Der Irrsinn der Entwicklunsghilfe...

7 Antworten · 3'033 Aufrufe · gestartet 23. Jan. 2018 von Logi
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Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201223. Jan. 2018 · #1
Der Irrsinn der Entwicklunsghilfe - eine Alternative der Hoffnung?

https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:RGrynksyG0oJ:https://www.az.com.na/nachrichten/der-irrsinn-der-entwicklunsghilfe-eine-alternative-der-hoffnung2018-01-23+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

(Teil 1/3)
Seit dem 2. Weltkrieg sollen zwei Billionen US-Dollar Entwicklungshilfe in die Dritte Welt geflossen sein. Gegenwärtig gibt es weltweit 40000 Projekte. Mehrere hunderttausend Menschen arbeiten in diesem Bereich in Europa und den USA. Das alles geschieht angeblich zum Wohl der Menschheit. Leider kommt aber nicht viel heraus bei dem gigantischen Unterfangen...


LG
Logi
33,1k Beiträge · seit 200623. Jan. 2018 · #2
Hi Logi,

tja, genauso läuft die Entiwicklungszusammenarbeit (man sagt seit Jahren nicht mehr Entwicklungshilfe, da es nicht nur ein "Geben" ist, sondern ein "gemeinsam entwickelnt" ;-)) ab. Ich habe familiär bedingt seit 38 Jahren (= mein ganzes Leben) mit der EZ (Projekte von EU über Weltbank bis GIZ) zu tun. Man kann pauschal sagen, dass außer Infrastrukturprojekten (Bau von Straßen, Schulen etc) etwa 2/3 aller Projekte getrost im Nachhinein - leider! - als "Schwachsinn" abzustempeln sind. Mein Vater hat mit seinem Unternehmen vor 30 Jahren eine Fußgängerbrücke in Sierra Leone im Rahmen der EZ gebaut... weder war ein Dorf in der Nähe, noch fuhren auf der Straße mehr als 3 Autos die Woche. Die wenigen Bewohner der Gegend nutzen die Brücke dann um den Reis darunter zu trocknen. Andere Anekdote: Ausbildung von Ministern, Vizeministern und Staatsekretären in Afghanistan Mitte der 2000er Jahre. Es ging um Management, Führungsstil etc - Problem war nur, dass von diesen 90 % nicht einmal Lesen oder Schreiben konnten, da sie eben nur aus "politischen" Gründen ihre Ämter bekommen hatten.

Ach, ich könnte ein Buch darüber schreiben 😉

Viele Grüße & Danke für den Hinweis auf die AZ-Serie,
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
568 Beiträge · seit 201424. Jan. 2018 · #3
Ergänzung zu Christian, leider nicht mit viel mehr Optimismus:
Entwicklungshilfe ist in D primär Hilfe für die eigene (ach so notleidende) Wirtschaft:
anstatt landesüblicher, überall reparabler (wg. know-how und erschwinglicher Ersatzteile) Toyotas müssen natürlich Daimler-Benz G-Klasse (aus Tascaloosa/Alabama) eingesetzt werden, weil ja "Germany first" gilt.

Ich kenne genügend fehlgeschlagene GtZ-Proekte, nicht alle sind wegen "deutscher Defizite" gescheitert,
aber es ist eben alles nicht so einfach...

Das Schöne oder auch Dumme ist:
Wir brauchen kein Trumpeltier, wir suhlen uns darin, daß wir für alle Welt zahlen - und werden damit reich.
Daß uns das bald unsere Demokratie kostet - was soll's! Namibia "schenkt" uns ja genügend AfD-Stimmen...

P.S.:
meine ambivalenten Erfahrungen beziehen sich vornehmlich auf Tansania und Äthiopien.
5'538 Beiträge · seit 200824. Jan. 2018 · #4
Moin zusammen,

ja, es gibt unendlich viele Projekte, bei denen das Geld mehr oder weniger sinnlos verpulvert wird. Und ja, wir können immer wieder von fehlgeschlagenen Projekten überall in der Welt lesen. Ich sehe das so wie mit der Werbung: 50 % der Werbungskosten eines Unternehmens sind sinnlos, weil die falschen Leute angesprochen werden sollen oder die falschen Werbe-Medien für eine Kampagne nutzt werden. Die Frage ist eben nur, welche 50 %. Bei der Entwicklungshilfe (lieber Christian, ich bleibe bei dem Wort, denn das ist mir geläufiger) ist es genauso. Nur, wer weiß wirklich im Voraus, welche 50 von mir aus auch 70 % verpulvert werden. Und jeder Euro, der richtig ankommt, ist es Wert, dass dafür zwei Euro fehl investiert werden.

Ganz allgemein gilt: So lange die Planer für so viel raus geworfenes Geld nicht verantwortlich gemacht werden, so lange wird es diese Misstände geben. Ach ja, bei dem einen oder anderen Projekt in Deutschland, der EU oder den USA hat man sich auch ein bisschen verplant. Siehe Elb-Philharmonie, BER oder Stuttgart 21.

Liebe Grüße
Gerd
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201224. Jan. 2018 · #5
Der Irrsinn der Entwicklunsghilfe - eine Alternative der Hoffnung? (2/3)

https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:HFmTLU6oXLwJ:https://www.az.com.na/nachrichten/der-irrsinn-der-entwicklunsghilfe-eine-alternative-der-hoffnung-2-3-2018-01-24/+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

Seit dem 2. Weltkrieg sollen zwei Billionen US-Dollar Entwicklungshilfe in die Dritte Welt geflossen sein. Gegenwärtig gibt es weltweit 40000 Projekte. Mehrere hunderttausend Menschen arbeiten in diesem Bereich in Europa und den USA. Das alles geschieht angeblich zum Wohl der Menschheit. Leider kommt aber nicht viel heraus bei dem gigantischen Unterfangen. ...

LG
Logi
zuletzt bearbeitet 12. März 2021
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201225. Jan. 2018 · #6
Der Irrsinn der Entwicklungshilfe - eine Alternative der Hoffnung? (3/3)

https://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:nn4jbpvavUwJ:https://www.az.com.na/nachrichten/der-irrsinn-der-entwicklungshilfe-eine-alternative-der-hoffnung-3-3-2018-01-25/+&cd=1&hl=de&ct=clnk&gl=de

Hilfe zur Selbsthilfe – dieses Motto ist beim Projekt Penduka am Goreangab-Damm in Windhoek-Katutura Realität geworden. Seit 25 Jahren sorgt das Selbsthilfeprojekt für mehr Hoffnung und weniger Perspektivlosigkeit. Mehr als 200 Frauen und einige wenige Männer arbeiten momentan in dem Projekt. Viele von ihnen hätten auf dem namibischen Arbeitsmarkt kaum eine bis gar keine Chance. Die Produkte, die hier entstehen, werden auch exportiert. Unterstützt wird Penduka u.a. von der Türkei und den USA über deren jeweilige Botschaften in Windhoek. ...

LG
Logi
zuletzt bearbeitet 12. März 2021
546 Beiträge · seit 201825. Jan. 2018 · #7
Ein unerschöpfliches Thema....
Ich bin seit meines 10. Lebensjahres teilweise in (v.a. Ost-) Afrika unterwegs, ähnlich wie manche von Euch. Zur Zeit sind wir in Malawi.
Ich bin genauso ambivalent zu dem allen, wie einige, die sich hierzu geäußert haben. Afrika ist aber auch nicht gleich Afrika. Wir haben in unterschiedlichen Ländern mit unterschiedlichen Völkern unterschiedliche Erfahrungen gemacht, auch wenn vieles wiederum deckungsgleich ist.
Wie das Geld (auch im eigenen Interesse der Geber) herausgeworfen wird - es scheint, da gibt es kaum ein besseres Beispiel als Malawi.... Man muss schon aufpassen, dass man nicht das Kotzen kriegt hier...
Ich würde sagen, 90% derer, die hier in Malawi in der "Entwicklungszusammenarbeit" arbeiten, sagen, wir müssten alle gehen. Aber: ich denke, es wird nie passieren. Denn wenn auch mal ein oder zwei oder auch 10 Donors den Mut hätten, sich zurückzuziehen, so stehen schon wieder anderen 100 da und bieten ihren Geldbeutel an.... Und die Malawier sagen nicht mal Danke und nehmen es gerne.

Ansonsten habe ich gerade das (aus meiner SIcht sehr gute Buch) "The State of Africa" von Martin Meredith gelesen (quasi eine Abhandlung der Geschichte und Politik der afrikanischen Länder seit den Unabhängigkeiten), und lese da auf der letzten Seite ein Zitat eines Nigerianers: "The Problem is not so much that development has failed as that it was never really on the agenda in the first place".
Ich glaube, da sagt er etwas sehr Wahres. Es gibt zwar genügende, die schon auch irgendwie die Menschen im Blick haben - aber in der Summe wird das ganze im großen Stil doch vom gründen Tisch entschieden - und da sitzen sowohl die Donors, die nie nah an den Menschen gelebt haben - als auch die Afrikanische Elite, die ebefalls fern von ihren Landsleuten lebt und meist nur im eigenen Interesse handelt. Es gibt tolle Formulierungen und tolle Phrasen, aber sie sind hohl, und wirklich auf der Agenda ist es nicht....
Das Problem ist der tief sitzende Egoismus des Menschen. Und den gibt es auf beiden Seiten. Keine Projekte und Programme (auch die "Qualitätssicherung" erhält sich oft hauptsächlich noch selbst...) werden das je lösen.....
Ehh - 😊 🤨 😵 aber es ist wagemutig, sich zu diesem komplexen Thema schriftlich zu äußern, ohne das Gegenüber vor sich zu haben.... Ich hoffe, ich werde nicht mißverstanden....
Antje
Gelebt in Malawi, Tanzania und Kenya Reiseberichte: Botswana April 2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/22-reiseberichte/295264-botswanas-beasts-beauty-im-april.html Malawi 2015-2018: https://www.namibia-forum.ch/forum/154-diverses/297418-kleinode-in-malawi.html Tanzania - Tarangire April 2020: https://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/299356-tansania-pulsiert-trotz-corona.html?start=0
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201212. März 2021 · #8
Kid Care Kollege in Goreangab https://www.az.com.na/nachrichten/kid-care-kollege-in-goreangab-2021-03-12/

...Der Gesellschaft etwas zurückgeben. Das möchte der 42-jährige Mateus Johannes. Deshalb gründete der Staatslehrer das Kid Care Kollege in Goreangab. „Ich habe das Center von meinem eigenen Geld gebaut“, so Johannes, bescheidend lächelnd. „Dort sorge ich für Kinder, die sonst keine Zugang zu Bildung haben. Hier wird auf sie aufgepasst, sie werden unterrichtet und sie bekommen Essen.“...

LG
Logi