Schweiz, irgendwann nach 2020 und vor 2026. Im
Schweizer Fernsehen SRF läuft anscheinend irgendeine eine Dokumentation über
den Kilimanjaro. Die Wörter «anscheinend» und «irgendeine» bekräftigen, dass
ich diese Sendung nicht gesehen, resp. mich dafür nicht interessiert habe. Mein
Kollege Markus aber schon. Wir kennen uns seit der Sekundarschule (also weit über 30 Jahre) und unternehmen ab und zu mal eine Wanderung in den Schweizer Bergen.
«Du, ich habe die Kilimanjaro-Dokumentation
gesehen. Schon noch beeindruckend. Ich möchte auf den «Kili».»
«Joo, dann viel Spass.»
«Und du kommst mit!»
Kurzes Silenzio…
«Warum ich?»
«Du warst schon öfters in Afrika und kennst
dich da ein bisschen aus.»
Nochmals Silenzio…
«Ok, ich komme mit.»
Warum auch nicht, es wäre meine 5. Reise auf
den afrikanischen Kontinent, somit ein kleines Jubiläum mit einem nicht
alltäglichen Programm. Und den zweiten bestiegenen Hügel in Afrika, nachdem ich
bereits im Jahr 2016 erfolgreich den Nyiragongo hochgekraxelt bin (Reisebericht
hier).
Bevor wir aber die definitive Reise buchen,
vergehen gut 2 Jahre im Lande. Dadurch wird’s nichts mit der 5. Reise, denn
Jubiläums-Spassbremse Picco grätscht dazwischen und "überredet" mich bei einem
Mittagessen in Winterthur im Februar 2025 auf eine Tansania-Reise (Reisebericht
Picco hier). Man merkt, wenn es um Afrika-Reisen geht, leiste ich nicht gerade
grossen Widerstand…
So wird’s halt Juni 2026, bis wir die Reise
starten. Das Programm sieht folgendermassen aus:
1. Woche: Kilimanjaro-Trekking über die
Machame-Route
2. Woche: Klassische Safari in den bekannten
Nationalparks Tansanias (Tarangire, Ngorongoro, Serengeti und Lake Manyara)
3. Woche: Erholung auf Sansibar an der
Westküste in Nungwi (und nein Picco, wir sind nicht bei Crazy Man zu Gast…😄)
Die erste Woche sind Markus und ich alleine
unterwegs, aber der 2. Woche folgt seine Familie nach (Sybille sowie Janis und
Aline, wobei ich bei letztere der Götti bin). Wir fliegen mit der Edelweiss, da
diese ab Zürich einen Direktflug zum Kilimanjaro Airport anbietet.
Das Frühjahr 2026 wird ausgiebig für die
Vorbereitung genutzt. Da aber die Schweizer Alpen bis spät in den Sommer hinein
in den hohen Lagen noch schneebedeckt sind, reicht es nur für Gipfel, welche
sich maximal auf gut 2000m Meereshöhe befinden. Bei der letzten Wanderung vor
der Abreise sind es dann doch noch 2900m.ü.M., aber das erfordert dann das
Überqueren mehrerer Schneefelder. Insgesamt stehen laut Komoot am Schluss 12
Wanderungen zu Buche, mal weniger, dank Blasen mal mehr schmerzhaft, mit einer
Gesamtlänge von gut 200 km, Gesamtaufstieg und -abstieg von gut 11’500m. Dazu
noch ein paar Mal das 1000er-Stägeli in Aarburg hochgelaufen, sollte konditionell
hoffentlich soweit reichen.
Aber auch mein Geldbeutel leidet. Die
Ausrüstung ist nicht ganz gratis. Das örtliche Fachgeschäft dürfte nur mit
meinen Ausgaben ein ordentliches Betriebsfest veranstaltet haben. Merino-(Unter)Wäsche,
Thermo- und Faserpelzhosen, Wanderschuhe, Daunenjacke, Schlafsack, Sonnenbrille
mit Schutzfaktor 4 und weitere Utensilien lassen den Geldbeutel immer kleiner
werden. Naja, wenigstens ist die Ware von guter Qualität und so habe ich in den
Folgejahren auch noch was davon. Zu Hause wird jedes Gepäckstück einzeln abgewogen
und in einer Excelliste eingetragen, wobei unterschieden, ob’s ins Haupt- oder
Handgepäck kommt, oder ob es beim Trekking beim Träger landet oder bei mir im Tagesrucksack.
Schlussendlich wird es eng, nicht nur was das Gewicht angeht, sondern auch der
Platz. Quintessenz davon ist, dass ich die Schnorchel- und Sansibarsachen den
Nachzüglern mitgebe, da ich in den ersten Wochen keine Verwendung dafür
brauche. Aber es ist geschafft und so kann es nun definitiv losgehen…
Teil 218. Aug. 2026
25.06.26
– ein langer Tag für den Ferienstart
Der
Tag startet früh – sehr früh. Um 4:30 schlägts Alarm auf meinem Nebentisch beim
Bett. Geschlafen wurde wenig, die Vorfreude und Anspannung auf das
bevorstehende Abenteuer überwiegt die Nacht.
Um
5:00 Uhr wartet bereits das „Taxi“ Wyss mit Sybille und Markus. Wir verladen das Gepäck und fahren zum
Bahnhof, wo wir um 5:24 Uhr Richtung Zürich Flughafen fahren. Während der
Bahnfahrt bleibt mir noch Zeit, mich für den Hinflug bei Edelweiss einzuchecken.
Kurz
vor 7:00 Uhr erreichen wir pünktlich den Flughafen. Gepäckaufgabe und
Sicherheitskontrolle funktionieren tadellos und ziemlich schnell. Somit bleibt
uns noch viel Zeit für ein Frühstück. Auch nach dem Frühstück haben wir immer
noch Zeit. Wir fahren mit dem unterirdischen Verbindungszug zum Dock E, wo wir
uns auf der Dachterrasse aufhalten und das Treiben am Flughafen beobachten. Nach 9:00 Uhr ist das Flugzeug und seine Crew bereit für das Boarding.
Unsere Maschine in Richtung Afrika ((C) Markus)
Ein letztes Bild auf Schweizer Boden - die Vorfreude ist mir ins Gesicht geschrieben... oder überwiegt noch die Skepsis? 😄 ((C) Markus)
Markus und ich haben je einen Fensterplatz hintereinander. Die Taktik ist, dass, sollte eine Reihe frei bleiben, wir noch wechseln können. Und unsere Strategie geht auf: das Flugzeug ist zu gut 2/3 gefüllt. Meine Reihe wird gefüllt, diejenige von
Markus bleibt leer. Nach dem Start verlege ich daher meinen Platz in die Reihe von
Markus, somit bleibt der Mittelplatz frei für unser Handgepäck. Ich habe keinen
Fensterplatz mehr, dafür kann ich dank dem Korridor meine Beine strecken.
Der
Start erfolgt um 9:50 Uhr mit ein wenig Verspätung und verläuft nonstop 8h lang
ruhig. Unsere Plätze befinden sich in Flugrichtung auf der linken Seite,
gebucht in der Hoffnung, im Anflug den Kilimanjaro zu sehen.
Auf dem Bildschirm ist der Kilimanjaro bereits zu sehen ((C) Markus)
Und auch hier geht unser Vorhaben auf: praktisch wolkenfrei zeigt sich der Berg im Sonnenuntergang.
Natürlich nutzen wir die Gelegenheit für ein paar Aufnahmen.
Abendstimmung im Flieger - mit Blick auf den Kilimanjaro
Nach
der Landung erfolgt die Zoll-/Visakontrolle, wie immer zeitintensiv und mit der
afrikanischen Gemütlichkeit. Praktisch gleichzeitig landet ein Flug der
Ethopian Airways, welcher nochmals eine grosse Personenmenge ausspuckt. Von den
gut 10 Schaltern sind nur 3 belegt, die natürlich mit voll motivierten Beamten besetzt sind. Aber die Warteschlange hat sich in 4 Reihen
angeordnet. Die Frage stellt sich. wer geht jetzt zu welchem Schalter? Das ganze wird relativ einfach gelöst: ein "Koordinator" (welcher die meiste Zeit mit
telefonieren und Sprücheklopfen beschäftigt ist), schnappt sich jeweils eine vordere Person(engruppe) und
zeigt zum entsprechenden Beamten. Die Reihenfolge scheint dabei willkürlich zu sein. Zum Glück
sind wir relativ weit vorne in einer Schlange und sind nach ca. einer Stunde mitsamt Stempel durch. Das Visum vor Ort lösen wäre vermutlich schneller gegangen...
Das Gepäck liegt schon bereit und muss zur Kontrolle nochmals auf ein Förderband gelegt werden. Es scheint sich aber niemand über den Inhalt zu interessieren, der Arbeitsplatz ist verlassen. Endlich draussen und wir werden sogleich durch unseren
Fahrer empfangen (schön klappt auch das, in Ruanda gab's hierzu andere Erfahrungen). Um ca. 20:45 Uhr fahren wir im Kleinbus zusammen mit zwei
deutschen Ehepaaren nach Moshi ins Springlands Hotel. Nach dem Einchecken und Zimmerbezug nach
22:00 Uhr bleibt nicht mehr viel Zeit für weiteren Aktivismus. Somit endet
unser langer Tag bald im bequemen Bett.
Teil 320. Aug. 2026
26.06.26
– Letzte Erholung
„Hello, welcome. Today we have breakfast buffet…” Kellner
Erik begrüsst uns zum Frühstück und zeigt, was alles aufgetischt ist beim
Buffet. Wie erwartet orientiert sich das Buffet einem englischen Frühstück, mit
allen «gesunden» Sachen die da vorkommen. Nebst dem gibt’s aber zum Glück noch
einheimische und sehr schmackhafte Früchte. Was auffallend ist: viele Gäste
sind zurzeit nicht anwesend, dafür wuselt fast ein Dutzend Mitarbeiter durch
den offenen Essensbereich. Vier der Mitarbeiter sind in ihrem Namensschild als
«Trainee» bezeichnet, wir gehen davon aus, dass es sich dabei auch aufgrund
ihres Alters um Auszubildende handelt. Erik ist ebenfalls ein Trainee und macht
seine Sache sehr gut, wie auch die anderen Mitarbeiter.
Nach dem Frühstück wird die Zeit genutzt für
ein Vor- und Umpacken. Auf dem Bett sieht es zeitweise sehr chaotisch aus, weil
wir nicht genau wissen, was und wieviel davon eingepackt werden soll. Nebst
Kleider und Fotoausrüstung kommen auch noch Snacks mit. Markus' Futterreserve besteht mehrheitlich aus Knusperriegel, Gummibärchen und Landjäger; ich halte mit schwarzer Schokolade, Cashnewnüsse und Datteln dagegen.
Haribo macht Kinder froh und unser Energieschub ebenso... ((C) Markus)
Mein Rucksack ist
gefühlt schwerer als der Duffelbag, welcher der Porter tragen wird. Nach
einiger Zeit haben wir mal das Gröbste hinter uns und in die Taschen deponiert.
Zur Erholung laufen wir noch ein wenig durch die schön gestaltete, grüne Gartenanlage im Hotel.
Im Hotelgarten sind einige schöne Pflänzchen zu bestaunen
Um 11:00 Uhr haben wir ein erstes Meeting mit
der Veranstalterin "Zara Tanzania Adventures", wo wir typisch afrikanisch ein paar Formulare ausfüllen müssen
und die Mitarbeiterin von uns je ein Foto macht. Für das Zertifikat, heisst es.
Sie denkt schon langfristig, ich eher mal Tag für Tag. Mit uns bereitet sich gleichzeitig
ein dänisches Ehepaar (etwa in unserem Alter) für das Trekking vor.. Wir werden sie in den kommenden Tagen öfters noch sehen, da sie dieselbe Route wie wir wandern. Um 11:30
Uhr trifft dann unser Guide für das Meeting ein. Als wir ihn sehen, sind wir
zum einen erleichtert, denn er ist wie auch wir nicht wirklich durchtrainiert
und hat ebenso ein klein wenig grösserer Umfang im Bauchbereich. Macht ihn
sofort sympathisch. Andererseits sind wir auch ein wenig besorgt, denn seine
Gangart lässt nichts Gutes hoffen. Er humpelt ein wenig, seine linke Hüfte
dürfte ihm Schwierigkeiten machen. Aber lassen wir uns überraschen. Sein Name
ist Hamisi Hassani Madaha, da das aber für uns seiner Meinung nach zu
kompliziert ist, hat er aufgrund seiner früheren Fussball-Tätigkeit den
Spitznamen Nteze (sprich: Ndschese) erhalten. So dürfen wir ihn auch ab sofort nennen. Aber was oder warum er diesen Spitznamen beim Fussball erhalten hat, habe ich nicht verstanden.
Er spricht ruhig und offenbar nur das
notwendigste, ein grosses Sprachrohr scheint er nicht zu sein. Gemäss seiner Aussage ist er
bereits 200x auf dem Kilimanjaro gewesen – das spricht wahrscheinlich auch für
(oder gegen) seine Hüfte. Erfahrung ist somit da. Nebst ihm gesellt sich dann
noch der Hilfsguide dazu. Er heisst David Zacharia Ndesanjo, ist wesentlich
jünger und bei Nteze in Ausbildung. Das Thema verschiebt sich nach den
wichtigsten Informationen zur allerwichtigsten, der Toilette. Nteze fragt, ob
wir ein separates WC haben wollen, da so langsam die Hochsaison beginnt und der
Andrang auf die wenigen bestehenden Toiletten in den Camps gross sein könnte.
Picco’s Empfehlung für ein privates WC im Hinterkopf (nicht nur wegen des
Andrangs empfohlen…), besprechen wir das kurz untereinander und sagen dann zu,
Kostenpunkt: 100$ plus einen zusätzlichen Träger. Dass diese Investition Gold
wert sein wird, wissen wir noch nicht…
Nteze mit seiner Gefolgschaft für die kommenden Tage ((C) Markus)
Nach dem Gruppenfoto verabschieden wir uns von
den beiden Guides und widmen uns dem Rest vom Tag der wichtigsten
Beschäftigung: am Pool verweilen und die letzten «freien» Stunden geniessen.
Dazwischen gibt’s Lunch, wiederum am Buffet.
Letzte Abkühlung im Pool. Man beachte auch die architektonisch gut umgesetzte offene Haustechnik an der Fassade im Hintergrund ((C) Markus)
Vor dem Abendessen kommen wir mit dem
Chefbuchhalter des Hotels ins Gespräch. So ein gesprächiger und aufgestellten Zahlenmagier
wird man in Europa nicht finden. Er freut sich über unseren Besuch und wünscht
uns zum Abschied viel Glück für den Kili.
Abends geniessen wir noch ein Gingerbeer zum
Apero (Limonade mit Ingwergeschmack) und stürzen uns anschliessend auf’s Abend-Buffet. Bald geht es dann mal zurück ins Zimmer, Vorfreude und Anspannung für
das Trekking steigt…
Teil 421. Aug. 2026
27.06.26
– Pole Pole… POLE POLE!
„Du
hältst das also immer noch für eine gute Idee, den Hügel zu besteigen?“
„Jääjoo,
natürlich!“
Konversation
beim letzten Frühstück in der „Freiheit“. Wir packen unsere Duffelbags für die
Porter, den Tagesrucksack sowie den Koffer, welcher wir im Hotel zurücklassen
können. Die Nervosität und Anspannung steigen langsam an. Diese verfliegen
alsbald, als wir auschecken, gut 45 Minuten vor der vereinbarten Zeit und
Treffpunkt im Hotel. Nteze ist ebenfalls schon eingetroffen und wir deponieren
unser Gepäck für die Kilimanjaro-Tour. Somit haben wir also noch genügend Zeit bevor
unser Taxi eintrifft. Sollte man denken… denn nun beginnt ein klamaukartiges
Hin und Her…
Das
Gepäck, welches im Hotel zurückbleibt, wird in einem Lagerraum deponiert. Ich
frage den Mitarbeiter, welcher uns begleitet, ob man das grosse Fotoobjektiv
und den Laptop im Koffer drin lassen kann. Nein, dafür gibt’s einen Safe im 1.
OG des Rezeptionsgebäudes. Also beide Sachen rausgenommen und ab damit zur
Rezeption. Dort gibt man uns zwei Schlüssel, da es zwei unterschiedliche
Safegrössen gibt. Wir sollen prüfen, in welches Fach unsere Gegenstände am
besten passen. Derselbe Koffer-Lagerraum-Mitarbeiter begleitet uns nun ins 1.
OG. Die Safes befinden sich hinter einer verschlossenen Metalltüre, die er
zuerst mal öffnen muss. Objektiv und Wertsachen passen in den grösseren Safe,
der Laptop nicht.
Somit Laptop wieder zurück in den Koffer im Lagerraum –
weiterhin in Begleitung des Lagerraum-Mitarbeiters. Unterdessen begleicht
Markus die Rechnung im Hotel. Dafür braucht er aber den Reisepass, welcher
bereits im Safe hinterlegt ist. Also ab in das obere Geschoss, aber die
Metalltüre zum Tresorraum scheint verschlossen zu sein und der Mitarbeiter ist
ja mit mir unterwegs. Markus meldet dies bei der Rezeption. Die gut genährte
Dame lärmt ein wenig genervt in die Grünanlage hinein nach dem
Lagerraum-Mitarbeiter, der sich bis zum Lagerraum in meiner Gegenwart befunden
hat, ich ihn aber nach meiner Rückkehr zur Rezeption aus den Augen verloren
habe. Nach gut zwei Minuten trudelt er ein und zusammen mit Markus gehen sie
wieder ins obere Geschoss. Ich warte im Erdgeschoss und höre nur immer „sorry“,
„sorry“, „sorry“. Die Metalltüre war anscheinend doch offen, nur hat Markus
nicht feste dagegengedrückt zum Öffnen. Nun scheint auch der
Lagerraum-Mitarbeiter ein wenig genervt zu sein vom ewigen Hin und Her. Anyway,
wir können schlussendlich zahlen und sind froh, dass wir noch Zeitreserven
hatten. Das Intermezzo hat uns doch 20 – 30 Minuten gekostet…
Bevors
losgeht, fragt Nteze, ob unsere Koffer wasserdicht sind. Meine schon, Markus‘
ist sich nicht sicher. Also wird noch ein grosser Plastiksack organisiert.
Kostet 4$, kann aber später bezahlt werden. Erscheint mir nicht ganz logisch,
denn wir haben ja das Zimmer ausgecheckt, somit kann die Rechnung nicht auf die
Zimmernummer berechnet werden. Hat wohl auch jemand begriffen, denn als wir
bereits abfahrbereit sind, heisst es, die 4$ müssen doch jetzt bezahlt werden.
Also nochmals ab zur Rezeption, zum Glück kann die Rechnung diesmal ohne
Reisepass beglichen werden. Uff…
Wir
schaffen es trotzdem, pünktlich abzufahren und erreichen das Machame-Gate um
ca. 10:30 Uhr. Die Koffer werden ausgeladen und wir werden zum Anmeldecenter
gebeten, wo wir wieder ein paar Formalitäten ausfüllen dürfen/müssen.
Anschliessend
warten wir im Center, während Nteze nach dem Gepäck, Porters und was-auch-immer
schaut. Und wir warten weiter. Inzwischen ist auch das dänische Ehepaar
eingetroffen, welches sich an den Nebentisch setzt. Wir warten immer noch. Um
die Zeit zu überbrücken, stürzen wir uns auf das mitgebrachte Lunchpaket. Nach
dem Lunch warten wir weiter, wir scheinen vergessen worden zu sein. Das
dänische Ehepaar macht sich bereits auf den Weg, während wir weiter im Center
warten. Um 11:30 Uhr kommt Nteze endlich und wir denken, dass es jetzt losgeht.
Falsch gedacht, nochmals zur Rezeption, um ein „Ticket“ abzuholen. Wir werden
eindringlich gebeten, dieses „Ticket“ nicht zu verlieren, da wir dieses bei
Tourende wieder abgeben müssen.
Wir
laufen zum Tor, wo unser Gepäck „kontrolliert“ wird, ob wir irgendwelche
verbotene Gegenstände mit uns führen. Wobei kontrollieren ein wenig übertrieben ist: Reissverschluss auf, reingucken, Reissverschluss zu, fertig ist die Inspektion. Die Umgebung ist sonst praktisch
menschenleer, wir sind wohl die letzten die die Etappe in Angriff nehmen. Und dann
tatsächlich: es ist bereits 11:45 Uhr, bis wir offiziell losmarschieren können,
befreit von Formalitäten und Kontrollen. Der Weg beginnt auf asphaltierter
Strasse. Markus und ich laufen vorneweg im Schweizer Berggänger-Tempo, welches
Nteze ein wenig missfällt: „Pole Pole“, ruft er. Langsam sollen wir
marschieren, uns gemächlich an die Höhe anpassen. Die Strasse wechselt bald von
Asphalt in eine Naturstrasse, wir sind mitten im Regenwald und staunen ab der
Natur.
Mitten durch den Regenwald führt der breite Naturweg
Grosse Farne sind am Wegesrand zu bestaunen...
.... und allerlei Grün ebenso
Bäume, Sträucher und weitere Pflanzen leuchten im saftigen Grün, um uns herum
ist es ruhig, fast wie im Para…. „Pole pole!“, ruft es wieder von hinten. Jaja,
dann halt langsam...
Nach
kurzer Zeit passiert auch schon der erste Unfall, aber nicht weil wir „Nicht-Pole“
unterwegs sind: Markus will uns von vorne fotografieren, läuft dabei rückwärts
nichts ahnend in einen kleinen Weggraben und stürzt rücklings zu Boden. Zum
Glück ist dabei der Kamera nichts passiert. Markus hingegen kassiert eine
blutende Schürfung am Ellbogen.
Weiter
geht’s nun auf einem schmalen Pfad, nebeneinander zu laufen ist nicht mehr
möglich. Damit wir nicht abhauen, übernimmt Nteze die Führung. Ich habe den
Eindruck, der Regenwald wird dichter. Tiere sieht und hört man keine, mit
Ausnahme von ein paar Vogelgezwitscher zwischendurch. Der Pfad ist
grundsätzlich gut begehbar, jedoch feucht und teils morastig, vorbei ist es mit
den sauberen Wanderschuhen.
An Nteze ist kein Vorbeikommen auf diesem schmalen Weg - Pole pole!
Die Bodenbeschaffenheit. Je höher wir kommen, umso morastiger
Ab und zu gibt's doch noch ein paar Farbtupfer im grünen Meer
Bald schliessen wir zum dänischen Ehepaar auf.
Trotz „Pole pole“ haben wir offenbar immer noch ein gutes Tempo drauf, obwohl
mir das Wandern extrem langsam vorkommt.
Nach
gut 2.5 Stunden machen wir eine Pause. Unsere Guides haben noch ihren Lunch
dabei, den wir bereits unten im Center verspeist haben. Für uns gibt es die
selbst mitgebrachten Snacks. Im gleichen Tempo und in der gleichen Umgebung geht es nun weiter. Der Pfad wird merklich steiler, ist aber immer noch gut begehbar.
So langsam wird's steiler
Kurz vor dem Camp lichtet sich der Wald und die Wege sind trockener
Nach gut 4.5 Stunden reiner Marschzeit erreichen wir das
Machame-Camp, wo gleich mal ein Erinnerungsfoto bei der Tafel geschossen wird.
Für das Foto hat Nteze eine Flagge vom Touranbieter mitgenommen, die er nun bei jeder Ankunft im Camp stolz im Bild präsentiert.
1. Etappe geschafft - das darf schon mal mit einer Flagge gefeiert werden...
Nach dem Fotoshooting tragen wir uns im
Campbuch ein. Unser Zelt ist bereits gestellt und wir erhalten noch eine
Instruktion über unsere private Toilette. Dann folgt das Prozedere, welches uns
in den kommenden Tagen begleiten wird: wir erhalten frisches warmes Wasser um
uns von Staub und Sonnencreme zu reinigen, dann folgt Nachtessen und zum
Schluss kommt Nteze zu uns ins Zelt und brieft uns für den kommenden Tag.
Home, sweet home, inkl. privater Toilette, für die nächsten paar Tage.
Deluxe-Bettraum, ....
... nebenan der Speisebereich ....
.... und zum Schluss der moderne Donnerbalken
Das Apero wird liegengelassen, pflichtbewusst wird am Reisetagebuch geschrieben ((C) Markus)
Unser Diner für heute Abend ((C) Markus)
Als
Nachtessen gibt es Fisch, Kartoffel, Kabis, Karotten/Pepperoni, dazu noch eine
Avocado, die wir aber aufgrund eines aufkommenden Sättigungsgefühls nicht
anrühren. Nach dem Nachtessen teilt uns Nteze die morgige Etappe mit. Und sein
Ratschlag: viel trinken! Zum Abschluss lehrt er uns heute zwei Begriffe auf Suaheli:
usiku mwema, lala salama. In diesem Sinne: gute Nacht, schlaf gut!
Die heutige Route:
10.8 km, 1280 Höhenmeter, höchster Punkt: 3030 m
Teil 525. Aug. 2026
28.06.26
– vom Winde verweht
Um
ca. 6:00 Uhr sind wir wach, geweckt vom Nachbarzelt, dass die Küche beherbergt.
Das Geschirr klappert und die Köche sind kommunikativ schon auf Hochtouren. An
durchgehenden Schlaf war sowieso nicht zu denken. Die etwa 5cm dünne
Unterlagsmatte leistet praktisch keinen Widerstand, so dass ein Aufwachen immer
mit irgendeinem kleinem Schmerz irgendwo am Körper verbunden ist. Unser
Küchenchef begrüsst uns wie jeden morgen mit einem leisen „Helloou“ und bringt
uns die Schalen mit dem warmen Wasser zum Waschen. Danach folgt das Frühstück,
beginnend mit einer Schüssel Porridge als Vorspeise (nicht gerade unsere
Lieblingsspeise, aber mit ein wenig Honig geht’s), dann der Hauptgang mit
Toast, Omelette, Pancakes, Würsten (sehr gesund…!) und einer Frucht (entweder
Mango, Ananas oder Papaya).
Im
Camp herrscht schon früh emsiges Treiben. Geschirr wird gewaschen, Zelte
abgebaut, Taschen gepackt und die Gruppen formieren sich zum Abmarsch.
Morgenstimmung im Camp
Blick zurück zum Camp
Wir
starten kurz nach 8:00 Uhr und der Weg wird schnell steil. Der Weg wechselt von Erde/Morast zu felsig/steinig. Da die
Morgensonne noch hinter dem Hügel versteckt ist und wir im Schatten laufen, ist
das Wandern aber ziemlich angenehm. Immer wieder werden wir von den Trägern überholt, die das Material nach oben tragen.
Der Weg führt nach dem Camp weiterhin im Wald nach oben
Träger auf der Überholspur
Nteze, hier an der Front. Rechts daneben David, unser 2. Guide
Yup, es ist steil
Ein paar Mal für Fotostops angehalten, geht es
in die finale steile Phase. Hier bewundere ich die Porter, welche ihre und
unsere Last mit viel Geschick und manchmal artistisch hoch tragen. Dazu kommt
noch das beachtliche Tempo, welches sie an den Tag legen. Und manchmal in einem
Schuhwerk, mit denen wir wahrscheinlich zu Hause nicht mal spazieren gehen
würden. Apropos Schuhwerk: Nteze’s Schlappen sind vermutlich aufgrund der
Sohlen-Ablösung und dem wenigen Profil auch älterem Jahrgang. Seine Gangart
wankt manchmal bedrohlich zur Seite wegen seiner kaputten linken Hüfte. Aber er
lässt sich nichts anmerken.
Nteze, diesmal von hinten. Schwer bepackt und mit Turnschuhen unterwegs
Kurz vor der 1. Anhöhe wird's nochmals steil
Der steile Abschnitt von oben
Oben
angekommen gibt’s eine Pause mit Tee, Bisquit und Früchten. Unser Koch ist nahe
bei uns mitgelaufen und wir erhalten für die Pause extra einen Tisch. Der Weg
ist von hier aus gut sichtbar, er scheint nicht mehr so steil zu sein. Wir geniessen die Pause und auch die herrliche Aussicht. Nach dem Lunch wird’s flacher, aber es hat doch noch 2-3
Kraxelstellen, wo man ein wenig aufpassen muss. Aber grundsätzlich sind die
Wege bis dahin sehr gut und sicher begehbar.
Aussicht vom Plateau
Blick zum Kibo
Der Weg wird flacher...
... aber ohne "Kletter"passagen gehts dann doch nicht
Runter zum Shira-Camp
Bald
sind die 900 Höhenmeter für die heutige Etappe geschafft. Zum
Shira-Camp geht’s wieder ein wenig bergabwärts, wo uns ein starker Wind
empfängt. Das Zelt ist bereits aufgestellt und unser Gepäck ist ebenfalls schon
angekommen. Wir möchten es uns bequem machen, aber wenn wir im Zelt sind, ist
es zu heiss und wenn wir draussen sind ist es aufgrund des starken Windes zu
kalt. Unser Koch macht es uns mit der Wahl einfach, indem er den Lunch bringt
und wir uns somit im Zelt aufhalten. Es gibt Spaghetti, Pouletschenkel und
wieder ein Gemüsemix aus Rüebli und Pepperoni. Den Nachmittag verbringen wir wahlweise drinnen
oder draussen, je nach Gefühlslage. Die Umgebung im Camp ist nun mehrheitlich
felsig mit wenig Bäumen. Den Regenwald haben wir nun definitiv hinter uns
gelassen.
Das Shira-Camp, leicht abfallend imoffenen Gelände
Die Bäume haben sich perfekt an die Wetterbedingungen hier oben angepasst
Um 16:15 Uhr starten wir mit dem Nachmittagsprogramm. Mit Nteze
machen wir einen Aklimatisierungsspaziergang zum nächsthöheren Hügel, der von
der Höhe her keine 50m über unserem Camp liegt. Der starke Wind pfeift uns
weiterhin um die Ohren. Auf dem Hügel angekommen ist westwärts das Shira-Camp 2
sichtbar, über welches die Lemosho-Route führt. Unsere und die Lemosho-Route
werden morgen zusammentreffen – der Personenverkehr dürfte dann merklich
zunehmen.
Aussicht vom Aklimatisierungshügel auf das Camp
Blick zum Kibo. So weit weg scheint er nicht mehr zu sein...
Nach dem Abstieg tragen wir uns im Hüttenbuch
ein. Zum Nachtessen gibt es Rüeblisuppe, Reis, Bohnen und Beef. Wir sind im
Camp auf ca. 3900m, ich empfinde zum ersten Mal leichte Kopfschmerzen und ein
wenig Schwindelgefühle, aber ansonsten geht’s soweit gut. Nteze misst den
Sauerstoffgehalt im Blut. 88%, «very good», meint er und gibt als Ratschlag, morgen weiterhin viel zu trinken. Na dann, prost und gute Nacht!
Die heutige Route:
5.6 km, 900 Höhenmeter aufwärts, 100 Meter abwärts, höchster Punkt: 3900 m
Teil 626. Aug. 2026
29.06.26
– Halb munter rauf und runter
Das
Morgenerwachen beginnt mit einer schlechten Nachricht: Markus hatte keine gute
Nacht und musste in der Nacht mehrmals den Weg zur Toilette aufsuchen, der
Magen rumpelt. Von dem hab ich wegem meinen Ohrenstöpsel gar nichts
mitbekommen… somit haben sich die 100$ bereits jetzt ausgezaht, meint er.
Und
nicht nur deswegen hat er Recht. Die offiziellen Camp-Toiletten zu besuchen,
grenzt schon fast einer Überlebensübung oder Mutprobe. Ein grosses Loch reicht
für das kleine und grosse Geschäft. Entsprechend riecht es aus der Grube
heraus. Wenn man Glück hat, ist der Boden einigermassen trocken und läuft nicht
Gefahr auszurutschen. Und dann wäre noch die Distanz. Wenn die Muffe plötzlich
drückt will man nachts nicht noch ein Marathon hinlegen und im Stirnlampenlicht
das Loch treffen… somit ja, gut investierte 100$.
Morgenstimmung im Shira-Camp
Blick zum Shira-Camp, resp. einen Teil davon. Im rechten Gebäude ist die öffentliche Toilette.
Sei’s
drum, Frühstück wie gewohnt, obwohl mir diese Porridge-Pappe nicht so schmeckt,
aber es gibt halt Kraft. Markus indes isst nicht so viel, bzw. praktisch gar nichts, kein Wunder bei
seiner Gesundheit.
Um 8:00 Uhr laufen wir ab Richtung Lava Tower
und Barranco Camp. Der Weg ist ein wenig flacher als gestern, aber die
Höhenluft macht sich langsam bemerkbar. Seit gestern gehorchen wir Nteze und
nehmen es wirklich pole pole.
Blick zurück ins Camp....
... und Blick nach vorne
Was auch noch auffällt: es ist heute sehr ruhig
auf dem Weg (im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen, wo viel getratscht oder
auch gesungen wurde). Keine(r) spricht, auch von den anderen Gruppen nicht,
wobei wir eh schon zu den ruhigeren gehören. Nteze ist kein Freund der langen
Worte, das gefällt uns.
Die Landschaft wird langsam karg, die letzten
Sträucher verschwinden allmählich mit der Höhe und der Weg führt mehr und mehr
über Felsen und Gestein. Aber weiterhin gut begehbar.
Ein Pilzstein?
Die Landschaft sieht eher wie auf dem Mond oder Mars aus als auf der Erde
Von weitem sehen wir die
Lemosho-Route, mit welcher wir uns bald vereinen werden. Und schon von weitem
sind die verschiedenen Wandergruppen erkennbar, Der Personenverkehr nimmt wie
vermutet merklich zu. Die Nacht ist an Markus nicht spurlos vorbeigegangen, er
braucht aufgrund des Schlafmangels öfters eine Ruhepause. Bei Pausen wird man
manchmal von anderen Wanderer angesprochen, ob alles in Ordnung ist. Die
Fürsorge und Unterstützung untereinander ist jedenfalls hoch.
Ein Wanderer fragt Markus nach seinem Befinden
Wir gelangen in die Lemosho-Route und reihen
uns ein. Aber zum Glück ist der Weg hier oben wieder breiter, so dass man gut
aneinander vorbeikommt. Es wird gefühlt noch flacher, aber wir sind auf gut
4500 Meter über Meer, die dünne Luft macht sich bei mir mehr und mehr
bemerkbar. Der Schädel brummt und Schwindelanfälle nehmen zu. Wenn meine Augen
nach vorne und nach unten auf den Weg fokussiert sind, ist soweit alles in
Ordnung. Sobald ich aber in die Umgebung schaue, wird’s einen kurzen Augenblick
schummrig. Langsam, immer langsam geht es weiter. Der Lava Tower ist von weitem
sichtbar. Im Unterland wäre die Distanz wohl in wenigen Minuten erreicht, hier oben
geht’s gefühlt Stunden.
Der Lava-Tower in Sichtweite, aber gefühlt weit weg...
Schon ein bisschen näher, aber immer noch weit entfernt
Aber bald haben wir es doch geschafft. Um 12:15 Uhr
erreichen wir den Lava Tower auf 4600 Meter, wo wir den Lunch einnehmen. Wir
finden in den Massen ein ruhiges Plätzchen wo wir unser Essen geniessen können.
Zumindest die meisten von uns, Markus nimmt weiterhin nichts zu sich, obwohl
Nteze ihn darauf drängt. Dann übernimmt das Essen halt eine Maus (gemäss Piccos
Tagebuch handelt es sich um eine afrikanische Striemengrasmaus, recht grosses
Ding). Fast schon ohne scheu knabbert sich durch den Marmorkuchen, welcher
Markus auf einem Stein bereitgelegt hat.
Nteze drängt bald zum Aufbruch und wir
marschieren weiter. Jetzt geht’s wieder runter, nur um dann auf der anderen
Seite wieder hochzulaufen. Und dann geht es wieder runter.
Da geht's runter, und unten gleich wieder hoch
Blick zurück zum Lava Tower
Die Landschaft
ändert sich, zum ersten Mal sehen wir die Riesenlobelie. Eine wunderschöne,
beeindruckende Pflanze.
Riesenlobelie
Mini-Riesenlobelien
Die Landschaft wird wieder ein wenig attraktiver
Es folgt der finale Abstieg zum Barranco-Camp, welches
gut 600m unterhalb des Lava Towers liegt. Zu unserer Überraschung und Freude
hat David, unser Hilfsguide, Träger organisiert, die uns den Tagesrucksack auf
den letzten Metern abnimmt.
Um 14:30 Uhr erreichen wir das Camp, wo sich
Markus gleich mal hinlegt und ich mich der Körperpflege widme. Popcorn und Tee
werden aus der Küche gereicht, aber momentan haben wir beide nicht den Appetit
nach Nahrhaftem. Die Tour war doch recht anspruchsvoll, landschaftlich aber
durchaus reizvoll. Es bleibt noch Zeit um ein bisschen im Camp und in der Gegend
herumzulaufen. Die nächste Etappe ist dabei bereits gut sichtbar: die
berühmt-berüchtigte Baranco-Wall formiert sich vor dem Camp auf und sieht
irgendwie noch anspruchsvoll aus. Da werden wir am übernächsten Morgen gleich
mal gefordert. Übernächsten Tag deswegen, weil wir gemäss Reiseprogramm einen
Zwischentag haben für die Akklimatisation und deswegen morgen im Camp bleiben
werden.
"Mama, der Zirkus ist in der Stadt" - das Camp ist durch den Zusammenschluss der Machame- und Lemosho-Route merklich gewachsen
Wohin man blickt - Zelte...
Und noch ein Blick auf eine andere Seite - im Hintergrund ist die Barranco-Wall zu sehen
Zum Nachtessen gibt es heute Rüeblisuppe, Pizza
und Ananas (die Ananas separat, nicht auf der Pizza…). Abends kommt wie immer
Nteze vorbei ins Zelt und schaut nach unserem Befinden. Soweit so gut bei mir,
die Kopfschmerzen sind zwar weiterhin da, aber schwindelig ist es nicht mehr.
Der Sauerstoffgehalt im Blut hat abgenommen, aber nicht besorgniserregend. Bei
Markus ist der Status unverändert – sein Magen rebelliert weiter. Zu unserer
Verwunderung sagt Nteze, dass wir morgen weiterlaufen werden und nicht im Camp
bleiben. Statt im Baranco-Camp geht’s zum Karanga-Camp. Somit haben wir einige
Anstiege und Distanz bereits hinter uns, wenn wir im letzte Camp vor dem Kili-Aufstieg
eintreffen. Ok, dann halt morgen schon die Baranco-Wall…
Die heutige Route:
10.8 km, 830 Höhenmeter aufwärts, 670 Meter abwärts, höchster Punkt: 4640 m
Teil 708. Sept. 2026
30.06.26
Hüpfdohlen auf 4100m
Guten
Morgen um 6:00 Uhr. Obwohl heute keine grosse Wanderung ansteht, stehen wir
früh auf. Nteze’s Strategie ist, baldmöglichst loszumarschieren, um so den
Personenandrang bei der Barranco-Wall zu umgehen.
Morgenstimmung im Camp - wie immer mit Wolkenmeer
Bald folgt auch schon unser „heissgeliebtes“
Porridge und der Rest vom Frühstück. Markus geht’s ein wenig besser, aber er
hütet sich, nun wieder voll mitzuessen. Um uns herum herrscht ebenfalls schon
Grossbetrieb, wir sind offenbar nicht die einzigen, die die Frühaufsteher-Taktik
verfolgen. Als wir uns abmarschbereit machen, kraxeln bereits viele Gruppen in
der Barranco-Wall oder sind auf dem Weg dorthin.
Fast vertikal verläuft die Wand - die Wanderer sind dank der farbigen Kleidung von weitem gut erkennbar
Und ja, vom Camp her ist sie
schon noch eindrücklich. Wenn der Weg durch das tägliche Begehen nicht so
offenkundig sichtbar wäre, wüsste man nicht, wie man da hochkommen sollte. Mit
diesen Gedanken reihen wir uns ein in den Personenstau und nehmen den Aufstieg
in Angriff. Langsam, Schritt für Schritt, schneller geht’s durch den Personenstrom eh nicht vorwärts.
Blick zurück ins Camp....
... und Blick vorwärts in die Wand
Es geht steil hoch, dann folgt eine kurze Passage nach unten, ehe es seitwärts
geht und dabei einen Felsen umarmt. Nicht, weil ich den Felsen liebe, sondern
um nicht abzustürzen. Daher wohl auch der Name „Kissing rock“.
Auf dem Hintern geht's erst mal wieder ein wenig runter
Geschafft, vorbei am "Kissing rock"
Steil ist's ja schon in dieser Wand...
Und gleich wird wieder eingereiht in die Personenschlange
Es folgen
weitere kurze Stellen, wo man ein wenig aufpassen und schwindelfrei sein muss,
aber mit ein wenig Wander-Erfahrung und auch mit der Hilfe der Guides ist die
Wand problemlos zu meistern. Einzig der Abstand zum Vordermann sollte
eingehalten werden. Markus holt bei einer hohen Stufe sein Bein grosszügig aus
und trifft mich dabei mit der Schuhsohle meine Nase. Kurzer schmerzhafter
Nasenstüber, aber zum Glück ausser Nasenbluten nichts passiert. In diesem Weg-Abschnitt
staune ich einfach wieder über die Träger. Vollgepackt, teils die Gepäckstücke
auf dem Kopf balancierend, teils mit schlechtem Schuhwerk, überwinden sie die
Felsen als wäre es das Normalste der Welt. Irre…
Bald
haben wir die schwierigen Stellen hinter uns; diese sind eigentlich nur zu
Beginn in der Barranco-Wall, weiter oben wird’s zwar nicht weniger steil, dafür
ein wenig breiter, so dass kein weiterer Felsen mehr „geküsst“ werden muss.
Weiter oben entspannt sich die Lage, auch weil die Wege breiter werden
Nach
1.5 Stunden erreichen wir den „Gipfel“ der Barranco-Wall, wo uns sogleich die
Sonne begrüsst und es wärmer wird. Zeit, die Jacke zu wechseln. „Follow me“,
tönt es von Nteze. Er will ein Gruppenfoto mit dem Kibo im Hintergrund machen.
Die obligate Fahne darf dabei auch nicht fehlen. Gut, erledigt, Zeit für
Kleidertausch… „Follow me“, tönt es erneut von Nteze und wie die Lemminge
laufen wir wieder hinter ihm her. Erneut ein Gruppenfoto, diesmal mit dem
Wolkenmeer im Hintergrund. Und weil das noch nicht genügt, müssen wir aufspringen.
Markus und ich sind jetzt nicht so begeistert von der Idee, aber machen wir
halt diesen Klamauk mit. Offenbar weil die anderen Gruppen springen, müssen wir
ebenfalls wie Hüpfdohlen posieren. Da wir beide es mit so Influencer-Zeug nicht
haben und daher nicht geübt sind, braucht es einige Anläufe, bis ein
einigermassen brauchbares Bild im Kasten ist. Nach dieser Anstrengung hoffe ich,
dass die Kraft noch ausreicht um das Camp zu erreichen…
Zuerst ein normales Foto, soweit so gut....
... dann noch zirkusfrei über dem Wolkenmeer
Jetzt Kleiderwechsel
oder nochmals ein „Follow me“? Scheint nichts mehr zum Fotografieren zu geben,
also endlich Kleiderwechsel. Nach
einem Stärkungstee führt der Weg vom „Gipfel“ wieder runter, nur um auf der
anderen Seite gleich wieder hochzugehen. Unser nächstes Camp ist schon
ersichtlich. Cool, denke ich, ist ja nicht mehr so weit. Was ich nicht gesehen
habe, ist, dass es dazwischen nochmals ein Tal gibt, das darauf wartet
erwandert zu werden. Somit, nachdem wir auf der anderen Seite wieder
hochgekommen sind, geht’s gleich wieder runter und dann gleich wieder rauf.
Letzter Aufstieg für heute
Nochmals wird's für gut eine halbe Stunde steil
Die
Landschaft ändert sich während der heutigen Tour nicht gross. Viel Felsen und
Gestein, ab und zu ein wenig Büsche und Pflanzen. Das Grün bietet einen schönen
Kontrast zu den grauen Steinen. Wir
sind gut unterwegs und erreichen nach ca. 3.5h reiner Wanderzeit das Karanga-Camp
auf 4‘000m Höhe.
Unser Zelt ist wiederum bereits aufgebaut und wir können uns
frisch machen. Obwohl auf grosser Höhe ist die Temperatur sehr angenehm, es ist
sonnig und zum Glück windstill. Um 13:15 Uhr wird Lunch serviert:
Pouletschenkel mit Pommes Frites, dazu Gemüse. Da Markus immer noch so halb im
Hungerstreik ist, gönne ich mir ein wenig mehr.
Daumen hoch für ein leckeres Mittagessen
Gemäss Nteze wird unsere Küche
ab/in diesem Camp wieder mit frischen Lebensmitteln versorgt, daher schmeckt es
wohl so gut. Danach wird ausgeruht und mal ein Powernapping gemacht, obwohl uns
Nteze davon abgeraten habt („dann könnt ihr nachts nicht mehr schlafen“). Zwischendurch
gibt’s mal Schuh- und Fusspflege, muss auch mal sein nach dem 4. Wandertag.
Ein
Aklimatisierungsspaziergang gibt es nicht, daher bleibt ein wenig Zeit um im
Camp herumzulaufen und ein paar Aufnahmen zu machen. Das Campgelände ist riesig
und meine Turnschuhe rutschen auf dem losen Gestein-/Kiesboden oftmals umher,
somit beschränkt sich der Aktionsradius auf ein paar Dutzend Meter ab unserem
Zelt.
Blick zum Kibo
Am späteren Nachmittag läuft ein Wanderer an unserem Zelt vorbei. Nach
kurzer Begrüssung stellen wir fest, dass er auch Schweizerdeutsch spricht. Der
erste Schweizer, den wir auf der Tour nach 4 Tagen begegnen. Er ist alleine
unterwegs, wir plaudern ein wenig miteinander und erzählen uns von unseren
Reiseplänen. Als unser Chefkoch das Abendessen auftischt, verabschieden wir uns.
Sunset auf 4000m Höhe. Fehlt nur noch der Sundowner...
Zum
Abendessen gibt es Lauchsuppe, Reis, Beef und Gemüse. Anschliessend erfolgt wie
jeden Abend das Briefing für morgen sowie die Blutmessung. Sauerstoffgehalt im
Blut heute: 82%. Empfinden: gut, keine Kopfschmerzen oder Schwindel. Die
Zuversicht wächst wieder nach dem gestrigen eher schlechten Empfinden, dass ich
den Gipfel erreichen kann.
Die heutige Route:
5.6 km, 450 Höhenmeter aufwärts, 410 Meter
abwärts, höchster Punkt: 4220 m
Teil 810. Sept. 2026
01.07.
– Powernappings ohne Napping
Kurz
nach Sonnenaufgang erwache ich, wie in den letzten Tagen wie immer dank der „bequemen“
Unterlage mit einigen Wehwehchen, entweder an den Hüften oder am Rücken. Mein
Schlafsack ist auch nur für -5 Grad ausgelegt, das reicht auf einer Höhe von
4000m definitiv nicht mehr. Das gute dabei ist, ich bin praktisch schon
angezogen, als ich mich aus dem Schlafsack kämpfe. Draussen begrüsst uns
wiederum ein klarer blauer Himmel und das Wolkenmeer unter uns.
Sonnenaufgangs-Stimmung im Camp. Dem Mond gefällt das, drum bleibt er noch ein bisschen am Himmel
Die Sonne ist wie immer bei Tagesanbruch noch hinter dem Berg
Heute
dürfen wir es ein wenig ruhiger angehen. Dadurch, dass wir gestern bereits eine
Zwischenetappe vom Barranco- zum Barafu-Camp zurückgelegt haben, haben wir
heute nur eine Strecke mit einer Distanz von 4 km vor uns. Im Nachhinein war es
eine gute Entscheidung hier zu übernachten und bereits einen Teil der Strecke
zu absolvieren. So haben wir vor dem finalen Aufstieg einen eher entspannteren
Tag. Bald schon gibt es Frühstück mit den bekannten Zutaten bestehend aus Porridge,
Eierspeisen, Toast und Früchten.
Und
kurze Zeit später sind wir abmarschbereit.
Blick zurück ins Camp, wo sich schon einige mit uns auf den Weg machen
Die Landschaft ist sehr karg,
steinig und felsig. Steile Aufstiege gibt es heute nicht und das Tempo ist
bereits zu Beginn sehr langsam, 3-fach Pole. Nachdem wir ja am 1. Tag dachten,
dass wir für das Tempo sorgen müssen, überlassen wir es nun definitiv Nteze,
wie schnell (oder langsam) wir vorwärts kommen. Nach der 1. Anhöhe machen wir
eine kurze Pause, ehe es dann leicht abfallend und flach weitergeht. Hier zieht
Nteze das Tempo wieder ein wenig an, ehe es dann vor dem finalen Aufstieg zum
Barafu-Camp wieder gemächlich hergeht.
Viel Grün gibt es auf dieser Höhe nicht mehr zu bestaunen
Die Karawane folgt dem Weg - am Horizont ist bereits das Barafu-Camp sichtbar
Nteze und Markus an der Front, ich mittendrin und hinter mir David der Hilfsguide, so die Reihenfolge während unserer Wanderungen
Die letzte Steigung dauert auch noch gut
eine halbe Stunde, aber dann haben wir es geschafft. Wir tragen uns im
Hüttenbuch ein und warten eine kurze Zeit, bis unser Zelt gestellt ist. Wir
sind für einmal schneller als unsere Träger. Aber bald treffen auch sie ein und
machen sich gleich ans Aufstellen. Es ist windig hier oben auf 4‘600m, da ist
der Aufbau ein wenig kompliziert. Die Zeit überbrücken wir mit dem Gruppenfoto,
inkl. der obligaten Fahne sowie ein wenig Herumspazieren im Camp.
Mit Fahne....
.... und ohne posieren wir schon wie die Profis vor der Tafel
Panorama-Sicht auf das Camp und den Kibu. Die erste grosse Steigung beginnt bereits im Camp, da geht's bald hoch mitten in der Nacht
Es fliegen
Rettungshelikopter über unsere Köpfe – nicht zum ersten Mal in den letzten
Tagen. Einer landet offenbar oberhalb vom Camp, welches hinter der Kuppe liegt.
Da macht man sich schon Gedanken und hofft, dass morgen der Hubschrauber nicht
meinetwegen hochkommen muss. Gesundheitlich geht’s mir einigermassen gut, kaum
Kopfweh oder Schwindel. Hoffen wir mal dass das so bleibt. Bald werde ich zum
Lunch gerufen – es gibt einen sättigenden und feinen Gemüseeintopf, der zudem
von innen heraus schön wärmt. Trotz Sonnenschein merkt man die Frische in der
Luft und das wir uns 4600m befinden.
Nach
dem Mittagessen kommt Nteze vorbei und verlangt von uns, dass wir ein
Powernapping machen, um uns auf den morgigen Tag vorzubereiten. Ausgerechnet
jetzt, wo ich kein bisschen müde bin, muss ich mich nun hinlegen. Und da ist
noch die andere Sache: wir haben unser Zelt direkt neben der Camp-Tafel und
Camphütte, somit ist um uns herum jederzeit Jubel, Trubel Heiterkeit. Die „Hakuna
Matata’s“, welche die jeweiligen Gruppen jeweils für das Foto skandieren, zähle
ich gar nicht mehr mit. Es ist somit eher ein Hinlegen mit offenen Augen und Warten
auf den Abmarsch.
Das
Nachtessen wird heute bereits um 17:00 Uhr serviert, Spaghetti mit einer
Rüebli-Pepperoni-Champignons-Sauce. Das Briefing von Nteze folgt bald und wir
begeben uns frühzeitig zur „Nachtruhe“, wenn man das so sagen kann. Aber
schlafen kann ich nicht immer noch nicht, entweder aus Anspannung oder weil der
Magen nach dem Nachtessen noch arbeitet. Erst um ca. 21:00 Uhr bin ich mal für
eine kurze Weile weg. Somit könnte ich nun bis zum Morgen durchschlafen. Aber
daraus wird nichts.
Der
Tag ist noch nicht beendet, um 22:30 Uhr weckt uns der Koch mit seinem
bekannten „Hellooou“ und bringt uns Bisquit und Tee. Hungrig bin ich nicht,
durstig auch nicht so, aber ich nehme mir trotzdem eine Tasse Tee. Es ist kalt
und wir wissen nicht so genau, was wir für den Aufstieg anziehen sollen, so,
dass wir nicht zu kalt, aber auch nicht zu heiss haben. Ich entscheide mich für
lange Merino-Unterwäsche, dazu dicke Trekkinghosen, T-Shirt, Pullover, Jacke
und Daunenjacke. Und natürlich Handschuhe und Wollmütze. In den Tagesrucksack
kommt nur das notwendigste mit, die grosse Kamera bleibt im Camp wie auch der
Regenschutz und weiterer Grümpel. Eingepackt werden nur 2 Liter Wasser, die
Wanderstöcke und was man dann später noch so braucht (Sonnenbrille). Um 23:30
Uhr stehen wir draussen bei Nteze, dick eingepackt und mit Stirnlampe
ausgerüstet, bereit für den grossen Tag. Nteze lässt sich nicht zweimal bitten
und bläst zum Abmarsch. Im Camp sehen wir weitere Stirnlampen und deren
Inhaber/innen, die sich bereit machen, den Gipfel zu besteigen. So geht es also
los, in die Dunkelheit stapfend… das grosse Finale. Gleich zu Beginn geht es
steil hoch, ich schwitze bereits ein wenig und mache mir Sorgen, ob ich die
richtigen Kleider angezogen habe…
Die heutige Route (ohne Etappe auf den Kibu):
3.9 km, 650 Höhenmeter aufwärts, höchster
Punkt: 4660 m
Teil 914. Sept. 2026
02.07.
Schrittlänge um Schrittlänge ins Ziel
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, linker Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Wir sind
schon gefühlt seit Stunden beim Aufstieg. Es ist dunkel, es ist kalt und die
Schritte sind monoton. Apropos Schritte: die Schrittlänge beträgt gut eine
Fusslänge – mehr liegt nicht drin. Kopfschmerzen und Schwindel sind in der
Zwischenzeit zurückgekehrt, es werden nicht die letzten Symptome der
Höhenkrankheiten sein….
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Wir sind mitten in eier steilen Wand. Nach unten
blickend sehe ich die Stirnlampen tanzen, welche sich ebenfalls auf dem Weg
befinden. Gäbe noch ein gutes Foto… aber irgendwie habe ich keine Kraft und
Lust, jetzt Fotos zu machen. Zumal ich die Spiegelreflexkamera unten im Camp
gelassen habe. Nur das nötigste mitnehmen, hat’s geheissen.
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Eine grössere Gruppe marschiert unter uns, ihre
Lampen ergeben einen Lichttatzelwurm. Ihr Guide ruft in die Bergwelt: „Hakuna…“
und die Gruppe erwidert: „… matata!“ Zum Glück ist Nteze nicht so eine
Stimmungskanone. Im Gegenteil, eigentlich passt er ganz gut zu uns. Seine
ruhige und sachliche Art, nur das notwendigste sagen, der Fokus liegt auf dem
Erreichen des Gipfels. Motivieren muss er uns nicht und bespassen sowieso
nicht. Deshalb sind wir froh, dass wir nicht wie andere Gruppen im Kreis singen
und tanzen „müssen“ nach dem erfolgreichen Erreichen eines Camps. „Hakuna…“
ertönt es wieder unter uns, das „… matata!“ klang auch schon enthusiastischer
und lauter….
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Der Körper meldet sich: das rechte Schulterblatt
schmerzt, nicht zum ersten Mal auf der Tour, aber jetzt um so heftiger.
Rucksack falsch gepackt? Druckstelle? Keine Zeit für Ursachenforschung, der
Kopf schmerzt. Eigentlich sollte ich trinken wie von Nteze empfohlen, ich habe
aber keinen Durst. So bleiben die 2 Liter Wasser weiterhin im Gepäck und somit
auch als Gewicht am Rücken hängen. Geradeaus schauen geht gut, sobald ich aber
auf die Seite blicke, wird’s mir schwindelig. Nur die Beine tun das, was sie
sollen.
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Die Höhenluft fordert ihren Tribut. Markus, der
vor mir läuft, wankt gefährlich. Oftmals habe ich Angst, dass er hinfällt, aber
er kann sich im letzten Moment immer wieder fangen. Bei einer Pause frage ich
ihn: „was gibt 17 + 18?“ Nach einer Bedenkzeit meint er: „36!“ Der Höhenkoller
fordert seine Opfer… auch mich erwischts, aber mit Brechreiz: nachdem ich doch
mal was getrunken habe, meldet sich nun auch mein Magen. Er möchte die Flüssigkeit
gleich wieder an den Absender zurückschicken. Aber ich kann es (aus)halten.
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Wann wird’s endlich Morgen? Wann sind wir
endlich oben? Wie lange geht das noch so weiter? Manchmal möchte ich mich
einfach hinsetzen und sagen: „macht den Sche…. alleine, ich warte hier!“ Aber
bremsen kann ich nicht, die Beine laufen automatisch und (wenigstens die) ohne
Schmerzen. Nach jeder Pause wir das Anlaufen schwer, am liebsten möchte ich ohne
Rast durchziehen.
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. Nteze ist heute rucksackfrei unterwegs, dafür
muss der Hilfsguide mehr schleppen. Vielleicht hatte er so eine Vorahnung, denn
nach ca. der Hälfte der zurückgelegten Strecke dürfen wir uns abwechselnd
unserer Rucksäcke entledigen und Nteze übernimmt das Tragen. Ich nehm mir die
Trekkingstöcke zu Hilfe, besser und einfacher will es aber nicht werden. Je
höher wir steigen, umso kräftiger weht ein kalter Wind ins Gesicht. Zumindest
war meine Kleiderwahl optimal, ich schwitze und friere nicht während des
Aufstiegs.
Linker
Fuss vor, rechter Fuss vor, …. „Yiiepiiii“, von weit oben ist ein Jubelschrei
zu hören. Ich schaue nach oben und sehe weiterhin die Wand, der steile Anstieg
scheint kein Ende zu nehmen. Im Osten ein kleiner Lichtblick, es dämmert
langsam. Das Gröbste ist geschafft, die Zuversicht kommt mit den ersten
Sonnenstrahlen zurück. Jetzt einfach durchziehen, koste es was es wolle. Nur
nicht mehr nach oben schauen, nur noch geradeaus nach unten.
Und
plötzlich wird der Weg flach und ich stehe vor einer Tafel. „Stella Point“
steht da geschrieben. Ich stütze mich auf den Trekkingstöcken ab und blicke
herum. Grosser Fehler, denn sofort wird’s mir wieder schwindelig. Also setze ich
mich ziemlich wackelig hin und atme mehrmals durch. David, unser Hilfsguide,
reicht uns Tee. Trinken mag ich aber nicht so richtig und würge den Tee runter.
Wir wollen/müssen aber weiter zum Gipfel und werden von Nteze ermuntert
aufzustehen und weiterzulaufen. Zum Glück ist es jetzt nicht mehr steil und es
sind „nur“ noch gut 100 Höhenmeter zu bewältigen, aber wir haben trotzdem noch
gut 45 Minuten, bis wir den Uhuru Peak nach 7 Stunden Marschzeit erreichen.
Sonnenaufgang am Horizont
Blick zur anderen Seite des Sonnenaufgangs
Oben
angekommen sind wir nicht die einzigen. Der Andrang bei der Tafel ist gross,
aber Nteze organisiert uns ein Zeitfenster für ein kurzes, schnelles
Gruppenfoto. Natürlich wird dabei stolz die Flagge gehisst.
Flagge gehisst, Auftrag erledigt...
... danach dürfen wir noch flaggenfrei posieren
Alsbald drängt er
zum Abstieg, doch Markus teilt ihm mit, dass, wenn wir in der Schweiz einen
hohen Berg bestiegen haben, zuerst mal die Aussicht geniessen und ein bisschen
zur Ruhe kommen wollen. Mit einem Grummeln nimmt dies Nteze so entgegen. Wir
schauen uns abseits der Menschenmasse ein bisschen um. Rundherum hat’s Schneefelder,
welche in der aufgehenden Sonne leuchten.
Vermutlich hat der Wind den Schnee so geformt
Blick in den "Krater", wenn man den so nennen kann
Ist eher ein Hochplateau als ein "Krater"
Der hintere Rand des "Kraters"
So richtig geniessen kann ich
Stimmung nicht, denn der Aufstieg ist immer noch in den Knochen. Zudem spüre ich
keine Freude oder Genugtuung, den Gipfel erreicht zu haben. Es ist irgendwie
eine Leere da, kein Bewusstsein, das grosse Ziel erreicht zu haben, bei dem man
sich so lange vorbereitet hat. Vielleicht ist ja alles plötzlich zu schnell
gegangen, um unsere Leistung zu realisieren. Nach 10 Minuten fragt Nteze, ob er jetzt die
Erlaubnis habe, mit uns abzusteigen. Hat
er… und so machen wir uns auf den Rückweg.
Vor dem Abstieg gibts am Stella Point noch ein letztes Erinnerungsfoto
Runter geht’s wesentlich schneller,
da wir eher hinunterrutschen als zu laufen, da der Weg voller losem Kies ist
und man darauf mehr surft als läuft. Der Eindruck während des Nachtaufstiegs
täuschte nicht: der Weg ist wirklich steil, aber das lose Kies kommt mir fremd
vor, da wir beim Aufstieg immer einen festen Untergrund hatten.
Der Abstieg beginnt kurz nach dem Stella Point
Blick zurück ins steile Gelände
Der lose Untergrund ist gut zu erkennen
Zwischendurch
machen wir kurz eine Pause, welche genutzt wird, um sich den warmen Kleider zu
entledigen. Die Wärme kommt spürbar zurück, je später der Tag wird und je mehr
Höhenmeter wir zurücklassen. Wie schon beim Barranco-Camp warten vor dem Camp zwei
Träger, welche uns die Rucksäcke abnehmen und wir für die letzte gut halbe
Stunde ohne Last hinunterlaufen können.
Das Camp ist bereits zu erkennen - zumindest einen Teil davon. Unser Zelt liegt hinter der Kuppe, welche der erste Anstieg um Mitternacht war
Nach
gut 3.5 Stunden sind wir im Camp zurück. Wir haben nun gut 1.5 Stunden Zeit zum
Ausruhen und Koffer packen, bevor es Lunch gibt es dann weitergeht zum nächsten
Camp, welches gut 1‘600 Meter weiter unten liegt. Vor dem Mittagessen ziehe ich
mich um und verstaue die Winterkleider wieder im Gepäck.
Neuankömmlige posieren vor der Tafel. Wenn die nur wüssten, was sie in den nächsten Stunden erwartet...
Am
frühen Nachmittag marschieren wir los und bald haben wir das Barafu-Camp hinter
uns gelassen.
Die Ausläufer des Camps. Der Weg hinunter ist bereits erkennbar
Das erste Mal sehen wir Lücken im Wolkenmeer
Markus mit David, unserem Hilfsguide
Wunderschöner Blick auf Moshi(?)
Bald wechselt die Landschaft von kargen Felsen über zu Sträuchern,
so schnell geht das mit den Höhenmetern. Immer wieder kommen uns Träger
entgegen, die vermutlich auf diesem Weg frische Lebensmittel nach oben bringen.
Beim Millenium-Camp machen wir eine kurze Pause. Scheint nicht viel los zu sein
in diesem Camp. Nteze meint aber, dass es dann gegen Abend gut gefüllt sein
werde. Unser Ziel ist das Mweka-Camp, dass sich noch ein gutes Stück weiter
unten befindet und wir marschieren weiter. Nach den Sträuchern folgt der Wald,
so schnell geht das.
Das erste Grünzeug zeigt sich wieder auf dem Weg nach unten
Je tiefer wir kommen, umso dichter wird das Gestrüp
Nach dem Millenium-Camp führt der Weg über Felsen und
Steine, mich erinnert’s ein bisschen an eine alte römische Strasse. Auch wenn
wir nun nicht mehr im Schrittempo und -länge vorwärts gehen, geht der Abstieg
langsam aber sicher in die Beine. Meine Knie werden weich, und nach jeder Kurve
hoffe ich, vor dem Camp zu stehen. Aber mein Wunsch bleibt noch lange nicht in Erfüllung.
Die Landschaft ist nun wieder sehr abwechslungsreich. Und obwohl um uns herum
wieder Bäume wachsen, wandern wir nicht oft im Schatten.
Nicht nur grünes, auch Blüten sind zu bestaunen
Die "römische" Pflasterstrasse
Wie eine Allee schlängelt sich der Weg durch die Sträucher und Bäume
Das
Mweka-Camp erreichen wir um ca. 17:00 Uhr nach einem 4 Stunden Marsch und
tragen uns wiederum im Hüttenbuch ein. Das Camp liegt mitten im lauschigen Wald
und aus meiner Sicht ist es der schönste Campplatz den wir hatten. Und es
scheint ziemlich gross zu sein, denn von der Camphütte bis zu unserem Platz
laufen wir noch gut 10 Minuten.
Zum Schluss natürlich nochmals ein Foto mit der Camptafel
Da
wir relativ spät ankommen, gibt es bald Nachtessen. Die Stimmung ist irgendwie
ausgelassen. Eine Gruppe in unserer Nähe singt und auch bei unseren Trägern,
bzw. den Personen rund um uns herum ist die Erleichterung anzumerken, bald
wieder zu Hause zu sein. Nteze kommt noch für ein letztes Briefing ins Zelt. Da
mein Reiseproviant während des Aufstiegs praktisch unberührt bleibt (schwarze
Schokolade und Cashew-Nüsse), gebe ich sie Nteze weiter, damit er sie unter den
Köchen und Trägern aufteilen soll. Somit wieder was weniger im Koffer… Usiku
mwema!
Die heutige Route:
17.4 km, 1240 Höhenmeter aufwärts, 2830 Höhenmeter
abwärts, höchster Punkt: 5900 m
Der Aufstieg ist ca. 5.3 km lang, somit waren wir
durchschnittlich mit 0.76 km/h oder 12.6 m/min. unterwegs.
Auf-/Abstieg beim Kili: Links gings hoch auf festem Gelände, rechts runter als Rutschpartie
Teil 1018. Sept. 2026
03.07.
Déjà-vu-Erlebnisse
Obwohl
heute ein eher kurzer, letzter Abschnitt bevorsteht, möchte Nteze früh starten.
Der Grund: unten im Zentrum angekommen erhalten wir unser Zertifikat und
offenbar hat das Büro nur einen Drucker. Da viele Wanderer unterwegs sind,
würde es lange dauern, wenn wir später ankommen und eine Stunde auf das
Zertifikat warten müssen. Tönt ein bisschen abenteuerlich, aber wir willigen ein.
Er hätte auch einfach sagen können, dass wir so früher zum Duschen und Rasieren
kommen und an den Pool können, das alleine wäre Motivation genug gewesen.
Bevors losgeht, machen wir noch ein Gruppenfoto mit all unseren Helfern. Und da
passiert es: jetzt fangen auch die an zu singen. Dasselbe Lied, dass wir von
den anderen Gruppen immer wieder gehört haben. Wir geniessen die Atmosphäre und
machen uns dann wanderfertig.
Unsere Crew, die uns während 7 Tagen verwöhnt und zu uns geschaut haben
Obwohl
es die letzte Etappe ist und wir weit vom Hochgebirge entfernt sind, so ist es
doch aus meiner Sicht der schwierigste Teil: der Weg führt wie am ersten Tag
der Tour durch den Regenwald (wie bei der 1. Etappe, ein kleines Déjà-vu
Erlebnis ist nicht von der Hand zu weisen), der Boden ist nass und glitschig
und teils ein wenig steil. Zweimal rutsche ich weg, kann mich aber noch
irgendwie auf den Beinen halten. Mal laufen wir auf den Felsen, die durch das
ständige Begehung „abgeschliffen“ sind und durch ihre glatte und feuchte
Oberfläche keinen richtigen Halt bieten und zur Abwechslung dann auf schlammigen
Erdboden.
Eigentlich
ist die Umgebung wunderschön und sehr fotogen, aber wir müssen uns auf den Weg
konzentrieren und können so den Regenwald nicht so richtig geniessen. Trotzdem, einige schöne Aufnahmen gibt's dann doch noch, folgend ohne Kommentar (einfach zum geniessen... 😄).
Wir
stellen fest, dass wir nicht die Einzigen sind, die motiviert sind frühzeitig
zur finalen Basis zu gelangen. Bei anderen Wandergruppen ist das Tempo
ebenfalls hoch, wir werden ein paar Mal überholt. Auch die Träger haben ein
beachtliches Tempo drauf. Viele singen, plaudern und lachen miteinander. Nteze
meint, sie freuen sich auf ihr zu Hause und auf eine Dusche. Das kann man
durchaus nachvollziehen, ihrer Arbeit kann man nicht genug Respekt zollen. Auch
wir kommen ein wenig mehr ins Plaudern, wobei die Messlatte dafür bei uns ja nicht
besonders hoch ist. Wir unterhalten uns mehrheitlich mit unserem Hilfsguide
David, da Nteze… einfach Nteze ist. Ruhig, manchmal in sich gekehrt, aber
äusserlich scheint es mir strahlt er so eine gewisse Zufriedenheit aus. Zufrieden
vielleicht, weil er es wieder geschafft hat, Touristen auf den Gipfel zu
bringen. Was wir von ihm noch erfahren ist, dass er nun zwei Wochen Pause macht
und mit seinem Motorrad ein bisschen durchs Land fährt. Dann kommt die nächste
Gruppe, seine nächste Herausforderung, auch für seine Hüfte, die beim Abstieg
erheblich schwankt.
Bald
erreichen wir die breite Strasse, die fahrzeugtauglich ist. Und wie gerufen,
kommt uns ein Rescue-Car alsbald entgegen. In diesem Fahrzeug möchte ich aber
nicht unbedingt der Patient sein. Bei dieser Rumpelpiste sind weitere zugezogene
Verletzungen im Auto drin nicht ausgeschlossen. Uns kommt hierzu der Film „Hot
Shots“ in den Sinn, wo so ein Ambulanzwagen durch die Prärie hüpft und die
Insassen arg in Mitleidenschaft gezogen werden (https://www.youtube.com/watch?v=ECiut2qgJck,
ab 1:05 – 1:16 Min.).
Links David, in der Mitte unser Koch, rechts Nteze
Den
breiten Weg nach unten nützen wir, um wie am 1. Tag wieder die Führung zu
übernehmen. Diesmal hören wir aber kein Pole pole von hinten. Nach gut 4
Stunden kommen wir am Gate an, wo wir uns für ein Schlussfoto aufstellen.
Allerdings nicht so wie bei den anderen Camps, sondern, einer muss jeweils das
Bein des anderen halten. Ok, den letzten Schabernack gönnen wir Nteze noch.
Hoch das Bein
Danach
geht’s eine Station weiter. Für 5$ werden unsere Schuhe und auch meine
Trekkingstöcke geputzt und wir warten anschliessend im Empfangscenter auf das
weitere Vorgehen – ein weiteres Déjà-vu-Erlebnis. Aber diesmal geht’s schneller
als bei der Anmeldung. Der Drucker scheint auf Betriebstemperatur zu sein und
wir erhalten unser Zertifikat innert 10 Minuten. Mein Zertifikat ist korrekt
geschrieben, aber mein Reisekollege heisst aber ab jetzt „Dyss Matrkus“ statt
„Wyss Markus“. Er nimmts mit Humor…
Wir werden "ausgecheckt". Die Heizung im Gebäude scheint defekt zu sein, Madame sitzt mit dicker Jacke am Empfang...
Zufrieden
steigen wir ins Taxi ein und fahren beim Empfangscenter ab. Auf der Rückfahrt
halten wir noch bei einem grossen Souvenirshop, wo wir uns mit einem neuen
T-Shirt mit der Aufschrift „Kilimanjaro“ eindecken. Weiter geht die Fahrt durch
kleine Dörfer, die auffallend viele Sarggeschäfte haben. Naja, der Standort ist
ja nicht so schlecht gelegen und in der Nähe ist ja noch das Krankenhaus, wo
die verletzten Wanderer hingebracht werden, aber ein bisschen makaber find ich’s
schon. Zumal, wenn man sonst durch Tansania fährt und das Strassenleben, bzw.
die Geschäfte beobachtet, ich bisher nie solche Geschäfte gesehen habe.
Und
dann sind wir auch schon wieder zurück im Springlands Hotel. Die Koffer, welche
wir im Hotel hinterlegt haben, sind noch mit sämtlichem Inhalt da und wir
erhalten wieder unser gleiches Zimmer wie vor dem Aufstieg. Noch vor dem
grossen Umpacken haben wir eine Aufgabe zu erledigen, auf die wir lange
gewartet haben – Duschen! Noch nie habe ich eine Dusche und Rasur so genossen
wie jetzt. Herrlich! Sauber geputzt geht’s zum Lunch, wo uns wiederum das
bekannte Buffet erwartet. Anschliessend folgt das Debriefing von Nteze mit
David zusammen. Wir überreichen ihnen dabei ihr wohlverdientes Trinkgeld und
dann heisst es Abschied nehmen.
Den
Nachmittag verbringen wir am Pool. Zum ersten Mal seit 7 Tagen ist wieder mal
richtig entspannen angesagt. Bei Einbruch der Dunkelheit gönnen wir uns zum
Apero eine Flasche Rotwein, die haben wir uns verdient. Am Abend zum Nachtessen
gibt’s wieder Buffet. Wir werden an den gleichen Tisch gesetzt wie das dänische
Ehepaar, welches ja parallel die gleiche Etappe gewandert ist wie wir. Sie
haben den Gipfel auch erreicht und meinten, dass wir doch ein hohes Tempo beim
Wandern eingelegt hätten…
Zufrieden
geht’s ins bequeme Bett.
Die heutige Route:
9.31 km, 1390 Höhenmeter abwärts, höchster Punkt: 3060
m
Hier noch ein paar Bilder mit der gesamten Route (der Unterbruch im Mweka-Camp kommt daher, dass ich das GPS beim Hüttencamp ausgeschaltet habe, wir aber noch gut 10 Minuten zu unserem Campplatz laufen mussten. Bei der letzten Tour habe ich dann vom Zelt aus das GPS wieder eingeschaltet).
Teil 1123. Sept. 2026
04.07.26 – Transfer nach Arusha
Nach einer Woche auf einem harten Untergrund,
mit einer weichen 5cm Unterlage, Schlafsack und Temperaturen unter dem
Gefrierpunkt, fühlt sich die Nacht und der Schlaf in einem richtig guten bequemen
Bett wie im Himmel an. Entsprechend gut ausgeschlafen starten wir in den Tag,
welcher mit einem letzten Zusammenpacken beginnt. Heute ist so quasi der
Übergang in den 2. Teil der Reise, bei der unsere Safari startet.
Frühstück gibt’s wie immer in englischer
Version und wie jeden Morgen werden wir von einem Mitarbeiter darüber informiert,
was es alles am Buffet zu holen gibt. Gäste hat es augenscheinlich immer noch
wenig, es sind in dem grossen Speiseraum nur gut vier Tische besetzt. Und ab
heute vielleicht einen Tisch weniger, weil wir uns verabschieden.
Die Verabschiedung folgt bald. Zuerst geht es
aber noch ans Bezahlen, aber dank unseren Erfahrungen vom ersten Mal verläuft
der Geldtausch heute reibungslos. Um 10:00 Uhr steht schon unser Taxi bereit,
ein asiatischer Kleinbus, bei dem die Klimaanlage sehr gut funktioniert.
Jedenfalls frieren wir sofort als wir einsteigen. Der junge Fahrer steuert uns
gekonnt durch Moshi raus und wir unterhalten uns zu Beginn ein wenig mit ihm.
Anschliessend ist mehrheitlich Ruhe im Wagen und wir beobachten die Szenerie
links und rechts der Strasse. Der Verkehr kommt eher schleppend vorwärts,
eigentlich ist man es ja gewohnt, dass da irgendein Lastwagen im Schneckentempo
den kleinen Anstieg hoch keucht und zum Überholen die Sichtweite fehlt. Das
hält aber den öffentlichen Verkehr, vornehmlich die Kleinbusse (Dala-Dalas),
nicht davon ab, abenteuerlich auf der Gegenfahrbahn im vollen Garacho die
Autoschlange zu überholen und gekonnt (oder glückhaft) eine sich öffnende Lücke
zu fahren, wenn’s mal knapp werden sollte. Kurz vor Arusha biegen wir von der
Hauptstrasse ab und fahren durch eher dünn besiedeltes Gebiet. Dann wechselt
die Strasse von Asphalt zu Schotter und ich denke, für eine Grossstadt wie
Arusha eher ungewöhnlich. Hat sich unser Fahrer verfahren?
Gut 10 Minuten später weiss ich die Antwort:
hat er nicht, wir treffen um die Mittagszeit bei der Moivaro
Coffee Lodge ein. Nach dem Gepäckauslad werden wir mit einem
Erfrischungstuch und Drink begrüsst, ehe wir in der weitläufigen Anlage zu
unserem Zimmer geführt werden.
Verzierte Bettenanlage
Badbereich, auch verziert
Anschliessend wird’s Zeit für einen kleinen Lunch,
wo wir das Tagesmenu wählen (Kürbissuppe, Fisch mit Kokossauce und Kartoffeln
und als süssen Abschluss ein Tiramisu). Und es schmeckt ausgezeichnet.
Fisch unter Kokossauce und freistehende Kartoffeln
Auch das italienische Dessert schmeckt ausgezeichnet
Es ist heute bewölkt und kühl. Ein Sprung in
den Pool stellt momentan keine Motivation dar. So fragen wir an der Rezeption
an, was man hier so machen kann. Die nette Dame erklärt uns, man kann gegen
Bezahlung eine geführte Tour durch die Kaffeeplantage unternehmen oder auf
eigene Faust eine Rundtour unternehmen. Wir entscheiden uns für zweiteres und
marschieren auf dem ausgeschilderten Weg los. Der Weg führt grundsätzlich
entlang der «Aussengrenze» der Lodge, mitten im Grün unter Bäumen und umsäumt
von Sträuchern. Es ist echt schön hier zwischen Bananenbäumen und
Kaffeesträuchern zu laufen. Tierisch sehen wir die ersten Meerkatzen und Ibise. Kurz bevor die Rundstrecke endet, sehen wir noch einen Posten, wo offenbar die Kaffeeproduktion erklärt wird.
Nach dem Rundgang zieht es uns doch noch an den
Pool, jedoch ohne reinzuhüpfen, sondern nur um uns ein wenig auf den
Liegestühlen auszuruhen. Aber eigentlich ist es auch dafür zu kalt und wir
gehen in unsere Zimmer zurück.
Am Abend gibt’s ein kleines Apero, gefolgt von
einem Snack. Wir warten anschliessend in unseren Zimmern auf die Nachzüglern,
die heute noch eintreffen soll(t)en. Und um 22:00 Uhr dürfen wir Sibylle, Janis
und Aline bei uns begrüssen. Wir unterhalten uns ein wenig von unseren
Erlebnissen (wir am Berg, die Nachzügler am Zoll bei der Einreise, wo sie gut
eine Stunde lang ignoriert wurden), geht’s dann auch ins Bett, in freudiger Erwartung,
morgen endlich die ersten grossen Tiere zu sehen.
Teil 1228. Sept. 2026
05.07.2026
– Duftmarken liegen in der Luft
Es
ist mitten in der Nacht und es poltert und scheppert an unserem Gebäude.
Genauer gesagt kommt das Geräusch vom Dach. Und plötzlich ist alles wieder
ruhig. Ich vermute mal, da haben sich die Meerkatzen ausgetobt, welche wir
tagsüber auf dem Areal gesehen haben. Aber das die nachtaktiv sind, war mir nicht
bewusst – oder es waren halt andere Tiere, welche mich geweckt haben.
Trotz
der Nachtruhestörung bin ich ausgeruht und freue mich auf den Tag, endlich wieder
mal Tiere zu sehen (und nicht nur zu hören). Das Frühstück wird im Hauptgebäude
eingenommen. Es gibt ein ausserordentlich grosses und sehr gutes Buffet. Da
haben die Köche Grossartiges geleistet. Jetzt gehen sie mit Steinschleudern ihrer
Nebentätigkeit vor: das Verscheuchen der Meerkatzen, die sich immer wieder nahe
ans Gebäude wagen und hoffen, einen Happen zu stibitzen.
Wir
packen unterdessen unsere Sachen, welche von den Lodge-Mitarbeitern abgeholt
werden und warten bei der Rezeption auf unseren Fahrer. Der taucht dann bald
schon auf und stellt sich als Edwin vor. Das Verladen unserer Taschen in den
Kofferraum des Jeep erfordert ein wenig Tetris-Erfahrung. Ein zusätzlicher
Koffer hätte den Platzbedarf gesprengt. Bevor’s losgeht, gibt’s ein kurzes
Briefing von Edwin über seine Person und die kommenden Tage, die wir gemeinsam
verbringen. Er spricht auch noch ein wenig Deutsch. Zu 90% sprechen wir aber
englisch miteinander. Und schon fahren wir los, aus Arusha in Richtung Westen
zum Tarangire-Nationalpark. Da der Verkehr eher schleppend vorankommt, nutzt
Edwin die Gelegenheit, uns Tansania näherzubringen und zählt 12 (oder waren es
15?) Gründe auf, warum Tansania das beste Land für eine Safari ist. Da es im
Jeep recht laut ist, schreit er manchmal nach hinten, damit es auch die
hintersten in der Reihe verstehen. Manchmal überschlägt sich dabei auch seine
Stimme. Ich hoffe mal, dass die mehrheitlich monologe Unterhaltung nicht die
ganze Fahrt dauert. Wird sie nicht, je länger die Fahrt, umso ruhiger wird es.
Unterwegs
halten wir ein erstes Mal bei einem grossen „Reise-/Touristen-/Souvenircenter“.
Edwin sagt, dass wir hier von Katrin (oder Karin?) empfangen werden. Sie geht
mit uns nochmals das Reiseprogramm durch, welches wir bereits schriftlich
erhalten haben. Es gibt nichts Neues oder Ausgewöhnliches zu berichten und wir
nehmen die 7 Minuten an Informationen eher mit einem müden Nicken zur Kenntnis.
Wichtiger erscheint uns der Gang zur Toilette, die wir alle in Anspruch nehmen.
Danach werden wir ermuntert, vor der Weiterfahrt den grossen Souvenirladen zu
besuchen. So müssen wir irgendwie 20 Minuten Zeit totschlagen. Aber nach 5
Minuten sind alle draussen und hoffen bald, dass es weitergeht. Naja, aus
meiner Sicht war dieses Intermezzo überflüssig. Vielleicht hat Edwin uns
gesehen, dass wir bereits beim Auto warten und er kommt auch bald mal um die
Ecke. Es geht weiter vorwärts, nun ohne Zwischenhalt zu unserer Unterkunft (Lake
Burunge Tented Lodge), die wir um die Mittagszeit erreichen. Drinnen in der
Lodge werden wir mit Begrüssungsdrink, Erfrischungstuch und Cookies empfangen und
draussen vor der grossen Terrasse begrüssen uns ein Elefant, mehrere Zebras und
eine Giraffe. Da wird für die Familie Wyss die Begrüssungsutensilien der Lodge
zur Nebensache, da sie nun zum ersten Mal Tiere in freier Wildbahn sehen.
Nach
gut 10 Minuten haben wir uns mal sattgesehen und es geht zum Lunch. Nebst uns
ist noch ein weiterer Tisch besetzt, ansonsten ist die Lodge zur Mittagszeit
ziemlich leer.
Blick in den offene Restaurant-/Rezeptionsbereich
Terrasse mit Pool. Wäre sehr einladend, wenn nur die Gier auf den Gamedrive nicht wäre...
Unser Lunch - von allem hat es ein bisschen...
Um
ca. 13:30 Uhr fahren wir los zu unserem ersten Gamedrive. Auf der Sandpiste
erspäht Edwin kurz nach der Abfahrt Pfotenabdrücke eines Leoparden. Er meint,
hier ist mit den Büschen und Felsen ein gutes Leopardengebiet und so folgen wir
im Schrittempo den Spuren. Offenbar herrscht Paarungszeit, denn Edwin meint, er
rieche den Urin (oder was auch immer Leoparden ausdünsten während sie scharf
sind) in der Luft. Ich schmecke keine Duftmarken heraus, sondern einfach die
frische Naturluft, wie ich sie immer in Afrika rieche… So fahren wir gut eine
halbe Stunde in einem kleinen Areal herum, suchen in den Büschen und auf den
Felsen nach Hinweisen. Erblicken lässt sich die Grosskatze nicht – wäre ein
Top-Einstand gewesen für den Gamedrive.
Wir
fahren nun Richtung Süden und fahren um den Lake Burungi herum. Offenbar gibt
es auch ein Süd-Gate; beim ersten Besuch des Parks fuhren wir von Norden her
hinein. Aber bevor wir das Gate erreichen, hält Edwin in der Pampa. In der
näheren Entfernung sehen wir Hütten. Hier, erklärt Edwin, gab’s vor einiger
Zeit ein Zwischenfall mit Elefanten, wo eine Person getötet wurde. Wie ein
Lehrer doziert er gut 20 Minuten, wie es zum Zwischenfall gekommen ist. Mmmhhh…,
ist ja alles interessant, aber die Zeit ist schon weit fortgeschritten und ich befürchte
langsam, dass wir vom Tarangire nicht viel sehen werden… Nach gut geschätzten
weiteren 20 Minuten erreichen wir endlich das Gate und zum Glück geht’s mit dem
Permit relativ schnell. Ich bin gespannt, ob wir wieder grosse Elefantenherden
sehen wie bei meinem ersten Besuch. Spoiler: nein! Dafür eine kleine Herde
Impalas, gefolgt von Strausse, Zebras und Giraffen. Elefanten sehen wir auch,
aber meist nur in kleinen Gruppen oder als Einzelgänger.
Voilà, die Impala"herde". Mehr gibts nicht....
Die Strausse sind ein wenig entfernt der Strasse zu beobachten
Zebras, auch sie nicht gerade am Wegesrand
Und dann noch Giraffen, wenigstens genug gross um auch in Entfernung formatfüllend zu fotografieren
Ach ja, Elefanten gibt's ja auch noch...
Ich habe den Eindruck,
dass die Tierdichte hier im Süden eher kleiner ist als dazumals im Norden.
Oftmals fahren wir ein langes Wegstück ohne Sichtungen oder dann sind sie in
weiter Ferne zu erkennen. Wir fahren weiter nordwärts und werden auf eine stehende
Autokolonne aufmerksam. Wie es sich gehört, reihen wir uns ein und warten auf
weitere Infos. Edwin zeigt auf ein Tier, welches sich auf einem Baumast bequem
gemacht hat. Und tatsächlich: da liegt gemütlich ein Leo und döst seelenruhig, ohne
sich vom Rummel beeindrucken zu lassen. Trotzdem top, ein erstes Highlight. Das
wird ausgekostet und wir bleiben gut 15 Minuten an Ort, obwohl sich die Action
in Grenzen hält.
Wer sieht die Katze?
Vielleicht jetzt?
Aber jetzt... näher komme ich mit dem Tele nicht....
Nachdem nun einige Bilder im Kasten sind,
fahren wir nochmals weiter nach Norden und halten vor einem grossen Baobab. Der
kommt mir ziemlich bekannt vor; hier war ich auch schon letztes Jahr. Somit
habe ich nun den Park vom Norden bis Süden offiziell abgeklappert… Der Baum
markiert unseren nördlichsten Punkt, denn nun geht es wieder zurück. Wir fahren
den gleichen Weg zurück wie wir gekommen sind. Mein Eindruck täuschte also
nicht, dass wir den Park nicht voll auskosten und auf den Nebenwegen nach
weiteren Tieren suchen konnten.
In der Dämmerung kommt uns noch ein einsamer Elefant entgegen
Bei
Einbruch der Dunkelheit erreichen wir unsere Lodge und machen uns nach einer
kleinen Erfrischung in unseren Zimmer auf zum Diner. Diesmal sind alle Tische
belegt, die Lodge scheint ausgebucht zu sein. Es gibt Vorspeise, Hauptgang und
Dessert, alles vom Buffet. Und es schmeckt ausgezeichnet. Nach dem Nachtessen werden
wir von Mitarbeitern der Lodge zu unseren Zimmern geführt, wo bald schon das
Bett auf mich wartet.
Hier noch ein paar weitere Fotos der Lodge.
Die Zimmer sind als einzelne überdachte Tents erstellt
Zimmerterrasse
Grosszügige Betten, im hinteren Bereich die Nasszelle
Ein Untermieter
Teil 1330. Sept. 2026
06.07.26
– auf Souvenirjagd
Waren
es gestern Nacht die Meerkatzen auf dem Dach, die mich geweckt haben, ist es
diese Nacht ein grasendes Zebra vor unserem Zelt. Es scheint ganz entspannt zu
sein, denn oft hört man ein leises Wiehern.
Morgenstimmung - aufgenommen auf der Zimmerveranda
Der
Tagesablauf heute ist ganz entspannt geplant. Nach einem opulenten Frühstück
mit allem Drum und Dran verabschieden wir uns von der Lake Burunge Tented Lodge
und nehmen Kurs Richtung Ngorongoro / Serengeti. Eigentlich schade, dass wir heute
nicht nochmals in den Tarangire fahren, zumal wir ja eigentlich genügend Zeit dafür
hätten. Die gefühlt 3 Stunden gestern waren somit ein ziemlich kurzes
Intermezzo… unterwegs erwische ich noch den einen oder anderen Baobab.
Das
wir heute keine Eile haben, merken wir auch am entspannten Fahrtstil von Edwin.
Er nimmt es heute auf der Strasse sehr locker. Damit er jetzt aber nicht im
Schneckentempo herumfahren muss, hat er für uns extra noch zwei Programmpunkte
eingebaut.
Beim
ersten „Bonusprogramm“ halten wir bei einem Schmuckladen. Zuerst dürfen wir
einen gut 9-minütigen Film schauen, wie der „weltberühmte“ Tanzanite-Edelstein
gewonnen und hergestellt wird (tatsächlich höre und sehe ich zum ersten Mal von
diesem Stein). Der deutsche Untertitel ist noch optimierungsfähig,
oder aber es ist tatsächlich so, dass die Minenarbeiter in einem Müllbeutel in
die Mine herunterfahren (und ich Trottel dachte immer, es wäre ein Lift, der
die Arbeiter nach unten bringt). Gleich neben dem
Vorführraum ist ein kleiner Gang als Mine dekoriert, den man erforschen kann.
Die Forschung endet aber nach gut 20 Metern wieder im Eingangsbereich des
Gebäudes und viel zu entdecken gab es während dem kurzen Abschnitt auch nicht.
Vorführraun
und Minenkorridor sind in der Mitte des Gebäudes angeordnet. Zur Seite hin
separat sind Verkaufsläden platziert. Der einer Laden präsentiert die Klunker in
seiner besten Pracht. Schön sind die Dinger schon anzuschauen, sie dürfen aber
auch entsprechend was kosten. Die Preisschilder wurden vermutlich deshalb nicht
angebracht.
Der
Laden nebenan bietet typische Souvenirs an, wie man sie überall im Land erhält.
Einmal umrundet und für ok befunden, steigen wir ins Auto ein und fahren
weiter. Nach ca. 10 Minuten halten wir wiederum an. Diesmal vor einem dieser
unzähligen Läden, welche Malereien verkaufen. Edwin meint, hier kann man zuschauen,
wie die Bilder hergestellt werden. Wir werden von einem Mitarbeiter zur Hand
genommen und er führt uns ins Atelier sowie in die Hinterzimmer, wo sich weitere
Arbeiter aufhalten und entweder malen, schnitzen oder sonstwie beschäftigt
aussehen. Dabei werden wir von einem weiteren Mitarbeiter begleitet, der uns
scharf beobachtet und bei geringstem „Interesse“, resp. längerem Verweilen vor
einem Kunstwerk, sofort in die Kaufverhandlung einsteigen möchte. Zum Glück
lässt man mich einigermassen in Ruhe, die Konzentration liegt eher bei Markus,
der sich dann zu einem Bild plus zwei geschnitzte Holzfiguren überreden lässt. Allzu
spannend ist es nicht, aber irgendwie müssen wir den 20-minütigen Aufenthalt
hinter uns bringen. Also latsche ich noch die restliche Zeit ausserhalb des
Gebäudes hin und her, mit gutem Abstand zu den Verkäufern und schaue mich ein
wenig in der Gegend rum – mein Desinteresse rettet mich vor einem Kauf…
Endlich
haben wir auch diese Pflichtlektüre hinter uns und können uns unserem
eigentlichen Ziel widmen – die nächste Unterkunft anzusteuern. Die Zufahrt ist sehr abenteuerlich. Das Crater Forest Tented Camp befindet sich nämlich abseits der
Strasse, welche nur über eine holprige Rumpelpiste erreichbar ist. Die Fahrt
auf der afrikanischen Massagestrasse dauert rund 10-15 Minuten und führt mitten
durch Wald. Ich spiele schon mit dem Gedanken, dass wir uns irgendwo in der
Pampa verfahren haben, da öffnet sich eine grosse Lichtung und wir sind
tatsächlich an unserem Ziel angekommen. Wie gewöhnlich werden wir von den
Mtarbeitern mit einem Erfrischungstuch und Drink begrüsst und sogleich folgt
durch den Mitarbeiter Chedi eine kurze Einführung. Nach dem Zimmerbezug gibt’s
Lunch, welcher ausgezeichnet schmeckt. Den Nachmittag verbringen wir auf der
Zimmerveranda und geniessen die Aussicht. Die Lodge befindet sich auf einer Anhöhe
und gleich nach den Zimmer geht’s topografisch runter, nur um auf der anderen
Seite wieder hochzugehen. So sieht die Unterkunft von aussen aus:
Und so von innen:
Da die Lodge sehr abgelegen ist, ist es entsprechend
ruhig hier, abgesehen von Vogelgezwitscher. So stelle ich mir das Paradies vor.
Auf der gegenüberliegenden Seite futtern sich 7 Elefanten durchs dichte
Gebüsch.
Die Aussicht von der Veranda aus
Am
Abend folgt das Diner – so ein zartes und „nichtböckelndes“ Lamm hatte ich noch
nie gegessen. Und dann das Dessert – ein grosses Biskuit mit einer
Mandelfüllung und Schokoladensauce! Herrlich. Die mit Abstand bis jetzt beste Küche,
die wir geniessen durften. Gut genährt und vor dem Schlafengehen versuche ich es noch mit ein paar Sternenbilder.
Bald aber geht’s auch für mich ins bequeme und warme Bett. Lala
salama!
Teil 1405. Okt. 2026
07.07.26
- Hoher Staatsbesuch und noch höhere Wasserrechnung
Heute
heisst es um 5:40 Uhr aufstehen und um 6:00 Uhr frühstücken. Wir wollen früh im
Ngorongoro-Krater sein und so die tierischen Aktivitäten in den Morgenstunden
beobachten. Kurz nach halb sieben fahren, resp. rumpeln wir mit vollem Garacho
die Piste runter – spätestens jetzt sollte jeder von uns wach sein.
Das
Gate ist von der Lodge aus in ca. 20 Minuten erreicht. Die Anmeldung für den
Parkeintritt funktioniert soweit reibungslos, allerdings hat Edwin nach seiner
Rückkehr zum Auto ein „theres a little little problem“ zu vermelden: im Park
drin ist irgendein hoher Staatsminister unterwegs. Er ist allerdings schon auf
dem Rückweg, doch solange der Minister noch nicht draussen ist, dürfen wir
nicht rein. Ahaa, also deshalb ist hier dieser grosser Wagenfuhrpark, der
sonderbar still steht. Hab mich noch gewundert, warum da nichts geht…
Das (lange) Warten hat begonnen....
Also
müssen wir uns noch gedulden. Nach ca. 10 Minuten die Rückmeldung: der Tross
hat soeben den Aussichtspunkt des Kraters passiert, in 6 km Entfernung des
Gates, lange kann es nicht mehr dauern. Tja, wenn wir das gewusst hätten das da ein hoher Amtsträger sich im Park vergnügt (oder was auch immer der Grund für den Besuch war...), hätten wir ausschlafen können…
Tatsächlich
fährt schon bald ein weisser PickUp an uns vorbei. Endlich geht’s los, denke
ich mir, aber es passiert immer noch nichts. Die Parkranger draussen scheinen
immer nervöser und aufgeregter zu werden, offenbar war der Minister nicht im
PickUp.
Nach
weiteren 5 Minuten folgt dann der eigentliche Konvoi. Gezählt habe ich die
Autos nicht, da ich dachte, es wäre in 1, 2, 3 durch. Weit gefehlt…
Schlussendlich schätze ich, waren es doch gegen 20 Wagen, welche an uns
vorbeifuhren – und in irgendeinem drin sass der Minister/die Ministerin. Welche
Funktion die anderen Autos hatten, keine Ahnung. Jedenfalls klopft der
Rangersoldat vor unserem Auto öfters mal das „Männchen“, wenn eine Karre
vorbeifuhr. Langsam macht sich nun Aufbruchstimmung bereit, jeder will rein. Edwin
macht das ganz geschickt und fährt sehr langsam dem Gate entgegen, immer im
kurzen Abstand zu oben genannten Rangersoldat. Dem gefällt das gar nicht und er
weist Edwin ausdrücklich an zu warten. Tut Edwin aber natürlich nicht und fährt
„bedächtig unauffällig“ hinter dem Soldaten her. Schliesslich wird der Eintritt
freigegeben und wir fahren tatsächlich als Dritte durch. Gut gemacht…
Die
beiden vorderen Wagen überholt Edvin in Formel 1 – Manier locker und schon sind
wir zuvorderst. Den Aussichtspunkt lassen wir weg, zuviel Nebel und somit keine
Sicht in den Krater. Dafür fressen bald links und rechts der Strasse eine
Gruppe Büffel die Büsche leer, dafür halten wir kurz an.
Weiter
geht die Fahrt durch den Nebel auf der Kraterhöhe. Aber bei der Abfahrt in den
Krater sichtet sich so langsam die Umgebung und wir haben es geschafft: wir
sind unten im Krater angekommen.
Edwin macht das, was es gut kann: uns einen
10-minütigen Vortrag halten über die Entstehung des Ngorongoro. Schön und
recht, aber jetzt wo wir doch schon da sind, wäre es doch toll, gleich auf
Pirschfahrt zu gehen. Er hätte ja diesen Vortrag während der Wartezeit vor dem
Gate halten können. Zudem wollte er ja früh raus um die Tiere in den
Morgenstunden zu beobachten – jetzt stehen wir da und die Wagen fahren an uns
vorbei, bereit für tolle Tiersichtungen. Schlussendlich kommen auch wir endlich
in den Genuss der Pirschfahrt und steuern als Erstes zu den Flamingos am See
zu.
Weiter
geht es zu einer Löwin, die ein Gnu gerissen hat, allerdings in weiter Ferne
praktisch nur mit dem Fernglas sichtbar. Apropos Fernglas: Edwin nutzt es immer
öfter, um Tiere zu suchen. Dagegen ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden, nur
dachte ich, dass die Guides ihre eigenen Ferngläser mitnehmen und nicht auf
dasjenige der Gäste, namentlich meines, angewiesen sind.
Nach
dem Löwen fahren wir weiter im Park umher. Das Funkgerät quäkt in Sekundentakt,
wir machen uns bald lustig über die Laute, die es von sich gibt. Tiere gibt in
den Arten viel zu sehen, ob im Wasser, zu Land oder in der Luft, ob wach oder schlafend, wir sehen praktisch ganze Spektrum...
Allerdings
interessiert dies Edwin nur sekundär, denn Priorität haben seine mehrere und
längeren Telefongespräche. Je länger die Gespräche dauern, umso veränderter
seine Stimmlage und vermutlich auch seinen Puls. Von normal zu impulsiv, von
eher normaler Tonlage zu einer lauten und aufgeregten Sprache. Ich habe bald
Angst, dass er das Natel zu Auto rausschmeisst oder es auffrisst… Nach einem weiterem
gut 10-minütigen sehr emotionalen Telefongespräch entschuldigt er sich bei uns
und erklärt, dass er seit drei Monaten eine zu hohe Wasserrechnung erhält und das
Wasserwerk sich das nicht erklären kann. Dabei habe er keine Leckage zu Hause,
die Rechnungen können somit nicht stimmen, aber das Wasserwerk tut nichts
dagegen. Für alles muss man Geld ausgeben, Sauerei…
Wir
fahren weiter und geniessen die Tierwelt, während Edwin fährt und immer wieder
telefoniert. Gelegentlich rufen wir „Stop“, was Edwin dankbar entgegennimmt, um
sich primär um die Angelegenheit der Wasserrechnung zu konzentrieren (gehen wir
davon aus, über die laufende Entwicklung wurden wir nicht in Kenntnis gesetzt).
Auch Hyänen, Kronenkraniche, Eland-Antilopen und eine Riesentrappe treffen wir an.
An
einem kleinen See gibt es eine Pinkelpause sowie die Möglichkeit die Beine zu
vertreten. Sogar einen Kaffee- und Snackstand gibt es hier. Wir kaufen ein paar
Kekse zu sehr guten Preisen.
Als Zebra getarnter Imbissstand mitten im Krater
Unsere
Pirschfahrt nähert sich dem Ende, aber Edwin sorgt noch für eine Überraschung:
nicht nur, dass die Wasserrechnung nun keine Priorität mehr hat, sondern
offenbar teilt das Gequäke aus dem Funkgerät mit, dass zwei Nashörner gesichtet
worden sind. Mit leicht erhöhtem Tempo fahren wir zum besagten Ort. Und
tatsächlich: eine Wagenkolonne (gefühlt die gesamten Besucher im Krater) säumen
den Wegesrand, wo zwei Nashörner parallel zur Strasse laufen.
So siehts in meinem Heimatdorf zur Stosszeit auch aus.... abgesehen von den wilden Tieren im Gras
Wir halten ein
wenig in Distanz und haben Glück: die Nashörner laufen direkt praktisch vor
unserer Nase vorbei. Gemäss Edwin kommt das höchst selten vor, dass sich die
Tiere so nahe am Weg befinden. Und ja, in freier Wildbahn habe die Nashörner
auch noch nie so nahe gesehen. Somit haben wir bereits jetzt die Big 5 gesehen.
Zufrieden
fahren wir zurück und halten sehen nochmals eine Löwin, welche im Gras döst. Dabei wäre ihr Futter in greifbarer Nähe...
Später sehen dann noch ein Liebespärchen im Gebüsch....
Auf der Rückfahrt halten wir diesmal an beim nun nebelfreien Aussichtspunkt,
wo uns Edwin satte 2 Minuten für die Besichtigung gibt.
Danach rumpeln wir in
die Lodge zurück, wo wir sogleich zum Lunch empfangen werden. Es ist wiederum
ein Hochgenuss, was da die Küche hervorzaubert.
Am
Nachmittag haben wir praktisch das gleiche Programm wie gestern, ein bisschen
auf der Veranda sitzen, die Aussicht geniessen und sich frisch machen. Somit
ist eigentlich alles zum Nachmittag gesagt. Zwischendurch gehe ich an die Bar
um Wasser zu holen und unterhalte mich kurz mit Chedi, dem Barkeeper und der
uns gestern empfangen hat. Ich staune, dass wir die einzigen Gäste hier in der
Lodge sind. Chedi meint, es sei momentan nicht so eine einfache Situation,
vielleicht auch weil die Lodge sehr abgelegen ist und die Zufahrtstrasse nicht
jedermanns Sache ist. Nach unserem Aufenthalt wird dann wieder eine Familie zu
Gast sein, mehr aber nicht. Aber er hofft, dass bald bessere Zeiten kommen. Zu
wünschen ist es ihnen... Zum Abendessen gibt es als Vorspeise ein garnierter
Thunfischsalat, dann ein Maissuppe, als Hauptgang Ragout, Reis und Bohnen
(wobei ich nur die Hälfte esse, weil einfach zuviel…) und als Dessert eine Passionfrucht-Tarte
mit Schokosauce. Das Essen hier ist absolut der Hammer! Und schon um 20:00 Uhr
befinden wir uns in unseren warmen Betten – usiku mwema!
Teil 1512. Okt. 2026
08.07.26
– Löwen, Löwen, Löwen
Mit
ein wenig Wehmut verabschieden wir uns am morgen nach dem Frühstück vom Camp,
hier hat es mir wirklich sehr gut gefallen. Zum Trost sehen wir vor dem
Morgenessen auf der anderen Seite nochmals die Elefantenherde am grasen,
diesmal ein wenig näher bei unserer Unterkunft. Zum letzten Mal fährt Edwin die
Rumpelpiste runter, jetzt aber in einem sehr angenehmen Tempo, wir haben heute
keinen Stress, denn zur Serengeti ist es nicht weit.
Nach
dem Ngorongoro und vor der Serengeti halten wir in einem Massai-Dorf für eine
Besichtigung. Ich kenne diese „authentischen“ Vorführungen bereits von meiner
ersten Tansania-Reise, lasse mich aber trotzdem nochmals ein.
The Dancing stars auf tansanisch
Nach dem
obligaten Begrüssungs-Hüpftanz teilen wir uns auf und ich gehe mit dem Bruder des
Sohns vom Chef auf Rundgang. Zuerst in die kleine Hütte, dann zum grossen
Souvenirstand.
1-Zimmer-Wohnung an zentraler, ruhiger Lage zu vermieten. Heiz- und Nebenkosten exklusive
Wir Massaii machen keinen Preis“, sagt er zu Beginn. Als ich
ihm für eine kleine Holzschnitzerei 20$ anbiete, will er 100$. Ich dachte, die
machen keinen Preis…? Dann gibt’s halt keinen Holzschnitz, ein Armring muss
reichen. Danach geht’s noch zum Dorf raus zu einer kleinen Kindergruppe, wo er
erzählt wie und wo sie zur Schule gehen. Nach weniger als einer Stunde ich die
Vorführung beendet, ich bin um 70$ erleichtert (inkl. „Eintritt“) und kehre ich
zum Wagen zurück. Während ich auf die anderen warte, hat bereits der nächste
Hüpftanz für eine später ankommende Reisegruppe begonnen. Mit dieser Kadenz
scheinen sie wohl gutes Geld zu verdienen, sind vermutlich die Kapitalisten
unter den Massai’s… wieviel dabei wohl noch von der vielgepriesenen
Authentizität übrig bleibt?
Nach
so viel Bewegung und Hüpfen brauchen wir eine Stärkung. Den Lunch nehmen wir
beim Gate zur Serengeti ein. Die Picknickplätze sind sehr begehrt, es gleicht
eher einem Restaurant als einer Einfahrt in das Naturparadies.
Aber
wir freuen uns auf den ersten Gamedrive in der Serengeti. Schon kurz nach dem
Gate finden wir eine Löwin, die sich auf einem Erdhügel mit umliegenden
Wasserloch bequem gemacht hat.
Taktisch clever, denn trinken muss jeder mal und
da kann die Löwin einfach ihre Pranken ausfahren und ihre Beute verputzen. So
einfach stelle ich mir das vor…
Edwin
fährt kurz nach dem Gate bald mal weg von der Hauptstrasse und wir tuckern
gemächlich durch die ausgetrocknete Savanne. Die Kopjes bieten dabei einen nächsten
Versuch, Löwen oder sogar einen Leopard zu finden. Wir umkurven oder fahren
entlang der Kopjes, aber sie sind tierleer.
Zurück
in der Landschaft sehen wir Thompson Gazellen, Wilderbeests und Flusspferde.
Dann der nächste Löwe. Ein männlicher mit prächtiger Mähne. Er liegt entspannt
unter einem Baum.
Nicht weit von ihm ein weiterer männlicher Löwe – aber dieser
sieht gar nicht entspannt aus. Eine grosse Fleischwunde ist an seinem Hinterbein.
Edwin vermutet, dass er mit dem Löwen, den wir vorher gesehen haben, in einen
Kampf verwickelt war und nun das Revier verlassen muss.
Nur schon der Anblick schmerzt...
... und man sieht's dem armen Kerl auch an....
Er informiert über Funk die
Parkranger, damit sie sich die Wunde mal anschauen können. Und es geht gleich weiter
mit Löwen, diesmal weibliche, zusammen in einer Gruppe. Sie haben kürzlich ein
Gnu gerissen, welches ein wenig entfernt von ihnen im Gras liegt.
Zur
Abwechslung gibt es dann wieder mal eine Thompson Gazelle, welche sich einer
Gruppe Perlhühner angeschlossen hat. Und dann… "trommelwirbel"... das nächste Löwenrudel. Diesmal
mit Jungmannschaft. Auch dieses Rudel war erfolgreich, das, was von der Giraffe
noch übrig ist, liegt unter einem Busch.
Links die Löwen, rechts die nicht mehr so lebendige Giraffe
Als
wir Richtung Ikoma Gate fahren, machen wir noch einen Abstecher Richtung
Seronera. Dort hat sich eine Gruppe Impala auf den Weg gemacht – nur
nichtsahnend, dass sie in Richtung eines Gepards laufen.
Links die Impala's, rechts unter dem Baum beobachtet der Gepard das wandelnde Buffet, das freiwillig in seine Richtung läuft
Da kann man schon mal mit der Zunge schlecken...
Dieser macht es zuerst
mal wie die Schweizer Bundesräte: er beobachtet die Lage. Die Impalas haben den
Geparden immer noch nicht bemerkt und grasen unweit seines Verstecks unter dem
Baum. Der Gepard macht weiterhin Bundesrat-Sachen und es hat nicht den
Anschein, dass er bald aktiv zum Angriff übergeht. Dies bemerkt auch Edwin und
nach ca. 15 Minuten verabschieden wir uns und fahren zum Ikoma Tented Camp. Auf
dem Weg dorthin sehen wir noch Elefanten, Giraffen und… Löwen. Wieder als
Rudel, wieder mit Jungen.
Mal zur Abwechslung ein grosses Tier
Und noch grösser... und diesmal sogar noch lebendig!
Und weiter geht es mit den Löwen
Ein Rudel mit einem "Jööö"-Faktor
Wir
fahren zum Ikoma Gate raus und erreichen die Ikoma Tented Lodge in gut 5 Minuten. Wie auch
in den anderen Lodges werden wir mit einem Erfrischungstuch und
Willkommensdrink begrüsst. Die Anlage ist noch ziemlich weitläufig, der
Fussmarsch von der Rezeption zu den einzelnen Zimmern sowie zum Restaurant
dauert gut geschätzte 3-5 Minuten (oder wir sind bereits so ausser Kondition,
dass uns die Wege wie eine Pilgerreise vorkommen…).
Für
das Nachtessen gibt es Selbstbedienung am Buffet - es schmeckt ausgezeichnet.
Den Weg zurück ins Zimmer dürfen wir nicht alleine gehen. Da es dunkel und wir
mitten in der Wildnis sind, wird uns ein Mitarbeiter mit Pfeil und Bogen zur
Seite gestellt. Hoffen wir mal auf seine Treffsicherheit. Unterwegs zeigt sich
noch eine Gingsterkatze, aber sie huscht bald mal ins Gebüsch. Ohne weitere
tierischen Zwischenfälle erreichen wir unsere Zimmer. Vor dem Einschlafen hören
wir noch Löwen. Nachts, als ich kurz aufwache, ruft auch noch eine Hyäne in die
Wildnis. So muss das sein…
Teil 1614. Okt. 2026
09.07.26
– Where have all the animals gone?
“Düüdüürüü düüdüürü düüdüürü»… als wir heute
ganztags durch die Serengeti hüpfen, singt es mir immer wieder dieses eine Lied
im Kopf… “düüdüürüü düüdüürü düüdüürü…»
Bevor es aber losgeht mit der
Ganztagespirschfahrt, dürfen noch frühstücken. Bevor wir aber frühstücken
dürfen, «müssen» wir noch die Lunchbox packen. Ganz nobel, so packt man nur das
ein, was man will und wirft keine Essensreste weg. Nach dem Frühstück fahren
wir los Richtung Ikoma Gate. Schon vor der Gate durchquert eine (für diesjährige
Verhältnisse) grosse Gnu-Gruppe die Strasse und sorgt für einen ersten kleinen Höhepunkt.
Im Park drin passiert aber zuerst mal gar
nichts. Vereinzelt sind Thompson Gazellen, Topis oder Giraffen am grasen, aber
ansonsten ist die grosse weite Serengeti praktisch tierleer. “Düüdüürüü
düüdüürü düüdüürü» tönt es virtuell im Kopf. Keine grossen Herden sichtbar. Keine
Vögel. Keine Hyänen oder Schakale, welche wie im letzten Februar praktisch zu
jeder Tageszeit und an jeder Ecke entdeckbar waren. Frei nach dem Song von Paula
Cole anno 1996 «where have all the Cowboys gone?” könnte
man das Lied uminterpretieren:
«Where is my lilac-breasted roller?
Where is my savanne song
Where is my Serval?
Where have all the animals gone?»
Das Land ist ausgetrocknet und dürr, vereinzelt
wurden Buschfeuer gelegt, was die Erde schwarz färbt. Die Strassen sind
staubig, bei jedem entgegenkommenden oder überholenden Auto muss man die
Fenster schliessen, um nicht einen Löffel voller Sand zu schlucken.
So siehts in weiten Teilen der Serengeti aus - leer und schwarz
Und dann plötzlich wie aus dem Nichts sehen wir
einen männlichen Löwen im Gebüsch herumlaufen. Ein paar Meter entfernt ein
weiterer Löwe, zusammen mit seiner Geliebten. Die beiden liegen im Gras und
lassen sich durch uns und die weiteren Besucher nicht stören. Wir bleiben
gefühlt eine halbe Stunde bei den Löwen, obwohl nichts passiert.
Das Funkgerät
bleibt auch stumm – scheint wirklich nicht viel los zu sein. Daher freuen wir
uns an einer Elefantengruppe, welche es sich unter einem Baum gemütlich gemacht
hat.
Am Wasser angekommen, halten wir Ausschau nach Nilpferden und finden diese
auch, inkl. einem kleinen Jungtier.
Nach den Nilpferden gibt’s zur Abwechslung
wieder mal ein paar Löwen. Eine davon hat es sich auf einem Baum gemütlich
gemacht. Mmhh… ich dachte, das gibt’s nur im Lake Manyara-Park, wo sich Löwen
tagsüber auf den Bäumen aufhalten.
Und dann wird es schon Zeit für die
Mittags-Brotzeit. Wir halten beim Serengeti Visitor’s Center, wo all die
Ballonsafaris ihre Buchungsstände haben. Da wir zu den ersteren gehören, haben
wir noch freie Platzwahl und suchen uns einen Tisch mit genügend Schatten. Der
Platz füllt sich aber schnell und je mehr Besucher ankommen, umso verzweifelter
wird die Suche nach einem guten Platz. Edwin bleibt im Auto zurück, er fühlt
sich nicht so gut, Migräne wie er sagt. Deshalb gibt’s für ihn statt Essen ein
grosses Powernap. Nach dem Mittagessen führt uns ein junger Guide durch
Visitor’s Center. Die Aufmerksamkeit gilt aber zuerst den Klippschliefern, die
ohne Scheu sehr nahe auf den Bäumen zu beobachten sind.Der junge Guide zeigt
uns Knochen von verschiedenen Tierarten, wo wir jeweils erraten müssen, a) um
welches Tier es sich handelt und b) ob es Männlein oder Weiblein ist, bzw. zu
Lebzeiten war. Man merkt, er ist stolz sein Wissen weiterzugeben. Im
Besucherzentrum drin zeigt er uns noch auf einer grossen Wandkarte die Tiermigration
und zuletzt dürfen wir uns, welch Überraschung, in einem Buch registrieren.
Zurück beim Auto verabschieden wir uns vom
jungen Guide und Edwin startet mit uns in die 2. Halbzeit. Allzu viel erwarte
ich aber nicht, aber so zumindest ein Serval oder nochmals Gepard täte nicht
leid. Der Fokus gilt aber zuerst den Vögel: zuerst sehen wir zwei südliche
Hornraben, gefolgt von Störchen und einer Nilgans.
Weiter geht es ohne
Flatterviecher, dafür mit Raubkatzen. Es sind (wieder einmal mehr) Löwen zu
bestaunen. Bei Pirschfahrten von vergangenen Reisen hätte ich Freudensprünge gemacht,
jetzt ist es irgendwie banal, abgelutscht, langweilig oder wie man das auch
immer sagen mag. Zumal sie nur faul im Gras herumliegen und keine Anstalten
irgendwelcher Aktivitäten machen. Fototechnisch auch nicht gerade ein Highlight…
Nun gut, das erwachsene Löwenrudel bestehend aus Männlein und mehreren Damen
finden wir im Gras liegend.
Es passiert eigentlich nicht viel – wir fahren
durch die Gegend. Eine Gruppe Nilpferde an Land zwingt uns zu einem Stop.
Zufälligerweise taucht auch noch ein Buschbock auf. Und da ich Buschbocks eher
selten antreffe, ist das für mich das Highlight des Tages.
Bei der Weiterfahrt
sehen wir noch mehrere Elefanten, Impalas und Giraffen, jedoch nicht in der
grossen Menge.
Und kurz bevor wir ins Ikoma Camp zurückfahren erblicken unsere
Augen – Achtung surprise - nochmals Löwen.
Auf dem Weg zum Nachtessen erblicken
wir auf einem Baum zwei Bushbabies – jo, nochmals ein kleines Highlight. Leider
kreuzt diesen Abend auf dem Rückweg keine Gingsterkatze unseren Weg.
Teil 1719. Okt. 2026
10.07.26 – Elefant in der Trotzphase
Ein letzter Sonnenaufgang in der Wildnis. Denn
heute verlassen wir die Serengeti und fahren zurück Richtung Arusha, aber
vorher noch mit einem Abstecher in den Lake Manyara Nationalpark.
Um das
Programm einzuhalten, gibt’s kein Halten bei Tieren und Edwin drückt das
Gaspedal durch. Mit einer Ausnahme: Kurz vor dem Verlassen des Parks sehen wir
in einiger Entfernung ein Löwenrudel mit ca. 7 Erwachsenen (1 x männlich und 6 x
weiblich), welche sich einer noch weiteren Entfernung einer Elandantilopengruppe
anpirschen. Die Distanz zwischen Katzen und Antilopen ist aber sehr hoch, als da in nächster Zeit Hochspannung aufkommen will. Edwin
meint, das ganze könnte noch gut eine halbe oder ganze Stunde dauern bis was
passiert. Daher fahren wir weiter ohne zu wissen ob die Löwenjagd erfolgreich
war. Mit diesem letzten Rudel haben wir nun auf unserer kurzen Safari gut 69
Löwen gezählt. Für mich ein absoluter Rekord.
Nach der Serengeti beginnt die Fahrt Richtung
Ngorongoro-Krater. Je höher wir kommen, umso spürbar kälter wird es. Zuoberst entlang
des Kraterrandes begrüsst uns sogar der Nebel. Den nochmaligen Ausblick in den
Krater können wir uns somit ersparen, man sieht schlichtweg nichts.
Den Lunch
nehmen wir in einem grossen Souvenir-/Restaurantladen ein.
Am Nachmittag erreichen wir den Lake Manyara Nationalpark. Bei
der Fahrt durch den Regenwald sehen wir einige Diademmeerkatzen (oder Blue
Monkeys).
Wir bleiben insgesamt 2 Stunden im Park. Nebst den Meerkatzen sehen
wir im Verhältnis viele Elefanten (zwei von ihnen mit einer Rangelei) und
Paviane. Und zur Abwechslung mal einen Adler.
Somit kann zusammengefasst
werden: die Pirschfahrt war eher mau. Da habe bei meinen letzten beiden
Besuchen doch einiges mehr gesehen, wobei wir uns aber damals auch länger im
Park aufhielten. Als wir uns auf dem Rückweg befinden, passiert doch noch ein
kleines Abenteuer-Adrenalin-Highlight: wir erblicken einen Elefant in der
Brunftzeit, welcher mehr oder weniger grosse Probleme macht. Bockig wie er ist,
blockiert er zuerst mal die Strasse und malträtiert einen Baum.
Vielleicht hat
er ja Ärger mit seiner Liebsten und nun muss er sich irgendwie abreagieren. Apropos
Reagieren: wir wissen nicht so recht, wie er sich verhalten wird wenn wir an
ihm vorbeifahren, daher warten wir ab. Der Elefant macht vorderhand keine Anzeichen, die
Strasse zu verlassen und stellt sich trotzig in den Weg. Hinter uns warten
Fahrzeuge und in Gegenrichtung ebenfalls. Keiner macht den Anfang, keiner traut
nur ansatzweise sich auf die andere Seite zu bewegen. Nach einiger Zeit läuft der
Elefant dann doch mal ins Gebüsch neben der Strasse, aber er ist immer noch nah
genug, um uns bei der Vorbeifahrt anzugreifen, bzw. uns mit dem Rüssel eins auf’s
Dach zu klopfen. Auch das Gebüsch ist nicht sicher vor ihm. Äste werden
gebrochen, Blätter werden herumgeworfen, das volle Leckt-mich-Ar…-Programm in
Elefantenmanier. Edwin und die anderen Fahrer tauschen sich aus; mir scheint,
niemand hat so richtig einen Plan, was sie/wir machen sollen. Aber irgendwann
fasst sich Edwin all seinen Mut zusammen und wir halten die Luft an. Er wartet die
bis zu diesem Zeitpunkt beste Gelegenheit ab und drückt auf die Tube. Damit hat
der Elefant wohl nicht gerechnet. Verdutzt schaut er uns an als wir ihn kreuzen.
Geschafft, die Vorbeifahrt gelingt uns mit ein wenig Herzklopfen. Entspannter
geht es nun Richtung Parkausgang. Vor dem Verlassen des Parks kreuzt eine Gruppe
Paviane die Strasse. Dankbar nehmen wir auch noch dieses letzte «Highlight»
mit.
Die Fahrt zur Lodge (Migunga
Tented Camp), welche sich in der Ortschaft Mto wa Mbu befindet, dauert gut
10 Minuten.
Nach dem Einchecken begebe ich mich an den Pool. Leider ist das
Becken nicht gefüllt, aber die Erholung auf dem Liegestuhl tut’s auch. Das
Diner gibt’s als 4-Gänger, wobei man den Hauptgang wählen kann zwischen Fleisch
und Vegi. Wir haben wiederum sehr gut gegessen und mit vollem Magen geht’s ins
Bett.
Teil 1822. Okt. 2026
11.07.26 – Hupe, wenn du gehört werden willst!
Nach dem Morgenbuffet in der Lodge verladen wir
unsere Koffer und fahren in Richtung Arusha zum örtlichen Flughafen. Auf der
Fahrt passiert nicht viel – Edwin nimmt es gemütlich, denn wir haben heute
keinen Stress.
Kurz vor der Ankunft am Flughafen halten wir
bei einem Hotel für einen Lunch, und das 3 Stunden nachdem wir ausgiebig gefrühstückt
haben. So richtig Hunger hat eigentlich keiner von uns, obwohl das Buffet
wieder verlockend aussieht.
Es folgt der Ankunft am Flughafen Arusha und die
Verabschiedung von Edwin. Edwin hält eine kurze Dankesrede, auch wir sagen
herzlichen Dank für sein Engagement und Einsatz und übergeben ihm sein
Trinkgeld. Wir werden ihn definitiv vermissen. Er war einer der besseren
Guides, die ich bisher kennenlernen durften. Man merkt, dass er sein Wissen
sehr gerne und mit Freude weitergibt. Und auch seine offene und fröhliche Art
ist sehr gut bei uns angekommen.
Wir reihen uns in die Warteschlange ein, die
merklich langsam vorwärts geht, da es für die Gepäckkontrolle nur einen
Schalter gibt. Aber wir haben ja Zeit. Nach der Gepäckkontrolle folgt dann das
eigentliche Check-In. Auch hier warten wir geduldig, denn unser Schalter ist
noch nicht geöffnet. Nach gut einer halben Stunde tut sich dann was und schon
in Kürze halten wir unsere Flugticket nach Sansibar in der Hand. In der
Wartehalle vertrödeln wir unsere Zeit mit Lesen, Herumlaufen oder dem
Beobachten der Flugpiste. Unser Flug sollte um 15:45 Uhr starten, aber vom
Flieger der Precision Air fehlt noch jede Spur. Auf dem Tracker wurde er mal
kurz gesichtet, aber war dann verschwunden. Die Ratlosigkeit hat bald ein Ende,
um ca. 16:00 Uhr landet ein Flieger der Precision Air und wir haben Glück – es
ist unserer.
Mit ca. 45 Minuten Verspätung starten wir nun Richtung Sansibar.
Der Flug verläuft ruhig.
Blick auf Stonetown
Bei der Ankunft dürfen wir uns wieder einordnen
in die Wartereihe. Der Beamte will aber nur checken, ob wir die (relativ neu)
eingeführte Pflichtversicherung abgeschlossen haben. Haben wir, unser Papier
wird gescannt und für gut befunden. Draussen in der Dämmerung suchen wir
unseren Taxifahrer. Flughafenangestellte schnappen sich unterdessen unsere
Koffer und nun warten wir alle zusammen, bis uns der Taxifahrer abholt. Nach
kurzer Diskussion mit einem der Organisatoren finden wir ihn und laufen zu
seinem Taxi, keine 5 Meter entfernt. Naja, diese Distanz hätte ich auch mit meinem
Koffer ohne Mithilfe zurücklegen können.
Bald fahren wir los mitten in den
Feierabendverkehr. Der Taxifahrer erzählt uns zuallererst, dass er seit gestern
Vater eines Jungen geworden ist. Herzliche Gratulation! Dann erzählt er etwas
über die Insel und braust durch die anbrechende Nacht. Wir bemerken sein
Multitasking: über die Insel erzählen, fahren und dabei die Hupe eloquent
einsetzen. Gehupt wird ja in Afrika ziemlich oft und bei jeder Gelegenheit,
aber er scheint dies mit einer grossen Freude zu machen. Und er erzählt auch
warum:
Die Fahrt bei Dunkelheit ist hier extrem
gefährlich. Entgegenkommende Fahrzeuge teils mit Volllicht (oder falsch
eingestellten oder gar kein Licht), keine Strassenbeleuchtung, viele Moped-
oder Fahrradfahrer ohne Licht, Fussgänger welche kaum erkennbar sind. Und er
hat Recht: eine Gruppe von ca. 20 Kinder, resp. Jugendlichen kommt uns mit dem
Fahrrad entgegen – meist in 2er/3er-Reihe fahrend und ohne Licht, kaum
sichtbar. Man traut gar nicht hinzuschauen was hier alles auf der Strasse
passiert. Aber unser Taxifahrer hupt dabei alle Gefahren aus dem Weg und macht
so auf sich aufmerksam. Nebst einem Steuerrad sowie Räder dürfte die Hupe hier
zum wichtigsten Equipment eines Fahrzeugs gehören.
Ein wenig erschöpft kommen wir im Royal Zanzibar Beach Hotel an. Nach
der Begrüssung (mit dem besten Begrüssungsdrink auf dieser Reise) folgt der Zimmerbezug
und dann noch ein kleines Nachtessen, um die Malariatablette besser zu
verdauen. Wobei klein relativ ist…
Ein Vorgeschmack was uns erwartet. Grosses
Buffet mit allerlei Gerichten und Speisen. Da das Hotel von vielen Italiener
besucht ist, darf natürlich der Pasta- und Pizzaecken nicht fehlen. Apropos
fehlen: es fehlt an nichts… bis hierher.
Zurück im Zimmer betrachte ich mal mein Zusatzbett. Gegenüber dem
regulär zimmerzugehörigen Nachtlager verfügt es über keine dicke Matratze und
kein Moskitonetz. Moskito sind wohl das kleinere Problem, denn als ich mich
drauflege, leistet die gut 12cm dicke Matratze keinen echten Widerstand und
mein Rücken macht gleich Bekanntschaft mit dem Holzrost.