THEMA: Im Lande des Simón.....ein emotionaler Höllenritt!
05 Okt 2020 16:54 #596065
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  • Clamat am 05 Okt 2020 16:54
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Hi Busko,
Gerade habe ich deinen Reisebericht gefunden und reise sehr gerne mit, ist die Ecke Peru, Bolivien, Chile, Argentinien doch eine meiner Lieblingsdestinationen. An den meisten der von dir bereisten Orten war ich auch schon und es ist soooo schön in Erinnerungen zu schwelgen.
Der Lauca NP ist für mich einer der schönsten Orte der Welt






LG
Claudia
Unsere Reisen findet man unter: clamat.de/
Letzte Änderung: 05 Okt 2020 16:57 von Clamat.
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05 Okt 2020 19:35 #596074
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  • sphinx am 05 Okt 2020 19:35
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Lieber busko
ganz besonders gefallen mir natürlich die Fotos mit Eurem treuen Trangia ;)
Zum Sajama kann man noch hinzufügen, dass dort oben bereits Fußballspiele stattgefunden haben. Schon erstaunlich, oder?
Was ich etwas vermisse, sind Funbilder auf dem Salar Uyuni. Oder fandet Ihr die zu doof?
Ich freue mich ganz doll auf die Fortsetzung, lass uns bitte nicht zu lange warten. Ich träume mich Dank Deinem Bericht gerade in diese Gegend, spüre die intensiven Sonnenstrahlen und die kühle so unglaublich klare Luft und sehe Viscachas herumflitzen……
Viele Grüße
Elisabeth
Letzte Änderung: 05 Okt 2020 21:57 von sphinx.
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05 Okt 2020 22:13 #596081
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  • busko am 05 Okt 2020 22:13
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@Malbec:
.....auch deswegen fahren wir unseren Euro 6 Diesel bis dass wir einen vernünftigen, Wasserstoff-Verbrenner mit vernünftiger Infrastruktur bekommen. Wasserstoff natürlich aus Elektrolyse von Wasser mittels erneuerbarer elektrischer Energie hergestellt! Als Chemiker könnte ich dir auch erklären warum ich diese Lösung doch für die beste halte, dies wäre aber definitiv die falsche Zeit und der Falsche Ort dies zu tun. Ein wichtiger Punkt der hier aber wirklich in diese Diskussion passt ist, dass es unendlich viel Wasser gibt, im Gegensatz zu Lithium (Uyuni) und Kobalt (ausbeuter-Minen im Kongo)!

@Clamat:
Danke für deine wirklich tollen Bilder! Ich finde sie bestätigen meine Meinung, dass diese Gegend die vielleicht schönste überhaupt ist.....kann ich nicht mit Sicherheit sagen, da ich noch lange nicht alle durch habe!

@Sphinx:
Ja, den Trangia habe ich nur "eingebaut" um zu prüfen, ob du auch wirklich mit ließt!?
Das mit dem Fußballspiel habe ich auch schon gelesen.....also, "Balljunge" möchte ich dabei nicht sein!.....ich denke da gehen schon ein Paar Bälle auf ewig verloren!
Ich sag nur eins: ..... Die Viscachas kommen noch, und zwar sehr bald.....!

Liebe Grüsse,
Busko
Letzte Änderung: 06 Okt 2020 07:45 von busko.
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06 Okt 2020 09:43 #596088
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Weiter geht es nach Süden, immer parallel zur an dieser Stelle Nord-Süd verlaufenden bolivianisch/chilenischen Grenze.
Die Landschaft wird immer schöner, karger und pastellfarben-extremer. Es geht vorbei an einige Lagunas, u.a. der Laguna Q´ara, die, fast künstlerisch mit Enten und Andenflamingos dekoriert daher kommt.
Vorbei auch an den direkt auf der Grenze liegenden, längsgestreckten Sairecabur (5980 m). Der Berg sieht eher wie eine farbenfrohe Schutthalde aus; die Farben, meist in Oker und Creme gehalten würden in ihre Vielfalt die Dachsteine von Siena vor Neid erblassen lassen!

























Gerade als wir denken es könnte nicht mehr extremer werden, fahren wir über einen Bergrücken und sehen vor uns ausgebreitet die sogenannte "Desierto Dalí". Der Name ist sehr gut gewählt, denn die Landschaft sieht tatsächlich einigen der großen Gemälde des Meisters (den ich persönlich übrigens sehr schätze!) erstaunlich ähnlich. Wir schauen uns einige der verworrenen "Skulpturen" an, die so genial von Wind und Wetter über Jahrtausende geschaffen worden sind und stoßen dabei auf die wirklich merkwürdigen Viscachas.....sieht aus wie Hase, aber mit langem Schwanz?!
Diese leben in den Felseninseln in der Wüste, teilweise auch sicherlich von dem so einladend wie saftiges Gras aussehenden, grünen Felsen-"Überzug".....aber aufgepasst!.....beim Sitzversuch hat sich einer von uns mehrere zig Dornen in den Hintern gezogen.....Das Zeug ist unerwartet hart und sehr fein-stachelig!


Desierto Dalí.




Bitte "sätzen sä säch!".....NICHT!


Hase mit langem Schwanz.....oder doch Murmeltier mit langen Ohren?


Der älteste, noch lebende Baum der Welt!.....oder doch ein riesen Pfifferling?.....genau so standen wir, rätzelnd davor.



Dann kommen wir zu meinem absoluten Sehnsuchtsort überhaupt auf diesem Planeten.....die Laguna Colorada!
Letzte Änderung: 06 Okt 2020 11:13 von busko.
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07 Okt 2020 09:47 #596148
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Wir kommen Nachmittags am Refugio Huayllajara, unser Übernachtungsort, am nordwestlichen Rand der Laguna Colorada (4300 m) an und werden sofort von der Landschaft eingefangen.
Ich gehe auf eine kleine, felsige Landzunge, die nach Ost-Südost in die Laguna hineinragt und verliere mich vollkommen in die perfekte Schönheit dieser Landschaft!.....alles ist mir egal.....die Kälte, die Höhe, die Kopfschmerzen, der Hunger.....alles völlig egal!.....ich gehe vollkommen in diese Landschaft auf, könnte ewig nur hier sitzen und die Seele sanft über die zarten Farben der Laguna, die Bergsilhouetten schweifen lassen!









Es geht langsam Richtung Sonnenuntergang, die Sonne steht schon tiefer am Horizont und wirft Schatten von den Bergriesen Richtung Laguna. Die Bergsilhouetten sind zart in Schwarz- und Grautöne abgestuft, die Laguna, pittoresk mit Andenflamingos dekoriert, schillert jetzt in allen möglichen und einigen schier unmöglich erscheinenden Pastelltöne. Ich wische mir immer wieder die "Feuchtigkeit" aus den Augen, bin emotional ausgelaugt, vollkommen fertig, kann nicht mehr, bleibe trotzdem sitzen, verpasse das Abendessen im Refugio, aber es ist mir alles egal, völlig egal.....ich muss diesen kostbaren, kostbaren Moment bis zum letzten Lichtquant ausschöpfen!











[Es ist so verwirrend schön, dass einem irre Gedanken durch den Kopf schiessen;.....Kindheit, Schule, Studium, Ausbau der geistigen und, vor allem, emotionalen Fähigkeiten, Heirat, Kinder, geographisch-beruflicher Werdegang.....all das, alles,.....nur als Vehikel, als "Booster-stufe" um diese kleine Raumkapsel - "ich" - hier und jetzt an diesen Ort zu bringen!?]

Irgendwann merke ich, dass es vollkommen dunkel ist, ich total durchgefroren bin und gehe langsam, die Bilder im Kopf eingebrannt Richtung Refugio.

Am nächsten Morgen fahren wir noch vor Sonnenaufgang los zum höchsten Punkt (4850 m) den wir auf dieser Reise auf 4 Rädern erreichen werden, zum Sol de Manana, ein Gebiet mit starker geothermischer Aktivität inklusive Geysire und Schlammlöcher.














Immer wieder die gleiche Frage; "Was wollte der Leopard dort?"

Die Fahrt geht, noch am frühen Morgen zur Laguna Verde (4330 m) weiter wo wir die einmalige, früh-morgendliche Atmosphäre am Fuße des Volcán Licancabur genießen.
[busko-pedia:.....Der Volkán Licancabur ist 5920 m hoch, ein perfekt symmetrischer, markanter Vulkan mit Krater und Kratersee, der von weitem und von allen Seiten gut zu sehen ist.....auch z.B. von San Pedro de Atacama in Chile]


Licancabur; Laguna Verde.


Wunderbares Licht über der Laguna Blanca.

Wir treten jetzt die Rückfahrt nach Uyuní an. Unser Flieger geht in 5 Tage aus La Paz und wir müssen zusehen, dass wir uns langsam wieder nach Norden bewegen. Wir fahren nach Villa Mar, wo wir übernachten.....es gibt an diesem hässlichen Ort auch sonst gar nichts zu tun. Wir vermuten, dass unser Fahrer hier eine Bekannte hat, die er auf der Durchfahrt besuchen möchte!? Er nutzt den Nachmittag um das Fahrzeug (abenteuerlich) aufzubocken und die Blattfeder, die wegen fehlender Klammern auseinander klafft, mit Schlauch-Gummi-Streifen (???!!!) zu fixieren! Wir sind sehr skeptisch, aber es funktioniert tatsächlich und hält bis zum frühzeitigen, (aber dazu kommen wir noch.....) Ende unserer Reise mit dem Fahrer.


Fachmännische Blattfeder Reparatur auf Bolivianisch!

Letzte Änderung: 07 Okt 2020 15:22 von busko.
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07 Okt 2020 09:58 #596149
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Am nächsten Tag fahren wir los, Wolken kommen auf und es zieht sich in Windeseile zu, wird immer dunkler, wir sehen erste Pfützen auf der Straße, sehen heftige Niederschläge über den Bergen runter kommen und.....




Erste Pfützen auf der Straße lassen schlimmes ahnen!


Dafür muss trotz "Weltuntergangsstimmung" Zeit bleiben!

.....stehen auf einem Mal am Ufer eines reißenden Stromes! Dort, wo wir vor wenigen Tagen noch durch den völlig trockenen Flusslauf des Rio Colorado gefahren waren ist nun ein reißender Strom! Wir stehen ratlos am Ufer, sehen Fahrzeuge auf der anderen Seite, die Richtung Süden wollen. Es regnet in allen Richtungen um uns herum, sieht wirklich nicht nach baldigem Aufhören aus. Unser Fahrer sagt es gibt keine Alternative zu dieser Furt, zuckt mit den Schultern und meint, wohl um uns Mut zu machen, er wäre schon Mal ohne Probleme eine Woche hier gestrandet gewesen. Eine Woche!!! Unser Flieger geht in 4 Tage und wir müssen noch einige km bis dahin zurück legen!!!
Mittlerweile kommen 3 weitere Fahrzeuge mit Abenteurer an; wir stehen am Ufer und rätseln was nun zu tun sei? Irgendwer kommt auf den Gedanken den Fluss zu Fuß zu durchwaten.....Schwachsinn!.....aber die Gedanken kreisen und kommen immer wieder dahin zurück und irgendwann sind wir dann soweit!




Der Amazonas ist doch in Brasilien!?


Stehen, gucken, rätseln.....was tun?


Es regnet weiter.....

.....und weiter.....

.....und weiter!


Weitere Wagen sind mittlerweile angekommen....


Wir rätseln weiter.....jetzt in einer größeren Gruppe?!

Wir packen unsere 7 Sachen in kleine Rucksäcke, bedanken uns und verabschieden uns von unserem Fahrer.
Wir suchen eine Stelle an der der Fluss möglichst breit ist, in der Hoffnung, dass "breit" vielleicht "flach" bedeuten könnte, ziehen uns "unten rum" bis auf die Unterwäsche aus, bilden eine lange Kette und waten los! Wir halten die Kinder immer zwischen 2 kräftigen Männern. Man muss sich schon heftig gegen die Flut stemmen, die Kinder "flattern" schon Mal in der Strömung, aber, irgendwann haben wir es tatsächlich geschafft! Wir sind euphorisch, finden Fahrzeuge die uns die 15 km nach Uyuní mitnehmen wollen und kommen, adrenalinbeladen aber umfänglich zufrieden in unserer "Schweizer" Herberge an!


GESCHAFFT!!! Man sieht die Erleichterung auf allen Gesichtern.....sie strömt förmlich aus allen Poren.....

Ja, was soll ich sagen?

Gestern die wunderbaren Panoramen der Jungas.....Heute die "Camino de los Muertes"!
Heute der "illegale Aufenthalt" in Peru.....Morgen die wunderschönen Eindrücke von Copacabana und Isla del Sol!
Gestern die Bilder von Sajama, Parinacota und Pomerape.....Heute die kälteste Nacht unseres Lebens, im Zelt, bei 4300 m!
Gestern die ephemeren Bilder der Laguna Colorado.....Heute den unpassierbaren Rio Colorado, verpasste Flüge.....

Ja, eben; "ein emotionaler Höllenritt!".....
Letzte Änderung: 07 Okt 2020 12:57 von busko.
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