debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201622. März 2026 ·
Die zweite Hälfte der Reise beginnt Tag 36 – Etosha (Ostteil) Um halb sechs sitzen wir bereits beim Frühstück und passieren kurz nach sechs das Van-Lindequist-Gate in den Nationalpark.
Kurz nach Namutoni entdecken wir eine Tüpfelhyäne. Wir durchqueren den Ostteil des Parks, fahren der Salzpfanne entlang und besuchen mehrere Wasserlöcher. Wegen des Regens der letzten Tage sind diese für die Tiere nicht wichtig – und bleiben quasi unbeachtet. Was für ein Unterschied zu 2016, als wir im Juli hier waren und die Wasserlöcher jeweils ein Riesenspektakel waren. So sehen wir die Tiere vor allem unterwegs und Denise ist eine hervorragende Tierspotterin: Zebras, Gnus, Springböcke, Giraffen, zwei Löwen von weit weg, viele Vögel.
In Halali machen wir einen Mittagshalt. Am späten Nachmittag – Denise hat inzwischen das Steuer übernommen – sehen wir einen alten Elefanten unmittelbar neben dem Weg, der gerade einen kleinen Baum fällt und verspeist. Das sollte das Highlight des langen Tages sein.
Am Abend essen wir in der Lodge Impala-Fleisch. Es schmeckt fein, vergleichbar mit unserem Wild, aber irgendwie haben wir beide bald genug und sind froh, dass die Portion nicht sehr gross ist. Gerade eben haben wir noch die Eleganz der grazilen Tiere bewundert und schon liegt eins auf unserem Teller. Der Mensch is(s)t seltsam ambivalent. Tag 37 – Etosha (Halali → Okaukuejo) Mit der Erfahrung des Vortages nehmen wir es heute ruhiger. Kaum im Nationalpark angekommen, werden wir von drei rasenden Safari-Fahrzeugen überholt. Das ist ein klares Zeichen – also fahren wir hinterher und stossen auf einige am Strassenrand geparkte Autos. Wir sehen uns um, können aber nichts Spezielles erkennen. Deshalb fragen wir einen Guide, was es zu sehen gibt – er zeigt lapidar auf Geparde in der Ferne. Und tatsächlich sehen auch wir dank Feldstecher unsere ersten Cheetahs. Supercool, aber mit dem kleinen Beigeschmack, dass wir sie selber nie und nimmer entdeckt hätten und dass sie so weit weg waren, dass wir nicht einmal mit Denises Superobjektiv ein einigermassen zeigbares Foto machen konnten.
In Okaukuejo sind wir nun also definitiv im Mainstream-Namibia angekommen und schreiben uns für den Night Drive ein – werden aber vertröstet, es später nochmals zu versuchen. Ich bin pessimistisch, Andy nicht und er behält – ausnahmsweise 😉 – recht. Als wir also kurz vor der geplanten Abfahrtszeit nochmals nachfragen, ob etwas frei geworden sei, drückt die Dame am Empfang aufs Tempo: wir seien schon erwartet worden, müssten noch Getränke wählen, ein Formular ausfüllen – aber draussen warten. Sie komme gleich. Und so kommen wir zu unserem ersten Nachtausflug in Etosha. Abgesehen von einem wunderschönen Sonnenuntergang mit Giraffen und einem Nashorn im Dämmerlicht ist der Night Drive aber eher ernüchternd. Der Guide interessiert sich nur für Raubkatzen. Die Gäste sind auch offen für die putzigen Spring Hares und Eulen – das schert ihn aber wenig und es wird kaum mal für eine Tiersichtung angehalten, geschweige denn für das ausgewählte Getränk. Von der wilden Leuchtenschwenkerei wird einem fast übel und der Drive ist mit drei Stunden auch zu lang. So endet der Tag am Wasserloch des Camps, wo wir noch zwei Nashörner beobachten, bevor wir knapp vor 23 Uhr – ohne Abendessen – in die Lotta-Luke fallen.
Tag 38 – Etosha (Westausfahrt → Hobatere) Es war eine kurze Nacht, aber der Sonnenaufgang ist derart schön, dass wir früh aufstehen. Wir fahren westwärts. Kurz danach sehen wir etwas entfernt eine Hyäne, die Richtung Strasse unterwegs ist. Wir folgen ihr geduldig. Es ist wirklich spannend, das Tier, das, für mich unerklärlicherweise, zu den Ugly Five gehört, auf seinem Weg zu beobachten. Irgendwann ändert es seine Route – wir nicht...
Unterwegs sehen wir Giraffen, Zebras, Gnus, Springböcke, Oryxe und drei Elefanten. Dann stoppe ich den Wagen ruckartig und setze zurück: Links und rechts der Strasse sind Elefanten, die sich Rüssel an Schwanz Richtung Wasserloch begeben. Einer zeigt sich etwas aggressiv und bildet die Nachhut – die Zebras halten sicherheitshalber Abstand, während die Elefantendame wie ein Verkehrskadette im Stechschritt hinter ihrer Herde nachrennt. Die Szene am Wasserloch weckt Erinnerungen an Etosha 2016, als die Trockenheit die Tiere in Heerscharen an die Wasserstellen gelockt hat.
In Olifantsrus machen wir auf dem Ausguck Mittagsrast, auf dem wir vor neun Jahren lange gesessen hatten. Damals war hier wesentlich mehr los, als der einsame Elefant, der hier fast steht, als würde er zu Fotozwecken bezahlt.
Dann fahren wir zum Galton-Gate, haben eine kurze Diskussion mit der Mitarbeiterin über das Ein- und Ausreisedatum, verlassen den Nationalpark und erreichen wenig später Hobatere Campsite. Niemand ist da. Wir richten uns ein, wechseln nochmals kurz den Platz, sagen den Fliegen den Kampf an und geniessen eine Dusche. Schliesslich kommt ein junger sympathischer Mann und erklärt, er habe von unserer Reservation keinen Schimmer – aber das sei egal. Der Platz liegt malerisch an einem steinigen Hügel, die einzelnen Campsites sind mit eigener Nasszelle und Feuerstelle schön gebaut, ein eigenes Wasserloch ist in Gehdistanz, doch scheint die ganze Anlage nicht mehr wirklich unterhalten oder gepflegt zu werden. Wir machen ein Feuer, gegen die Fliegen hilft es auch nicht. Erst mit dem Sonnenuntergang verschwinden sie.
Reisemaus1'006 Beiträge · seit 200822. März 2026 ·
Whow, Ihr habt ja ein Tempo beim Reisebericht, da komme ich kaum hinterher. 😎 Ich hätte noch eine Frage zum Khaudum Camp. Steht da immer noch die halb fertige Lodge? Die sollte vor ca 9 Jahren mal die teuerste Lodge Namibias werden, aber wurde meines Wissens nie fertiggestellt. Schade, dass die Hobatere Camp Site so nachgelassen hat. Ich fand sie vor ein paar Jahren noch sehr gepflegt und schön. Vielleicht hattet Ihr wenigstens schöne Sichtungen an dem kleinen Wasserloch? Viele Grüße Doro
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201623. März 2026 ·
Liebe Doro Ja, die Khaudum Lodge scheint eine never ending story zu sein. Wie du sagst, hätte sie vor zehn Jahren eröffnet werden sollen. Als wir da waren, waren tatsächlich gewisse Arbeiten im Gang, wir erkannten auch, wo die einzelnen Cabins geplant sind, aber das Ganze war noch meilenweit weg von fertig - schauen wir einmal, ob wir das noch erleben werden... Hingegen gibt es im Süden des Khaudum Parks in Sikereti seit vier Jahren ein architektonisch sehr gelungenes Restaurant mit feinem Essen - sehr empfehlenswert! Wir hoffen, dass Hobatere in Zukunft wieder etwas gehegt und gepflegt wird, denn der Campingplatz liegt wunderschön am Hügel und die einzelnen Plätze sind reizvoll und gut ausgerüstet. Leider geht es sehr schnell, dass gewisse Dinge nicht mehr funktionieren (fliessendes Wasser, Strom), wenn sich niemand wirklich um die Installationen kümmert. Am Wasserloch war leider tote Hose, aber wir sind dennoch zwei Mal hingegangen. Liebe Grüsse zurück - und gleich geht es weiter...
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201623. März 2026 ·
Tage 39 und 40 – Fahrt über Ruacana nach Epupa Falls
Am frühen Morgen hat es glücklicherweise noch keine Fliegen. Denise macht einige Bilder von Rock Dassies und allerlei Echsen, während ich routinemässig Müesli und Kaffee bereit stelle.
Auf der asphaltierten C35 fahren wir nordwärts. Nach gut 130 Kilometern kommt der Abzweiger nach Opuwo. Dort steht seit 2018 eine Tankstelle. Wir tanken voll - 120 Liter. Wir entscheiden spontan, nicht nach Opuwo abzubiegen, sondern weiter auf der C35 bis zur namibisch-angolanischen Grenze in Ruacana zu fahren und dann die D3700 entlang dem Grenzfluss Kunene nach Epupa Falls zu nehmen. So ersparen wir uns auf dem Südweg, eine Strecke doppelt zu machen. Die Landschaft ist sehr abwechslungsreich und malerisch: Am Ufer des Kunene wachsen unzählige Palmen, und die Strasse ist abenteuerlich. Sehr steile und felsige Passagen wechseln sich mit unzähligen Senken, trockenen Flussbetten, sandigen Abschnitten und kleinen Wasserdurchquerungen ab. Unser analoger Reiseführer budgetiert für die «voll ausgebaute Strecke» 3–4 Stunden. Wir brauchen gut viereinhalb. Auf dem Weg kommen wir an vielen Himba-Dörfern vorbei. Kinder und manchmal auch Erwachsene rennen aus den Häusern zum Weg und winken, in der Hoffnung, etwas zu bekommen. Verkehr hat's, abgesehen von zwei oder drei voll bepackten Motorrädern, praktisch keinen.
Am späten Nachmittag tauchen hinter einem Hügel plötzlich einige Häuser auf - wir kommen in Epupa an. Kleiner als erwartet... Es war eine lange und anstrengende, aber auch äusserst reizvolle Fahrt. Die Epupa Falls Lodge & Campsite liegt direkt am Kunene, oberhalb der Epupa Falls. Der Fluss fällt hier an mehreren Orten in die Tiefe. Geräusch und Gischt spüren wir auch oben. Die einzelnen Plätze befinden sich im Schatten von hohen Palmen und auch hier gibt es eine Hauskatze.
Am Abend unterhalten wir uns mit einem südafrikanischen Paar und mit fünf unserer eigenen Kompatrioten aus dem Kanton Tessin – wir bestaunen gegenseitig unsere Fahrzeuge und preisen sie an, als ob wir sie verkaufen wollten. Gerade nach einer Fahrt wie heute können wir uns nur lobend über unsere Lotta äussern - sie ist ein Superauto, in unserer Jugend hätten wir in der Schweiz von einem - Achtung Aussprache! - von einem "tschäntä Göppel" gesprochen. Aber auch die Tessiner haben was zu bieten: Die Autos sind mit einer Art Wohnkapsel bestückt und bieten auf kleinstem Raum den Komfort eines ganzen Wohnmobils. Sehr geil!
Am nächsten Morgen klettern wir früh zum View Point. Es ist steil und schon richtig heiss, doch es lohnt sich: Von oben erfasst man erst das ganze Ausmass der Fälle, die sich auf diverse Nebenarme des Kunene verteilen und aus verschiedenen Richtungen in eine Schlucht stürzen.
Auf dem kleinen, rudimentären Campground zuoberst auf dem Hügel verweist ein junger Herr, den wir beim Singen im Auto gestört haben auf den Aufsichtspreis von 50 namibischen Dollar pro Person, den wir gerne entrichten. Wir drehten noch eine kleine Runde ans Flussufer und kehren dann um, nicht ohne jedoch zuvor bei einem der kleinen Souvenirstände etwas zu kaufen. Ich würde fast sagen, gezwungenermaßen. Und eins führt zum anderen und auf einmal wollen mir alle etwas andrehen. Und als zwei Frauen mit kleinen Kindern mir lieber ein Tauschgeschäft vorschlagen, Souvenir gegen Kinderkleider, verspreche ich, am nächsten Tag mit einem T-Shirt zurückzukommen. Den Nachmittag verbringen wir am Pool und in der Hängematte. Das Thermometer klettert wieder über 40 Grad. Am Abend fassen wir den Entschluss, Epupa einen Tag früher als geplant zu verlassen und Richtung Süden zu fahren.
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201623. März 2026 ·
Tag 41 – Epupa → Opuwo → Camp Aussicht
Bevor wir losfahren, will ich noch mein Versprechen vom Vortag einlösen. Ich habe ein T-Shirt und ein Cap, das jemand in Etosha verloren hatte, dabei und gehe zu den Ständen. Die Frauen sind noch nicht da und so gebe ich die Sachen einem Jungen, geschätzte 13 Jahre mit dem Auftrag, das Shirt der Frau Natalia zu geben. Den Hut dürfe er behalten. Er spricht zwar nur portugiesisch, da Angolaner, wir verstehen uns aber mit Händen und Füßen ganz gut. Als wir dann losfahren, sehe ich, dass Natalia inzwischen angekommen ist und wüst auf den Jungen einschimpft. Ich steige aus und möchte die Sache richtigstellen. Der Junge hat alles genau richtig gemacht und sie beschuldigt ihn, sie zu hintergehen. Ich sage ihr, dass ich ihr das T-Shirt zugedacht hatte und er dafür den Hut bekommen hätte. Wütend schnaubt sie, wo denn die Kleider für die Kinder wären, worauf ich ihr nur antworten kann, dass ich gegeben habe, was ich könne. Der arme Junge weint unterdessen bitterlich und ich versuche, ihn etwas zu beruhigen und zu bestärken. Mit einem ganz unguten Gefühl, den Jungen in dieser Misere und mit einer ihm nicht wohlgesinnten Standnachbarin zurückzulassen, fahren wir los. Gut gemeint, schlecht gemacht, Denise. 🤨
Eine gute und breite Schotterstrasse führt uns von Epupa Falls nach Opuwo. Dort besuchen wir den Supermarkt, den Liquor Store, die Tankstelle und den ATM. Im Dorf herrscht reges Treiben. Wir sehen traditionelle Himbas, Herero-Frauen mit wallenden Gewändern, westlich gekleidete Leute verschiedener Stämme – und mittendrin stehen wir zwei Weisse und geniessen diese Eindrücke mit Auge, Ohr und Nase. Die anderthalb Stunden sind ein wahres Erlebnis. Camp Aussicht liegt sechs Kilometer abseits der C43, hoch in den Hügeln, und der Weg dorthin ist eine Tortur für Lotta. Marius Steiner hatte hier einst Dioptase Kristalle entdeckt, begonnen es in einer Mine abzubauen und das Camp gebaut. Die Mine konnte bis vor Kurzem noch besichtigt werden. Marius Steiner ist vor drei Monaten an seinem Lungenleiden aufgrund der Belastungen in der Mine gestorben. Auf dem Weg zum Haupthaus steht ein Schrein, der an ihn erinnert. Am Empfang angekommen sehe ich dem jungen Mann an, dass er nicht mit unserer Ankunft gerechnet hatte. Er will denn auch gleich einkassieren und muss überzeugt werden, dass wir bereits alles im Voraus beglichen hatten. Wir richten uns auf der Campsite 4 ein und steigen mutig hinauf zum und auf den baufälligen Aussichtsturm. Wie vor ein paar Tagen in Hobatere bekommen wir hier den Eindruck, dass der Campingplatz nicht mehr mit ganz so viel Herzblut unterhalten wird. Das ist sehr schade, denn er ist, ob man jetzt mit den allgegenwärtigen Bibelsprüchen viel am Hut hat oder nicht, wirklich ein originelles Unikum.
Kurz nach Einbruch der Dunkelheit beobachten wir amüsiert ein Stachelschwein, das durch Fressen angelockt wurde. Unsere erste Begegnung mit einem Porcupine. Es ist grösser (und lauter beim Fressen...), als wir es erwartet hatten.
Für ein gutes Bild war das Licht (oder meine Fotokünste 😉 ) dann doch zu schwach.
Tag 42 – Camp Aussicht → Palmwag Wir stehen mit der Sonne auf, frühstücken und fahren die sechs Kilometer auf einem anderen Weg zurück. Er ist auch ziemlich holprig und sandig, aber weniger als derjenige vom Vortag. Auf der guten Schotterstrasse C43 fahren wir vorbei an Sesfontein nach Palmwag. Der Aufenthalt hier war nicht geplant und wir freuen uns, dass es kein Problem ist, einen Stellplatz zu bekommen. Campsite 5 liegt direkt am trockenen Flussbett und bietet ein eigenes Bad, ein Aussenwaschbecken, einen Tisch mit Bänken und ein Dach, an dem unsere Hängematte genau hineinpasst. Im Nachhinein sind wir richtig froh, schon einen Tag früher in Palmwag (oder im Wortklang der Einheimischen: Palawa 😉 ) angekommen zu sein. So haben wir doch genügend Zeit und Musse, uns auf die bevorstehende Wanderung einzustellen und unser Gepäck für die nächsten Tage zu "büscheln". Wir verbringen einen ruhigen Nachmittag, profitieren vom Wifi und Pool der Lodge und bereiten uns voller Vorfreude auf die kommenden fünf Tage vor: Etendeka Wandertage und Shipwreck Lodge.
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201623. März 2026 ·
Tage 43 und 44 – Etendeka Concession (Wandertage) Um 15 Uhr werden wir von Tilpepa (Fahrer) und Gelasius (Guide) in Palmwag abgeholt. Nach einem kurzen Autotransfer in die Etendeka Concession starten wir unsere dreitägige Wanderung. Die Wanderung wird angeboten von der Etendeka Lodge, die wir aber nicht benutzen. Das Etendeka-Gebirge ist karg, deshalb freuen wir uns umso mehr über die Zebras, die uns unterwegs begegnen.
Gelasius ist ein amüsanter und interessanter Gesprächspartner, der uns auch über gesellschaftliche und politische Themen erzählt. Er ist Bantu und erklärt uns einiges über das Zusammenleben der verschiedenen Stämme. Das grösste Problem, so Gelasius, sei die riesige Arbeitslosigkeit und damit die Armut der Landbevölkerung. Es findet ein echter Austausch zwischen unseren Lebensweisen statt, denn Gelasius interessiert sich sehr für unsere Berufsausbildung. Die tiefe Arbeitslosenrate bei uns lässt ihn leer schlucken. Es sind diese Begegnungen, natürlich abgesehen von den Tieren, die für uns diese Reise ausmachen. Bevor wir zuhause losgefahren sind, haben wir uns fest vorgenommen, alles mitzunehmen, was auf uns zukommt und alle Gelegenheiten wahrzunehmen, die sich uns bieten. Auf einige hätten wir gerne verzichtet (das Verfahren am ersten Tag zum Beispiel), von anderen können wir kaum genug bekommen. Und doch gibt es in diesem Verhältnis den Punkt, an dem wir uns über ethnische Ungleichheiten unterhalten und als ich Gelasius von unserem Berufsalltag als Lehrkräfte erzähle und darüber, dass wir versuchen die Kinder daraufhin zu erziehen, dass alle Menschen den gleichen Wert haben, da lacht er mich aus und sagt, nicht ohne Bitterkeit, dass dies nie der Fall sein würde. Dass in seiner Welt Schwarze immer weniger Rechte hätten als Weisse und Arme immer weniger als Reiche. Ich gebe zu, ich war da zu blauäugig und auch unser Gespräch ist aus seiner Sicht nicht auf der Augenhöhe, die ich mir gewünscht hätte. Wir sind uns aber darüber einig, dass genau diese Art der Auseinandersetzung wichtig ist dafür, dass sich eventuell irgendwann in der Zukunft etwas daran ändert. Nach knapp drei Stunden kommen wir im River Camp an: ein Küchenblock und fünf rudimentäre Cabins, deren Dach heruntergeklappt werden kann, damit der Sternenhimmel seine ganze Pracht über den Pritschenbetten entfaltet. Nach einer Bucket-Dusche geniessen wir Hähnchen, Kürbis und Kartoffeln, die uns Johns und Denise (lustiger Zufall) auf dem Feuer zubereiten. Es ist schön, wenn in freier Natur für einen gekocht wird und wir geniessen das Essen mit Gelasius und erfahren dabei noch so einiges über die Geologie der Tafelberge der Region. Vor dem Einschlafen studieren wir die Sterne, Denise mit einem Southern-Sky-App, Andy einfach so...
Das Highlight des zweiten Wandertages ist eine Herde von elf Giraffen. Wir nähern uns langsam. Sie stehen da und schauen uns an. Wir marschieren auf sie zu, sie bewegen sich etwas weg, dann wieder auf uns zu. Auch Gelasius ist hellauf begeistert und wir kommen aus dem Filmen kaum mehr heraus. Sie sind eine Weile unsere Begleiter. Dann galoppiert das Leittier plötzlich davon – und in wenigen Augenblicken sind sie kaum mehr zu sehen. Wahnsinn, so grosse Tiere und so gut getarnt. Auch Zebras, Springböcke, ein Skink und eine Schlange treffen wir an, vom Nashorn müssen uns die Fussspuren reichen.
Nach fünf Stunden erreichen wir das Hill Camp nach einem steilen Aufstieg auf einem – wen wundert’s? – Hügel, wo wir eine unglaublich schöne Aussicht auf das ganze Etendeka-Gebiet mit seinen Tafelbergen geniessen.
Nach dem Mittagessen und einer kleinen Siesta in der balkonartigen Behausung marschieren wir nochmals los und erklimmen einen Aussichtspunkt.
Das Bild hätte auch gerade sein können 😉
Gelasius erzählt allerhand Wissenswertes und wir machen uns auf den gewagten Abstieg über Geröll und grosse Felsplatten. Andy verflucht seine On-Schuhe, die sich in ihre Bestandteile aufzulösen drohen, doch alles verläuft gut. Wir geniessen einen Sundowner, anschliessend das Abendessen und – bereits in der Horizontalen – Millionen von Sternen.
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201624. März 2026 ·
Tag 45 – Palmwag → Skeleton Coast → Shipwreck Lodge Am dritten Tag geht es früh los – bei erwachendem Tageslicht nehmen wir die letzte kurze Etappe unter die Füsse, sehen Zebras und Oryxe und Nashorn- und Hyänenspuren. Wir marschieren zur Hauptlodge Etendeka. Dort verabschieden wir uns sehr herzlich von Gelasius und werden zurück nach Palmwag zu Lotta gefahren. Der Weg dorthin entpuppt sich als veritabler Gamedrive, denn wir sehen viele Tiere (Zebras, Giraffen, Oryxe). Die Wanderung im Etendeka-Gebiet war ein fantastisches Erlebnis und ist wärmstens zu empfehlen. In Palmwag hat Lotta artig auf uns gewartet. Wir haben einen kleinen Zeitdruck im Nacken: Wir müssen vor 15 Uhr in Möwe Bay sein, um den Transfer zur Shipwreck Lodge nicht zu verpassen. Auf einer guten Gravel-Strasse kommen wir gut voran und erreichen das Nationalparkgate in Springbok Water. Dann geht es etwa 120 Kilometer entlang der aufregenden Atlantikküste nach Möwe Bay – vorbei an Terrace Bay und dem fast inexistenten Torra Bay. Die Fahrt ist fantastisch, wir kommen sehr gut vorwärts und sind sogar vor 14 Uhr dort.
Zwei Mitarbeitende der Shipwreck Lodge warten bereits auf uns. Ein paar Häppchen, ein kühles Getränk, einchecken – und dann steigen wir in einen nagelneuen Toyota Landcruiser mit Automatikgetriebe, quasi Lottas Urenkelin. Richard, für die nächsten drei Tage unser Fahrer und Führer, bringt uns zuerst zu einer riesigen Robbenkolonie. Der Lärm und der Gestank sind unglaublich. Viele Robbenbabys liegen frisch auf der Welt. Nicht alle überleben – zahlreiche tote Robben liegen herum, was den beissenden Geruch erklärt.
Die Fahrt geht weiter, teilweise unmittelbar neben dem Atlantik. Wir halten bei zwei Schiffs- und einem Flugzeugwrack an. Unzählige Schiffe sind im Verlauf der Jahrhunderte hier gestrandet, weil es oft sehr neblig und stürmisch ist. Richard erzählt uns die Geschichten dazu und wir tauchen auch gedanklich ein in die Skeleton Coast.
Kurz nach 17 Uhr tauchen die Kabinen aus dem Sand auf, die in ihrer Architektur an Schiffswracks erinnern: Die Shipwreck Lodge. Wir sind mitten in der Wüste. Um uns herum gibt es nur Sand und Salzwasser. Wir bekommen das Häuschen Nummer 7. Es ist äusserst stilvoll und stimmig.
Wir können versuchen, die Stimmung und die Szenerie zu beschreiben, aber Worte werden unseren Eindrücken nicht gerecht. Wir sind hin und weg! Zum Abendessen geniessen wir einen vorzüglichen Dreigänger an einem Zweiertisch mit Blick auf den Atlantik.
Hier muss ich mich kurz einklinken. Aaaalso: Die Shipwreck Lodge ist quasi mein Geburtstagsgeschenk an mich selber - also, nicht, dass die ganze Reise nicht schon ein Geschenk an uns selber wäre 😉 - zu meinem Runden. Schon bei unserer ersten Reise nach Namibia wäre ich gerne an die Skeleton Coast gereist. Das lag damals zeitlich und prioriätenmässig einfach nicht mehr drin. Nun liegt die Shipwreck Lodge fast 70 km nördlich von Möwe Bay und darf nicht selber angefahren werden. Im Vorfeld wusste ich nur, dass ich die Lage und die Architektur der Anlage gigantisch finde. Je näher wir jedoch dem Termin kamen und nach so vielen grandiosen Erlebnissen, desto mehr befürchtete ich, wir könnten uns in der Wüste langweilen: Was machen wir denn da den ganzen Tag? Stellt sich heraus: Dies ist der wohl mystischste (oder wäre "magischste" das richtige Wort?) Ort den ich je erleben durfte...
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201624. März 2026 ·
Tag 46 – Shipwreck Lodge Was für ein Erwachen: Im Bett aufsitzen und den Atlantik sehen. Kurz nach neun Uhr - nach einem fantastischen Frühstück - ziehen wir den Helm an und begeben uns auf eine ATV-Tour durch die Wüste. Nach gewissen Anfangsschwierigkeiten haben wir das Fahrzeug bald im Griff. Unsere Skepsis weicht sehr schnell einer grossen kindlichen Freude. Der Spassfaktor ist sehr hoch! Wir fahren auf hohe Dünen und staunen über die prächtige Aussicht, über die Farben von schwarz bis pink. Wow, wow, wow!
Nach zweieinhalb Stunden ist das Erlebnis vorbei, doch wir haben gar keine Zeit, das Erlebte zu verdauen, denn Richard fährt uns ans Ufer des Atlantiks. Dort steht ein Zweiertisch mit Tischtuch und Stoffservietten. Der Küchenchef hat seinen Grill angeworfen und er verwöhnt uns mit dreierlei Fleisch, Salaten, Gemüse und Kartoffeln. Wir sitzen direkt am Meer, hinter uns liegt die endlose Wüste, ausser uns ist niemand hier. Es fühlt sich alles etwas surreal an – aber unendlich schön!
Kurz nach dem Mittagessen erkunden wir einen Minicanyon mit getrockneten Lehmformationen.
Dann kehren wir zu unserem Häuschen zurück, wo wir zwei freie Stunden geniessen und die Eindrücke wirken lassen. Kurz vor fünf Uhr begeben wir uns auf einen Walk mit Richard zum Meer. Auch er wandert (wie Gelasius in Etendeka) mit einem Stock. Er erzählt viel über Flora, Fauna und sein eigenes Leben. Er ist Himba und berichtet freimütig von seinen Erfahrungen. Nun erleben wir innert weniger Tage zwei ganz unterschiedliche Guides, die uns einen tiefen Einblick in das Leben der verschiedenen Stämme Namibias geben. Das ist sehr interessant und eindrücklich.
Vor dem Nachtessen setzen wir uns nochmals hin und lassen unsere Blicke und unsere Gedanken über die unendliche Weite streifen. Schon bei der Planung der Reise hatten wir uns auf die Shipwreck Lodge gefreut. Dass diese Tage ein derart unauslöschliches Erlebnis werden, haben wir nicht erwartet. So geniessen wir ein wunderbares Nachtessen, amüsieren uns mit dem Staff, betrachten die Sterne am Himmel und kehren ins Cabin Nummer 7 zurück. Ein weiterer Tag an diesem mystischen Ort steht noch bevor - und es wird ein ganz spezieller sein!
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201625. März 2026 ·
Tag 47 - Shipwreck Lodge - Denises 50. Geburtstag!!! Um 00:30 Uhr erwache ich und gratuliere der liebsten Denise zu ihrem Geburtstag. Fünfzig (50!) – die Hälfte des Lebens ist vorbei und davon fast die Hälfte mit mir. Von mir aus darf es gern noch etwas so weitergehen. Wir sind nun schon fast 50 Tage gemeinsam unterwegs und haben es so schön miteinander. Was wollen wir noch mehr? Zufrieden schlafen wir wieder ein, wachen erst auf, als es dämmert, die Sonne kriecht über den Horizont und wir stärken uns mit einem wunderbaren Frühstück für den Tag. Richard fährt uns den ausgetrockneten Hoarusib-River hinauf – die Zufahrt ist nur dem Staff und den Gästen der Shipwreck Lodge gestattet. Plötzlich sehen wir vor uns eine Wüstenlöwin. Denise hatte am Vortag mit Dr. Philip vom Desert Lion Conservation Project gesprochen, dem Löwenflüsterer, der sich seit mehr als 30 Jahren um das Schicksal der aussterbenden Spezies kümmert. Auch das eine ganz ausserordentliche Begegnung. Er hat gesagt, es gäbe noch 15 Löwen an der Skeleton Coast – 15 Löwen in 16'000 Quadratkilometern. Und wir sehen einen davon. Wahrscheinlichkeitsrechnung gestattet. Mehr zu Doctor Flips aussergewöhnlichem Engagement gibt's hier: https://www.desertlion.info/
Die Löwin trägt ein Halsband mit Tracker, damit Doctor Flip ihre Streifzüge aufzeichnen und sie im Notfall aus den Dörfern fernhalten kann, wo ihr der Erschiessungstod sicher wäre. Wir können ihr ein Stück weit folgen, bis sie im Schilf für die Tagesruhe verschwindet. Auf der weiteren Fahrt sehen wir einige wenige Tiere (Oryx, Springböcke) verschiedene Felsformationen, grüne Pflanzen, eine einsame Palme und ab und zu Wasserlachen.
Zum Mittagessen werden wir wieder an den Strand gebracht, diesmal in einer Sechserrunde. Wir haben einen lebhaften Austausch mit Grant und Jonathan aus New York City, mit denen wir uns sehr gut verstehen und sogleich zum Abendessen verabreden. Am Abend singt der Staff – vier Damen und ein Herr aus Küche und Service – für Denise ein Happy-Birthday-Lied der anderen Art, während sie einen Geburtstagskuchen mit einer Kerze hereintragen. Die Stimmung ist so herzlich und persönlich, dass alle ganz gerührt sind. Denise bläst die Kerze aus und verteilt den Kuchen anschliessend an den Staff, der ihn mit Handkuss nimmt.
Nach dem Essen beantwortet Denise die zahlreichen Glückwünsche und wir telefonieren in die Schweiz. Wir sind weit weg von Heimweh, aber es ist schön, wieder einmal vertraute Stimmen zu hören. Auf dem Weg zu unserem Häuschen bleiben wir stehen und gucken in die Sterne. Diese Tage werden uns in unauslöschlicher Erinnerung bleiben, denn der Ort hat uns verzaubert. Was für ein Privileg, ihn erlebt zu haben!
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201625. März 2026 ·
Tag 48 – Shipwreck Lodge → Messumkrater Der Abschied von der Shipwreck Lodge ist emotional. Mit Umarmungen und vielen lieben Worten werden wir verabschiedet. Zum letzten Mal Richard, zum letzten Mal der Toyota. Die Fahrt nach Möwe Bay dauert fast anderthalb Stunden. Dort kehren wir zurück in Lotta, wir räumen ein und prüfen die Batterien und Kühlschränke – alles funktioniert. Es kann weitergehen.
Wir fahren die Skeleton Coast hinunter, rechts der Atlantik, links die Wüste. Terrace Bay und Tora Bay liegen bald hinter uns und wir erreichen das Haupttor des Nationalparks. Auf der C34 versuchen wir, das Flussbett des Messum Rivers zu finden. Wir finden es nicht, dafür eine steinige Schotterstrasse ohne Schild oder Wegweiser. In der Ferne sehen wir die Berge, die womöglich einen Krater bilden könnten. Auf holprigen Weg schleichen wir 40 Kilometer ostwärts. Nach den Bergen folgen weitere – doch ein effektiver Krater ist nirgends zu sehen. Schliesslich findet Denise, die beste aller Beifahrerinnen, die entscheidende Information: Der Messumkrater hat einen Durchmesser von 22 Kilometern. Er ist von Auge folglich nicht zu sehen. Wir befinden uns bereits mittendrin.
Wewitschias sind ja unserer Meinung nach hoffnungslos überbewertet.
Man also die Qual der Wahl. Wo ist wohl der beste Standplatz? Wir finden einen Ort mitten in der Ebene, wo wir den Sonnenunter- und -aufgang gut beobachten können. Denise will noch auf einen Hügel kraxeln. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen. Wir tun es dennoch. Je länger wir hier sind, desto besser gefällt es mir und desto wohler fühle ich mich. https://youtu.be/LRIlfSRp5Mo Es gibt wieder einmal Pasta zum Nachtessen. Dann schauen wir der Sonne beim Untergehen zu, hüpfen in Lottas Inneres und fragen uns, wo sich wohl die nächsten menschlichen Wesen zurzeit befinden. Gesehen haben wir nur einen einsamen Strauss. Lange denken wir nicht darüber nach, denn wir schlafen schnell ein.
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201625. März 2026 ·
Tag 49 – Messumkrater → Spitzkoppe Die Sonne geht auf in The Middle of Nowhere. Es gibt Kaffee und Müsli ohne frische Früchte – höchste Zeit zum Einkaufen. Auf schwierigen Strassen fahren wir los, dann taucht irgendwo in der Einöde ein Haus auf. Denise spricht mit dem hageren, zahnlosen weissen Mann davor, der hier einsam eine Farm führt. Er beschreibt den Weg mit den Worten: «The Road is very bad.» Damit sagt er uns nichts Neues. Wir fahren weiter, kommen auf eine C- dann sogar auf eine B-Strasse, die uns nach Uis bringt, wo seit 2019 eine grosse südafrikanische Firma Zinn im grossen Stil abbaut. Das Dorf wirkt wohlhabend, es hat viele hübsche Häuser, einen kleinen, aber grossartigen Supermarkt und an der Tankstelle hängen Plakate, die das Betteln verbieten, was auch strikt befolgt wird. Im Kaktus-und-Coffee-Tea-Garden gönnen wir uns Apfelkuchen, Eistee und Espresso. Alles ist sehr lecker.
Gegen Mittag kommt sie in Sicht - die Spitzkoppe, das «Matterhorn Namibias». Von weitem erkennbar, kommen die rötlichen Felsen immer näher. 2016 waren wir bereits hier. Wir finden einen Zeltplatz zwischen zwei hohen Felsen. Dann begeben wir uns auf einen ausgiebigen Walk. Es ist heiss, obwohl es windet. Wir stellen Lotta nochmals kurz um, damit uns der Wind nicht direkt um die Ohren pfeift. Die Sonne geht hinter den immer röter werdenden Steinen in Deckung, der Mond geht auf und wir hauen die Pasta des Vortages in die Pfanne.
Tag 50 – Spitzkoppe Dieses Mal gefällt mir Spitzkoppe besser als vor neun Jahren. Die rötlichen Felsen, die Kammlandschaft, das dürre Savannengras, die ganze Szenerie zieht mich in ihren Bann. Ich bin froh, noch einen Tag hier zu verbringen, um all die Eindrücke von Etendeka und der Shipwreck Lodge sacken zu lassen. Man muss auf der Reise aufpassen, dass die Seele mit dem Tempo mithalten kann.
Wir duschen bei der Rezeption, profitieren kurz vom Wi-Fi des Managers und wählen dann einen Platz (Campsite 14), der nachmittags und morgens Sonne hat. Den Nachmittag verbringen wir mit Lesen (ich bin bei Rita Falks neuem Eberhofer-Krimi gelandet und Denise beim Skeleton-Coast-Buch, das sie als Geschenk bekommen hat) Dann machen wir wieder einmal ein Feuer. Das Holz hier brennt bedächtig und langsam, hinterlässt dafür eine fantastische Glut. Wir kochen ein feines Thai-Curry mit Gemüse, Kichererbsen, Zwiebeln und Reis im Dutch Oven. Dazu gibt es einen Sauvignon Blanc von Robertson. Wir geniessen das Essen, schwelgen in Erinnerungen und der Halbmond schaut uns über die Felsformationen hinweg zu.
Tag 51 – Spitzkoppe → Mirabib Auf der B2, der Strasse zwischen Windhoek und Swakopmund, dürfen wir erstmals seit zwölf Tagen wieder gut 50 Kilometer auf Asphalt fahren. Wir kommen vorbei an Usakos und Karibib. Nach Karibib wird es wieder schottriger. Wir durchqueren ein flaches, trockenes Gebiet mit einzelnen Inselbergen. Wildtiere sind keine zu sehen, dafür rechts und links grosse Rinderfarmen und viele Zäune. Im riesigen Namib-Naukluft-Park (teilweise auch militärisches Sperrgebiet) ist die Landschaft karg und öde. In einer unendlich scheinenden Fläche wächst dürres Savannengras. Irgendwann taucht ein Oryx auf, dann drei Springböcke in weiter Ferne.
Denise entdeckt einen weit entfernten Inselberg und sagt, das sei bestimmt Mirabib. Wieder einmal hat sie recht. Wir übernachten auf einem der acht Campsites, die alle leer sind. Der Wind pfeift, wir machen ein Feuer und lächeln über uns selbst. Man braucht schon etwas Humor, um in dieser Einöde eine Nacht zu verbringen.
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201625. März 2026 ·
Tag 52 – Mirabib → Sossusvlei (Sesriem) Am nächsten Morgen stehen wir mit der Sonne auf und fahren nach einem reichhaltigen Frühstück (Müesli und Kaffee) die dreissig Kilometer auf der Schotterpiste, die wir gestern südwärts durchlitten haben, wieder zurück. Dann biegen wir rechts auf die C14 ab und erreichen schnell den Kuiseb Canyon. Wir erkunden ihn von zwei Seiten her und er gefällt uns. Dabei erinnern wir uns, dass uns vor einigen Tagen im Camp Aussicht eine deutsche Touristin die Geschichte von Henno Martin und Hermann Korn erzählt hat. Die beiden hatten sich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs in diesem Canyon versteckt.
Die C14 bringt uns nach Solitaire, wo wir kleine Einkäufe tätigen und den berühmten Apfelkuchen der Bäckerei McGregors probieren – er ist sehr lecker und kalorienmässig ein gesamtes Mittagessen...
Auf der C19 geht es weiter nach Sesriem. Die letzten zwölf Kilometer sind sogar asphaltiert. Nach dreimaligem Registrieren beziehen wir im Oshana Campingplatz Campsite 9 – mit eigener Nasszelle und erstmals seit langem mit Elektrizität. Bei unserem ersten Besuch hier übernachteten wir auf dem Sesriem Camping. Dort ist der Schatten der Bäume natürlich um ein Vielfaches angenehmer. Allerdings sind auch die private Ablutions nicht zu verachten 😉. Nach kurzer Einrichtungszeit brechen wir kurz nach 14 Uhr doch noch auf in Richtung Sossusvlei. Der Weg ist zu meinem Erstaunen über die ganze Strecke asphaltiert. Wir halten nach 25 km am Viewpoint und bei den Dünen 40 und 45. Es ist noch zu früh, um Fotos zu machen. Wir beschliessen auf dem Rückweg nochmals zu halten und fahren gleich weiter nach Sossusvlei. Die letzten drei Kilometer sind sandig und nur für Allradwagen gestattet. Lotta und ich geniessen es.
Springböcke und Oryxe liegen faul unter Bäumen – kein Wunder, Lotta zeigt 40 Grad. Wir stellen auch sie unter einen Baum und gehen zu Fuss zu den Dead Vleis, der Pfanne mit den jahrhundertealten, toten, knorrigen Bäumen. Weit und breit ist kein anderes Auto zu sehen. Es ist heiss, wir sind mutterseelenallein, und wir können uns kaum satt sehen. Als wir das letzte Mal hier waren, da wimmelte es nur so von Menschen und man musste einen guten Momnet/ Winkel abpassen, um ein gutes Bild machen zu können. Nun ist die Szenerie fast surreal und gespenstisch. Wir schlendern durch diese bizarre Landschaft, machen Fotos und die Hitze stört uns überhaupt nicht. https://youtube.com/shorts/ssKBs9niADw
Beim Wegfahren kracht es gewaltig. Äste fallen herunter. Lotta stand ja unter einem Baum. Ich hätte rückwärts losfahren müssen. Ein Windschutz ist leicht eingedrückt, aber der fantastischen Stimmung tut dies keinen Abbruch.
Auf dem Rückweg halten wir bei der Düne 45. Das Licht ist inzwischen wunderschön. Auch hier sind wir ganz allein. Wir steigen hoch, machen unsere eigenen Spuren und setzen uns oben auf die Krete. Auf unserem Abstieg kommen uns dann vier Leute entgegen - schade eigentlich 😉
Kurz nach Sonnenuntergang kehren wir nach Sesriem zurück. Wir nehmen eine ausgiebige Dusche, sind wir doch ziemlich sandig und verschwitzt, machen uns ein Gurken-Käse-Sandwich und verziehen uns recht früh ins Bett. Das war ein voller und toller Tag.
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201625. März 2026 ·
Tag 53 – Sossusvlei → Namtib In der Nacht ist es sehr laut. Wir sind uns nicht mehr an die Touristen-Hot Spots gewöhnt... Trotzdem stehen wir früh auf und kraxeln um 5 Uhr die nahe gelegene Elim-Düne hinauf. So sitzen wir auf einem Dünenfirst, lassen uns vom starken Ostwind mit Sand panieren und warten auf den Sonnenaufgang. Kurz nach sechs ist es so weit. Majestätisch geht sie auf und in der Ferne stehen acht Oryxe.
Beim Frühstück spüren wir den Ostwind noch stärker. Alle Einheimischen verziehen sich ins Haus. «Two or three days», sagen sie, wenn man fragt, wie lange der Ostwind wütet. Eigentlich hatten wir einen ruhigen Tag in Sesriem geplant. Von Ruhe ist jedoch keine Rede. Nach kurzer Reflexionsphase beschliessen wir, weiter südwärts zu fahren. Der Beamte am Gate sagt, es gehe ihm nicht so gut – es winde so stark, und gestern habe ein Feuer einige Staffhäuser vernichtet. Wir hatten davon gar nichts mitbekommen. Denise hatte am Abend noch gesagt, es rieche verbrannt. Ich hatte dabei eher an ein Barbecue gedacht 😕 . Auf der C27 Richtung fahren wir in Richtung Süden. Die Landschaft gefällt uns. Links sind die Naukluftberge, rechts erscheinen immer wieder orange-rötliche Dünen. Dann wird das Savannengras grüner und plötzlich sind die Tiere wieder da: Springböcke, Bergzebras und besonders Oryxe, die unmittelbar vor uns den Weg überqueren.
Kurz nach Beta gelangen wir auf die D707 – gemäss unserem analogen Reiseführer eine der landschaftlich schönsten Strassen Namibias. Unsere Begeisterung hält sich in Grenzen, aber die Strasse ist in sehr gutem Zustand, was einmal mehr beweist, dass man Namibias Strassennomenklatur nicht trauen darf. Der Campingplatz in Namtib wirkt sehr verlassen. An der Reception schläft eine Mitarbeiterin, die dann aber keine Ahnung von unserer Reservation hat. Wir fragen nach Wandermöglichkeiten, für die auf der betriebseigenen Homepage Werbung gemacht wird, bekommen aber keine Auskunft. Wahrscheinlich läuft zurzeit nicht sehr viel, denn die Dame meint auf unsere Frage nach Karte oder Wegbeschreibung nur lapidar: The boss is not here. Wir beziehen einen der fünf schönen Plätze, parken unter einem Baum, vertreiben die Kühe und Pferde und richten uns ein. Der Wind bläst nach wie vor sehr stark, aber der Sonnenuntergang ist unglaublich und kitschig schön.
Das waren jetzt aber viele Sonnenauf- und -untergangsbilder 😉
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201625. März 2026 ·
Tag 54 – Klein-Aus Vista Im Verlauf der Nacht ist der Wind etwas eingeschlafen. Dafür stellt Denise erschrocken fest, dass gestern eines ihrer Brillengläser stark zerkratzt wurde. Das drückt kurz auf die Stimmung. Vielleicht übernimmt das zu Hause ja die Busch-Versicherung. Wir verlassen Namtib, sehen auf dem Weg Strausse, Springböcke (die Impalas des Südens...), Oryxe und einen Schakal. Nach relativ kurzer und etwas eintöniger Fahrt auf einer kompakten Sandpiste gelangen wir nach Aus. Das verfrühte Einchecken in Klein-Aus Vista ist kein Problem. Im kleinen, aber feinen Shop der gleichnamigen Lodge kaufen wir hübsche Souvenirs und leckere Backwaren ein. Wir stellen kurz Tisch und Stühle auf unsere Campsite, markieren damit unser Revier und fahren zum 20 Kilometer entfernten Wasserloch für die hiesigen Wildpferde. Sie tummeln sich munter mit einigen Straussen. Einen grossen Unterschied zu domestizierten Pferden können wir nicht ausmachen.
Beim Wegfahren spricht uns eine allein reisende Deutsche an. Es stellt sich heraus, dass sie in Aadorf wohnt und häufig als Chauffeuse die Postauto-Strecke Frauenfeld–Affeltrangen fährt. So ein Zufall. Den Nachmittag verbringen wir auf der Campsite 6, unter einem schattenspendenden Baum, der ein riesiges Nest der Webervögel beherbergt. Neun von zehn Stellplätzen sind belegt. Dennoch herrscht eine ruhige Atmosphäre auf dem Platz.
Ein etwa fünf Kilometer langer Walk ermöglicht uns einen weiten Ausblick auf das flache Wüstenland Richtung Atlantik und auf ein als Kunstwerk geschaffenes Wildpferd. Wir sehen einige Paviane, die vor uns davonrennen. Es wird immer wieder davor gewarnt, dass die Paviane sehr frech und aufdringlich sein können. Wir haben bisher nur schüchterne Exemplare angetroffen. Nach einer Dusche in den tadellosen Ablutions und dem Nachtessen vom Feuer stellt sich uns Janaman mit seinen zwei Hunden Sasha und Rex vor. Er ist der Nachtwächter des Campingplatzes und sorgt für Ruhe und Ordnung. Dies sei nötig, da die asphaltierte Strasse nach Lüderitz nicht weit entfernt sei und es deshalb manchmal Diebe gebe. Wir fühlen uns sicher und gehen rein in die Lotta. Der Wind bläst weiter sein Lied.
Hallo Deba, was für eine grandiose Reise und was für ein wunderschöner Geburtstag! Auch von mir nachträglich alles Gute und herzlichen Dank für‘s Teilen eurer Erlebnisse. Ich bin weiterhin sehr gerne dabei. Manches ist neu, manchmal schwelge ich in Erinnerungen und manchmal schürt es die Vorfreude 🙂 Liebe Grüsse Caroline
2016: Südafrika mit Gardenroute
2018 : Vic Falls, Namibia, Botswana, Mauritius
2020: Kapstadt und Gardenroute
2022: Namibia
2024: Namibia und Südafrika
2026: Namibia und Botswana in Planung :-)
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201626. März 2026 ·
Danke, liebe Caroline, für die guten Wünsche. Der Geburtstag und die Reise sind jetzt schon einige Monate her, aber wir schwelgen nach wie vor in Erinnerungen...
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201626. März 2026 ·
Tage 55-57 – Kolmanskoppe - Lüderitz Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Die asphaltierte B4 bringt uns nach Westen. Nach gut 100 Kilometern entdecken wir auf der linken Seite Kolmanskoppe, eine Geisterstadt, die zwischen 1910 und 1940 florierte und dank dem Diamantenrausch zu Luxus kam – und seither komplett verlassen ist. Es gab ein Casino, eine Kegelbahn, eine Eisfabrik, ein Schwimmbad, sogar eine eselbetriebene Strassenbahn. Jedes Haus hatte Strom und fliessendes Wasser. 1'200 Menschen lebten während der Blütezeit mitten in der Wüste. In den Vierzigerjahren wurde alles einfach verlassen. Heute treiben Dünen durch die Korridore, die Häuser zerfallen und der Wind pfeift durch alle Ritzen. Viele Dinge wurden damals beim Verlassen der Stadt gar nicht mitgenommen und können noch heute bestaunt werden. Es ist in der Tat ein Lost Place, weckt aber in uns eine gewisse Faszination. Wir stellen uns das Leben vor hundert Jahren vor und tauchen kurz ab in diese Zeit.
Am frühen Nachmittag fahren wir weiter ins zehn Kilometer entfernte Lüderitz. Wir sehen viele deutsche Inschriften, farbige Häuser, eine schwarze Frau, die uns mit «Mahlzeit» begrüsst, und einen relativ grossen Hafen mit einer Waterfront. Wir sind einen Tag zu früh da, das Cormorant House hat für uns kein Zimmer frei und sämtliche Optionen auf der Shark Island sind ebenfalls ausgebucht. Beim Planen unserer Reise haben uns alle geraten, die Unterkünfte möglichst im Voraus zu buchen. Bisher hatten wir stets das Gefühl, eher allein unterwegs zu sein, doch hier bewahrheitet sich das nun. Wir landen im Kratzplatz – urig und rustikal, 50 Franken für ein kleines Zimmer, aber nicht extrem zu empfehlen. Auch das Nachtessen im hoch gelobten Restaurant Essenzeit ist höchstens Durchschnittskost. Und während wir durch das Städtchen zum Kratzplatz zurückschlendern, fragen wir uns: Werden wir zwei oder drei Nächte in Lüderitz verbringen?
Nach einer guten Nacht und einem bescheidenen Frühstück beziehen wir unser reserviertes Zimmer im Cormorant House. Auf der Shark Island sehen wir die Überreste des Campingplatzes, der offenbar kürzlich geschlossen wurde. Es ist nun eine Gedenkstätte an die Verbrechen und den Genozid an der Urbevölkerung. Bei starkem Wind machen wir uns auf Umwegen auf den Weg zum Diaz Point, wo wir einen wässrigen Kaffee trinken.
Die Sonne scheint, aber es stürmt ganz gewaltig, so dass wir nach Lüderitz zurückkehren und kurz vor Ladenschluss (um 13 Uhr – es ist Samstag) einige Einkäufe machen. Am Abend essen wir beim Portuguese Fisherman und geniessen das vorzügliche Essen und die sympathische Bedienung. Am Sonntagmorgen stehen wir um halb acht Uhr an der Waterfront bereit. Wir freuen uns auf die Katamaranfahrt mit dem Sohn der netten Dame vom Cormorant House. Zuerst geniessen wir die ruhige See, dann wird es etwas welliger. Der Seebär erzählt viel Wissenswertes. Wir fahren zum Diaz Point und zur Halifax Island und sehen Pinguine, Delfine, Robben – und unseren ersten Wal!
Wir spazieren zu unserer Unterkunft zurück, machen Frühstück und essen es auf dem Balkon direkt am Atlantik. Es gefällt uns hier, obwohl die Stadt lahmgelegt ist, da der Strom unterbrochen ist. Tatsächlich ist alles etwas schwieriger, wenn man weder mit Karte zahlen, noch Bargeld vom Automaten ziehen kann. Aber Lüderitz hat uns - das Städtchen hat einen ruhigen Vibe und ich verbringe den Nachmittag mit Zeichnen auf dem Balkon, während Andy sich über die nächste Etappe schlau macht.
Nach einem weiteren feinen Fischmenu beim Portuguese Fisherman und einem kleinen Verdauungsspaziergang verbringen wir unsere zweite Nacht im grossen Bett und freuen uns, dass es morgen wieder mit Lotta weitergehen wird. Es wird die letzte Lotta-Etappe sein, denn bald geht es zurück nach Südafrika...
debaThemenstarter51 Beiträge · seit 201626. März 2026 ·
Tag 58 – Lüderitz → Naute-Damm → Canyon Roadhouse Kurz bevor wir aufbrechen und Lüderitz verlassen, gehen wir ein letztes Mal auf unseren Balkon und sehen prompt nochmals einen Wal. Was für ein Start in den Tag! Auf der asphaltierten und schnurgeraden B4 fahren wir gut 300 Kilometer ostwärts. Beim Naute-Damm, der den Löwenfluss staut, sehen wir oberhalb der Staumauer einen verlassenen Campingplatz und eine kleine Oase unterhalb der Staumauer, wo Datteln, Birnen und Trauben angebaut werden. Wir kaufen zwei kleine Flaschen Gin in einer Destillerie. Einige Kilometer weiter machen wir Im originellen Canyon Farmyard Coffee Shop eine kurze Pause. Maisie versorgt uns mit Kaffee und Apfelkuchen und erzählt einiges über Land und Leute. Das Canyon Roadhouse ist in seiner Art einzigartig: Viele alte Autos sind in die Gebäude integriert, das Ganze hat Stil. Wir beziehen Campsite 5 und machen uns auf einen Nachmittagsdrive. Während der ersten Stunde fahren wir auf einer kompakten Sandpiste und sehen viele Oryxe, Springböcke, Zebras, Strausse. Dann wird die Piste steinig und schroff und auch die Tiere machen sich rar.
Am Abend erfrischen wir uns im Pool des Roadhouses (Lotta zeigt um 19 Uhr noch 32 Grad), dann geniessen wir ein leichtes Abendessen, eine Katze macht es sich auf Lottas Kühlerhaube bequem, wir sitzen noch etwas im Dunkeln und kriechen dann hinein.