Corona und flexibles Reisen

562 Antworten · 97,2k Aufrufe · gestartet 26. März 2020 von Maputo
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390 Beiträge · seit 201718. Apr. 2020 ·
Topobär schrieb:Ich gehe auch davon aus, dass die Länder, die wirtschaftlich auf den Tourismus angewiesen sind, relativ schnell Regelungen treffen werden, um den Tourismus wieder hochzufahren. Das nützt uns aber in Deutschland alles nichts, solange man hier eine virtuelle Mauer hochgezogen hat. Damit meine ich die Anordnung, dass man nach einem Auslandsaufenthalt für 2 Wochen in Quarantäne muss.
Das wäre für mich und sicher viele Andere kein Grund, nicht zu reisen. Du bekommst während einer Quarantäne Lohnfortzahlung wie im Krankheitsfall. Und viele Reisende müssen ja auch nicht mehr arbeiten.
390 Beiträge · seit 201718. Apr. 2020 ·
dino schrieb:Hallo liebe flexible Reisenden.

Ich habe jetzt in diesem und vielen anderen Threads zu dem Thema so einige kontroverse Meinungen gelesen. Was mir dabei - besonders in den letzten Beiträgen - extrem auffällt. Dei meisten bewerten das Risiko hier für sich selber. Ständig steht hier ich, mich und wir. Ich bewerte das Risiko für mich. Ich bin halt riskofreudiger als andere. Ich habe keine Angst mich anzustecken.

Was aber diese Situation von anderen extrem unterscheidet: Es geht bei Corona Schutzmaßnahmen primär um andere. Es geht darum, dass man - wenn man sich selber angesteckt hat - viele andere anstecken kann. Und das dann in Ländern mit extrem eingeschränktem (oder bereits überlastetem) Gesundheitssystem? Der Reisende wird Krank, steckt andere an, fährt nach Hause in das mit Intensivbetten noch gut bestückte Deutschland und hinterlässt im Reiseland vielleicht einen Scherbenhaufen.

Auch wer in Deutschland sagt: ich habe keine Angst mich anzustecken, sollte vielleicht mal darüber nachdenken, ob es nicht auch um die anderen geht.

Vielleicht bezieht Ihr diesen Aspekt auch mit in Eure Betrachtungen ein.

Gruß

Dino
Nun ja, aber es gibt Länder auf dieser Welt, da leben die Leute vom Tourismus und es gibt keine soziale Absicherung. Da gibt es die Wahl zwischen evtl. Corona mit 99 % Überlebenschance oder verhungern, wenn der Zustand lange anhält.
121 Beiträge · seit 201718. Apr. 2020 ·
motorradsilke schrieb:


Das wäre für mich und sicher viele Andere kein Grund, nicht zu reisen. Du bekommst während einer Quarantäne Lohnfortzahlung wie im Krankheitsfall. Und viele Reisende müssen ja auch nicht mehr arbeiten.
Da werden sich Dein Arbeitgeber und vermutlich die Kollegen die für Dich mitarbeiten müssen aber herzlich bedanken.
Eine vorher ja bereits absehbare Quarantäne wegen einer Urlaubsreise wird demnächst sicher kein Grund für eine Lohnfortzahlung sein, ist ja eben genau kein „Krankheitsfall“

Diese Argumentation passt genau in die meiner Meinung nach zurecht von Dino kritisierte Herangehensweise : Ich, Ich, Ich....

Jetzt dürft Ihr über mich herfallen.

Nachdenkliche Grüße, Burkhard
390 Beiträge · seit 201718. Apr. 2020 ·
Kaeptn Haddock schrieb:
motorradsilke schrieb:


Das wäre für mich und sicher viele Andere kein Grund, nicht zu reisen. Du bekommst während einer Quarantäne Lohnfortzahlung wie im Krankheitsfall. Und viele Reisende müssen ja auch nicht mehr arbeiten.
Da werden sich Dein Arbeitgeber und vermutlich die Kollegen die für Dich mitarbeiten müssen aber herzlich bedanken.
Eine vorher ja bereits absehbare Quarantäne wegen einer Urlaubsreise wird demnächst sicher kein Grund für eine Lohnfortzahlung sein, ist ja eben genau kein „Krankheitsfall“

Diese Argumentation passt genau in die meiner Meinung nach zurecht von Dino kritisierte Herangehensweise : Ich, Ich, Ich....

Jetzt dürft Ihr über mich herfallen.

Nachdenkliche Grüße, Burkhard
Nö, fällt Niemand über dich her. Hast ja nicht ganz Unrecht. Ich hab nur schon so oft erlebt, dass ich selbst Arbeit für Leute mitgemacht habe, die keine Lust hatten oder…, dass ich da inzwischen nicht mehr ausschließlich an Andere denke.
Aber ich persönlich arbeite auch nur noch ein paar h,und das geht auch 2 Wochen von zu hause aus.
Und bei vielen Anderen ja auch, wie sich jetzt zeigt.
Vermutlich wird das mit der Bezahlung so sein. Das muss dann eben Jeder selbst entscheiden, ob er das leisten kann.
Wäre auf jeden Fall besser als gar nicht reisen können.
82 Beiträge · seit 202018. Apr. 2020 ·
Auch TUI sagt übrigens aktuell: "wir gehen davon aus, dass im Sommer große touristische Reiseziele wie Spanien oder Griechenland angesteuert werden können". Auch hier lohnt ein Blick auf die Faktenlage: In einigen südeuropäischen Ländern macht Tourismus 20-30% des BIP aus. Der Tourismus macht allein in Spanien, Italien, Frankreich, Portugal, Griechenland so um die 1,5 Billionen Euro aus. Fast alles, was an Tourismus ausfällt, wird man als zusätzliche Hilfspakete für diese Länder schnüren dürfen. Zur Orientierung bei der Größenordnung: Der im Kontext von Hilfsmaßnahmen für europäische Länder meist genannte ESM kann bisher maximal 0,5 Billionen Euro ausgeben. Deswegen dürfte am Ende auch in Ländern wie Deutschland, die mehr Quellland als Zielland sind, das Bestreben hoch sein, den Tourismus wieder zu ermöglichen.

Aus meiner Sicht hängt wie schon gesagt viel an brauchbaren, billigen Schnelltests. Priorität bei der ganzen Testerei müssen weiterhin tatsächliche Verdachtsfälle, Risikogruppen, Ärzte, Pfleger usw. haben. Aber wenn die Kapazität da ist, auch Touristen und die Arbeitskräfte in touristischen Einrichtungen zu testen, wird das Tourismus definitiv wieder ermöglichen. Ich weiß nicht, ob man überhaupt ausschließen kann, dass der ökonomische Druck am Ende so groß ist, dass man letztlich selbst ohne Massen-Schnelltests wieder einiges an grenzüberschreitenden Tourismus zulassen würde? Das wäre dann schon eine erhebliche Hypothek.

Wie auch immer: ich bin sicher, dass noch in diesem Jahr Leute aus diesem Forum wieder Namibia bereisen werden. Was die Verantwortung anbetrifft, nicht selbst das Virus anderswo einzuschleppen und somit unverantwortlich zu handeln: Wenn man im Normalfall 2 Schnelltests haben wird, einen vor Abreise und einen bei Einreise, dann sollte das hinreichend sicher sein und mit dem winzigen Restrisiko wird man sich arrangieren können. Das was Emirates schon praktiziert, ist ein erster Schritt in die Richtung, letztlich aber nur begrenzt hilfreich. Emirates macht aktuell Blut-Schnelltests. Im Blut ist das Virus aber später als bei Rachenabstrichen nachweisbar.

Auslandsreisen in 2020 werden mit einem gewissen COVID-19-Restrisiko behaftet sein. Einige werden verzichten. Aber gerade die Menschen, die bisher Afrika bereist haben, haben sich schon immer mit einer Reihe an erhöhten Risiken arrangiert: mit Malaria, mit Dengue, mit Gelbfieber, mit erhöhter Kriminalität, mit fehlender Vollkaskoversicherung, mit behördlicher Korruption. Das muss dann jeder für sich selbst abwägen, aber viele würden sich wohl auch mit einem gewissen COVID-19-Restrisiko arrangieren.
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2020
33,2k Beiträge · seit 200618. Apr. 2020 ·
"wir gehen davon aus, dass im Sommer große touristische Reiseziele wie Spanien oder Griechenland angesteuert werden können".
TUI hofft vor allem 🙂 Vor Ort sieht man das scheinbar anders, z. B. "Mallorca rechnet nicht vor August mit Neustart" (https://www.fvw.de/destination/news/corona-folgen-auf-balearen-mallorca-rechnet-nicht-vor-august-mit-neustart-208085?crefresh=1). Bis da dann alles wieder hochgefahren ist, ist September und damit bestes Herbstwetter 😉

Aber ich hoffe es für die vom Tourismus abhängigen Ziele (auch Namibia), dass man schnell eine gesunde Lösung finden kann.

Viele Grüße
Christian
Vom 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
170 Beiträge · seit 201818. Apr. 2020 ·
Auch wenn ich persönlich das Risiko in Kauf nehmen würde, kann ich mir für heuer keine Auslandsreisen vorstellen.
gastro und hotels sind geschlossen, mit den angedachten Sicherheitsbestimmungen bei einer teilöffnung würde ich in kein hotel fahren.
flieger werden noch länger am Boden bleiben, touristische Flüge sind doch momentan sowieso noch undenkbar.
und Quarantäne bei der Einreise ins urlaubsland und dann wieder bei der Einreise zuhause kann man nur andenken, wenn man monatelang unterwegs ist.
aber ich lass mich gerne eines besseren belehren.... immerhin gibt's meinen Job nur wenn man reisen darf...
Themenstarter828 Beiträge · seit 201618. Apr. 2020 ·
In Thailand wird diskutiert die Einreisesperre oder Quarantäne  im Mai / Juni für Länder mit tiefem Corona Risiko ( Schweiz, Deutschland usw.) aufzuheben (Quelle / Bangkok Post) . Fluggesellschaften müssen sich Gedanken machen wieviele Menschen sie in die Eco packen können um Passagiere nicht zu gefährden, nur noch jeden 2-3ten Sitz belegen ist eine Überlegung.
 
lg Maputo
121 Beiträge · seit 201718. Apr. 2020 ·
motorradsilke schrieb:

Aber ich persönlich arbeite auch nur noch ein paar h,und das geht auch 2 Wochen von zu hause aus.
Und bei vielen Anderen ja auch, wie sich jetzt zeigt.
Vermutlich wird das mit der Bezahlung so sein. Das muss dann eben Jeder selbst entscheiden, ob er das leisten kann.
Wäre auf jeden Fall besser als gar nicht reisen können.
Hallo Silke

Das hat sich in Deinem ersten Kommentar halt etwas anders angehört, deswegen mein Einwurf.
Ich denke das Reisen in absehbarer Zukunft sich eben sehr verändern werden. Die individuellen Schutzmaßnahmen mit Testverfahren, Abstandregeln, verbriefter Freigabe wegen nachgewiesener Immunität etc. lassen sich halt im doch hochpreisigen Individualreisegeschäft besser umsetzen als im TUI-Massengeschäft auf Malle.

Zusätzlich wird man immer mit lokalen Ausbruchsereignissen rechnen müssen die auch nach Lockerungen wieder einzelne Airports oder auch Länder plötzlich wieder nicht bereisbar machen.

Und ja, auch wird hoffen noch das wir unserer Namibia-Botswana Tour im Herbst verantwortlich durchführen können, um den lokalen Tourismus dort zu unterstützen und natürlich auch zum eigenen Vergnügen.

Grüße, Burkhard
727 Beiträge · seit 200818. Apr. 2020 ·
dino schrieb:Ständig steht hier ich, mich und wir.
marimari schrieb:man kann aber auch einfach schnell etwas reininterpretieren wollen.
Die folgenden Zitate stammen aus Posts nach meinem. Ich interpretiere mal nicht.
motorradsilke schrieb:Das muss dann eben Jeder selbst entscheiden
A7456 schrieb:Das muss dann jeder für sich selbst abwägen, aber viele würden sich wohl auch mit einem gewissen COVID-19-Restrisiko arrangieren.
shanti schrieb:wenn ich darauf achte und die entsprechenden massnahmen einhalte wie geschrieben, kann ich reisen, wenn die grenzen offen sind und werde es auch machen...die anderen koennen ja daheim bleiben
Ich möchte auch wirklich nicht mit Euch streiten. Das Argument mit den wirtschaftlichen Folgen verstehe ich ebenfalls sehr gut. Wer Finns Reisebericht gelesen hat, hat auch gesehen, dass wir unsere Schottland-Reisen schon seit jahren bei einem lokalen Reisebüro buchen. Die haben sicherlich gerade auch sehr zu kämpfen. Aber gerade weil die Länder extrem vom Tourismus abhängen, treffen sie vielleicht auch Entscheidungen, die nicht gut für das Land sind. Das ist aber ein ähnliches Thema wie die Textilindustrie in Indien. Wenn ich die Kleidung nicht kaufen, haben die Kinder, die dort nähen, nichts zu Essen und verhungern. Die Welt ist leider nicht einfach. Ich denke viele - insbesondere hier im Forum - werden verantwortlich reisen. ABER viele werden es auch nicht tun.

Mir ging es in dieser Diskussion nur um eins. Der Vergleich mit Aids, Malaria und auch Hungersnöten hinkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der "normale" Reisende zur Verschlimmerung dieser Probleme beiträgt ist verschwindend gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass der "normale" Reisende zur Verschlimmerung von Corona beiträgt, ist extrem hoch.

Nur darum ging es mir in meiner Argumentation.

Und weil sicherlich die Frage kommen wird, was wir gegen die wirtschaftlichen Folgen machen können. Das wird sehr schwer und auch ich habe keine Glaskugel. Was aber für mich einfach war: Ich habe einen Teil des Geldes, dass ich sonst für eine aktuelle Reise bezahlt hätte, stattdessen an Ärzte ohne Grenzen gespendet.

Nachdenkliche Grüße

Dino
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2020
727 Beiträge · seit 200818. Apr. 2020 ·
shanti schrieb:....liesst man irgendwo eigentlich immer wieder wieviel schon genesen sind von dem virus....es wird nur immer die negative nachricht von den neu infizierten und toten gebracht....only bad news are good news....
Also die Quellen, die ich bemühe, teilen eigentlich ständig die Zahlen der Genesenen mit. Zuletzt die Tagesschau vor 10 Minuten.
454 Beiträge · seit 200618. Apr. 2020 ·
sollte man vllt auch einmal ueberdenken, aber die regierungen der dritte welt laender moechten natuerlich auch im grossen spiel der erste welt laender mitmachen....
https://mg.co.za/article/2020-04-08-is-lockdown-wrong-for-africa/
Themenstarter828 Beiträge · seit 201618. Apr. 2020 ·
dino schrieb:

Die Wahrscheinlichkeit, dass der "normale" Reisende zur Verschlimmerung von Corona beiträgt, ist extrem hoch.

Die Aussage begreife ich nicht ganz...

Wenn ich die Regeln einhalte (Abstand halten,Gruppen meiden, regelmäßig  Hände waschen, ggf  Maske tragen)  ist das Risiko an Corona zu erkranken oder jemanden anzustecken gegen Null. Warum  das jetzt  irgendwo im  Ausland anders sein soll begreife ich nicht ganz? 

lg Maputo
82 Beiträge · seit 202018. Apr. 2020 ·
travelNAMIBIA schrieb:TUI hofft vor allem 🙂 Vor Ort sieht man das scheinbar anders, z. B. "Mallorca rechnet nicht vor August mit Neustart" (https://www.fvw.de/destination/news/corona-folgen-auf-balearen-mallorca-rechnet-nicht-vor-august-mit-neustart-208085?crefresh=1). Bis da dann alles wieder hochgefahren ist, ist September und damit bestes Herbstwetter 😉
Klar gehen die Einschätzungen auseinander. Einige hoffen gar schon auf Ende Mai, andere (Frankreich) sehen die Grenzen bis Ende Oktober zu. Im Moment dominieren zurecht andere Themen die Debatten und Tagesordnungen: Intensivbetten, Kapazitäten für PCR-Tests, Schulen und sowas sind aktuell viel wichtigere Themen. Bis Mitte Juni wird Tourismus aber garantiert ein zentrales Thema bei den Corona-Debatten sein.

Das Hochfahren der touristischen Kapazitäten wäre kein Problem. Da muss doch nichts neu geschaffen werden. Egal ob Airlines, Airports oder Hotels: die Kapazitäten sind da. Man muss da nur den Normalzustand wieder herstellen. Wenn es die Nachfrage gibt, ist das sicher mit einer Woche Vorlauf auf mindestens 80% hochgefahren.

Wie nun schon mehrfach gesagt, hängt aus meiner Sicht viel an Schnelltests. Wenn es die gibt, dann gibt es ganz rational keine Gründe, Tourismus weiter zu unterbinden. Wissenschaftler sagen, dass von der Systematik her Schnelltests möglich sind, die ähnlich simpel wie Schwangerschaftstest sind und mit Rachenabstrich (oder vielleicht auch Speichel) in wenigen Minuten ein Ergebnis liefern. Einige sagen, dass es in 4 Wochen Prototypen geben könnte. Aber wie wohl alle hier bin ich bezüglich Corona-Schnelltests absolut Laie. Es gibt keine Statistiken, keine Daten aus denen man diesbezüglich etwas ableiten könnte. Sicher ist nur: Corona-Schnelltests wären eine Milliardengeschäft.
390 Beiträge · seit 201718. Apr. 2020 ·
dino schrieb:
dino schrieb:Ständig steht hier ich, mich und wir.
marimari schrieb:man kann aber auch einfach schnell etwas reininterpretieren wollen.
Die folgenden Zitate stammen aus Posts nach meinem. Ich interpretiere mal nicht.
motorradsilke schrieb:Das muss dann eben Jeder selbst entscheiden
A7456 schrieb:Das muss dann jeder für sich selbst abwägen, aber viele würden sich wohl auch mit einem gewissen COVID-19-Restrisiko arrangieren.
shanti schrieb:wenn ich darauf achte und die entsprechenden massnahmen einhalte wie geschrieben, kann ich reisen, wenn die grenzen offen sind und werde es auch machen...die anderen koennen ja daheim bleiben
Ich möchte auch wirklich nicht mit Euch streiten. Das Argument mit den wirtschaftlichen Folgen verstehe ich ebenfalls sehr gut. Wer Finns Reisebericht gelesen hat, hat auch gesehen, dass wir unsere Schottland-Reisen schon seit jahren bei einem lokalen Reisebüro buchen. Die haben sicherlich gerade auch sehr zu kämpfen. Aber gerade weil die Länder extrem vom Tourismus abhängen, treffen sie vielleicht auch Entscheidungen, die nicht gut für das Land sind. Das ist aber ein ähnliches Thema wie die Textilindustrie in Indien. Wenn ich die Kleidung nicht kaufen, haben die Kinder, die dort nähen, nichts zu Essen und verhungern. Die Welt ist leider nicht einfach. Ich denke viele - insbesondere hier im Forum - werden verantwortlich reisen. ABER viele werden es auch nicht tun.

Mir ging es in dieser Diskussion nur um eins. Der Vergleich mit Aids, Malaria und auch Hungersnöten hinkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass der "normale" Reisende zur Verschlimmerung dieser Probleme beiträgt ist verschwindend gering. Die Wahrscheinlichkeit, dass der "normale" Reisende zur Verschlimmerung von Corona beiträgt, ist extrem hoch.


Nachdenkliche Grüße

Dino
Das sehe ich etwas anders. Wenn ich alle möglichen Maßnahmen einhalte, es evtl. Tests gibt, halte ich die Wahrscheinlichkeit, das dort zu verbreiten, für extrem gering. Sollte es absehbar vernünftige Masken geben, ist sie annährend 0.
Und dann ist die Überlegung, reise ich und nehme auch für die Länder ein kleines Restrisiko in Kauf. Oder reise ich nicht, und die Menschen dort werden verhungern.
Es ist eine schwierige Abwägung.
Aber die kann man wirklich erst treffen, wenn es so weit ist.
82 Beiträge · seit 202018. Apr. 2020 ·
dino schrieb:Die Wahrscheinlichkeit, dass der "normale" Reisende zur Verschlimmerung von Corona beiträgt, ist extrem hoch.
Wenn es Schnelltests gibt, ist das Risiko nicht extrem hoch. Ja, aber auch mit Schnelltests läge das Risiko nicht bei NullKommaNull. Es verbliebe ein Restrisiko. Aber wir müssen das rational beurteilen. Wenn wir durch Schnelltests wissen, dass jemand mit 99,x% Sicherheit nicht mit dem Corona-Virus infiziert ist, dann wird das Risiko akzeptabel sein. Von den restlichen < 1% haben dann ja auch nicht 100% Corona, sondern statistisch vielleicht 1 Promille. Wenn 200 Millionen Euro an Tourismusumsätzen dann ein potentiell Infizierter gegenüber steht, wird man das Risiko eingehen. Im Verbund mit anderen bis dahin eingespielten Maßnahmen (Mundschutz, Abstand wenn möglich, Desinfektion, Nachverfolgung, Unterbrechung von Infektionsketten) wird man das auch ausreichend im Griff haben.

Damit mir keine Verharmlosung unterstellt wird: Alle diejenigen, die uns jetzt weiß machen wollen, dass Corona nicht gefährlicher als eine Grippewelle ist, liegen meines Erachtens meilenweit daneben. Corona ist um Dimensionen gefährlicher und die aktuellen Maßnahmen sind meines Erachtens absolut angemessen. Aber unser Leben ist voll von Risiken und funktioniert trotzdem. Wenn ich mich gleich ins Auto setze, dann ist das Risiko nicht bei 0,0, dass ich auf der Fahrt ein Kind überfahre (obwohl ich als Deutscher natürlich per Geburt zu den großartigsten Autofahrern auf dem Planeten zähle... 😕 ). Das wird akzeptiert.

Wir werden letztlich auch die Corona-Risiken nüchtern quantifizieren müssen. Am Ende (mit Schnelltest und anderen Maßnahmen) steht möglicherweise trotzdem je 1-10 Million Touristen ein durch Tourismus ausgelöster Corona-Todesfall gegenüber. Das mag zynisch klingen, aber das wird man akzeptieren. Im Straßenverkehr kommt jährlich in Deutschland auf ca. 25.000 Teilnehmer ein Toter. In anderen Ländern noch viel mehr. Von Toten durch Alkohol, Tabak, Umweltverschmutzung etc. ganz zu schweigen. Trotzdem verbieten wir all das nicht, obwohl wir es theoretisch könnten. Unsere Lebensweise funktioniert nur durch die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Restrisiken.
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2020
1’680 Beiträge · seit 200718. Apr. 2020 ·
A7456 schrieb:
Wenn es Schnelltests gibt, ist das Risiko nicht extrem hoch.
zu bedenken dabei aber, dass die Schnelltests nicht unbedingt aussagekräftig sind, insbs. wenn es Antikörpertests sind
Vielen Stellen bieten Antikörper-Schnelltests aus einem Bluttropfen an. Im Gegensatz zu den PCR-Tests, die eine Infektion nachweisen, wird das Blut bei diesen Tests auf Antikörper untersucht. Das Problem dabei ist nach Angaben von Matthias Orth, Vorstandsmitglied des Berufsverbandes Deutscher Laborärzte, dass es eine sogenannte Kreuzreaktion geben kann. Denn es gibt nicht nur ein Coronavirus, sondern viele. Es werden zwar Antikörper gegen Coronaviren festgestellt, aber es bleibt unklar, gegen welches Virus genau. Noch unbekannt sei momentan auch, wie lange Antikörper gegen Sars-CoV-2 im Blut nachweisbar seien und wie lange sie vor einer Neuerkrankung schützten.
Quelle
lG und bleibt gesund! M@rie M@rie's on the road again - Namibia-Botswana 2012 "Es kommt nicht darauf an, ob du gewinnst oder verlierst, es kommt nur darauf an nicht aufzugeben!" ~ "It always seems impossible until it is done." Nelson Mandela ~
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2020
82 Beiträge · seit 202018. Apr. 2020 ·
M@rie schrieb:zu bedenken dabei aber, dass die Schnelltests nicht unbedingt aussagekräftig sind, insbs. wenn es Antikörpertests sind
Es wurde am Beispiel Emirates doch schon gesagt, dass Bluttests eher nicht die finale Lösung sind. Unabhängig davon, ob die Antikörper-Tests nun speziell Antikörper zum neuen Corona-Virus oder zu irgendwelchen Corona-Viren nachweisen, ist ein Nachweis von Antikörpern per se immer nur zeitverzögert zur Infektion möglich. Das ist in vielen Konstellationen besser als nichts, aber hinsichtlich Tourismus kein guter Ansatz.

Davon abgesehen diskutieren wir doch die touristische Situation in 3-6 Monaten. Es ist meines Erachtens völlig unsinnig, den heutigen Stand der Testverfahren darauf zu projizieren und somit zu unterstellen, dass es bis dahin keinerlei Fortschritt mehr gibt. Zig Firmen und Forschungseinrichtungen arbeiten mit Hochdruck an neuen Tests.
Gast18. Apr. 2020 ·
@Maputo und marimari @ Regeleinhaltung und Ansteckungsgefahr, auch wenn die Debatte schon weiter gegangen ist.
Ich sehe das genauso und verbringe meinen Alltag wie zuvor und sorge mich unter diesen Bedingungen nicht besonders um Ansteckungsgefahr, zumal die simplen Regeln in meiner Umgebung eingehalten werden…..und Händewaschen nach jedem „Außenkontakt“ war sowieso immer selbstverständlich. Allerdings habe ich es als Pensionist auch leichter, in meiner früheren Berufsausübung wäre 50 % meiner Arbeit sehr verkompliziert gewesen und home office nur für ganz wenige Tätigkeiten möglich.
Ich bin auch zuversichtlich, dass kleinräumiger Tourismus auch heuer, ab Sommer, wieder möglich sein wird, ich werde sicher selber dabei sein. Das ist ja alles nicht das Thema hier, sondern die Fernreisen, über Landesgrenzen hinweg.
Man muss dabei halt beachten, dass die Ansteckungskette sich aus der jeweiligen Situation ergibt und sich ständig verändert. Die jetzige Entspannung (in A) ist dem shut down zu verdanken, der den öffentlichen Raum „sauber“ gemacht hat und hält. Dieser war anfänglich eine große Virenschleuder, jetzt kann er es nicht mehr sein, also erfolgt die Ansteckung am Arbeitsplatz, im KH und Altenheim, im privaten Umfeld. Wenn der öffentliche Raum wieder belebt ist, wird sich das auch wieder verändern. Außerdem gibt es auch viele Bereiche, in welchem enger Personenkontakt unvermeidlich ist, wenn man wieder zur "Normalität" übergeht.
Diese Situationen können sich eben sehr rasch verändern, das haben wir doch eigentlich jetzt deutlich vorgeführt bekommen. Ganz wenige, zu spät erkannte, Infizierte können rasch eine neue Welle verursachen. Und je weiter diese reisen, desto weiter verteilen sie es auch. Deswegen sind Fernreisen mE derzeit noch eine schlechte Idee, es ist zu früh, um das noch einschätzen zu können. Und dann noch die ganzen „praktischen“ Probleme. Im Augenblick haben wir nicht ein Mal genug Schutzartikel und Tests für das Notwendigste, und dann sollen diese Ressourcen für Vergnügungsreisen verwendet werden? Von ausreichend spezifischen „Schnelltests“ gar nicht zu reden, die sind derzeit noch nicht in Sicht, sagen Virologen.
Man kann derzeit auch durchaus irgendwo plötzlich in Quarantäne landen. Außerdem sehe ich persönlich auch keinen Sinn darin, jetzt wohin zu fahren, wo ich das Meiste weswegen ich hingefahren bin, dort dann nicht machen kann. Und ich kann mir auch durchaus vorstellen, dass man als Tourist gar nicht überall willkommen ist. Aber jeder nach seiner Fasson.
Und dann noch (heuer) nach Afrika? Wo die Situation derzeit überhaupt nicht seriös abgeschätzt werden kann. Wo das Virus angekommen ist, wie es sich ausbreitet, wie sich die Staaten verhalten werden? Das sind ja alles auch die Planungsgrundlagen für das touristische Angebot. Würde mich echt interessieren, auf welcher Grundlage geäußerte Prognosen zum Afrikatourismus getroffen werden können.
Die Prognose, dass am ersten Flieger nach Afrika, auch wieder Touristen sein werden, gehört für mich nicht dazu, weil hopp-on hopp-off Fliegen auf so einer Route wohl nicht stattfinden wird.
Und dass man „irgendwann“ wieder reisen können wird, ist doch sowieso so klar, darüber muss doch nicht debattiert werden; der Anstoß hier war, ob und wie in den nächsten Monaten.
zuletzt bearbeitet 18. Apr. 2020
727 Beiträge · seit 200818. Apr. 2020 ·
A7456 schrieb:Davon abgesehen diskutieren wir doch die touristische Situation in 3-6 Monaten.
Wenn wir über die Situation in 12 Monaten reden, dann werden einige der hier vorgebrachten Argumente vielleicht greifen. Als ich meinen Post geschrieben habe, hatte ich aber nicht den Eindruck einer langfristigen Betrachtung.
Maputo schrieb:Bis auf weiteres ist eher kurzfristiges flexibles Reisen angesagt
marimari schrieb:Wenn der Flug geht, reisen wir Ende Mai nach Spanien.
ANNICK schrieb:Ich habe einen Flug Ende Juli nach Madagaskar gebucht. Wenn dieser nicht gecancellt wird, kannst du sicher sein dass ich die Maschine nehmen werde