chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202421. Juli 2026 ·
Ab aufs Meer
Nach dem Aufstehen gab es erst einmal einen prüfenden Blick nach draußen, denn wir wollten heute eine Tour mit dem Katamaran unternehmen. Der Horizont war kaum sichtbar, da der für diese Region typische Morgennebel über der Küste hing. Naja, erst einmal Frühstück – die Sonne würde den Nebel schon vertreiben.
Und genauso kam es. Auf dem Weg zum Hafen begann sich der Nebel zu lichten, und bei Fahrtbeginn war er schließlich komplett verschwunden. Wir hatten tolle Sicht bei strahlendem Sonnenschein. Zum Aufwärmen gab es an Bord erst einmal einen Sherry, der auch direkt ordentlich durchwärmte – vor allem, wenn man davon zwei trinken durfte, weil ein Reisender keinen Alkohol trinkt. Wissenschaftlich nicht belegt, aber gefühlt stieg die Außentemperatur danach um mindestens fünf Grad pro Sherry.
Zuerst kam eine Pelikandame an Bord, die sich bereitwillig für Fotos zur Verfügung stellte und im Gegenzug mit Fisch belohnt wurde. Sogar streicheln durfte man sie. Man glaubt gar nicht, wie weich sich das Gefieder anfühlt.
Danach kam eine Kap-Pelzrobbe an Bord, die ebenfalls für Fotos posierte. Berühren durfte man sie allerdings nicht, da sie an diesem Morgen etwas nervös wirkte. Wahrscheinlich hatte sie noch keinen Sherry bekommen oder war einfach mit der falschen Flosse zuerst aufgestanden.
Anschließend fuhren wir zur Kolonie, wo wir wieder auf die bekannten Südafrikanischen Seebären trafen. Danach ging es etwas weiter aus der Bucht hinaus zum klassischen Whale Watching. Also: ganz viel warten und hoffen, dass ein Wal seine typischen zwei Atemzüge macht, bevor er wieder in die Tiefe gleitet. Während wir warteten, zog noch eine Schule Delfine vorbei und sorgte für Unterhaltung. Schließlich hatte auch der Wal ein Einsehen und zeigte sich nur wenige Meter vom Boot entfernt.
Glücklich machten wir uns anschließend auf den Rückweg, wo wir mit Champagner, Austern und weiteren kleinen Snacks verwöhnt wurden. Kurz vor dem Hafen kam dann noch einmal ein Pelikan an Bord und zum krönenden Abschluss eine Robbe, die so zutraulich war, dass man sogar mit ihr kuscheln konnte. Wow, was für ein Erlebnis! So viel Nähe zu Wildtieren erlebt man schließlich nicht alle Tage.
Den Rest des Tages hatten wir deutlich ruhiger geplant. Die Wäsche lag bereits frisch gewaschen und perfekt gefaltet auf unserem Zimmer, und die Jungs vom Hotel boten uns an, für ein kleines Trinkgeld den Wagen zu waschen. Das nahmen wir natürlich gerne an, denn wer fährt schon freiwillig mit einem staubigen Auto durch die Gegend?
Nachdem das Auto wieder glänzte, fuhren wir in die Innenstadt von Swakopmund und schauten uns ein wenig in den vielen Souvenirshops um. Hier stellte sich wieder die gleiche Frage wie in jedem Urlaub: Brauchen wir das wirklich? Die Antwort lautete natürlich wie immer: wahrscheinlich nicht – gekauft wurde es trotzdem.
Auch ein kleiner Ausflug zum Jetty, also der Seebrücke, durfte nicht fehlen. Das Restaurant dort hatte allerdings noch nicht geöffnet, und die gesamte Mannschaft kam gerade erst zur Arbeit. Man ist immer wieder erstaunt, wie viel Personal hier in einem Restaurant beschäftigt ist. In Deutschland könnte man mit derselben Mannschaft vermutlich drei Lokale betreiben und hätte immer noch Reserven für die Urlaubsvertretung.
Besonders positiv fällt uns bisher die Freundlichkeit der Menschen auf. Egal wo wir waren, wurden wir offen und herzlich begrüßt. Die Menschen interessieren sich dafür, was man macht, woher man kommt und wie einem das Land gefällt. Und wenn man eine Frage hat, wird sofort geholfen. Heute gab es beispielsweise ganz nebenbei ein ehrliches Lob für Dianas Frisur. So etwas erlebt man nicht jeden Tag und es zaubert einem direkt ein Lächeln ins Gesicht.
Abschließend waren wir heute noch im Ankerplatz essen. Es gab ein speziell paniertes Hähnchenschnitzel – schön mit Kräutern und Gewürzen verfeinert – sowie Kapana, frisch auf dem Holzkohlegrill zubereitetes Rindfleisch, das traditionell mit Chilisalz gewürzt wird. Sehr lecker und definitiv eine Empfehlung.
Bevor wir zurück ins Hotel fuhren, machten wir noch einen kurzen Stopp bei Spar, wo wir die große Auswahl bestaunten und für die kommenden Tage einkauften.
Hallo Chris, erstmal vielen Dank für den tollen Reisebericht und die tollen Bilder. Eine Frage zu den Dronenaufnahmen: Wie handelt ihr das in den Nationalparks? Hinterlegt ihr die Drone am Eingang und holt sie wieder ab?
P.S.: Da drängt sich noch eine weitere Frage auf: Wann war der Regen auf eurer Tour, jetzt erst im Juli?
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202422. Juli 2026 ·
Kubik schrieb:Hallo Chris, erstmal vielen Dank für den tollen Reisebericht und die tollen Bilder. Eine Frage zu den Dronenaufnahmen: Wie handelt ihr das in den Nationalparks? Hinterlegt ihr die Drone am Eingang und holt sie wieder ab?
P.S.: Da drängt sich noch eine weitere Frage auf: Wann war der Regen auf eurer Tour, jetzt erst im Juli?
VG Jochen
Hallo Jochen,
erstmal vielen Dank für dein Lob und es freut uns, dass du dem Reisebericht folgst.
Jetzt zu deinen Fragen: Die Drohne hatte ich ganz offiziell bei der NCAA angemeldet Der einzige Nationalpark in denen die Drohne ein Problem war, war der Etosha. Hier wollten wir aber eh nicht fliegen. Unser Problem war, dass wir in den Etosha im Süden also durch das Anderson Gate reingefahren sind und im Osten durch das von Lindequist Gate raus. Wir mussten die Drohne also durch den Etosha schmuggeln, weil das verplomben leider nicht mehr geht und eine Rückfahrt durch den halben Park zeitlich einfach nicht machbar war. Wir waren aber auch darauf eingestellt die Drohne einfach dort zu lassen und haben unsere älteste Drohne mitgenommen (DJI Mini3 pro), die in Kürze eh ersetzt werden soll.
Im Nachhinein würden wir auf die Drohne verzichten. Die Bilder waren schön, aber weit von dem entfernt, was wir uns erhofft haben. Diese Weite und Schönheit der Landschaft kommt auf Bildern einfach nicht so wirklich rüber oder wir haben den perfekten Kniff nicht gefunden. Am Ende sind wir auch viel weniger geflogen als es geplant war.
Der Regen war dort im Juni. Muss so um den 22. Juni gewesen sein.
Hallo Chris, vielen Dank für die schnelle und ehrliche Antwort. Wir stehen kurz vor unserer vierten Namibiareise und die Ausrüstung steht zum großen Teil schon bereit. Aufgrund der Vorschrifen haben wir die Mitnahme der Drone verworfen. Unsere Route bietet ebenfalls keine Hinterlegung an einem Eingang. Wir betreten den Etosha im Osten und verlassen in ganz im Westen.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202422. Juli 2026 ·
Kubik schrieb:Hallo Chris, vieln Dank für die schnelle und ehrliche Antwort. Wir stehen kurz vor unserer vierten Namibiareise und die Ausrüstung steht zum großen Teil schon bereit. Aufgrund der Vorschrifen haben wir die Mitnahme der Drone verworfen. Unsere Route bietet ebenfalls keine Hinterlegung an einem Eingang. Wir betreten den Etosha im Osten und verlassen in ganz im Westen.
Viele Grüße Jochen
Hallo Jochen,
sehr gerne. Ganz ehrlich die Anmeldung bei der NCAA war schon ein Krampf und ohne Hilfe aus dem Forum und mehrerer Emails hätten wir wahrscheinlich nie eine Antwort bekommen.
Es gibt einige Aufnahmen, die mit der Drohne schön und einzigartig geworden sind, wie z.B. die Fahrvideos finden wir. Auch die Bilder von der Zeila, am Fish River Canyon oder der Spitzkoppe waren schön. Aber am Ende muss man abwägen, ob man für diese wenigen Aufnahmen diesen ganzen Aufwand noch einmal auf sich nehmen würde.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202422. Juli 2026 ·
Hoch hinaus
5 Uhr, der Wecker klingelt. Es heißt wieder aufstehen, denn heute wollen wir früh los zur nächsten bereits gebuchten Aktivität. Pünktlich um 6:15 Uhr werden wir abgeholt und zunächst zu einem Sammelplatz gefahren. Von dort geht es mit weiteren Teilnehmern hinaus aus Swakopmund – und damit hoffentlich auch hinaus aus dem Nebel.
Leider meint es dieser heute besonders gut mit seiner Anwesenheit und wir müssen deshalb extrem weit fahren. Am Ende sind wir bestimmt 60 Kilometer ins Landesinnere gefahren. Aber dort waren wir endlich angekommen: am Startplatz. Denn heute ging es mit dem Heißluftballon hoch hinaus.
Wir durften bei den Vorbereitungen für den Start zusehen und haben die hektischen, aber perfekt koordinierten Handgriffe ganz genau mitverfolgt. Als es schließlich hieß: „Los, jetzt schnell alle rein!“, stiegen wir auf unsere vorab zugewiesenen Plätze und schon ging es hinauf in die Luft.
Ein herrlicher Blick über die Namib, die fernen Berge sowie die zahlreichen Flussläufe und Höhlen war die Belohnung. Mit durchschnittlich 12 km/h glitten wir durch die Luft und erreichten eine Höhe von etwa einem Kilometer über dem Boden. Leider war der Flug nach rund 30 Minuten schon wieder vorbei, denn wir näherten uns immer mehr einer Uranmine – und die möchten vermutlich keinen Heißluftballon als neuen Mitarbeiter auf dem Werksgelände begrüßen.
Anschließend gab es ein leckeres Frühstück mit Eiern, Gemüse und Früchten aus dem eigenen Garten. Dazu wurde ein spezielles Biltong-Gewürz gereicht, das wir beim Frühstück bisher noch nie gesehen hatten. Natürlich wurde es trotzdem probiert – wissenschaftliche Feldforschung muss schließlich sein.
Danach bekam jeder Teilnehmer eine Urkunde als Beweis dafür, dass er diesen Flug erfolgreich gemeistert hat.
Nach der aufregenden Morgenaktivität sind wir wieder auf die Straße zurückgekehrt und verließen das schöne, aber auch sehr kühle Swakopmund. Entlang der bereits erwähnten Minen fuhren wir immer weiter Richtung Erongo. Je weiter wir uns vom Nebel entfernten, desto wärmer wurde es. Endlich hatten wir die warme Zone Namibias erreicht und durften uns heute über Spitzenwerte von 24 Grad freuen. Perfekte Bedingungen für einen Roadtrip, vor allem weil auch der blaue Himmel mitspielte.
Als wir die karge Namib hinter uns gelassen hatten, veränderte sich die Landschaft erneut und wandelte sich zu einer dichten Dornstrauchsavanne. Hier wird es auf jeden Fall deutlich schwieriger, Tiere zu entdecken als im weit einsehbaren Grasland des Südens.
Der erste Stopp auf unserer Reise war die Spitzkoppe, die oft auch als das Matterhorn Namibias bezeichnet wird. Die markante Granitformation ragt rund 700 Meter aus der umliegenden Ebene empor und zählt zu den bekanntesten Naturwahrzeichen des Landes.
Zuerst kletterten wir zu einem Spot namens Rock Pool, in dem sich nach Regenfällen Wasser wie in einem natürlichen Swimmingpool sammelt. Tatsächlich befand sich sogar noch etwas Wasser im Becken, auch wenn es für ausgedehnte Schwimmversuche wohl kaum gereicht hätte.
Anschließend wanderten wir weiter zum Wahrzeichen der Spitzkoppe: dem Arch. Dieser natürliche Felsbogen entstand über Millionen von Jahren durch Verwitterung und Erosion, bei denen Wind, Wasser und starke Temperaturschwankungen den Granit formten. Hier waren wir nach kurzer Zeit vollkommen allein und konnten die Atmosphäre in aller Ruhe genießen sowie unzählige Erinnerungsfotos machen. Vermutlich hätten wir noch weitere hundert Bilder geschossen, ohne dass man später einen Unterschied erkannt hätte.
Von der ganzen Kletterei hungrig geworden, machten wir eine kurze Pause auf einer verlassenen Campsite. Wir schmierten uns leckere Wurstbrote – mehr braucht man ehrlich gesagt nicht zum Glücklichsein – und tranken erneut unseren selbstgemachten Kaffee.
Ein Vogel beobachtete uns neugierig und nahm freudig das ihm angebotene Brotstück entgegen. Teilen gehört auf einer solchen Reise eben auch dazu. Zumindest solange der Vogel nicht plötzlich Anspruch auf das komplette Mittagessen erhebt.
Bei der Anfahrt zur Spitzkoppe hatten wir einige sehr arme Kinder gesehen, die versuchten, selbst gebastelte Souvenirs an Touristen zu verkaufen. Wir konnten damit zwar nichts anfangen, hatten aber noch Wasserflaschen, Obst und Nüsse dabei, die wir unter den Kindern verteilten. Wir denken, dass dies sinnvoller ist als Geld und sie die Sachen mit Sicherheit gut gebrauchen konnten.
Danach ging es zum nächsten und letzten Stopp des Tages: unserer Lodge am Hohenstein. Der Hohenstein ist mit 2.319 Metern der höchste Berg des Erongo-Gebirges und prägt die Landschaft der Region schon aus großer Entfernung.
Bei der Einfahrt zur Lodge begegneten wir bereits den ersten Bewohnern und wurden von einer kleinen Gruppe Springböcke begrüßt. Am Haupthaus angekommen, staunten wir nicht schlecht, denn alles war sehr modern eingerichtet und wieder komplett anders als die bisherigen Unterkünfte.
Das hauseigene Wasserloch war gerade von einer Gruppe Affen besetzt, doch nachts sollten wir sogar Zebras hören. Das Zimmer war deutlich größer, als wir es tatsächlich benötigten. Allein das Badezimmer war locker so groß wie unser Wohnzimmer. Auch die Terrasse fiel entsprechend großzügig aus. Wir erfuhren später, dass wir einen Teil der Familienzimmer erhalten hatten und diese natürlich etwas geräumiger geplant sind.
Wir entspannten zunächst im herrlichen Abendlicht und machten uns anschließend vor dem Essen frisch. Das Essen war leider nur teilweise etwas für uns, denn es war eher im Fine-Dining-Stil angerichtet und passte damit nicht ganz zu unseren Vorlieben. Geschmeckt hat es trotzdem und die Qualität war in jedem Fall hervorragend. Aber wie gesagt: Ein gutes Wurstbrot spielt für uns kulinarisch durchaus in der Champions League.
Nach dem Essen sangen und tanzten die Mitarbeiter noch einige Lieder für uns. Das war einfach wunderschön anzusehen und anzuhören und bildete den perfekten Abschluss eines erneut großartigen Tages.
KAKarnevalkind30 Beiträge · seit 202623. Juli 2026 ·
Kubik schrieb:Aufgrund der Vorschrifen haben wir die Mitnahme der Drone verworfen. Unsere Route bietet ebenfalls keine Hinterlegung an einem Eingang. Wir betreten den Etosha im Osten und verlassen in ganz im Westen.
Für uns geht es in knapp 48 Stunden los und wir sind noch mitten im Packchaos... 🙄 Wir werden nach Opuwo von Westen aus in den Etosha einfahren und dann ganz im Osten wieder raus (dann Onguma, Waterberg und wieder gen Windhoek). Wir haben das jetzt so geklärt, dass wir die Drohne in Opuwo per NamPost Courier an unsere letzte Unterkunft schicken (mit Airtag & Chipolo und Trackingnummer). Einen passenden Karton, platt gefalten, und eine Schicht Luftpolsterfolie nehmen wir von hier mit. Die Drohne wird dann darin in ihrem Schutzcase verschickt. Die Inhaber unserer letzten Unterkunft vor dem Rückflug meinten, das wäre alles kein Problem. Sie nähmen das Päckchen gern an und würden es dann daheim sicher aufbewahren und an unserem Ankunftstag wieder mit zur Unterkunft bringen. Meganett! Alternativ hätten wir an eine NamPost-Filiale in Windhoek verschickt. NamPost hat innerhalb von 30 Minuten alle Fragen aus meiner Mail perfekt beantwortet - das kenne ich von der Deutschen Post/DHL anders... Von Opuwo aus sollte die Kurierlieferung in 24, maximal 48 Stunden in Windhoek sein. NamPost-Filialen lagern bis zu 60 Tage, wenn man dorthin schicken lässt.
Zu dem Antrag für unsere Drohnengenehmigung haben wir an anderer Stelle schon den letztlichen Ablauf beschrieben. Nachdem das System der Antragsausfüllung erst einmal verstanden war, ging das doch ganz flüssig. Die Überweisung der Antragsgebühr war noch das schwierigste Hindernis. Auf den Antrag kam (ich meine) in unter einer Stunde eine Nachfrage, dass ein Feld anders ausgefüllt werden müssse. Danach ging alles problemlos seinen Gang. Alle paar Tage ein Statusupdate per Mail von der jeweiligen Abteilung, die gerade mit dem Antrag beschäftigt war. Es müssten insgesamt so 10/11 Tage nach Einreichung gewesen sein, dass die Genehmigung fertig eintraf.
KAKarnevalkind30 Beiträge · seit 202623. Juli 2026 ·
chriboehm: Lieben Dank für den tollen Bericht! Wir haben uns daraus schon ein paar Tipps und Inspirationen für die Wahl unserer Aktivitäten, Drives, etc. geklaut. 😛
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202423. Juli 2026 ·
Karnevalkind schrieb:chriboehm: Lieben Dank für den tollen Bericht! Wir haben uns daraus schon ein paar Tipps und Inspirationen für die Wahl unserer Aktivitäten, Drives, etc. geklaut. 😛
Sehr gerne so soll es ja auch sein.
Schön das es bei dir mit der Drohnengenehmigung besser geklappt hat. Bei uns kam nach der Bestätigung über den Eingang der Unterlagen und der Zahlung 5 Wochen gar nichts mehr. Erst auf Nachfrage wurde man dann aktiv.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202423. Juli 2026 ·
Im Damaraland
Heute hieß es Abschied nehmen vom Erongo, einer der landschaftlich beeindruckendsten Regionen Namibias. Das Erongo-Gebirge entstand vor Millionen von Jahren durch vulkanische Aktivitäten und beeindruckt heute mit seinen markanten Granitformationen, die wie von einem Riesen zwischen die Landschaft geworfen wirken.
Natürlich fahren wir nicht, ohne vorher noch einen Kaffee auf der Terrasse mit Blick auf die Natur zu genießen. Dabei fiel uns die vielfältige Vogelwelt erneut auf – nur nahmen wir uns heute endlich einmal die Zeit, einige der gefiederten Bewohner vor die Kamera zu bekommen. Auch oben am Restaurant hatten wir einen tollen Ausblick und entdeckten Springböcke, Kuhantilopen und ein einzelnes Gnu. Eine Gruppe Perlhühner erfrischte sich derweil am Wasserloch, während wir gemütlich unser Frühstück genossen. Besser kann ein Tag eigentlich kaum beginnen und wir waren ein wenig traurig, dass wir nicht noch einen Tag auf Hohenstein Lodge verbringen konnten.
Dann ging es los auf einen eigentlich ruhigen Fahrtag. Für die recht kurze Strecke hatten wir nicht viel eingeplant, doch am Ende wussten wir nicht so recht, wo die Stunden geblieben waren. Naja, ein kleiner Teil davon ging für einige Drohnenaufnahmen drauf – aber Spaß muss schließlich sein. Außerdem wäre es nahezu fahrlässig gewesen, diese Landschaften nicht aus der Luft festzuhalten.
Wir fuhren heute durch wunderschöne und sehr abwechslungsreiche Landschaften. Mal durch weite Steppen mit einzelnen Bäumen, dann wieder durch enge Dornstrauchsavannen. Diese wurden von felsigen Gebieten mit beeindruckenden Gesteinsformationen links und rechts der Straße abgelöst. Hinzu kamen zahlreiche Flussdurchfahrten, die teilweise tiefe Schneisen in die Fahrbahn gerissen hatten und uns immer wieder zu starken Bremsmanövern zwangen. Unser Auto hatte vermutlich mehr Auf und Ab als manche Achterbahn.
Im Gegensatz zum Süden des Landes bemerkten wir, dass der Norden wesentlich stärker besiedelt ist. Entlang der Straßen reihten sich immer wieder kleine Hütten aneinander, und wir begegneten Angehörigen verschiedener Volksgruppen, darunter den Herero und den Damara. Vor allem die Frauen der Herero waren mit ihrer traditionellen Tracht ein besonderer Blickfang. Angehörige der Himba sahen wir ebenso; ihre mit einer rötlichen Ockerpaste eingeriebene Haut und die kunstvoll geflochtenen Frisuren machten sie unverwechselbar.
Auch das Gebiet rund um den Brandberg durchquerten wir. Der Brandberg ist mit 2.573 Metern der höchste Berg Namibias und beherbergt zahlreiche Felsmalereien, darunter die berühmte „Weiße Dame“.
Schließlich besuchten wir ganz in der Nähe unserer Unterkunft den Versteinerten Wald. Die dort liegenden Baumstämme sind rund 260 Millionen Jahre alt und wurden vermutlich durch gewaltige Fluten aus dem heutigen Angola hierher transportiert. Besonders faszinierend ist, dass das Holz im Laufe der Jahrmillionen vollständig versteinert wurde und dabei seine ursprüngliche Struktur erstaunlich gut erhalten blieb.
Schon spannend, diese uralten Bäume zu sehen, die nun dort in der Erde liegen. Auch die berühmte Welwitschie sahen wir endlich. Die Welwitschie gilt als eine der außergewöhnlichsten Pflanzen der Welt und kann über 1.000 Jahre alt werden – einzelne Exemplare sollen sogar ein Alter von bis zu 2.000 Jahren erreichen. Wir hatten schon fast geglaubt, sie sei eher ein Mythos als eine echte Pflanze.
Der Junge, der uns führte, wusste erstaunlich viel. Seine Familie wurde offenbar von der Regierung damit beauftragt, Besucher durch das Gebiet zu führen, und erhält dafür ein monatliches Gehalt. Die Eintrittsgelder müssen sie allerdings an den Staat abführen. Einen kleinen Nebenverdienst erzielen sie durch den Verkauf von Steinen und selbst hergestelltem Schmuck. Insgesamt wirkt das Leben dort dennoch recht bescheiden.
An der Unterkunft, dem Twyfelfontein Adventure Camp angekommen, staunten wir nicht schlecht. Wir hatten ein Zelt gebucht, doch das, was uns erwartete, konnte man eher als Glamping bezeichnen. Die Unterkunft war wunderschön und für ein Adventure Camp überraschend luxuriös. Bei unserer Ankunft wurden wir direkt auf das Sonnendeck auf einem nahegelegenen Hügel hingewiesen, von dem man einen besonders schönen Blick auf den Sonnenuntergang haben sollte. Also machten wir uns pünktlich auf den Weg nach oben.
Auf dem Weg begegneten wir den für die Region typischen riesigen Grillen, die zwar völlig harmlos für Menschen sind, aber dennoch aussehen, als hätten sie direkt eine Nebenrolle in einem Horrorfilm ergattert. Weniger Glück hatte allerdings eine dieser Grillen, als ihr ein Skorpion begegnete. Für den Skorpion war es ein erfreuliches Abendessen – für die Grille hingegen endete die Begegnung eher ungünstig.
Es wurde nicht zu viel versprochen. Vom Sonnendeck hatten wir einen fantastischen Blick über die Landschaft und konnten beobachten, wie die Sonne glutrot hinter den Bergen verschwand. Einer dieser Momente, bei denen plötzlich alle still werden und selbst die Kamera für ein paar Sekunden Pause hat.
Beim Abstieg sahen wir bereits die Köchin am Braai – dem namibischen Begriff für Grillen – stehen, die unser Abendessen frisch zubereitete. Da ließen wir uns nicht lange bitten und nahmen nach einer kurzen Pause am Lagerfeuer gerne Platz, um das ausgezeichnete Essen zu genießen.
Während des Essens kam schließlich auch unser Guide für den nächsten Tag an unseren Tisch und erklärte uns alles Wichtige für den bevorstehenden Ausflug. Wir hatten für den Vormittag eine Tour gebucht – aber dazu morgen mehr.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202424. Juli 2026 ·
Wir suchen die Wüstenelefanten
Es klingelt der Wecker, und draußen ist noch alles stockdunkel. Aber nur der frühe Vogel fängt bekanntlich den Wurm. Also machen wir uns im mittlerweile ziemlich kalten Zelt fertig. Dabei entdecken wir eine Spinne und beschließen spontan, ab sofort einen gaaaanz großen Bogen um den Stuhl zu machen, unter dem sie verschwunden ist. Man muss schließlich nicht jedes Abenteuer unnötig herausfordern. Sie soll aber ungefährlich sein.
Beim Frühstück wird schnell klar, dass wir keineswegs die Einzigen sind, die heute früh aus den Federn mussten. In jedem Gesicht sieht man eine Mischung aus Müdigkeit und riesiger Vorfreude. Um kurz vor 8 Uhr sind wir tatsächlich die Letzten am Safarifahrzeug. Daran erkennt man sofort, wie gespannt alle sind und endlich loswollen. Die Blicke, die man uns zuwirft, als wir erst einmal ganz entspannt unsere Kameras aus dem Auto holen, nehmen wir gelassen. Schließlich gilt auch: Wer viel zu früh kommt, muss warten.
Kurz stellt sich Anton, unser Guide, noch einmal vor, und schon geht es los. Weit kommen wir zunächst nicht, denn der Morgennebel ist heute ungewöhnlich dicht. Also drehen wir um und fahren hinter den Berg, wo die Sicht deutlich besser ist. Von dort geht es hinunter in den Huab.
Der Huab ist derzeit trocken, führt aber während der Regenzeit im März und April Wasser. Dadurch gibt es entlang des Flussbettes einen vergleichsweise hohen Grundwasserspiegel, von dem die vielen Bäume und Sträucher profitieren. Genau deshalb führt uns unser heutiger Game Drive hierher: auf die Suche nach den berühmten namibischen Wüstenelefanten.
Streng genommen handelt es sich nicht um eine eigene Elefantenart, sondern um afrikanische Savannenelefanten, die sich über Generationen an die extrem trockenen Bedingungen angepasst haben. Sie legen deutlich größere Strecken auf der Suche nach Nahrung und Wasser zurück, können längere Zeit mit wenig Wasser auskommen und wirken oft etwas schlanker als ihre Verwandten in wasserreicheren Gebieten.
Auf unserer Suche fahren wir kreuz und quer durch das Flussbett. Anton erklärt uns die Spuren, die wir in Form von Fußabdrücken und Dung entdecken, und erzählt viel über das Verhalten der Tiere. Die Elefanten wechseln regelmäßig die Flussseiten, fressen nie ganze Bereiche kahl und hinterlassen wichtige Nahrungsquellen wie die Früchte der Kameldornbäume für schlechtere Zeiten. Fast könnte man meinen, sie hätten einen besseren Nachhaltigkeitsplan als manche Menschen.
Etwa 30 Minuten lang fahren wir hin und her. Manchmal geht es wieder ein Stück zurück, und immer wieder steigt Anton aus, um die Spuren genauer zu lesen. Für uns sieht alles nach Sand aus, für ihn offenbar wie eine Tageszeitung.
Und dann stehen sie plötzlich da.
Siebzehn Elefanten. Friedlich fressend im und am Rand des Flussbettes.
Wir können unser Glück kaum fassen. Wir haben sie tatsächlich gefunden – und das sogar deutlich schneller als erwartet. Zur Gruppe gehört ein großer Bulle sowie ein jüngerer Rivale, der sofort daran erinnert wird, wer hier das Sagen hat. Außerdem sind zwei kleine Jungtiere dabei, etwa zwei und sechs Jahre alt. Ihr drolliges Verhalten zwischen Trinken, Rangeln, Kuscheln und Ausruhen ist einfach herrlich anzusehen.
Wir bleiben bestimmt eine Stunde bei der Herde und positionieren uns immer wieder neu, damit wir jedes Mitglied der Gruppe beobachten können. Manchmal macht uns ein Elefant auch sehr deutlich klar, dass wir besser aus seinem Weg gehen sollten. Doch Anton reagiert stets ruhig und erklärt uns dabei jede Menge Wissenswertes über die Tiere. Teilweise sind wir nur wenige Meter von den sanften Riesen entfernt – ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Schließlich fahren wir weiter. Einerseits wollen wir die Elefanten wieder in Ruhe lassen, andererseits hoffen wir, noch eine zweite kleinere Gruppe zu finden.
Unterwegs scherzen wir noch, dass jetzt eigentlich nur noch Giraffen fehlen würden. Und ungelogen: Keine fünf Minuten später ruft ein Mitfahrer plötzlich: „Giraffe rechts!“
Offenbar hatte das Safari-Universum beschlossen, heute besonders großzügig zu sein.
Anton manövriert das Fahrzeug geschickt durch das Buschwerk, sodass wir die Tiere beobachten können. Vier Giraffen haben sich zu einer Gruppe zusammengeschlossen. Allesamt Männchen, angeführt von einem älteren Bullen, dessen dunklere Färbung deutlich erkennbar ist.
Wahnsinn – Elefanten und Giraffen an einem einzigen Vormittag!
Auch hier verbringen wir rund 30 Minuten. Die Giraffen sind allerdings deutlich scheuer als die Elefanten und verschwinden immer wieder hinter Büschen, als würden sie Verstecken spielen.
Anschließend geht es weiter zu unserem Picknickplatz. Dort vertreten wir uns kurz die Beine und werfen einen Blick auf die zahlreichen Spuren rund um das Wasserloch. Jeder ist gespannt, was uns auf dem Rückweg zur Lodge noch erwarten wird.
Kaum sind wir wieder losgefahren, steht plötzlich die kleinere Elefantengruppe direkt vor uns. Fünf Tiere ziehen über die Savanne und graben die Wurzeln von Gräsern aus. Diese enthalten besonders viele Nährstoffe und speichern zudem Feuchtigkeit.
Wow!
Damit haben wir fast alle Elefanten der Gegend gesehen. Nur der große Alpha-Bulle scheint heute andere Pläne zu haben und hält sich irgendwo außerhalb unseres Sichtfeldes auf.
Auch bei dieser Gruppe bleiben wir noch einmal etwa eine halbe Stunde, bevor wir durch die wunderschöne Savanne zurück zur Lodge fahren.
Dort wartet bereits ein kleines Mittagessen auf uns. Es gibt belegte Sandwiches mit Salat – nichts Spektakuläres, aber frisch, lecker und genau das Richtige nach diesem ereignisreichen Vormittag.
Danach geht es weiter zur nächsten Lodge, und Diana darf erneut ihre Fahrkünste unter Beweis stellen. Die Strecke führt ständig auf und ab wie eine Achterbahn. Doch sowohl Fahrerin als auch Fahrzeug meistern die Herausforderung souverän. Die Gegend sowohl wunderschön als auch abwechslungsreich und erinnerte ein wenig an alte amerikanische Filme.
Kurz vor der Lodge gibt es schließlich einen Fahrerwechsel. Der Anstieg vom Grootberg Pass hinauf zur Gootberg Lodge ist extrem steil und sollte nur mit Allradantrieb im Low-Range-Modus befahren werden. Immerhin müssen auf nur 600 Metern Strecke rund 100 Höhenmeter überwunden werden – das entspricht einer Steigung von etwa 17 Prozent und die sagen wir mal Straße ist in einem durchschnittlichen afrikanischen Zustand. Da merkt selbst das Auto, dass es arbeiten muss.
Oben angekommen werden wir mit einem fantastischen Blick über das Klip River Valley belohnt. Die Lodge und die kleinen Bungalows schmiegen sich entlang der Klippenkante und sind wunderschön im traditionellen afrikanischen Stil gestaltet.
Jetzt heißt es erst einmal entspannen und die Eindrücke des Tages wirken lassen. Denn morgen klingelt der Wecker erneut früh: Um 7 Uhr geht das nächste Abenteuer bereits weiter.
Melanie1982703 Beiträge · seit 202324. Juli 2026 ·
Um die Wüstenelefantentour beneide ich euch glatt ein wenig! Wir hatten letztes Jahr am Brandberg Pech, dass sie sehr weit weg waren. Heißt aber im Umkehrschluss, dass wir es nochmal versuchen müssen 🙂 Und da finde ich eure Unterkunft ideal, die Zelte sehen schon sehr schön aus. Kommt auf die Merkliste 😎
Eine tolle Tour stellst du hier vor. Die Unterkünfte sind genau nach meinem Geschmack. Vielleicht doch noch mal nach Namibia ...? Ich freue mich drauf wie es weiter geht.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202425. Juli 2026 ·
Melanie1982 schrieb:Um die Wüstenelefantentour beneide ich euch glatt ein wenig! Wir hatten letztes Jahr am Brandberg Pech, dass sie sehr weit weg waren. Heißt aber im Umkehrschluss, dass wir es nochmal versuchen müssen 🙂 Und da finde ich eure Unterkunft ideal, die Zelte sehen schon sehr schön aus. Kommt auf die Merkliste 😎
Hallo Melanie,
Ja die Unterkunft war echt toll und wir können sie von ganzem Herzen empfehlen. Wir hatten aber wirklich ganz viel Glück auf unserer Reise (auch an den mächsten Tagen), wobei die Chance an diesen Ort Elefanten zu sehen laut Guide sehr hoch sind.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202425. Juli 2026 ·
yp-travel-photography schrieb:Eine tolle Tour stellst du hier vor. Die Unterkünfte sind genau nach meinem Geschmack. Vielleicht doch noch mal nach Namibia ...? Ich freue mich drauf wie es weiter geht.
Liebe Gruesse yvy
Vielen Dank und es freut uns, dass dir die Route und die Unterkünfte gefallen.
Wir waren bereits beim Rückflug wieder in der Planung für die nächste Reise. Wobei es jetzt erst einmal sparen heißt, um in 3 oder 4 Jahren erneut in dieses wunderschöne Land zu reisen.
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202427. Juli 2026 ·
Elefanten Tracking
8, 7, 6 – das ist kein neuer Geheimcode der Jugend, sondern die Abfahrtszeiten unserer gebuchten Touren, die praktischerweise auch noch alle an aufeinanderfolgenden Tagen stattfinden. Nachdem wir gestern bereits um 8 Uhr bei dichtem Nebel gestartet waren, ging es heute schon um 7 Uhr los – also noch vor Sonnenaufgang. Die Erwartungen waren allerdings eher gedämpft, denn die Teilnehmer derselben Tour hatten am Vortag überhaupt keine Elefanten gefunden und waren ohne Erfolgserlebnis zur Lodge zurückgekehrt.
Nach einem kleinen Frühstück liefen wir zum bereits wartenden Truck und staunten nicht schlecht: Wir waren die einzigen Gäste. Guide und Fährtenleser standen also exklusiv zu unserer Verfügung. Die anderen vier Teilnehmer hatten aufgrund der enttäuschenden Erfahrungen der gestrigen Gruppe lieber umgebucht. Wir dagegen dachten uns: Irgendjemand muss den Elefanten ja heute Hallo sagen. Schöner Nebeneffekt: Unsere Tour wurde dadurch zur privaten Safari.
Pünktlich ging es den Berg hinunter und hinein in die 3.364 Quadratkilometer große Khoadi Hoas Conservancy (4x so groß wie Berlin), zu der auch unsere Lodge gehört. Die Conservancy ist ein von der lokalen Bevölkerung verwaltetes Schutzgebiet, das Naturschutz und nachhaltigen Tourismus miteinander verbindet. Durch die Einnahmen aus dem Tourismus profitieren die Gemeinden direkt vom Schutz der Tierwelt, wodurch unter anderem auch Wüstenelefanten und andere Wildtiere ihren Lebensraum behalten.
Unser erster Halt war das Rangerbüro. Dort holten wir aktuelle Informationen über die letzten Sichtungen der Elefanten ein, um das Suchgebiet etwas eingrenzen zu können. Danach begann die eigentliche Arbeit: das Tracken – also das Lesen und Verfolgen von Spuren.
Schon bald fanden wir relativ frische Fußspuren der Herde. Besonders gut konnte man erkennen, dass ein ganz kleiner Elefant dabei war. Von da an ging es über teils ordentliche Feldwege, meistens jedoch über Pisten, die eher an Sand- und Geröllfelder erinnerten als an Straßen. Unser Guide schien dabei der festen Überzeugung zu sein, dass Stoßdämpfer dazu da sind genutzt zu werden. In teilweise halsbrecherischem Tempo näherten wir uns dem vermuteten Aufenthaltsgebiet.
Die erste Vermutung war ein Bergplateau, auf das sich die Elefanten gerne zurückziehen. Doch weder die befragten Farmer noch die zufällig angetroffenen Small Miner – Männer, die in mühsamer Handarbeit ohne Maschinen nach Edel- und vor allem Halbedelsteinen suchen – hatten in den vergangenen Tagen Elefanten gesehen. Also hieß es: Spuren neu bewerten, Hinweise kombinieren und den Instinkten des Fährtenlesers vertrauen.
Das neue Ziel war ein abgelegenes Dam – ein Wasserreservoir, das sich in der Regenzeit mit Wasser füllt. Kurz vor dem Becken dann plötzlich der erste Hoffnungsschimmer: eine ganz frische Spur. Der Boden war noch feucht – und zwar auf eine Weise, die nur ein Elefant hinterlassen kann. Wenige Meter weiter lag frischer Dung. Jetzt stieg die Spannung schlagartig.
Der Fährtenleser stieg aus und machte sich zu Fuß auf die Suche, während wir auf einer Anhöhe am Wasserreservoir warteten. Plötzlich herrschte völlige Stille. Niemand sagte ein Wort. Selbst wir wagten kaum zu atmen, als würde jedes Geräusch die Elefanten kilometerweit verscheuchen. Dann knackte endlich das Funkgerät. Der erlösende Funkspruch.
Sofort setzten wir uns wieder in Bewegung. Mit der angegebenen Richtung konnten wir die Elefanten gar nicht mehr verfehlen. Tatsächlich liefen sie etwa 200 Meter entfernt an einem Berghang entlang. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Während gestern die Chancen auf eine Sichtung praktisch gegen null gegangen waren, war es heute das Können unserer beiden Begleiter, das uns zum Erfolg führte.
Zusätzlich hatten wir unglaubliches Glück. Der Bergrücken, an dem die Herde mit etwa 15 bis 17 Elefanten entlangzog, führte immer näher an unseren Fahrweg heran. Zunächst konnten wir die Tiere parallel begleiten, bevor sie schließlich direkt unseren Weg kreuzten. Näher kommt man wilden Wüstenelefanten in dieser weitläufigen Gegend wohl kaum.
Selbst unser Guide war völlig begeistert. Er machte unzählige Fotos und kletterte sogar auf das Dach des Trucks, um besser erkennen zu können, wohin die Herde weiterzog. Dabei entdeckten wir auch die beiden jüngsten Mitglieder der Gruppe – etwa vier Monate alte Elefantenbabys, die vorher im dichten Busch verborgen gewesen waren. Wie sie mit ihren viel zu kurzen Beinchen der großen Mama hinterhertapsten, war einfach herzallerliebst. Spätestens in diesem Moment war jeder Gedanke an das frühe Aufstehen vergessen.
Nachdem die Herde im dichten Busch verschwunden war und dort offenbar ihren Fressplatz erreicht hatte, meldete sich auch unser eigener Hunger. Also verabschiedeten wir uns von den Elefanten und fuhren zu einem wunderschönen Rastplatz unter einem riesigen, uralten Kameldornbaum.
Dort wartete ein Mittagessen, das sich sehen lassen konnte: Hühnchen mit Chilisauce, eingelegtes Wildfleisch, verschiedene Salate, frisches Brot und gekühlte Getränke. Herz, was willst du mehr? Vielleicht nur noch Elefanten beim Essen – aber man soll ja nicht gierig werden.
Gut gestärkt machten wir uns anschließend auf den Rückweg zur Lodge. Den Rest des Tages ließen wir diesmal ganz entspannt am Pool ausklingen und nutzten die Gelegenheit, einige Fotos von den Vögeln zu machen, die immer wieder zum Trinken oder Baden vorbeikamen. Sie schienen genau zu wissen, wie fotogen sie waren, und posierten geduldig für die Kamera – perfekte Motive, die den entspannten Nachmittag wunderbar abrundeten.
Schließlich wartet morgen schon die nächste frühe Tour auf uns. Und wer weiß – vielleicht hält Namibia ja noch die nächste Überraschung bereit.
toll, dass ihr die Wüstenelefanten sogar 2x erleben durftet! Die Kleinen sind wirklich Zuckersüß! 🤩 😘
Liebe Grüße! Johanan
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202427. Juli 2026 ·
JohannaHen schrieb:Hallo Chris,
toll, dass ihr die Wüstenelefanten sogar 2x erleben durftet! Die Kleinen sind wirklich Zuckersüß! 🤩 😘
Liebe Grüße! Johanan
Hallo Johanna,
vielen Dank für deine Nachricht. Ja wir hatten auch hier einfach unglaubliches Glück gehabt und eine Gruppe mit seinen Kleinen gefunden. Wobei die Suche mit Fährtenleser an diesem Tag noch aufregender und vor allem wesentlich länger war. Zudem waren wir komplett alleine während gestern ca. 7 Autos irgendwo um die erste Herde herumfuhren.
Was für ein unvergessliches Erlebnis! Da habt ihr alles richtig gemacht.
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana
chriboehmThemenstarter133 Beiträge · seit 202428. Juli 2026 ·
Auf der Nashorn-Spur
Früh um 6 Uhr standen sechs wagemutige Entdecker, unser Guide und zwei Fährtenleser bereit. Ihr Ziel: eines der freilaufenden Spitzmaulnashörner ohne Tracker nur mit den Spuren am Boden aufzuspüren. So ging es bei noch völliger Dunkelheit zunächst von der Lodge hinunter ins Tal und anschließend auf einem kleinen, sich windenden Pfad Richtung Wasserstelle in der Conservancy, um dort nach ersten Spuren zu suchen.
Anfangs bemerkten wir die Kälte kaum. Doch je tiefer wir in die Täler vordrangen, desto dichter wurde der Nebel. Mit der Feuchtigkeit kroch auch die Kälte langsam, aber unerbittlich durch jede Kleidungsschicht. Da half nur das bewährte Zwiebelprinzip: Shirt, Pullover, mehrere Jacken und zum Schluss noch ein Poncho. Irgendwann sahen wir vermutlich aus wie wandelnde Kleiderschränke – aber immerhin warme.
Nach etwa 75 Minuten Fahrt legte unser Guide plötzlich eine Vollbremsung hin. Mitten auf dem Weg war eine sehr frische Nashornspur zu erkennen. Das Glück schien uns also weiterhin hold zu sein.
Nachdem alle ausgestiegen waren und wir die Spuren gemeinsam analysiert hatten, wurde entschieden, dass die beiden Fährtenleser der Spur zu Fuß folgen, während wir mit dem Fahrzeug strategisch Position beziehen sollten, um auf ihre Informationen reagieren zu können.
Wir wünschten ihnen viel Erfolg und fuhren im dichten Nebel davon – allerdings nur für fünf Minuten. Wenige Meter neben unserem Fahrzeug tauchte plötzlich ein Schabrackenschakal aus dem hohen Gras auf und kam zielstrebig auf uns zu. Er posierte geradezu, als wolle er dem gesuchten Nashorn die Show stehlen. Natürlich wurde er als erstes Tier des Tages ausgiebig fotografiert.
Dann kam der erste Funkspruch: Das Nashorn hatte seine Richtung geändert, wir sollten umkehren.
Also wieder zurück. Am ursprünglichen Platz wartete der Schakal tatsächlich noch immer auf uns und wirkte fast beleidigt, dass wir diesmal ohne Fotos an ihm vorbeifuhren.
Kurz bevor wir unsere Position erreichten, kam bereits der nächste Funkspruch: Das Nashorn hatte erneut die Richtung geändert und war über die Hügelkette in ein anderes Tal gelaufen. Offenbar hatte es seinen eigenen Plan – und wir kannten ihn definitiv nicht.
Also wieder wenden, unterwegs die beiden Fährtenleser einsammeln und ins nächste Tal fahren. Dort fanden wir erneut frische Spuren des gesuchten Nashorns und setzten die beiden wieder ab, damit sie ihre Suche fortsetzen konnten.
Für uns ging es auf eine kleine Anhöhe, wo wir eine erste Rast einlegten. Dort entdeckten wir mehrere Giraffen. Eine stand etwas weiter entfernt, eine zweite dagegen fast direkt vor uns und ließ sich im wunderschönen Morgenlicht hervorragend fotografieren. In der Ferne waren außerdem zwei Elefanten zu erkennen. Dass wir ihnen später noch deutlich näher kommen würden, wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Also wurden erst einmal fleißig weitere Fotos gemacht.
Nach kurzer Zeit meldeten sich die Fährtenleser erneut. Das Nashorn war am Flussbett entlanggelaufen und musste eigentlich direkt an unserer Position vorbeigekommen sein. Unser Guide machte sich sofort auf die Suche nach Spuren, fand im Flussbett jedoch nichts.
Mittlerweile waren bereits zwei Stunden vergangen, seit wir die erste Spur entdeckt hatten. Langsam machte sich Ungeduld breit – ausgerechnet bei einem der scheuesten Tiere Afrikas keine besonders hilfreiche Eigenschaft.
Inzwischen waren auch die Temperaturen deutlich gestiegen. Wir trafen uns kurz mit unseren Fährtenlesern, die von ihren bisherigen Erkenntnissen berichteten. Gleichzeitig konnten sie endlich ihre warmen Kleidungsschichten ausziehen und ihre Wasservorräte auffüllen. Wie viele Kilometer sie bis dahin bereits über felsiges und unwegsames Gelände zurückgelegt hatten, konnten wir nur erahnen. Einige dürften es aber ganz sicher gewesen sein.
Anschließend machten sie sich erneut auf den Weg. Sie berichteten, dass das Nashorn das Flussbett verlassen hatte und unser Guide deshalb dort keine Spuren finden konnte. Cleveres Tier – aber unsere Fährtenleser waren mindestens genauso clever.
Wir fuhren langsam weiter und legten bei den zuvor entdeckten Elefanten eine weitere Pause ein. Gemütlich standen sie auf einem Hügel und fraßen. Gemeinsam mit unserem Guide stiegen wir sogar aus und liefen ihnen vorsichtig ein Stück entgegen, um eine bessere Sicht zu haben. Diesen beeindruckenden Tieren so nahe zu sein, war ein ganz besonderes Erlebnis.
Als wir zum Fahrzeug zurückkehrten, warteten bereits neue Informationen auf uns. Das Nashorn war entweder in unsere Richtung in eine Senke am Flussbett gelaufen – das wäre die gute Nachricht – oder über die nächste Anhöhe in das dahinterliegende Tal verschwunden. Das wäre die schlechte Nachricht gewesen, denn dann hätten wir mindestens eine halbe Stunde wieder zurückfahren müssen, um ins nächste Tal zu kommen.
Wir entschieden uns für Optimismus und hofften, dass das Nashorn die Senke gewählt hatte. Also fuhren wir tiefer ins Tal, jederzeit bereit, auf den nächsten Funkspruch zu reagieren.
Unterwegs entdeckten wir die nächsten Tiere: mehrere Bergzebras, die in dieser Gegend ebenfalls ausgesprochen selten sind. Langsam hatten wir das Gefühl, dass die Glücksfee heute Überstunden machte.
An unserem Warteplatz zeigte sich dann noch ein weiterer Bewohner des Himmels: ein majestätischer Klippenadler.
Und dann kam endlich der erlösende Funkspruch:
„Nashorn direkt in der Senke. Keine 200 Meter entfernt."
Um das Tier nicht zu verscheuchen, verzichteten wir auf das Auto und gingen in ruhigem Gänsemarsch hinter unserem Guide her. Etwa auf halber Strecke hatte er Sichtkontakt zu den Fährtenlesern und stimmte sich mit Handzeichen ab.
Plötzlich das Kommando: „Schnell den Hügel hoch! Das Nashorn kommt auf uns zu!“
Also ging es im Eiltempo rund 50 Meter bergauf, damit das Tier uns nicht wittern konnte.
Kaum oben angekommen, folgte schon das nächste Kommando:
„Es hat wieder gedreht! Alle wieder runter!“
In diesem Moment kam sich unsere Gruppe eher wie Teilnehmer eines etwas chaotischen Fitnessprogramms als wie Safari-Gäste vor.
Also wieder hinunter, vorsichtig an den Rand des Flussbetts – und dann stand es da.
Etwa 200 Meter entfernt: ein Schwarzes Nashorn, auch Spitzmaulnashorn genannt. In diesem Gebiet leben lediglich acht Exemplare.
Spitzmaulnashörner gehören zu den am stärksten bedrohten Großsäugern Afrikas. Anders als Breitmaulnashörner ernähren sie sich überwiegend von Blättern, Zweigen und Sträuchern, die sie mit ihrer charakteristischen spitzen Oberlippe greifen.
Was für ein unglaubliches Erlebnis und was für ein Tag!
Insgesamt viereinhalb Stunden waren wir diesem seltenen und faszinierenden Tier gefolgt, und nun stand es endlich vor uns. Es handelte sich um einen knapp sechs Jahre alten Bullen namens Herrmann. Er wurde in dieser Gegend geboren und wirkte zunächst etwas unruhig, da er unsere für ihn ungewohnten Geräusche wahrnahm. Zu seinem Schutz war ihm das Horn gekürzt worden, was gut zu erkennen war. Da er hier keine natürlichen Feinde hat, beeinträchtigt ihn das im Alltag kaum, erschwert Wilderern jedoch ihre verbrecherischen Machenschaften erheblich.
Etwa 30 Minuten blieben wir bei Herrmann und genossen jede einzelne Minute. Natürlich entstanden dabei unzählige Fotos – vermutlich mehr, als Herrmann jemals freiwillig unterschrieben hätte.
Beim anschließenden Picknick war die Stimmung entsprechend hervorragend. Alle waren voll des Lobes für die beeindruckende Arbeit unserer beiden Fährtenleser. Ohne sie hätten wir Herrmann wohl niemals gefunden.
Nach dem Essen ging es wieder ins Auto und anschließend noch knapp zwei Stunden durch vier oder fünf verschiedene Täler zurück zur Lodge. Erst jetzt wurde uns bewusst, welche Strecke wir tatsächlich zurückgelegt hatten – und wie viele Kilometer unsere beiden Fährtenleser zu Fuß bewältigt haben mussten.
Bei einer Tasse Kaffee ließen wir diesen außergewöhnlichen Tag noch einmal Revue passieren, bevor wir unser letztes Abendessen in dieser Lodge genossen, die sich inzwischen fast wie ein zweites Zuhause anfühlte.
Morgen heißt es jedoch Abschied nehmen, denn unsere Reise führt uns weiter in den Etosha-Nationalpark.