10 Wochen BOT-NAM-SA (Herbst/Winter2025)

Reisebericht 52 Antworten · 3'655 Aufrufe · gestartet 08. März 2026 von deba
Themenstarter51 Beiträge · seit 201608. März 2026 · #1
Dies ist unser erster Reisebericht und wir hoffen, dass das klappen wird. Er basiert auf unserem viel zu ausführlichen, handgeschriebenen Tagebuch (ca. 100 Seiten - das will doch niemand lesen) , das wir nun über die letzten Wochen eingelesen, gekürzt und umgearbeitet haben, weil wir den lieben und ausserordentlich hilfsbereiten Leuten von Zebra-Reisen einen Reisebericht im Forum versprochen hatten. Wir werden es häppchenweise hochladen, da wir noch nicht mit allen Teilen zufrieden sind. Bitte verzeiht, wenn zwischen den einzelnen Veröffentlichungen etwas Zeit vergeht - dafür sind wir noch sehr offen für Verbesserungsvorschläge, die das Lesen attraktiver gestalten würden.
Unsere lang ersehnte Reise stand in der Vorbereitung unter keinem guten Stern und erst mit der Hilfe von Claudia, Maike und Christoph, die für uns den Feinschliff und die Buchungen übernommen haben, konnten wir zuversichtlich starten. An dieser Stelle geht ein ganz ganz grosser Dank an Zebra Reisen raus.
Der Reiseverlauf sieht grob wie folgt aus:
Start in Johannesburg
Pilanesberg
Serowe
Kubu Island
Nxai Pan
Makgadikgadi Pans
CKGR
Maun
Moremi
Khwai
Savuti
Linyanti
VicFalls
Chobe
Kongola
Divundu
Khaudum
Etosha
Epupa
Kaokoveld
Palmwag
Skeleton Coast
Messum
Spitzkoppe
Mirabib
Sesriem
Aus
Lüderitz
Fish River Canyon
Citrusdal
Ende in Kapstadt

Wer sich nur für einen bildnerischen Überblick interessiert, findet vielleicht in der folgenden Prezi-Präsentation etwas Inspiration:
https://prezi.com/view/DgrFiRrpEp4HqLw3Rjku/?referral_token=fACGMZlnB3FN
zuletzt bearbeitet 15. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201608. März 2026 · #2
70 Tage, rund 9'600 Kilometer, ein Bushlore-Camper namens Lotta, ein GPS namens Lötteli und eine Wasserpumpe, die mehr Persönlichkeit hatte als die meisten Menschen, die wir kennen: Das ist die nüchterne Bilanz von BOTNAMSA. Die weniger nüchterne: unzählige Elefanten, die uns auf Schritt und Tritt folgten (oder wir ihnen), eine Leopardenentdeckung zu Fuss, eine Wüstenlöwin an Denises 50. Geburtstag, Höllengewitter um Mitternacht, ein Plattfuss nach 8'200 Kilometern – und zwei Menschen, die nach zehn Wochen noch immer gerne miteinander reden.
Dies ist der Versuch, das alles festzuhalten, bevor es sich in den Wirren des Alltags auflöst. Los geht's:

Tage 0 und 1
Zürich → Johannesburg → Pretoria → Pilanesberg

Das Abenteuer beginnt, wie alle grossen Abenteuer: mit einem Farewell Drink an der Flughafenbar in Zürich. Als wir das Flugzeug besteigen, sind wir freudig überrascht über die gebuchten Economy-Premium-Plätze direkt hinter der Business Class, die wir uns zum ersten Mal gegönnt haben. Die Schalensitze bieten enorm viel Beinfreiheit und das Essen ist wirklich lecker. Der Flug vergeht so wie im Flug... Ganz im Gegensatz zur Passkontrolle in Johannesburg, wo wir dann fast zwei Stunden bruachen und froh sind, im Flugzeug gut gefrühstückt zu haben. Dokdo von Bushlore erwartet uns zur Fahrzeugübergabe etwas ausserhalb.
Lotta – so werden wir unseren Bushcamper in den nächsten Tagen feierlich taufen – wartet auf uns. Die Übergabe dauert allerdings fast zwei Stunden, da Lotta noch nicht so reisefit ist, wie sie das sein sollte: Sicherungen müssen gewechselt werden, Wasserhähne abgedichtet, die Winde neu aufgewickelt. Nicht gerade das Drehbuch für einen entspannten Reisebeginn und wir werden angesichts der fortschreitenden Zeit und dem noch vor uns liegenden Weg etwas nervös.
Mit Zeitdruck im Nacken geht es dann nordwärts Richtung Pilanesberg. Unsere Einkäufe erledigen wir im Stechschritt durch einen Shoprite am Rande von Pretoria, bei dem wir das Nötigste für den erste Abend in den Einkaufswagen schmeissen. Auf der sechsspurigen Stadtautobahn aus Pretoria herrscht dichter Verkehr und das dazugemietete GPS (als Wurmfortsatz von Lotta liebevoll Lötteli genannt), leistet sich schon am ersten Tag einen denkwürdigen Auftritt: Es will uns ständig wenden lassen. Als wir endlich in der Nähe unseres Ziels – einem Campingplatz bei Mogwase – sind, ist es längst dunkel. Das Fahren auf Schotterpisten mit entgegenkommenden Scheinwerfern und Menschen am Strassenrand fühlt sich mehr als grenzwertig an. Zweimal fragen wir nach dem Weg und werden sehr freundlich in die komplett falsche Richtung geschickt. Beim dritten Mal hilft die Karte auf dem Handy eines Shopbetreibers. Um 20:15 Uhr finden wir – halb zufällig – das Bushfoot African Base Camp mit dem sehr sympathischen Host Greg und seinem Hund namens Such-A-Dog.
Andy kocht Pasta, wir richten uns rudimentär ein, und fallen in einen erstaunlich tiefen Schlaf, der nur durch etwas Wind, Regen und ungewohnte Geräusche kurz unterbrochen wird. Willkommen in Afrika.

Tag 2
Pilanesberg Nationalpark

Wieder trocken, bedeckt, angenehm warm – so begrüsst uns der erste richtige Morgen in Südafrika. Nach einem Frühstück ohne Kaffee (den haben wir doch gestern glatt vergessen!) richten wir Lotta ein: Taschen auspacken, eine Art innerer Ordnung erstellen, Küche umbauen, Führerkabine bestücken. Es lohnt sich, sich im Wagen heimisch zu fühlen. Wir werde noch viel Zeit darin verbringen. Wir haben uns für ein Single Cab entschieden und meine Sorge, dass das vorne vielleicht etwas eng werden könnte, erweisen sich als unbegründet. Dank des Extrafaches hinter den Sitzen ist alles Wichtige jederzeit griffbereit.
Greg empfiehlt uns einen Supermarkt. Die Strecke dorthin wirkt bei Tag massiv weniger bedrohlich als in der Nacht. Wir decken uns mit Wasser, Sundowner-Material und allem Nötigen ein – einzig Butter und Joghurt bleiben unauffindbar. Dann geht es zum Pilanesberg Nationalpark, einer reizvollen Kraterlandschaft. Am Eingangsgate funktioniert weder Bar- noch Kartenzahlung, weil das Internet tot ist. Wir werden hineingelassen, mit der Bitte, doch einfach beim Restaurant mitten im Park zu bezahlen, was wir natürlich tun, auch wenn es bei der Ausfahrt niemanden interessiert.
Der Park ist ein sanfter Einstieg in unser zukünftiges Safari-Leben. In vier Stunden sehen wir Elefanten aus sehr grosser Nähe, Giraffen, Nashörner, Kudus, Gnus und viele Vögel. Zum Mittagessen gibt es die ersten Chutney-Gurken-Käse-Sandwiches, die uns über die nächsten Wochen treu begleiten werden. Bei der Rückkehr wartet Greg mit einer heissen Bucket-Shower. Wir geniessen sie sehr. In der Ferne donnert es. «Nun sind wir angekommen», schreibe ich ins Tagebuch

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Tag 3
Pilanesberg → Grenzübergang nach Botswana → Khama Rhino Sanctuary

Gut geschlafen, obwohl die Nacht keineswegs ruhig war. Es regnete stark, es blitzte und donnerte, und das letzte Gewitter ging kurz vor Morgengrauen nieder. Kurz vor 8 Uhr verabschieden wir uns von Greg und Such-A-Dog und fahren Richtung Norden.
Auf den ersten 40 Kilometern wird gebaut, unzählige Speedbumps bremsen uns. Danach rollt es flockig. Viele Ziegen, Esel und Menschen am Strassenrand. Und immer wieder Melonenverkäufer und Gottesdienste unter freiem Himmel. Kurz vor Mittag erreichen wir den Grenzübergang. Was für ein Gewusel: Hunderte Lastwagen am Strassenrand und ebenso viele Leute, die ihren Geschäften nachgehen. In der Luft liegt der Geruch von zu viel Mensch und Maschine auf zu kleinem Raum. Der Individualverkehr kann an der Kolonne vorbei über die einspurige Limpopo Brücke und nach 30 Minuten mit Fiebermessen, Maul-und-Klauenseuche-Prävention, Formulare ausfüllen, Pässe zeigen, 210 Pula bezahlen, sind wir in Botswana.
Dank Denises Navigationskünsten – Lötteli ist noch immer in der Reha – finden wir kurz nach 14 Uhr das Khama Rhino Sanctuary. Nach doppeltem Einchecken und 2,5 Kilometern Sandpiste stehen wir auf Campsite 6 – die uns sehr gefällt, da sie zwar nahe an den Ablutions, trotzdem aber schön für sich ist. Wir essen ein Sandwich, schreiben, lesen, geniessen die 34 Grad in der Hängematte im Schatten.
Dann geht es zur Malumba Pan, einem ungesicherten Wasserloch, wo wir uns nach dem Vorbild anderer Besucher trauen aus dem Auto auszusteigen. Nashörner, Zebras, Impalas, Springböcke und Elands sind zahlreich vorhanden und bieten vor der untergehenden Sonne ein wunderbares Schauspiel.
Doch nur einige Meter abseits zeigt sich die andere Seite der Natur: Ein Zebra kommt aus einer Sandkuhle nicht mehr hoch und wälzt sich verzweifelt hin und her; andere Zebras warten. Eines scheint ihm sogar helfen zu wollen, indem es gleich daneben im Sand scharrt. Doch das erschöpfte Tier bleibt liegen.

Tag 4
Khama Rhino Sanctuary

Den Tag verbringen wir auf Pirschfahrt im Park. Die Zebraherden machen uns grossen Eindruck. Wir kurven fast drei Stunden durch die Gegend und stossen schliesslich auf ein Nashorn, das nahe unter einem Baum etwas Kühle sucht. Schon jetzt sind wir froh, uns für die Mitnahme einer guten Kamera mit Tele (100-500) entschieden zu haben und es entstehen ein paar superschöne Bilder.
Am Nachmittag geht es zurück zur Malumba Pan – und das Zebra vom Vortag liegt nun tot da. Als drei Nashörner vorbei ziehen und sich für das Zebra zu interessieren scheinen, zuckt plötzlich sein Schwanz. Das arme Tier lebt noch immer. Eines der Nashörner stupft mit der Schnauze gegen das Zebra und wir hoffen, dass es genug erschrickt um sich aufzurichten – leider vergeblich. Es wird hoffentlich nicht mehr lange leiden müssen.
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Am Wasserloch vergnügen sich viele Antilopen. Im Hintergrund sechs Giraffen. Ein Nashornbulle zieht einsam seine Kreise. Bald kommen zwei weitere Nashörner, darunter eine Mutter mit Kalb. Die Mutter hat ein Riesenhorn. Der Bulle ist nicht gut auf sie zu sprechen und Mutter und Kalb kommen immer näher in unsere Richtung. Gefühle zwischen Sensationslust, Bewunderung und etwas Schiss. Vielleicht wären wir doch lieber im Auto geblieben...
Abends Feuer machen, Gemüse und Kartoffeln braten, Brot im Dutch Oven backen, Wildtierkamera montieren. Am nächsten Morgen: leider keine Fotos auf der Wildtierkamera. Wir verlassen das Khama Rhino Sanctuary nach zwei sehr schönen Tagen.

Tag 5
über Letlhakane nach Kubu Island

Auf guter Asphaltstrasse vorbei an Kühen, Eseln, Ziegen und dem Dorf Letlhakane – das einen friedlichen, intakten und relativ wohlhabenden Eindruck macht, was wahrscheinlich der Tatsache geschuldet ist, dass sich hier eine der grossen Diamantminen befindet. Wir kaufen keinen Edelstein, aber reichlich Benzin und Nahrung.
In Matsumo erkundigen wir uns über die Weiterfahrt nach Kubu Island. «The Road is good», sagt ein sympathischer junger Mann. Das stellt sich dann in unseren Augen als leicht übertrieben heraus, aber wir erleben 45 spannende Kilometer durch Sand und Geröll, bald aber auch über die völlig unwirklich scheinende Sua-Salzpfanne. Es sieht aus wie Schnee, während das Thermometer 38 Grad zeigt.
Kurz nach 13 Uhr erreichen wir den Zeltplatz Kubu Island und dürfen unsere Campsite frei wählen. Finde ich ja ganz schwierig: Wo ist die Aussicht am besten? Wo der Sonnenunter-, wo der -aufgang? Wie geht der Wind? Hat es Schatten? Fragen über Fragen... Wir entscheiden uns für Campsite 2. Eine Halbinsel mit Steinen, knorrigen Bäumen und dürrem Gras ragt hinein in die endlos scheinende Salzpfanne. Es gibt ein Gefühl des Wassers, aber es ist Salz. Kurz vor Sonnenuntergang steigen wir auf den höchsten Punkt der Insel – im Rucksack Gin und Tonic. Die Baobab-Bäume stehen stumm daneben.
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Zum Nachtessen zum ersten Mal Fleisch: Rindspiesse und Gemüse auf dem Grill. Denise montiert diverse Lämpchen und Kerzen und Milchstrasse erhellt die unwirkliche Szenerie noch zusätzlich.

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Tag 6
Kubu Island

Es ist eine heisse und staubtrockene Nacht. Denise steht um Viertel vor fünf auf und geht auf Erkundungstour. Hinter der Insel geht die Sonne über der Salzpfanne auf und eine Stunde und viele schöne Aufnahmen später kehrt sie zurück. Kaffee und Morgenessen stehen natürlich bereit.
Wir versuchen auf der Salzpfanne Fotos mit Selbstauslöser zu machen und haben grossen Spass dabei. Sieben weitere Fahrzeuge stehen weit verteilt irgendwo in der Gegend. Am Nachmittag zeigt Lotta 41 Grad. Was tun? Nichts. Wir trinken sehr viel, sitzen herum, spielen The Game, lesen. Denise bäckt Brot und bastelt einen Sonnenschutz für die Hängematte. Die Fliegen leiden an ADHS im Quadrat. Eine gute Stunde vor Sonnenuntergang umrunden wir die Insel nochmals, machen lustige Fotos vor der Salzpfanne, trinken einen Sundowner und grillen zwei Hamburger – die sich am Schluss als vier entpuppen, mit Plastikfolie dazwischen. Dennoch ganz in Ordnung. Die Abendstimmung mit den Baobab-Bäumen, dem Feuer und der Lämpchengirlande ist unbeschreiblich schön.

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Tag 7
Kubu Island → Gweta → Nxai National Park

Morgenwalk mit einem Schakal, der sich neugierig der Wildtierkamera nähert und sich fotografieren lässt, ohne es zu wissen. Dann nordwärts Richtung Gweta. Die knapp 100 Kilometer sind ziemlich anspruchsvoll: sandig, corrugated, voller Geröll, schmal und immer wieder mehrspurig – wir sind nie ganz sicher, ob der Weg der richtige ist. Lötteli führt uns zuverlässig in falsche Richtungen. Nach vier Stunden betreten wir Gweta durch die Hintertür, in tiefem Sand durch Quartiere mit kleinsten Häuschen, Wellblechhütten, Marktständen und vielen bunt gekleideten Menschen.
Im Nxai-Nationalpark («Nx» ist ein Klicklaut) lassen wir zum ersten Mal Luft aus den Pneus. Für 37 Kilometer Sandpiste brauchen wir eineinhalb Stunden. Am Wasserloch: ein toter Elefant, den sich Schakale und Geier teilen, eine ganze Elefantenherde, Springböcke, Gnus, Strausse. Auf Campsite 7 sind Schakale unsere Mitbewohner, und rundherum machen es sich Elefanten gemütlich. Das ist gewöhnungsbedürftig, wunderschön und bedrohlich in einem. Die Ablutions sind elefantensicher, sauber und grosszügig. In der Nacht trompetet ein Elefant entschlossen vor sich hin und verteidigt sein Törö...

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Tag 8
Nxai → Baines Baobabs

Morgens nochmals zum Wasserloch. Hinter dem ausgeweideten Elefanten liegt eine Löwin im Schatten und treibt die Schakale durch ihre blosse Anwesenheit fast in den Wahnsinn. Unser erster Löwe. Als wir nach fast 40 Minuten aufbrechen wollen, bricht plötzlich Panik im Springbockrudel aus. Auch die Kudus springen vom Wasser auf. Eine zweite Löwin, die bis dahin hinter einer Geländekante gelegen hatte, macht sich bemerkbar. Zwei Löwinnen. Wie geil. Das Spektakel ist bald vorüber – und am Schluss sind es eben doch Katzen. Sie legen sich hin und pennen.

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Kurz darauf, nach einer weiteren kleinen Runde: fünf Löwen direkt am Wegrand im Schatten eines Baums. Zwei Weibchen, drei Männchen. Auch hier könnte man Stunden verbringen.
Dann Aufbruch Richtung Baines Baobabs. Unterwegs treffen wir einen Westschweizer mit Britzerflitzer, der ohne Vierradantrieb im Sand stecken geblieben war. Wir freuen uns, nicht zum ersten Mal in 23 Jahren, einander zu haben. Immer wieder begegnen uns kleine Steinböcklein, ein Oryx – und plötzlich, aus dem Augenwinkel, zwei Giraffen direkt neben der Piste.
Dann witzelten wir noch kurz darüber, wie viel wohler es uns wäre, im Sand steckenzubleiben, wenn da eine Giraffe im Sand liegt, als wenn es eine Löwin wäre – und tada: Einem Ast auszuweichen, ist zu viel für Lotta, und wir sitzen fest. Anstatt uns weiter einzugraben, rollen wir die Sandraupen unter die Räder und sind nach zwei Versuchen mit dem Spaten draussen. Kein Fotomaterial dieser Episode existiert. Schade eigentlich – besonders für die Szene, in der Denise bei 40 Grad und völlig ausser Atem mit Spaten und Sandraupen beladen hinter dem Auto herrennt.
Campsite 3 von drei bei den Baines Baobabs: Grill, Plumpsklo, eingerichtete Bucket Shower. Wir erwarteten gar nichts und bekamen alles. Den Sundowner Gin & Tonic geniessen wir auf der Salzpfanne. Kürbis in der Glut, Salat dazu. Der Wind, der den ganzen Tag geweht hatte, schläft langsam ein. Nach dem Essen gehen wir bei totaler Dunkelheit auf die Salzpfanne. Null Lichtverschmutzung, kein Flugzeug am Himmelszelt, totale Ruhe und Einsamkeit und Sterne ohne Ende.

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Tag 9
Baines Baobabs → Gweta → Makgadikgadi → Boteti River Camp

Nach 35 Kilometern Sandpiste besserer Qualität kommen wir auf den Asphalt. Ein sympathischer Mann erklärt uns, was wir alles sehen könnten – und wir ändern kurzerhand die Route. Auf der A3 zurück nach Osten bis nach Gweta, dann südwärts ins Gate des Makgadikgadi. Niemand ist dort. Wir lassen Luft aus den Pneus, dann schleicht ein Mitarbeiter daher, der das Eintrittszeremoniell mit Denise vollzieht.
Die Sandpiste ist besser als erwartet und tierreich: Elefanten, Strausse, Zebras, Gnus und viele Vögel. Wir kommen zu Niuka Hills, einem stillgelegten Campingplatz. Die Grassavanne scheint unendlich weiterzugehen, bis zum Horizont und noch viel weiter. Bald wird der Sand tiefer, die Büsche zahlreicher – und die Tiere mögen das. Wir sehen Hunderte von Zebras, schwarz-weiss-gestreift, soweit das Auge sieht. Unglaublich. Dann Elefanten – teilweise näher, als uns lieb ist. Lotta bleibt unmittelbar bei einem dieser erhabenen Dickhäuter kurz im tiefen Sand stecken. Der Low Gear rettet uns. Ein Foto können wir nicht machen: Unser Fluchttrieb ist zu gross.
Etwas später taucht ein Elefant gleich neben dem Weg hinter einem Baum auf. Ich stoppe. Denise – kaltblütig genug – zückt die Kamera. Wir warten. Der Elefant tritt zur Seite, und wir passieren. Die letzten Kilometer bis zum Kumaga Gate bleiben extrem tierreich und wir haben wieder dieses Jurassic-Park-Feeling.
Das Boteti River Camp ist, nach den letzten vier Nächten, grosser Luxus: Acht Plätze, acht Chalets, Terrasse mit Wi-Fi, Restaurant – und ein Zaun. Keine wilden Tiere, nur eine rote Katze. Wir hüpfen gleich nochmals in Lotta für einen Game Drive. Im trockenen Flussbett des Boteti fahren wir durch Herden von Antilopen, Giraffen, Elefanten. Das breite Flussbett mit seinen Boreholes liegt da wie ein Garten Eden.

Tag 10
Boteti River Camp

Den Sonntag lassen wir etwas ruhiger angehen und begeben uns nochmals ins Flussbett: Zebras, Gnus, Kudus, Impalas, Elefanten und eine Manguste – und dann der Hippopool. Schätzungsweise 40 Flusspferde tummeln sich darin. Sie scheinen abgesehen von gelegentlichen Kabbeleien nicht viel anderes im Sinn zu haben, als einfach da zu sein. Wir könnten stundenlang zuschauen.
Auf dem Rückweg erblicken wir ein Krokodil im Wasser, zusammen mit drei toten Zebras. Laut Ranger kommen Zebras von der Migration erschöpft und dehydriert an, trinken zu viel auf einmal und kollabieren. Die ganze mühsame Wanderung lohnt sich dann nicht wirklich...

Tag 11
Boteti → Evolve Back Ghâm Dhâo Lodge

Zuerst 50 Kilometer Teerstrasse südwärts, dann 70 Kilometer Sandpiste westwärts. Unterwegs treffen wir einen Mann mit zerfetztem Pneu, für den Hilfe offenbar schon unterwegs ist. Er sagt «I'm good». Weiter sehen wir die Folgen von Bränden: viele unreife, verbrannte Melonen. Wir probieren eine, sie ist absolut ungeniessbar.
Kurz vor 11 Uhr kommen wir an der Ghâm Dhâo Lodge an. Am Tor stehen zwei Männer – Fagaza ,unser Guide und Seko, unser Tracker – bereit. Sie eskortieren uns zum Haupthaus, wo uns die gesamte Crew einem Lied begrüsst. Das Ganze ist uns im ersten Moment etwas peinlich. Gleichzeitig ist diese Freude aber so berührend und ansteckend, dass wir nur noch staunen und geniessen können. Nach einem feuchten Frotteetuch, Willkommensdrink und ein paar Infos beziehen wir schliesslich unsere Residenz: Ein Riesenbett mit Klimaanlage und Moskitonetz, eine freistehende Badewanne, eine Outdoordusche, eine Terrasse mit Liegestühlen, ein gut gefüllter Kühlschrank und eine Hochterrasse mit Sitzecke und Bett für draussen. Alles ist wunderschön und fühlt sich etwas surreal an. Wir dürfen das Hauptgebäude, das fünf Gehminuten entfernt liegt, übrigens nicht zu Fuss erreichen. Man holt uns ab.
Um 15:30 Uhr begeben wir uns auf den ersten Game Drive mit unserem Fahrer und Guide Fagaza – einem Mann, der unglaublich viel über Flora und Fauna weiss und grossen Spass an seinem fast neuen Toyota hat (erst 1'400 km). Er fährt uns am liebsten querfeldein durch Savannengras und wildes Gebüsch. Das Abendessen mit den vier anderen Gästen an einem grossen Tisch – inklusive dreier Lieder der Crew vor dem Essen, bei denen ich Gänsehaut bekomme – ist unterhaltsam und fröhlich. Die Managerin Thelma ist eine ausgesprochene Perle an Gastfreundschaft und Eloquenz. Wir gehen erst um 22:30 Uhr ins Bett. So spät wie schon lange nicht mehr.

Tage 12-13
Evolve Back Lodge

Der Tagesplan der Lodge: Frühstück um 6 Uhr, Game Drive um 6:30 Uhr, Mittagessen um 11:30 Uhr, Pause in der Residenz bis 15:30 Uhr, Tee/Kaffee/Zwischenmahlzeit, Game Drive ab 16 Uhr mit Sundowner, zurück um 19:15 Uhr, Abendessen um 20 Uhr. Das klingt anstrengend, ist aber herrlich.
Am Morgen des ersten vollen Tages beobachten wir, wie zwei Löwinnen und sechs Junge, etwa sechs Monate alt, sich ein erlegtes Zebra teilen. Das ist sehr eindrücklich. Am Abend treffen wir auf eine grosse Giraffenherde im Abendlicht und lernen: a tower of giraffes. Dann fahren wir zur Stelle der Morgensichtung zurück. Der Löwenvater ist inzwischen dazugekommen, das grosse Fressen geht weiter. Vom Zebra ist nicht mehr viel zu sehen. Die Löwinnen liegen faul herum, die Jungen stören den Vater beim Fressen oder erkunden ängstlich die Umgebung. Wir sitzen etwa sieben Meter daneben.

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Am Mittwoch regnet es und es ist kühl. Denise fährt allein mit auf den Morgendrive, Andy bleibt und schreibt. Am Nachmittag ist für die mittlerweile vier verbliebenen Lodge-Gäste ein Spaziergang mit vier der Angestellten San-Buschleute organisiert, auf dem sie uns auf ihre eigene theatralische Weise viele interessante Dinge über ihr traditionelles Leben erzählen und auch vor Ort zeigen. Einer davon ist Seko, unser Tracker. Von Fagaza wissen wir, dass Seko das halbe Jahr über mit seinem Vater im Bush lebt und Joey, der andere Tracker, bei seinen Grosseltern traditionell aufgewachsen ist. Wir bekommend dadurch nicht den Eindruck einer Touristenshow, vielmehr den von gelebter Tradition.
Schwer auszumachen: eine gut genährte Boomslang und ein Chamäleon
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Zurück in unserem Domizil geniessen wir den Sundowner auf der erhöhten Aussichtsplattform während ein Gewitter nordwestwärts an uns vorbei zieht. Dahinter zeigt sich ein klarer, heiterer Himmel und die Sonne geht langsam über einem traumhaften Ort unter.

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Die Nacht verbringen wir im Outdoorbett unter unzähligen Sternen. Irgendwo brüllt ein Löwe. Denise schläft die ganze Nacht draussen. Ich verziehe mich gegen 1:30 Uhr ins Zimmer und kehre kurz vor Sonnenaufgang zurück.
zuletzt bearbeitet 25. März 2026
2'191 Beiträge · seit 201609. März 2026 · #3
Hallo Deba,

danke für Deinen Reisebericht. Hast Du auch Fotos? Damit wäre es für den Leser viel anschaulicher....

LG

Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
Themenstarter51 Beiträge · seit 201609. März 2026 · #4
Hallo Gabi
Vielen Dank für den Hinweis. Ja natürlich hab ich Fotos - etwa viereinhalb Tausend 😉
Leider hat's gestern nicht mehr geklappt mit dem Upload und ich musste mich nochmal um die Grössenreduktion kümmern. Sie sind jetzt immer noch zu wuchtig und ich werde das für die nächsten Einträge anpassen. Ich werde wohl auch etwas kleiner Häppchen machen. Ist schon etwas ausführlich...🙈
herzlichst denise
1 Beiträge · seit 202614. März 2026 · #5
Vielen Dank für diesen ausführlichen und sehr lebendig geschriebenen Bericht. Man merkt wirklich, wie viel Mühe ihr euch beim Aufbereiten eures Tagebuchs gegeben habt. Der Text liest sich fast wie eine Mischung aus Reisetagebuch und kleiner Abenteuergeschichte, besonders die Passagen mit Lotta und „Lötteli“ haben mich mehrmals schmunzeln lassen. Auch die Beschreibung der Landschaften und Begegnungen mit den Tieren ist sehr anschaulich.

Gerade die Szene mit dem Zebra am Wasserloch fand ich ziemlich bewegend, weil sie zeigt, wie nah Freude und harte Realität in der Natur beieinander liegen. Solche Momente machen einen Reisebericht oft besonders eindrücklich.

Fotos wären natürlich eine tolle Ergänzung, aber auch ohne Bilder funktioniert der Bericht erstaunlich gut, weil ihr viele Details beschreibt. Ich freue mich auf die nächsten Etappen der Reise und bin gespannt, was ihr unterwegs noch alles erlebt habt.
https://casitsucasino.bet/
Themenstarter51 Beiträge · seit 201615. März 2026 · #6
Vielen Dank Santis - jetzt geht's mal etwas weiter. Mit ein paar mehr Fotos und einer kürzeren Etappe. Vielleicht werde ich bei Gelegenheit bei der ersten Portion noch mehr Bilder einfügen, bin aber immer etwas unsicher, ob das dann nicht zu viel Platz braucht. Ich finde die Prezi-Präsentation dazu eben wirklich recht anschaulich, da man dort direkt anhand der Karte und der Bilder den Weg mitverfolgen kann.

Aber nun über Maun zum Khwai:

Tag 14 – Evolve Back Gham Dhao → Maun

Wir geniessen ein letztes reichhaltiges Frühstück in der Lodge und ein wunderschönes Abschiedslied. Welch gewaltiges Erlebnis dieser Aufenthalt doch war, man könnte direkt bleiben...
Dann fahren wir auf zwei Sandpisten (und durch einen Veterinärzaun) und der Teerstrasse A3 nach Maun. Unterwegs sehen wir nur wenige Tiere, aber zwei Autostopper, die wir mangels Rückbank vertrösten müssen. In Maun – einer Stadt mit 50'000 Einwohnern, in der alles weit verteilt ist – finden wir zuerst unsere Unterkunft, dann Bushlore. Ein sympathischer Mechaniker bringt Kühlschrank und Wasserpumpe wieder zum Laufen. Wir schauen genau zu, was in den nächsten Tagen noch sehr wertvoll sein wird. In einem eisgekühlten Einkaufszentrum decken wir uns für die nächsten neun Tage mit Frischem und Haltbarem ein.
Dann geht’s zum Markt, er ist kleiner als gedacht und wir schlendern nicht lange unbehelligt. Weiter rekognoszieren wir für den kommenden Tag den Weg zum Flughafen, müssen wir doch morgen in aller Frühe dort für unseren gebuchten Rundflug zur Stelle sein. Eines unserer hoffentlichen Highlights auf einer einzigen Heighlight-Reise. Dann kehren ins Waterfront Guesthouse zurück.

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Wir essen auf dem Balkon mit Blick auf den Thamalakane, beschliessen nicht mehr auszugehen, da wir ziemlich müde sind und schlafen während der ersten Episode einer wackeligen Netflix-Serie ein.

Tag 15 – Helikopterflug übers Okavango-Delta → Moremi (Third Bridge)

Um 5:30 Uhr stehen wir am Flughafen bereit – viel zu früh, wie sich herausstellt. Unser Pilot Liam – ein Kiwi – und Guide Trent starten mit uns um viertel nach sechs in den noch frischen Morgen. Der Flug übers Delta ist einmalig schön. Die Sonne steht noch flach über dem Wasser und bietet mit den Wolken ein unglaublich imposantes Schauspiel. Tiersichtungen sind uns fast egal – die vereinzelten Zebras, Elefanten und Hippos nehmen wir dankend mit. Nach 45 Minuten ist der Spass leider vorbei. Viel zu wenig Zeit, um das Okavango-Delta in seiner Gesamtheit zu erfassen.

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Nach dem Frühstück im Guesthouse brechen wir nach Third Bridge im Moremi auf. Die ersten 40 Kilometer sind gut geteert. Dann plötzlich wechselt der Weg in sandigen Gravel, der später tiefsandig und bucklig wird, teilweise durchs Wasser. Die First Bridge ist abenteuerlich, die Second Bridge nicht vorhanden. Hier kommt der Punkt, an dem Andy die Fahrt vor lauter Gehopse nicht mehr ganz so toll findet.

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In Third Bridge beziehen wir ein Fix-Tent namens Hippo, da bei der Buchung keine Campsite mehr frei war. Stellt sich heraus: Da hätte es schon noch Platz gehabt. Neben uns hat sich ebenfalls ein Schweizer Paar eingerichtet und auch der Westschweizer-Britzerflitzer, dem wir schon in den Baines Baobabs begegnet sind, fährt an uns vorbei. Er macht auch hier keinen glücklichen Eindruck. Kurz vor elf Uhr abends alarmiert er laut über den Platz, dass er Hyänen gesehen habe. Ich bin mir nicht sicher, ob das nicht kontraproduktiv ist 😉 Aber ja – wir sehen sie auch um die Zelte schleichen.

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Tag 16 – Third Bridge → Khwai Hippo Pool
Auf der Wildtierkamera wird am Morgen dann sichtbar, dass die Hyänen die ganze Nacht hindurch nach Essbarem gesucht haben. Offenbar haben sie es dann auch in Form der zum Trocknen ausgelegten Fussmatte unserer Nachbarn gefunden, die ist nämlich verschwunden.
Die Tents sind für unseren Geschmack etwas zu nahe beisammen und ich bin froh, dass ich die Ratte, die innen am Fensternetz herumklettert, erst am nächsten Morgen entdecke. Wir freuen uns, bald wieder in Lotta zu wohnen.
Denise schraubt das Gehäuse der Elektroschaltanlage auf, hantiert an den Steckern – ausstecken, einstecken – und Lottas Kühlschrank läuft wieder. Guten Mutes fahren wir los, mit dem Plan, die Fahrt als Game Drive zu geniessen.
Zuerst über die Third Bridge – ein kleines Erlebnis.

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Im tiefen Sand vorbei an den ersten Tieren und ihren Überresten

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Dann liegt ein Tier auf dem Weg, das nicht wirklich weggehen will. Wir fahren drum herum, meinen, es sei eine Hyäne – und stellen fest: Es hat mindestens zwanzig davon. Sie rennen einander nach, balgen, spielen. Es sind Wildhunde. Diese sind selten, und hier tobt sich ein ganzes Rudel aus. Wir stehen lange fasziniert da und schauen dem Spektakel zu.

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Die Landschaft ist sehr schön. Immer wieder hat’s feuchte Stellen oder kleine Tümpel. Die Vegetation ist grün und die Bäume sind erstaunlich hoch. Die Sandpisten führen uns an Zebras, Impalas, Elefanten, Warzenschweinen, Gnus und einem Tsessebe vorbei.

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Über die Fourth Bridge geht’s leider nicht weiter, da sie gerade neu gebaut wird. Ich frage nach der Umfahrung und wir werden durch die Sümpfe geschickt.

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Denise übernimmt das Steuer und navigiert uns geschickt durch die Wälder. Dann hört der Weg einfach auf. Ein Flüsschen liegt vor uns. Nach einigen Atemzügen macht Denise ihre erste Wasserdurchquerung – Vollerfolg! Wir signalisieren einem mit vier Leuten besetzten Auto, das etwas hinter uns hergefahren war, dass die Querung zwar tief aber auch für ihren Ford Ranger machbar sei. Als sie dann neben uns anhalten hören wir die zwei österreichischen Damen im Fonds zu ihren Männern sagen: «Da fährt ja die Frau – die traut sich aber was!» Hihi – Denise freut’s und wird etwas rot. Leider hat hier der Kameramann versagt und es bestehen keine Bilder dieses denkwürdigen Ereignisses.

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Kurz nach 14 Uhr verlassen wir den Moremi, überqueren auf einer spektakulären Brücke den Khwai, durchqueren das Dörfchen und erreichen sechs Kilometer später den Khwai-Hippo-Pools-Campingplatz. Willi ist unser Host. Kurz nach vier Uhr steigen wir ins Mokoro – eine Art Einbaum (neuerdings aus Fiberglas) – und lassen uns von Willi zwei Stunden durch den Khwai paddeln.

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Er erzählt vieles. Wir sehen Flusspferde, Elefanten, viele Vögel, darunter den Fischadler, Frösche, Wasserböcke (auch Wild Donkeys oder Toilet Seaters genannt) Seerosen, Wasserlilien und eine wunderschöne, relativ seichte Flusslandschaft. Die Sonne geht allmählich unter. Die ganze Szenerie ist wie aus einem kitschigen Hollywood-Film – nur echter.

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Zurück bei Lotta kocht Andy Pasta. Willi erscheint mit Feuerholz, will keine Pasta («No meat? No thank you.»), dafür einen Gin Tonic, der ihn ziemlich schnell betrunken macht. Er wird sehr redselig und erzählt einiges aus seinem Leben. Schliesslich sagt er Good Night. Kaum haben wir aufgeräumt, steigt der Kühlschrank wieder aus. Denise behebt den Defekt. Kaum im Auto, wird sie von einem Käfer gestochen, was gleich eine kleine Schwellung und Juckreiz verursacht – hoffentlich nichts Schlimmes.
zuletzt bearbeitet 15. März 2026
1'003 Beiträge · seit 200816. März 2026 · #7
Hallo ihr zwei,
Ich bin auch dabei auf dieser schönen langen Reise!
An welchem Tag ging es genau los? Da habt ihr bestimmt auch einiges an Regen abbekommen?
Wie hat euch die Hippo Pool Camp site gefallen? War viel los? Es soll da jetzt auch ein Restaurant geben?
Bin gespannt, wie es weiter geht.
Viele Grüße
Doro
8'672 Beiträge · seit 201017. März 2026 · #8
Guten Morgen Denise, guten Morgen Andy,

eigentlich wollte ich - nachdem meine liebe Freundin Doro sich hier geoutet hat - nur mal kurz reinschauen, bin aber hängen geblieben, weil ich euer Tagebuch höchst interessant, unterhaltsam und sehr gut geschrieben finde, danke dafür 🙂 ! Für mich eine tolle Mischung aus Neuem und Liebgewonnenem (inkl. der roten Katze im Boteti River Camp 😄 ).

Da 4th Bridge noch in Reparatur war, wart Ihr wohl noch vor November dort, ich meine mich zu erinnern, dass sie Anfang November wieder freigegeben wurde. Die Wasserdurchfahrt von Denise finde ich auch mutig - ich hab da ja schon immer Schiss als Bei/Mitfahrerin 🙄 .


Jetzt bin ich gespannt auf eure weiteren Stationen (und hoffe, dass der Käferbiss keine schlimmen Folgen hatte 😮 ) - bis dahin liebe Grüße von Bele
Meine Reiseberichte im Namibia-Forum von 2011 bis heute
zuletzt bearbeitet 17. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201617. März 2026 · #9
Hallo Doro
Schön, dass du dabei bist - herzlich willkommen!
Unsere Reise dauerte vom 9. Oktober bis 19. Dezember 2025. Wir hatten immer wieder einmal Regen, teilweise auch heftige Gewitter, aber nur abends oder nachts. Unsere Reiseroute wurde nicht tangiert, wir konnten überall passieren.
Hippo Pools hat uns sehr gut gefallen und wir empfehlen den Campingplatz sehr. Es gibt tatsächlich ein neues Restaurant (mit Wifi) dort.
So - und nun machen wir weiter mit dem dritten Teil - wir werden Botswana in Richtung Vic-Falls und dann Namibia verlassen - viel Spass!
Themenstarter51 Beiträge · seit 201617. März 2026 · #10
Guten Morgen Bele
Herzlich willkommen!
Oho - der Cliffhanger mit dem Käferbiss...Ich kann es vorwegnehmen. Alles war gut.
Wir waren tatsächlich Ende Oktober bei 4th Bridge und die Arbeiten waren dort in vollem Gang. Es ist also gut möglich, dass die Brücke wieder steht.
Also - machen wir weiter. Viel Vergnügen!
Themenstarter51 Beiträge · seit 201617. März 2026 · #12
Tag 17 – Khwai → Magotho Camping
Entwarnung: Es war nichts weiter, die Einstichstelle bleibt aber noch einige Tage sichtbar.
Heute steht nur eine kurze Etappe an. Wir geniessen die Fahrt, die uns auf der anderen Seite des Khwai gegenüber dem Moremi-Nationalpark zum Magotho Camping führt. Rezeption und Eingang sind schwierig zu finden, die Plätze liegen sehr weit auseinander, so dass wir das Gefühl bekommen, allein hier zu sein und schliesslich bekommen wir eine Campsite (Nummer 15) direkt am Khwai River. Unmittelbar vor dem Platz kühlen sich zwei Elefanten im Wasser ab.

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Weiter flussabwärts liegen einige Hippos im Fluss und machen sich ab und zu mit ihren unnachahmlichen Lauten bemerkbar.

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Ein ruhiger Nachmittag, 42 Grad. Lesen, Tagebuch, Hängematte. Wir beschliessen, keinen Abendgame-Drive zu machen. Gegen 18 Uhr beginnt es zu regnen, erst nur leicht, dann stärker. Das Gewitter, das folgt, ist eines der intensivsten der Reise. Unzählige Blitze entladen sich, ein permanentes Grollen in der Luft, welches das Brüllen der Löwen übertönt, und es regnet sehr stark. Bis kurz vor Mitternacht ist nicht an Schlaf zu denken. Zwei Blitze schlagen sehr nahe ein. Wir kuscheln uns aneinander, Lotta mit Vorzelt und Dachzelt wehrt sich wacker. Gegen drei Uhr morgens erfasst uns eine zweite Welle. Alles geht gut aus.

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Der arme Kerl wird sein geknicktes Horn wohl in den nächsten Tagen verlieren

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Tag 16 – Magotho
Nicht gerade erholt, trotzdem guten Mutes stehen wir auf. Kaffee und Müsli. Kurz vor 8 Uhr fahren wir los, auf kleinen Wegen mit Pfützen dem Khwai flussaufwärts folgend. Es geht nicht lange und wir sehen fünf Wasserbüffel, die in aller Ruhe im Fluss grasen. Sie werden auch «Ghosts» genannt, wegen ihrer Seltenheit (oder wegen ihrer Lautlosigkeit?). Wir schauen ihnen gebannt zu. Dann fahren wir durch das feucht-sumpfige Gebiet und freuen uns über die vielen Vögel.

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Am Mittag sind wir zurück auf dem Campingplatz. Wir machen einen Tauschhandel mit zwei Basler Touristen: Abwaschmittel gegen Trockennahrung. Den Nachmittag geniessen wir in der Hängematte bei 41 Grad. Bald ziehen dunkle Wolken auf und das nächste Gewitter kündigt sich an. Wir fahren in Lotta flussaufwärts, genehmigen uns den Sundowner mit Weisswein und Chips in der Führerkabine, da die Wege überflutet sind. Irgendwann lässt der Regen nach. Schnell raus, Zelt aufstellen, Pasta erwärmen – es fängt wieder an zu schütten. Wir essen im Dachzelt sitzend. Dann klemmt die Tür und wir sind in Lotta gefangen! Ein Löffel als improvisierter Tresoröffner hilft uns zurück in den Busch. Kurze Körperhygiene, wieder ins Zelt, noch nicht 19 Uhr – und wir schlafen zu Blitz und Donner ein. Bis zwei Elefanten aus den Büschen treten und wenige Meter vom Zelt entfernt ihres Weges gehen. Kurzer Pulsanstieg, dann gut weitergeschlafen.

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zuletzt bearbeitet 25. März 2026
768 Beiträge · seit 201717. März 2026 · #13
Hallo deba, was für ein interessanter Reisebericht! Herzlichen Dank dafür!
Wow, das war eine lange Reise, beneidenswert. Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute 2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius 2020: Kapstadt und Gardenroute 2022: Namibia 2024: Namibia und Südafrika 2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
Themenstarter51 Beiträge · seit 201618. März 2026 · #14
Tag 18 – Khwai → Savuti
Wir entscheiden uns am Morgen, dass wir wohl heute schon weiterziehen werden, da uns die sich abzeichnenden Regenfälle doch recht vorwärts drängen und die Nächte in unserer Wackellotta bei Sturm nicht zum Kuscheligsten gehören...
Auf dem Weg nach Savuti nehmen wir aus Versehen die Hauptstrasse Richtung Mababe Gate – was sich als sehr cooler Fehler herausstellt: Schon nach kurzer Fahrt stehen zwei Fahrzeuge neben einer Gruppe junger Löwenmännchen. Wir erkennen die zwei Basler vom Vortag wieder, die hier schon eine Stunde warten und insgesamt 18 Löwen gesehen haben. Bei uns sind es immerhin noch deren vier, aber auch das ist sehr, sehr cool. Wir bleiben lange stehen und diskutieren wieder einmal über die Löwen, die für uns ein Phänomen sind: Einerseits das wilde Raubtier, das seine Beute jagt, erlegt und frisst - andererseits wie unsere beiden Stubentiger zuhause, wenn sie sich voll gefressen an ein schattiges Plätzchen verziehen und sich ausgiebig putzen.

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Wir nehmen den Weg nach Savuti gemeinsam mit einem Aargauer Paar über die Marsh Route in Angriff. Die Piste ist völlig trocken und gut befahrbar.

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Unterwegs begegnen wir weiteren Löwen und einer riesigen Büffelherde, die von einer Elefantenherde "verfolgt" wird. Am Mababe Gate treffen wir auf ein Wiener Paar, das seit einem Tag mit kaputtem Auto feststeckt und auf den Ersatzwagen wartet. Wir pfeifen ein kurzes Loblied auf Bushlore und hören uns die Klagen über Avis an. Abgesehen von einem schlecht gewarteten Auto wurden ihnen bei der ersten Pannenhilfe von Avis auch noch Strassenreifen anstelle der offroadtauglichen gebracht, sodass sie entnervt auf erneuten Ersatz warten müssen. Wir hoffen, die beiden Damen spätestens morgen in Savuti wiederzusehen, ihre Urlaubszeit wird aber langsam knapp.

Savuti Campsite ist grosszügig und zweckmässig, mit elefantensicheren Ablutions. Auf dem Reserveplatz, den wir wegen unserer verfrühten Ankunft für die erste Nacht zugeteilt bekommen, hat es Platz für eine ganze Kompanie und so freuen wir uns, als sich die beiden Avis-Opfer Ute und Sonja kurz vor Sonnenuntergang völlig erschöpft zu uns gesellen. Ihr Ersatzwagen ist doch noch angekommen und sie sind durchgedonnert. Später gesellen sich auch unsere neuen Freunde aus der Heimat dazu und wir bilden eine Wagenburg wie im Wilden Westen, sitzen ums Feuer, lernen uns kennen und finden uns alle sehr sympathisch. Das Nachtessen ist eher bescheiden, kommt aber von Herzen und die beiden Österreicherinnen sind froh, überhaupt etwas hinter die Kiemen zu bekommen, sind ihre Vorräte doch schon recht zur Neige gegangen bei der Warterei. Für kurze Zeit vergessen wir, dass wir in der Wildnis sind und erst das Brüllen der Löwen - irgendwo weit weit entfernt... - holte uns in die Realität zurück und wir überlegen, ob Hyänen wohl tatsächlich von Feuer abgeschreckt sind...

Tage 19 und 20 – Savuti
Heute Morgen müssen wir am Ersatzwagen von Ute und Sonja bereits ein Rad wechseln. Mit vereinten Kräften und der grosszügigen Unterstützung von Base, einem Angestellten am Eingangsgate, montieren wir das Ersatzrad. Hoffentlich werden die beiden auf ihrer weiteren Reise etwas mehr Glück haben.

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Auf dem Morgendrive treffen wir auf einen toten Elefanten. We do it the African way und fahren um ihn herum.

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Einige Minuten später liegt ein junger Löwe buchstäblich auf dem Weg und schläft. Wir müssen um ihn herumfahren. So entstehen neue Wege im Sand und im Gestrüpp. Manchmal muss man auch um Äste oder umgeknickte Bäume herumfahren. Zu Beginn unserer Reise stieg ich jeweils aus und versuchte das Hindernis zu entfernen, doch im Verlauf der Zeit lernten wir: Ein Hindernis muss nicht unbedingt aus dem Weg geräumt werden - es kann auch ganz einfach umgangen und damit vermieden werden. Do it the African way! Das könnte doch auch im Alltag funktionieren... - schon fast philosophisch!
Rund um Savuti gibt es kleine landschaftliche Erhöhungen (sonst ist Botswana total flach), von denen man etwas weiter blicken kann – das gefällt uns. Impalas sind die treuen Gefährten. Wir fahren weit, sehen aber nicht sehr viele Tiere. Vielleicht sind wir schon zu anspruchsvoll geworden...

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Den Abend verbringen wir mit unseren neuen Freunden, die Tiere sind heute näher zu hören, so dass wir uns kurz nach acht Uhr in den Wagen verziehen.

Tage 21 und 22 – Linyanti → Kasane
Wir verabschieden uns von Nadja und Heinz, die noch hier bleiben und machen uns wieder auf die Lotta. Die Fahrt von Savuti nach Linyanti ist tiefsandig und wir kommen nur langsam vorwärts. Wir sehen einige Impalas, aber sonst ist die Fahrt in Sachen Tiersichtungen eher ereignislos. In Linyanti hat der junge Chef des Campgrounds ein Reservationstool auf seinem Mobiltelefon - krass, verglichen mit den alten Folianten, die uns bisher begegnet sind. Zum ersten Mal müssen wir uns nicht in eine Liste eintragen. Viele Game Drive-Möglichkeiten gibt es nicht, doch diese nützen wir, allerdings ohne irgendwelche Tiere zu Gesicht zu bekommen - abgesehen von einem toten Elefanten in den abgebrannten Mopane-Wäldern. Und auch am Zeltplatz (5 Stellplätze) ist die Stimmung etwas «tötelig»: Ein toter Elefant liegt direkt in der Senke vor der Campsite, hunderte Geier tun sich daran gütlich und ein morbider Geruch liegt in der Luft. Der Gestank ist kaum auszuhalten und wir verbringen den Nachmittag in der am weitesten entfernten Campsite mit wunderschönem Ausblick über das Flusstal. Der Camphost hat uns erklärt, dass sie den toten Elefanten vielleicht in den nächsten Tagen verbrennen werden. Dem Geruch nach scheint er das aber schon länger vor sich hinzuschieben und die Geier freut's natürlich.

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Wir sind völlig allein hier (warum wohl ;-)). Denise macht wunderschöne Zeichnungen und ich lese ihr aus Richard Osman’s neuestem Buch vor.

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Dann machen wir Feuer, machen Pasta mit Haussauce und gehen – wen wundert’s? - früh zu Bett. In der Nacht hören wir Nilpferde, Hyänen und mindestens zwei Jagdszenen. Es scheint hier also nachts wesentlich mehr los zu sein als tagsüber.
Wir beschliessen, die geplante zweite Nacht zu streichen und nach Kasane weiterzufahren. Die Fahrt verläuft zuerst durch tiefsandiges Gelände, anschliessend (ab Kachikau) wieder einmal auf Asphalt. Wir erhöhen den Reifendruck – inzwischen eine Routineübung.
In Kasane – einer Stadt, die wie Maun als Ausgangspunkt vieler Touren alles bietet, was Reisende brauchen – finden wir eine schöne, schattige Campsite (Platz 1A - sehr zu empfehlen: klein, aber fein) bei der Chobe Safari Lodge. Sonja und Ute sind zufällig auch hier und wir treffen uns zum Sundowner. Auch Heinz und Nadja stossen später dazu (die Welt ist ein Dorf!...), wir geniessen das Abendessen im Buffet-Restaurant und verleben einen höchst vergnüglichen Abend.
Am nächsten Tag bringen wir die Wäsche zur Wäscherei der Lodge und statten (wie in Maun) Bushlore einen Besuch ab. Wir bekommen ein neues Stromkabel und eine neue Duschbrause – die aus Pretoria waren defekt. Weiter wird an den elektrischen Anschlüssen herumgefummelt und wir hoffen, dass nun alles hält.
Wir tanken 130 Liter Diesel, machen Einkäufe im Supermarkt für 13 Tage und gehen auf den Markt, wo wir endlich ein Tischtuch kaufen. Dieser viel zu hohe Blechtisch ist ja kein Zustand. Dann machen wir eine dreistündige Bootsfahrt auf dem Chobe River. Wir tuckern gemächlich vorbei an Büffeln, Krokodilen, Nilpferden, Elefanten und vielen Vögeln. Besonders eindrücklich ist eine Elefantenfamilie mit Jungen, die den Fluss überquert.

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Das Licht beim Sonnenuntergang ist wunderschön und viele Fotos werden gemacht.

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Wir essen ein letztes Mal mit den Aargauern und gegen Mitternacht setzt Regen ein - nur Regen, kein Blitz, kein Donner - das passt!
zuletzt bearbeitet 25. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201619. März 2026 · #15
Tag 23 – Kasane → Victoria Falls, Zimbabwe
Nach einer angenehmen Nacht packen wir eine Tasche für die Victoria Falls. Zu Fuss geht es zum Immigration Center, wo wir um 12 Uhr abgeholt werden sollen. Der Transfer klappt nicht auf Anhieb. Offenbar hat man uns vergessen. Wir benutzen das Wifi des Immigration Centers und telefonieren. Der Wagen werde bald kommen, versichert die nette Dame am anderen Ende der Leitung. Die Wartezeit wird uns durch eine Gesellschaftsstudie verkürzt: Auf dem Bootsweg kommen herausgeputzte Einheimische aus Namibia, um sich anzumelden, und eine geriatrische Reisegruppe mit lauter hilfsbedürftigen Franzosen keucht die kleine Steigung hinauf. Kein einziger spricht englisch, nicht einmal eine kleine Begrüssung oder ein nettes thank you. Genau das ist es, was La Grande Nation so liebenswert macht!...
Nach einer knappen halben Stunde bringt uns eine nette Dame durch die Grenze nach Zimbabwe, wo uns Pride (wir mögen die Namen hier) die restlichen 45 Minuten zur Shongwe Oasis Lodge fährt. Zum Sundowner gehen wir auf den Aussichtsturm der Hauptlodge. Per Flaschenzug werden uns Drinks hochgeschickt. In der Ferne sprüht die Gischt des höchsten freifallenden Wasserfalls der Welt.

Tag 24 – Victoria Falls
Auf geliehenen E-Bikes fahren wir durch das Städtchen zu den Victoria Falls. Wir bezahlen je 50 Dollar Eintritt für den Nationalpark - das ist ein stolzer Preis! Auf einem schönen Weg mit 16 Lookouts wandern wir den Fällen entlang. Die Optik ändert sich ständig. Die Gischt ist erfrischend. Gegenüber baden einige Abenteuerlustige im Devils Pool. Für Trockenzeitverhältnisse führt der Sambesi ausgesprochen viel Wasser, so dass die Fälle wirklich spektakulär sind.

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Vor dem Nationalpark stehen viele Verkaufs- und Souvenirstände. Wir kaufen zwei Holzskulpturen und eine Schale sowie zwei Steinschälchen. Im Gegensatz zu den letzten drei Wochen sind wir hier an einem Tourismus-Hotspot. Die Stimmung ist etwas aufgeladen, etwas gehetzt, viele Händler bedrängen einen, etwas völlig überteuert bei ihnen zu erwerben – und ich sehne mich nach der Einsamkeit des Buschlandes. Dann fahren wir mit unseren Bamba-Bikes weiter zum Lookout Café, von dem aus man die Schlucht und die Fortsetzung der Fälle bewundert. Wir genehmigen uns einen Lookout Shandy.

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Am Nachmittag schwimmt Denise zehn Runden im Pool. Kurz vor Sonnenuntergang spazieren wir ins Städtchen, essen im Three Monkeys – ein Ort, wo sich Touristen und Einheimische treffen. Wir nehmen ein Taxi zurück zur Lodge, weil man im Dunkeln nicht zu Fuss unterwegs sein darf. Nicht wegen der Menschen – wegen der wilden Tiere....

Tag 25 – Zimbabwe → Kasane → Chobe Nationalpark (Ihaha)
Nach einem üppigen Frühstück in der Lodge kehren wir nach Botswana zurück. Die Grenzformalitäten sind der reinste Bürokratie-Olymp: Auschecken aus Zimbabwe, Hände desinfizieren, Schuhe an den Füssen desinfizieren, Fieber messen, Einchecken in Botswana mit Passkontrolle, Schuhe im Gepäck desinfizieren. Sechs Stationen - sechs verantwortungsvolle Jobs...
Zurück in Kasane erleben wir einen kurzen Schreckmoment, als Denise mit dem Wassertankschlüssel die Zündung versucht – und zack, der Schlüssel abbricht. Ein Taschenmesser und eine Zange lösen das Problem. Lotta schnurrt wieder wie ein voll gefressener Löwe. Dann machen wir letzte Einkäufe im Spar (immerhin werden wir 13 Tage im Busch sein), verlassen Kasane und kommen durch das Sedudu Gate in den Chobe Nationalpark. Die Fahrt auf einer ziemlich kompakten Sandpiste am Ufer des Chobe Rivers ist wunderschön.

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Wir fahren an Büffelherden vorbei, an kämpfenden Nilpferden, an Gnus und Impalas und scheinen weit und breit die einzigen Touristen zu sein. Schliesslich kommen wir in Ihaha an.
Campsite 7 ist supercool gelegen. Bei einem Gin & Tonic beobachten wir Hippos, Krokodile und viele Vögel. Dann ziehen im Osten dunkle Wolken auf.

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Was von Ferne spektakulär ist, entlädt sich direkt über uns als heftiges Gewitter mit starken Regenfällen.

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Wir warten eine Stunde in der Führerkabine, dann bauen wir das Zelt in Windseile auf und verziehen uns mit Material für Sandwiches in den oberen Stock. Allmählich verzieht sich das Gewitter, der Regen bleibt. Dennoch schlafen wir irgendwann ein.

Tag 26 – Chobe → Namibia
Es regnet nicht mehr. Ganze Herden von Impalas und Pavianen durchqueren unseren Campingplatz und spazieren nahe an uns vorbei. Wir stehen mittendrin und werden nicht beachtet – es fühlt sich etwas surreal an.

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Auf Sandpisten geht es nochmals gut 20 Kilometer dem Chobe River entlang. Es liegt erstaunlich wenig Wasser auf dem Weg, obwohl es die ganze Nacht geschüttet hat. Der Morgendrive ist wunderschön, die Büffelherde, die vom Wasser ins Innere des Parks zieht, spektakulär.

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Der Weg von Kasane nach Ngoma Bridge entlang dem Chobe River ist absolut traumhaft und sehr zu empfehlen. Man könnte ja auch die schnelle Umfahrungsstrasse nehmen, aber da verpasst man einiges. Um 9:30 Uhr verlassen wir nicht nur den Chobe River und den Chobe Nationalpark, sondern auch Botswana. Dreieinhalb Wochen in diesem Land waren ein einzigartiges Erlebnis. Hoffentlich geht es in Namibia so weiter. Also - erst einmal über die Grenze...
zuletzt bearbeitet 25. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201619. März 2026 · #16
Namibia
Grenze → Katima Mulilo → Rupara Rest Camp
Bei Ngoma Bridge erledigen wir die Grenzformalitäten: kompliziert und in unseren Augen etwas lächerlich. Wir sollen sogar die Fahrgestellnummer von Lotta suchen (stellt sich heraus: man kann sie sich auch einfach ausdenken 😉 ) – dafür werden auch hier verantwortungsvolle Jobs geschaffen - angesichts der Arbeitslosenquote vielleicht gar keine so schlechte Idee.
Auf der tadellosen B8 geht die Reise weiter. Entlang der Strasse sehen wir unzählige kleine Dörfer, alles wirkt gepflegt, abgesehen von vom Winde verwehten Petflaschen und Plastiksäcken rund um die Siedlungen. Kinder winken und rennen einige Schritte hinterher. Interessanterweise zeigt sich aber schon hier, dass sie sich, im Gegensatz zu den Kindern in Botswana, von Touristen vor allem ein Almosen versprechen. Von uns gibt's ein freundliches Lächeln und ein Winken. Die Frauen tragen bunte Kleider und Waren auf den Köpfen. Männer sitzen im Schatten eines Baums zusammen und tragen Daunenjacken oder Fussballshirts. Eine zehnrüsselige Elefantenfamilie überquert den Trans Caprivi Highway im Galopp.
In Katima Mulilo tanken wir und heben Bargeld ab und verlassen das bunte Treiben in Richtung Südwesten. Die Asphaltstrasse C49 führt uns nach Sangwali, dann geht es auf die Schotterpiste bis zum Rupara Rest Camp. Der äusserst zuvorkommende Camphost mit dem romantischen Namen Starlight gibt uns den besten Platz, Private Campsite 1. Von dort aus beobachten wir Warzenschweine und Paviane am Wasserloch.

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Wir lüften Bettlaken, Kissen und Frottiertücher in der Sonne. Denise zeichnet zwei weitere Kunstwerke - langsam füllt sich ihr mitgebrachtes Skizzenbuch mit Reiseeindrücken. Zum Nachtessen gibt es die obligaten Pastaresten mit unserer leckeren Haussauce und Rotwein.

Tag 27 – Nkasa Lupala Nationalpark
Heute wissen wir beide nicht, welcher Wochentag es ist. Das ist gut. Nach dem Frühstück machen wir uns zum nahe gelegenen Nkasa Lupala Nationalpark auf. Wir kurven fünf Stunden herum, kommen immer wieder zum Linyanti River. Die Landschaft ist sehr reizvoll. Wir können uns gut vorstellen, wie das Wasser hier in der Regenzeit liegen würde. Wir sehen viele Warzenschweine (wir nennen sie ja nur Pumpas) und Impalas, Kudus, Lechwes, unzählige Vögel, darunter den hübschen Bee-Eater, Nilpferde, Krokodile und schliesslich eine Elefantenfamilie.

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Das Highlight des Nachmittags: Mindestens 80 Büffel kommen ans Wasserloch direkt vor unserem Stellplatz. Es staubt und schnaubt, alle gehen kurz zum Wasser, einige stehen Wache. Dann zieht die Meute langsam und praktisch geräuschlos weiter. Was für ein eindrückliches Schauspiel vor der eigenen Haustür!

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Vor dem Nachtessen profitieren wir von den grosszügigen und privaten Ablutions und duschen ausgiebig. Dann machen wir ein Feuer, braten Kartoffeln in der Alufolie und Brot für die nächsten Tage im Dutch Oven. Wir sitzen noch etwas in der Dunkelheit, die Glut ist noch warm, unendlich viele Sterne sind am Firmament, es ist erstaunlich still - und wir fragen uns: Kann das Leben schöner sein?...
zuletzt bearbeitet 25. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201622. März 2026 · #17
Tag 28 – Weiterfahrt → Bwabwata Nationalpark (Nambwa)
Auf der tadellosen C49 geht es weiter in Richtung Bwabwata. Im Nationalpark angekommen, gibt es eine kleine Verstimmung: Die in Denises Augen schlechteste der vier Campsites wird uns zugeteilt (Nummer 3).
An sich ist der Campground sehr schön am Rande einer Grassenke gelegen. Die vier Stellplätze sind fantastisch und liebevoll ausgerüstet mit einem offenen Koch- und Badtrakt aus Mosaik und Petwänden. Ich bin überhaupt nicht zufrieden mit dem Stellplatz, kann man von hier aus doch nur an einen umgestürzten Baum und nicht auf die weite Steppe sehen. Ich bin so ein miesepetriger Bock und schäme mich retrospektiv schon recht für meine Zickigkeit. Andy versucht zu tauschen – ohne Erfolg, alle vier Plätze sind ab irgendwann gebucht. Wir essen ein trockenes Sandwich und spielen The Game, so schlecht wie noch nie. Die Stimmung ist für einmal ziemlich mies – doch das soll sich radikal ändern!
Mit dem Feldstecher hocke ich mich an den Rand der Grassteppe und suche das Feld nach Leben ab. Impalas, Lechwes – und dann bleibe ich an einer kleinen Baumgruppe hängen. Es fühlt sich an wie in einem Trickfilm: Schwenk mit dem Feldstecher – Stopp – da war doch was – zurück – mehrfaches Nachjustieren. Dann bin ich mir sicher: Da hängt was im Baum. Ein gefleckter Schwanz und dann der Rest. Ein Leopard in einem Baum. Ganz klein und ganz weit weg, aber klar. Ich bitte die Frau des Rezeptionisten, meine Entdeckung durch einen Blick durchs Fernglas zu bestätigen. Es stellt sich heraus, dass die nette Dame noch nie durch ein solches Ding geschaut hat und sie daher Mühe hat, überhaupt etwas zu erkennen. Ihren Mann kann ich halbwegs überzeugen und frage ihn, ob man da näher hinfahren kann um das Tier zu sehen. Das könne man nicht, aber wir könnten ja schauen gehen... Und so machen wir uns mit ihm und seiner Frau zu Fuss auf den Weg durch das hüfthohe Savannengras. Auf dreiviertel der Strecke bemerken wir, dass da kein Leopard mehr im Baum ist. Wo der wohl steckt? Ein etwas mulmiges Gefühl befällt uns im Dickicht stehend. Auf Geheiss des Hosts warten wir, während die beiden Einheimischen sich weiter dem Baum nähern. Die beiden verschwinden zwischenzeitlich in den Bäumen und wir werden immer unruhiger.
Doch dann ruft uns die Frau und winkt wie wild. Wir sprinten fast schon zu ihnen. Beim Baum angekommen, sehen wir den Grund der Aufregung: Dort hängt – ganz frisch – die ausgeweidete Karkasse eines jungen Impalas. Wir haben den Leoparden beim Essen gestört und er wird irgendwo in der Nähe darauf warten, dass wir wieder verschwinden.
Was für ein Wahnsinnserlebnis! Denise ist mächtig stolz auf ihre Entdeckung – zu Recht. Und nur ganz nebenbei haben wir nun die Big Five komplettiert. Na ja, nicht mit allerletzter Gewissheit und doch irgendwie.

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Tag 29 – Nambwa Campsite, Kwando River
Um 5:45 Uhr geht’s auf den Morgendrive – ohne Frühstück. Am Horse Shoe – der Kwando macht eine hufeisenförmige Schleife – bestaunen wir den Sonnenaufgang durch Wolken. Viele Tiere sind unterwegs: Impalas, Lechwes, Kudus, Krokodile, Nilpferde, Büffel, Warzenschweine, Bee-Eater.

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Und dann sehen wir ihn doch noch: Unmittelbar am Wegrand ruht ein Leopard. Keine zehn Meter entfernt. Wir erschrecken beide. War er gestern noch kaum sichtbar in einem Baum, liegt er jetzt direkt neben dem Weg. Gemächlich steht die Raubkatze auf und spaziert an uns vorbei. Wir wenden das Fahrzeug und fahren parallel. Wow! Er scheint mit seiner vernarbten Schnauze und den abgekauten Ohren schon recht alt zu sein und natürlich wissen wir nicht, ob es das Tier von gestern ist. Er ist wunderschön und wir können unser Glück kaum glauben. Irgendwann verschwindet er im Gebüsch, dank perfekter Tarnung unsichtbar. Ein erhabener Moment.

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Zurück auf dem Zeltplatz gönnen wir uns zuerst ein Früh-, naja eher ein Spätstück. Dann geniessen wir einen ruhigen Tag mit Lesen, Social Media (auf dem gesamten Zeltplatz hat es ein schnelles Wifi!), Fotos. Denise bemerkt einen Hornbill, der immer wieder einen Baumstamm anfliegt. Wir schauen genauer hin und entdecken schliesslich die Hornbill-Höhle: Das Weibchen hat sich mit der Brut eingeschlossen, das Männchen bringt die Nahrung. Wir beobachten diesen Vorgang mehrmals aus der Nähe und Denise knipst einige schöne Bilder.

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Am Abend machen wir einen kurzen Spaziergang ausserhalb des Campingplatzes. Was für ein Tag! Der Leopard und die Hornbill-Fütterung hallen lange nach.
zuletzt bearbeitet 25. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201622. März 2026 · #18
Tag 30 – Bwabwata → Mahangu Safari Lodge
Wir fahren die 13 Kilometer zurück zum Parkeingang teilweise auf anderen Wegen als auf dem Hinweg – sandig sind sie alle. Am Gate interessiert sich niemand für uns, als wir bezahlen wollen (beim Eintritt konnte nicht mit Karte bezahlt werden). Wir insistieren kurz, lassen es dann aber sein: Die letzten zwei Tage waren gratis, aber in keiner Weise vergebens.
Auf der asphaltierten B8 donnern wir die 200 Kilometer nach Divundu, vorbei an Strohhäuschen, Menschen mit Behältern auf dem Kopf, Menschen auf dem Weg zur Kirche (immerhin ist heute Sonntag und 85 Prozent der Namibier sind offiziell Christen), arbeitenden Menschen auf den Feldern und einer zehnrüsseligen Elefantenfamilie, die den Trans Caprivi Highway im Galopp überquert.
In Divundu tanken wir und wollen am bewachten ATM Bargeld abheben. Andy steht an, ich bleibe im Auto. Unvermittelt spricht mich ein Mann durchs Beifahrerfenster an und will mich in ein Gespräch über Weihnachtsgeschenke für seine Kinder verwickeln und ich merke, wie die Situation langsam unangenehm wird. Aus dem Augenwinkel erkenne ich, dass auch Andy in eine brenzlige Lage gebracht wird, in der ein Mann ihm seine Kreditkarte abnehmen will. Ich rufe laut nach und drücke auf die Hupe, in der Hoffnung, dass dies genug Verwirrung stiftet, damit die uns in Ruhe lassen. Aber Andy kann durch seinen beherzten Einsatz seine Karte sofort wieder retten. Der Wachmann reagiert überhaupt gar nicht und schaut gelangweilt in die andere Richtung. Nicht gerade der Empfang, den wir uns in Namibia gewünscht hätten, und so beschliessen wir, diesem bunten Treiben den Rücken zu kehren und nicht länger als nötig zu verweilen. In Botswana haben wir die Menschen vor allem als neugierig und hilfsbereit erlebt, hatten aber nie eine Situation, in der wir uns unsicher oder bedroht fühlten – vielleicht müssen wir in Namibia etwas vorsichtiger sein.
Die Mahangu Safari Lodge liegt direkt am Okavango und ist im Vergleich zu den meisten bisherigen Plätzen recht eng gesetzt. Wir bekommen Campsite 4 mit unmittelbarem Flussanschluss - sehr schön. Im Fluss tummeln sich Nilpferde und Krokodile. Im Ufergehölz sehen wir Wasserschlangen und Echsen. Um 15 Uhr machen wir eine Bootsfahrt flussaufwärts mit einem südafrikanisch-namibischen Paar aus Windhoek, dann steigen wir um ins Fahrzeug und ein Guide nimmt uns mit auf einen Game Drive. Zwei faule Löwen liegen unter Büschen und dösen. Wir sehen diverse Antilopen (Impalas, Waterbucks, Buschböcke, Lechwes, Kudus, Säbelantilopen, Damara-Dik-Dik), Warzenschweine, Affen, Echsen, Schildkröten und jede Menge Vögel. Während der Fahrt geht ein Regenguss nieder, doch am Ende geniessen wir den Sundowner bei einem wunderschönen Sonnenuntergang.

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Tag 31 – Mahangu, Ruhetag am Kavango
Wolkenlos präsentiert sich der Morgen. Wir stehen um 5 Uhr auf, setzen uns auf die Stühle und schauen dem Tag beim Erwachen zu. Zuerst wird der Himmel rot, dann weicht die rote Farbe, es wird heller am Horizont – weisslich gelb –, das Himmelszelt hellblau mit einigen rosa Wölkchen, dann kommt die Sonne als oranger Ball, und zack ist sie da. Ein echt schöner Moment.

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Den Tag verbringen wir mit Lesen (Denise liest zum ersten Mal die Sonntagszeitung), Planen (es wartet immerhin der wilde Khaudum Nationalpark...), Schreiben, Hängematte, Fluss beobachten, Sonne und Wärme geniessen. Wir geniessen einen ausserordentlich ruhigen Tag. Der Blick auf den Kavango ist einmalig.

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Der Abschied von der Okavango-Sambesi-Region stimmt Denise wehmütig – hatte sie doch so lange darauf hingeplant. Dieser Teil der Reise war für sie der grösste Wunsch gewesen. Jetzt ist er dann bereits Geschichte – aber die letzten Tage waren ein unglaubliches und unvergleichliches Erlebnis, auch wenn in der Nacht wieder Regen einsetzt, so stark, dass Schlaf für eine Weile eine Traumvorstellung bleibt.
Es ist der 10. November und schon ist ein Monat um. Und auch wenn ich mich sehr auf die kommenden Stationen freue, so schwingt doch Wehmut über das schon Vergangene mit - Saudade.
Wir wussten, dass wir vom Spannungsbogen her unsere Reise besser in umgekehrter Richtung gemacht hätten. Wettertechnisch sind wir so aber wohl auf der sichereren Seite.

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zuletzt bearbeitet 25. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201622. März 2026 · #19
Tag 32 – Khaudum Nationalpark (Einfahrt)
Der Khaudum gilt als Geheimtipp für Allradliebhaber. Wir haben viel darüber gelesen und wir wurden vor seiner Wildheit und seinen tiefsandigen Strassen gewarnt. Genau dieses Abenteuer suchen wir, auch wenn wir die Entscheidung darüber, ob wir ihn wirklich in Angriff nehmen sollen bis zuletzt aufgeschoben haben. Nun fühlen wir uns aber bereit und unser Vertrauen in Lottas Fähigkeiten ist unbeirrbar - bei Lötteli sieht es da schon anders aus 😉
Kurz vor 8 Uhr fahren wir los, wir halten in Divundu nochmals zum Tanken, dann geht es auf der B8 bis Katere. Dort biegen wir ab. Unter einem mächtigen Baum scheint die Dorfversammlung stattzufinden. Ein Mann referiert und gestikuliert und alle sitzen um ihn herum und hören zu. Politik halt... Wir stellen Lotta unter einen anderen Baum und lassen die Luft aus den Reifen: 1,6 Bar. Gleich neben dem Baum startet die Sandpiste mit dem Wegweiser Khaudum 46 km – für die unser analoger Führer vier Stunden einplant.
Der Sand ist wegen des Nachtregens kompakt, was den Fahrkomfort erheblich erhöht. So hat die schlaflose Nacht ihr Gutes. Wir kommen gut voran, passieren überraschend zwei Dörfchen (wer -bitte sehr – wohnt hier hinten?) und treffen auf eine Exildeutsche, die hier offenbar ein neues Zuhause gefunden hat. Sie bestätigt, die Piste sei in wirklich gutem Zustand – manchmal sei das ganz anders. Nach knapp zwei Stunden erreichen wir bereits den Eingang des Nationalparks.

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Im Einschreibbuch sehen wir, dass die letzten Touristen vor acht Tagen hier eingecheckt haben. Ein norwegisches Paar verlässt den Park gerade, nachdem es vier Tage lang keine anderen Besucher gesehen hat. Wir drehen noch eine Game-Drive-Volte: Roan-Antilopen, Oryxe, Strausse, Warzenschweine – alle sehr scheu und kaum an Menschen gewöhnt.

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Am frühen Nachmittag beziehen wir Campsite 2 des nördlichen Zeltplatzes Khaudum: ein riesiger Platz mit Ausblick auf das trockene Flussbett. Denise macht Brotteig, Andy Feuer, obwohl dunkelste Wolken aufziehen. Die Fronten ziehen links und rechts vorbei und für einmal haben wir Glück. Wir braten Kürbisse und Süsskartoffeln in der Glut und backen Brot im Dutch Oven. Wir sind nicht ganz allein – zwei andere Campsites sind belegt –, doch die Abgeschiedenheit ist spürbar.

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Tag 33 – Khaudum
Lotta ist schon bei Sonnenaufgang startklar für eine Runde im Park, noch vor dem Frühstück. Schon nach wenigen Metern erblicken wir Kudus - vielversprechend. Dann wird das Gebiet sandiger, es setzt kurz Regen ein, deshalb sieht man vermutlich kaum Tiere. Ein verirrter Schakal, ein aufgescheuchtes Oryx. Die zwei Wasserlöcher sind fast verlassen.
Dann plötzlich, linkerhand im Gebüsch: ein junger Löwe, ganz allein. Das Tier weiss nicht, was es mit uns anfangen soll – als hätte es noch nie Menschen oder Autos gesehen, was angesichts der Abgeschiedenheit tatsächlich gut möglich ist. Andy setzt zurück und wir haben einen sehr schönen Blick auf das gleichzeitig scheue wie neugierige Jungtier.

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Dann taucht aus den Büschen rechts die Mutter auf. Sie beäugt uns argwöhnisch und auch sie scheint noch nicht entschieden zu haben, ob wir Freund oder Feind sind. Beschützend legt sie sich neben ihr Junges. Die beiden beginnen ihre Katzenwäsche – ein sehr friedliches Bild. Wir können uns kaum satt sehen und auch die beiden Löwen überprüfen immer wieder, ob wir noch da sind. Als Andy nach etwa einer halben Stunde den Motor einschaltet, kommt Leben in die Szenerie: Die Löwin steht sofort auf und kommt auf uns zu. Sie scheint sichergehen zu wollen, dass wir auch wirklich gehen. So gelingen mir noch einige richtig coole Bilder, und als sie uns sogar noch ein ganzes Stück auf dem Weg nachläuft, ein kurzes, spannendes Video. Auch das, wie so viele hier, ein extrem eindrückliches Erlebnis, das bleibt.
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Frühstückspause auf einem Lookout – mit Kaffee und Müsli. Dann besuchen wir das letzte Wasserloch, wo gerade Wartungsarbeiten im Gang sind. Wir haben ein nettes Gespräch mit einem Arbeiter, der uns die Funktionsweise der Bohrlöcher erklärt, während er in Socken dem Werken seiner Mitarbeitenden zuschaut. Als wir ihm das Video der uns verfolgenden Löwin zeigen kann er es kaum fassen und findet die Begebenheit sowohl erstaunlich als auch sehr amüsant. Zum Abschied wünscht er uns viel Glück bei den Elefantensichtungen und sich selber einen möglichst elefantenfreien Arbeitstag.
Am Abend sitzen wir auf der Terrasse des Stellplatzes Nummer zwei. Es ist 17 Uhr. Wir schauen abwechselnd mit dem Feldstecher 28 Elefanten beim Abendmeeting am entfernten Wasserloch zu. Die Sonne scheint. Es weht ein laues Lüftchen. Das Leben meint es gerade ziemlich gut mit uns.

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Tag 33 – Khaudum (Sikereti)
Mitten in der Nacht wache ich auf, weil ein Elefant unmittelbar neben mir trompetet. Naja – beim zweiten Trompeten merke ich, dass das trockene Flussbett mehr als 50 Meter weit weg liegt. Wenn man aus dem Tiefschlaf kommt, erscheinen die Dinge näher, als sie es in Wirklichkeit sind.
Nach dem Frühstück und Sonnenaufgang packen wir. Im Khaudum Camping sind wir in dieser Nacht die einzigen Residierenden gewesen. Wir fahren die Ostroute südwärts. Die Strassen sind hier etwas weniger tief. Wir sehen mehr Tiere als am Vortag: Giraffen, Oryxe, Roan-Antilopen, Warzenschweine, Gnus.

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Am dritten Wasserloch beobachten wir zwei Elefanten beim Herumplanschen. Einer macht sich auf seinen Weg und kommt einem daherkommenden Auto sehr nahe. Der Fahrer hatte den Motor ausgeschaltet und als er ihn nun etwas panisch wieder zum Laufen bringt, erschrickt der Elefant und wirkt sehr bedrohlich. Als wir mit dem Frankfurter Paar danach beim Wasserloch ins Gespräch kommen, ist der Fahrer immer noch kreidebleich und seine Knie schlottern. Schliesslich verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg nach Sikereti.
Das Hauptgebäude ist erst dreieinhalb Jahre alt und sehr stilvoll. Wir melden uns beim Chef aus Indien für das Abendessen an und beziehen unsere Campsite. Aussicht gibt’s hier nicht, der Platz liegt im Wald. Dafür sind die privaten Ablutions sehr schön und Feuerholz für den Donkey und die Braai-Stelle stehen zur Verfügung. Auf Anraten des Managers nehmen wir den Weg zum letzten Wasserloch des Khaudum Nationalparks in Angriff. Dort ist allerdings tote Hose. Wenn es regnet, sind die Tiere nicht auf die Wasserlöcher angewiesen und deshalb sind diese ziemlich verwaist. Am Abend geniessen wir einen Gin Tonic am Feuer mit dem Paar aus Frankfurt und einer vierköpfigen deutschen Reisegruppe. Das Essen und die Unterhaltung mit den Frankfurtern sind wirklich gut und wir trinken einen leckeren Rotwein. Der Manager besteht darauf, uns nach dem Essen die 200 Meter zu unserem Stellplatz zu fahren – wegen der Tiere. Wir kommen etwas beschwipst an. In der Nacht beginnt es zu regnen. Natürlich.
zuletzt bearbeitet 31. März 2026
Themenstarter51 Beiträge · seit 201622. März 2026 · #20
Tag 34 – Khaudum → Tsumkwe → Roy's Restcamp
Während einer kurzen Regenpause stehen wir auf, essen ein zügiges Frühstück und packen zusammen. Nach einer guten Stunde erreichen wir auf einer perfekten Sandpiste Tsumkwe. Auf der Fahrt müssen wir eine kleine Pause einlegen, um einem Elefanten dessen Vortrittsrecht zu gewähren. Wir dürfen nie vergessen, dass wir in seinem Vorgarten sind – und nicht umgekehrt. Die Tankstelle in Tsumkwe ist so, wie wir uns eine afrikanische Tankstelle in unseren naiven Träumen vorgestellt haben: zwei leicht angerostete Zapfsäulen, dahinter eine Bude, irgendwann kommt einer heraus und gibt Diesel, aber hey: Kartenzahlung ist möglich.
Auf breiter, fester Piste geht es weiter in Richtung Grootfontein. Der Regen lässt erst gegen elf Uhr nach. Zwei Stunden später erreichen wir Roy's Restcamp an der B8. Kaum haben wir uns auf dem eigenwilligen und teilweise überfluteten Campingplatz eingerichtet, bekommen wir Besuch von einem britischen Birdwatcher, der sich in Namibia niedergelassen hat. Er braucht Hilfe beim Identifizieren eines kleinen, unscheinbaren, aber lauten Vogels. Natürlich entdeckt Denise den Piepmatz und der Hobbyornithologe von der Insel ist glücklich. Danach begeben wir uns auf einen etwa vier Kilometer langen, ausgeschilderten Walk. Es ist schön, sich etwas zu bewegen, auch wenn weder Flora noch Fauna uns zu Begeisterungsstürmen hinreissen.

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Am Abend essen wir, was der Kühlschrank hergibt. Andy zaubert ein vorzügliches Restemahl. Die Guides einer Overlander-Tour auf dem Platz wissen, dass für die Nacht Unwetter angesagt ist. Wir räumen alles zusammen und machen die Schotten dicht. Um drei Uhr morgens beginnt es heftig zu regnen, doch der grosse Sturm bleibt aus.

Tag 35 – Grootfontein → Mushara Lodge (kurz vor Etosha)
Wir stellen das Vorzelt auf, damit wir im Trockenen frühstücken können. Dann verlassen wir den überfluteten Campingplatz. In Grootfontein tanken wir, heben Geld ab und tätigen Einkäufe – mit bettelnden Kindern und Leuten, die uns überall hin folgen. Wir haben hier kein sehr gutes Gefühl, obwohl Grootfontein ein funktionierendes Städtchen zu sein scheint.
Auf der C39 geht es weiter in Richtung Namutoni. Kurz vor dem Etosha-Nationalpark erreichen wir die Mushara Lodge. Lotta ist hier der Exote auf dem Parkplatz, ist sie doch das einzige Fahrzeug mit Zeltaufbau und zudem steht sie vor Dreck. Wir sind stolz auf sie 😉
In der hübschen Anlage bekommen ein kleines Häuschen, das sehr stilvoll eingerichtet ist. Die ganze Lodge ist geschmackvoll und ruhig.

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Unsere schmutzige Wäsche wandert die Wäscherei ab und wir gönnen uns einen faulen Nachmittag, wobei uns der stark frequentierte Pool dann aber doch etwas zu viel ist. Beim Abendessen auf der schönen Terrasse entdecken wir im Baum ein Lesser Bushbaby, das sich mit seinen kugeligen grossen Augen kurz zeigt und dann davonhüpft. Wir haben nicht gewusst, dass diese Tiere so weit springen können. Leider ist es zu dunkel um ein gutes Foto zu machen. Wir stossen an auf die Halbzeit unseres gigantischen Abenteuers.
zuletzt bearbeitet 31. März 2026