RodrigoThemenstarter1'125 Beiträge · seit 200627. Jan. 2011 · #1Guten Abend,
ich habe an Euch, vor allem an die versierten Biologen, eine merkwürdige Frage.
Ich habe vor etwa 12 Jahren aus Baobabsamen aus dem Okavango ein Bäumchen gezogen. Jetzt ist es etwa 60 cm hoch (nur so nebenbei: Zur selben Zeit habe ich im Garten meiner Schwester in Mafikeng auch einen Baobab gezogen - der ist dreimal so hoch). Ich habe ihn hier gegen Ende unseres Nordwinters gesetzt, er keimte in unserem Frühling, bekam Blätter, jedes Jahr mehr, und so im Oktober hat er alle Blätter abgeworfen. So auch im vergangenen Jahr: Im Oktober war das Bäumchen kahl. ABER: Ende November trieb das Ding plötzlich neue Blätter, nun steht es in voller Blätterpracht da! Aber das darf doch einfach nicht sein!!! Was ist der Grund? Die Pflanze hat plötzlich den Südrhythmus übernommen. Ist das genetisch festgelegt? Oder muss es äußere Reize hier gegeben haben, die der Pflanze sagten: Austreiben!
Wer kann eine Erklärung dafür liefern? Oder wenigstens begründete Vermutungen anstellen?
Ich weiß, alles nicht so wichtig, aber mich interessiert's halt.
Vergnüglichen Abend!
Wolff-Rüdiger
Ruaha167 Beiträge · seit 200927. Jan. 2011 · #2Hallo Rodrigo,
wir haben auch vier kleine Baobabs (zwei aus mitgebrachten tanzanischen Samen und zwei aus dem Senegal). Unsere werfen ebenfalls alle Blätter im Herbst ab (ich meine es war im November). Und sie sehen dann jedes Mal so gut wie tot aus! Bei uns kommt das neue Grün erst im Mai oder gar Juni. Also über 6 Monate haben wir nur hässliche blattlose Stämme. Wäre da nicht die tiefe Verbundenheit, hätte ich die undankbaren Bäumchen längst entsorgt!
Der plötzliche Wandel bei Dir ist mir auch nicht klar!
Viel Glück weiterhin mit den grünen Freunden!
VG
Ruaha
RodrigoThemenstarter1'125 Beiträge · seit 200627. Jan. 2011 · #3Ja, das Komische ist: Ich habe viele der Baobabsamen meinen früheren Schülern gegeben, die auch manche Erfolge damit hatten. Und bei denen stimmt die Weltordnung!!! Ich habe gefragt.
Vielleicht erbarmt sich Burschi, indem er mal einen Moment nicht an mutierte Zebras denkt, sondern sich den wirklich wichtigen Fragen zuwendet ....
Guat's Nächtle!
Wolff-Rüdiger
piscator1'483 Beiträge · seit 200927. Jan. 2011 · #4Habe gegoogelt, weil es mich persönlich interessiert. Wikipedia sagt:
"Bei Gehölzen, die im Jahreszeitenklima wachsen, bildet sich an den Wuchsachsen während der Vegetationsperiode je ein Triebabschnitt (Jahrestrieb). Kommt es, wie bei der Eiche, während der Vegetationsperiode zu einem weiteren Austrieb, spricht man vom Johannistrieb (Prolepsis). Tropische Arten neigen zu mehrfachem Austrieb."
Es könnte sein, dass ein "Feuchteschub" den Anstoß gegeben hat.
Gruß Reinhard
maddy2'167 Beiträge · seit 200928. Jan. 2011 · #5Hallo Wolff-Ruediger,
Pflanzen lesen keine Kalender und wissen auch nicht, in welcher Hemisphaere sie sind. Die jaehrliche Ruhe der laubabwerfenden Baeume wird entweder von der Temperatur (Kaelte), Wasser (mangel), Lichteinfall oder allen drei Faktoren ausgeloest.
In deinem Fall, wie du richtig vermutest, hat dein Baobab ende November entweder hoehere Temperaturen bekommen, oder mehr Wasser als gewohnt. Wo (wie kuehl) steht er normalerweise im Winter? Hast du was in seinem Standort veraendert?
Falls er die richtigen Wachstumsbedingungen bekommt (vor allem genuegend Licht im Winter!), koennte er wohl den groessten Teil des Jahres mit Blaetter verbringen.
Gruss aus Sodwana
Maddy
seethenature21 Beiträge · seit 200628. Jan. 2011 · #6Hallo Wolff-Rüdiger,
schau mal im
Exoten-Forum,
da gibt es einige Einträge über Baobabs.
Ich habe vor zwei Jahren auch einen Baobab gezogen. Er ist ein Kind der Baines Baobabs aus der Nxai Pan und ist jetzt auch noch Blattlos und 20cm groß.
Gruß
Ralf
http://www.seethenature.de
Natur- und Reisefotografie
RodrigoThemenstarter1'125 Beiträge · seit 200628. Jan. 2011 · #7Hallo,
ich danke für Eure Mitteilungen. Ich glaube, ich habe mit Eurer Hilfe das Rätsel gelöst. Ich hatte die Pflanze den Sommer über auf dem Balkon stehen, habe sie nach meiner Rückkehr aus SA reingeholt und Anfang Oktober auf meine Blumenbank im Wohnzimmer gestellt, auch einmal gegossen. Das muss das Startsignal gewesen sein. Und nun sehe ich zu, wie sich das Ding weiter entwickelt. Vielleicht muss ich den Baobab bald an unseren Botanischen Garten übergeben - spätestens in 200 Jahren kriege ich ihn nicht mehr durch die Tür ...
Ich freue mich schon auf neue Samenernten, wenn ich in diesem Jahr wieder am Okavango bin.
Tschüß und danke!
Wolff-Rüdiger
Tobias499 Beiträge · seit 200628. Jan. 2011 · #8Hallo zusammen,
darf ich noch eine Frage stellen? Wie habt ihr aus den Samen die Baobabs gezogen? Ich hab Samen aus Madagaskar und aus Botswana mitgebracht.
Einfach in Wasser legen, bis der Trieb kommt (quasi wie die Überflutung der Pans), welche Erde?
Danke für Eure Antworten
Grüsse
Tobias
RodrigoThemenstarter1'125 Beiträge · seit 200628. Jan. 2011 · #9Hallo, Tobias,
aliquid novi e Germania ad septentriones spectante ...
Es ist nicht einfach, Samen des Baobab zu ziehen. Erst müssen die harten Schalen der Kapsel gesprengt werden - wir machen das mit einem Hammer, regulär sind Elefanten- und Paviangebisse. Die drinnen liegenden Samen, eingebettet in wohlschmeckendes Fruchtfleisch, sehen aus wie eine vergrößerte geröstete Kaffeebohne. Das Dumme ist nur, dass diese Samen eine extrem harte, etwa 1/2 mm dicke Außenhaut haben. Bei Tieren, die das fressen, wird das durch die Magensäure weggeätzt - können wir wohl nur theoretisch nachmachen. Also: Man nehme diese 'Kaffeebohne' und feile sie rundherum auf. Am besten ist eine Feile mit Dreikant.. Man muss natürlich darauf achten, dass der innenliegende Samen dabei nicht beschädigt wird. Danach lege man den Samen in warmes Wasser, damit er quellen kann, danach in Erde. Beim Quellen soll der Samen die Kraft haben, die beiden nunmehr getrennten Ober-und Unterhälften der Samenhülle zu sprengen und dadurch zu keimen.
Klingt alles komisch; ich weiß nicht, ob ich das verständlich habe darstellen können.
Die Erfolgsquote ist nicht hoch; aus 10 Versuchen habe ich zwei Erfolgserlebnisse gewonnen.
Guten Erfolg!
Wolff-Rüdiger
maddy2'167 Beiträge · seit 200928. Jan. 2011 · #10Hallo Tobias,
Entweder: Samen in eine Tasse geben, kochendes Wasser daruebergiessen, ueber Nacht stehen lassen, pflanzen.
Oder: Samen auf einer Seite anfeilen (vorsicht dass der embryo nicht verletzt wird), ueber Nacht in kaltes Wasser legen, pflanzen.
Auf eine angefeuchtete Mischung von normaler Blumenerde (oder Kakteenerde, aber die hat meistens viel zu viel Torfanteil) und grobem Sand legen, leicht andruecken und mit einer Schicht (ca. 5mm) grobem Sand zudecken. Maessig feucht ud warm halten. (Oh, und falls du keine Ahnung hast von Pflanzen - der Topf muss unten ein Loch haben, damit das Giesswasser abziehen kann)
Das funktioniet uebrigens viel besser, wenn die Samen nicht frisch sind! Keimung innert ein paar Tagen - aber bei frischen Samen kann das bis zu einem Jahr dauern....
Und mach das im Fruehling, damit der Saemling Zeit, Waerme und Licht genug hat zum wachsen!
Viel Erfolg!
Gruss aus Sodwana
Maddy
(Ha, der Rodrigo kann halt schneller schreiben als ich! 🤩 )
RodrigoThemenstarter1'125 Beiträge · seit 200628. Jan. 2011 · #11Hallo, Maddy,
mit unseren beiden Beiträgen muesste Tobias ja geholfen sein. Das kochende Wasser irritiert ja manchen vielleicht, aber es ist wirklich so. Auch wenn man Kameldornbaumsamen aktivieren will, muss man sie mit kochendem Wasser übergießen, um den notwendigen Keimauslöser zu betätigen.
Wolff-Rüdiger
Tobias499 Beiträge · seit 200601. Feb. 2011 · #12Hey Maddy und Wolff-Rüdiger,
super vielen Dank!!!
Falls es klappt, gibt es ein Foto für Euch 😉
Liebe Grüsse
Tobias
PS.: Ich habe aufgebrochene Kapseln vom Boden aufgesammelt, wo das Fruchtfleisch schon gefressen bzw. getrocknet war.
RodrigoThemenstarter1'125 Beiträge · seit 200631. März 2011 · #13Guten 'Morgen'!
Ein kleiner Nachtrag. Ich hatte ja geschrieben, dass sich der Rhythmus meines Baobabs plötzlich geändert hätte. Und irgendjemand tröstete mich und schrieb, dass tropische Pflanzen auch mehrmals im Jahr ausschlagen. Und so war es auch! Die alten Blätter welkten und fielen ab - und ich sehe überall frische Knospen. Jetzt ist mein Baobab wieder im Rhythmus der Nordhalbkugel.
Kein weltbewegendes Ereignis, aber interessant für mich.
Und in 14 Tagen bin ich selbst dort, wo diese Bäume original wachsen.
Gute (Rest-)Nacht!
Wolff-Rüdiger
maddy2'167 Beiträge · seit 200931. März 2011 · #14Hallo Wolff-Ruediger,
Danke fuer den update, bin froh das zu hoeren! 😁
Gruss aus Sodwana, wo trotz der immer noch unertraeglichen feuchten Hitze der Baobab die ersten gelben Blaetter bekommen hat - na ja, vielleicht hatte er ja auch zuwenig Wasser!
Viel Spass und einen schoenen Urlaub wuenscht
Maddy