BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200613. Mai 2021 · Hallo zusammen,
nachdem Sabine26 sich nach dem Surinam-Bericht für Alaska/Canada aussprach und der Thailand-Bericht beendet ist, kommt jetzt demnächst ein Bericht über Alaska und Canada. Es geht um zwei Reisen mit etwa 5.200 km per Rad, ungefähr 1.100 km per Anhalter und auch noch etwa 1.000 km im Mietwagen in insgesamt zwölf Wochen.
Man schrub das Jahr 1994, als ich noch dachte, Alaska sei ganzjährig von Schnee und Eis bedeckt und überall wären Eisbären unterwegs. Dabei kennt man in Alaska wie bei uns vier Jahreszeiten. Dort nennt man sie Juni, Juli, August und Winter.
Ein Jahr später radelte ich den kompletten Alaska Highway über eine Länge von etwa 2.500 km. Wieder ein Jahr später kehrte ich zurück und radelte vom Pazifik südlich von Anchorage 2.650 km in die canadische Arktis bis kurz vors Polarmeer. Für die letzten 150 km musste ich auf ein Buschflugzeug zurückgreifen, da die Piste seinerzeit noch nicht ans Polarmeer reichte. Eine Woche nach dem Auftauen der dortigen Küstengewässer nahm ich ein erfrischendes Bad im Polarmeer. Irgendeinen zweifelhaften Sinn musste die Reise ja schließlich haben. Man radelt ja nicht einfach so zum Spaß dorthin.
Der folgende Bericht kombiniert beide Reisen und erzählt nebenbei, wieso der abgelegene Alaska Highway überhaupt entstand und warum ihm im Zweiten Weltkrieg eine kriegsentscheidende Bedeutung zukam, vom kältesten Berg der Erde, vom wohl berühmtesten Goldrausch der Welt in Dawson City und vom ersten Fernradler der Region, der bereits fast 100 Jahre vor mir dort unterwegs war.
Auch berühmten Namen wie Jack London oder Thomas Alva Edison werdet ihr begegnen, aber auch weniger bekannten, aber nicht minder interessanten wie Robert Service, Belinda Mulrooney, Francis Joseph Fitzgerald oder William Dempster.
Während sich der kürzliche Bericht über Surinam an diejenigen richtete, die während des Erdkundeunterrichts immer zum Kreide holen geschickt wurde, ist der folgende Bericht evtl. für diejenigen interessant, die das gleiche Schicksal im Geschichtsunterricht ereilte.
Und ein paar lustige Geschichten gibt es natürlich auch wieder - ein Bär, der ängstlich vor mir weglief, ein Squirrel (eine Art Eichhörnchen), welches ich vorübergehend in eine Mülltonne sperrte (das hatte es aber auch wirklich verdient) und einen kleinen Waschbären, den ich ein kleines bisschen verarschte. Die Welt ist schlecht. Das kann man auch als Waschbär nicht früh genug lernen.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
Gabi-Muc2'192 Beiträge · seit 201613. Mai 2021 · Hallo Wolfgang,
Ich bin gespannt. Wieviel Kilometer bist Du denn in Deinem Leben schon geradelt?
LG Gabi
10.2023 Gardenroute // 03.2023 Namibia // 03.2022 Swakop, Etosha und Damaraland // 08:2021 Uganda // 01.2021: Caprivi // 10.2020: Etosha pur // 04.2019: KTP, Tok Tokkie Trail und Sossusvlei // 06.2018: Swakopmund und Etosha // 08.2017: Kalahari, KTP, Fish River, Soussusvlei, Swakopmund // 04.2016: Gardenroute
BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200613. Mai 2021 · Gabi-Muc schrieb:
Ich bin gespannt. Wieviel Kilometer bist Du denn in Deinem Leben schon geradelt?
Ich habe nicht die leiseste Ahnung. Ich bin früher täglich 30-60 km geradelt und hatte meine verschiedenen Strecken. Auch bei starkem Regen bin ich gefahren, habe dann aber auf 20 km verkürzt und am Wochenende waren es dann auch mal 150 km am Tag. Meine längste Distanz waren 275 km am Stück. Ich wollte das doppelte fahren, aber aufgrund einer Verletzung ging das leider nicht.
Nachdem mir 1998 oder 2000 in Namibia wegen der Hitze mehrfach der Kilometerzähler ausfiel und auf Null zurücksprang, verwende ich keinen mehr und davor auch nur sporadisch.
Ich hatte früher auch einen am Rennrad verwendet, um meine Durchschnittsgeschwindigkeit ermitteln zu können, aber das ist mir inzwischen auch recht egal. Bei den Olympischen Spielen werde ich keine Medaille mehr gewinnen.
Gruß
Wolfgang
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Katma1722560 Beiträge · seit 202113. Mai 2021 · Hi Wolfgang!
War 1994 das bisher einzige Mal in Alaska, und seither ein paarmal in Kanada - fahre sehr gerne mit, solange ich nicht selber strampeln muss - bin eher so der Fußgänger...
Geschichtsunterricht schadet nie - im Nachhinein habe ich das Gefühl, außer im Fach Kunst war ich immer gerade Kreide holen 😉
Bin also schon gespannt!
Viele Grüße,
Kathrin
Sabine261'394 Beiträge · seit 200913. Mai 2021 · Hallo Wolfgang,
klasse und ich danke Dir, dass Du meinem Wunsch nachkommst ... und ich weiß jetzt, dass ich im Geografie Unterricht nicht zum Kreide holen geschickt wurde, mal sehen, wie mein Geschichtsunterricht verlaufen ist.
Auch wenn wir beide eine absolut gegensätzliche Art des Reisens haben, genieße ich Deine Berichte sehr, besonders auch den Humor, mit dem Du diese schreibst.
Wir waren nur kurze Zeit nach Dir in Alaska und in Kanadas Yukon unterwegs, leider habe ich unsere Dias schon seit ewigen Zeiten nicht mehr angeschaut, dafür bin ich jetzt umso gespannter auf Deine Bilder.
Dass Alaska immer kalt sein soll, diese Annahme ist mir schon oft begegnet, wir waren im Juni dort und hatten in Anchorage (natürlich gibt es deutlich kältere Orte in Alaska) mehr als 25 Grad Celsius.
Möglicherweise hatten wir beide das gleiche Squirrel ... eines hat sich dermaßen am Hosenbein meines Mannes (wir haben es nicht gefüttert!) festgekrallt, dass wir gemeinsam größte Mühe hatten, dieses anhängliche Kerlchen loszuwerden.
Ich freue mich schon sehr und bin darauf gespannt, ob Du Eisbären gesehen hast (vielleicht ganz im Norden?),... wir haben leider keine gesehen, waren allerdings auch nicht bis ganz im Norden.
Danke noch einmal, dass Du jetzt diesen Bericht schreibst.
Viele Grüße
Sabine
BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200613. Mai 2021 · Sabine26 schrieb:
... und ich weiß jetzt, dass ich im Geografie Unterricht nicht zum Kreide holen geschickt wurde, mal sehen, wie mein Geschichtsunterricht verlaufen ist.
… selbst mit einer 1+ in Geschichte wirst Du noch ein paar spannende Dinge erfahren, die Du nicht wusstest. Da bin ich mir ziemlich sicher.
Dass Alaska immer kalt sein soll, diese Annahme ist mir schon oft begegnet, wir waren im Juni dort und hatten in Anchorage (natürlich gibt es deutlich kältere Orte in Alaska) mehr als 25 Grad Celsius.
Ich hatte ab Fairbanks eine Hitzeperiode von 30 Grad und lag zeitweise nur in Unterhose im Zelt auf der Isomatte. Schlafsack war oft unnötig und ich hatte in Alaska gleich am ersten Tag einen ordentlichen Sonnenbrand "eingefahren".
Als ich nach der Reise brutzelbraun zurück ins Büro kam, wurde ich gefragt, ob ich in Afrika gewesen wäre. Als ich sagte, ich war in Alaska, dachte man, ich würde sie veräppeln.
In Circle in der Nähe des Polarkreises befindet sich eine offizielle Messstation. Der Rekord an dieser Stelle liegt bei 37 Grad plus und 63 Grad minus (jeweils Celsius). Die 100 Grad Differenz sind meines Wissens der zweithöchste Wert offizieller Wetterstationen weltweit.
Möglicherweise hatten wir beide das gleiche Squirrel ... eines hat sich dermaßen am Hosenbein meines Mannes (wir haben es nicht gefüttert!) festgekrallt, dass wir gemeinsam größte Mühe hatten, dieses anhängliche Kerlchen loszuwerden.
Die Tiere im Norden scheinen insgesamt anhänglich. Ich hatte auch einen Lemming (?) im Zelt und einen halb wilden Husky nur mühsam loswerden können. Ein Stinktier kam auch recht nahe und auch die erwähnten Waschbären.
Gruß
Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200614. Mai 2021 · Ich benötigte einen Gabelflug nach Zentralalaska und zurück aus Vancouver in Canada. Die ganze Aktion mit einem Fahrrad im Gepäck war damals derart umständlich, dass sich Hin- und Rückflug aus jeweils sechs Flügen zusammensetzen und jeweils etwa 24 Stunden dauerten. Ich flog also über Canada wieder nach Süden und kreuz und quer über die südlichen Staaten der USA nach Alaska und kam aus Richtung Südosten nach Alaska. Der Flug ging über die schneebedeckten Berge des weitgehend unberührten Wrangell St. Elias Nationalparks und die Chugach Mountains nach Anchorage und ließ erste Zweifel aufkommen, ob die Idee zur Reise zu meinen besseren Ideen gehören könnte.
Der Wrangell St. Elias Nationalpark ist der größte Nationalpark der USA (überhaupt liegen die fünf größten Nationalparks der USA alle in Alaska) und von den 13 höchsten Bergen der USA liegen alleine 9 in diesem Park.
In Anchorage stieg ich um und flog weitere 500 km nach Norden bis Fairbanks. Den gesamten Flug über sah ich zwischen Anchorage und Fairbanks kein einziges Haus, keine Straße, keine Brücke - nur Wald, Flüsse und schneebedeckte Berge. Irgendwie sah alles ungefähr so lebensfeindlich aus, wie ich es mir früher immer vorgestellt hatte. Nur die Eisbären fehlten.
Meine Zweifel wichen der sich immer mehr verstärkenden Gewissheit, dass mein Vorhaben scheitern würde. Was ich nicht wusste, war der Verlauf der Flugroute, die quasi direkt über der Straße verlief. So konnte ich weder die Straße noch die wenigen Siedlungen entlang dieser sehen.
Auf dem Flughafen machte ich mein Fahrrad reisefertig. Ein halbes Dutzend anderer Passagiere schauten zu und ein paar andere drückten sich in der Gegend rum und "lasen" ein paar Aushänge mit Infos, schauten aber ständig "heimlich" zu mir rüber.
Irgendwann sprach mich einer der Zuschauer an und meinte:
"Weißt du eigentlich, wo du bist? Du bis in A-l-a-s-k-a. Was hast du mit dem Fahrrad vor?".
- "Ich will den Alaska Highway fahren", antwortete ich.
"Mit dem Fahrrad? Du musst verrückt sein. Viel Glück", sagte er und verschwand.
Nach den vorangegangenen Eindrücken des Fluges brauchte ich solche "aufmunternden Worte" jetzt genauso dringend wie ein Loch im Kopf, aber jetzt war ich nun mal dort und musste zusehen, wie ich zurecht kam. In sechs Wochen würde mein Rückflug in Vancouver starten und irgendwie musste ich dort hinkommen.
Gruß
Wolfgang
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Old Women1'545 Beiträge · seit 201314. Mai 2021 · Hallo Wolfgang,
bei der Reise muss ich unbedingt dabei sein. Ganz schön ambitioniert. Wir hatten vor Jahren eine Alaskareise geplant, die Pläne dann aber aus verschiedenen Gründen verworfen/verwerfen müssen und sind auf der entgegengesetzt verlaufenen Route gereist. Unsere Patagonientour war zumindest von der Fortbewegung her der pure Luxus. Wir hatten einen Toyota Hillux 🤩. Wir haben viele Biker gesehen, die sich die Hügel der Pampa hinaufquälten, den erbarmungslosen Winden schutzlos ausgesetzt. In Alaska dürfte das Wetter ja auch sehr rau sein.
Ich habe mal im Kino eine Fotoreportage über eine Radreise durch Alaska mit Reinhard Pantke gesehen. Das war sehr faszinierend. Bestimmt kennst du diese Reportage. Er ist viel durch Regen gefahren, soviel kann ich mich erinnern. Hoffentlich war es ja bei dir besser.
Ich bin bestimmt zu blond, aber ich kann den Monat deiner Reise nicht erkennen. Vielleicht kannst du das gegebenenfalls noch ergänzen.
Herzliche Grüße
Beate
BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200614. Mai 2021 · Hallo Beate,
Old Women schrieb:
bei der Reise muss ich unbedingt dabei sein. Ganz schön ambitioniert.
Das ist eine Frage des Standpunktes und der Einstellung. Die zweite Tour zum Polarmeer war unter den damaligen Verhältnissen (keine Infos im Internet) schon sehr spannend. Als ich von dort zurück kam, dachte ich aber immer noch, dass Afrika mit dem Rad eher etwas für Leute ist, die des Lebens überdrüssig sind. 😉
Wir haben viele Biker gesehen, die sich die Hügel der Pampa hinaufquälten, den erbarmungslosen Winden schutzlos ausgesetzt. In Alaska dürfte das Wetter ja auch sehr rau sein.
Wenn man zur falschen Jahreszeit unterwegs ist oder eine schlechte Wetterlage erwischt kann es doof werden. Es kann auch von 30 Grad an einem Tag zu Schneefall über Nacht kommen. Da wacht man morgens auf und staunt.
Ich habe mal im Kino eine Fotoreportage über eine Radreise durch Alaska mit Reinhard Pantke gesehen. Das war sehr faszinierend. Bestimmt kennst du diese Reportage. Er ist viel durch Regen gefahren, soviel kann ich mich erinnern. Hoffentlich war es ja bei dir besser.
Die Reportage kenne ich tatsächlich nicht. Viele solcher Reportagen entstehen schon mit der Absicht, anschließend eine spannende Geschichte über eine Reise zu erzählen. Ich mag lieber die Bücher von Leuten, die einfach losgefahren sind und irgendwann später auf die Idee gekommen sind, davon zu berichten.
Ich selbst hatte in Island ständig Regenwetter. In Alaska/Canada waren es aus der Erinnerung 2-3 Tage in 12 Wochen. Viel schlimmer waren die Moskitos und das, je weiter man nach Norden kam. Auf beiden Reisen hatte ich Temperaturen, die im Durchschnitt höher waren als zur gleichen Zeit in Deutschland.
Ich bin bestimmt zu blond, aber ich kann den Monat deiner Reise nicht erkennen. Vielleicht kannst du das gegebenenfalls noch ergänzen.
Ich war sowohl 1995 als auch 1996 jeweils sechs Wochen im Juni/Juli unterwegs. Da ist es in der Nacht am hellsten und die Temperaturen am wärmsten. Trotzdem war ich auf der Etappe zum Polarmeer zeitweise auch mit Handschuhen unterwegs und mein Behälter mit einer Gallone (ca. vier Liter) Wasser ist über Nacht bis auf den letzten Tropfen gefroren. Ich war mit einem Sommerschlafsack unterwegs mit einer Extremtemperatur von +5 Grad. Das hätte nicht jedem gefallen. 😉
Aber in aller Regel war es auch nachts sehr warm.
Gruß
Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200615. Mai 2021 · Für 24 Stunden Flug und 12 Stunden Zeitverschiebung war ich erstaunlich munter, als ich um fünf Uhr morgens den Flughafen verließ und bereits von einem Empfangskomitee, bestehend aus einem Kampfgeschwader Moskitos, erwartet wurde. Auf dem Weg nach Fairbanks kam ich am Freizeitpark Alaskaland vorbei (dazu folgt ein gesonderter Beitrag und dann endlich auch mit Fotos) und hielt mich längere Zeit dort auf. Der Park war damals rund um die Uhr zugänglich (ich meine, das ist heute noch so) und so war ich frühmorgens geraume Zeit der einzige Besucher.
Anschließend fuhr ich in die Stadt, fand einen unglaublich gut bestückten Supermarkt und kaufte einige Lebensmittel und Dinge, die ich sonst noch benötigte. Wie ich dank meiner raschen Auffassungsgabe bereits erkannt hatte, würde ein Mückenmittel hilfreich sein und Reinbenzin für meinen Kocher brauchte ich auch (notfalls funktioniert er natürlich auch mit normalem Benzin, rußt dann aber halt wie ein Heizöl-Ferrari). Dummerweise beschloss ich, dass Sonnencreme nicht nötig sein würde, da ich ja praktisch die gesamt Zeit durch Wald radeln würde.
Weit gefehlt.
Zwar radelte ich praktisch die ganze Zeit durch Wald, aber die Bäume waren meist nur so 7-8 Meter hoch und beidseits der Straße war fast überall ein mehrere Meter breiter Streifen gerodet, damit Autofahrer die Möglichkeit hatten, Bären und Elche rechtzeitig zu sehen. Ich fuhr also nahezu die gesamte Zeit in der prallen Sonne.
Als ich zufällig an einer Tourist Information vorbeikam, ging ich hinein und fragte, ob mein Vorhaben realisierbar sei. Ich bekam zur Antwort, dass das alles kein Problem sei und das öfter mal jemand macht. Das beruhigte mich doch ungemein und wie sich später rausstellte, war es auch tatsächlich alles kein Problem.
Danach suchte ich nach einem Campingplatz und wurde bald fündig. Ich stellte mein Zelt auf und ging duschen. Als ich vom Duschen zurückkam, hatte sich ein Squirrel schon zielsicher durch eine der Packtaschen bis zum gerade gekauften Brot durchgefressen. Die teuren wasserdichten Taschen (für hinten, vorne und den Lenker hatte ich ziemlich genau 500 DM bezahlt) hatte ich erst im Vorjahr gekauft und jetzt hatte sich das wasserdicht bereits bei einer Tasche erledigt. Ich nahm das angefressene Brot und warf es in die Mülltonne, da ich nicht wusste, ob Squirrels irgendwelche unangenehmen Krankheiten übertragen. Ich wartete, bis das gierige Tier in die Tonne kletterte und legte den Deckel drauf. Am nächsten Morgen wollte ich es wieder freilassen und hob den Deckel runter. Es war kein Squirrel mehr in der Tonne. Entweder hatte das Squirrel gute Beziehungen zu David Copperfield oder ein anderer Camper hatte etwas weggeworfen und wurde kräftig von einem herausspringenden Squirrel erschreckt.
In der Zwischenzeit hatte es aber ganz ordentlich was gefressen. Wieso kann so ein kleines Tier fast so viel essen wie ich?
Gruß
Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200616. Mai 2021 · Was ich direkt am ersten Tag lernte, war die Tatsache, dass die kleinen Nager für meine Vorräte gefährlich werden könnten. Nahrungsmittel dürfen wegen der Bären nicht im Zelt aufbewahrt werden (dürfen darf man natürlich schon, aber machen tut man es nicht, wenn man noch über mehr als zwei kooperativ zusammenarbeitende Gehirnzellen verfügt), aber außerhalb werden Squirrels evtl. zum Problem. Manchmal erkennt man die wirklichen Probleme im Vorfeld nicht sofort.
Warum man Lebensmittel, aber auch andere stark riechende Dinge wie Seife, Deo oder Zahnpasta nicht im Zelt aufbewahren sollte, hängt mit der Denkweise der Bären zusammen. Sie finden die Lebensmittel oder andere stärker riechende Dinge interessant, haben immer Hunger und sind neugierig. Da könnte es schon passieren, dass nächtlings ein Bär vorbeikommt und einem die Argumente ausgehen.
Der Bär denkt, "was Dein ist, ist auch Mein, und was Mein ist, geht dich gar nichts an". Dagegen kommt man argumentativ nicht an. Zumindest nicht gegen einen Bären.
Bären haben einen noch besseren Geruchssinn als Hunde. Man sollte vorsichtshalber ein Zelt, welches Lebensmittel beinhaltete, nicht für Reisen in Bärengebieten verwenden.
Ich hatte vor meiner Reise drei Fachbücher über Bären gelesen, da ich gerne vorher wusste, worauf ich mich da einlasse. Zwar bin ich ansonsten meist sehr planlos unterwegs, aber um die in meinen Augen wichtigen Dinge kümmere ich mich schon sehr genau. Dazu gehören in Afrika z.B. diverse Krankheiten und in Alaska/Canada eben die Bären. Nach dem Lesen der Bücher hatte ich gehörigen Respekt vor Bären und ich denke, das sollte auch jeder haben, der dort unterwegs ist. Ist man im Winter unterwegs, sollte man sich evtl. auch intensiver mit Wölfen befassen.
Man sollte aber nicht unnötige Angst entwickeln. In meinem Reisejahr wurden in Alaska zwei Menschen von Bären getötet. In der gleichen Zeit wurden alleine in Frankfurt sechs Menschen von Hunden totgebissen.
Gruß
Wolfgang
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Old Women1'545 Beiträge · seit 201317. Mai 2021 · Hallo Wolfgang,
mutig, so mutterseelenallein durchs Bärengebiet zu radeln. Bären sind ja eigentlich sehr scheue Tiere, und daran habe ich immer gedacht, wenn wir im Yellowstone oder im Grand Teton gewandert sind. Wir haben uns immer Wandergruppen angeschlossen, also haben Gruppen gefragt, ob wir in ihrer Nähe mitwandern können. Wanderstöcke verursachen auch Lärm und so hören Bären schon, wenn Menschen sich nähern. Ich hatte immer ein mulmiges Gefühl, aber wandern in der Region ist einfach fantastisch. Man soll sich ja ganz groß machen, wenn es dann doch zu einer unverhofften direkten Begegnung mit einem Bären kommt, und in einer Gruppe macht das doch vielleicht mehr Eindruck. Bärenspray hatten wir immer dabei, ob ich allerdings bei direkter Begegnung in der Lage gewesen wäre, dieses zu benutzen, weiß ich nicht 😕 .
Herzliche Grüße
Beate
busko808 Beiträge · seit 201817. Mai 2021 · @Old Women:
Hallo Beate, ich denke ich habe dich durchschaut hinsichtlich "des Anschlusses an andere Wandergruppen"!
Frei nach dem Motto:
Wenn man in Alaska einen Bären begegnet, muss man nicht schneller laufen können als der Bär.....es reicht vollkommen wenn man schneller laufen kann als einer der Mitwanderer!
@BikeAfrika:
Hallo Wolfgang, danke für deinen "wortgewaltigen" Bericht!
Bist du ohne Kamera gereist.....?
Liebe Grüsse,
busko
Der Übergang vom Affen zum Menschen sind wir! - Konrad Lorenz
BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200617. Mai 2021 · busko schrieb:
@BikeAfrika:
Hallo Wolfgang, danke für deinen "wortgewaltigen" Bericht!
Bist du ohne Kamera gereist.....?
Fotos kommen ab dem nächsten Teil, wenn es um Alaskaland geht.
Gruß
Wolfgang
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BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200617. Mai 2021 · Old Women schrieb:
Bärenspray hatten wir immer dabei, ob ich allerdings bei direkter Begegnung in der Lage gewesen wäre, dieses zu benutzen, weiß ich nicht 😕 .
… Bärenspray hatte ich nach meiner ersten Begegnung mit einem Bären vorsichtshalber auch gekauft.
Ich hatte den Verkäufer in einem Ausrüstungsladen gefragt, ob das im Ernstfall auch hilft und er meinte, das wäre eines der Dinge, die man eigentlich gar nicht so genau wissen wolle. 😉
Ich habe das später mal zuhause ausprobiert und einen Sekundenbruchteil aus dem geöffneten Badfenster gesprüht. Das Zeug kommt mit dermaßen viel Druck aus der Dose, dass man die evtl. fallen lassen würde, wenn da nicht ein Ring für den Zeigefinger dran wäre.
Durch das geöffnete Fenster kam ein kleiner Teil des Zeugs wieder rein. Heftig …
Ich bin direkt raus aus dem Bad und aus der Wohnung, habe tief Luft geholt, bin wieder rein und habe alle Fenster und Türen geöffnet und bin wieder raus.
Wenn Du beim Benutzen von solchem Spray auch nur leichten Gegenwind hast, dann ist das nicht nur für den Bären unangenehm. Gut, dass man so etwas normalerweise nicht braucht. Ich hatte einige Begegnungen mit Bären. Entweder ignorierten sie mich völlig oder traten den Rückzug an. Und wenn man das Spray mal wirklich brauchen sollte, weil man einen Bären aus der Nähe überrascht, dann hat man das Spray vermutlich nicht schnell genug griffbereit.
Gruß
Wolfgang
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Old Women1'545 Beiträge · seit 201317. Mai 2021 · Einen guten Morgen in die Runde,
@busko: wegrennen ist sicherlich keine gute Idee 😐 , auch wenn man nichts anderes möchte in dem Moment. Wir als Greenhorns dachten: Gruppen machen Lärm, da wird der Bär uns schon von weitem hören und kann uns aus dem Weg gehen. Bären mögen keine Menschen, sind scheue Tiere, nur wenn sie sich bedrängt fühlen......dann greifen sie an.
In Afrika habe ich auch immer Wanderstöcke dabei. Durch die Geräusche, die diese verursachen, hoffe ich, dass die eine oder andere Schlange flieht 😕 😎 .
Herzliche Grüße
Beate
BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200617. Mai 2021 · Old Women schrieb:
Bären mögen keine Menschen, sind scheue Tiere, nur wenn sie sich bedrängt fühlen......dann greifen sie an.
… grundsätzlich ist das erst einmal so (mit Ausnahme der Eisbären).
Bären sind aber auch sehr intelligent und vor allem Schwarzbären haben gelernt, dass es in der Nähe von Menschen oft etwas Essbares gibt. Dann geht die Scheu nach und nach verloren und die Gefahr steigt entsprechend,
Im Katmai-Nationalpark sind auch Braunbären zunehmend an Menschen gewöhnt. Die kommen dort zur Zeit der Lachswanderung zum Fischfang an die Stromschnellen. Menschen kommen dorthin, um die Bären zu fotografieren oder um zu angeln.
In Afrika habe ich auch immer Wanderstöcke dabei. Durch die Geräusche, die diese verursachen, hoffe ich, dass die eine oder andere Schlange flieht 😕 😎 .
Die Schlangen fliehen vor allem, weil sie die Vibration Deiner Schritte über den Boden spüren.
Gruß
Wolfgang
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Sabine261'394 Beiträge · seit 200917. Mai 2021 · Hallo Beate und Wolfgang,
vor Bären habe ich allergrößten Respekt und ich bewundere Deinen Mut im Bärenland in einem Zelt zu schlafen, würde ich das in Afrika machen (was die Tiere angeht), in Alaska würde ich mich das nicht trauen, auch wenn mir Deine eingangs erklärten Verhaltensregeln bekannt sind.
Wir hatten damals im Katmai Bärenglöckchen dabei und ich habe mächtig Krach gemacht als wir über die Pfade mit Gras und Busch an der Seite so hoch wie ich zu den Brooks Wasserfällen gelaufen sind, dort waren ja überall viele Grizzly-Bären inkl. Müttern mit Kleinen. Es war eines meiner bisherigen Reisehighlights!
Bevor wir uns dort überhaupt bewegen durften, mussten wir an einer Schulung teilnehmen. Zurück haben wir es dann ähnlich wie Beate gemacht und uns einem bewaffneten Ranger angeschlossen.
Bis dahin gab es auch noch keine gravierenden Zwischenfälle, was sich aber wohl geändert hat.
Hätte ich nicht so einen Schiss mit Schlafen im Zelt im Bärenland, hätte ich mir möglicherweise schon meinen Traum von einer Reise nach Kamtschatka erfüllt.
Viele Grüße
Sabine
BikeAfricaThemenstarter7'312 Beiträge · seit 200617. Mai 2021 · Sabine26 schrieb:
Bis dahin gab es auch noch keine gravierenden Zwischenfälle, was sich aber wohl geändert hat.
z.B.
https://de.wikipedia.org/wiki/Timothy_Treadwellhttps://de.wikipedia.org/wiki/Grizzly_Man Gruß
Wolfgang
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Sabine261'394 Beiträge · seit 200917. Mai 2021 · Ja, genau dieses Paar hatte ich u. a. im Hinterkopf, wusste aber den Namen nicht mehr.
Freue mich schon auf die Fortsetzung des Berichts.
Viele Grüße
Sabine