Schweiz, irgendwann nach 2020 und vor 2026. Im
Schweizer Fernsehen SRF läuft anscheinend irgendeine eine Dokumentation über
den Kilimanjaro. Die Wörter «anscheinend» und «irgendeine» bekräftigen, dass
ich diese Sendung nicht gesehen, resp. mich dafür nicht interessiert habe. Mein
Kollege Markus aber schon. Wir kennen uns seit der Sekundarschule (also weit über 30 Jahre) und unternehmen ab und zu mal eine Wanderung in den Schweizer Bergen.
«Du, ich habe die Kilimanjaro-Dokumentation
gesehen. Schon noch beeindruckend. Ich möchte auf den «Kili».»
«Joo, dann viel Spass.»
«Und du kommst mit!»
Kurzes Silenzio…
«Warum ich?»
«Du warst schon öfters in Afrika und kennst
dich da ein bisschen aus.»
Nochmals Silenzio…
«Ok, ich komme mit.»
Warum auch nicht, es wäre meine 5. Reise auf
den afrikanischen Kontinent, somit ein kleines Jubiläum mit einem nicht
alltäglichen Programm. Und den zweiten bestiegenen Hügel in Afrika, nachdem ich
bereits im Jahr 2016 erfolgreich den Nyiragongo hochgekraxelt bin (Reisebericht
hier).
Bevor wir aber die definitive Reise buchen,
vergehen gut 2 Jahre im Lande. Dadurch wird’s nichts mit der 5. Reise, denn
Jubiläums-Spassbremse Picco grätscht dazwischen und "überredet" mich bei einem
Mittagessen in Winterthur im Februar 2025 auf eine Tansania-Reise (Reisebericht
Picco hier). Man merkt, wenn es um Afrika-Reisen geht, leiste ich nicht gerade
grossen Widerstand…
So wird’s halt Juni 2026, bis wir die Reise
starten. Das Programm sieht folgendermassen aus:
1. Woche: Kilimanjaro-Trekking über die
Machame-Route
2. Woche: Klassische Safari in den bekannten
Nationalparks Tansanias (Tarangire, Ngorongoro, Serengeti und Lake Manyara)
3. Woche: Erholung auf Sansibar an der
Westküste in Nungwi (und nein Picco, wir sind nicht bei Crazy Man zu Gast…😄)
Die erste Woche sind Markus und ich alleine
unterwegs, aber der 2. Woche folgt seine Familie nach (Sybille sowie Janis und
Aline, wobei ich bei letztere der Götti bin). Wir fliegen mit der Edelweiss, da
diese ab Zürich einen Direktflug zum Kilimanjaro Airport anbietet.
Das Frühjahr 2026 wird ausgiebig für die
Vorbereitung genutzt. Da aber die Schweizer Alpen bis spät in den Sommer hinein
in den hohen Lagen noch schneebedeckt sind, reicht es nur für Gipfel, welche
sich maximal auf gut 2000m Meereshöhe befinden. Bei der letzten Wanderung vor
der Abreise sind es dann doch noch 2900m.ü.M., aber das erfordert dann das
Überqueren mehrerer Schneefelder. Insgesamt stehen laut Komoot am Schluss 12
Wanderungen zu Buche, mal weniger, dank Blasen mal mehr schmerzhaft, mit einer
Gesamtlänge von gut 200 km, Gesamtaufstieg und -abstieg von gut 11’500m. Dazu
noch ein paar Mal das 1000er-Stägeli in Aarburg hochgelaufen, sollte konditionell
hoffentlich soweit reichen.
Aber auch mein Geldbeutel leidet. Die
Ausrüstung ist nicht ganz gratis. Das örtliche Fachgeschäft dürfte nur mit
meinen Ausgaben ein ordentliches Betriebsfest veranstaltet haben. Merino-(Unter)Wäsche,
Thermo- und Faserpelzhosen, Wanderschuhe, Daunenjacke, Schlafsack, Sonnenbrille
mit Schutzfaktor 4 und weitere Utensilien lassen den Geldbeutel immer kleiner
werden. Naja, wenigstens ist die Ware von guter Qualität und so habe ich in den
Folgejahren auch noch was davon. Zu Hause wird jedes Gepäckstück einzeln abgewogen
und in einer Excelliste eingetragen, wobei unterschieden, ob’s ins Haupt- oder
Handgepäck kommt, oder ob es beim Trekking beim Träger landet oder bei mir im Tagesrucksack.
Schlussendlich wird es eng, nicht nur was das Gewicht angeht, sondern auch der
Platz. Quintessenz davon ist, dass ich die Schnorchel- und Sansibarsachen den
Nachzüglern mitgebe, da ich in den ersten Wochen keine Verwendung dafür
brauche. Aber es ist geschafft und so kann es nun definitiv losgehen…
Teil 218. Aug. 2026
25.06.26
– ein langer Tag für den Ferienstart
Der
Tag startet früh – sehr früh. Um 4:30 schlägts Alarm auf meinem Nebentisch beim
Bett. Geschlafen wurde wenig, die Vorfreude und Anspannung auf das
bevorstehende Abenteuer überwiegt die Nacht.
Um
5:00 Uhr wartet bereits das „Taxi“ Wyss mit Sybille und Markus. Wir verladen das Gepäck und fahren zum
Bahnhof, wo wir um 5:24 Uhr Richtung Zürich Flughafen fahren. Während der
Bahnfahrt bleibt mir noch Zeit, mich für den Hinflug bei Edelweiss einzuchecken.
Kurz
vor 7:00 Uhr erreichen wir pünktlich den Flughafen. Gepäckaufgabe und
Sicherheitskontrolle funktionieren tadellos und ziemlich schnell. Somit bleibt
uns noch viel Zeit für ein Frühstück. Auch nach dem Frühstück haben wir immer
noch Zeit. Wir fahren mit dem unterirdischen Verbindungszug zum Dock E, wo wir
uns auf der Dachterrasse aufhalten und das Treiben am Flughafen beobachten. Nach 9:00 Uhr ist das Flugzeug und seine Crew bereit für das Boarding.
Unsere Maschine in Richtung Afrika ((C) Markus)
Ein letztes Bild auf Schweizer Boden - die Vorfreude ist mir ins Gesicht geschrieben... oder überwiegt noch die Skepsis? 😄 ((C) Markus)
Markus und ich haben je einen Fensterplatz hintereinander. Die Taktik ist, dass, sollte eine Reihe frei bleiben, wir noch wechseln können. Und unsere Strategie geht auf: das Flugzeug ist zu gut 2/3 gefüllt. Meine Reihe wird gefüllt, diejenige von
Markus bleibt leer. Nach dem Start verlege ich daher meinen Platz in die Reihe von
Markus, somit bleibt der Mittelplatz frei für unser Handgepäck. Ich habe keinen
Fensterplatz mehr, dafür kann ich dank dem Korridor meine Beine strecken.
Der
Start erfolgt um 9:50 Uhr mit ein wenig Verspätung und verläuft nonstop 8h lang
ruhig. Unsere Plätze befinden sich in Flugrichtung auf der linken Seite,
gebucht in der Hoffnung, im Anflug den Kilimanjaro zu sehen.
Auf dem Bildschirm ist der Kilimanjaro bereits zu sehen ((C) Markus)
Und auch hier geht unser Vorhaben auf: praktisch wolkenfrei zeigt sich der Berg im Sonnenuntergang.
Natürlich nutzen wir die Gelegenheit für ein paar Aufnahmen.
Abendstimmung im Flieger - mit Blick auf den Kilimanjaro
Nach
der Landung erfolgt die Zoll-/Visakontrolle, wie immer zeitintensiv und mit der
afrikanischen Gemütlichkeit. Praktisch gleichzeitig landet ein Flug der
Ethopian Airways, welcher nochmals eine grosse Personenmenge ausspuckt. Von den
gut 10 Schaltern sind nur 3 belegt, die natürlich mit voll motivierten Beamten besetzt sind. Aber die Warteschlange hat sich in 4 Reihen
angeordnet. Die Frage stellt sich. wer geht jetzt zu welchem Schalter? Das ganze wird relativ einfach gelöst: ein "Koordinator" (welcher die meiste Zeit mit
telefonieren und Sprücheklopfen beschäftigt ist), schnappt sich jeweils eine vordere Person(engruppe) und
zeigt zum entsprechenden Beamten. Die Reihenfolge scheint dabei willkürlich zu sein. Zum Glück
sind wir relativ weit vorne in einer Schlange und sind nach ca. einer Stunde mitsamt Stempel durch. Das Visum vor Ort lösen wäre vermutlich schneller gegangen...
Das Gepäck liegt schon bereit und muss zur Kontrolle nochmals auf ein Förderband gelegt werden. Es scheint sich aber niemand über den Inhalt zu interessieren, der Arbeitsplatz ist verlassen. Endlich draussen und wir werden sogleich durch unseren
Fahrer empfangen (schön klappt auch das, in Ruanda gab's hierzu andere Erfahrungen). Um ca. 20:45 Uhr fahren wir im Kleinbus zusammen mit zwei
deutschen Ehepaaren nach Moshi ins Springlands Hotel. Nach dem Einchecken und Zimmerbezug nach
22:00 Uhr bleibt nicht mehr viel Zeit für weiteren Aktivismus. Somit endet
unser langer Tag bald im bequemen Bett.
Teil 320. Aug. 2026
26.06.26
– Letzte Erholung
„Hello, welcome. Today we have breakfast buffet…” Kellner
Erik begrüsst uns zum Frühstück und zeigt, was alles aufgetischt ist beim
Buffet. Wie erwartet orientiert sich das Buffet einem englischen Frühstück, mit
allen «gesunden» Sachen die da vorkommen. Nebst dem gibt’s aber zum Glück noch
einheimische und sehr schmackhafte Früchte. Was auffallend ist: viele Gäste
sind zurzeit nicht anwesend, dafür wuselt fast ein Dutzend Mitarbeiter durch
den offenen Essensbereich. Vier der Mitarbeiter sind in ihrem Namensschild als
«Trainee» bezeichnet, wir gehen davon aus, dass es sich dabei auch aufgrund
ihres Alters um Auszubildende handelt. Erik ist ebenfalls ein Trainee und macht
seine Sache sehr gut, wie auch die anderen Mitarbeiter.
Nach dem Frühstück wird die Zeit genutzt für
ein Vor- und Umpacken. Auf dem Bett sieht es zeitweise sehr chaotisch aus, weil
wir nicht genau wissen, was und wieviel davon eingepackt werden soll. Nebst
Kleider und Fotoausrüstung kommen auch noch Snacks mit. Markus' Futterreserve besteht mehrheitlich aus Knusperriegel, Gummibärchen und Landjäger; ich halte mit schwarzer Schokolade, Cashnewnüsse und Datteln dagegen.
Haribo macht Kinder froh und unser Energieschub ebenso... ((C) Markus)
Mein Rucksack ist
gefühlt schwerer als der Duffelbag, welcher der Porter tragen wird. Nach
einiger Zeit haben wir mal das Gröbste hinter uns und in die Taschen deponiert.
Zur Erholung laufen wir noch ein wenig durch die schön gestaltete, grüne Gartenanlage im Hotel.
Im Hotelgarten sind einige schöne Pflänzchen zu bestaunen
Um 11:00 Uhr haben wir ein erstes Meeting mit
der Veranstalterin "Zara Tanzania Adventures", wo wir typisch afrikanisch ein paar Formulare ausfüllen müssen
und die Mitarbeiterin von uns je ein Foto macht. Für das Zertifikat, heisst es.
Sie denkt schon langfristig, ich eher mal Tag für Tag. Mit uns bereitet sich gleichzeitig
ein dänisches Ehepaar (etwa in unserem Alter) für das Trekking vor.. Wir werden sie in den kommenden Tagen öfters noch sehen, da sie dieselbe Route wie wir wandern. Um 11:30
Uhr trifft dann unser Guide für das Meeting ein. Als wir ihn sehen, sind wir
zum einen erleichtert, denn er ist wie auch wir nicht wirklich durchtrainiert
und hat ebenso ein klein wenig grösserer Umfang im Bauchbereich. Macht ihn
sofort sympathisch. Andererseits sind wir auch ein wenig besorgt, denn seine
Gangart lässt nichts Gutes hoffen. Er humpelt ein wenig, seine linke Hüfte
dürfte ihm Schwierigkeiten machen. Aber lassen wir uns überraschen. Sein Name
ist Hamisi Hassani Madaha, da das aber für uns seiner Meinung nach zu
kompliziert ist, hat er aufgrund seiner früheren Fussball-Tätigkeit den
Spitznamen Nteze (sprich: Ndschese) erhalten. So dürfen wir ihn auch ab sofort nennen. Aber was oder warum er diesen Spitznamen beim Fussball erhalten hat, habe ich nicht verstanden.
Er spricht ruhig und offenbar nur das
notwendigste, ein grosses Sprachrohr scheint er nicht zu sein. Gemäss seiner Aussage ist er
bereits 200x auf dem Kilimanjaro gewesen – das spricht wahrscheinlich auch für
(oder gegen) seine Hüfte. Erfahrung ist somit da. Nebst ihm gesellt sich dann
noch der Hilfsguide dazu. Er heisst David Zacharia Ndesanjo, ist wesentlich
jünger und bei Nteze in Ausbildung. Das Thema verschiebt sich nach den
wichtigsten Informationen zur allerwichtigsten, der Toilette. Nteze fragt, ob
wir ein separates WC haben wollen, da so langsam die Hochsaison beginnt und der
Andrang auf die wenigen bestehenden Toiletten in den Camps gross sein könnte.
Picco’s Empfehlung für ein privates WC im Hinterkopf (nicht nur wegen des
Andrangs empfohlen…), besprechen wir das kurz untereinander und sagen dann zu,
Kostenpunkt: 100$ plus einen zusätzlichen Träger. Dass diese Investition Gold
wert sein wird, wissen wir noch nicht…
Nteze mit seiner Gefolgschaft für die kommenden Tage ((C) Markus)
Nach dem Gruppenfoto verabschieden wir uns von
den beiden Guides und widmen uns dem Rest vom Tag der wichtigsten
Beschäftigung: am Pool verweilen und die letzten «freien» Stunden geniessen.
Dazwischen gibt’s Lunch, wiederum am Buffet.
Letzte Abkühlung im Pool. Man beachte auch die architektonisch gut umgesetzte offene Haustechnik an der Fassade im Hintergrund ((C) Markus)
Vor dem Abendessen kommen wir mit dem
Chefbuchhalter des Hotels ins Gespräch. So ein gesprächiger und aufgestellten Zahlenmagier
wird man in Europa nicht finden. Er freut sich über unseren Besuch und wünscht
uns zum Abschied viel Glück für den Kili.
Abends geniessen wir noch ein Gingerbeer zum
Apero (Limonade mit Ingwergeschmack) und stürzen uns anschliessend auf’s Abend-Buffet. Bald geht es dann mal zurück ins Zimmer, Vorfreude und Anspannung für
das Trekking steigt…
Teil 421. Aug. 2026
27.06.26
– Pole Pole… POLE POLE!
„Du
hältst das also immer noch für eine gute Idee, den Hügel zu besteigen?“
„Jääjoo,
natürlich!“
Konversation
beim letzten Frühstück in der „Freiheit“. Wir packen unsere Duffelbags für die
Porter, den Tagesrucksack sowie den Koffer, welcher wir im Hotel zurücklassen
können. Die Nervosität und Anspannung steigen langsam an. Diese verfliegen
alsbald, als wir auschecken, gut 45 Minuten vor der vereinbarten Zeit und
Treffpunkt im Hotel. Nteze ist ebenfalls schon eingetroffen und wir deponieren
unser Gepäck für die Kilimanjaro-Tour. Somit haben wir also noch genügend Zeit bevor
unser Taxi eintrifft. Sollte man denken… denn nun beginnt ein klamaukartiges
Hin und Her…
Das
Gepäck, welches im Hotel zurückbleibt, wird in einem Lagerraum deponiert. Ich
frage den Mitarbeiter, welcher uns begleitet, ob man das grosse Fotoobjektiv
und den Laptop im Koffer drin lassen kann. Nein, dafür gibt’s einen Safe im 1.
OG des Rezeptionsgebäudes. Also beide Sachen rausgenommen und ab damit zur
Rezeption. Dort gibt man uns zwei Schlüssel, da es zwei unterschiedliche
Safegrössen gibt. Wir sollen prüfen, in welches Fach unsere Gegenstände am
besten passen. Derselbe Koffer-Lagerraum-Mitarbeiter begleitet uns nun ins 1.
OG. Die Safes befinden sich hinter einer verschlossenen Metalltüre, die er
zuerst mal öffnen muss. Objektiv und Wertsachen passen in den grösseren Safe,
der Laptop nicht.
Somit Laptop wieder zurück in den Koffer im Lagerraum –
weiterhin in Begleitung des Lagerraum-Mitarbeiters. Unterdessen begleicht
Markus die Rechnung im Hotel. Dafür braucht er aber den Reisepass, welcher
bereits im Safe hinterlegt ist. Also ab in das obere Geschoss, aber die
Metalltüre zum Tresorraum scheint verschlossen zu sein und der Mitarbeiter ist
ja mit mir unterwegs. Markus meldet dies bei der Rezeption. Die gut genährte
Dame lärmt ein wenig genervt in die Grünanlage hinein nach dem
Lagerraum-Mitarbeiter, der sich bis zum Lagerraum in meiner Gegenwart befunden
hat, ich ihn aber nach meiner Rückkehr zur Rezeption aus den Augen verloren
habe. Nach gut zwei Minuten trudelt er ein und zusammen mit Markus gehen sie
wieder ins obere Geschoss. Ich warte im Erdgeschoss und höre nur immer „sorry“,
„sorry“, „sorry“. Die Metalltüre war anscheinend doch offen, nur hat Markus
nicht feste dagegengedrückt zum Öffnen. Nun scheint auch der
Lagerraum-Mitarbeiter ein wenig genervt zu sein vom ewigen Hin und Her. Anyway,
wir können schlussendlich zahlen und sind froh, dass wir noch Zeitreserven
hatten. Das Intermezzo hat uns doch 20 – 30 Minuten gekostet…
Bevors
losgeht, fragt Nteze, ob unsere Koffer wasserdicht sind. Meine schon, Markus‘
ist sich nicht sicher. Also wird noch ein grosser Plastiksack organisiert.
Kostet 4$, kann aber später bezahlt werden. Erscheint mir nicht ganz logisch,
denn wir haben ja das Zimmer ausgecheckt, somit kann die Rechnung nicht auf die
Zimmernummer berechnet werden. Hat wohl auch jemand begriffen, denn als wir
bereits abfahrbereit sind, heisst es, die 4$ müssen doch jetzt bezahlt werden.
Also nochmals ab zur Rezeption, zum Glück kann die Rechnung diesmal ohne
Reisepass beglichen werden. Uff…
Wir
schaffen es trotzdem, pünktlich abzufahren und erreichen das Machame-Gate um
ca. 10:30 Uhr. Die Koffer werden ausgeladen und wir werden zum Anmeldecenter
gebeten, wo wir wieder ein paar Formalitäten ausfüllen dürfen/müssen.
Anschliessend
warten wir im Center, während Nteze nach dem Gepäck, Porters und was-auch-immer
schaut. Und wir warten weiter. Inzwischen ist auch das dänische Ehepaar
eingetroffen, welches sich an den Nebentisch setzt. Wir warten immer noch. Um
die Zeit zu überbrücken, stürzen wir uns auf das mitgebrachte Lunchpaket. Nach
dem Lunch warten wir weiter, wir scheinen vergessen worden zu sein. Das
dänische Ehepaar macht sich bereits auf den Weg, während wir weiter im Center
warten. Um 11:30 Uhr kommt Nteze endlich und wir denken, dass es jetzt losgeht.
Falsch gedacht, nochmals zur Rezeption, um ein „Ticket“ abzuholen. Wir werden
eindringlich gebeten, dieses „Ticket“ nicht zu verlieren, da wir dieses bei
Tourende wieder abgeben müssen.
Wir
laufen zum Tor, wo unser Gepäck „kontrolliert“ wird, ob wir irgendwelche
verbotene Gegenstände mit uns führen. Wobei kontrollieren ein wenig übertrieben ist: Reissverschluss auf, reingucken, Reissverschluss zu, fertig ist die Inspektion. Die Umgebung ist sonst praktisch
menschenleer, wir sind wohl die letzten die die Etappe in Angriff nehmen. Und dann
tatsächlich: es ist bereits 11:45 Uhr, bis wir offiziell losmarschieren können,
befreit von Formalitäten und Kontrollen. Der Weg beginnt auf asphaltierter
Strasse. Markus und ich laufen vorneweg im Schweizer Berggänger-Tempo, welches
Nteze ein wenig missfällt: „Pole Pole“, ruft er. Langsam sollen wir
marschieren, uns gemächlich an die Höhe anpassen. Die Strasse wechselt bald von
Asphalt in eine Naturstrasse, wir sind mitten im Regenwald und staunen ab der
Natur.
Mitten durch den Regenwald führt der breite Naturweg
Grosse Farne sind am Wegesrand zu bestaunen...
.... und allerlei Grün ebenso
Bäume, Sträucher und weitere Pflanzen leuchten im saftigen Grün, um uns herum
ist es ruhig, fast wie im Para…. „Pole pole!“, ruft es wieder von hinten. Jaja,
dann halt langsam...
Nach
kurzer Zeit passiert auch schon der erste Unfall, aber nicht weil wir „Nicht-Pole“
unterwegs sind: Markus will uns von vorne fotografieren, läuft dabei rückwärts
nichts ahnend in einen kleinen Weggraben und stürzt rücklings zu Boden. Zum
Glück ist dabei der Kamera nichts passiert. Markus hingegen kassiert eine
blutende Schürfung am Ellbogen.
Weiter
geht’s nun auf einem schmalen Pfad, nebeneinander zu laufen ist nicht mehr
möglich. Damit wir nicht abhauen, übernimmt Nteze die Führung. Ich habe den
Eindruck, der Regenwald wird dichter. Tiere sieht und hört man keine, mit
Ausnahme von ein paar Vogelgezwitscher zwischendurch. Der Pfad ist
grundsätzlich gut begehbar, jedoch feucht und teils morastig, vorbei ist es mit
den sauberen Wanderschuhen.
An Nteze ist kein Vorbeikommen auf diesem schmalen Weg - Pole pole!
Die Bodenbeschaffenheit. Je höher wir kommen, umso morastiger
Ab und zu gibt's doch noch ein paar Farbtupfer im grünen Meer
Bald schliessen wir zum dänischen Ehepaar auf.
Trotz „Pole pole“ haben wir offenbar immer noch ein gutes Tempo drauf, obwohl
mir das Wandern extrem langsam vorkommt.
Nach
gut 2.5 Stunden machen wir eine Pause. Unsere Guides haben noch ihren Lunch
dabei, den wir bereits unten im Center verspeist haben. Für uns gibt es die
selbst mitgebrachten Snacks. Im gleichen Tempo und in der gleichen Umgebung geht es nun weiter. Der Pfad wird merklich steiler, ist aber immer noch gut begehbar.
So langsam wird's steiler
Kurz vor dem Camp lichtet sich der Wald und die Wege sind trockener
Nach gut 4.5 Stunden reiner Marschzeit erreichen wir das
Machame-Camp, wo gleich mal ein Erinnerungsfoto bei der Tafel geschossen wird.
Für das Foto hat Nteze eine Flagge vom Touranbieter mitgenommen, die er nun bei jeder Ankunft im Camp stolz im Bild präsentiert.
1. Etappe geschafft - das darf schon mal mit einer Flagge gefeiert werden...
Nach dem Fotoshooting tragen wir uns im
Campbuch ein. Unser Zelt ist bereits gestellt und wir erhalten noch eine
Instruktion über unsere private Toilette. Dann folgt das Prozedere, welches uns
in den kommenden Tagen begleiten wird: wir erhalten frisches warmes Wasser um
uns von Staub und Sonnencreme zu reinigen, dann folgt Nachtessen und zum
Schluss kommt Nteze zu uns ins Zelt und brieft uns für den kommenden Tag.
Home, sweet home, inkl. privater Toilette, für die nächsten paar Tage.
Deluxe-Bettraum, ....
... nebenan der Speisebereich ....
.... und zum Schluss der moderne Donnerbalken
Das Apero wird liegengelassen, pflichtbewusst wird am Reisetagebuch geschrieben ((C) Markus)
Unser Diner für heute Abend ((C) Markus)
Als
Nachtessen gibt es Fisch, Kartoffel, Kabis, Karotten/Pepperoni, dazu noch eine
Avocado, die wir aber aufgrund eines aufkommenden Sättigungsgefühls nicht
anrühren. Nach dem Nachtessen teilt uns Nteze die morgige Etappe mit. Und sein
Ratschlag: viel trinken! Zum Abschluss lehrt er uns heute zwei Begriffe auf Suaheli:
usiku mwema, lala salama. In diesem Sinne: gute Nacht, schlaf gut!
Die heutige Route:
10.8 km, 1280 Höhenmeter, höchster Punkt: 3030 m
Teil 525. Aug. 2026
28.06.26
– vom Winde verweht
Um
ca. 6:00 Uhr sind wir wach, geweckt vom Nachbarzelt, dass die Küche beherbergt.
Das Geschirr klappert und die Köche sind kommunikativ schon auf Hochtouren. An
durchgehenden Schlaf war sowieso nicht zu denken. Die etwa 5cm dünne
Unterlagsmatte leistet praktisch keinen Widerstand, so dass ein Aufwachen immer
mit irgendeinem kleinem Schmerz irgendwo am Körper verbunden ist. Unser
Küchenchef begrüsst uns wie jeden morgen mit einem leisen „Helloou“ und bringt
uns die Schalen mit dem warmen Wasser zum Waschen. Danach folgt das Frühstück,
beginnend mit einer Schüssel Porridge als Vorspeise (nicht gerade unsere
Lieblingsspeise, aber mit ein wenig Honig geht’s), dann der Hauptgang mit
Toast, Omelette, Pancakes, Würsten (sehr gesund…!) und einer Frucht (entweder
Mango, Ananas oder Papaya).
Im
Camp herrscht schon früh emsiges Treiben. Geschirr wird gewaschen, Zelte
abgebaut, Taschen gepackt und die Gruppen formieren sich zum Abmarsch.
Morgenstimmung im Camp
Blick zurück zum Camp
Wir
starten kurz nach 8:00 Uhr und der Weg wird schnell steil. Der Weg wechselt von Erde/Morast zu felsig/steinig. Da die
Morgensonne noch hinter dem Hügel versteckt ist und wir im Schatten laufen, ist
das Wandern aber ziemlich angenehm. Immer wieder werden wir von den Trägern überholt, die das Material nach oben tragen.
Der Weg führt nach dem Camp weiterhin im Wald nach oben
Träger auf der Überholspur
Nteze, hier an der Front. Rechts daneben David, unser 2. Guide
Yup, es ist steil
Ein paar Mal für Fotostops angehalten, geht es
in die finale steile Phase. Hier bewundere ich die Porter, welche ihre und
unsere Last mit viel Geschick und manchmal artistisch hoch tragen. Dazu kommt
noch das beachtliche Tempo, welches sie an den Tag legen. Und manchmal in einem
Schuhwerk, mit denen wir wahrscheinlich zu Hause nicht mal spazieren gehen
würden. Apropos Schuhwerk: Nteze’s Schlappen sind vermutlich aufgrund der
Sohlen-Ablösung und dem wenigen Profil auch älterem Jahrgang. Seine Gangart
wankt manchmal bedrohlich zur Seite wegen seiner kaputten linken Hüfte. Aber er
lässt sich nichts anmerken.
Nteze, diesmal von hinten. Schwer bepackt und mit Turnschuhen unterwegs
Kurz vor der 1. Anhöhe wird's nochmals steil
Der steile Abschnitt von oben
Oben
angekommen gibt’s eine Pause mit Tee, Bisquit und Früchten. Unser Koch ist nahe
bei uns mitgelaufen und wir erhalten für die Pause extra einen Tisch. Der Weg
ist von hier aus gut sichtbar, er scheint nicht mehr so steil zu sein. Wir geniessen die Pause und auch die herrliche Aussicht. Nach dem Lunch wird’s flacher, aber es hat doch noch 2-3
Kraxelstellen, wo man ein wenig aufpassen muss. Aber grundsätzlich sind die
Wege bis dahin sehr gut und sicher begehbar.
Aussicht vom Plateau
Blick zum Kibo
Der Weg wird flacher...
... aber ohne "Kletter"passagen gehts dann doch nicht
Runter zum Shira-Camp
Bald
sind die 900 Höhenmeter für die heutige Etappe geschafft. Zum
Shira-Camp geht’s wieder ein wenig bergabwärts, wo uns ein starker Wind
empfängt. Das Zelt ist bereits aufgestellt und unser Gepäck ist ebenfalls schon
angekommen. Wir möchten es uns bequem machen, aber wenn wir im Zelt sind, ist
es zu heiss und wenn wir draussen sind ist es aufgrund des starken Windes zu
kalt. Unser Koch macht es uns mit der Wahl einfach, indem er den Lunch bringt
und wir uns somit im Zelt aufhalten. Es gibt Spaghetti, Pouletschenkel und
wieder ein Gemüsemix aus Rüebli und Pepperoni. Den Nachmittag verbringen wir wahlweise drinnen
oder draussen, je nach Gefühlslage. Die Umgebung im Camp ist nun mehrheitlich
felsig mit wenig Bäumen. Den Regenwald haben wir nun definitiv hinter uns
gelassen.
Das Shira-Camp, leicht abfallend imoffenen Gelände
Die Bäume haben sich perfekt an die Wetterbedingungen hier oben angepasst
Um 16:15 Uhr starten wir mit dem Nachmittagsprogramm. Mit Nteze
machen wir einen Aklimatisierungsspaziergang zum nächsthöheren Hügel, der von
der Höhe her keine 50m über unserem Camp liegt. Der starke Wind pfeift uns
weiterhin um die Ohren. Auf dem Hügel angekommen ist westwärts das Shira-Camp 2
sichtbar, über welches die Lemosho-Route führt. Unsere und die Lemosho-Route
werden morgen zusammentreffen – der Personenverkehr dürfte dann merklich
zunehmen.
Aussicht vom Aklimatisierungshügel auf das Camp
Blick zum Kibo. So weit weg scheint er nicht mehr zu sein...
Nach dem Abstieg tragen wir uns im Hüttenbuch
ein. Zum Nachtessen gibt es Rüeblisuppe, Reis, Bohnen und Beef. Wir sind im
Camp auf ca. 3900m, ich empfinde zum ersten Mal leichte Kopfschmerzen und ein
wenig Schwindelgefühle, aber ansonsten geht’s soweit gut. Nteze misst den
Sauerstoffgehalt im Blut. 88%, «very good», meint er und gibt als Ratschlag, morgen weiterhin viel zu trinken. Na dann, prost und gute Nacht!
Die heutige Route:
5.6 km, 900 Höhenmeter aufwärts, 100 Meter abwärts, höchster Punkt: 3900 m
Teil 626. Aug. 2026
29.06.26
– Halb munter rauf und runter
Das
Morgenerwachen beginnt mit einer schlechten Nachricht: Markus hatte keine gute
Nacht und musste in der Nacht mehrmals den Weg zur Toilette aufsuchen, der
Magen rumpelt. Von dem hab ich wegem meinen Ohrenstöpsel gar nichts
mitbekommen… somit haben sich die 100$ bereits jetzt ausgezaht, meint er.
Und
nicht nur deswegen hat er Recht. Die offiziellen Camp-Toiletten zu besuchen,
grenzt schon fast einer Überlebensübung oder Mutprobe. Ein grosses Loch reicht
für das kleine und grosse Geschäft. Entsprechend riecht es aus der Grube
heraus. Wenn man Glück hat, ist der Boden einigermassen trocken und läuft nicht
Gefahr auszurutschen. Und dann wäre noch die Distanz. Wenn die Muffe plötzlich
drückt will man nachts nicht noch ein Marathon hinlegen und im Stirnlampenlicht
das Loch treffen… somit ja, gut investierte 100$.
Morgenstimmung im Shira-Camp
Blick zum Shira-Camp, resp. einen Teil davon. Im rechten Gebäude ist die öffentliche Toilette.
Sei’s
drum, Frühstück wie gewohnt, obwohl mir diese Porridge-Pappe nicht so schmeckt,
aber es gibt halt Kraft. Markus indes isst nicht so viel, bzw. praktisch gar nichts, kein Wunder bei
seiner Gesundheit.
Um 8:00 Uhr laufen wir ab Richtung Lava Tower
und Barranco Camp. Der Weg ist ein wenig flacher als gestern, aber die
Höhenluft macht sich langsam bemerkbar. Seit gestern gehorchen wir Nteze und
nehmen es wirklich pole pole.
Blick zurück ins Camp....
... und Blick nach vorne
Was auch noch auffällt: es ist heute sehr ruhig
auf dem Weg (im Gegensatz zu den letzten beiden Tagen, wo viel getratscht oder
auch gesungen wurde). Keine(r) spricht, auch von den anderen Gruppen nicht,
wobei wir eh schon zu den ruhigeren gehören. Nteze ist kein Freund der langen
Worte, das gefällt uns.
Die Landschaft wird langsam karg, die letzten
Sträucher verschwinden allmählich mit der Höhe und der Weg führt mehr und mehr
über Felsen und Gestein. Aber weiterhin gut begehbar.
Ein Pilzstein?
Die Landschaft sieht eher wie auf dem Mond oder Mars aus als auf der Erde
Von weitem sehen wir die
Lemosho-Route, mit welcher wir uns bald vereinen werden. Und schon von weitem
sind die verschiedenen Wandergruppen erkennbar, Der Personenverkehr nimmt wie
vermutet merklich zu. Die Nacht ist an Markus nicht spurlos vorbeigegangen, er
braucht aufgrund des Schlafmangels öfters eine Ruhepause. Bei Pausen wird man
manchmal von anderen Wanderer angesprochen, ob alles in Ordnung ist. Die
Fürsorge und Unterstützung untereinander ist jedenfalls hoch.
Ein Wanderer fragt Markus nach seinem Befinden
Wir gelangen in die Lemosho-Route und reihen
uns ein. Aber zum Glück ist der Weg hier oben wieder breiter, so dass man gut
aneinander vorbeikommt. Es wird gefühlt noch flacher, aber wir sind auf gut
4500 Meter über Meer, die dünne Luft macht sich bei mir mehr und mehr
bemerkbar. Der Schädel brummt und Schwindelanfälle nehmen zu. Wenn meine Augen
nach vorne und nach unten auf den Weg fokussiert sind, ist soweit alles in
Ordnung. Sobald ich aber in die Umgebung schaue, wird’s einen kurzen Augenblick
schummrig. Langsam, immer langsam geht es weiter. Der Lava Tower ist von weitem
sichtbar. Im Unterland wäre die Distanz wohl in wenigen Minuten erreicht, hier oben
geht’s gefühlt Stunden.
Der Lava-Tower in Sichtweite, aber gefühlt weit weg...
Schon ein bisschen näher, aber immer noch weit entfernt
Aber bald haben wir es doch geschafft. Um 12:15 Uhr
erreichen wir den Lava Tower auf 4600 Meter, wo wir den Lunch einnehmen. Wir
finden in den Massen ein ruhiges Plätzchen wo wir unser Essen geniessen können.
Zumindest die meisten von uns, Markus nimmt weiterhin nichts zu sich, obwohl
Nteze ihn darauf drängt. Dann übernimmt das Essen halt eine Maus (gemäss Piccos
Tagebuch handelt es sich um eine afrikanische Striemengrasmaus, recht grosses
Ding). Fast schon ohne scheu knabbert sich durch den Marmorkuchen, welcher
Markus auf einem Stein bereitgelegt hat.
Nteze drängt bald zum Aufbruch und wir
marschieren weiter. Jetzt geht’s wieder runter, nur um dann auf der anderen
Seite wieder hochzulaufen. Und dann geht es wieder runter.
Da geht's runter, und unten gleich wieder hoch
Blick zurück zum Lava Tower
Die Landschaft
ändert sich, zum ersten Mal sehen wir die Riesenlobelie. Eine wunderschöne,
beeindruckende Pflanze.
Riesenlobelie
Mini-Riesenlobelien
Die Landschaft wird wieder ein wenig attraktiver
Es folgt der finale Abstieg zum Barranco-Camp, welches
gut 600m unterhalb des Lava Towers liegt. Zu unserer Überraschung und Freude
hat David, unser Hilfsguide, Träger organisiert, die uns den Tagesrucksack auf
den letzten Metern abnimmt.
Um 14:30 Uhr erreichen wir das Camp, wo sich
Markus gleich mal hinlegt und ich mich der Körperpflege widme. Popcorn und Tee
werden aus der Küche gereicht, aber momentan haben wir beide nicht den Appetit
nach Nahrhaftem. Die Tour war doch recht anspruchsvoll, landschaftlich aber
durchaus reizvoll. Es bleibt noch Zeit um ein bisschen im Camp und in der Gegend
herumzulaufen. Die nächste Etappe ist dabei bereits gut sichtbar: die
berühmt-berüchtigte Baranco-Wall formiert sich vor dem Camp auf und sieht
irgendwie noch anspruchsvoll aus. Da werden wir am übernächsten Morgen gleich
mal gefordert. Übernächsten Tag deswegen, weil wir gemäss Reiseprogramm einen
Zwischentag haben für die Akklimatisation und deswegen morgen im Camp bleiben
werden.
"Mama, der Zirkus ist in der Stadt" - das Camp ist durch den Zusammenschluss der Machame- und Lemosho-Route merklich gewachsen
Wohin man blickt - Zelte...
Und noch ein Blick auf eine andere Seite - im Hintergrund ist die Barranco-Wall zu sehen
Zum Nachtessen gibt es heute Rüeblisuppe, Pizza
und Ananas (die Ananas separat, nicht auf der Pizza…). Abends kommt wie immer
Nteze vorbei ins Zelt und schaut nach unserem Befinden. Soweit so gut bei mir,
die Kopfschmerzen sind zwar weiterhin da, aber schwindelig ist es nicht mehr.
Der Sauerstoffgehalt im Blut hat abgenommen, aber nicht besorgniserregend. Bei
Markus ist der Status unverändert – sein Magen rebelliert weiter. Zu unserer
Verwunderung sagt Nteze, dass wir morgen weiterlaufen werden und nicht im Camp
bleiben. Statt im Baranco-Camp geht’s zum Karanga-Camp. Somit haben wir einige
Anstiege und Distanz bereits hinter uns, wenn wir im letzte Camp vor dem Kili-Aufstieg
eintreffen. Ok, dann halt morgen schon die Baranco-Wall…
Die heutige Route:
10.8 km, 830 Höhenmeter aufwärts, 670 Meter abwärts, höchster Punkt: 4640 m
Teil 708. Sept. 2026
30.06.26
Hüpfdohlen auf 4100m
Guten
Morgen um 6:00 Uhr. Obwohl heute keine grosse Wanderung ansteht, stehen wir
früh auf. Nteze’s Strategie ist, baldmöglichst loszumarschieren, um so den
Personenandrang bei der Barranco-Wall zu umgehen.
Morgenstimmung im Camp - wie immer mit Wolkenmeer
Bald folgt auch schon unser „heissgeliebtes“
Porridge und der Rest vom Frühstück. Markus geht’s ein wenig besser, aber er
hütet sich, nun wieder voll mitzuessen. Um uns herum herrscht ebenfalls schon
Grossbetrieb, wir sind offenbar nicht die einzigen, die die Frühaufsteher-Taktik
verfolgen. Als wir uns abmarschbereit machen, kraxeln bereits viele Gruppen in
der Barranco-Wall oder sind auf dem Weg dorthin.
Fast vertikal verläuft die Wand - die Wanderer sind dank der farbigen Kleidung von weitem gut erkennbar
Und ja, vom Camp her ist sie
schon noch eindrücklich. Wenn der Weg durch das tägliche Begehen nicht so
offenkundig sichtbar wäre, wüsste man nicht, wie man da hochkommen sollte. Mit
diesen Gedanken reihen wir uns ein in den Personenstau und nehmen den Aufstieg
in Angriff. Langsam, Schritt für Schritt, schneller geht’s durch den Personenstrom eh nicht vorwärts.
Blick zurück ins Camp....
... und Blick vorwärts in die Wand
Es geht steil hoch, dann folgt eine kurze Passage nach unten, ehe es seitwärts
geht und dabei einen Felsen umarmt. Nicht, weil ich den Felsen liebe, sondern
um nicht abzustürzen. Daher wohl auch der Name „Kissing rock“.
Auf dem Hintern geht's erst mal wieder ein wenig runter
Geschafft, vorbei am "Kissing rock"
Steil ist's ja schon in dieser Wand...
Und gleich wird wieder eingereiht in die Personenschlange
Es folgen
weitere kurze Stellen, wo man ein wenig aufpassen und schwindelfrei sein muss,
aber mit ein wenig Wander-Erfahrung und auch mit der Hilfe der Guides ist die
Wand problemlos zu meistern. Einzig der Abstand zum Vordermann sollte
eingehalten werden. Markus holt bei einer hohen Stufe sein Bein grosszügig aus
und trifft mich dabei mit der Schuhsohle meine Nase. Kurzer schmerzhafter
Nasenstüber, aber zum Glück ausser Nasenbluten nichts passiert. In diesem Weg-Abschnitt
staune ich einfach wieder über die Träger. Vollgepackt, teils die Gepäckstücke
auf dem Kopf balancierend, teils mit schlechtem Schuhwerk, überwinden sie die
Felsen als wäre es das Normalste der Welt. Irre…
Bald
haben wir die schwierigen Stellen hinter uns; diese sind eigentlich nur zu
Beginn in der Barranco-Wall, weiter oben wird’s zwar nicht weniger steil, dafür
ein wenig breiter, so dass kein weiterer Felsen mehr „geküsst“ werden muss.
Weiter oben entspannt sich die Lage, auch weil die Wege breiter werden
Nach
1.5 Stunden erreichen wir den „Gipfel“ der Barranco-Wall, wo uns sogleich die
Sonne begrüsst und es wärmer wird. Zeit, die Jacke zu wechseln. „Follow me“,
tönt es von Nteze. Er will ein Gruppenfoto mit dem Kibo im Hintergrund machen.
Die obligate Fahne darf dabei auch nicht fehlen. Gut, erledigt, Zeit für
Kleidertausch… „Follow me“, tönt es erneut von Nteze und wie die Lemminge
laufen wir wieder hinter ihm her. Erneut ein Gruppenfoto, diesmal mit dem
Wolkenmeer im Hintergrund. Und weil das noch nicht genügt, müssen wir aufspringen.
Markus und ich sind jetzt nicht so begeistert von der Idee, aber machen wir
halt diesen Klamauk mit. Offenbar weil die anderen Gruppen springen, müssen wir
ebenfalls wie Hüpfdohlen posieren. Da wir beide es mit so Influencer-Zeug nicht
haben und daher nicht geübt sind, braucht es einige Anläufe, bis ein
einigermassen brauchbares Bild im Kasten ist. Nach dieser Anstrengung hoffe ich,
dass die Kraft noch ausreicht um das Camp zu erreichen…
Zuerst ein normales Foto, soweit so gut....
... dann noch zirkusfrei über dem Wolkenmeer
Jetzt Kleiderwechsel
oder nochmals ein „Follow me“? Scheint nichts mehr zum Fotografieren zu geben,
also endlich Kleiderwechsel. Nach
einem Stärkungstee führt der Weg vom „Gipfel“ wieder runter, nur um auf der
anderen Seite gleich wieder hochzugehen. Unser nächstes Camp ist schon
ersichtlich. Cool, denke ich, ist ja nicht mehr so weit. Was ich nicht gesehen
habe, ist, dass es dazwischen nochmals ein Tal gibt, das darauf wartet
erwandert zu werden. Somit, nachdem wir auf der anderen Seite wieder
hochgekommen sind, geht’s gleich wieder runter und dann gleich wieder rauf.
Letzter Aufstieg für heute
Nochmals wird's für gut eine halbe Stunde steil
Die
Landschaft ändert sich während der heutigen Tour nicht gross. Viel Felsen und
Gestein, ab und zu ein wenig Büsche und Pflanzen. Das Grün bietet einen schönen
Kontrast zu den grauen Steinen. Wir
sind gut unterwegs und erreichen nach ca. 3.5h reiner Wanderzeit das Karanga-Camp
auf 4‘000m Höhe.
Unser Zelt ist wiederum bereits aufgebaut und wir können uns
frisch machen. Obwohl auf grosser Höhe ist die Temperatur sehr angenehm, es ist
sonnig und zum Glück windstill. Um 13:15 Uhr wird Lunch serviert:
Pouletschenkel mit Pommes Frites, dazu Gemüse. Da Markus immer noch so halb im
Hungerstreik ist, gönne ich mir ein wenig mehr.
Daumen hoch für ein leckeres Mittagessen
Gemäss Nteze wird unsere Küche
ab/in diesem Camp wieder mit frischen Lebensmitteln versorgt, daher schmeckt es
wohl so gut. Danach wird ausgeruht und mal ein Powernapping gemacht, obwohl uns
Nteze davon abgeraten habt („dann könnt ihr nachts nicht mehr schlafen“). Zwischendurch
gibt’s mal Schuh- und Fusspflege, muss auch mal sein nach dem 4. Wandertag.
Ein
Aklimatisierungsspaziergang gibt es nicht, daher bleibt ein wenig Zeit um im
Camp herumzulaufen und ein paar Aufnahmen zu machen. Das Campgelände ist riesig
und meine Turnschuhe rutschen auf dem losen Gestein-/Kiesboden oftmals umher,
somit beschränkt sich der Aktionsradius auf ein paar Dutzend Meter ab unserem
Zelt.
Blick zum Kibo
Am späteren Nachmittag läuft ein Wanderer an unserem Zelt vorbei. Nach
kurzer Begrüssung stellen wir fest, dass er auch Schweizerdeutsch spricht. Der
erste Schweizer, den wir auf der Tour nach 4 Tagen begegnen. Er ist alleine
unterwegs, wir plaudern ein wenig miteinander und erzählen uns von unseren
Reiseplänen. Als unser Chefkoch das Abendessen auftischt, verabschieden wir uns.
Sunset auf 4000m Höhe. Fehlt nur noch der Sundowner...
Zum
Abendessen gibt es Lauchsuppe, Reis, Beef und Gemüse. Anschliessend erfolgt wie
jeden Abend das Briefing für morgen sowie die Blutmessung. Sauerstoffgehalt im
Blut heute: 82%. Empfinden: gut, keine Kopfschmerzen oder Schwindel. Die
Zuversicht wächst wieder nach dem gestrigen eher schlechten Empfinden, dass ich
den Gipfel erreichen kann.
Die heutige Route:
5.6 km, 450 Höhenmeter aufwärts, 410 Meter
abwärts, höchster Punkt: 4220 m
Teil 810. Sept. 2026
01.07.
– Powernappings ohne Napping
Kurz
nach Sonnenaufgang erwache ich, wie in den letzten Tagen wie immer dank der „bequemen“
Unterlage mit einigen Wehwehchen, entweder an den Hüften oder am Rücken. Mein
Schlafsack ist auch nur für -5 Grad ausgelegt, das reicht auf einer Höhe von
4000m definitiv nicht mehr. Das gute dabei ist, ich bin praktisch schon
angezogen, als ich mich aus dem Schlafsack kämpfe. Draussen begrüsst uns
wiederum ein klarer blauer Himmel und das Wolkenmeer unter uns.
Sonnenaufgangs-Stimmung im Camp. Dem Mond gefällt das, drum bleibt er noch ein bisschen am Himmel
Die Sonne ist wie immer bei Tagesanbruch noch hinter dem Berg
Heute
dürfen wir es ein wenig ruhiger angehen. Dadurch, dass wir gestern bereits eine
Zwischenetappe vom Barranco- zum Barafu-Camp zurückgelegt haben, haben wir
heute nur eine Strecke mit einer Distanz von 4 km vor uns. Im Nachhinein war es
eine gute Entscheidung hier zu übernachten und bereits einen Teil der Strecke
zu absolvieren. So haben wir vor dem finalen Aufstieg einen eher entspannteren
Tag. Bald schon gibt es Frühstück mit den bekannten Zutaten bestehend aus Porridge,
Eierspeisen, Toast und Früchten.
Und
kurze Zeit später sind wir abmarschbereit.
Blick zurück ins Camp, wo sich schon einige mit uns auf den Weg machen
Die Landschaft ist sehr karg,
steinig und felsig. Steile Aufstiege gibt es heute nicht und das Tempo ist
bereits zu Beginn sehr langsam, 3-fach Pole. Nachdem wir ja am 1. Tag dachten,
dass wir für das Tempo sorgen müssen, überlassen wir es nun definitiv Nteze,
wie schnell (oder langsam) wir vorwärts kommen. Nach der 1. Anhöhe machen wir
eine kurze Pause, ehe es dann leicht abfallend und flach weitergeht. Hier zieht
Nteze das Tempo wieder ein wenig an, ehe es dann vor dem finalen Aufstieg zum
Barafu-Camp wieder gemächlich hergeht.
Viel Grün gibt es auf dieser Höhe nicht mehr zu bestaunen
Die Karawane folgt dem Weg - am Horizont ist bereits das Barafu-Camp sichtbar
Nteze und Markus an der Front, ich mittendrin und hinter mir David der Hilfsguide, so die Reihenfolge während unserer Wanderungen
Die letzte Steigung dauert auch noch gut
eine halbe Stunde, aber dann haben wir es geschafft. Wir tragen uns im
Hüttenbuch ein und warten eine kurze Zeit, bis unser Zelt gestellt ist. Wir
sind für einmal schneller als unsere Träger. Aber bald treffen auch sie ein und
machen sich gleich ans Aufstellen. Es ist windig hier oben auf 4‘600m, da ist
der Aufbau ein wenig kompliziert. Die Zeit überbrücken wir mit dem Gruppenfoto,
inkl. der obligaten Fahne sowie ein wenig Herumspazieren im Camp.
Mit Fahne....
.... und ohne posieren wir schon wie die Profis vor der Tafel
Panorama-Sicht auf das Camp und den Kibu. Die erste grosse Steigung beginnt bereits im Camp, da geht's bald hoch mitten in der Nacht
Es fliegen
Rettungshelikopter über unsere Köpfe – nicht zum ersten Mal in den letzten
Tagen. Einer landet offenbar oberhalb vom Camp, welches hinter der Kuppe liegt.
Da macht man sich schon Gedanken und hofft, dass morgen der Hubschrauber nicht
meinetwegen hochkommen muss. Gesundheitlich geht’s mir einigermassen gut, kaum
Kopfweh oder Schwindel. Hoffen wir mal dass das so bleibt. Bald werde ich zum
Lunch gerufen – es gibt einen sättigenden und feinen Gemüseeintopf, der zudem
von innen heraus schön wärmt. Trotz Sonnenschein merkt man die Frische in der
Luft und das wir uns 4600m befinden.
Nach
dem Mittagessen kommt Nteze vorbei und verlangt von uns, dass wir ein
Powernapping machen, um uns auf den morgigen Tag vorzubereiten. Ausgerechnet
jetzt, wo ich kein bisschen müde bin, muss ich mich nun hinlegen. Und da ist
noch die andere Sache: wir haben unser Zelt direkt neben der Camp-Tafel und
Camphütte, somit ist um uns herum jederzeit Jubel, Trubel Heiterkeit. Die „Hakuna
Matata’s“, welche die jeweiligen Gruppen jeweils für das Foto skandieren, zähle
ich gar nicht mehr mit. Es ist somit eher ein Hinlegen mit offenen Augen und Warten
auf den Abmarsch.
Das
Nachtessen wird heute bereits um 17:00 Uhr serviert, Spaghetti mit einer
Rüebli-Pepperoni-Champignons-Sauce. Das Briefing von Nteze folgt bald und wir
begeben uns frühzeitig zur „Nachtruhe“, wenn man das so sagen kann. Aber
schlafen kann ich nicht immer noch nicht, entweder aus Anspannung oder weil der
Magen nach dem Nachtessen noch arbeitet. Erst um ca. 21:00 Uhr bin ich mal für
eine kurze Weile weg. Somit könnte ich nun bis zum Morgen durchschlafen. Aber
daraus wird nichts.
Der
Tag ist noch nicht beendet, um 22:30 Uhr weckt uns der Koch mit seinem
bekannten „Hellooou“ und bringt uns Bisquit und Tee. Hungrig bin ich nicht,
durstig auch nicht so, aber ich nehme mir trotzdem eine Tasse Tee. Es ist kalt
und wir wissen nicht so genau, was wir für den Aufstieg anziehen sollen, so,
dass wir nicht zu kalt, aber auch nicht zu heiss haben. Ich entscheide mich für
lange Merino-Unterwäsche, dazu dicke Trekkinghosen, T-Shirt, Pullover, Jacke
und Daunenjacke. Und natürlich Handschuhe und Wollmütze. In den Tagesrucksack
kommt nur das notwendigste mit, die grosse Kamera bleibt im Camp wie auch der
Regenschutz und weiterer Grümpel. Eingepackt werden nur 2 Liter Wasser, die
Wanderstöcke und was man dann später noch so braucht (Sonnenbrille). Um 23:30
Uhr stehen wir draussen bei Nteze, dick eingepackt und mit Stirnlampe
ausgerüstet, bereit für den grossen Tag. Nteze lässt sich nicht zweimal bitten
und bläst zum Abmarsch. Im Camp sehen wir weitere Stirnlampen und deren
Inhaber/innen, die sich bereit machen, den Gipfel zu besteigen. So geht es also
los, in die Dunkelheit stapfend… das grosse Finale. Gleich zu Beginn geht es
steil hoch, ich schwitze bereits ein wenig und mache mir Sorgen, ob ich die
richtigen Kleider angezogen habe…
Die heutige Route (ohne Etappe auf den Kibu):
3.9 km, 650 Höhenmeter aufwärts, höchster
Punkt: 4660 m