weite Flächen sind abgeholzt und, wie schon öfter erwähnt, nicht wieder aufgeforstet. Lediglich der weite Blick hinein nach Mozambique bis zum Stausee von Chicamba begeistert uns.
Wie gut, dass wir uns gegen zweit Nächte in den Bvumbas entschieden haben. Man muss dem Reiseführer auch mal die Stirn bieten!
Auf dem Rückweg, wir passieren gerade die Peripherie von Mutare, werden wir beinahe von einem großen LKW gerammt. Im allerletzten Augenblick kann Helmut ausweichen – puh, nochmals Glück gehabt.
Der Kuchen liegt uns den ganzen Nachmittag schwer im Magen – nicht wegen des Preises, sondern wegen der mächtigen Zutaten. Das ist nicht angenehm und behindert sogar das Relaxen. Helmut liegt schon um 7 flach, ich folge erschöpft um 8 Uhr.