Hallo,
Ich mag solche Artikel, wo mal kräftig gegen den Strich gebürstet wird. Man lernt ja auch nur dazu, wenn man sich mit Autoren/Texten auseinandersetzt, die eben nicht das wiedergeben, was man ohnehin schon weiß/glaubt. Vielen Dank an den Elch für den Hinweis.
Das Spannende an den Aussagen ist, dass diese nicht von einem Weißen stammen. Sonst wäre zumindest in Deutschland sofort die Rassismus-Karte gespielt worden und jegliche Diskussion im Keim erstickt. Weil er selbst schwarz und aus Afrika ist, funktioniert inhaltsfreie Empörung als Reaktion nicht. Will man reagieren, so ist man gezwungen, sich mit den Argumenten auseinander zu setzen.
Volker schrieb:Ich habe mich beim Lesen dieses Artikels gefragt, wieso man sich fast ausschließlich auf die Aussagen EINES Filmemachers stützt
Der Artikel aus dem Kulturressort hat glaube ich nicht den Anspruch, die ultimative Lösung für Afrikas Probleme aufzuzeigen, sondern über die durchaus bemerkenswerten Aussagen dieses Mannes zu informieren. Und insofern dreht sich der Artikel eben vor allem um die Aussagen von Bekolo.
Volker schrieb:Es gibt auf dem Kontinent sehr wohl eine heranwachsende Gruppe von Intellektuellen, denen das Wohl Ihrer Mitmenschen am Herzen liegt.
In absoluten Zahlen ja. Aber wächst diese Gruppe auch in Relation zur stark wachsenden Bevölkerung in Afrika, was meines Erachtens nötig wäre, damit Demokratie und Gesellschaft funktionieren können?
Volker schrieb:Die Wahlen in Zimbabwe zeigen gerade auch wieder, dass demokratische Grundprinzipien mit Füßen getreten werden.
Was - wenn man es wie der Weltartikel auf Hautfarben runterbrechen will - durch Schwarze und nicht durch Weiße verursacht wird und entsprechend eher Bekolo bestätigt als gegen seine Thesen spricht?
Ansonsten ist das alles so komplex und vielschichtig, dass ich es nicht geschafft habe, mir eine abschließende Meinung dazu zu bilden. Ich habe das kürzlich auch an anderer Stelle hinsichtlich Entwicklungshilfe, NGOs etc. andiskutiert: Die heutige Mehrheitsmeinung ist, dass Entwicklungshilfe kontraproduktiv ist und die afrikanischen Staaten ihre Probleme wie z.B. hinreichende Bildung allein lösen müssen. Kann man so sehen. Dann schauen wir aber zu, wie uns noch 1, 2 oder 3 Generationen verloren gehen, weil sie ohne Bildung keine Chance haben, später im Leben voran zu kommen. Bildung der Massen ist meines Erachtens auch zwingende Voraussetzung, damit Demokratie funktionieren kann und die Leute eben nicht mehr bei Wahlen regelmäßig auf die größten Scharlatane hereinfallen. Ist es dann vielleicht doch besser, wenn wir uns einmischen und uns mit NGOs für die Schulbildung engagieren? Ich sehe das komplett losgelöst von Hautfarben. Aber wer will könnte natürlich auch das wieder als "Weiß muss schwarz auf die Sprünge helfen" interpretieren.
Vermutlich gibt es für solche Themen keine pauschal richtige, binäre Einschätzung im Sinne von richtig oder falsch und man kann nur immer runtergebrochen auf den konkreten Einzelfall ein Urteil abgeben.
Wen es interessiert: Hier gibt es einen netten gegen den Strich gebürsteten Ted-Vortrag, der ganz gut begründet so Einiges auf den Kopf zu stellen versucht, was ich bisher über Spendensammeln, NGOs usw. zu wissen glaubte.
http://www.ted.com/talks/dan_pallotta_the_way_we_think_about_charity_is_dead_wrong.htmlBeste Grüße
Guido