Ein Abend unter FreundenNach unserer aufregenden Sichtung bei den Wildhunden fahren wir noch einmal die Cutline runter und suchen den Einstieg in die weitere Route entlang des Khwai. Unsere Gebietskarte in der tinkers Map hört an der Cutline auf. Nur auf der großen Übersicht ganz vorne sieht man, dass es auch eine gelbe (= kleinere Route) entlang des Flusses gibt, die bis zum Abzweig Mababe Gate führt oder sogar noch ein Stück weiter bis zum Mababe Village. 😎
Wir finden den Abzweig, an dem ein Schild "Chobe Nationalpark" steht. Ist man hier aber eigentlich noch gar nicht. Die Strecke gehört noch zum Concession Gebiet, zumindest wenn man den Guides dort Glauben schenkt. Es geht ein Stück durch die Büsche und dann öffnet sich eine weite Fläche:
"Giraffenland"
Mehrere Herden sind hier unterwegs. Es wirkt ein bisschen surreal, da wir vor wenigen Metern noch davon nichts geahnt hatten. Umso überraschter sind wir und schon wieder wieder begeistert. Wir tuckern durch diese Ebene mit kleineren Blockaden auf dem Weg, aber mit etwas Wartezeit wird artig Platz gemacht. 😉



Überhaupt fasziniert uns dieser "neue" Abschnitt entlang des Khwai ganz besonders. Es ist wirklich wunderschön hier, geht erstmal mehr oder minder immer direkt am Wasser entlang und die ganze Landschaft ist ein Traum. Wir sehen Wasservögel, Elefanten, am anderen Ufer die riesige Büffelherde immer im Hintergrund...
Normaler Rallenreiher? - dem Roberts nach, müsste es von der Schnabelfarbe her ein "Malagasy Pon Heron" sein, der in der Gegend bis August vorkommt. Da wir noch Anfang September haben, vielleicht nur etwas länger geblieben?!
Kann das jemand anhand des miesen Bildes bestimmen?










Wir kommen an eine kleine Kehre am Fluss und ein paar Elefanten kommen gerade aus dem Wasser und verschwinden in den Mopanebüschen am Ufer. Während wir zählen interessiert sich ein junger Bulle etwas genauer für den Störenfried. Er macht etwas Terz, Rüsselschütteln und Ohren aufstellen. Wir sind weit genug weg, aber funken dennoch mal nach hinten, dass wir etwas rückfahrts fahren und mehr Platz lassen. Er will nicht weichen und bleibt jetzt trotzig im Weg stehen.
Nach einiger Zeit kommt ein Auto aus der anderen Richtung. Perfekt. Dann lassen wir den mal vor und er soll sein Glück versuchen an dem Eli vorbeizukommen. 😈
Der Dicke Kamerad denkt sich aber just in dem Augenblick, dass wir immer noch nicht weit genug zurück gefahren sind und unsere Entgegenkommer sehen wie er uns weiter vertreibt... Pech gehabt, jetzt bleiben die natürlich auch stehen und gucken erstmal was wir so machen. 😏
Irgendwann hat er dann ein Einsehen mit uns und trollt sich seiner Familie hinterher. Irgendwie haben wir es aber auch mit Elefanten, die uns den Weg verstellen oder denen wir im Weg stehen in diesem Urlaub?! 🙄
Auf jeden Fall ist Verlass auf Claudia, die hat immer ein Foto davon, wenn Elefanten um unser Auto stehen!! 😄
Foto von Claudia





(echt zu viele Striche für einen Tag... ) 🤪
Wir folgen dem Weg und halten brav Ausschau nach dem Kameldornbaum aus Witness Beschreibung, wie man die Löwen finden sollte. Aber wir können nichts entdecken. Es geht weg vom Wasser und dann stehen wir ziemlich eindeutig vor dem Eingang in den beschriebenen Mopanewald. Dann sind wir zu weit. Aber gesehen haben wir nix, was passen könnte. Egal, wir entscheiden uns dafür jetzt einfach nach Uhr weiter zu fahren. Wir haben eine grobe Idee wie lange wir zurück brauchen um 18 Uhr in der Lodge zu schaffen und quetschen uns durch den Mopane.
Quetschen ist hier echt das richtige Wort. Durch den Wald ist es extrem kurvig, man knartscht an den Ästen entlang und zu allem Überfluss sieht man auch ein paar Elefanten die zwischen den Büschen stehen. Nix wie weg hier, wir wollen nicht wieder mitten in eine Herde gelangen an einer Stelle wo es kein vor und zurück gibt. Einmal im Urlaub reicht ja. 😛
Aus dem Wald rauskommend ändert sich die Szenerie schon wieder.Überall stehen tote Bäume auf einer weiten Fläche entlang des Wassers und alle Äste sind mit Geiern besetzt. Was eine coole Szenerie. Die ganz langsam in Richtung Horizont sinkende Sonne taucht das alles auch noch in schönes Licht. Wir vermuten irgendwo hier den toten Elefanten von dem uns die Südafrikaner am Khwai erzählt haben, aber entdecken können wir ihn nicht. Bei den vielen Geiern hier, muss aber irgendwo das Aas liegen.
Dreigestirn: White-backed / Hooded / Lappet-faced Vultures
Marabou Stork | Marabu... das ist übrigens derselbe, wie auf dem Bild oben. Lange Linse vs. die mittlere Brennweite


Und eine wieder mal sehr schöne Sichtung hat sich auch dazwischen gemogelt. 🙂
Bateleur | Gaukler
Wir fahren noch ein Stück weiter den Weg hinauf, bis wir auf eine lange gerade Route am Wasser entlang kommen. Wir sind den Büffeln jetzt näher, ich mache ein Tele-Panorama... das wäre aber dann zu klein hier, also nur ein Ausschnitt. Aber die Herde beeindruckt auch auf diese Entfernung. Büffel so weit man gucken kann.
Die Zeit diktiert unsere Rückfahrt und so wenden wir an dieser Stelle. Der Weg zurück ist nochmal sehr schön, einfach vorbei an der friedlichen Abendstimmung, ein paar Vögel am Wasser, badende Elefanten, so kann man es sich gefallen lassen.
Rufous-bellied heron | Rotbauchreiher
Pied Kingfisher | Graufischer
Da reitet er gen Sonnenuntergang...








Wir nehmen die schnellste und nicht die direkte Route, also Cutline hoch, links ab und dann einmal komplett um das Gebiet kurvend zurück zur Khwai Village. Da man auf der Umgeheung schneller fahren darf und es eine breite Piste ist, macht man hier gut Strecke. Wir sehen noch ein paar Elefanten am Rand und haben noch genug Zeit für einen kleinen Stop am Viewpoint um den Sonnenuntergang zu genießen und vielleicht mal ein Hippo mit aufgerissenem Maul zu erwischen... mir gelingt das nicht, aber ich glaube ich habe Martin fotografiert, während er den Moment verpasst hat. Auch was wert. 😄


Was für ein toller Tag!!!Das war eindeutig der beste einzelne Gamedrive Tag der Reise. Soviel steht mal fest. Irre was wir alles gesehen haben.
- morgens schon viele Hippos und Wildhunde
- dann Löwen
- Wildhunde
- 259 Elefanten insgesamt
- die Fläche mit den Giraffenherden
- die Geierbäume und und und...
Wir kommen völlig glückseelig bei African Excursions an. Genauso beseelt strahlt uns ein Mann an, der neben Theo, dem Manager steht. Er wird uns als Bashin vorgestellt und ist der Koch. 🤨
Sie haben doch noch etwas organisiert und können uns ein Abendessen anbieten. Bashin erklärt uns, dass sie nicht viel haben, aber für ein einfaches Essen reicht es und er freut sich sehr, dass er wieder für Gäste kochen kann. Auch für ein klein wenig was für ein Frühstück haben sie noch organisiert. Für 100 Pula extra pro Zimmer, ist das geschenkt. 😗
Ich frage Bashin, was ihm denn fehlt? - unser Wagen ist schließlich voll und er kann sich gerne nehmen, was immer er braucht. Wir haben noch Kudusteaks die wir uns sonst heute gegrillt haben und fragen ob er die nutzen kann. Vor allem fehlt es an Gemüse und ganz viel Kleinkram den er gebrauchen kann. Gesagt, getan. Wir gehen zu unserem Auto und Bashin wühlt sich durch die Kisten, nimmt sich hier was, dort was und sammelt im Endeffekt zwei Kisten voll mit allem zusammen, was er gebrauchen kann. Er strahlt über beide Ohren und betont, wie sehr er sich freut, dass er nun für Gäste kochen kann, denn das ist seine Leidenschaft. 🤩 🙂
Ich krame noch ein großes Stück Fleisch extra raus, für die Angestellten und dann verabschieden wir uns auf die Zimmer zum Frischmachen und treffen uns später zum Abendessen wieder. Wir sind schon ganz gespannt, was es wohl geben wird. 😉


Wir sind zurück, Theo hat noch einen Rotwein gefunden, den es zum Essen gibt und dann taucht Bashin wieder auf und stellt sich förmlich neben dem Tisch auf.
"Guten Abend, ich bin Chef Bashin und habe heute für euch gekocht. Es gibt..."Er zählt alles auf, über 50% davon kommen aus unserem Auto, aber irgendwie hat er es geschafft da 4 Gänge rauszuhauen und ein Buffet. 🙄 Viel zu viel für uns alleine, aber ich denke mal, die Angestellten haben sich später drüber gefreut. Es gibt unser Kudu mit einer Rotwein-Knoblauchsoße, Beef-Lasagne, gebratenes Gemüse, Bohnensalat und frischen Salat.
Wir "klönen" und versuchen so viel zu essen, dass es nicht noch den Anschein haben könnte, es würde uns nicht schmecken, aber es ist so viel, dass würden wir an zwei Abenden nicht schaffen.
Nach dem Essen fragen wir Theo ob er noch etwas anderes als Absacker da hat. Vielleicht Gin?!
Zögerlich holt er eine angebrochene Flasche Gordons unter dem Thresen hervor, ganz offensichtlich sein privater Bestand. Wie wir später erfahren, für über 40 Dollar gekauft, im Alkohol-Ban der letzten Monate, sind das alles unter der Hand Geschäfte und unverhältnismäßig teuer verkauft worden.
Wir merken das und Martin reagiert sofort.
"Lass mal, wir haben Okavango Gin im Auto, wir holen den und ihr seid eingeladen!"Theo kann es kaum glauben, den Gin gibt es noch nicht lange und er hat bei Facebook davon gelesen.
"Den habt ihr dabei, ich muss mein Handy holen und ein Foto machen..."Martin holt den Gin, Mara und ich organisieren Tonic-Dosen, Bashin holt Zitronen und Theo sein Handy. 😄
Die beiden bereiten 6 Gläser vor, servieren uns 4 davon und gehen zur Bar zurück. 🤨
"Nene, ihr seid eingeladen und wir würden uns freuen, wenn wir zusammen anstoßen können."Theo schnappt sich direkt einen Stuhl und Bashin schleicht sich zögerlich näher und setzt sich. Er ist sehr verwundert und das er zusammen mit uns da sitzt und eingeladen ist, ist ganz offensichtlich ungewöhnlich. Theo mit seinen 23 Jahren kommt aus der Stadt, seine Eltern sind keine Farmer mehr und man merkt, dass er eine gute Schule genossen hat und auch einen ganz anderen, offenen Umgang mit uns als Gästen pflegt... und ab jetzt fängt ein richtig schöner, sehr lustiger Abend an. Ich versuche mich da kurz zu fassen, aber es wird textlastig. 😛 😉
Wir stoßen mehrfach an, alle trinken, nur Bashin setzt sein Glas jedesmal wieder ab ohne zu nippen. Wir fragen ob er gar keinen Alkohol trinkt und so geht es los, dass wir viel erfahren über Botswana, Land und Leute.
Mit den eigenen Eltern oder vor älteren zu trinken, das gehört sich einfach nicht. Das macht man nur unter Freunden und er ziert sich, außerdem muss er ja morgen früh raus um unser Frühstück zu machen. Theo neckt ihn und lacht sich jedesmal kaputt und es braucht etwas Überredungskünste vom "Boss", dass Bashin locker wird und sogar mal nippt nach dem Anstoßen.
Früher hat ihn seine Mutter immer mit dem Stock geweckt. Sie hat an die Tür geschlagen und gerufen "Aufstehn, aufstehn, aufstehn Bashin"... er hat dann das Badewasser am Fluss geholt und ist danach zur Schule. Theo meint, er würde nicht trinken, weil er dann Angst hat zu verschlafen und wir versichern Bashin, dass wir mit dem Stock an seine Tür schlagen, wenn wir nix zum Frühstücken haben. Ab da waren die Dämme dann echt gebrochen und gerade Bashin erzählte uns viel über sein Leben etc., z.B. das er nie nach Rezepten kocht, sondern immer nur nach dem Geruch. Er weiß dann einfach sofort was fehlt und so ist jedes Gericht einmalig. 🙂
Als er sich beworben hatte, kannte Theo ihn schon aus dem nationalen TV, denn Bashin war in der Jugend Tänzer in einer bekannten Truppe und öfter im Fernsehen zu sehen. Er hat 2 Töchter und fährt wann immer er frei hat erst 12 Stunden zu der einen und besucht dann weitere 12 Stunden Autpfahrt später die ältere, die in der Hauptstadt zur Schule geht. Seinen Töchtern soll es an nichts fehlen und er ist stolz, dass sie wissen, dass er ihr Papa ist. Und später einmal, da wird er viel Geld für die beiden bekommen. 😐 🤨
Tja so ist es... Theo ist ja nicht verheiratet, aber die Frauen aus seinem Stamm sind aber auch die teuersten. Bashin kann da nur beipflichten, aber es sind auch die besten. Sehr gute Elternhäuser und eine gute Ausbildung. Um das Thema und die verschiedenen Hochzeitsbräuche geht es wohl einen großteil des Abends. Natürlich "kauft" oder "verkauft" man keine Frauen in Botswana, aber die Mitgift entrichtet man eben an den Brautvater und das ist sehr teuer. Viele junge Botswani lassen sich deshalb außerhalb des Landes trauen, um diese Tradition zu umgehen, dass finden aber beide nicht gut.
Immerhin, eine Mitgift in Theos Stamm sind 15-20 Kühe, was pro Kuh gute 400$ ausmacht. 😮
Damit nicht genug, er muss dann auch neue Hochzeitsanzüge und Schuhe ("JA SCHUHE, das ist wichtig..." kommentiert Bashin") 😄 für die Großeltern, Vater, Cousins etc. pp. kaufen. Außerdem Essen und Getränke für das ganze Dorf und so eine Feier geht tagelang. Das Hochzeitszelt steht schon Tage vorher da und viele kommen vorbei und bleiben einfach so lange bis alles Essen und Trinken leer ist.
Und wenn man das alles schon investiert hat, dann
"Mosadi wa tsama", frei übersetzt, "die Frau ist weggelaufen". Der traditionelle Brautlauf, irgendwann, ohne Vorankündigung nimmt die Braut Reißaus und läuft nach Hause. Die Familie des Bräutigams jagt sie und versucht sie vorher zu fangen. Schafft sie es bis nach Hause, dann bringt es Unglück für die Ehe. Ich vermute mal, dass die meisten Bräute wohl keine besonders schnellen Läuferinnen sind. 😗
So geht es hin und her an diesem Abend. Wir erzählen Traditionen aus Deutschland bei denen die beiden den Kopf schütteln, sie erzählen aus ihrem Leben und wir schütteln genauso oft den Kopf. Es ist einfach richtig schön und während der Abend vergeht stößt Theo mit uns an.
"Pula!!!"Pula als Trinkspruch wird gerne sehr förmlich benutzt, z.B. bei der Fernsehübertragung zum Geburtstag des Präsidenten. Da Pula auch Regen heißt, ist es eben ein wichtiges Gut im Land. Ansonsten sagt man eigentlich Cheers. In einer geselligen Runde wird Pula als Trinkspruch nur unter Freunden verwendet und wenn man damit auch Respekt dem anderen gegenüber ausdrücken möchte. 😊
Wir verabschieden uns ins Bett, erinnern Bashin augenzwinkernd, dass wir ihn mit dem Stock holen, wenn es keinen Kaffee gibt und er versichert da zu sein. Er müsse nämlich noch unbedingt ein Foto mit uns machen für seine WhatsApp Gruppe. Da macht jeder Fotos, die die anderen nachmachen müssen. Er mit 4 Touristen aus Deutschland im Arm, da gewinnt er die nächste Runde bestimmt. 😄
Ein toller Abend, mit tollen Leuten. Unsere Zählung macht einen ordentlichen Sprung an diesem Tag. 😎
Sala Sentle,Robin & Mara