Air Namibias Lizenz läuft heute ab

85 Antworten · 12,9k Aufrufe · gestartet 16. Juni 2014 von Guido.
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350 Beiträge · seit 201417. Juni 2014 ·
Hallo Cora.

Ein paar Aspekte sind:
- Mit welcher Auslastung fliegt AN? So 90% über alle Flüge muss es schon sein, um in die Gewinnzone zu kommen.
- Wie teuer ist die Wartung? Haben die ein Wartungscenter für eine Handvoll Flugzeuge pro Tag, oder (wie LH) für 100'e pro Tag? (Der Unterschied pro Flugzeug ist gigantisch: der Hangar und die Geräte, Werkzeuge, Instrumente etc. kosten mit Abstand das meiste ... lege das mal auf 100 Flugzeuge rund um die Uhr um statt nur ein paar)
- Der Einkaufspreis: AN bestellt 2 Airbus, Lufthansa im 25er Pack. Der Rabatt wird natürlich geheim gehalten, aber wenn ich mit anderen Investitionsgütern vergleiche, fände ich 50% nicht überraschend.

Insgesamt wird AN drastisch höhere Kosten pro Passagier haben als LH. Und LH steht im Vergleich zu den Kostenführern ja auch nicht strahlend da.
Viele Grüße, Michael
857 Beiträge · seit 201417. Juni 2014 ·
AN macht das einzig vernünftige: Sie lassen bei Lufthansa Technik warten, bzw. bei deren Partnern. LH Technik ist marktführend, und AN könnte niemals auch nur ansatzweise in Preis und Exzellenz mithalten. Der Kauf eines Fliegers ist relativ günstig, die Checks sind das teure...
Trotzdem sind die Kosten zu hoch.. wie bei fast allen Airlines. Nur ein paar NahOst-Flieger sind dank billigem Kerosin, billigem Kapital und supergünstigen Landegebühren am Heimatflughafen im Vorteil...
Ansonsten sind die Fluggesellschaften vll. mit Tricks in den schwarzen Zahlen, aber das ist meist EBITDA - also fast alles rausgerechnet an Kosten, was anfällt..
Gruß
Alex

PS: Die Rabatte sind eher im Bereich 20-30%. Und so ein A330-200 kostet grade mal um die 200 Millionen Euro. Dazu noch die Triebwerke, die gehen immer extra... nochmal 70 Millionen?
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2014
2’664 Beiträge · seit 201217. Juni 2014 ·
Cora schrieb:Ich habe das schon oft gehört, dass Namibia in seine Airline sehr viel Geld investieren muss!

Ich stelle mich jetzt nicht doof oder frage aus rhetorischen Gründen, ich verstehe es wirklich nicht:

Wir zahlen für 2 Personen 2600 Euro für den Flug (hin und zurück, Economy). Warum deckt das nicht die Kosten, wenn ja hunderte mitfliegen und wahrscheinlich genau so viel bezahlen?

Ich kenne auch keine anderen Flüge, die mehr kosten (also in der Economy), dann müssten alle Airlines bankrott sein. (Ok, ich gebe zu, ich weiß darüber auch nicht soo viel.)

Wo entsteht denn das Loch bei AN?

Ich möchte das gerne mal verstehen!
Das ist ganz einfach:
Wenn eine Airline von staatlicher Seite Top- und Managemenstellen nicht aufgrund Qualifikationen vergibt, sondern nur aufgrund Hautfarbe und Parteibuch, dann hat man die finanziellen Ergebnisse der AN.
Wenn man eine Grundschullehrerin ohne Erfahrungen an die Spitze einer Airline stellt, was ist das Ergebnis? AN !
zuletzt bearbeitet 17. Juni 2014
1’739 Beiträge · seit 201017. Juni 2014 ·
Hallo

Nun frage ich mich aber, warum Swissair 2002 liquidiert wurde? Da gab es doch bestimmt kein unfähiges Missmanagement wie bei Air Namibia - oder.

LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
ThemenstarterGast17. Juni 2014 ·
Hallo,
Cora schrieb:Wo entsteht denn das Loch bei AN?
Grundsätzlich ist Air Namibia zu klein, um am Markt wettbewerbsfähig existieren zu können - zumindest was das Langstreckengeschäft mit nur 2 Maschinen und einer einzigen Route anbetrifft. Andere Airlines kaufen Flugzeuge, Kerosin, Wartung, Catering, Pilotenschulungen, IT-Systeme usw. usf. in zigfacher Menge ein und erzielen durch Skaleneffekte erhebliche Kostenvorteile. Diese versucht man teilweise weiter zu verbessern, in dem man sich zu großen Allianzen zusammenschließt und zumindest Einiges in der Allianz zusammen einkauft. Air Namibia ist in keiner Allianz.

Durch das seit vielen Jahren inkompetente Management hat Air Namibia immer äußerst nachteilige Flugzeugdeals abgeschlossen. Die 747 Combi war völlig sinnlos. Die bis letztes Jahr geflogenen A340 haben ca. 20-30% höhere Betriebskosten als effizientere Modelle. So ein struktureller Kostennachteil ist nicht mehr aufzufangen und man ist dann fast automatisch in den Miesen. Auch die Verträge für die aktuell geleasten A330 sollen wieder sehr schlecht verhandelt sein, weshalb das AN-Board ja anscheinend noch in letzter Minute versucht hat, irgendwie aus den Verträgen mit Intrepid raus zu kommen. Ging aber nicht. An diesen Verträgen hat AN jetzt aber noch die nächsten 12 Jahre zu knabbern. Da die Entwicklung weiter geht und B787 und A350 erheblich effizienter als A330 sind, könnte sich AN je nach Ölpreisentwicklung in einigen Jahren auch wieder beim gleichen strukturellen Kostennachteil finden, den sie mit den A340 bislang hatten.

Beseelt von Expansionsplänen hat man als Ersatz für 2 B737-500 gleich 4 A319 angeschafft, die man jetzt nicht vernünftig ausgelastet bekommt. Statt 16-18 Stunden pro Tag Geld einzufliegen, stehen die Maschinen vor allem herum. Ryanair schafft mit seinen Maschinen ca. 4 Umläufe pro Tag. AN dürfte bei den A319 bei etwa 1,5 liegen. Das kann im Wettbewerb nicht rentabel funktionieren. Wenn man eine neue Strecke nach Harare aufmacht, dann wird dort gleich ein großes Büro eröffnet, wo man mehr Mitarbeiter als tägliche Fluggäste hat.

Kommunikation und Marketing funktionieren bei AN arg unterdurchschnittlich. Die haben alle staatliche Jobs und niemanden kümmert was. Die in den letzten Jahren häufig vorgekommenen Pannen und Störungen haben die Partner von Air Namibia viel Vertrauen und Geld gekostet. Und letztlich kostet das dann wieder AN Umsatz. Jetzt lief es ein halbes Jahr störungsfrei bei AN und nun hat man wieder den nächsten Skandal. Wieder geht Vertrauen und Image verloren.

Und weil so Vieles zusammen kommt, der Wettbewerb in der Branche hart ist und die Margen bei Airlines derzeit allgemein sehr schmal sind, ist AN dann in der Summe so extrem defizitär. Die brauchen teilweise für jeden Dollar, den sie an Umsatz mit Kunden machen, noch einen Dollar an Subventionen vom Staat, um überhaupt über die Runden zu kommen. Da ist völlig absurd. Wir hören jetzt seit knapp einem Jahr, wie positiv sich angeblich alles bei AN entwickelt. Die für die nächsten 3 Jahre eingeplanten Subventionen für AN wurden gegenüber der Vorjahresplanung aber schon wieder fast verdreifacht. Wie passt das zusammen (die namibische Presse fragt leider nicht nach)?

Mit einem fähigen Management könnten man vieles lösen, aber es gibt auch viele Hindernisse, mal ein solches zu installieren. Aus Sicht des Tourismusmarktes in Namibia wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn Air Namibia die Strecke nach Europa einstellt und stattdessen möglichst viele Airlines nach Windhoek gelockt werden, die das Langstreckengeschäft wirklich können. AN kann sich dann auf die Regionalstrecken konzentrieren und für die Langstreckenflüge der anderen Airlines die Anschlussflüge in der Region realisieren. So eine Rolle hat auch Comair (Kulula/BA) in Südafrika und die sind Jahr für Jahr profitabel.

Das Ganze hat im Übrigen auch nichts mit schwarz und weiß oder staatliche Airline oder nicht zu tun. Es gibt auch Beispiele für nicht von Weißen geführte staatliche Airlines in Afrika, die sehr gut laufen. Ethiopian beispielsweise. Kenya Airways und Egyptair liefen auch über viele Jahre exzellent. Letztere hat wegen der seit 3 Jahren andauernden Unruhen in Ägypten nun Probleme.

Beste Grüße

Guido
ThemenstarterGast17. Juni 2014 ·
Hallo Christa,
Botswanadreams schrieb:Nun frage ich mich aber, warum Swissair 2002 liquidiert wurde? Da gab es doch bestimmt kein unfähiges Missmanagement wie bei Air Namibia - oder.
Warum Swissair gescheitert ist, kannst Du in aller Ausführlichkeit noch mal bei Wikipedia nachlesen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Swissair#Beteiligungen_und_.C2.ABHunter-Strategie.C2.BB

Beste Grüße

Guido
408 Beiträge · seit 201418. Juni 2014 ·
Nich nur in Afrika gibt es das Problem von Staatsfirmen, das ist auch in Europa nicht anders. Da der fast unendliche Geldsack des Staates (und der gequälten Steuerzahler) für alle miesen Entscheidungen geradestehen muß, gibt es leider keinen Zwang, vernünftig zu wirtschaften. Und das Parteibuch ebnet auch dem Allerunfähigsten Tür und Tor zum Futtertrog. Ob Air Namibia, Air Tanzania oder Flughafen Berlin, die Gurken werden höchstens mit fetten Abfindungen in den Ruhestand geschickt oder wie der Mehlwurm von einem Unternehmen zum nächsten transferiert, weil der angerichtete Schaden noch nicht groß genug ist. Und Swissair war ja auch ein "Ruhmesblatt" von Politkern, die besser in einem Archiv Akten entstauben sollten. Wahrscheinlich richten sie aber auch dort eine Katastrophe an.
Johannes
The Schimann Family - Man kommt als Gast und geht als Freund
zuletzt bearbeitet 18. Juni 2014
1’250 Beiträge · seit 200918. Juni 2014 ·
Guten Morgen,

auch wenn es vielleicht ein bisschen OFF TOPIC ist; irgendwie passt es aber doch auch hierher, wie ich finde. Zumindest erklärt es einiges...... bzw. man muss sich eigentlich gar nicht wundern.

http://www.welt.de/wirtschaft/article129163985/Deutsche-Firmen-fast-so-korrupt-wie-nigerianische.html

Man beachte hier besonders den Hinweis auf die "TOP 3".

Einen schönen Tag wünscht
Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
ThemenstarterGast18. Juni 2014 ·
Hallo Elch,

Das was Ernst&Young da ermittelt haben will, widerspricht so ziemlich allen anderen Studien zum Thema. Ursache ist wohl, dass die Feld Korruption für ihre Studie sehr weit gefasst haben. Weltweit anerkannter ist eigentlich der jährliche Korruptionsindex von Transparency International. Da steht Deutschland weltweit gut da und Namibia steht zumindest im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern gut da.
http://www.transparency.de/Tabellarisches-Ranking.2400.0.html

Beste Grüße

Guido
33,3k Beiträge · seit 200618. Juni 2014 ·
Moin zusammen,

jetzt geht es bergauf mit Air Namibia, denn erstmalig ist ein Luftfahrtexperte an der Spitze.
Der Schweizer COO von Aor Namibia Rene Gsponer wurde zum "Acting CEO" ernannt.
http://www.namibian.com.na/indexx.php?id=14247&page_type=story_detail

Viele Grüße aus dem kühlen Windhoek
Christian
Vom 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
ThemenstarterGast18. Juni 2014 ·
Hallo,

der Namibian hat noch ein paar Details zum Thema. Die DCA, die als zuständige Behörde das Zertifikat für Air Namibia ausstellen muss, wird wohl nächsten Monat selbst von der ICAO überprüft. Das ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, die international die Standards im zivilen Flugverkehr festlegt und überwacht. Und wir erinnern uns, dass Air Namibia vor ca. 5 Jahren schon mal haarscharf an der Blacklist der EU vorbei geschrammt ist. Nicht weil man Air Namibia selbst für unsicher hielt, sondern weil man die Behörden in Namibia für unfähig hielt, die Flugsicherheit bei Air Namibia den internationalen Standards entsprechend zu überprüfen. Angesichts der anstehenden eigenen Überprüfung hat es die DCA bei Air Namibia dieses Mal wohl besonders genau genommen. Bei Air Namibia fanden das einige im Management wohl unnötig und haben nicht kooperiert.
http://www.namibian.com.na/indexx.php?id=14247&page_type=story_detail&category_id=1

«Analysts say that the continuing woes at Air Namibia could have a massive impact on Namibia’s international image. [...] Yet, the overtones of nebulous, undefined safety issues and the delayed issuing of local safety licences are quickly becoming the international ‘noise’ about Air Namibia that could hurt the airline going forward.»
http://www.sun.com.na/transport/air-namibia-mess-hurting-countrys-image.67000

Beste Grüße

Guido
2’664 Beiträge · seit 201218. Juni 2014 ·
travelNAMIBIA schrieb:Moin zusammen,

jetzt geht es bergauf mit Air Namibia, denn erstmalig ist ein Luftfahrtexperte an der Spitze.
Der Schweizer COO von Aor Namibia Rene Gsponer wurde zum "Acting CEO" ernannt.
http://www.namibian.com.na/indexx.php?id=14247&page_type=story_detail

Viele Grüße aus dem kühlen Windhoek
Christian
Gehe mal davon aus daß er auch bald weg ist.
Der ist lediglich "Acting CEO" weil er als unpigmentierter den Job auf Dauer niemals erhalten wird.
Die gleichen Abläufe wie beim Deutsch-Namibianer Riedel, den sie aufgrund seiner Hautfarbe gefeuert haben, obwohl er die AN erstmalig in die schwarzen Zahlen gebracht hatte nach dem desaströsen arabischen Vorgänger.
Es wird wohl nun wieder die nächste Grundschullehrerin mit Swapo-Parteibuch und dunkler Hautfarbe gesucht....
46 Beiträge · seit 200919. Juni 2014 ·
Hallo liebe Fomis,

warum nutzen wir die Chance, sobald sie auch nur die kleinste Chance ergibt, über Air Namibia herzuziehen diese zu nutzen?
Sehen wir nicht anhand der letzten Einträge, dass Hintergründe und dieses unwichtige Ding was sich FAKTEN nennt erst langsam bekannt werden? Also abwarten und entspannt sein. Air Namibia fliegt sicher und das sollte (für jede Airline) wohl das wichtigste sein.
Vieleicht sollten wir alle auch bedenken, dass es in unserem geliebten (Reise-) Land vor weniger als einer Generation so viel anders (=schlimmer) war und aus meiner Sicht verständlich ist wenn diese Erfahrung heute Einflüsse auf Entscheidungen hat.

Hier im ach so tollen Deutschland kommst du z.B. im Süden oder auch Ruhrgebiet ohne das jeweilige Parteibuch auch nicht in bestimmte Positionen. Also immer zuerst vor der eigenen Tür kehren!

Ja, Steuern zahlen ist irgendwie blöd und wenn dann das Geld auch nicht für das ausgegeben wird was ich selber gut finde ist es ganz doll böse. Soweit so klar. 😉

Trotz allem vielen Dank für alle relevanten Hintergrundinfos!!
Ich fliege am 02.09 mit Air Namibia und bin sehr entspannt das bis dahin alles geklärt ist.
Und für alle anderen: Es wird vielleicht überraschen, aber niemand wird gezwungen mit Air Namibia zu fliegen.
408 Beiträge · seit 201419. Juni 2014 ·
Air Namibia fliegt sicher und das sollte (für jede Airline) wohl das wichtigste sein.
Also wichtig ist nicht nur, dass sie fliegt, sie sollte auch sicher am Ziel ankommen.
The Schimann Family - Man kommt als Gast und geht als Freund
ThemenstarterGast19. Juni 2014 ·
Hallo,
Selbstfahrer schrieb:Sehen wir nicht anhand der letzten Einträge, dass Hintergründe und dieses unwichtige Ding was sich FAKTEN nennt erst langsam bekannt werden? Also abwarten und entspannt sein. Air Namibia fliegt sicher und das sollte (für jede Airline) wohl das wichtigste sein.
Die Presse berichtete, dass Air Namibia keine erneuerte Lizenz erhalten hat, weil Air Namibia Sicherheitsanforderungen nicht erfüllt. Es wurde dann schnell klar, dass diese Berichte nicht komplett aus der Luft gegriffen sind, sondern FAKTEN dahinter stehen. Und dann darf man keine Zweifel an der Sicherheit haben?

Der heutige Artikel im Namibian legt nahe, dass es nicht nur um ein zu spät eingereichtes Formular o.ä. Formales geht, sondern das konkrete sicherheitsrelevante Anforderungen durch AN nicht erfüllt werden. U.a. bei "Operating Manuals" und bei führendem Personal bei Air Namibia, dem nach Ansicht der für die Überwachung der Sicherheitsanforderungen zuständigen Behörde DCA wohl schlicht die Qualifikation für die übertragenen Aufgaben fehlt.
http://www.namibian.com.na/indexx.php?id=14317&page_type=story_detail&category_id=1
Selbstfahrer schrieb:Und für alle anderen: Es wird vielleicht überraschen, aber niemand wird gezwungen mit Air Namibia zu fliegen.
Das ist korrekt. Die Namibier werden aber gezwungen, Jahr für Jahr Millionen und Milliarden an Steuergeldern sinnlos in Air Namibia zu versenken, während gleichzeitig kein Geld da ist, um allen Menschen im Land ein Mindestmaß an medizinischer Versorgung zu realisieren. Jeder neue Milliardenzuschuss für AN und jedes neue Management-Fiasko bei AN ist dann auch ein neuer Anlass für Kritik. Werden diese Dinge mal dauerhaft gelöst und alles läuft glatt, dann gibt es auch keinen Anlass mehr für neue Kritik. Und wenn immer der Verweis auf Steuern und Steuerverschwendung auch in Deutschland kommt: Von den Relationen her kenne ich in Deutschland keine vergleichbare Steuerverschwendung.

Der nun als Acting MD eingesetzte Schweizer ist anscheinend auch nicht als Dauerlösung eingeplant. Laut Board-Mitglied Ekandjo, wird er nach Ablauf seines Vertrages in anderthalb Jahren das Unternehmen wieder verlassen. Die suspendierte Theo Namases sieht ihre Suspendierung wohl auch nicht ein und geht weiter ins Büro. Entweder ist die komplett merkbefreit oder sie hat immer noch einflussreiche Unterstützer in der Regierung.

Beste Grüße

Guido
33,3k Beiträge · seit 200619. Juni 2014 ·
Hi zusammen,

AN hat gestern eine Pressemitteilung heraus gegeben, in der sie Ankündigen das der Transport von "dangerous goods" (was auch immer das konkret ist?) ab sofort verboten ist, da man dieses Verbot für die Neuaustellung der Lizenz durchsetzen muss.

Hi Guido,

Dein Einsatz zum Schutz unserer Steuergelder in allen Ehren, aber niemand hier im Land regt sich auch nur annähernd so über Air Namibias "Geldverbrennen" auf wie Du. Hier interessiert es schlichtweg keinen so richtig...

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
1’155 Beiträge · seit 200619. Juni 2014 ·
Botswanadreams schrieb:Hallo

Nun frage ich mich aber, warum Swissair 2002 liquidiert wurde? Da gab es doch bestimmt kein unfähiges Missmanagement wie bei Air Namibia - oder.

LG
Christa
Hallo Christa

Das Management damals war nicht sehr fähig. Sie sind am Ende an ihrem Grössenwahn und schlechter Beratung gescheitert. Anstatt die Flotte zu verkleinern und die Zeichen der Zeit zu erkennen, hat SWISSAIR marode hochverschuldete Gesellschaften aufgekauft u.a. die damalige Sabena...und eine eigene Allianz mit Delta gegründet.

1999 ist Delta ausgestiegen und hat mir Air France den Verbund SkyTeam gegründet. SWISSAIR hat damals das Angebot von Air France - SkyTeam ebenfalls beizutreten- hochmütig abgelehnt. Was folgte war zuerst ein Sinkflug, der bald zum Sturzflug wurde und am Ende riss die Strömung vollständig ab und der freie Fall da...

lg tom
ThemenstarterGast19. Juni 2014 ·
Hallo Christian,
travelNAMIBIA schrieb:Hier interessiert es schlichtweg keinen so richtig...
Ich weiß. Und vieles andere interessiert in Namibia auch niemanden. Die Regierung kann tun und lassen was sie will, ohne dass sie jemand kontrolliert oder für Konsequenzen sorgt. Die Medien in Namibia sind auch viel zu schwach, um die in einer Demokratie notwendige Kontrollfunktion ausfüllen zu können. Die greifen durchaus mal kritische Themen auf, können aber aus finanziellen Gründen nicht im Detail recherchieren oder länger am Ball bleiben. So hat die SWAPO Narrenfreiheit.

Beispiel voreiliger Abbau des Reitderdenkmals. Das Denkmal ist mir relativ egal. Dazu habe ich keine Beziehung. Das die Regierung dermaßen willkürlich und mit null Konsequenzen gegen Gesetze verstoßen kann und das Niemanden in Namibia wirklich juckt, ist mir nicht egal. Wenn sich nicht bald mal eine bürgerliche Schicht bildet, die sich für irgendwas - gerade auch Politisches - im Land interessiert und engagiert, dann besteht die Gefahr, dass sich Namibia mal bei den Failed States in Afrika einreiht.

Ich will keineswegs schwarz malen. Namibia ist ein wunderschönes Land und weil da nur etwas mehr als 2 Mio. Menschen leben und ein paar Bodenschätze vorhanden sind, hat es auch gute Chancen für die Zukunft. Namibia hat auch eine gut ausformulierte Verfassung. Die weitere Entwicklung ist aber vor allem davon abhängig, welche Köpfe bei der SWAPO an die vorderste Front gespült werden. Das ist eine relativ fragile Basis und eine Entwicklung wie in Zimbabwe ist leider noch im Bereich des Möglichen (aber nicht zwangsläufig vorgezeichnet). Im Moment kriselt mit dem Uranbergbau eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates. Das Nachbarland Südafrika, von dem man so massiv abhängig ist, kriselt auch und wird in weiteren 5 Jahren unter Zuma wohl auch keine positive Entwicklung nehmen. Im Tourismus verzeichnet Namibia ohne eigenes Zutun durch den Währungsverfall gerade eine gewisse Erholung, trifft aber eigentlich nach wie nicht die richtigen Entscheidungen. Die Verschuldung ist noch gering, aber man hat aktuell einen Weg eingeschlagen, der in wenigen Jahren zu massiver Verschuldung führen wird (Beim Haushaltsdefizit ist Namibia im internationalen Ranking nur noch auf Platz 184 von 216). Und in Relation zur Größe von Staatshaushalt und BIP - und das weißt Du auch - sind die AN-Subventionen ein absolutes Unding.

Beste Grüße

Guido
33,3k Beiträge · seit 200619. Juni 2014 ·
Hi Guido,

natürlich weiß ich das und stimme ja auch mit Dir weitestgehend überein. Und natürlich stehen auch die AN-Subventionen in keinem Verhältnis zum Staatshaushalt oder gar dem, was AN leistet. Aber ist hier, außer in der Presse, eben kein so großes Thema. Es gib grundlegendere Probleme und die wenigsten können leider ein Zusammenhang zwischen Air Namibia-Subventionen und dem möglichen anderen Einsatz des Geldes (Häuser etc.) ziehen.
Die Verschuldung ist noch gering, aber man hat aktuell einen Weg eingeschlagen, der in wenigen Jahren zu massiver Verschuldung führen wird (Beim Haushaltsdefizit ist Namibia im internationalen Ranking nur noch auf Platz 184 von 216).
Echt? kann ich mir kaum vorstellen. Da sind ja schon 30 Länder in Europa die ein höhere Desfizit haben. Namibia wird in diesem Finanzjahr so bei 4,5 Prozent liegen. Der Staatshaushalt hat sich in den letzten fünf Jahren verdoppelt, insbesondere in den Bereichen Bildung und Gesundheit (und leider auch Verteidigung). Und das ist vom Grundsatz her natürlich begrüßenswert.

Viele Grüße aus dem kalten Windhoek
Christian
Vom 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!