Mensch-Wildtier-Konflikt

59 Antworten · 9'541 Aufrufe · gestartet 23. Okt. 2021 von travelNAMIBIA
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111 Beiträge · seit 202402. Juni 2025 · #21
Scheinbar wurde die Löwin erst geschossen, nachdem sie am Folgetag nochmals versucht hatte eine Person in einem Bodenzelt anzugreifen. beide Angriffe erfolgten auf wild campierende Personengruppen.

Es wird vermutet, dass sie krank und sehr geschwächt war. Außerdem hat sie wohl Verletzungen erlitten, als man sich gegen ihre Angriffe gewehrt hat.

Wenn das wahr ist klingt es für mich eher nach Erlösung als nach sinnlosen Abknallen.

Mein Beileid an die Angehörigen des getöteten Opfers.
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200602. Juni 2025 · #22
Phili schrieb:Scheinbar wurde die Löwin erst geschossen, nachdem sie am Folgetag nochmals versucht hatte eine Person in einem Bodenzelt anzugreifen. beide Angriffe erfolgten auf wild campierende Personengruppen.

Es wird vermutet, dass sie krank und sehr geschwächt war. Außerdem hat sie wohl Verletzungen erlitten, als man sich gegen ihre Angriffe gewehrt hat.

Wenn das wahr ist klingt es für mich eher nach Erlösung als nach sinnlosen Abknallen.

Mein Beileid an die Angehörigen des getöteten Opfers.
Dies ist das einzig offizielle das das MEFT zu dem gesamten Fall bisher bekanntgegeben hat: "The Ministry confirms that a lone lioness, was put down on Sunday, 01 June 2025. This decision followed continuous monitoring by Ministry staff, which revealed that the animal had become habituated and was posing an ongoing threat to both community members and tourists." (MEFT, 2.6.2025, 11:39 Uhr)
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
255 Beiträge · seit 201302. Juni 2025 · #23
Die Frage ist: Was hätte man anders machen können?

Wenn die Löwin unter dem Auto oder seitlich liegt dann seh ich sie nicht bevor ich die Hecktüre aufmache (hatte tortenstückartiges Hardtop-Dachzelt wo man hinten über ein Aufbau-Modul auf der Ladefläche des Pickup einsteigt).

Wir waren letztes Jahr auch in der Gegend. Die Frage ist ob da auch am Nachmittag und Abend Gefahr besteht bevor man das Feuer anmacht. Wahrscheinlich schon.
Wo kämen wir da hin, wenn alle immer nur sagten "Wo kämen wir da hin?", und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?
1'130 Beiträge · seit 202202. Juni 2025 · #24
Feuer ist gut zum Grillen und für die Romantik, wenn man sowas braucht.
Für die "Sicherheit" taugt es nicht viel, gegen an Menschen gewöhnte Tiere noch weniger
mM
zuletzt bearbeitet 02. Juni 2025
2'462 Beiträge · seit 200602. Juni 2025 · #25
tacitus schrieb:
Für die "Sicherheit" taugt es nicht viel, gegen an Menschen gewöhnte Tiere noch weniger
mM
Seit uns eine Hyäne ein Steak vom Grillrost über offenem Feuer geklaut hat, glaube ich da auch nicht mehr dran. 😄
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
1'130 Beiträge · seit 202202. Juni 2025 · #27
und PS, weil selten erwähnt.
Wer in ein Feuer oder eine andere Lichtquelle schaut, beeinträchtigt die eigene Nachtsicht
16,9k Beiträge · seit 201203. Juni 2025 · #28
Think before you're going wild camping in lion inhabited territory here in Namibia. Incident happened one day after Bernd Kebbel was killed by a lioness.
=> Beitrag mit Videos

LG
Logi
255 Beiträge · seit 201303. Juni 2025 · #29
Seltsam. Mir hat mal ein Guide in Tansania erklärt ein Zelt wäre für einen Löwen eine feste Behausung, das rührt er nicht an.
Wo kämen wir da hin, wenn alle immer nur sagten "Wo kämen wir da hin?", und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?
zuletzt bearbeitet 03. Juni 2025
16,9k Beiträge · seit 201204. Juni 2025 · #31
Löwin griff andere Camper an, bevor sie getötet wurde

... der Löwe griff eine andere Familie an, bevor er getötet wurde. Nach dem ersten Angriff blieben Mitarbeiter des Umwelt- und Tourismusministeriums und rieten allen Campern, das Gebiet zu verlassen, da es nicht mehr sicher sei. Sie weigerten sich jedoch zu gehen und beharrten darauf, dass sie dort jahrelang gezeltet hätten. ...

LG
Logi
1'685 Beiträge · seit 200705. Juni 2025 · #32
Unpopuläre Meinung zu den Wüstenlöwen: Ich war früher ein Bewunderer von Flip Stander und all den Wüstenlöwenschützern, bin es aber nicht mehr. Die Gründe dafür möchte ich darlegen. Klar ist das eine rein persönliche Meinung. Es gibt zwei Aspekte. Damaraland und Kaokoveld sind sehr aride Regionen. Ich glaube, es hat z.B. in Palmwag bis zu den guten Regenfällen heuer sechs Jahre kaum geregnet. Das erzeugt massive Schwankungen von jagbaren Wildbeständen. Hinzu kam in den letzten 20 Jahren + X die Schaffung der sog. Convervancies. Die Idee dahinter war, der lokalen Bevölkerung einen Anteil an den natürlichen Ressourcen zu geben, in Form von "sustainable hunting". Vorher war die Jagd verboten und nur als Trophäenjagd Konzessionären vorbehalten (Die südafrikanische Armee hat im Buschkrieg auch viel abgeschossen, das ist aber ein anderes Thema). Diese Idee mit der sinnvollen Nutzung von Wild ist vollkommen schief gegangen, durch "greed and corruption". Die Concervancies wurden "leergeschossen". John Grobler hat das vielfach dokumentiert. Ich sehe nur zwei Möglichkeiten, die aber beide nicht realisierbar sind. 1) Vergrößerung des Etosha NP zum Atlantik, wie es vor ca. 1960 der Fall war. Würde größere Umsiedlungen bedeuten, politisch nicht machbar. 2) Ohne Park-Status Verbot der Jagd für alle, auch Berufsjäger. Wird auch nicht kommen und wäre eh nicht zu kontrollieren. Deswegen haben die Wüstenlöwen keine Chance vernünftig zu jagen, und dann passiert so was, es war ja kein Einzelfall. Sieht man ja auch am unnatürlichen Freßverhalten, wenn die Löwen zur Küste ausweichen müssen und Robben fressen. Ich bin für die Umsiedlung aller Löwen westlich Etosha in den Park.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
zuletzt bearbeitet 05. Juni 2025
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200605. Juni 2025 · #33
1) Vergrößerung des Etosha NP zum Atlantik, wie es vor ca. 1960 der Fall war. Würde größere Umsiedlungen bedeuten, politisch nicht machbar
Das ist ja seit 20 Jahren geplant, wobei ähnlich den "Multiple Use Areas" im BWabwata-Nationalpark in der Erweiterung weiterhin de Bewohner leben dürfen. Stichwort "Kunene People’s Park" (https://de.wikipedia.org/wiki/Kunene-Volkspark). Ich habe soeben beim MEFT nachgefragt, wie da der Stand der Dinge ist

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
255 Beiträge · seit 201305. Juni 2025 · #34
Die ganze Sache hinterlässt bei mir ein mieses Gefühl. Ich fühlte mich letztes Jahr sehr sicher im Hoanib Riverbed und Amspoort Gorge, und jetzt das. Und vor allem sehe ich jetzt nicht grobe Fahrlässigkeit des Opfers. Wenn man den Beiträgen hier folgt hätte die Attacke auch am Abend beim Lagerfeuer passieren können. Ich kann mir (und meinen Freunden) eigentlich nur sagen dass eine Löwenattacke dort so selten ist wie eine Haiattacke. Sehr selten aber passiert. Trotzdem werde ich dort wohl nicht mehr hinfahren.

Ich habe letztes Jahr mit der Desert Lion Conservation gemailt und die gefragt ob man irgendwo die Standorte der Löwen abrufen kann. Anscheinend tragen viele von denen ein GPS-Halsband. Ich wollte das wissen um mich von den Löwen fernzuhalten. Aber die haben geantwortet dass wenn sie die Standorte veröffentlichen dann fahren alle Touristen dort hin weil sie Löwen sehen wollen.

Auch verständlich. Trotzdem: Es sollte sowas wie einen Löwen-Alert-Peeper geben: Man kann darauf den Standort der Löwen nicht sehen, aber er peept und blinkt wenn sich ein Löwe näher als 500m dem eigenen Standort nähert. Dann kann man sich ins Auto verziehen.

Anhang: Löwen-Tracking der Desert Lion Conservation https://www.desertlion.info/lion-population/hoanib-river.html
Wo kämen wir da hin, wenn alle immer nur sagten "Wo kämen wir da hin?", und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?
zuletzt bearbeitet 05. Juni 2025
16,9k Beiträge · seit 201205. Juni 2025 · #35
robert.vienna schrieb:
Ich habe letztes Jahr mit der Desert Lion Conservation gemailt und die gefragt ob man irgendwo die Standorte der Löwen abrufen kann. Anscheinend tragen viele von denen ein GPS-Halsband. Ich wollte das wissen um mich von den Löwen fernzuhalten. Aber die haben geantwortet dass wenn sie die Standorte veröffentlichen dann fahren alle Touristen dort hin weil sie Löwen sehen wollen.
Zu Beginn konnte man den Standort tatsächlich auch abrufen und so die Bewegungen verfolgen. Der Gedanke dahinter war, dass die Locals dann ihr Vieh in die bereitgestellten Kraals verbringen, sobald sich ein Löwe in dem Gebiet aufhält. Was sie natürlich nicht taten, sondern die abgerufenen Daten vielmehr dazu nutzen, um die Löwen zu eliminieren.

LG
Logi
2'780 Beiträge · seit 200705. Juni 2025 · #36
robert.vienna schrieb:Seltsam. Mir hat mal ein Guide in Tansania erklärt ein Zelt wäre für einen Löwen eine feste Behausung, das rührt er nicht an.
Das ist mE der Wendepunkte in der Evolution von Charlie. Sie lernte von jung auf kreativ alle Möglichkeiten auszuschöpfen um zu überleben. Sie verliess zusammen mit ihren Geschwistern das Revier, sie lernte Wasservögel jagen, sie drang bis an die Küste vor und lernte Robben jagen. Alles ohne ein Vorbild. Deswegen ist es gar nicht so erstaunlich dass sie 1 und 1 zusammen zählen konnt: Zelt und Beute. Sie war ein hoch intelligentes Tier. Es ist nicht ausgeschlossen dass sie die ganze Nacht in der Nähe war. Leider scheint ihr Sender defekt gewesen zu sein und man es nicht rekonstruieren kann. Haarscharf ging sie ohne Mahlzeit aus, hatte aber erneut etwas dazu gelernt. Um eine Erfahrung klüger, wartete sie am nächsten Tag nicht darauf dass Leute aus dem Zelt steigen...sie ging direkt ans Werk....
Ich habe grossen Respekt vor ihr.
Gruss Leona
1'685 Beiträge · seit 200705. Juni 2025 · #37
"Das ist ja seit 20 Jahren geplant, wobei ähnlich den "Multiple Use Areas" im BWabwata-Nationalpark in der Erweiterung weiterhin de Bewohner leben dürfen. "

Multiple Use wird aber gerade für die Wüstenlöwen keine Veränderung bringen. Die völlig unpassenden Viehmassen bei Tomakas etc. vertragen keine Löwen. Im Caprivi scheint eine andere Situation zu sein.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
16,9k Beiträge · seit 201212. Juni 2025 · #38
Aftermath of lion attack: Tosco warns against unregulated tourism

Nach Löwenangriff: Tosco warnt vor unreguliertem Tourismus
• Kein Wild mehr für Löwen zum Jagen, warnt Reiseleiter
Nach dem jüngsten tödlichen Angriff einer Löwin werden Camper dringend gebeten, ihr Lager nur auf dafür vorgesehenen Campingplätzen aufzuschlagen, vorzugsweise auf solchen, die von den örtlichen Gemeinden verwaltet werden.

Die Naturschutzorganisation Tourism Supporting Conservation (Tosco) erklärte, das Überleben der wüstenangepassten Löwenpopulation hänge von einem empfindlichen Gleichgewicht zwischen Wildtieren, Bevölkerung und Tourismus ab.
Dies geschah nach zwei Vorfällen mit der wüstenangepassten Löwin Charlie.
Charlie war am Freitagmorgen, dem 30. Mai, für den Tod des bekannten Geschäftsmanns Bernd Kebbel (59) verantwortlich und griff zwei Tage später in derselben Gegend am Hoanib-Fluss eine Gruppe südafrikanischer Touristen an. Glücklicherweise wurde bei dem zweiten Vorfall niemand verletzt.
Nach dem tödlichen Vorfall erklärte das Umwelt- und Tourismusministerium Charlie zum Problemtier. Der renommierte Löwenforscher Dr. Philip Stander vom Desert Lion Conservation Trust betäubte sie am Sonntagmorgen, 1. Juni, mit einem Betäubungspfeil und tötete sie.
Stander verlor dadurch eine geliebte Löwin und mit Kebbel einen Freund und einen der engagiertesten Unterstützer des Trusts.
„Diese Entscheidung folgt auf eine laufende Beobachtung durch Mitarbeiter des Ministeriums, die ergab, dass sich das Tier [an Menschen] gewöhnt hatte und weiterhin eine Bedrohung für Gemeindemitglieder und Touristen darstellte“, so das Ministerium in einer Erklärung. ...


LG
Logi
255 Beiträge · seit 201312. Juni 2025 · #39
Logi schrieb:Aftermath of lion attack: Tosco warns against unregulated tourism

Nach dem jüngsten tödlichen Angriff einer Löwin werden Camper dringend gebeten, ihr Lager nur auf dafür vorgesehenen Campingplätzen aufzuschlagen, vorzugsweise auf solchen, die von den örtlichen Gemeinden verwaltet werden.

Wir haben letztes Jahr dort in der Nähe im Mudorib River Camp übernachtet. Und die Nacht darauf in der Elephant Song Campsite. In der Elephant Song Campsite waren Ranger, die Mudorib Campsite aber ist kaum als solche zu erkennen und es ist viel Buschwerk rundherum. Das ist zwar ein "dafür vorgesehener Campingplatz", aber würdet ihr dort noch übernachten nach dem was geschehen ist?
Wo kämen wir da hin, wenn alle immer nur sagten "Wo kämen wir da hin?", und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen?
573 Beiträge · seit 201312. Juni 2025 · #40
robert.vienna schrieb:Die ganze Sache hinterlässt bei mir ein mieses Gefühl. Ich fühlte mich letztes Jahr sehr sicher im Hoanib Riverbed und Amspoort Gorge, und jetzt das. Und vor allem sehe ich jetzt nicht grobe Fahrlässigkeit des Opfers. Wenn man den Beiträgen hier folgt hätte die Attacke auch am Abend beim Lagerfeuer passieren können. Ich kann mir (und meinen Freunden) eigentlich nur sagen dass eine Löwenattacke dort so selten ist wie eine Haiattacke. Sehr selten aber passiert. Trotzdem werde ich dort wohl nicht mehr hinfahren.

Ich habe letztes Jahr mit der Desert Lion Conservation gemailt und die gefragt ob man irgendwo die Standorte der Löwen abrufen kann. Anscheinend tragen viele von denen ein GPS-Halsband. Ich wollte das wissen um mich von den Löwen fernzuhalten. Aber die haben geantwortet dass wenn sie die Standorte veröffentlichen dann fahren alle Touristen dort hin weil sie Löwen sehen wollen.

Auch verständlich. Trotzdem: Es sollte sowas wie einen Löwen-Alert-Peeper geben: Man kann darauf den Standort der Löwen nicht sehen, aber er peept und blinkt wenn sich ein Löwe näher als 500m dem eigenen Standort nähert. Dann kann man sich ins Auto verziehen.

Anhang: Löwen-Tracking der Desert Lion Conservation https://www.desertlion.info/lion-population/hoanib-river.html
Hm, ich glaube, das Risiko auf dem Weg nach Afrika ist deutlich höher, als von einem Löwen getötet zu werden. Vielleicht doch lieber ins Allgäu mit dem Lastenrad?

LG 😉