pollux schrieb:Das ist sicher verständlich. Allerdings wird in den einschlägigen Groups und Foren zurecht gefragt, warum die Regierung keinen Notstand erklärt, um den Zugang zu den Orten Sankuyo, Mababe und Khwai zu gewährleisten. Mit schwerem Pioniergerät und entsprechendem Material wäre da sicher was zu machen.
Ich denke, das ist ein sehr komplexes Thema und ich habe jetzt auch nicht nachgeschaut, wie viele Leute in den Foren genau diese Meinung haben. Wie man aus dem Schreiben, das Logi gepostet hat, ja zwischen den Zeilen lesen kann, wird weiterhin auf dieser Strecke gefahren, es ist nicht so, dass die Orte von der Außenwelt abgeschnitten sind (anders als zum Beispiel in Sambia zwischen South- und North Luangwa). Dies wurde mir gestern von Leuten vor Ort auch so erzählt - wenn jemand krank ist und dies wirklich nötig ist, wird er nach Maun gefahren, die entsprechenden Fahrer können die Strecke durchaus bewältigen. Einmal in der Woche kommt eine Art mobiler Krankendienst (local mobile clinic vehicle) nach Khwai, und der kommt wohl auch weiterhin durch. Für Touristen ist es aber wirklich nicht zu empfehlen.
Dann muss man sich mal vor Augen halten, dass es nicht ein paar Meter sind, die geteert oder anders besser befestigt werden müssten, sondern, wenn ich richtig geschaut habe, über 120 Kilometer (Shorobe - Mababe - Khwai). Wenn man die Strecke in letzter Zeit live erlebt hat, kann man sich schwer vorstellen, wie dort eine so lange Straße gebaut werden sollte, die den nächsten Regen dann auch aushält 🙄 . Man müsste ein sehr tiefes und solides Fundament herstellen und gegebenenfalls eine Art von niedrigen Brücken erstellen....dies sagt mir zumindest mein Laienverstand. Wir haben im Februar erlebt, wie akutell die Schlaglöcher zwischen Maun und Shorobe geflickt werden - dies sieht schon nach einer längeren Bauphase und vor allem nach einer Sisyphusarbeit aus 😗 . Man hat es ja in Baden-Württemberg nicht mal geschafft, die Autobahn A81 so zu bauen, dass der Knollenmergel ihr keinen Schaden zufügt - wie soll so etwas ein einem Gebiet im/am Rande des Deltas auf längere Sicht funktionieren? Der Begriff "Schwieriger Baugrund" ist da wohl geschmeichelt... 😎 .
Nächster Punkt - und das sagen auch die Leute vor Ort: es passiert nicht ständig, dass Khwai unter Wasser steht, ich meine mich zu erinnern, dass das letzte Mal 2017 war. Es ist also kein Dauerzustand (der schlechte Zustand der Gravelroad auch in der Trockenzeit aber natürlich schon).
Und was wäre, wenn es eine geteerte Straße gäbe? Laut Aussagen - auch der Leute vor Ort: viele (Wild)Unfälle, denn es würde zu schnell gefahren werden und wir befinden uns ab dem Buffalo Fence in einem Wildschutzgebiet. Das war ein Argument, das sofort genannt wurde!
Generell habe ich eher den Eindruck (der aber natürlich auch falsch sein kann, so tief stecke ich nicht im Thema drin bzw. so intensiv und/oder vielfältig bin ich nicht im Austausch), dass die Menschen vor Ort sich mit der Situation arrangieren - sie leben von und mit dem Wasser. Wir haben viele Fischer mit jeder Menge Tilapias auf den "Straßen" in Khwai gesehen.... und der Khwai ist eine große Touristen-Attraktion, von diesen Touristen leben viele Leute dort, die in den Lodges, Guesthouses und Campingplätzen arbeiten. Wir haben z.B. im Khwai Guesthouse im Februar erlebt, dass die Angestellten aktuell sehr "kleinteilig" beschäftigt werden, bei jeder Mahlzeit war abgesehen von den Hauptarbeitskräften jemand anderes zuständig - für mich sah das so aus, als ob jede(r) mal zum Zug kommen, also auch in der schlechten Zeit ein bisschen was vom Kuchen abhaben soll.
Wie gesagt, es gibt sicher verschiedene Interessen und Sichtweisen zu diesem Thema - einfach ist das nicht. Und natürlich wäre es wünschenswert, wenn die Strecke, sobald die Regenzeit vorbei ist, mal gegradet und neu geschottert werden würde. Zu glauben, dass dies dann lange hält, ist aber bei dem vielen Verkehr (Touristen, Zulieferer für Tourismus, Locals) sicher ein Wunschgedanke.
Trotzdem wäre für mich - ohne dass ich viel Ahnung von technischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen habe - eine (einigermaßen gewartete) Gravelroad die beste Lösung als Mittelweg zwischen den verschiedenen Interessenslagen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie die Lage sich in den nächsten Monaten entwickeln wird, bin zwar leider selber nicht vor Ort, kenne aber zumindest jemand hier aus dem Forum, der sich das im Mai live anschauen wird.
LG Bele