JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202111. Feb. 2022 ·
Boca Tapada 3. Fortsetzung
Der Regen fesselte uns an die Lodge. Wir haben keine geführte Wanderung durch das Lodge-Reservat gemacht und auch keinen Ausflug auf dem Fluss, so wie ich das ursprünglich vorhatte. In den kurzen Abschnitten, in denen es trocken blieb, bin ich an der Lagune entlang marschiert, denn in dem Buch von Bence Maté habe ich Fotos gesehen von einem über das Wasser laufenden Basilisken, grandiose Bilder. Auch hier liegt übrigens die Vermutung nahe, dass der Fotograf der Natur etwas nachgeholfen hatte, denn das übers Wasserlaufen ist ein Fluchtverhalten der Basilisken. Ich vermute mal, dass die Basilisken in irgendeiner Weise zu diesem Verhalten provoziert wurden – heißt zumindest aufgescheucht, das war keine zufällige Begegnung, da sich der Fotograf dafür extra ins Wasser begeben hat, um auf Augenhöhe des Basilisken zu sein.
Das Ehepaar Great Curassow / Tuberkelhokko traf ich im Garten
Irgendwo müssen sie sein, also Augen auf! Meine Suche mit Fokus auf Basilisken wurde belohnt, von weitem sahs aus wie ein übrig gebliebenes Blatt im braunen Gestrüpp über dem Wasser.
Regungslos sass er auf den kleinen Ästchen, ich bin schnell ins Zimmer um das Stativ zu holen, denn es wurde schon dämmrig. Nach Einbruch der Dunkelheit bin ich nochmals los, hatte mir einen kräftigen Strahler an der Rezeption ausgeliehen, und habe vom Basilisken diese Aufnahme hinbekommen. Das gleiche Spiel am folgenden Morgen, unser Abreisetag. Der Basilisk sass immer noch regungslos im Gestrüpp, also noch’n paar Fotos geschossen. Zusätzlich habe ich ein weiteres Exemplar am gegenüber liegenden Ufer entdeckt, war aber leider zu weit entfernt für ein gutes Foto, hier nur ein Beweisfoto.
Schildkröte Green Kingfisher
Noch ein paar weitere Fotos, bevor wir abfuhren zum nächsten Stop
Northern Jakana / Gelbstirnblatthühnchen
Pascalinah2’772 Beiträge · seit 200611. Feb. 2022 ·
Hallo JP, na, du brauchst dich doch wirklich nicht mit deinen Fotos verstecken! Zum guten Fotografieren braucht man nicht nur eine Profiausrüstung - die allein macht noch keine guten Bilder - sondern auch einen guten Blick. Und den hast du! Ich lese gespannt deinen Bericht mit. CR ist ja auch noch auf meiner To-do-Liste, die Route haben ich soweit auch schon geplant. Aber solange wir uns mit Corona rumplagen müssen, buche ich keine Fernreise mehr. Im März noch mal knapp 4 Wochen Namibia (die verschobene Reise von 2021) und dann wars das erst mal mit Flugreisen.
Lieben Gruß und ich freue mich wie es bei dir weiter geht. Pascalinah
Mega die froggys! 🙂 Naiverweise hatte ich gedacht, die Fotos dort wären alle natürlich entstanden. Aber klar, dass durch die hohe Nachfrage immer mehr solche Settings entstehen.
zumindest die roten Pfeilgiftfrösche und auch die fotogenen Rotaugenlaubfrösche findet man dort glücklicherweise relativ leicht auch in freier Natur. Die Pfeilgiftfrösche sitzen im Regenwald unter dem Laub versteckt, bei allen Wanderungen durch den Regenwald bei Boca Tapada haben wir sie gesehen. Die Guides wissen genau, wo sie suchen müssen, das gilt auch für die Rotaugenlaubfrösche, die flaches Wasser brauchen und dann auch sesshaft sind, wenn einen geeigneten Platz gefunden haben.
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202120. Feb. 2022 ·
Nach ein paar Wellness-Tagen im Bayrischen Wald gehts jetzt weiter!
Monteverde
Nachdem wir uns in La Fortuna in den letzten Tagen einige Male verfahren hatten, weil die Ticos nicht viel Wert auf Richtungsschilder legen, kannten wir die Gegend nun sehr ausführlich und sind nur in Pital etwas herumgeirrt, aber durch La Fortuna ging es ohne uns einmal zu verfahren in Richtung Monteverde. Die Hinweisschilder der German Bakery auf dem Weg dorthin konnte man gar nicht übersehen, also haben wir dort angehalten und uns etwas gestärkt. German Bakery, na ja… so in etwa muss sich der aus China kommende Besucher auch bei uns fühlen, wenn er zum gemeinen Dorf-Chinesen in Deutschland geht.
Das Wetter war einfach öde, Regen, Regen, Regen. Wir haben uns für einen Skywalk im Selvatura Park entschieden, das Leben in den Baumkronen soll ja phänomenal sein, alles spielt sich oben ab, keiner geht mehr auf dem Waldboden, so hört man. Der Park, in dem man auch Zipline fahren kann, bietet 8 Hängebrücken auf Höhe der Baumwipfel, und wir sind diese innert 2 Stunden abgelaufen.
Leider haben wir in den Baumkronen so viel Leben gesehen wie auch auf dem Waldboden, nämlich recht spärlich. Hätten wir nicht an einer der Hängebrücken eine Horde Brüllaffen angetroffen, hätten wir gar keine Fauna gesehen. Das liegt sicherlich auch daran, dass die Brücken einige Meter von den Bäumen entfernt sind, und man weiss gar nicht wohin man schauen muss, um tierisches Leben zu entdecken. Vielleicht bucht der nächste hier mal einen Guide, vielleicht kommt dann mehr Leben in die Bude.
Es hat mich erstaunt, wie ungelenk sich dieser Affe vom Baum zum Stahlgerüst gehangelt hat, das hätte auch ein Mensch nicht ungeschickter anstellen können.
Die Zipliner haben wir mehr gehört als gesehen bei dem dicken Nebel. Monteverde ist für seinen Nebelwald bekannt, d.h. vor Nässe triefende Wolken, die an den Bergen hängen und die Sicht auf die umliegende Gegend verhindern, und das für mindestens 2/3 des Jahres. Zumindest diese Attraktion haben wir voll erfahren dürfen. Nachmittags bin ich dann nochmal alleine, wieder in der Nähe des Selvatura Parks, einen kleinen verkehrsarmen Waldweg, der zu irgendwelchen Hütten führte, gegangen in der Hoffnung auf etwas Leben. Die fotografische Ausbeute waren die folgenden 2 Kleinvögel.
Costa Rican Warbler?
irgendein Flycatcher?
Abends riss doch tatsächlich die Wolkendecke auf, und es bot sich ein netter Anblick.
Champagner8’797 Beiträge · seit 201020. Feb. 2022 ·
JP K schrieb: Costa Rican Warbler?
Hier würde ich mal den Three-striped Warbler in den Ring werfen.....
Danke fürs Weiterberichten - Regen haben wir hier zwar auch mehr als genug, aber die Wärme und die bunte Tier- und Pflanzenwelt schwächeln ein bisschen 😗 !
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202120. Feb. 2022 ·
Liebe Bele, vielen Dank für Deine Einschätzung, welche mich zu einer Nachfrage veranlasst. Laut englischem Wikipedia wurde der Costa Rican Warbler und der Three-striped Warbler früher als artgleich angesehen (aufgrund des gleichen/ähnlichen Aussehens?). Der Three-striped Warbler soll im nördlichen Südamerika beheimatet sein, während der Costa Rican Warbler in Corsta Rica und Panama vorkommt (sowohl nach Wikipedia als auch nach ebird.org). Was spricht trotzdem für Deine Einschätzung als Three-striped Warblers?
Champagner8’797 Beiträge · seit 201020. Feb. 2022 ·
Da weißt du mehr als ich 🙂 . Ich bin nach meinem Bestimmungsbuch gegangen, welches den Three-Striped Warbler (Basileuterus tristriatus) aufführt. Der sitzt aber tatsächlich in Südamerika, wie du schreibst. Wieder was dazugelernt, danke!
Der Basileuterus melanotis (Costa Rican warbler oder Black-eared Warbler) müsste dann stimmen! Sorry für die Verwirrung! Ich werde mal den Verlag meines Buches anschreiben....
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202120. Feb. 2022 ·
Champagner schrieb:Da weißt du mehr als ich 🙂 . Ich bin nach meinem Bestimmungsbuch gegangen, welches den Three-Striped Warbler (Basileuterus tristriatus) aufführt. Der sitzt aber tatsächlich in Südamerika, wie du schreibst. Wieder was dazugelernt, danke!
Der Basileuterus melanotis (Costa Rican warbler oder Black-eared Warbler) müsste dann stimmen! Sorry für die Verwirrung! Ich werde mal den Verlag meines Buches anschreiben....
LG Bele
Ich frage mich ja, warum diese beiden Arten überhaupt gesplittet wurden, wenn sie sich doch nicht unterscheiden. Aber das müssen mal die Biologen beantworten, wann es gerechtfertigt ist, eine neue Art einzuführen.
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202120. Feb. 2022 ·
Für abends hatte ich einen Nightwalk gebucht über unser Hotel. Der Veranstalter (Kinkajou) holt die Teilnehmer mit einem Kleinbus der Reihe nach aus ihren Hotels ab und bringt sie in das Nightwalk-Gebiet. Dies ist privates Gelände, in dem die Walk-Gruppen in drei Schichten (18:00, 20:00, 22:00 Uhr) durch den Wald geführt wurden. Wir waren 8 Personen in einer Gruppe, und es gingen 3 Gruppen in meiner Schicht um 20 Uhr durch den Wald. Nach der etwas frustrierenden Tagestour mit sehr wenigen Sichtungen hatten wir hier fast schon Sichtungsgarantie, denn die Guides wissen welches Tier sich wo aufhält, und der Walk hinterlies ein wenig den Eindruck, dass wir die Punkte wie anhand einer Checkliste abliefen. Aber trotzdem, es war interessant und sehr empfehlenswert. Green parrot snake irgendeine Viper
Von einigen Tieren wie vom Stachelschwein und vom Oppossum konnte ich keine vorzeigbaren Bilder schiessen. Vor dem folgenden Sechsbeiner standen wir als Gruppe im Halbkreis, ohne es erkannt zu haben, obwohl der Guide uns darauf hingewiesen hatte, dass es ein Tier zu sehen gibt. Selbst als er seinen Lichtstrahl direkt auf das Insekt hielt, hat es keiner aus der Gruppe entdeckt. Stabinsekt
Bark scorpion im Schwarzlicht der gleiche Skorpion im weissen Licht blue-crowned motmot rufous-eyed stream frog Vogelspinne
Abfahrt nach 2 Nächten aus Monteverde. Mein Fazit zu diesem in den Reiseführern als Highlight angepriesenen Gebirgsdorf: kann man machen, muss man aber nicht.
Ich weiss nicht, ob es Euch genauso geht. Es gibt bestimmte Bilder aus der Kindheit, die sich in meinem Gedächtnis eingebrannt haben und mich seit etwa 50 Jahren begleiten. Meine Eltern hatten mir, als ich anfing zu lesen, ein Kinder-Sachbuch geschenkt. Ich glaube das Erscheinungsjahr war Anfang der 1970er, denn es enthielt ein Bild des in Fertigstellung befindlichen Sydney Opera House. Ich war als Kind damals schockiert, wie man nur ein so häßliches Haus bauen konnte. Als ich dann im Jahr 2000 leibhaftig vor der Oper stand und sogar eine Aufführung in diesem Haus besuchte, überkam mich eine große Befriedigung, dieses innere Bild aus der Kindheit mit dem realen Leben abgleichen zu können, und ich empfand das Opernhaus gar nicht mehr häßlich, sondern war so begeistert von dessen Anblick, dass ich jeden Abend meines Sydney-Aufenthaltes dort vorbei gegangen bin.
In diesem Kinderbuch war auch eine Abhandlung und ein Bild von der Panamericana, wie sie sich durch Mittelamerika schlängelt. Das Buch habe ich nicht mehr, aber nach meiner Erinnerung war es ein Foto mit die Strasse einhüllenden hohen Bäumen. Auch dieses Foto kann ich mein Leben lang nicht vergessen, und ich finde es wahnsinnig toll, dass ich jetzt tatsächlich diese Panamericana entlang gefahren bin unter hohen die Strasse einschliessenden Bäumen. Ein Gänsehautmoment meines Lebens. Vielleicht können die Älteren unter Euch mir mal verraten, ob die Panamericana in den 70er Jahren bereits asphaltiert war oder ob es damals noch Schotterpiste war, an dieses Bild-Detail kann ich mich nämlich nicht mehr erinnern.
Mein Foto habe ich irgendwo in der Ebene, aus Monteverde kommend, vor El Roble geschossen. Später im Gebirge der Cordillera Talamanca gen Süden gab es dann nicht mehr diesen Anblick, die Bäume hatten einen niedrigeren Wuchs, und über der Straße war eigentlich fast immer ein Streifen Himmel.
Das dritte und letzte Bild aus diesem Kinderbuch, das sich bei mir eingebrannt hat und ich nicht vergessen kann, ist übrigens eine sehr hohe, aus langen Baumstämmen gefertigte Kinder-Schaukel, auf der Indianer-Kinder schaukelten, und diese Schaukel stand direkt vor einem gewaltigen Berg-Abgrund. Die Perspektive des Fotos war so gewählt, dass das schaukelnde Kind bereits über dem Abgrund schwebte. Diese Geschichte spielte irgendwo in den USA, diesen Ort kann ich nicht mehr rekonstruieren, daher wird mir dieses Bild wohl niemals im richtigen Leben begegnen, zumal die Schaukel sicherlich nicht mehr steht.
Die Panamericana heisst in Costa Rica Inter-American Highway und bietet in diesem Land den dem Himmel nächstgelegenen Streckenabschnitt, aber dazu später. Heutiges Fahrtziel ist San Gerardo de Dota im Quetzales National Park; wir werden dort 4 schöne Nächte im Savegre Hotel verbringen.
interessant, Deine Einschätzung zu Monteverde. Wird ja in jedem Reiseführer (zumindest in denen, die ich gelesen habe) als Highlight angepriesen. Mit diesen Funaktivitäten (Ziplining) im Regenwald kann ich so gar nichts anfangen.
Aber zumindest die Nachttour war dann doch ergiebig für Euch. Die Stabheuschrecke ist klasse, die Aufnahme von der Spinne hat auch etwas.
Wie war die Unterkunft in Monteverde?
Hallo Bele,
welches Bestimmungsbuch verwendest Du für Costa Rica?
Viele Grüße Sabine
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202121. Feb. 2022 ·
Hi Sabine,
also Ziplines sind eigentlich ganz cool, das haben wir mal vor ca. 14 Jahren in Thailand gemacht, da waren wir noch 14 Jahre jünger. Viel Krafteinsatz braucht man da nicht, aber mittlerweile wäre es mir trotzdem zu umständlich, und wenn man im Urlaub auf Wildlife fixiert ist, dann kommen einem Ziplines schon komisch vor. Aber: das kann schon Fun sein, nur keine falsche Zurückhaltung 😎
Die Unterkunft Monteverde Country Lodge ist im Zimmer recht einfach und funktional gehalten mit großem WC- und Duschbereich. Wir hatten keine Heizung oder Aircon im Zimmer, abends wurde es entsprechend frisch, wir sind dann schnell ins Bett. Die Anlage war zweistöckig, ein wenig verschachtelt angeordnet, eigentlich ganz nett wie eine gewöhnliche Wohnanlage, kein großer Hotelklotz, aber auch kein Lodgefeeling. Morgens Frühstück ist inclusive, abends kann man a la carte einfache Gerichte bestellen. Morgens und abends war es im Restaurant recht kühl, geheizt wurde mE nicht. Zum Ausblick kann ich nichts sagen, da es ständig Nebel oder Regen war. Die Lodge liegt am Rande des Dorfes Santa Elena, recht im Grünen. Es gibt sehr viele Unterkünfte in dem Dorf, das ja nicht groß ist. Du wirst ja sowieso nur max 2-3 Nächte dort verbringen, die Gegend ist nix für einen längeren Aufenthalt auch wegen des Wetters, daher würde ich mir keine großen Gedanken um die Unterkunft dort machen.
Ich hatte mir übrigens als Bestimmungsbuch das Wildlife of Costa Rica gekauft, weil es auch Säugetiere, Reptilien, Insekten etc enthält. Es enthält 226 Vogelarten, das ist nur 1/4 aller Vogelarten in Costa Rica, aber ich bin trotzdem erstaunlich weit damit gekommen, vielleicht waren 15-20 meiner Sichtungen nicht im Buch enthalten. Es beschleicht einem allerdings immer das Gefühl, evtl doch falsch bei der Bestimmung zu liegen, weil der umfassende Überblick nicht gegeben ist.
Super, vielen Dank, JP für die ausführliche Antwort.
Viele Grüße Sabine
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202123. Feb. 2022 ·
Quetzales National Park Die Fahrt auf der Panamericana ging zuerst entlang der Route 1, bevor auf die Route 2 zu wechseln ist. Das Problem daran: das passiert irgendwo im Stadtzentrum von San Jose. Wo genau, das hat sich mir nicht erschlossen, die Route 1 ging mehrspurig nach San Jose hinein und mit der Zeit wurde sie immer schmaler bei stop-and-go Verkehrsdichte, bis sie im Zentrum allmählich zu einer normalen Strasse schrumpfte. Wir haben offensichtlich den Abzweig verpasst und befanden uns irgendwann in vorstädtischen Gebieten Richtung Cartago. In Cartago haben wir dann einem Polizeibeamten nach der Route 2 gefragt, und dann ging es wieder. Hinter Cartago ging es hinauf ins Talamanca-Gebirge auf der einspurigen Route 2. Einspurig + bergauf = Schrittempo, da der ganze Schwerlasttransport über das Gebirge muss. Teilweise Stau, weil ein LKW umgekippt war, beladen mit Imperial-Bierkisten. An der Unfallstelle roch es ziemlich nach Kneipe. Irgendwann war der Anstieg auf die Bergkette geschafft, ab dann entzerrte sich der Verkehr und es ging zügig voran.
Einige Kilometer vor dem Abzweig nach San Gerardo de Dota
Die Strecke von knapp 240km hat uns so einen ganzen Tag gekostet. Die Abfahrt in das Tal von über 600 Höhenmeter war recht steil, ich hatte den Eindruck, die Bremsleistung ließ immer mehr nach, war aber nur so ein Gefühl, am nächsten Tag war wieder alles normal.
Das Savegre Hotel ist das am tiefsten gelegene der größeren Hotels. Es hat schön angelegte Gärten, in denen zumeist Kolibris die Gäste zu fotografischen Höchstleistungen anspornen. Wir hatten das romantic package gebucht, Halbpension mit 2 Massagen. Meine Massagen habe ich an meine Frau abgetreten, ich mache mir nichts aus Massagen, und meine Frau ist verrückt danach. Aufgrund der Gebirgslage ist die Luft klar, tagsüber kann man im T-Shirt laufen, nachdem die Sonne untergegangen ist, kühlt es merklich ab. Wie in allen anderen Hotels auch, haben wir uns nachmittags den Kaffee auf dem Zimmer, der in Portionspäckchen daher kommt, schmecken lassen, einen Wasserkocher gab es dafür auch in allen Hotels. Am besten hat mir der Kaffee der Marke Britt geschmeckt, der übrigens am Flughafen in der Abflughalle in einem riesigen Verkaufsladen sehr teuer verkauft wird. Hauptgebäude mit Rezeption und Restaurant direkt vor unserem Cottage unsere Cottage-Reihe
Das Hotel führte zwar nicht Lodge im Namen, es kam aber mehr Lodge-Feeling auf als in der Monteverde Country Lodge. Die Verpflegung war hier wohl das beste, was wir auf unserer Reise hatten, das Ambiente war auch gehoben im Vergleich zu den meisten anderen Unterkünften.
Warum fährt man nach San Gerardo de Dota? Natürlich wegen des Göttervogels, den Quetzal. Man kann dafür einen Guide über das Hotel buchen, was wir auch getan haben, wir wollten nichts dem Zufall überlassen, sondern Sichtungsgarantie. Anscheinend kostet so ein Guide, der unabhängig vom Hotel auf eigene Rechnung arbeitet, unterschiedlich je nach Hotel, und hinterher habe ich im Internet gelesen, dass das Savegre Hotel den höchsten Preis anbietet, wir haben 90 Dollar gelöhnt. Dafür geht es dann auch um 5:15 Uhr, eingepackt in dicken Klamotten, die den einstelligen Temeraturen trotzen, im Jeep 3km die Strasse wieder hinauf. Am Ziel angekommen, stiegen wir aus und: warteten mit einer Menschenansammlung von ca. 30 Personen an einem wilden Avocadobaum direkt an der Strasse. Ausgerüstet mit Feldstechern und Riesenkameras, manchmal auch mit Handys, warteten die Touristen darauf, dass ihre Guides ihnen den Quetzal präsentierten. Die Guides hatten allesamt jeweils ihre Spektive auf Stativ geschnallt einsatzbereit, unser Guide hatte noch ein Lautsprecher dabei, um den Quetzal anlocken zu können. Auf der Strasse war ein weisser Strich gezogen, der die voyoristische Meute davon abhalten sollte, dem Avocadobaum zu nah auf die Pelle zu rücken. Denn der wilde Avocado ist die Lieblingsspeise des Quetzals, und der Quetzal liebt es nicht, wenn Menschen dem Baum zu nahe kommen, denn dann bevorzugt er es, dem Baum fern zu bleiben.
Und tatsächlich, die Göttlichen zeigten sich, nachdem die Rufe aus dem Transistor der Batterie schon mächtig zugesetzt hatten. Zuerst in Gestalt der Frau Gemahlin, plötzlich, niemand hatte sie kommen sehen, war sie mitten unter uns, bzw. genauer gesagt über uns, sass auf der Stromleitung, begutachtete ihre Fans von oben herab, bevor sie sich dem Avocadobaum widmete.
Regungslos starrten und fotografierten wir. Spektakulärer war das Herabschweben ihres Göttergatten, denn der wurde von weitem schon erspäht. Und es kam Bewegung in unsere Menschengruppe, gleich einer La Ola Welle im Stadion. Denn der männliche Vogel hielt nicht schnurstracks auf den Avocadobaum zu, sondern – wo ist er hin? Die Guides wechselten ihre Stellung und suchten die Hangböschung ab, und alle taten es den Guides nach. Die Guides huschten zurück zum Avocadobaum, und alle Jünger taten es ihnen nach. Wieder zurück zur Hangböschung, ein flüchtiger Moment im Glanz der aufgehenden Sonne nur, aber er reichte aus:
Dafür hat es sich allemal gelohnt, zu nachtschlafener Zeit den Wecker zu stellen. Wo ist er nun hin? Alle wieder zurück zum Avocadobaum, doch er sass auf der gegenüber liegenden Strassenseite im Baum.
Auch dort nur Sekunden, dann wechselte er wieder den Baum.
Und dann war die Show vorüber. Die beiden waren nicht mehr auffindbar und würden den heutigen Tag nicht mehr wiederkommen. Erst morgen früh um die gleiche Zeit wieder wird die Chance auf ein Wiedersehen bestehen. Wo sie hin sind? Was sie tagsüber so machen? Unser Guide meinte, irgendwo tief im Gebirgswald, wo kein Pfad hinführt, führen sie ihr Leben, ungestört von der menschlichen Zivilisation. Götter eben, die weilen ja auch nicht unter uns, sondern schauen dem menschlichen Treiben von oben mit distanziertem Amusement zu.
Unser Guide konnte sehr geschickt mit seinem Spektiv umgehen, ein Handyphoto durch sein Spektiv sah beeindruckend scharf aus:
Und nun noch die notwendige dröge Wissensvermittlung über den Quetzal: Der Quetzal gehört zur Familie der Trogone. Nur dem männliche Quetzal wachsen die Schwanzfedern lang, die bis zu 80cm Länge erreichen können, und auch das nur zu Zeiten der Balz. Bei den Mayas galt noch das Gesetz, wer einen Quetzal wagte zu töten, musste selbst mit der Todesstrafe rechnen. Ja, so war das in der guten alten Zeit! Es gibt übrigens laut Wiki 2 Unterarten von Quetzales, alle leben in den Bergwäldern Mittelamerikas, und die in Costa Rica vorkommende Art ist der Resplendent Quetzal. Nach anderen Quellen gibt es bis zu 6 Unterarten. Auch Monteverde rühmt sich des Quetzals, wir haben ihn aber dort nicht gesehen.
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202123. Feb. 2022 ·
Zurück im Hotel nach 1 ½ Stunden Quetzal Hype haben wir uns erst einmal am Frühstückstisch ausgiebig gestärkt. Danach steht uns der Tag zur Verfügung, vormittags in Form des Hotel-eigenen Gartens. Am Hauptgebäude hängt ein Futterspender für Kolibris, der eignet sich hervorragend zum üben. Hier mal ein Foto am mit Futtertrog. Natürlich sieht so ein Foto mit Plastik drauf doof aus, daher präsentiere ich des weiteren Fotos, auf denen der Futtertrog geschickt aus dem Bild geschnitten wird 😄 Green violet ear
Aber natürlich sind mir auch Fotos gelungen abseits des Futtertrogs - ich hoffe meine Bestimmungen sind zutreffend, ansonsten bitte ich um Hinweise White-throated mountain gem Rufous-collared sparrow Scintillant hunningbird female / Orangenkehlelfe Dieser Kolibri kroch praktisch über die Pflanzen rüber mit schlagenden Flügeln, er mag kleinwüchsige Pflanzen wie er selber auch eher ein kleiner Vertreter der Kolibris ist
Dieser Green-violet-ear Kolibri baute grade sein Nest in einem Rosenbogen-Gestell.
Wilson warbler female / Mönchswaldsänger
Ein kleiner Spaziergang aus dem Hotel heraus die Strasse runter war nicht sehr ergiebig, die Strasse hörte nach ca. 1km vor einem Privatgrundstück auf, der südlichste Punkt der Häuseransammlung San Gerardo.
Wir haben einen kleinen Abzweig von der Strasse gefunden, von der ein Wanderweg sich in den Bergwald schlängelte. Er führte zu einem kleinen Gebirgsbachlauf, insgesamt waren wir dann 2 Stunden unterwegs. Yellow-thighted brushfinch / Gelbschenkel-Buschammer fasciated tiger-heron / Streifenreiher yellowish flycatcher / Gilbufertyrann
Zurück im Hotel noch ein letzter Kolibri, bevor es zur Kaffee-Routine im Hotelzimmer ging. purple-throated mountain gem / Purpurkehlnymphe
Hi JP K! Deine Kolibrifotos sind wunderschön! 🙂 🙂 Vielen Dank dafür! LG Kathrin
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202124. Feb. 2022 ·
Vielen Dank Kathrin für Dein Lob, es geht auch sofort weiter.
Quetzales National Park 1. Fortsetzung
Am nächsten Morgen das gleiche Spiel: der Wecker klingelt früh, und diesmal weiß ich ja, wo ich den Quetzal finde auch ohne Guide. Also mit eigenem Auto los, unser Guide von gestern ist mit einem anderen Kunden dort, erkennt mich und gibt dann auch mir einige Tipps bei der Suche. Erst einmal passiert aber gar nichts, nur ein Black Guan steht auf der Wiese rum, dort wo auch ein Esel in der Früh sein penetrantes Wiehern nicht lassen kann, es klingt als würde er abgestochen werden. Black Guan
Heute hatten die zahlenden Kunden nicht viel Glück mit der Quetzalsichtung, für mich reichte es ausschliesslich für dieses Schattenphoto. Hätte ich heute für den Guide zahlen müssen, ich wäre arg enttäuscht gewesen, 1 ½ Stunden für dieses eine Foto, wobei der Vogel schon anwesend war, er hat allerdings Schabernack mit den Touris getrieben und hat nie richtig still gesessen. Ehe die Kamera im Anschlag war, war er schon wieder zum nächsten Baum unterwegs.
Das Spiel „wo ist der Quetzal hin?“ bedeutet ja immer, dass wir alle den Guides hinterher rennen, die ihn aber auch nur für Sekunden sehen. Kaum hat man die Guides eingeholt, die sich an verschiedenen Punkten der Strasse positioniert haben und dann bei Sichtung alle verständigen, hat der Quetzal den Abflug gemacht.
Meine Frau blieb im Bett, wir haben uns am Frühstückstisch verabredet. Danach wieder auf der Pirsch in die Gärten. black-faced solitaire / Maskenklarino green violet-ear green spiny lizard - auch wenn er nicht grün ist green violet-ear long-tailed silky flycatcher
Nachmittags sind wir auf den hoteleigenen Pfaden gewandert. Das Hotel rühmt sich damit, aber ich glaube es kann jeder drauf wandern auch ohne Eintritt zu bezahlen. Es geht den Berg hoch, man kann einige Stunden auf verschiedenen Wegen bergauf verbringen.
Wildtierkameras haben wir in Costa Rica einige gesehen, so auch hier. Wir wissen nicht, was die Kameras so alles einfangen, aber ich gehe mal stark davon aus, dass auch Pumas und Jaguare dabei sind. Manchmal sind es aber auch blanke menschliche Hintern, die auf der Suche nach einem geeigneten Pinkelplatz der Kamera zu spät Gewahr werden… Collared trogon / Jungferntrogon
Der Baumläufer pickt sich die Insekten aus dem Moos oder Stamm heraus, und wirft sie sich in hohem Bogen in den Schlund, da ja der Schnabel ziemlich lang ist. Ähnlich gehen die Tukane mit Beeren oder Bananenstücken vor.
Das Wetter war die 4 Tage über fast beständig regenfrei, aber zumeist wolkenverhangen. Die Luft war angenehm trocken aufgrund der Höhenlage, eine Wohltat nach den feuchtklebrigen Tagen in den tiefer gelegenen Zielen zuvor.
Abends im hoteleigenen Restaurant
Übrigens hat unser Zimmer eine Aircon, mit der wir abends das Zimmer beheizt haben. Ansonsten würde es spätestens ab 18 Uhr unangenehm kalt werden.
JP K schrieb:Manchmal sind es aber auch blanke menschliche Hintern, die auf der Suche nach einem geeigneten Pinkelplatz der Kamera zu spät Gewahr werden…
Hmm....wem das wohl passiert ist??? 😎 😄 😛
Danke für den schönen Bericht, bisher zeigt er inetwa die Route die wir auch schon für die zweite CR-Reise ins Auge gefasst haben.
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202125. Feb. 2022 ·
picco schrieb:Hoi JP K
JP K schrieb:Manchmal sind es aber auch blanke menschliche Hintern, die auf der Suche nach einem geeigneten Pinkelplatz der Kamera zu spät Gewahr werden…
Hmm....wem das wohl passiert ist??? 😎 😄 😛
war mir irgendwie beim Schreiben schon klar, dass Du derjenige sein wirst der drauf anspringt 😗
JP KThemenstarter393 Beiträge · seit 202125. Feb. 2022 ·
Quetzales National Park 2. Fortsetzung
Der Tag beginnt, die Zeit verrinnt, er zögert noch ein wenig Da ist der Schweif Es ist kein Greif, Rumms – es fällt der… So ähnlich hätte mans singen können (frei nach Trio), aber der Quetzal macht sich rar. Und dafür wieder so früh aufgestanden und die Beine in den Bauch gestanden an der weissen Linie auf dem Asphalt. Er zeigt sich, sogar für Minuten, aber er sitzt weit hinten im Dickicht der Bäume, man kann seine Silhouette und die Farbenpracht nur erahnen. Dafür gebe ich keinen Speicherplatz her, ich habe ja schon recht akzeptable Fotos.
Also müssen nach dem Frühstück wieder die Kolibris im Garten dran glauben als Ersatz für den Quetzal. purple-throated mountain gem female green violet-ear
Heute ist Abreisetag, aber nicht ohne meinen Quetzal! Wecker auf 5 Uhr, rein in die warmen Klamotten, Auto im ersten und zweiten Gang den Berg hoch zur weissen Linie am Avocadobaum. Ich komme fast zu spät, der Vogel ist heute überpünktlich, ich habe Angst dass der Stativaufbau zu lange dauert, hastig wird alles zusammengeklickt, die Beine ausgefahren, angepeilt – und Schuss! Insgesamt zeigen sich kurz hintereinander drei Quetzale: ein Weibchen, ein Männchen mit kurzem Schwanz und ein Männchen mit langem Schweif.
Er fliegt auf eine Anhöhe an den Rand des Waldes weit entfernt von der Strasse, und ich nehme mir vor, ein Flugfoto zu versuchen. Es wird nicht gut werden, dafür ist er viel zu weit weg. Entgegen der Erfahrungen am Avocadobaum hat er jetzt die Ruhe weg und bewegt sich fast 20 Minuten nicht vom Ast. Irgendwann ist es so weit und ich erwische ihn im Abflug.
Tschüß Savegre, es waren schöne Tage im Tal des Quetzals.
Auf der Route 2 ging es dann hoch zum höchsten Punkt der ganzen Panamericana Nord-, Müttel- und Südamerikas, es war nicht weit vom Quetzal Nationalpark entfernt.
Ich hatte gehofft, bei gutem Wetter sowohl die Karibik- als auch die Pazifikküste sehen zu können, aber das Wetter spielte nicht mit, es war neblig oder wolkig. Danach ging es beständig seicht abwärts.
Ein kleiner Zwischenstop in Palmar Norte zum Mittag in einer Fastfood-Pizzeria. Auch hier vorbildliche Einhaltung der Hygienevorschriften.