THEMA: Botswana April 2017 – Mixed Emotions
31 Mai 2017 06:44 #476629
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  • Daxiang am 31 Mai 2017 06:44
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Hallo Walter,

was für ein grandioser Start! Da reise ich doch gerne mit und freue mich über viele tolle Fotos!

LG Konni
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31 Mai 2017 07:41 #476633
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@ Ragnarson
vielen Dank für das Lob, so eine mentale Unterstützung wird natürlich gerne genommen :woohoo:

@ Elisabeth
jammern auf hohem Niveau? Ich weiss nicht, ich weiss nicht. Ich habe eigentlich immer eine Idee, wie die
Fotos besser sein könnten. Ich trauere sehr oft den verpassten Chancen nach, deshalb die "mixed emotions".
Zumindest mit einer Leo Begegnung, die noch folgen wird, bin ich ganz zufrieden. Da konnte ich endlich mal
die Schnurrhaare (ich glaube so heisst das) einzeln zählen :) Aber ich will nicht zu viel verraten, lass dich
überraschen...

@ Konni
Hi Konni, schön, dass du auch an Bord bist. Ich hoffe, ich kann dich mit ein paar Bildern zu einem Sundowner
animieren :whistle:

Liebe Grüsse
von
Walter
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01 Jun 2017 07:50 #476740
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Samstag 15.04.17

Unsere Mitfahrer haben das Löwengebrüll in der Nacht ebenfalls gehört, deshalb sind auch sie schon ganz auf eine Löwenpirsch eingestellt, als wir uns um 06:00 beim Frühstück treffen. Als Albert erscheint, muss er uns gar nicht fragen, ob wir bereit sind, da gibt es wohl keinen Zweifel :woohoo: :woohoo:
Also sind wir die ersten, die ins Fahrzeug steigen und losfahren. Wieder schlängeln wir uns auf der Sandpiste durch das Wäldchen, bevor wir offenes Gelände erreichen. Albert spricht bereits in sein Funkgerät und es sieht so aus, als wüsste er, welche Richtung er einschlagen muss. Wir überqueren die Pfanne und folgen einem dichtbewachsenen Pfad. Immer wieder verschwindet die Spur in Wasserlöchern und Albert entscheidet sich, außen herumzufahren. Er wird schon wissen, warum. Dann sehen wir ein Safarifahrzeug am Rand der Piste im hohen Gras. Wir nähern uns langsam, jetzt haben wir unser Ziel erreicht.
Ein Löwenpaar liegt auf der Piste. Während der Löwenmann gerade döst, schaut die Löwendame aufmerksam in die Runde. „Die beiden sind gerade in Paarungsstimmung, wir müssen also nur einige Minuten warten, dann ist wieder Action angesagt“, erklärt Albert. Also checke ich noch mal den Fotoapparat, um bereit für die nächste Vorführung zu sein. Ich stelle fest, dass die Lichtverhältnisse für gute Fotos nicht wirklich ausreichen, aber dem Löwenmann ist es egal. Er hebt den Kopf, schaut mit müden Augen in der Gegend herum und steht auf. Auch die Löwendame hat sich erhoben und läuft ein paar Schritte, ihr Verehrer folgt ihr. Aha, gleich wird was passieren! Sie ändern die Richtung und verschwinden im hohen Gras, das wiederum finde ich nicht besonders witzig. Wie soll ich jetzt Bilder machen? Glücklicherweise tauchen sie ein Stück weiter wieder auf der Piste auf. Sofort geht es zur Sache. Sie sind jetzt eigentlich zu weit entfernt und sie drehen uns den Rücken zu, aber es ist besser, als gar nichts. Die ganze Angelegenheit dauert nur ein paar Sekunden, der Löwe knurrt und grummelt, dann lässt er von seiner Lady ab und sie dreht sich auf den Rücken und maunzt kurz. Das war es dann auch schon. Beide liegen wieder nebeneinander im Gras und schauen mit trägem Blick in unsere Richtung. Ok, jetzt haben wir ein paar Minuten Zeit, um unseren Standort zu wechseln. Das stellt sich als nicht so einfach heraus, denn das Gelände ist sehr sumpfig. Es gelingt uns trotzdem, den Abstand zum Liebespaar zu verkürzen. Inzwischen sind noch zwei Wagen eingetroffen. Sie rangieren hin und her, die Insassen unterhalten sich, aber das Löwenpaar lässt sich nicht aus der Ruhe bringen.





Während ich beim Checken der Aufnahmen feststelle, dass es eigentlich immer noch zu dunkel ist, lugt die Sonne durch das Buschwerk und hüllt die Szenerie in goldenes Licht. Jetzt bin ich zufrieden. Der Löwenmann nimmt das zum Anlass, um an eine Wasserstelle zu laufen und erst einmal ein paar Schlucke zu trinken. Dann dreht er sich wieder um und nähert sich der Löwendame. Die liegt zwar im Schatten, dafür beobachten wir das Paar jetzt im Profil. Auch wenn ich immer noch nicht ganz zufrieden bin, weil das hohe Gras die Körper teilweise verdeckt, sind die Aufnahmen schon ein ganzes Stück besser als vorhin. Wieder dauert die eigentliche Paarungsszene nur einige Sekunden, der Löwenmann beisst seiner Partnerin kurz in den Nacken, reisst das Maul auf, knurrt, zeigt sein imposantes Gebiss, zieht die Nase kraus und beendet die Action, während sich Madame wieder mit einem Maunzen auf den Rücken rollt. Schon ist die Vorstellung wieder vorbei. Beide stehen auf und ziehen sich tiefer ins hohe Gras zurück.











Wir versuchen, ihnen zu folgen, müssen aber einsehen, dass die Gefahr, stecken zu bleiben, immer grösser wird, zumal Albert durch das hohe Gras absolut keine Chance mehr hat, die Bodenverhältnisse vor dem Auto richtig einzuschätzen. Also verlassen wir das Liebespaar und setzen unseren Gamedrive fort. Es tut sich nicht viel auf unserem Weg. Wir hören das Schnauben der allgegenwärtigen Impalas. Es sind keine Warnsignale wegen der Löwen in der Nähe, sondern die Herdenchefs sind mal wieder bemüht, ihre Mädels zusammen zu halten oder einen unliebsamen Nebenbuhler zu vertreiben.
Der dichte Busch öffnet sich und wie erreichen eine Pfanne. An einem kleinen Teich laufen zwei Wattled Cranes auf der Suche nach Nahrung durchs Gras, die werden natürlich sofort geknipst.



Ein alter Termitenbau wurde von den Dwarf Mangoses zum Familienhotel erklärt. Als wir uns nähern, verschwinden sie alle im Innern. Albert stoppt, stellt den Motor ab und wir warten. Nach etwa einer Minute lugt die mutigste Manguste aus einem Loch hervor. Wenig später erscheint die Familie vollzählig auf der Spitze des Baus, lässt sich von der Sonne aufwärmen und die Familienmitglieder spielen miteinander. Wir fahren weiter, ein paar Minuten später sehen wir ein wartendes Fahrzeug vor einem Busch. Da muss also etwas sein. Tatsächlich! Ein Leopard liegt im Gras. Er ist vorzüglich getarnt und wir hätten ihn beim Vorbeifahren vermutlich nie entdeckt. Er schaut uns misstrauisch an, bleibt aber weiterhin liegen. Nach etwa fünf Minuten steht er dann doch auf und läuft ein Stück, bevor er es sich unter einem Busch bequem macht. Jetzt wird erst einmal herzhaft gegähnt. Auch wenn das Fotolicht wieder sehr schlecht ist und ich keine wirklich scharfen Bilder machen kann, nehme ich diese Aufnahmen gerne mit, denn einen Leo mit aufgerissenem Maul fehlt mir noch in der Bildersammlung. Ein Glanzstar landet auf einem Zweig und stört die Ruhe mit lauten Warnrufen. Der Leopard schaut scheinbar missbilligend nach oben, aber diesen Störenfried kann er nicht erreichen oder verscheuchen. Also wird noch einmal gegähnt, dann steht der gefleckte Räuber auf und überquert langsam eine Lichtung, bevor endgültig im undurchdringlichen Buschwerk verschwindet. Das ist das Signal für uns, um weiter zu fahren.





Die nächste Stunde bleibt es wieder ziemlich ruhig. Dann treffen wir auf zwei Hornraben. Leider ist dieses Paar sehr scheu und sie vergrößern sofort den Abstand zu uns. Albert macht den Motor aus und wir können sie wenigstens aus der Entfernung beobachten. Ich finde ihr Fressverhalten sehr interessant. Wenn die Vögel etwas gefunden haben, dann schnicken sie es in die Luft, öffnen den Schnabel und lassen die Beute direkt in den Schlund fallen. Die Herausforderung für die Fotografen ist es, ein Bild zu machen, wenn die Beute sich sozusagen im Schwebezustand zwischen dem geöffneten Schnabel befindet. Auch mein „Freund“ Albert versucht das immer wieder, hat aber bisher noch kein zufriedenstellendes Bild machen können. Mir wiederum ist es vor ein paar Jahren tatsächlich einmal gelungen. Ich habe das Beweisfoto auf meinem Tablet-PC. Also werde ich Albert dieses Bild bei unserer Kaffeepause zeigen, ich weiß genau, das wird ihm „wehtun“. Ja, ja, manchmal kann ich ziemlich sadistisch sein :evil:



In der nächsten Stunde sind die Highlights an zwei Fingern abzuzählen: Ein jugendlicher Martial Eagle auf dem Ast eines toten Baumes, ein Saddle Billed Stork im sumpfigen Gelände, das war es dann auch schon. Wir stoppen für einen Kaffee. Jetzt kann ich Albert das Foto des Ground Hornbill mit geöffnetem Schnabel zeigen. Unser Guide stöhnt aus tiefstem Herzen. „Walter, das ist wirklich nicht fair! Weißt du, wie lange ich schon so ein Foto machen will?“ Ich grinse ihn an, klopfe ihm auf die Schulter und sage: „Albert, du bist doch noch jung und hast das Leben vor dir. Sicher wirst du eines Tages genau dieses Bild machen können!“ Er schaut mich an, als hätte er in eine Zitrone gebissen und nickt langsam. Irgendwie habe ich ihn gerade deprimiert…

Nachdem wir unsere Pause beendet haben, können wir zumindest noch eine Zebraherde aufstöbern. Ein einzelner Ground Hornbill taucht aus dem Gras auf. Er hat einen Frosch im Schnabel, aber sobald er uns bemerkt, rennt er mit seiner Beute davon. Es ist jetzt 11:00, Zeit, um ins nahe Camp zurück zu fahren, dort wartet ein Brunch auf uns.



Nach unserer Ankunft laufen wir zum Zelt, ziehen uns etwas luftiger an und kehren zur Main Area zurück. Bei angenehmen Temperaturen lassen wir es uns bei Eiern mit Speck etc gut gehen. Danach ist Siesta angesagt. Während ich im Zelt die Beine hochlege, testet Ruth den Pool.
Um 15:30 ist es schon wieder soweit. Wir sitzen auf dem gemütlichen Sofa im Schatten eines Baums und essen ein Stück Kuchen, dazu gibt es Eiskaffee. Wir schauen über den Khwai River, zwei Hippos bewegen sich langsam im Schilf. Nicht weit entfernt zupft ein Elefant das saftige Gras aus dem Wasser. Ach ja, wir fühlen uns sauwohl an diesem entspannten Samstagnachmittag. Inzwischen sind neue Gäste im Camp eingetroffen. Ein englisches Paar auf Hochzeitsreise stellt sich vor. Sie werden uns heute begleiten. Auch die Australier sind bereit, es kann also losgehen.

Wir brauchen gar nicht weit zu fahren, da stoppen wir auch schon wieder. Ein müder Löwe liegt am Rand der Piste. Scheinbar wiederwillig hebt er kurz den Kopf, schaut uns mit halb geschlossenen Augen an und lässt den Kopf ermattet wieder auf die Erde sinken. Unsere Mitfahrer aus England sind begeistert. Es ist ihr erster Aufenthalt in Afrika. Mein Adrenalinspiegel hält sich arg in Grenzen, denn bei schlafenden Löwen bin ich nicht wirklich euphorisch. Sorry, ist das jetzt dekadent? Ich weiß, ich weiß, auch wir haben mal klein angefangen, deshalb bringen wir ja auch die nötige Geduld auf und fragen nicht, ob wir endlich weiterfahren können.



Die Gäste haben ihre Bilder gemacht, wir überqueren die „Pfanne“. Die zwei Wattled Cranes stehen immer noch am Rand des Wassers, diesmal etwas näher. Also lasse ich mich zu einigen Bildern hinreißen, auch wenn meine Fotoobjekte eigentlich zu weit entfernt sind. Albert macht uns auf ein Krokodil im Wasser aufmerksam. Das Augenpaar über der Wasseroberfläche ist nur sehr schwer auszumachen, aber unser Guide ist halt geschult und hat einen Blick für so etwas.



Albert schlägt vor, das Löwenpaar zu besuchen. Schließlich haben unsere Mitfahrer aus England noch keine „Mating Lions“ gesehen. Nach einer halben Stunde haben wir die Stelle, an der wir sie am Morgen verlassen haben, erreicht. Jetzt sind keine Löwen zu sehen. Albert beobachtet die Umgebung genau, aber nichts ist zu entdecken. Also heißt es erst einmal warten. Und tatsächlich! Nach ein paar Minuten hören wir das vertraute Knurren. Die Löwen sind also nicht allzu weit von uns entfernt, auch wenn es nicht die geringsten Anzeichen gibt. Das Gras ist einfach zu hoch. Unser Guide startet den Motor und wir fahren schön langsam in eine bestimmt Richtung, denn wir wollen natürlich keinem Löwen über den Schwanz oder die Pfoten fahren :whistle:
Nach einigen Minuten kreuz und quer durch das Gras können wir eine plattgedrückte Stelle ausmachen. Dort liegt der Löwenmann. Er schaut uns gedankenverloren an, gähnt erst einmal herzhaft, dann steht er auf uns umrundet einen Busch. Wir folgen ihm. Jetzt sehen wir auch die Löwin. Ohne große Vorbereitung macht sich der „Lover“ ans Werk, wieder dauert es nur einige Sekunden, dann ist der Spass (wenn es denn einer war) vorbei.









Albert hat inzwischen unsere Position per Funk an andere Guides durchgegeben. Es dauert nicht mehr lange und die himmlische Ruhe wir durch Motorenlärm unterbrochen. Die ersten zwei Wagen nähern sich, eine Viertelstunde später sind insgesamt fünf Fahrzeuge angekommen. Jetzt wird es Zeit für uns, den Platz zu verlassen, zumal sich die Löwen im hohen Gras zu einem Nickerchen entschlossen haben.



Wir fahren zurück zu dem einzelnen Löwen. Albert erklärt uns, das wäre der Bruder. Die zwei sind vor einem halben Jahr aufgetaucht und zumindest einer davon ist daran interessiert, seine Gene weiter zu geben. Der Bruder liegt faul am Pistenrand. Ein paar Minuten später jedoch steht er tatsächlich auf und läuft ein Stück in unsere Richtung. Es gelingt mir, bei relativ gutem Licht ein paar nette Aufnahmen zu machen, zumal er jetzt ganz dicht am Fahrzeug vorbei kommt. Mitten im Laufen lässt er sich jedoch wieder – wie vom Blitz getroffen – zu Boden fallen und bleibt liegen. Nur die Fliegen werden mit der Vorderpranke ab und zu verscheucht.











Wir fahren weiter und Albert wird auf bestimmte Laute aufmerksam. Unter einem Baum halten wir an. Oben auf den Ästen sitzen zwei Giant Eagle Owls und unterhalten sich miteinander. Wir sind begeistert, denn solch eine Unterhaltung haben wir noch nie gehört. Wir mögen diese Vögel sehr, ihre Augenlider sind rosa gefärbt und wenn sie einen anschauen, dann sieht das ein ganz klein wenig arrogant aus.





Jetzt wird es schon wieder Zeit für den Sundowner, es ist kurz vor 18:00 und die Sonne hat den Horizont fast erreicht. Zum Glück ist unser Platz zum Aussteigen ganz in der Nähe, Albert deckt in Windeseile unseren Tisch und wir können bei einem Glas Weisswein die untergehende Sonne und die schönen Wolkenformationen genießen. Das ist ja gerade für meine Frau ein sehr wichtiges Ritual nach einem Tag auf Safari. Es dauert nicht sehr lange, dann hat die Nacht ihr schwarzes Tuch über die Landschaft ausgebreitet.





Wir sind bereits ins Fahrzeug geklettert, Albert hat den Scheinwerfer herausgeholt und leuchtet die Büsche ab, um nachtaktive Tiere ausfindig zu machen. Hin und wieder huschen einige Vögel vorbei, aber das einzige größere Tier, das Albert aufspürt, ist der einsame Löwe. Der jedoch reisst sehr fotogen sein Maul auf und zeigt uns sein prachtvolles Gebiss in allen Einzelheiten. Vielen Dank, lieber Löwe, das war wirklich sehr nett!



Gegen 19:00 erreichen wir das Camp, lassen uns zum Zelt bringen, deponieren nur kurz das Fotoequipment, waschen uns Gesicht und Hände und schon laufen wir mit unserem Begleiter zurück zur Main Area. Mit Schrecken stellen wir fest, dass es unser letzter Abend im Machaba Camp ist. Es ist doch immer das Gleiche! Kaum hat man sich richtig eingewöhnt, da muss man schon wieder packen und weiter ziehen. Aber was hilft´s, es liegen ja noch drei Nächte in der gleichen Region vor uns, nur die Unterkunft wird eine andere sein. Heute Abend sitzen wir unter freiem Himmel, fast direkt am Ufer des Khwai. Neben mir hat Elke, die Managerin des Camps, Platz genommen. Sie kommt ursprünglich aus Belgien und ist dann in Botswana hängengeblieben. Elke ist eine nette Gastgeberin und hat natürlich auch ein paar interessante Geschichten und Anekdoten auf Lager, es macht Spass, ihr zuzuhören.

Wir befinden uns also in netter Runde, bewundern wir den afrikanischen Sternenhimmel, nicht weit entfernt können wir Hippos im Wasser plantschen hören, es ist mal wieder ein super Abend im Busch. Das einzig negative habe ich schon erwähnt: Morgen müssen wir diesen Ort verlassen. Wie muss es sich bloß anfühlen, wenn man mal zwei Wochen am gleichen Ort verbringt? Ich glaube eigentlich nicht, dass dann Langeweile aufkommen würde, denn wenn wir im November / Dezember unsere drei Wochen am Chobe verbringen, habe ich mich auch noch nie gelangweilt. Aber diese Überlegung hilft mir jetzt auch nicht weiter. Deshalb trinken wir noch ein Glas Rotwein und lassen uns dann zu unserem Zelt bringen. Bald liegen wir im Bett und lauschen noch ein paar Minuten den Geräuschen der Nacht, bevor wir ins Land der Träume hinübergleiten.

... wird fortgesetzt ...
Letzte Änderung: 01 Jun 2017 08:08 von leofant.
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01 Jun 2017 16:40 #476799
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  • Strelitzie am 01 Jun 2017 16:40
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Hallo Walter,

da hast Du aber wieder was Schönes gefunden!
Das ist ja ein grandioser Einstieg - nun bin ich nur gespannt auf die "gemischten Emotionen".
Die Katzen(Bilder) sind jedenfalls großartig!
Danke für das Teilen mit uns - ich hüpfe gern mit in die Bushhopper!

Liebe Grüße
Strelitzie
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01 Jun 2017 23:37 #476835
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Hi Konni, schön, dass du auch an Bord bist. Ich hoffe, ich kann dich mit ein paar Bildern zu einem Sundowner
animieren :whistle:

Hi Walter,

also bei den genialen Bildern und Sichtungen müsste eigentlich vor jedem Kapitel der Warnhinweis "Bei mit dem Afrika-Virus infizierten Lesern kann es zu ausgeprägten Fieberschüben kommen!" stehen. Auch wenn es für einen Sundowner eigentlich schon zu spät ist, gönne ich mir jetzt noch ein Gläschen um mein Heimweh zu bekämpfen.

LG Konni
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02 Jun 2017 07:16 #476837
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Sonntag 16.04.17

Die Vögel wecken uns im Morgengrauen, der Wecker ist eigentlich überflüssig. Der Ablauf ist wie immer: Aufstehen, miniduschen, Zähne putzen, anziehen, Equipment zusammen suchen und schon sind wir auf dem Weg zum Frühstück. In der Main Area werden wir fröhlich willkommen geheissen, auf jedem Tisch liegen einige bunte Ostereier. Ach ja, es ist ja Ostern! Während wir an unserem Tisch sitzen und uns mit einem Morgenkaffee in Form bringen, fällt mir etwas auf. Ein Stück weiter sitzt eine Familie aus der französischen Schweiz. Alle drei haben einen Kaffee vor sich. Jetzt erscheint ein Mitglied der Staff mit einer Flasche Amarula. Die Gäste lassen sich den Kaffeepott reichlich mit dem Likör auffüllen. Wow! Es ist 06:10 am frühen Morgen, die werden ja auf der Fahrt so richtig in Stimmung sein! Wie sagt mein Freund John immer: The more you drink, the more you see :whistle:

Mir wird jetzt auch klar, warum einer dieser Gäste an einem ziemlich kühlen Morgen nur ein knappes Trägershirt an hat. Dem wird gerade richtig warm :laugh: :laugh:

Heute früh fahren wir nur mit den Engländern raus, denn die Australier verlassen das Camp und wollen keinen Stress. Wir werden ja um die Mittagszeit auch „umziehen“, aber mir käme nie in den Sinn, deshalb eine Pirsch ausfallen zu lassen. Auch am Ostersonntag gibt es zunächst einmal keine Ostergeschenke in Form von Sichtungen. Aber immerhin, nach einer knappen halben Stunde finden wir das Löwenpaar und heute haben sie sich nicht im Gras versteckt, sondern sie sind wirklich gut sichtbar. Scheinbar gedankenverloren schauen sie mal dahin, mal dorthin, dann bewegt sich die Löwendame zu einer offenen Fläche. Na los, ihr beiden, stellt mal was an, das Licht ist gerade gut und auch unsere Position stimmt. Die Löwin streckt sich, ihr „Lover“ kommt immer näher, ich habe die Kamera in Position. Los jetzt! Ich bin bereit!









Was macht Madam? Sie läuft jetzt ohne zu zögern in eine andere Richtung und die führt sie genau gegen das Licht. Der Löwenmann ist auch schon da und beide vergnügen sich. Aaaaah! Das darf doch nicht wahr sein! Ich checke die Bilder. Es gibt keine störenden Gräser oder Zweige, alles hätte perfekt sein können und das einzige, was ich jetzt habe, ist eine ganze Serie von total unterbelichteten Bildern. Hallo! Wir haben Ostern, ihr blöden Katzen! :evil:
Sorry, aber dieser Gefühlsausbruch musste jetzt mal sein.
Nach vollendetem „Liebe machen“ legen sich beide hin.

An dieser Stelle füge ich zwei der verunfglückten Bilder ein, vielleicht ahnt man, was mir da entgangen ist. Kein Grashalm und keine Blätter hätten gestört. Jetzt sieht es eher aus wie moderne Kunst :S






In der Sonne wird es merklich wärmer, also steht das Paar wieder auf und verkriecht sich in dichtem Buschwerk. Leider sind wir nicht alleine im Fahrzeug und ich möchte den Gästen aus England nicht den Tag mit langer Warterei ruinieren, also nicke ich – leicht enttäuscht – Albert zu und wir fahren weiter. Laut Funkspruch soll im Norden ein Leopard gesehen worden sein. Na und? Mating Lions wären mir lieber gewesen! Ok, genug geärgert, ich sollte lieber die Landschaft und die zauberhaften Starlings und Magpie Shrikes betrachten, die überall in den Büschen singen :dry:

Etwas später nähern wir uns einigen Perlhühnern. Na die sind doch auch immer für ein paar aufregende Bilder gut! Obwohl - ich schaue ihnen gern zu, denn ich finde sie laufen, wie einige Tiere in den alten Zeichentrickfilmen. Allerdings kann ich ihr Federkleid nicht sehr lange betrachten, dann wird mir nämlich – wegen der Zeichnung des Gefieders – irgendwann schwummerig ;-) Diese Gruppe hat sich etwas verteilt, die Hühner scharren und picken und manchmal streiten sie sich, wenn eines einen scheinbar ergiebigen Platz gefunden hat und nicht teilen will. Auch ein paar junge Perlhühner sind schon eifrig am Fressen suchen, bleiben aber immer brav in unmittelbarer Nähe der Alten. Die Sonne steht noch ziemlich tief, deshalb werfen die Vögel lange Schatten, die sie relativ gross erscheinen lassen.





Wir fahren weiter und erreichen die Transitroad. Ein Stück weiter überquert man einen Wasserlauf auf einer breiten Brücke. Hier tummeln sich zahlreiche Lesser Striped Swallows. Ich bin grundsätzlich immer von den Flugkünsten der Schwalben beeindruckt, das ist hier nicht anders. Ich habe Lust auf eine kleine Fotografen-Depression, deshalb steige ich aus und versuche, die blitzschnellen Flieger im Flug aufzunehmen. Das misslingt mir natürlich gründlich. Tja, manchmal quäle ich mich auch gerne selbst ;)

Fünf Fahrminuten später erreichen wir einen Termitenhügel, auch der ist von Zwergmangusten besetzt. Die niedlichen Tierchen brauchen ein wenig Zeit, bis sie unsere Anwesenheit akzeptieren, dann allerdings scheinen sie ziemlich entspannt zu sein. Jedenfalls solange, bis ein anderes Fahrzeug hält. Schwupps! Ist die ganze Rasselbande wieder verschwunden.





Gegen 09:00 verlassen wir die Transitroad und nehmen eine Sandpiste. Wir überraschen zwei Impalas, die gerade in einem Erdloch nach Mineralien gesucht haben. Erschrocken springen die Tiere aus dem Erdloch und verschwinden im Buschwerk. Eine halbe Stunde später stoppen wir für eine Kaffeepause. Ich schaue mir die Fahrspuren an, die allesamt mit Wasser gefüllt sind. Darin tummeln sich zahllose kleine Fische. Meiner Meinung nach ist das zwar eine geschützte, aber auch gefährliche Kinderstube, denn das Wasser ist ja nicht sehr tief und für kleinere Vögel ist das hier sicher ein Schlemmerparadies.





Wir beenden die Pause und fahren ein Stück zurück. Wie bereits gesagt verschwinden die Spuren vor uns im Wasser und tauchen auch nicht mehr auf. Bald darauf biegen wir auf eine grasbewachsene Piste ab. An einem toten Baum stoppen wir. Ich kann einen Glanzstar aufnehmen, der etwas Undefinierbares im Schnabel hat. Er ist zum Glück nah genug für ein akzeptables Foto. Wir nähern uns der Community Campsite. Wie fast immer kann man in der Nähe der zahlreichen Akazien einige Elefanten finden. Meist sind es Bullen, die hier ganz entspannt fressen oder auch ein Staubbad nehmen. Auch die Impalas und Paviane „wohnen“ hier gleich um die Ecke.





Die Wilddogs, die wir gestern in dieser Gegend gesehen haben, sind inzwischen weiter gezogen, auch wir fahren weiter. Irgendwann kommen wir an den Rand einer mit gelbem Gras bewachsenen Ebene. Soweit das Auge reicht sieht man abgestorbene Bäume, das ganze Gebiet hat eine sehr spezielle Stimmung.
Es wird langsam Zeit, auf der Gravelroad Richtung Camp zu fahren. Irgendwo unterwegs sitzen einige Hooded Vultures auf den Ästen eines toten Baums. Albert betrachtet die Gegend genau, aber es ist kein Kill auszumachen. Auch hier ist das Gras einfach zu hoch und die Geier tun uns leider nicht den Gefallen, zum Ort ihres Interesses hinzufliegen.







Gegen 11:00 sind wir wieder im Camp. Hier steht bereits ein Fahrzeug von African Bushcamps, unser Abholer ist also bereits da. „Macht euch bloss keinen Stress“ sagt Elke, „ihr seid gut in der Zeit.“ Also laufen wir zum Zelt, duschen noch einmal, packen den Rest ein und begeben uns wieder zur Main Area. Hier warten zwei Guides vom Khwai Tented Camp auf uns. Unser Tisch ist für vier Personen gedeckt, sie werden also mit uns Essen. Das gibt uns die Möglichkeit, die beiden in absolut entspannter Umgebung kennenzulernen. Wir merken schnell, dass Ken und Banda zwei sehr nette Guides sind, trotzdem bin ich traurig, denn zwischen Albert und mir ist in den letzten drei Tagen eine wirklich starke Bindung entstanden und es kommt mir schon wie ein Verlust vor, dass wir nicht mehr zusammen auf die Pirsch gehen können.

Wir sind fertig mit dem Essen, unser Gepäck wurde bereits ins Fahrzeug gebracht, es wird Zeit sich von der Staff zu verabschieden. Jeder Einzelne wird gedrückt, denn wir haben uns hier sehr, sehr wohl gefühlt. Dann kommt der schwerste Teil des Abschieds. Albert und ich umarmen uns lange. „Albert, was soll ich sagen, ich bin wirklich extrem traurig, dass wir gehen müssen, aber ich denke mal, wir werden uns in den nächsten drei Tagen da draussen wiedersehen.“ Albert nickt und sieht das genauso. „Ja, Walter, da bin ich mir auch ganz sicher. Aber ich werde dich vermissen!“ Ruth wird auch noch mal herzlich gedrückt, dann begleitet man uns zum Wagen. Während wir abfahren, wird noch mal kräftig gewunken und ein paar Abschiedsworte auf Setswana fliegen hin und her.

Wir waren gerne im Machaba Camp und ich kann mir gut vorstellen, eines Tages wieder hier vorbeizuschauen. Wer weiss, vielleicht ist ja auch Albert dann noch da :woohoo:

Nachdem wir das Wäldchen verlassen und die Pfanne erreicht haben, treffen wir unsere „alten Freunde“, die Wattled Cranes wieder. Das nimmt Ken zum Anlasse uns zu fragen, welche Tiere wir gerne noch sehen würden. Auf diese Frage habe ich nur gewartet, denn ich weiss genau, wie die Jungs schockieren kann. Also antworte ich: „Weisst du, Ken, wir waren ja schon einige Male im südlichen Afrika unterwegs und haben schon vieles gesehen. Ich bin ein bescheidener Mensch und habe nicht viele Wünsche. Aber wenn du schon fragst, eine Kleinigkeit kannst du mir vielleicht noch zeigen. Ich hätte gerne einen Caracal, der hoch in die Luft springt, um ein Perlhuhn zu fangen. Die Federn müssen herumfliegen, das alles in goldenem Sonnenlicht und bitte nicht zu weit weg vom Auto.“ Ken schaut mich mit grossen Augen an, dann grinst er. „Na gut“ sage ich, „oder du zeigst mir einen Dungbeetle.“ Jetzt mischt sich Ruth ein. „Ich möchte gerne ein Pangolin sehen!“ Die beiden Guides schauen uns an und lachen. „Ok, lasst uns mit dem Dungbeetle anfangen“, antwortet Banda. Zu diesem Zeitpunkt hat er ja noch keine Ahnung, dass diese Aufgabe in den nächsten drei Tagen unlösbar sein würde.

Etwa 20 Minuten fahren wir wieder durch ein Wäldchen. Auf der anderen Seite führen die Fahrspuren durch Wasser, der Weg ist mit Sandsäcken markiert. „Festhalten!“ ruft Ken, dann taucht das Fahrzeug auch schon bis knapp an die Motorhaube ab und wir rauschen durch das Wasser. Auf der anderen Seite geht es mit Schwung wieder hinauf, dann haben wir das Khwai Tented Camp auch schon erreicht. Die Staff erwartet uns mit einem Lied, natürlich bekommen wir auch feuchte Tücher zur Erfrischung angeboten. Die Crew stellt sich einzeln vor, zum Glück haben sie Namenschilder, das macht die Sache in den nächsten 3 Tagen für uns ziemlich einfach. Dudu begleitet uns in die Main Area und gibt uns die nötigen Informationen, während wir einen kühlen Fruchtcocktail schlürfen.

Ich hatte es bereits angemerkt, wir haben vor einigen Jahren bereits das Khwai Camp besucht. Damals war es allerdings noch ein Mobile Camp, wenn auch mit „richtiger“ Toilette in jedem Zelt. Wollte man duschen, musste man heisses Wasser bestellen, die Morgenwäsche wurde direkt vor dem Zelt erledigt. Dabei konnte es passieren, dass eine Herde Zebras oder Impalas mit Interesse beobachtete, was die Zweibeiner so alles am frühen Morgen trieben. Ausserdem war damals an Schlaf nur bedingt zu denken, weil die Elis die halbe Nacht sämtliche Akazienbäume in der Nähe schüttelten, um an die beliebten Samen zu kommen. Wir haben dieses Camp geliebt und wir sind neugierig, was sich aktuell alles verändert hat. Um es kurz zu machen: Es hat sich alles verändert, einschliesslich der Location.

Die 7 Zelte für maximal 16 Gäste sind zwar nicht superluxuriös, aber dennoch akzeptabel eingerichtet. Die Dusche funktioniert jetzt den ganzen Tag lang und die Betten sind um einiges bequemer, als in den „good old days“. Das ganze Camp ist um eine Lagune gruppiert, die Main Area mit Boma befindet sich gleich am Rand, da wo man auch mit dem Fahrzeug ankommt. Allerdings ist es für die meisten Tiere nicht mehr ganz so einfach, durch das Camp zu streifen, Hippos mal ausgenommen. Es werden hauptsächlich Pirschfahrten und Mokorotouren angeboten. Während unserer Anwesenheit wurde das Camp gerade vergrössert, allerdings hielt sich der Baulärm stark in Grenzen, da man wartete, bis die Gäste auf der Pirsch waren. Zusätzlich wird es noch ein weiteres Camp in der Nähe geben, aber die Bauarbeiten haben sich durch die heftigen und langen Regenfälle erheblich verzögert. Auch wir wurden zwischendurch informiert, dass unser Besuch im Khwai Tented bzw. Leadwood Camp sich nach hinten verschieben würde, kurz vor unserem Abflug wurde jedoch wieder „grünes Licht“ für den ursprünglichen Plan gegeben. Ich erwähne das extra, denn durch die Hin- und Herschieberei der Termine sollte es noch zu Durcheinander kommen.




Blick von unserem Zelt zur Main Area











Wir beziehen unser Zelt Nummer 4 und sind ganz zufrieden mit unserer Unterkunft. Ich gehe raus auf unsere Veranda und schaue ins Wasser. Was mich etwas verunsichert, ist die direkte Lage an der Lagune. Wie wird es wohl mit den Mücken aussehen? Jetzt am Tag ist alles erträglich, aber in der Dämmerung? Auf der rechten Seite kann ich die Zelte Nr. 2 und Nr. 3 sehen, auf der linken Seite stehen die anderen. Etwas weiter entfernt wird gerade gebaut, dort ist eine neue Unterkunft bereits fertig, das kann man schon sehen. Sie ist auf jedenfall etwas grösser, als die aktuellen Zelte. Ich beschliesse, mir das in den nächsten drei Tagen anzuschauen.















Wir haben unsere Sachen verstaut und uns ein wenig ausgeruht, jetzt wird es aber höchste Zeit, einen Tee zu trinken und auf die Pirsch zu gehen! Das Camp ist gut besucht, am langen Tisch auf der Veranda bleiben nicht viele Plätze frei. Wir haben allerdings Glück. Während die anderen Gäste auf die restlichen Safarifahrzeuge verteilt sind, können wir – ganz wie die VIPs – im eigenen Wagen zusammen mit Ken und Banda auf die Pirsch gehen. Ich habe eigentlich nichts gegen Mitfahrer, solange sie nicht nerven, aber wenn wir alleine sind, dann kann ich auch ganz alleine das Tempo vorgeben und kann bestimmen, wie lange wir wo anhalten. Das empfinde ich als ideal. Wenn ich Unterhaltung möchte, dann habe ich die beim Nachmittagstee und beim Dinner, normalerweise langt mir das völlig.
Da wir auf niemanden warten müssen, sind wir bereits um kurz vor 16:00 auf der Piste. Ach, wie ich das liebe! Es geht erneut durchs tiefe Wasser, auf der anderen Seite halten wir an. Ein Greyheaded Kingfisher sitzt etwas weiter entfernt im Gestrüpp. Ach wie gerne hätte ich jetzt eine grosse Linse! Den Kingfisher kümmert´s nicht. Er schaut kurz in unsere Richtung, dann fliegt er davon. Wir fahren weiter durchs Wäldchen, dann sind wir am Rand einer Pfanne. Ein Lilac Brested Roller fliegt an uns vorbei. Stimmt! Den will ich auch im Flug ablichten, denn es sieht richtig toll aus, wenn seine Federn im Sonnenlicht aufleuchten. Seufz, das Vögelchen ist leider zu weit weg. Ich kann es zwar aufnehmen, aber nicht in der gewünschten Position. Ein Burchell´s Starling fliegt vorbei. Vielleicht ist es auch ein gut genährter Longtailed Starling, ich bin mir da nicht wirklich sicher. Auch sein Gefieder glitzert in der Sonne – wenn die Position stimmt. Mein „Model“ fliegt zu dicht und zu schnell am Auto vorbei, ich verpasse wieder mal eine Chance :S

Falls einige Birder mitlesen: Ich bin natürlich für jede Berichtigung dankbar, also tut euch keinen Zwang an...





Wir nähern uns den beiden wohlbekannten Wattled Cranes – halten die sich eigentlich auch mal woanders auf, oder wurden sie vielleicht doch festgeklebt? Diesmal hat einer ein Bündel trockenes Schilf im Schnabel. Vielleicht bauen sie ja ein Nest.



Ein Hornrabe fliegt vorbei und landet auf einem Baum. Gleich nebenan sitzt ein Yellow Billed Stork und schaut auf uns herunter. Vierbeiniges Wildlife suchen wir gerade vergebens. Der Himmel hat sich verdunkelt, es regnet ein bisschen. Wir ertragen es mit Gelassenheit und werden mit einem Regenbogen belohnt.





Ein Swainson Spurfowl mit fünf Küken wuselt im Gras herum. Die sind endlich mal nah genug für eine Aufnahme, ich gebe mich doch auch mit kleinen Dingen zufrieden.



Unteressen haben Ken und Banda ihren Rundruf per Funk beendet. Banda schaut uns vielsagend an. „Wir haben etwas vor! Passt auf das Fotoequipment auf, wir fahren jetzt etwas schneller.“ Hmm… na was könnte denn jetzt so auftauchen? Ich habe da so eine Ahnung und tatsächlich! Etwa 10 Minuten später können wir zwei Fahrzeuge sehen. Das ist eine typische Zeitspanne, um einen Leoparden zu sehen. Die gefleckte Raubkatze hat es sich auf einer Astgabel im Baum gemütlich gemacht. Habe ich gerade „gemütlich“ geschrieben? Nein! Das stimmt einfach nicht! Die Hinterbeine klemmen in einer dicken Astgabel, die Vorderbeine samt Oberkörper sind auf einer dünneren Astgabel platziert, dazwischen hängt der dicke Bauch frei in der Luft. Eins steht fest: Gemütlich geht anders! Der Leo schaut mal hochmütig, mal verträumt von seinem Baum auf uns herab, dazwischen rückt er immer wieder hin und her, um eine bequemere Position zu finden. Mal lässt er eine Vorderpfote herunterhängen, mal streckt er ein Hinterbein aus, aber er scheint keine Sekunde daran zu denken, seinen Aussichtsplatz woanders hin zu verlegen. Naja, er muss es ja wissen.







Wir beobachten die schöne Katze etwa 20 Minuten, nichts Entscheidendes passiert. Der bewölkte Himmel lässt die Dämmerung früher hereinbrechen, also entscheiden wir uns für den Rückzug. Schon längst hat die „goldene Stunde“ begonnen und wenn die Sonne hervorlugt, dann taucht sie die Landschaft in ein sanftes, goldenes Licht. Ich liebe diese Zeitspanne! Ein Stück weiter hänge dunkle Regenwolken, genau dort erscheint jetzt auch noch ein Regenbogen. Ruth und ich sind absolut begeistert, sogar unsere Guides holen den Fotoapparat bzw. das Smartphone heraus, um diese eindrucksvollen Bilder festzuhalten. Das sind die Minuten, in denen mir das Herz aufgeht und ich wahnsinnig dankbar bin, dass wir die Möglichkeit haben, diese Region immer wieder zu besuchen.





Wir fahren langsam weiter und suchen einen Platz für einen kurzen Sundowner. Wer kommt denn da um die Ecke? Ach, schon wieder ein Ground Hornbill! Der ist diesmal auch nicht besonders scheu und lässt sich bereitwillig fotografieren. Danke schön, mein Lieber, ich weiss das zu schätzen. Dann erreichen wir eine offene Stelle ohne viele Büsche direkt an einem Wasserloch. Die Sonne hat sich zwar hinter den Wolken versteckt, aber nach einer solch angenehmen Nachmittagspirsch mit Leo-Highlight kann meine Frau ihren Sundowner trotzdem geniessen.





Jetzt ist es dunkel geworden, wir steigen wieder ins Auto, Banda schnapp sich den Spot und wir fahren langsam weiter. Es bleibt allerdings ziemlich ruhig in der Gegend. Einige Scrubhares zeigen sich für ein paar Augenblicke, das war es dann gewesen.



Normalerweise erreichen wir das Camp gegen 19:00, um noch ein wenig Zeit vor dem Dinner zu haben. Heute allerdings ist kein Camp in Sicht. Das kann nur eines bedeuten… Und richtig! Irgendwo im Busch blitzen ein paar Öllampen auf. Auch heute überrascht man uns mit einem Buschdinner. Ja, warum denn auch nicht? Es ist immer wieder schön, ausserhalb eines Camps irgendwo im Busch zu sitzen, und trotzdem muss man auf nichts verzichten.

Wir sitzen am Tisch, das Dinner ist schmackhaft, der Wein ebenso, wir fühlen uns sehr wohl. Die Australier (ja, schon wieder Australier – ob es wohl noch welche in deren Heimat gibt?) auf der anderen Seite des Tisches sind gut drauf und alle haben ihren Spass. Kaum haben wir fertig gegessen, da fallen die ersten dicken Tropfen. Die Guides laufen sofort zu den Fahrzeugen und holen die Regenponchos. Die Gäste nehmen das gerne an und bleiben tapfer sitzen. Was macht schon so ein bisschen Regen? "Pula!" rufen alle in die Runde. „Pula“ bedeutet auf Setswana „Prost“ oder auch einfach „Regen“. Und ja! Die Währung heisst auch so. Hat da jemand „Pula“ gerufen? Der Regen wird stärker, irgendwie ist es jetzt total ungemütlich und nass. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Alle Gäste stehen auf und laufen in Höchstgeschwindigkeit zu den Autos. Ich finde das Wetter unfair. Die Staff hat so viel Zeit und Mühe in dieses Bushdinner investiert und jetzt ist alles zwangweise vorbei. Ein Stündchen länger und es hätte regnen können wie es wollte :S

Bei strömendem Regen fahren wir Richtung Camp. Die arme Staff! Irgendjemand muss das ja jetzt noch alles zusammen packen… Kaum sind wir angekommen, lässt der Regen etwas nach. Wir gönnen uns noch einen Absacker, dann lassen wir uns zum Zelt bringen. Auf jeden Fall haben wir heute Abend kein Mückenproblem gehabt, das ist doch auch was :whistle:

... wird fortgesetzt ...
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Letzte Änderung: 02 Jun 2017 07:49 von leofant.
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