Reisebericht

Summit to the sea – Tansania 2026

von Seven · begonnen 17. Aug. 2026 · 8 Teile

Teil 117. Aug. 2026

Vorwort – körperliche und finanzielle Leiden

Schweiz, irgendwann nach 2020 und vor 2026. Im Schweizer Fernsehen SRF läuft anscheinend irgendeine eine Dokumentation über den Kilimanjaro. Die Wörter «anscheinend» und «irgendeine» bekräftigen, dass ich diese Sendung nicht gesehen, resp. mich dafür nicht interessiert habe. Mein Kollege Markus aber schon. Wir kennen uns seit der Sekundarschule (also weit über 30 Jahre) und unternehmen ab und zu mal eine Wanderung in den Schweizer Bergen.

«Du, ich habe die Kilimanjaro-Dokumentation gesehen. Schon noch beeindruckend. Ich möchte auf den «Kili».»

«Joo, dann viel Spass.»

«Und du kommst mit!»

Kurzes Silenzio…

«Warum ich?»

«Du warst schon öfters in Afrika und kennst dich da ein bisschen aus.»

Nochmals Silenzio…

«Ok, ich komme mit.»

Warum auch nicht, es wäre meine 5. Reise auf den afrikanischen Kontinent, somit ein kleines Jubiläum mit einem nicht alltäglichen Programm. Und den zweiten bestiegenen Hügel in Afrika, nachdem ich bereits im Jahr 2016 erfolgreich den Nyiragongo hochgekraxelt bin (Reisebericht hier).

Bevor wir aber die definitive Reise buchen, vergehen gut 2 Jahre im Lande. Dadurch wird’s nichts mit der 5. Reise, denn Jubiläums-Spassbremse Picco grätscht dazwischen und "überredet" mich bei einem Mittagessen in Winterthur im Februar 2025 auf eine Tansania-Reise (Reisebericht Picco hier). Man merkt, wenn es um Afrika-Reisen geht, leiste ich nicht gerade grossen Widerstand…

So wird’s halt Juni 2026, bis wir die Reise starten. Das Programm sieht folgendermassen aus:

  • 1. Woche: Kilimanjaro-Trekking über die Machame-Route
  • 2. Woche: Klassische Safari in den bekannten Nationalparks Tansanias (Tarangire, Ngorongoro, Serengeti und Lake Manyara)
  • 3. Woche: Erholung auf Sansibar an der Westküste in Nungwi (und nein Picco, wir sind nicht bei Crazy Man zu Gast…😄)

Die erste Woche sind Markus und ich alleine unterwegs, aber der 2. Woche folgt seine Familie nach (Sybille sowie Janis und Aline, wobei ich bei letztere der Götti bin). Wir fliegen mit der Edelweiss, da diese ab Zürich einen Direktflug zum Kilimanjaro Airport anbietet.

Das Frühjahr 2026 wird ausgiebig für die Vorbereitung genutzt. Da aber die Schweizer Alpen bis spät in den Sommer hinein in den hohen Lagen noch schneebedeckt sind, reicht es nur für Gipfel, welche sich maximal auf gut 2000m Meereshöhe befinden. Bei der letzten Wanderung vor der Abreise sind es dann doch noch 2900m.ü.M., aber das erfordert dann das Überqueren mehrerer Schneefelder. Insgesamt stehen laut Komoot am Schluss 12 Wanderungen zu Buche, mal weniger, dank Blasen mal mehr schmerzhaft, mit einer Gesamtlänge von gut 200 km, Gesamtaufstieg und -abstieg von gut 11’500m. Dazu noch ein paar Mal das 1000er-Stägeli in Aarburg hochgelaufen, sollte konditionell hoffentlich soweit reichen.

Aber auch mein Geldbeutel leidet. Die Ausrüstung ist nicht ganz gratis. Das örtliche Fachgeschäft dürfte nur mit meinen Ausgaben ein ordentliches Betriebsfest veranstaltet haben. Merino-(Unter)Wäsche, Thermo- und Faserpelzhosen, Wanderschuhe, Daunenjacke, Schlafsack, Sonnenbrille mit Schutzfaktor 4 und weitere Utensilien lassen den Geldbeutel immer kleiner werden. Naja, wenigstens ist die Ware von guter Qualität und so habe ich in den Folgejahren auch noch was davon. Zu Hause wird jedes Gepäckstück einzeln abgewogen und in einer Excelliste eingetragen, wobei unterschieden, ob’s ins Haupt- oder Handgepäck kommt, oder ob es beim Trekking beim Träger landet oder bei mir im Tagesrucksack. Schlussendlich wird es eng, nicht nur was das Gewicht angeht, sondern auch der Platz. Quintessenz davon ist, dass ich die Schnorchel- und Sansibarsachen den Nachzüglern mitgebe, da ich in den ersten Wochen keine Verwendung dafür brauche. Aber es ist geschafft und so kann es nun definitiv losgehen…

Teil 218. Aug. 2026

25.06.26 – ein langer Tag für den Ferienstart

Der Tag startet früh – sehr früh. Um 4:30 schlägts Alarm auf meinem Nebentisch beim Bett. Geschlafen wurde wenig, die Vorfreude und Anspannung auf das bevorstehende Abenteuer überwiegt die Nacht.

Um 5:00 Uhr wartet bereits das „Taxi“ Wyss mit Sybille und Markus. Wir verladen das Gepäck und fahren zum Bahnhof, wo wir um 5:24 Uhr Richtung Zürich Flughafen fahren. Während der Bahnfahrt bleibt mir noch Zeit, mich für den Hinflug bei Edelweiss einzuchecken.

Kurz vor 7:00 Uhr erreichen wir pünktlich den Flughafen. Gepäckaufgabe und Sicherheitskontrolle funktionieren tadellos und ziemlich schnell. Somit bleibt uns noch viel Zeit für ein Frühstück. Auch nach dem Frühstück haben wir immer noch Zeit. Wir fahren mit dem unterirdischen Verbindungszug zum Dock E, wo wir uns auf der Dachterrasse aufhalten und das Treiben am Flughafen beobachten. Nach 9:00 Uhr ist das Flugzeug und seine Crew bereit für das Boarding.

Unsere Maschine in Richtung Afrika ((C) Markus)

Ein letztes Bild auf Schweizer Boden - die Vorfreude ist mir ins Gesicht geschrieben... oder überwiegt noch die Skepsis? 😄 ((C) Markus)

Markus und ich haben je einen Fensterplatz hintereinander. Die Taktik ist, dass, sollte eine Reihe frei bleiben, wir noch wechseln können. Und unsere Strategie geht auf: das Flugzeug ist zu gut 2/3 gefüllt. Meine Reihe wird gefüllt, diejenige von Markus bleibt leer. Nach dem Start verlege ich daher meinen Platz in die Reihe von Markus, somit bleibt der Mittelplatz frei für unser Handgepäck. Ich habe keinen Fensterplatz mehr, dafür kann ich dank dem Korridor meine Beine strecken.

Der Start erfolgt um 9:50 Uhr mit ein wenig Verspätung und verläuft nonstop 8h lang ruhig. Unsere Plätze befinden sich in Flugrichtung auf der linken Seite, gebucht in der Hoffnung, im Anflug den Kilimanjaro zu sehen.

Auf dem Bildschirm ist der Kilimanjaro bereits zu sehen ((C) Markus)

Und auch hier geht unser Vorhaben auf: praktisch wolkenfrei zeigt sich der Berg im Sonnenuntergang. Natürlich nutzen wir die Gelegenheit für ein paar Aufnahmen.

Abendstimmung im Flieger - mit Blick auf den Kilimanjaro

Nach der Landung erfolgt die Zoll-/Visakontrolle, wie immer zeitintensiv und mit der afrikanischen Gemütlichkeit. Praktisch gleichzeitig landet ein Flug der Ethopian Airways, welcher nochmals eine grosse Personenmenge ausspuckt. Von den gut 10 Schaltern sind nur 3 belegt, die natürlich mit voll motivierten Beamten besetzt sind. Aber die Warteschlange hat sich in 4 Reihen angeordnet. Die Frage stellt sich. wer geht jetzt zu welchem Schalter?  Das ganze wird relativ einfach gelöst: ein "Koordinator" (welcher die meiste Zeit mit telefonieren und Sprücheklopfen beschäftigt ist), schnappt sich jeweils eine vordere Person(engruppe) und zeigt zum entsprechenden Beamten. Die Reihenfolge scheint dabei willkürlich zu sein. Zum Glück sind wir relativ weit vorne in einer Schlange und sind nach ca. einer Stunde mitsamt Stempel durch. Das Visum vor Ort lösen wäre vermutlich schneller gegangen...

Das Gepäck liegt schon bereit und muss zur Kontrolle nochmals auf ein Förderband gelegt werden. Es scheint sich aber niemand über den Inhalt zu interessieren, der Arbeitsplatz ist verlassen. Endlich draussen und wir werden sogleich durch unseren Fahrer empfangen (schön klappt auch das, in Ruanda gab's hierzu andere Erfahrungen). Um ca. 20:45 Uhr fahren wir im Kleinbus zusammen mit zwei deutschen Ehepaaren nach Moshi ins Springlands Hotel. Nach dem Einchecken und Zimmerbezug nach 22:00 Uhr bleibt nicht mehr viel Zeit für weiteren Aktivismus. Somit endet unser langer Tag bald im bequemen Bett.

Teil 320. Aug. 2026

26.06.26 – Letzte Erholung

„Hello, welcome. Today we have breakfast buffet…” Kellner Erik begrüsst uns zum Frühstück und zeigt, was alles aufgetischt ist beim Buffet. Wie erwartet orientiert sich das Buffet einem englischen Frühstück, mit allen «gesunden» Sachen die da vorkommen. Nebst dem gibt’s aber zum Glück noch einheimische und sehr schmackhafte Früchte. Was auffallend ist: viele Gäste sind zurzeit nicht anwesend, dafür wuselt fast ein Dutzend Mitarbeiter durch den offenen Essensbereich. Vier der Mitarbeiter sind in ihrem Namensschild als «Trainee» bezeichnet, wir gehen davon aus, dass es sich dabei auch aufgrund ihres Alters um Auszubildende handelt. Erik ist ebenfalls ein Trainee und macht seine Sache sehr gut, wie auch die anderen Mitarbeiter.

Nach dem Frühstück wird die Zeit genutzt für ein Vor- und Umpacken. Auf dem Bett sieht es zeitweise sehr chaotisch aus, weil wir nicht genau wissen, was und wieviel davon eingepackt werden soll. Nebst Kleider und Fotoausrüstung kommen auch noch Snacks mit. Markus' Futterreserve besteht mehrheitlich aus Knusperriegel, Gummibärchen und Landjäger; ich halte mit schwarzer Schokolade, Cashnewnüsse und Datteln dagegen.

Haribo macht Kinder froh und unser Energieschub ebenso... ((C) Markus)

Mein Rucksack ist gefühlt schwerer als der Duffelbag, welcher der Porter tragen wird. Nach einiger Zeit haben wir mal das Gröbste hinter uns und in die Taschen deponiert. Zur Erholung laufen wir noch ein wenig durch die schön gestaltete, grüne Gartenanlage im Hotel.

Im Hotelgarten sind einige schöne Pflänzchen zu bestaunen

Um 11:00 Uhr haben wir ein erstes Meeting mit der Veranstalterin "Zara Tanzania Adventures", wo wir typisch afrikanisch ein paar Formulare ausfüllen müssen und die Mitarbeiterin von uns je ein Foto macht. Für das Zertifikat, heisst es. Sie denkt schon langfristig, ich eher mal Tag für Tag. Mit uns bereitet sich gleichzeitig ein dänisches Ehepaar (etwa in unserem Alter) für das Trekking vor.. Wir werden sie in den kommenden Tagen öfters noch sehen, da sie dieselbe Route wie wir wandern. Um 11:30 Uhr trifft dann unser Guide für das Meeting ein. Als wir ihn sehen, sind wir zum einen erleichtert, denn er ist wie auch wir nicht wirklich durchtrainiert und hat ebenso ein klein wenig grösserer Umfang im Bauchbereich. Macht ihn sofort sympathisch. Andererseits sind wir auch ein wenig besorgt, denn seine Gangart lässt nichts Gutes hoffen. Er humpelt ein wenig, seine linke Hüfte dürfte ihm Schwierigkeiten machen. Aber lassen wir uns überraschen. Sein Name ist Hamisi Hassani Madaha, da das aber für uns seiner Meinung nach zu kompliziert ist, hat er aufgrund seiner früheren Fussball-Tätigkeit den Spitznamen Nteze (sprich: Ndschese) erhalten. So dürfen wir ihn auch ab sofort nennen. Aber was oder warum er diesen Spitznamen beim Fussball erhalten hat, habe ich nicht verstanden. 

Er spricht ruhig und offenbar nur das notwendigste, ein grosses Sprachrohr scheint er nicht zu sein. Gemäss seiner Aussage ist er bereits 200x auf dem Kilimanjaro gewesen – das spricht wahrscheinlich auch für (oder gegen) seine Hüfte. Erfahrung ist somit da. Nebst ihm gesellt sich dann noch der Hilfsguide dazu. Er heisst David Zacharia Ndesanjo, ist wesentlich jünger und bei Nteze in Ausbildung. Das Thema verschiebt sich nach den wichtigsten Informationen zur allerwichtigsten, der Toilette. Nteze fragt, ob wir ein separates WC haben wollen, da so langsam die Hochsaison beginnt und der Andrang auf die wenigen bestehenden Toiletten in den Camps gross sein könnte. Picco’s Empfehlung für ein privates WC im Hinterkopf (nicht nur wegen des Andrangs empfohlen…), besprechen wir das kurz untereinander und sagen dann zu, Kostenpunkt: 100$ plus einen zusätzlichen Träger. Dass diese Investition Gold wert sein wird, wissen wir noch nicht…

Nteze mit seiner Gefolgschaft für die kommenden Tage ((C) Markus)

Nach dem Gruppenfoto verabschieden wir uns von den beiden Guides und widmen uns dem Rest vom Tag der wichtigsten Beschäftigung: am Pool verweilen und die letzten «freien» Stunden geniessen. Dazwischen gibt’s Lunch, wiederum am Buffet.

Letzte Abkühlung im Pool. Man beachte auch die architektonisch gut umgesetzte offene Haustechnik an der Fassade im Hintergrund ((C) Markus)

Vor dem Abendessen kommen wir mit dem Chefbuchhalter des Hotels ins Gespräch. So ein gesprächiger und aufgestellten Zahlenmagier wird man in Europa nicht finden. Er freut sich über unseren Besuch und wünscht uns zum Abschied viel Glück für den Kili.

Abends geniessen wir noch ein Gingerbeer zum Apero (Limonade mit Ingwergeschmack) und stürzen uns anschliessend auf’s Abend-Buffet. Bald geht es dann mal zurück ins Zimmer, Vorfreude und Anspannung für das Trekking steigt…

Teil 421. Aug. 2026

27.06.26 – Pole Pole… POLE POLE!

„Du hältst das also immer noch für eine gute Idee, den Hügel zu besteigen?“

„Jääjoo, natürlich!“

Konversation beim letzten Frühstück in der „Freiheit“. Wir packen unsere Duffelbags für die Porter, den Tagesrucksack sowie den Koffer, welcher wir im Hotel zurücklassen können. Die Nervosität und Anspannung steigen langsam an. Diese verfliegen alsbald, als wir auschecken, gut 45 Minuten vor der vereinbarten Zeit und Treffpunkt im Hotel. Nteze ist ebenfalls schon eingetroffen und wir deponieren unser Gepäck für die Kilimanjaro-Tour. Somit haben wir also noch genügend Zeit bevor unser Taxi eintrifft. Sollte man denken… denn nun beginnt ein klamaukartiges Hin und Her…

Das Gepäck, welches im Hotel zurückbleibt, wird in einem Lagerraum deponiert. Ich frage den Mitarbeiter, welcher uns begleitet, ob man das grosse Fotoobjektiv und den Laptop im Koffer drin lassen kann. Nein, dafür gibt’s einen Safe im 1. OG des Rezeptionsgebäudes. Also beide Sachen rausgenommen und ab damit zur Rezeption. Dort gibt man uns zwei Schlüssel, da es zwei unterschiedliche Safegrössen gibt. Wir sollen prüfen, in welches Fach unsere Gegenstände am besten passen. Derselbe Koffer-Lagerraum-Mitarbeiter begleitet uns nun ins 1. OG. Die Safes befinden sich hinter einer verschlossenen Metalltüre, die er zuerst mal öffnen muss. Objektiv und Wertsachen passen in den grösseren Safe, der Laptop nicht.

Somit Laptop wieder zurück in den Koffer im Lagerraum – weiterhin in Begleitung des Lagerraum-Mitarbeiters. Unterdessen begleicht Markus die Rechnung im Hotel. Dafür braucht er aber den Reisepass, welcher bereits im Safe hinterlegt ist. Also ab in das obere Geschoss, aber die Metalltüre zum Tresorraum scheint verschlossen zu sein und der Mitarbeiter ist ja mit mir unterwegs. Markus meldet dies bei der Rezeption. Die gut genährte Dame lärmt ein wenig genervt in die Grünanlage hinein nach dem Lagerraum-Mitarbeiter, der sich bis zum Lagerraum in meiner Gegenwart befunden hat, ich ihn aber nach meiner Rückkehr zur Rezeption aus den Augen verloren habe. Nach gut zwei Minuten trudelt er ein und zusammen mit Markus gehen sie wieder ins obere Geschoss. Ich warte im Erdgeschoss und höre nur immer „sorry“, „sorry“, „sorry“. Die Metalltüre war anscheinend doch offen, nur hat Markus nicht feste dagegengedrückt zum Öffnen. Nun scheint auch der Lagerraum-Mitarbeiter ein wenig genervt zu sein vom ewigen Hin und Her. Anyway, wir können schlussendlich zahlen und sind froh, dass wir noch Zeitreserven hatten. Das Intermezzo hat uns doch 20 – 30 Minuten gekostet…

Bevors losgeht, fragt Nteze, ob unsere Koffer wasserdicht sind. Meine schon, Markus‘ ist sich nicht sicher. Also wird noch ein grosser Plastiksack organisiert. Kostet 4$, kann aber später bezahlt werden. Erscheint mir nicht ganz logisch, denn wir haben ja das Zimmer ausgecheckt, somit kann die Rechnung nicht auf die Zimmernummer berechnet werden. Hat wohl auch jemand begriffen, denn als wir bereits abfahrbereit sind, heisst es, die 4$ müssen doch jetzt bezahlt werden. Also nochmals ab zur Rezeption, zum Glück kann die Rechnung diesmal ohne Reisepass beglichen werden. Uff…

Wir schaffen es trotzdem, pünktlich abzufahren und erreichen das Machame-Gate um ca. 10:30 Uhr. Die Koffer werden ausgeladen und wir werden zum Anmeldecenter gebeten, wo wir wieder ein paar Formalitäten ausfüllen dürfen/müssen.

Anschliessend warten wir im Center, während Nteze nach dem Gepäck, Porters und was-auch-immer schaut. Und wir warten weiter. Inzwischen ist auch das dänische Ehepaar eingetroffen, welches sich an den Nebentisch setzt. Wir warten immer noch. Um die Zeit zu überbrücken, stürzen wir uns auf das mitgebrachte Lunchpaket. Nach dem Lunch warten wir weiter, wir scheinen vergessen worden zu sein. Das dänische Ehepaar macht sich bereits auf den Weg, während wir weiter im Center warten. Um 11:30 Uhr kommt Nteze endlich und wir denken, dass es jetzt losgeht. Falsch gedacht, nochmals zur Rezeption, um ein „Ticket“ abzuholen. Wir werden eindringlich gebeten, dieses „Ticket“ nicht zu verlieren, da wir dieses bei Tourende wieder abgeben müssen.

Wir laufen zum Tor, wo unser Gepäck „kontrolliert“ wird, ob wir irgendwelche verbotene Gegenstände mit uns führen. Wobei kontrollieren ein wenig übertrieben ist: Reissverschluss auf, reingucken, Reissverschluss zu, fertig ist die Inspektion. Die Umgebung ist sonst praktisch menschenleer, wir sind wohl die letzten die die Etappe in Angriff nehmen. Und dann tatsächlich: es ist bereits 11:45 Uhr, bis wir offiziell losmarschieren können, befreit von Formalitäten und Kontrollen. Der Weg beginnt auf asphaltierter Strasse. Markus und ich laufen vorneweg im Schweizer Berggänger-Tempo, welches Nteze ein wenig missfällt: „Pole Pole“, ruft er. Langsam sollen wir marschieren, uns gemächlich an die Höhe anpassen. Die Strasse wechselt bald von Asphalt in eine Naturstrasse, wir sind mitten im Regenwald und staunen ab der Natur.

Mitten durch den Regenwald führt der breite Naturweg

Grosse Farne sind am Wegesrand zu bestaunen...

.... und allerlei Grün ebenso

Bäume, Sträucher und weitere Pflanzen leuchten im saftigen Grün, um uns herum ist es ruhig, fast wie im Para…. „Pole pole!“, ruft es wieder von hinten. Jaja, dann halt langsam...

Nach kurzer Zeit passiert auch schon der erste Unfall, aber nicht weil wir „Nicht-Pole“ unterwegs sind: Markus will uns von vorne fotografieren, läuft dabei rückwärts nichts ahnend in einen kleinen Weggraben und stürzt rücklings zu Boden. Zum Glück ist dabei der Kamera nichts passiert. Markus hingegen kassiert eine blutende Schürfung am Ellbogen.

Weiter geht’s nun auf einem schmalen Pfad, nebeneinander zu laufen ist nicht mehr möglich. Damit wir nicht abhauen, übernimmt Nteze die Führung. Ich habe den Eindruck, der Regenwald wird dichter. Tiere sieht und hört man keine, mit Ausnahme von ein paar Vogelgezwitscher zwischendurch. Der Pfad ist grundsätzlich gut begehbar, jedoch feucht und teils morastig, vorbei ist es mit den sauberen Wanderschuhen.

An Nteze ist kein Vorbeikommen auf diesem schmalen Weg - Pole pole!

Die Bodenbeschaffenheit. Je höher wir kommen, umso morastiger

Ab und zu gibt's doch noch ein paar Farbtupfer im grünen Meer

Bald schliessen wir zum dänischen Ehepaar auf. Trotz „Pole pole“ haben wir offenbar immer noch ein gutes Tempo drauf, obwohl mir das Wandern extrem langsam vorkommt.

Nach gut 2.5 Stunden machen wir eine Pause. Unsere Guides haben noch ihren Lunch dabei, den wir bereits unten im Center verspeist haben. Für uns gibt es die selbst mitgebrachten Snacks. Im gleichen Tempo und in der gleichen Umgebung geht es nun weiter. Der Pfad wird merklich steiler, ist aber immer noch gut begehbar.

So langsam wird's steiler

Kurz vor dem Camp lichtet sich der Wald und die Wege sind trockener

Nach gut 4.5 Stunden reiner Marschzeit erreichen wir das Machame-Camp, wo gleich mal ein Erinnerungsfoto bei der Tafel geschossen wird. Für das Foto hat Nteze eine Flagge vom Touranbieter mitgenommen, die er nun bei jeder Ankunft im Camp stolz im Bild präsentiert.

1. Etappe geschafft - das darf schon mal mit einer Flagge gefeiert werden...

Nach dem Fotoshooting tragen wir uns im Campbuch ein. Unser Zelt ist bereits gestellt und wir erhalten noch eine Instruktion über unsere private Toilette. Dann folgt das Prozedere, welches uns in den kommenden Tagen begleiten wird: wir erhalten frisches warmes Wasser um uns von Staub und Sonnencreme zu reinigen, dann folgt Nachtessen und zum Schluss kommt Nteze zu uns ins Zelt und brieft uns für den kommenden Tag.

Home, sweet home, inkl. privater Toilette, für die nächsten paar Tage.

Deluxe-Bettraum, ....

... nebenan der Speisebereich ....

.... und zum Schluss der moderne Donnerbalken

Das Apero wird liegengelassen, pflichtbewusst wird am Reisetagebuch geschrieben ((C) Markus)

Unser Diner für heute Abend ((C) Markus)

Als Nachtessen gibt es Fisch, Kartoffel, Kabis, Karotten/Pepperoni, dazu noch eine Avocado, die wir aber aufgrund eines aufkommenden Sättigungsgefühls nicht anrühren. Nach dem Nachtessen teilt uns Nteze die morgige Etappe mit. Und sein Ratschlag: viel trinken! Zum Abschluss lehrt er uns heute zwei Begriffe auf Suaheli: usiku mwema, lala salama. In diesem Sinne: gute Nacht, schlaf gut!

Die heutige Route:

10.8 km, 1280 Höhenmeter, höchster Punkt: 3030 m



Teil 525. Aug. 2026

28.06.26 – vom Winde verweht

Um ca. 6:00 Uhr sind wir wach, geweckt vom Nachbarzelt, dass die Küche beherbergt. Das Geschirr klappert und die Köche sind kommunikativ schon auf Hochtouren. An durchgehenden Schlaf war sowieso nicht zu denken. Die etwa 5cm dünne Unterlagsmatte leistet praktisch keinen Widerstand, so dass ein Aufwachen immer mit irgendeinem kleinem Schmerz irgendwo am Körper verbunden ist. Unser Küchenchef begrüsst uns wie jeden morgen mit einem leisen „Helloou“ und bringt uns die Schalen mit dem warmen Wasser zum Waschen. Danach folgt das Frühstück, beginnend mit einer Schüssel Porridge als Vorspeise (nicht gerade unsere Lieblingsspeise, aber mit ein wenig Honig geht’s), dann der Hauptgang mit Toast, Omelette, Pancakes, Würsten (sehr gesund…!) und einer Frucht (entweder Mango, Ananas oder Papaya).

Im Camp herrscht schon früh emsiges Treiben. Geschirr wird gewaschen, Zelte abgebaut, Taschen gepackt und die Gruppen formieren sich zum Abmarsch.

Morgenstimmung im Camp

Blick zurück zum Camp

Wir starten kurz nach 8:00 Uhr und der Weg wird schnell steil. Der Weg wechselt von Erde/Morast zu felsig/steinig. Da die Morgensonne noch hinter dem Hügel versteckt ist und wir im Schatten laufen, ist das Wandern aber ziemlich angenehm. Immer wieder werden wir von den Trägern überholt, die das Material nach oben tragen.

Der Weg führt nach dem Camp weiterhin im Wald nach oben

Träger auf der Überholspur

Nteze, hier an der Front. Rechts daneben David, unser 2. Guide

Yup, es ist steil

Ein paar Mal für Fotostops angehalten, geht es in die finale steile Phase. Hier bewundere ich die Porter, welche ihre und unsere Last mit viel Geschick und manchmal artistisch hoch tragen. Dazu kommt noch das beachtliche Tempo, welches sie an den Tag legen. Und manchmal in einem Schuhwerk, mit denen wir wahrscheinlich zu Hause nicht mal spazieren gehen würden. Apropos Schuhwerk: Nteze’s Schlappen sind vermutlich aufgrund der Sohlen-Ablösung und dem wenigen Profil auch älterem Jahrgang. Seine Gangart wankt manchmal bedrohlich zur Seite wegen seiner kaputten linken Hüfte. Aber er lässt sich nichts anmerken.

Nteze, diesmal von hinten. Schwer bepackt und mit Turnschuhen unterwegs

Kurz vor der 1. Anhöhe wird's nochmals steil

Der steile Abschnitt von oben

Oben angekommen gibt’s eine Pause mit Tee, Bisquit und Früchten. Unser Koch ist nahe bei uns mitgelaufen und wir erhalten für die Pause extra einen Tisch. Der Weg ist von hier aus gut sichtbar, er scheint nicht mehr so steil zu sein. Wir geniessen die Pause und auch die herrliche Aussicht.  Nach dem Lunch wird’s flacher, aber es hat doch noch 2-3 Kraxelstellen, wo man ein wenig aufpassen muss. Aber grundsätzlich sind die Wege bis dahin sehr gut und sicher begehbar.

Aussicht vom Plateau

Blick zum Kibo

Der Weg wird flacher...

... aber ohne "Kletter"passagen gehts dann doch nicht

Runter zum Shira-Camp

Bald sind die 900 Höhenmeter für die heutige Etappe geschafft. Zum Shira-Camp geht’s wieder ein wenig bergabwärts, wo uns ein starker Wind empfängt. Das Zelt ist bereits aufgestellt und unser Gepäck ist ebenfalls schon angekommen. Wir möchten es uns bequem machen, aber wenn wir im Zelt sind, ist es zu heiss und wenn wir draussen sind ist es aufgrund des starken Windes zu kalt. Unser Koch macht es uns mit der Wahl einfach, indem er den Lunch bringt und wir uns somit im Zelt aufhalten. Es gibt Spaghetti, Pouletschenkel und wieder ein Gemüsemix aus Rüebli und Pepperoni. Den Nachmittag verbringen wir wahlweise drinnen oder draussen, je nach Gefühlslage. Die Umgebung im Camp ist nun mehrheitlich felsig mit wenig Bäumen. Den Regenwald haben wir nun definitiv hinter uns gelassen.

Das Shira-Camp, leicht abfallend imoffenen Gelände

Die Bäume haben sich perfekt an die Wetterbedingungen hier oben angepasst

Um 16:15 Uhr starten wir mit dem Nachmittagsprogramm. Mit Nteze machen wir einen Aklimatisierungsspaziergang zum nächsthöheren Hügel, der von der Höhe her keine 50m über unserem Camp liegt. Der starke Wind pfeift uns weiterhin um die Ohren. Auf dem Hügel angekommen ist westwärts das Shira-Camp 2 sichtbar, über welches die Lemosho-Route führt. Unsere und die Lemosho-Route werden morgen zusammentreffen – der Personenverkehr dürfte dann merklich zunehmen.

Aussicht vom Aklimatisierungshügel auf das Camp

Blick zum Kibo. So weit weg scheint er nicht mehr zu sein...

Nach dem Abstieg tragen wir uns im Hüttenbuch ein. Zum Nachtessen gibt es Rüeblisuppe, Reis, Bohnen und Beef. Wir sind im Camp auf ca. 3900m, ich empfinde zum ersten Mal leichte Kopfschmerzen und ein wenig Schwindelgefühle, aber ansonsten geht’s soweit gut. Nteze misst den Sauerstoffgehalt im Blut. 88%, «very good», meint er und gibt als Ratschlag, morgen weiterhin viel zu trinken. Na dann, prost und gute Nacht!

Die heutige Route:

5.6 km, 900 Höhenmeter aufwärts, 100 Meter abwärts, höchster Punkt: 3900 m

Teil 626. Aug. 2026

29.06.26 – Halb munter rauf und runter

Das Morgenerwachen beginnt mit einer schlechten Nachricht: Markus hatte keine gute Nacht und musste in der Nacht mehrmals den Weg zur Toilette aufsuchen, der Magen rumpelt. Von dem hab ich wegem meinen Ohrenstöpsel gar nichts mitbekommen… somit haben sich die 100$ bereits jetzt ausgezaht, meint er.

Und nicht nur deswegen hat er Recht. Die offiziellen Camp-Toiletten zu besuchen, grenzt schon fast einer Überlebensübung oder Mutprobe. Ein grosses Loch reicht für das kleine und grosse Geschäft. Entsprechend riecht es aus der Grube heraus. Wenn man Glück hat, ist der Boden einigermassen trocken und läuft nicht Gefahr auszurutschen. Und dann wäre noch die Distanz. Wenn die Muffe plötzlich drückt will man nachts nicht noch ein Marathon hinlegen und im Stirnlampenlicht das Loch treffen… somit ja, gut investierte 100$.

Morgenstimmung im Shira-Camp

Blick zum Shira-Camp, resp. einen Teil davon. Im rechten Gebäude ist die öffentliche Toilette. 

Sei’s drum, Frühstück wie gewohnt, obwohl mir diese Porridge-Pappe nicht so schmeckt, aber es gibt halt Kraft. Markus indes isst nicht so viel, bzw. praktisch gar nichts, kein Wunder bei seiner Gesundheit.

Um 8:00 Uhr laufen wir ab Richtung Lava Tower und Barranco Camp. Der Weg ist ein wenig flacher als gestern, aber die Höhenluft macht sich langsam bemerkbar. Seit gestern gehorchen wir Nteze und nehmen es wirklich pole pole.

Blick zurück ins Camp....

... und Blick nach vorne

Was auch noch auffällt: es ist heute sehr ruhig auf dem Weg (im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen, wo viel getratscht oder auch gesungen wurde). Keine(r) spricht, auch von den anderen Gruppen nicht, wobei wir eh schon zu den ruhigeren gehören. Nteze ist kein Freund der langen Worte, das gefällt uns.

Die Landschaft wird langsam karg, die letzten Sträucher verschwinden allmählich mit der Höhe und der Weg führt mehr und mehr über Felsen und Gestein. Aber weiterhin gut begehbar.

Ein Pilzstein?

Die Landschaft sieht eher wie auf dem Mond oder Mars aus als auf der Erde

Von weitem sehen wir die Lemosho-Route, mit welcher wir uns bald vereinen werden. Und schon von weitem sind die verschiedenen Wandergruppen erkennbar, Der Personenverkehr nimmt wie vermutet merklich zu. Die Nacht ist an Markus nicht spurlos vorbeigegangen, er braucht aufgrund des Schlafmangels öfters eine Ruhepause. Bei Pausen wird man manchmal von anderen Wanderer angesprochen, ob alles in Ordnung ist. Die Fürsorge und Unterstützung untereinander ist jedenfalls hoch.

Ein Wanderer fragt Markus nach seinem Befinden

Wir gelangen in die Lemosho-Route und reihen uns ein. Aber zum Glück ist der Weg hier oben wieder breiter, so dass man gut aneinander vorbeikommt. Es wird gefühlt noch flacher, aber wir sind auf gut 4500 Meter über Meer, die dünne Luft macht sich bei mir mehr und mehr bemerkbar. Der Schädel brummt und Schwindelanfälle nehmen zu. Wenn meine Augen nach vorne und nach unten auf den Weg fokussiert sind, ist soweit alles in Ordnung. Sobald ich aber in die Umgebung schaue, wird’s einen kurzen Augenblick schummrig. Langsam, immer langsam geht es weiter. Der Lava Tower ist von weitem sichtbar. Im Unterland wäre die Distanz wohl in wenigen Minuten erreicht, hier oben geht’s gefühlt Stunden.

Der Lava-Tower in Sichtweite, aber gefühlt weit weg...

Schon ein bisschen näher, aber immer noch weit entfernt

Aber bald haben wir es doch geschafft. Um 12:15 Uhr erreichen wir den Lava Tower auf 4600 Meter, wo wir den Lunch einnehmen. Wir finden in den Massen ein ruhiges Plätzchen wo wir unser Essen geniessen können. Zumindest die meisten von uns, Markus nimmt weiterhin nichts zu sich, obwohl Nteze ihn darauf drängt. Dann übernimmt das Essen halt eine Maus (gemäss Piccos Tagebuch handelt es sich um eine afrikanische Striemengrasmaus, recht grosses Ding). Fast schon ohne scheu knabbert sich durch den Marmorkuchen, welcher Markus auf einem Stein bereitgelegt hat. 

Nteze drängt bald zum Aufbruch und wir marschieren weiter. Jetzt geht’s wieder runter, nur um dann auf der anderen Seite wieder hochzulaufen. Und dann geht es wieder runter.

Da geht's runter, und unten gleich wieder hoch

Blick zurück zum Lava Tower

Die Landschaft ändert sich, zum ersten Mal sehen wir die Riesenlobelie. Eine wunderschöne, beeindruckende Pflanze.

Riesenlobelie

Mini-Riesenlobelien

Die Landschaft wird wieder ein wenig attraktiver

Es folgt der finale Abstieg zum Barranco-Camp, welches gut 600m unterhalb des Lava Towers liegt. Zu unserer Überraschung und Freude hat David, unser Hilfsguide, Träger organisiert, die uns den Tagesrucksack auf den letzten Metern abnimmt.

Um 14:30 Uhr erreichen wir das Camp, wo sich Markus gleich mal hinlegt und ich mich der Körperpflege widme. Popcorn und Tee werden aus der Küche gereicht, aber momentan haben wir beide nicht den Appetit nach Nahrhaftem. Die Tour war doch recht anspruchsvoll, landschaftlich aber durchaus reizvoll. Es bleibt noch Zeit um ein bisschen im Camp und in der Gegend herumzulaufen. Die nächste Etappe ist dabei bereits gut sichtbar: die berühmt-berüchtigte Baranco-Wall formiert sich vor dem Camp auf und sieht irgendwie noch anspruchsvoll aus. Da werden wir am übernächsten Morgen gleich mal gefordert. Übernächsten Tag deswegen, weil wir gemäss Reiseprogramm einen Zwischentag haben für die Akklimatisation und deswegen morgen im Camp bleiben werden.

"Mama, der Zirkus ist in der Stadt" - das Camp ist durch den Zusammenschluss der Machame- und Lemosho-Route merklich gewachsen

Wohin man blickt - Zelte...

Und noch ein Blick auf eine andere Seite - im Hintergrund ist die Barranco-Wall zu sehen

Zum Nachtessen gibt es heute Rüeblisuppe, Pizza und Ananas (die Ananas separat, nicht auf der Pizza…). Abends kommt wie immer Nteze vorbei ins Zelt und schaut nach unserem Befinden. Soweit so gut bei mir, die Kopfschmerzen sind zwar weiterhin da, aber schwindelig ist es nicht mehr. Der Sauerstoffgehalt im Blut hat abgenommen, aber nicht besorgniserregend. Bei Markus ist der Status unverändert – sein Magen rebelliert weiter. Zu unserer Verwunderung sagt Nteze, dass wir morgen weiterlaufen werden und nicht im Camp bleiben. Statt im Baranco-Camp geht’s zum Karanga-Camp. Somit haben wir einige Anstiege und Distanz bereits hinter uns, wenn wir im letzte Camp vor dem Kili-Aufstieg eintreffen. Ok, dann halt morgen schon die Baranco-Wall…

Die heutige Route:

10.8 km, 830 Höhenmeter aufwärts, 670 Meter abwärts, höchster Punkt: 4640 m

Teil 708. Sept. 2026

30.06.26 Hüpfdohlen auf 4100m

Guten Morgen um 6:00 Uhr. Obwohl heute keine grosse Wanderung ansteht, stehen wir früh auf. Nteze’s Strategie ist, baldmöglichst loszumarschieren, um so den Personenandrang bei der Barranco-Wall zu umgehen.

Morgenstimmung im Camp - wie immer mit Wolkenmeer

Bald folgt auch schon unser „heissgeliebtes“ Porridge und der Rest vom Frühstück. Markus geht’s ein wenig besser, aber er hütet sich, nun wieder voll mitzuessen. Um uns herum herrscht ebenfalls schon Grossbetrieb, wir sind offenbar nicht die einzigen, die die Frühaufsteher-Taktik verfolgen. Als wir uns abmarschbereit machen, kraxeln bereits viele Gruppen in der Barranco-Wall oder sind auf dem Weg dorthin.

Fast vertikal verläuft die Wand - die Wanderer sind dank der farbigen Kleidung von weitem gut erkennbar

Und ja, vom Camp her ist sie schon noch eindrücklich. Wenn der Weg durch das tägliche Begehen nicht so offenkundig sichtbar wäre, wüsste man nicht, wie man da hochkommen sollte. Mit diesen Gedanken reihen wir uns ein in den Personenstau und nehmen den Aufstieg in Angriff. Langsam, Schritt für Schritt, schneller geht’s durch den Personenstrom eh nicht vorwärts.

Blick zurück ins Camp....

... und Blick vorwärts in die Wand

Es geht steil hoch, dann folgt eine kurze Passage nach unten, ehe es seitwärts geht und dabei einen Felsen umarmt. Nicht, weil ich den Felsen liebe, sondern um nicht abzustürzen. Daher wohl auch der Name „Kissing rock“.

Auf dem Hintern geht's erst mal wieder ein wenig runter

Geschafft, vorbei am "Kissing rock"

Steil ist's ja schon in dieser Wand...

Und gleich wird wieder eingereiht in die Personenschlange

Es folgen weitere kurze Stellen, wo man ein wenig aufpassen und schwindelfrei sein muss, aber mit ein wenig Wander-Erfahrung und auch mit der Hilfe der Guides ist die Wand problemlos zu meistern. Einzig der Abstand zum Vordermann sollte eingehalten werden. Markus holt bei einer hohen Stufe sein Bein grosszügig aus und trifft mich dabei mit der Schuhsohle meine Nase. Kurzer schmerzhafter Nasenstüber, aber zum Glück ausser Nasenbluten nichts passiert. In diesem Weg-Abschnitt staune ich einfach wieder über die Träger. Vollgepackt, teils die Gepäckstücke auf dem Kopf balancierend, teils mit schlechtem Schuhwerk, überwinden sie die Felsen als wäre es das Normalste der Welt. Irre…

Bald haben wir die schwierigen Stellen hinter uns; diese sind eigentlich nur zu Beginn in der Barranco-Wall, weiter oben wird’s zwar nicht weniger steil, dafür ein wenig breiter, so dass kein weiterer Felsen mehr „geküsst“ werden muss.

Weiter oben entspannt sich die Lage, auch weil die Wege breiter werden

Nach 1.5 Stunden erreichen wir den „Gipfel“ der Barranco-Wall, wo uns sogleich die Sonne begrüsst und es wärmer wird. Zeit, die Jacke zu wechseln. „Follow me“, tönt es von Nteze. Er will ein Gruppenfoto mit dem Kibo im Hintergrund machen. Die obligate Fahne darf dabei auch nicht fehlen. Gut, erledigt, Zeit für Kleidertausch… „Follow me“, tönt es erneut von Nteze und wie die Lemminge laufen wir wieder hinter ihm her. Erneut ein Gruppenfoto, diesmal mit dem Wolkenmeer im Hintergrund. Und weil das noch nicht genügt, müssen wir aufspringen. Markus und ich sind jetzt nicht so begeistert von der Idee, aber machen wir halt diesen Klamauk mit. Offenbar weil die anderen Gruppen springen, müssen wir ebenfalls wie Hüpfdohlen posieren. Da wir beide es mit so Influencer-Zeug nicht haben und daher nicht geübt sind, braucht es einige Anläufe, bis ein einigermassen brauchbares Bild im Kasten ist. Nach dieser Anstrengung hoffe ich, dass die Kraft noch ausreicht um das Camp zu erreichen… 

Zuerst ein normales Foto, soweit so gut....

... dann noch zirkusfrei über dem Wolkenmeer

Jetzt Kleiderwechsel oder nochmals ein „Follow me“? Scheint nichts mehr zum Fotografieren zu geben, also endlich Kleiderwechsel. Nach einem Stärkungstee führt der Weg vom „Gipfel“ wieder runter, nur um auf der anderen Seite gleich wieder hochzugehen. Unser nächstes Camp ist schon ersichtlich. Cool, denke ich, ist ja nicht mehr so weit. Was ich nicht gesehen habe, ist, dass es dazwischen nochmals ein Tal gibt, das darauf wartet erwandert zu werden. Somit, nachdem wir auf der anderen Seite wieder hochgekommen sind, geht’s gleich wieder runter und dann gleich wieder rauf.

Letzter Aufstieg für heute

Nochmals wird's für gut eine halbe Stunde steil

Die Landschaft ändert sich während der heutigen Tour nicht gross. Viel Felsen und Gestein, ab und zu ein wenig Büsche und Pflanzen. Das Grün bietet einen schönen Kontrast zu den grauen Steinen. Wir sind gut unterwegs und erreichen nach ca. 3.5h reiner Wanderzeit das Karanga-Camp auf 4‘000m Höhe.

Unser Zelt ist wiederum bereits aufgebaut und wir können uns frisch machen. Obwohl auf grosser Höhe ist die Temperatur sehr angenehm, es ist sonnig und zum Glück windstill. Um 13:15 Uhr wird Lunch serviert: Pouletschenkel mit Pommes Frites, dazu Gemüse. Da Markus immer noch so halb im Hungerstreik ist, gönne ich mir ein wenig mehr.

Daumen hoch für ein leckeres Mittagessen

Gemäss Nteze wird unsere Küche ab/in diesem Camp wieder mit frischen Lebensmitteln versorgt, daher schmeckt es wohl so gut. Danach wird ausgeruht und mal ein Powernapping gemacht, obwohl uns Nteze davon abgeraten habt („dann könnt ihr nachts nicht mehr schlafen“). Zwischendurch gibt’s mal Schuh- und Fusspflege, muss auch mal sein nach dem 4. Wandertag.

Ein Aklimatisierungsspaziergang gibt es nicht, daher bleibt ein wenig Zeit um im Camp herumzulaufen und ein paar Aufnahmen zu machen. Das Campgelände ist riesig und meine Turnschuhe rutschen auf dem losen Gestein-/Kiesboden oftmals umher, somit beschränkt sich der Aktionsradius auf ein paar Dutzend Meter ab unserem Zelt. 

Blick zum Kibo

Am späteren Nachmittag läuft ein Wanderer an unserem Zelt vorbei. Nach kurzer Begrüssung stellen wir fest, dass er auch Schweizerdeutsch spricht. Der erste Schweizer, den wir auf der Tour nach 4 Tagen begegnen. Er ist alleine unterwegs, wir plaudern ein wenig miteinander und erzählen uns von unseren Reiseplänen. Als unser Chefkoch das Abendessen auftischt, verabschieden wir uns.

Sunset auf 4000m Höhe. Fehlt nur noch der Sundowner...

Zum Abendessen gibt es Lauchsuppe, Reis, Beef und Gemüse. Anschliessend erfolgt wie jeden Abend das Briefing für morgen sowie die Blutmessung. Sauerstoffgehalt im Blut heute: 82%. Empfinden: gut, keine Kopfschmerzen oder Schwindel. Die Zuversicht wächst wieder nach dem gestrigen eher schlechten Empfinden, dass ich den Gipfel erreichen kann.

Die heutige Route:

5.6 km, 450 Höhenmeter aufwärts, 410 Meter abwärts, höchster Punkt: 4220 m

Teil 810. Sept. 2026

01.07. – Powernappings ohne Napping

Kurz nach Sonnenaufgang erwache ich, wie in den letzten Tagen wie immer dank der „bequemen“ Unterlage mit einigen Wehwehchen, entweder an den Hüften oder am Rücken. Mein Schlafsack ist auch nur für -5 Grad ausgelegt, das reicht auf einer Höhe von 4000m definitiv nicht mehr. Das gute dabei ist, ich bin praktisch schon angezogen, als ich mich aus dem Schlafsack kämpfe. Draussen begrüsst uns wiederum ein klarer blauer Himmel und das Wolkenmeer unter uns.

Sonnenaufgangs-Stimmung im Camp. Dem Mond gefällt das, drum bleibt er noch ein bisschen am Himmel

Die Sonne ist wie immer bei Tagesanbruch noch hinter dem Berg

Heute dürfen wir es ein wenig ruhiger angehen. Dadurch, dass wir gestern bereits eine Zwischenetappe vom Barranco- zum Barafu-Camp zurückgelegt haben, haben wir heute nur eine Strecke mit einer Distanz von 4 km vor uns. Im Nachhinein war es eine gute Entscheidung hier zu übernachten und bereits einen Teil der Strecke zu absolvieren. So haben wir vor dem finalen Aufstieg einen eher entspannteren Tag. Bald schon gibt es Frühstück mit den bekannten Zutaten bestehend aus Porridge, Eierspeisen, Toast und Früchten.

Und kurze Zeit später sind wir abmarschbereit.

Blick zurück ins Camp, wo sich schon einige mit uns auf den Weg machen

Die Landschaft ist sehr karg, steinig und felsig. Steile Aufstiege gibt es heute nicht und das Tempo ist bereits zu Beginn sehr langsam, 3-fach Pole. Nachdem wir ja am 1. Tag dachten, dass wir für das Tempo sorgen müssen, überlassen wir es nun definitiv Nteze, wie schnell (oder langsam) wir vorwärts kommen. Nach der 1. Anhöhe machen wir eine kurze Pause, ehe es dann leicht abfallend und flach weitergeht. Hier zieht Nteze das Tempo wieder ein wenig an, ehe es dann vor dem finalen Aufstieg zum Barafu-Camp wieder gemächlich hergeht.

Viel Grün gibt es auf dieser Höhe nicht mehr zu bestaunen

Die Karawane folgt dem Weg - am Horizont ist bereits das Barafu-Camp sichtbar

Nteze und Markus an der Front, ich mittendrin und hinter mir David der Hilfsguide, so die Reihenfolge während unserer Wanderungen

Die letzte Steigung dauert auch noch gut eine halbe Stunde, aber dann haben wir es geschafft. Wir tragen uns im Hüttenbuch ein und warten eine kurze Zeit, bis unser Zelt gestellt ist. Wir sind für einmal schneller als unsere Träger. Aber bald treffen auch sie ein und machen sich gleich ans Aufstellen. Es ist windig hier oben auf 4‘600m, da ist der Aufbau ein wenig kompliziert. Die Zeit überbrücken wir mit dem Gruppenfoto, inkl. der obligaten Fahne sowie ein wenig Herumspazieren im Camp.

Mit Fahne....

.... und ohne posieren wir schon wie die Profis vor der Tafel

Panorama-Sicht auf das Camp und den Kibu. Die erste grosse Steigung beginnt bereits im Camp, da geht's bald hoch mitten in der Nacht

Es fliegen Rettungshelikopter über unsere Köpfe – nicht zum ersten Mal in den letzten Tagen. Einer landet offenbar oberhalb vom Camp, welches hinter der Kuppe liegt. Da macht man sich schon Gedanken und hofft, dass morgen der Hubschrauber nicht meinetwegen hochkommen muss. Gesundheitlich geht’s mir einigermassen gut, kaum Kopfweh oder Schwindel. Hoffen wir mal dass das so bleibt. Bald werde ich zum Lunch gerufen – es gibt einen sättigenden und feinen Gemüseeintopf, der zudem von innen heraus schön wärmt. Trotz Sonnenschein merkt man die Frische in der Luft und das wir uns 4600m befinden.

Nach dem Mittagessen kommt Nteze vorbei und verlangt von uns, dass wir ein Powernapping machen, um uns auf den morgigen Tag vorzubereiten. Ausgerechnet jetzt, wo ich kein bisschen müde bin, muss ich mich nun hinlegen. Und da ist noch die andere Sache: wir haben unser Zelt direkt neben der Camp-Tafel und Camphütte, somit ist um uns herum jederzeit Jubel, Trubel Heiterkeit. Die „Hakuna Matata’s“, welche die jeweiligen Gruppen jeweils für das Foto skandieren, zähle ich gar nicht mehr mit. Es ist somit eher ein Hinlegen mit offenen Augen und Warten auf den Abmarsch.

Das Nachtessen wird heute bereits um 17:00 Uhr serviert, Spaghetti mit einer Rüebli-Pepperoni-Champignons-Sauce. Das Briefing von Nteze folgt bald und wir begeben uns frühzeitig zur „Nachtruhe“, wenn man das so sagen kann. Aber schlafen kann ich nicht immer noch nicht, entweder aus Anspannung oder weil der Magen nach dem Nachtessen noch arbeitet. Erst um ca. 21:00 Uhr bin ich mal für eine kurze Weile weg. Somit könnte ich nun bis zum Morgen durchschlafen. Aber daraus wird nichts.

Der Tag ist noch nicht beendet, um 22:30 Uhr weckt uns der Koch mit seinem bekannten „Hellooou“ und bringt uns Bisquit und Tee. Hungrig bin ich nicht, durstig auch nicht so, aber ich nehme mir trotzdem eine Tasse Tee. Es ist kalt und wir wissen nicht so genau, was wir für den Aufstieg anziehen sollen, so, dass wir nicht zu kalt, aber auch nicht zu heiss haben. Ich entscheide mich für lange Merino-Unterwäsche, dazu dicke Trekkinghosen, T-Shirt, Pullover, Jacke und Daunenjacke. Und natürlich Handschuhe und Wollmütze. In den Tagesrucksack kommt nur das notwendigste mit, die grosse Kamera bleibt im Camp wie auch der Regenschutz und weiterer Grümpel. Eingepackt werden nur 2 Liter Wasser, die Wanderstöcke und was man dann später noch so braucht (Sonnenbrille). Um 23:30 Uhr stehen wir draussen bei Nteze, dick eingepackt und mit Stirnlampe ausgerüstet, bereit für den grossen Tag. Nteze lässt sich nicht zweimal bitten und bläst zum Abmarsch. Im Camp sehen wir weitere Stirnlampen und deren Inhaber/innen, die sich bereit machen, den Gipfel zu besteigen. So geht es also los, in die Dunkelheit stapfend… das grosse Finale. Gleich zu Beginn geht es steil hoch, ich schwitze bereits ein wenig und mache mir Sorgen, ob ich die richtigen Kleider angezogen habe…

Die heutige Route (ohne Etappe auf den Kibu):

3.9 km, 650 Höhenmeter aufwärts, höchster Punkt: 4660 m



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