THEMA: Indochina: Hinter den Bergen bei den 7 … Guides!
30 Apr 2020 18:56 #587773
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Anschließend erstiegen wir den Baphuon, einen monumentalen hinduistischen Tempelberg, der ursprünglich um 1055 errichtet wurde.







Angkor Thom Baphuon Tempel Terrasse mit Gopura (Torturm) und steinerner Steg mit Pavillon.

Er war Mittelpunkt der damaligen Khmer-Hauptstadt Yasodharapura. Ab 1960 und nach der Unterbrechung des Pol Pot-Regimes nach 1995 richtete man den völlig eingestürzten Bau in einem grandiosen Puzzlespiel wieder auf.
Wir und gingen weiter


Größenverhältnis Florian-Baum

zum Köngispalast, von dem lediglich der innere Tempel, der im 11. Jahrhundert von Suryavarman I. errichtete Phimeanakas erhalten ist, weil die anderen Bauwerke aus Holz errichtet waren.



Erhalten waren aber zwei Schwimmbecken, ein kleineres für die 200 Eunuchen und ein sehr großes für die 1000 Konkubinen des Herrschers,



wobei die Konkubinen Zutritt zu den Eunuchenbecken hatten, aber nicht umgekehrt. Vertiefungen an den Schwimmbadrändern deutete unser Guide als Sitzspuren der Konkubinen. Bei einer sehr tiefen Kuhle sagte er dann „Da auf diese Stein sehr große Loch, vielleicht dicke Frau, hehehe“ (Guide-Erläuterung des Tages III). Er lachte über seine Witze gerne so ausdauernd, dass er sich kaum halten konnte.

Guide zeigt auf den Platz der dicken Frau

Wie man auf Verstöße gegen diese Ordnungsregeln reagiert habe, beantwortete er gewohnt martialisch: „Kopf ab, hehehe“.

Wir besuchten endlich noch die Terrassen der Elefanten





und des Leprakönigs.


Die Terrasse der Elefanten ließ König Jayavarman VII. am Anfang des 13. Jahrhunderts erbauen, von wo aus die königliche Familie Paraden, Prozessionen und Spiele auf dem Großen Platz ansehen konnte. Der Name der geringfügig älteren Terrasse des Leprakönigs leitet sich von einer auf ihr befindlichen Statue her, einer angeblichen Darstellung des Königs Yasovarman I. (899–910), der die erste Stadt in Angkor errichten ließ und schließlich an Lepra verstarb. Tatsächlich stellt die Statue wohl den hinduistischen Todesgott Yama dar. Möglicherweise wurden hier die Leichname der Königsfamilie und hoher Würdenträger rituell verbrannt.

Hernach fuhren wir zum von vielen Würgfeigen überwucherten Tempel Ta Prohm, für den Indien ein größeres Restaurationsprojekt initiiert hat. Diesen um 1300 errichteten Bau hatte Jayavarman VII., der größte Bauherr von Angkor, seiner Mutter geweiht. Er soll nicht vollständig restauriert, sondern im halbverfallenen Zustand belassen werden.



Stützpfeiler, damit die Wurzeln nicht das Gemäuer niederreißen.



Nun brachte man uns zu einer Touristenabsteige, in dem wir uns ein grotesk überteuertes Mittagessen andrehen lassen mussten. Das Essen selbst war durchschnittlich, aber in Ordnung. Unterwegs konnten wir einen Wasserbüffel sichten. Der Guide fing an, etwas von Automarken zu murmeln, er kam auf BMW zu sprechen, das bedeute in Kambodscha ein „Bauer mit Wasserbüffel“. Das sollten wir noch öfter, auch von verschiedenen Guides in Vietnam, hören. Nach dem Mittagessen stand endlich Angkor Wat an. …
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01 Mai 2020 19:42 #587875
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Die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts unter Suryavarman II. errichtete Tempelanlage Angkor Wat gilt als das größte Sakralbauwerk der Welt. Wir nahmen den östlichen Eingang zur Anlage, den Ta Kou-Entrance.



Der beeindruckende Zugang zum Hauptkomplex verfügt über 5 separate Zugänge. Die äußeren besaßen Treppen und waren für das Volk,



das Herrschertor in der Mitte bestand aus einem nackten Vorsprung. Unser Guide wollte natürlich wissen „Wie kommt König hier hoch? Muss hüpfen wie Frosch? Klettern wie Spiderman?“ (Guide-Rätsel des Tages – Auflösung nach dem Bild).



Die Lösung lautete: Elefanten! Wenn der König zum Tempel kam, ritt er auf einem Elefanten und konnte von dessen Rücken in passender Höhe nicht ab-, sondern aussteigen.

Wir begaben uns ins Zentrum und schauten uns die 800 Meter lange „Galerie“ an.




Um den Tempel ganz zu ersteigen,


musste man sich in eine Schlange einreihen, da immer nur 100 Personen für den Aufstieg zugelassen waren und man sich entsprechend einen Ausweis holen und wieder abgeben musste.

Wie schon bei einer anderen Besichtigung wollte der Guide auf uns warten und riet auch Barbara von der Ersteigung ab. Die überall sehr steilen Treppen sollten übrigens bewirken, dass man in demütiger Haltung hinaufsteigen musste, wie Barbara zutreffend mutmaßte.


Nun aber war sie zunächst hinter uns und verschwand sehr schnell, so dass wir vermuteten, dass sie anderes besichtigen und auf den Rat des Guides hören wollte. Wir verloren sie dadurch komplett aus den Augen. Als wir nach einer guten halben Stunde endlich kurz vor dem Anfang der Warteschlange anlangten, tauchte sie auf der anderen Seite der Absperrung auf und sagte uns, dass sie die Aussage des Guides als Besteigungsverbot für alle aufgefasst hatte. Florians Vorschlag, sich noch in die inzwischen noch längere Schlange einzureihen, lehnte sie ab, vielleicht, weil auch nicht mehr so viel Zeit von der Vorgabe des Guides übrig war. Wir hatten oben einen netten Ausblick und eine gute Möglichkeit, den mittleren Turm zu besichtigen, mehr aber eigentlich nicht.


obere Terrasse Hauptturm


Blick von der oberen Terrasse Richtung Süd-Osten


Blick von der oberen Terrasse Richtung Westen


Blick von der oberen Terrasse Richtung Westen (nördl. Bibliothek im Hintergrund)

Als wir – von einigen Höhenangstproblemen begleitet – den Abstieg geschafft hatten, erklärte Barbara, dass sie sehr verärgert sei, es bei ihrem einzigen Angkor Besuch es nicht bis ganz oben geschafft zu haben. Über den westlichen Tempelbereich begaben wir uns Richtung Ausgang.


Angkor Wat South Thousand God Library


kochender Mönch



Noch besser gefiel uns die Kulisse vor dem Tempel, wo wir plötzlich doch viel Zeit hatten, weil wir den Sonnenuntergang über Angkor genießen sollten, der wetterbedingt allerdings ausfiel.


Ehrenterrasse


Prozessionsstraße

Wir konnten dort schöne Photos machen, leider wollte Barbara, noch immer sauer, nicht mit aufs Bild.





Wir lernten wenigstens, dass Mönchsgruppen Touristen sind wie alle anderen auch.





So teilten wir uns also in drei 'Gruppen' auf, den Guide, der weiter pausierte, Barbara, die ihrer eigenen Wege Richtung Ausgang ging und Thomas und Florian, die einen großen Erkundungsrundgang unternahmen.




Südliche Bibliothek




Lesbische Hochzeit

Da der Sonnenuntergang ausfiel, machte es wenig Sinn, dass wir so das Tempelgelände zu früh verließen. Trotzdem war auch Florian inzwischen ziemlich genervt und beschloss, dass ein gegenseitiges Ignorieren für den Rest des Tages wohl das Beste sei. Wir konnten immerhin noch eine interessante Szene beobachten, in der eine Gruppe Affen einem photographierenden Touristen den Souvenirbeutel klaute und die Kleinodien auf ihre Essbarkeit hin untersuchte. Den verzweifelten Versuchen des Photographen, seine Tasche mit einem Stock bewaffnet zurückzuerobern, begegnete das Alphamännchen mit imposanten Drohgebärden, die den Photographen hinreichend einschüchterten.




Beim Hinausgehen zeigte sich die Sonne dann doch wieder, dennoch setzten wird den Rückweg fort.




zentraler Torbau


Guide-Story des Tages: „Es gibt auch Schnee im Sommer in Kambodscha. Hier ist der Schnee allerdings Staub, hehehe. Vater von Freund hat Auto mit kaputtem Unterboden. Der Vater fuhr mit schwarzem Haar los und kam mit weißem Haar an. Weiß von hellen Staub, hehehe“. Man muss sich den Freundesvater wohl als einen modernen Fred Feuerstein vorstellen, der das Fahrzeug mit Fußantrieb in Gang hielt und entweder sehr sportlich oder am Ende einer jeden Fahrt fix und fertig war. Fix und fertig waren jedenfalls auch wir nach nur vier Stunden Schlaf und den ganzen Tag unterwegs …
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02 Mai 2020 20:28 #587960
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Mi. 08.03.17 Männer sind von Natur aus schön, Frauen …

Nachdem unser Kameraprobleme gelöst war, konnten wir uns dieses Mal auf ein entspanntes Frühstück freuen. Um 6:45 aßen wir vom leider sehr vegetarierunfreundlichen Buffet Brötchen, Obst und etwas Käse. Mangels großer Alternativen sortierten wir aus den gebratenen Nudeln die Krabben aus. Für Nichtvegetarier entsprach das Hotel hingegen seinem Ruf, auf tripadvisor zu den bestbewertetsten Unterkünften der Welt zu gehören. Direkt im Anschluss mussten wir schon unsere Zimmer räumen, konnten die Koffer aber im Hotel deponieren.

Unsere heutige Erkundungsreise führte uns zuerst zum Prasat Preah Khan, dem zentralen Kloster- und Universitätsbau einer vorläufigen Angor-Hauptstadt aus dem 12. Jahrhundert, die Jayavarman VII. errichten ließ, nachdem er die Cham zurückgeschlagen hatte. Eigentlich ist der Flachtempel aber ein weiterer Ahnentempel, diesmal seinem Vater gewidmet.







Der Guide fand wieder ein irgendwie seltsames Vergnügen daran, uns immer wieder die Lingams zu erklären, die jeweils zu 1/3 die verschiedenen Hauptgötter symbolisieren. Ein Lingam ist daher zu einem Teil rund, acht- und viereckig.





Stupa










Weiter ging es zum Prasat Neak Pean (Tempel der sich windenden Schlangen). Dieser im späten 12. Jahrhundert unter Jayavarman VII. erbaute Heiltempel ist auf einer Insel in einem riesigen künstlichen Staubecken gelegen. Der Pfad dorthin war für einige europäische Besucher eine Herausforderung, obwohl er eigentlich nicht besonders schmal war.



Viele Dinge gingen unverständlicherweise verloren - Kopfbedeckungen, Schals, Kinderspielzeug - und eine Frau fiel fast in das Wasser, das zum Glück heutzutage keine Krokodilpopulation mehr enthält. Die wurde nämlich vor längerer Zeit schon verspeist. Wir wunderten uns über die vielen rosafarbenen Gebilde an den zahllosen Wasserpflanzen. Es soll sich dabei nach Auskunft unseres Guides um Wasserfroschgelege handeln.







Wir betraten den Heiltempel mit seinen Wasserbecken, darunter vier peripheren, die nach Personengruppen differenziert genutzt werden durften. Sie besaßen jeweils einen Wasserspeier, es gab einen Menschenkopf, einen Pferdekopf, einen Löwenkopf und einen Elefantenkopf.



Das zentrale Becken, 60x60 Meter, symbolisiert das Urmeer mit einem Heiligtum in der Mitte, das den Göttersitz Meru darstellt.



Zu den peripheren Becken verlaufen vier Kanäle für die vier größten Flüsse der Erde.

Unser nächster Stop führt uns in eine ganz andere Zeit- und Stilepoche ...
Letzte Änderung: 02 Mai 2020 20:47 von Flotho.
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03 Mai 2020 17:24 #588038
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Der nächste, Shiva geweihte Tempel war der unter Rajendravarman II. (944-968) erbaute östliche Mebon, der 952 eingeweiht wurde. Dieser war stilistisch sehr interessant, da aus der Prä-Angkor-Epoche und noch aus kleinen Ziegelsteinen errichtet. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick zurück. Im 2. Jahrhundert war das erste indisch geprägte Königreich Südostasiens, Funan, gegründet worden. Dieses eroberten die Khmer im 6. Jahrhundert und begannen mit eigenen Reichsgründungen. Rajendravarman II. verlegte den Hauptsitz zurück in die Angkor Region. Dies erklärt wohl auch die indischen Denkmalprojekte in der Region.











Die zahlreichen Löcher in den Fassaden dienten in früheren Zeiten dem Edelsteinschmuck.




Weiter ging es zum immerhin 23km von Angkor Wat entfernten Banteay Srei-Tempel, einem besonders kunstvollen Bau ebenfalls aus dem 10. Jahrhundert, ebenfalls für Shiva errichtet. Der zierliche Tempel wurde von einem Herrscherenkel und Königslehrer errichtet und gilt als einzige bedeutende Tempelanlage, die nicht, wie ihm allein eigentlich vorbehalten, von einem Herrscher in Auftrag gegeben war. Für uns war es mit die schönste Anlage.









Auch deshalb wirkt er weniger wuchtig. Unser Guide erklärte uns, dass dieser heute Frauentempel genannt werde, weil er so schön sei, wie Frauen.









Es handele sich aber wohl um einen Übersetzungs- oder Translationsfehler. Er kommentierte die Sache so „Frauen sind durch Make-Up schön. Männer sind von Natur aus schön.“ (Guide-Scherz des Tages I)

Wir machen eine Mittagspause, diesmal nicht so im engsten Touristengebiet, daher verträglichere Preise (d.h. dieses Mal nicht auf westeuropäischem Hauptstadtniveau) und für uns eine sinnvollere Auswahl: für Florian gab es einen Kokosshake, für Thomas einen Cashewshake und für Barbara einen Obstteller.

Unser Weg führte uns nun zu einem Zuckerpalmendorf, wo wir einen kurzen Halt machen, um das Einkochen von Zuckerpalmensirup zu beobachten, der als Grundstoff für Bonbons genutzt wird. Wir probieren den Sirup, der dadurch gewonnen wird, dass die Früchte und Samenstränge der weiblichen und männlichen Palmen 3 Tage lang mit Werkzeugen geknetet werden, ehe man sie aufschneidet und den Sirup zum Kochen ausfließen lässt.






Ein letzter Tempel stand noch auf dem Programm, ehe wir zurück zum Hotel und unsere Koffer für den Weiterflug holen mussten. …
Letzte Änderung: 03 Mai 2020 17:39 von Flotho.
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04 Mai 2020 18:06 #588129
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Als letzter Tempel steht noch Banteay Samré aus dem frühen 12. Jahrhundert auf dem Programm. Der Vishnu geweihte Tempel heißt übersetzt Festung der Samré, eines legendären lokalen Volksstammes. Vor der Anlage sehen wir einen sehr schönen Cashewbaum.



Der Tempel selbst wurde nach einer damals neuen Methode als erste komplette Tempelanlage zwischen 1936-1945 rekonstruiert. Sie liegt etwas abseits der üblichen Touristenpfade, gehört aber zu den schönsten und besterhaltenen Bauten der klassischen Angkor-Zeit und wurde zeitgleich mit Angkor Wat errichtet.











Wie an allen anderen Anlagen gab es viele Stände, an denen Sehenswürdigkeiten kunsthandwerklich für allerlei touristische Mitbringsel vermarktet wurden.



Nun vehikelten wir zurück zum Flughafen. Der Zahnriemen hielt wider Erwarten tatsächlich bis zum Ende unseres Aufenthalts durch. Dennoch mussten wir im Hotel noch mal etwas auf unseren Guide und den Transfer zum Flughafen warten. Guide und Fahrer erhielten aber ein ordentliches Trinkgeld, denn von dem eigenwilligen Humor und den mitunter recht misogynen Sprüchen des Guides abgesehen waren sie wirklich freundlich und hilfsbereit gewesen. Zu unserer Überraschung erhielten auch wir kleine Abschiedspräsente in Form von Halstüchern. Auf der Fahrt gab es noch das Bonmot des Tages. Wie sehen ein 5 Sterne-Hotel, an dessen Platz früher ein Gefängnis gelegen war: „Früher Gefängnis, heute 5-Sterne-Hotel- 5-Sterne-Gefängnis für Touristen, hehehe“ (Guide-Scherz des Tages II). Das wiederholte er mehrfach, bis er sich nicht mehr einkriegen konnte und lauthals loslachte, begleitet von Schenkelklopfen und bedrohlichem Vor- und Zurückwerfen seines dürren Halses.

Als wir die kleine Flughafenhalle für die Inlandsflüge - für Auslandsflüge der Millionen Touristen gibt es natürlich eine Riesenanlage - betraten, waren zwar schon einige Passagiere vor Ort, aber noch kein Schalter offen.


Als es losging, gab es dann etwas Schwierigkeiten mit unseren E-Tickets. Da wir bloß 3 E-Ticketnummern für die 7 Flüge hatten, wussten wir nicht, welche Nummer zu welchem Flug gehören sollte. Es wurde viel probiert, Kollegen wurden zur Verstärkung gerufen und Florian wurde langsam panisch. Irgendwann konnten sie das Rätsel lösen, dass nämlich unser Flug mit Cambodian-Airlines über Vietnam-Airlines gebucht worden war. Als wir nach vielen Entschuldigungen und für uns sprachlich weitgehend unverständlichen Erklärungen unsere Bordkarten hatten, waren wir erleichtert. Die Handgepäcks- und Personenkontrolle lief dagegen problemlos, nur schaffte Barbara für weitere Schreckmomente: Sie wurde von der Security zurückgerufen, weil sie lediglich die Handtasche, nicht aber das Handgepäck mitgenommen hatte. Wir hörten etwas Hörbuch, als dann aber das Boarding losging, konnte Barbara ihre Bordkarte nicht mehr finden. Sie sagte, dass sie vergessen habe, die Karte nach der Personenkontrolle wieder aus der Schachtel zu nehmen und eilte mit Florian zurück zum Sicherheitscheck. Dort war das Ticket gescannt worden, es musste also noch vorhanden gewesen sein. Trotz allen Suchens und der Mithilfe des Personals wurden sie nicht fündig, so dass Florian wieder zu hyperventilieren drohte. In der Zwischenzeit hatte aber Thomas die Karte unter Barbaras Sitz gefunden. Sie hatte sie einfach fallenlassen und dann bei der Suche nach einer Erklärung sich selbst eine falsche Erinnerung suggeriert.
Das Flugzeug war eine Propellermaschine, für uns ohne Erfahrung auf kurzen Auslandsstrecken etwas neues.

Der Flug war sehr ruhig, wohl der angenehmste der gesamten Reise, wenn auch ziemlich laut. Wir saßen in Reihe 1 bzw. Barbara hinter uns in Reihe 2 und freuten uns, endlich einmal keine Visaanträge ausfüllen und nicht immigrieren zu müssen.

Unsere neue Reisebegleitung, die uns am Flughafen Phnom Penh, abholte, war wieder das genaue Gegenteil der vorherigen. Kein sympathisch-alberner Clown, sondern ein Bauer, allerdings ein promovierter Agrarökonom, der anders als die bisherigen und die meisten späteren Guides niemals in Deutschland gewesen war, sondern an einer Fernuni studiert hatte. Er sprach ein nahezu perfektes und von allen das beste Deutsch, das er auch immer noch weiter zu verbessern suchte, war aber anders als die bisherigen Guides sehr steif und förmlich, stellte sich formvollendet als Herr Ra und den Fahrer als Herrn Tee vor. Er war deutlich älter und wirkte wie ein „wilhelminischer Verwaltungsbeamter“ (Barbara).

Da wir erst so spät ankamen, wurden wir nur noch schnell ins Hotel gebracht, das wir im Dunklen auch nicht mehr verließen.




Ein wieder sehr, sehr langer Tag näherte sich dem Ende …

Wir besuchten lediglich die Dachterrasse, um einen Blick auf das nächtliche Panorama zu erhaschen.



Das Hotel selbst war sehr interessant, eine ungewöhnliche, sehr moderne Architektur mit einigen Extras, wie z.B. extrem vielen kleinen Geckos und Eidechsen, die Thomas schon am Empfang an den Wänden auffielen und die man nicht belästigen sollte, weil sie dem Mückenschutz dienen.
Im Zimmer fiel uns die große Lautstärke der umgebenden Bars unangenehm auf. Wir hofften, dass sich das zeitig geben würde. Ganz interessant sah die unmittelbare Umgebung mit den engen Gassen aber schon aus.





Letzte Änderung: 04 Mai 2020 18:20 von Flotho.
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Di. 09.03.2017 Hase und Igel in Phnom Penh

Vor dem Terror der Roten Khmer war Kambodscha auch als die asiatische Schweiz bekannt. Heute finanziert sich die Hälfte des Staatshaushalts aus Entwicklungshilfe, es gibt immer noch 40% Analphabeten. Die Bevölkerung hat mit einem Jahreseinkommen von 1230 $ in den letzten Jahren zwar spürbar einen Wohlstandszuwachs erfahren, es ist immerhin doppelt so hoch wie in Laos, das merkt man sehr, aber die 80% agrarische Bevölkerung sind davon weitgehend abgeschnitten geblieben. Die Stadt hingegen wirkt mehr als Vientiane wie eine moderne Metropole, zumindest die Innenstadt, die wir zu Gesicht bekommen.
Die Nacht ist wie befürchtet unruhig. Ab 4:30 stehen wir endgültig senkrecht in den Betten: Vor dem Hotel ist es sehr laut, im Hotel dringt von den Fluren großes Gepolter herein und von den Straßen ein beständiger Alarm diverser Fahrzeuge mit Sirenen und Martinshörnern. Ein recht leckeres Frühstück mit Baguette, Käse, Obst, Joghurt, einer Käsewaffel mit Honig, Karottenkuchen und Bananenbrot gibt es erst um 6:45.






Blick von der Frühstücksdachterrasse

Endlich sehen wir unser Hotel Patio auch im Tageslicht



Unser Guide holte uns zu einer Tuk-Tuk-Fahrt durch die Stadt ab.


Es war recht interessant und aufregend, so dicht im Verkehr zu sein. Wir merkten jetzt die Verkehrssteigerung gegenüber Laos sehr deutlich. In Südvietnam und noch schlimmer in Nordvietnam würde sich das weiter steigern. Phnom Penh, heute 1,8 Mio Einwohner, wurde 1434 nach dem Fall Angkors durch einen siamesischen Vasallenkönig gegründet. 1866 machte man die Stadt wegen ihrer strategisch günstigen Lange zur Hauptstadt. Sie hat sich von der Zeit der Roten Khmer, die sie zu einer leeren, stinkenden und verseuchten Geisterstadt machten, noch nicht vollständig erholt, bietet vielmehr mancherorts noch immer ein Bild des Elends. 1979 hatten vietnamesische Truppen die Roten Khmer aus der Hauptstadt vertrieben. Allerdings ist das vietnamesische Eingreifen immer noch Grund für Spannungen, die, so glauben zumindest die Südvietnamesen, von China noch befeuert werden – divide et impera. Wir hielten am Königspalast



und konnten dabei einen kurzen Blick auf das Justizministerium gegenüber werfen,

in dem früher die oberste Verwaltungsbehörde der französischen Kolonialmacht untergebracht war, und auch auf den obersten Gerichtshof.


Im Königspalast begann ein Hase und Igel-Spiel. Unser Guide lotste uns geschickt um die riesigen Touristenströme herum, so dass wir immer schon vor Ort waren, wenn die abgehetzten Touristen eintrafen und wir uns dann wieder leise davonmachten. Das Ganze war recht beeindruckend koordiniert. Außerdem verfügte Herr Ra über ausgezeichnete Sachkenntnisse. Der einzige kleine Schönheitsfehler war, dass er diese Kenntnisse etwas zu gerne an den Mann oder die Frau brachte und er mehr Zeit für seine Voraberklärungen als für die eigentlichen Besichtigungen einräumte.


Dennoch gelangen sehr schöne Photos frei von den überbordenden Menschenmengen, die immer knapp hinter uns heranwogten. Gut gefiel uns z.B. die Fassade der 1917 errichteten Thronhalle, dem Gebäude für Krönungsfeierlichkeiten, Staatsempfänge und dergleichen.







Es gab ein eigenes Gebäude für die Festgelage, den Mondlichtpavillon, in dem früher das königliche Ballett auftrat,


einen königlichen Ruheraum,


eine eigene Wartehalle für die Gäste vor einer Audienz

Hor Samrith Phimean Wartehalle (vorne) – Damnak Chan Büros (rechts hinten)

und eine Tanzhalle.

Phochani Pavillon – Tanzhalle

Ein Teil des Palastareals war allerdings als königlicher Privatsitz abgesperrt, da der König auch heute noch dort residiert.


Wir begaben uns in das Areal des königlichen Tempelklosters und erreichten die berühmte Silberpagode vor den Besucherströmen.





Sie trägt ihren Namen wegen der über 5000 Bodenkacheln zu einem Gewicht von je 1,125kg mit einem Silberanteil von 42%, was ein Gesamtgewicht von über 7,5t Silber bedeutet. In der Mitte befand sich ein großer Buddha aus 90 kg Gold, verziert mit über 2000 Diamanten, von denen 4 25 Karat, 5 20 Karat und der Rest ca. 7 Karat hatten. Schließlich stießen wir auf Uniformierte und unser Guide zeigte uns darunter den burmesischen Verteidigungsminister. Er stellte im Hinblick auf den hohen Besuch die süffisante Frage, ob am Abend alle Buddhastatuen und Kunstschätze noch vorhanden sein würden und deutete an, dass es nicht unüblich sei, dass solch hoher Besuch gerne etwas aus kambodschanischen Museen mitgehen ließe, das ihm gefalle. Auch sahen wir ein napoleonisches Reiterstandbild König Norodoms I., der 1863 die territoriale Integrität Kambodschas rettete, indem er sein Land den Franzosen auslieferte und damit einer Zerschlagung durch Siam zuvorkam.






Königliche Stupa

Nach dem Besuch des Königspalasts ging es ein kleines Stück weiter zum Nationalmuseum.




Nationalmuseum

Es besaß sehr viele interessante Exponate – vor allem aus Angkor –, war jedoch wieder einmal museumsdidaktisch in den älteren Bereichen nahezu vorsintflutlich aufbereitet, jedoch mit immerhin ein paar allgemeinen Tafeln und einem Audioguide, für den wir natürlich keine Zeit hatten. Nach einer kleinen Einführungsrunde bekamen wir von unserem Guide nur 30 min, um das Museum auf eigene Faust zu erkunden.

















Das war viel zu wenig, aber dem engen Reiseplan geschuldet, der für Phnom Penh leider nur einen halben Tag vorsah. Hier hätten wir sicherlich intervenieren sollen und einen Zusatztag buchen. Allerdings war es hinsichtlich bewilligter Urlaubslänge ohnehin alles sehr knapp und wir hatten auch für einen späteren Zeitpunkt einen Zusatztag gebucht, der keinesfalls eine Enttäuschung war …
Letzte Änderung: 06 Mai 2020 21:20 von Flotho.
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