Nachts im Caprivi auf Pirsch

7 Antworten · 3'193 Aufrufe · gestartet 24. Juli 2011 von fotomatte
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Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200924. Juli 2011 ·
Angeregt durch die Kurzen Geschichten von leofant (vielen Dank dafür )
sowie die Diskussion in einem thread über Jagd auf Farmen/Lodges,
wo angeregt wurde,nachts im Caprivi auf Pirsch zu gehen (Danke sharon )
wurde ich an eines meiner bisher intensivsten Erlebnisse mit Elefanten
erinnert.(Da es sich nachts zugetragen hat,gibt es verständlicherweise
keine Bilder davon---ausser denen in meinem Kopf...tolle Bilder im
übrigen,bei denen es mir wieder kalt den Buckel runter läuft,wenn ich
daran zurück denke:) .Und das kam so:
Ende August/Anfang September 09 war ich mit einer befreundeten
Farmerfamilie für zehn Tage im Caprivi unterwegs.Es war mittlerweile
der dritte Tag im Zipfel,wir waren im Bwabwata Park auf dem Nambwa
Camp und hatten den Tag entspannt mit game drives zugebracht,die
recht erfolgreich waren und intensive Begegnungen mit Gauklern,
Karminspinten,Schreiseeadlern,Kudus,Red Lechwes,Impalas,Hippos,
Elefanten und dann im letzten Abendlicht einer Herde Büffel,die sich
schwarz in einem vom Abendhimmel blutorangerot gefärbten Pond
abzeichneten,gebracht hatten.Im Camp zurück,es war tiefe Nacht mittlerweile,die Xylophonkröten ( Okay,kein offizieller Name,aber von mir so genannt,sie hören sich halt so an ) hatten ihr vielstimmiges Konzert gestartet,über unsere Köpfe flogen balzende Nachtschwalben
und abundan grunzte ein Hippo,das sich wohl auf den Weg aus dem
nahen Kwando River zu den nächtlichen Weidegründen gemacht hatte.
Wir sassen alle ums Feuer und hatten ein lekker Braai am laufen mit
Milliepapp und scharfer Relishsauce,dazu gab es einige prophylaktische
Malariamedikamentationen in Form von Gin-Tonic-es war zwar Trockenzeit,aber man weiss ja nie und Vorsicht ist die Mutter....-alles in Allem ein ganz normaler,entspannter Abend halt.Mittlerweile war der
zu rund dreiviertel volle Mond aufgegangen und tauchte alles in ein silbrig schimmerndes Licht mit langen,tiefschwarzen Schatten.Wir hielten das Feuer in Gang und erzählten uns bei weiteren Kaltgetränken
diverse Räuberpistolen,als es vernehmlich anfing im Wald hinter uns zu
knacken und brechen.Die Geräusche kamen langsam näher und liessen
sich hinter den ablution blocks verorten,so vielleicht fünfzig Meter von
unserer campsite entfernt.
Ich bewaffnete mich mit meiner headlamp,die ich auf Sparmodus schaltete und mit einer Hand abschirmte,damit nur der Boden direkt vor mir erhellt wurde, und pirschte langsam--es war absolut windstill--
in Richtung der Duschen.Am Gebäude angekommen,sah ich die Verursacher der Brechgeräusche recht nahe vor mir.Es war eine sieben-
köpfige Herde Elefanten,bestehend aus zwei Kühen mit ihren Kälbern
unterschiedlichen Alters sowie dreier Halbstarker,das liess sich in dem
vom Mond gezeichneten Halbdunkel des Waldes erkennen,die damit
beschäftigt waren,diverse Äste abzureissen und diese zu verspeisen.
Ich stand vor der Hütte im Schatten des Dachüberstands und verhielt
mich ruhig.Die Elis liessen sich viel Zeit mit ihrer Mahlzeit--sind ja
auch grosse Tiere mit einem riesigen Verdauungstrakt,dessen Arbeits-
geräusche deutlich zu vernehmen waren.Geradezu unwirklich sah es aus,wie die Stosszähne im Mondlicht funkelten,man sah deutlich Riefen
und Verfärbungen.Und es gab tolle Geräusche,wenn sich zwei Elis streiften,so wie zwei Lagen Schmirgelpapier gegeneinander,dazu das
grummeln und kullern der Mägen sowie ab und an ein....´tschuldigung
Furz,ich hoffe,man kann sich ungefähr ein Bild machen vom Szenario.
Das Spektakel ging schon über eine halbe Stunde,als ich plötzlich einen
ganz leichten Hauch hinten im Genick spürte,die Elis hatten meinen Wind,und innerhalb von Sekunden war die Bühne vor mir leer.
Was für ein Erlebnis.Anschliessend brauchte ich noch eine Hopfenkalt-
schale zur Beruhigung,trotzdem schlief ich nicht so gut wie die Nächte
zuvor,das lag aber nur an der hier deutlich höheren Nachttemperatur.😃
Jedenfalls war ich im Morgengrauen wieder wach und schlurfte auf den
Hochstand,um den Morgenfrieden auf mich wirken zu lassen--die
Anderen schliefen alle noch.Ich sass gerade,als von links aus dem
Wäldchen,in dem sich auch das camp befindet,im Gänsemarsch ein
Trupp Elefanten,bestehend aus siehe vor,zog und durch das Wasser
platschte,das dem kleinsten Eli immerhin bis auf halbe Bauchhöhe ging.
Sie zogen schnurstracks auf die andere Seite in den Wald,um wohl dort
die Mittagshitze zu verdösen.
Zurück im Camp,besuchte ich den Platz des nächtlichen Ereignisses
und mass die Distanz zwischen Duschwand und den Spuren der Dick-
häuter--es waren acht Schritte.

Ich hoffe,es ist meine Geschichte nicht zu langatmig geworden und Ihr habt alle durchgehalten.Bei Interesse kann ich gerne die ein oder andere Geschichte nachreichen,es waren halt sehr ereignisreiche Tage.

Mit freundlichen Grüssen fotomatte
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
2'610 Beiträge · seit 200724. Juli 2011 ·
Hallo fotomatte,

toller Bericht und nein!!! er war keinesfalls zu lang!!! 🙂

Grüße
Jambotessy

P.S. deine "Xylophonkröten" heissen bei uns "Frösche mit Glöckchen" 😄
Nur im Vorwärtsgehen gelangt man ans Ende der Reise. (Sprichwort der Ovambo) 1x Togo + Benin (mit TUI), 1x Ruanda + Zaire ( mit Explorer Reisen), 3x Kenia (in Eigenregie mit dem Bodenzelt), 23 x südl. Afrika (in Eigenregie Namibia, Botswana, Zimbabwe, Sambia, Südafrika/ 17x mit dem Dachzelt und 6x ohne Dachzelt)
Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200925. Juli 2011 ·
Vielen Dank fürs Feedback,Jambotessy.

Und freut mich,dass noch jemand diese Amphibien kennt,das kleine
´Kruppzeug ´wird ja von Manchen wenig geschätzt bzw. registriert.
Wie heissen die eigentlich richtig????
Mir fehlt noch ein guter Amphibienführer für das südliche Afrika--
gibt es so etwas?

Fragende Grüsse,schicken Abend noch fotomatte
NAM die Fünfte – und immer noch kein Sossusvlei - 2013 , Der (ganz alte) Südwesten - 2014 , Die Märchentour - 2014/15 , Kavango, Kwando, Kalahari - 2016 , Just Birds - 2017 , Unter Eulen und anderen Käuzen - die O-S-T 2017 , NAM die Elfte 2018, Caprivi satt - 2019
2'721 Beiträge · seit 200625. Juli 2011 ·
Danke für die tolle Geschichte. Es gibt noch mehr? Dann aber ganz schnell aufschreiben und veröffentlichen. Das gibt das richtige Feeling für die nächsten Ferien und die daheim gebliebenen können etwas träumen.
Bazi
Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200925. Juli 2011 ·
Hallo Bazi,

jepp,da gibt´s noch einiges in der Hinterhand,musst einfach warten auf den
nächsten verregneten Sonntag.
Ich möchte in loser Folge--so als Danke-schön für die vielen Tips,die ich
hier schon habe abgreifen können--ein paar G´schichten einstellen,die
ich während meiner bislang drei Namibiareisen habe erleben dürfen.
Weiss noch nicht,was als nächstes dran kommt--vielleicht was mit einer
Puffotter?

Grüsse fotomatte
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935 Beiträge · seit 200625. Juli 2011 ·
Schöner Bericht fotomatte!
Wir haben bei unserem Aufenthalt in Nambwa ebenfalls die Frösche gehört. Später erklärte uns ein Guide, dass es Riedfrösche wären. Ich kann es mir zwar nicht vorstellen, dass diese kleinen Frösche so laut sein können aber ich habe es einfach mal geglaubt. Mal schauen, ob es dabei bleibt.
Danke für die schöne Erinnerung an einen der schönsten Plätze für mich.
Gruß
Rebecca
Mr.Okavangowartet148.jpg
zuletzt bearbeitet 25. Juli 2011
2'721 Beiträge · seit 200625. Juli 2011 ·
fotomatte schrieb:Hallo Bazi,

jepp,da gibt´s noch einiges in der Hinterhand,musst einfach warten auf den
nächsten verregneten Sonntag.
Ich möchte in loser Folge--so als Danke-schön für die vielen Tips,die ich
hier schon habe abgreifen können--ein paar G´schichten einstellen,die
ich während meiner bislang drei Namibiareisen habe erleben dürfen.
Weiss noch nicht,was als nächstes dran kommt--vielleicht was mit einer
Puffotter?

Grüsse fotomatte
Hallo fotomatte
oh ja gern die Geschichte mit der Puffotter. Ich liebe Schlangen (von weitem 😮 ).
Bazi
zuletzt bearbeitet 25. Juli 2011
Themenstarter2'519 Beiträge · seit 200929. Juli 2011 ·
N´Abend,

und Hallo Rebecca,mit den Riedfröschen bin ich mir nicht sicher,für mich
hörten die sich eher wie Kröten,also eigentlich noch eher wie Unken an.
Helle,Xylophonähnliche Doppeltöne.Jedenfalls trugen sie massgeblich zur
Magie dieses Platzes bei,den auch ich sehr genossen und in allerbester
Erinnerung habe.
Und nicht nur für Bazi werde ich dann mal Recherche für die Schlangen-
story betreiben,sprich ich muss mal mein Tagebuch finden...
Vielleicht gibt´s morgen dann mehr.

Bis dahin fotomatte
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