Ovaherero und Nama verklagen D erneut in den USA

34 Antworten · 6’425 Aufrufe · gestartet 06. Jan. 2017 von Guido.
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284 Beiträge · seit 201427. Feb. 2017 ·
pzinken schrieb:
_Matthias_ schrieb:...Es war auch absolut mit den damaligen Gesetzen vereinbar. Von daher müssen die Vorgänge aus damaliger Sicht beurteilt werden...
Das gilt auch für die NS-Zeit und jede andere Diktatur, insofern problematisch.
Mit dem Unterschied, dass damals die Gesetze in sehr ähnlicher Form in allen Staaten existierten. Aufstände würden auch in den Ländern selbst blutig niedergeschlagen, nicht nur in den Kolonien. Und die Kolonie waren damals auch ein anerkanntes und weit verbreitetes Konzept und keinesfalls eine deutsche Spezialität.

Mir geht es nicht um eine Rechtfertigung oder ein herunterspielen der damaligen Ereignisse, ich finde es auch gut, dass Deutschland über Projekte und Hilfe Namibia unterstützt, aber ich sehe keinen Grund Generationen zurück die Geschichte nochmal neu aufzurollen. Wenn noch selbst betroffen leben würden, hätte ich auch kein Problem denen eine Entschädigung zukommen zu lassen, aber den Enkeln und Urenkeln, oder noch mehr Ur- da sehe ich das nicht mehr. Ich kann ja auch nicht kommen und eine Familie auf Schadensersatz verklagen, nur weil einer der Vorfahren mal meinem Urgroßvater den Arm gebrochen hat.
Den rechten Idioten, die Deutschland immer in der Opferrolle sehen und solche Vorkommnisse auch aus heutiger Sicht noch gut heißen und die sich auch gerne als Alternative sehen, denen kann man eh nicht helfen. Leider gibt es in allen Ländern einen gewissen Bodensatz solchen Packs. Ganz verhindern wird man den nie können, aber versuchen sollte man es.
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zuletzt bearbeitet 27. Feb. 2017
1’166 Beiträge · seit 200827. Feb. 2017 ·
OFF TOPIC:
Dass Deutschland für den ersten Weltkrieg allein verantwortlich sei, ist mir neu und nicht richtig. Die Kriegsschuldfrage ist immer noch umstritten.

Grüße
Axel
Solo die zweite 04/19 - Namibia-Teil Kalahari/Nordwest Nam (April/Mai 2018) - Botswana / Kalahari/Nordwest Nam (April/Mai 2018) - Namibia Rastlos durchs Kaokoveld und Damaraland ... (2017) Stippvisite im Damaraland und Kaokoveld (2016)
94 Beiträge · seit 201628. Feb. 2017 ·
Aber toll, dass du diese Weisheit trotzdem mit uns teilst, auch wenn sie nichts zur Sache tut 🤢
Trophäenloser Weltenbummler
ThemenstarterGast08. März 2017 ·
Hallo,

was man in Namibia kann, das kann man in Tansania auch: Auch da will man wohl demnächst Entschädigungsforderungen für die Kolonialzeit an Deutschland stellen. Weitere Ex-Kolonien könnten folgen.
http://www.dw.com/de/reparationen-f%C3%BCr-tansania/a-37486280

In dem Artikel bei der Deutschen Welle wird darauf verwiesen, dass Großbritannien Kenia bereits für Verbrechen in der Kolonialzeit entschädigt hat. So wie es da steht, könnte man denken, dass Deutschland dann wohl auch zahlen muss. Das lässt sich daraus aber nicht ableiten - eher das Gegenteil. Großbritannien war bis 1963 Kolonialmacht in Kenia. Es wurden 2013 insgesamt 5.228 ältere Kenianer entschädigt, die persönlich von Folter, Vergewaltigung, Kastration und weiteren Menschenrechtsverletzungen betroffen waren. Es wurden auch da nicht die Kinder, der Kinder, der Kinder von Betroffenen entschädigt, wie das die Nama und Herero in Namibia wünschen und wie es auch bei Forderungen aus Tansania der Fall wäre. UK hat auch nur rund 30 Mio. USD gezahlt, während den Nama und Herero wieder Milliardenbeträge vorschweben dürften.

Beste Grüße

Guido
33,2k Beiträge · seit 200617. März 2017 ·
Moin,

vielleicht springt die Regierung sich mit auf...
"Die Regierung Namibias erwägt, Deutschland wegen Völkermordes während der Kolonialzeit vor dem Internationalen Gerichtshof auf Reparationen in
Milliardenhöhe zu verklagen. Laut Namibian geht aus Dokumenten hervor, dass
Namibia mehr als 30 Milliarden US-Dollar fordern will - das wären mehr als
400 Milliarden Namibia Dollar. Anwälte aus England und Namibia seien dabei,
die Klage zu formulieren. Darin sei von Tötung, Sklavenarbeit, sexuellem
Missbrauch, Menschenhandel, Landnahme und Aberkennung des Rechtes zur
Selbstbestimmung die Rede. Die Opferverbände der Herero und Nama, die eine Klage in den USA anstrengen, habe man aufgerufen, sich mit der Regierung
zusammen zu tun. Generalstaatsanwalt Sacky Shanghala sagte laut Namibian, die Regierung setze noch immer auf den Dialog mit Deutschland. Allerdings wolle man sich nicht vorwerfen lassen, nicht alles
getan zu haben, was man habe tun können." (Hitradio Namibia, 17.3.2017)

Viele Grüße
Christian
Vom 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
2’462 Beiträge · seit 200617. März 2017 ·
Hallo Christian,

vielen Dank für die Infos. Könntest Du vielleicht auch noch die Originalquelle verlinken?

Viele Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
ThemenstarterGast17. März 2017 ·
Hallo,

hier der ganze Artikel:
http://www.namibian.com.na/52418/read/Government-makes-U-turn-on-genocide

Spaßige Summe. Je nach Quelle gibt es heute noch 80.000 bis 250.000 Herero in Namibia. Bei 30 Milliarden USD Entschädigung bekäme also jeder Einzelne umgerechnet rechnerisch 100.000 bis 300.000 EUR Entschädigung - für etwas, was Menschen 3-4 Generationen zuvor betroffen hat. Als wenn die Herero ohne die Auswirkungen der deutschen Kolonialzeit auch nur ansatzweise so viel Vermögen angehäuft hätten und deswegen so hoch entschädigt werden müssen. Zum Vergleich: das Durchnitts(netto)vermögen eines Deutschen liegt bei 83.000 EUR (und das schließt die massive Verzerrung nach oben durch wenige ultrareiche Milliardäre ein; Stand 2014).

Wie schon mehrfach geschrieben, sehe ich die konkrete Gefahr woanders. Einige Hereroführer pflegen eine sehr aggressive Rhetorik gegen Deutschland und Deutsche. Man werde die Deutschen besiegen. Man sei bereit, sich das einem zustehende Land einfach zu nehmen. Usw. Dieses Aufstacheln hat üblicherweise irgendwann Folgen. Sollte sich das in mehrfachen Übergriffen gegen deutsche Touristen oder deutschstämmige Farmer entladen, wird das den Tourismus stark schädigen. Halt genau das was Namibia in seiner aktuellen Wirtschafts- und Liquiditätskrise braucht....

Beste Grüße

Guido
352 Beiträge · seit 201617. März 2017 ·
Dann sollte Deutschland auch gleich mal die Hilfen und Zahlungen an Namibia einstellen.
Außerdem könnten die San eigentlich auch gleich mal die Hereros wegen der gleichen Delikte verklagen.....
ThemenstarterGast17. März 2017 ·
Hallo,
A-Wolf schrieb:Ich dachte Namibia will den Internationalen Gerichtshof nicht mehr anerkennen.
Beim Austritt geht es um den Internationalen Strafgerichtshof. Der sitzt wie der internationale Gerichtshof auch in Den Haag und das wird auch in den Medien manchmal vermixt. Sind aber 2 verschiedene Gerichte.

Ansonsten bleibt abzuwarten, welche Strategie die namibische Regierung da wirklich verfolgt. Es wurde spekuliert, dass die namibische Regierung so ihre Finanzprobleme lösen will, aber das dürfte Unsinn sein. 30 Mrd. USD entsprechen zwar dem dreifachen Bruttoinlandsprodukt von Namibia und wären somit extrem lukrativ. Aber wenn überhaupt würde erst in Jahren Geld fließen.

Vielleicht glaubt man irrtümlich, dass eine Klage ein geeignetes Druckmittel in den aktuellen Genozid-Verhandlungen mit Deutschland ist? Vielleicht ist es auch eine innenpolitische Finte, um die Hereros und deren eigene Klagen auszumanövrieren?

Namibia hat in den letzten Jahren viel Fördergeld aus den USA bekommen. Das dürfte unter Trump ("America first") ziemlich sicher entfallen. Wenn aufgrund so einer Klage auch noch Deutschland/EU die Förderung zurückfahren würde, dann dürfte das Namibia schon etwas weh tun. Aber wir werden sehen.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 17. März 2017
ThemenstarterGast20. März 2017 ·
Hallo,

Namibia hat schon mal 36 Mio. NAD für Rechtsanwälte ausgeben - unter anderem für eine namibische Anwältin, die mittlerweile in London lebt und bei der nicht erkennbar ist, warum sie für derartig große Fälle rund um Völkerrecht in irgendeiner Weise qualifiziert wäre.
http://www.namibian.com.na/52482/read/AG-defends-N$36m-genocide-legal-bill

Der namibische Generalstaatsanwalt erklärt die hohen Kosten damit, dass man eine Rechnung in britischen Pfund bekommt und das das wegen dem Wechselkurs dann so viel ist. Wie dumm, dass das Gegenteil wahr ist. Dank Brexit hat das britische Pfund massiv verloren und Rechnungen in GBP innerhalb eines Jahres um 27% verbilligt.

Beste Grüße

Guido
ThemenstarterGast20. März 2017 ·
Hallo,
shanti schrieb:scheint auch alles ein fehlmeldung zu sein:
http://www.dngev.de/index.php?option=com_content&view=article&id=672&Itemid=999
Kann sein, dass der Namibian das etwas aufgebauscht hat. Ich glaube nicht, das es eine Falschmeldung ist. Im Vergleich zur AZ und Namibian Sun ist der Namibian seriöser und betreibt auch so etwas wie investigativen Journalismus. Wenn parallel AFP als zweite Quelle sagt, dass sie auch Dokumente gesehen haben, mit denen Namibia eine Klage gegen Deutschland vorbereitet, dann ist das zwar nicht definitiv bewiesen, aber es steigt die Wahrheitswahrscheinlichkeit.

Die deutsche Seite hat vor Beginn der Verhandlungen als auch während der Verhandlungen jederzeit klar gemacht, das nicht über "Reparationen" verhandelt wird. Wenn es seitens Namibia ebenfalls "nur" um eine offizielle Entschuldigung und möglicht umfangreiche Goodwill-Projekte ohne Rechtspflicht seitens Deutschland ginge, dann gäbe es per se keinen Grund, für zig Millionen rechtlichen Rat einzuholen.

Der namibische Vizepresident sagt «the Government of the Republic of Namibia has no reason at this stage to take recourse to any court.» Das ist eben kein klares Dementi. Das heißt nur, dass man nicht akut klagen wird. Das schließt überhaupt nicht aus, das man das parallel vorbereitet.

Es wird im Übrigen bemerkenswerterweise auch nicht dementiert, dass man 30 Mrd. USD fordert. Es dürfte aber ausgeschlossen sein, dass Deutschland auch nur ansatzweise etwas in dieser Größenordnung anbietet. Das ist jetzt pure Spekulation, aber ich vermute, für die treibenden namibischen Politiker ist es etwas ärgerlich, dass das an die Presse durchgesickert ist. Wenn man später klagen will, wäre es gut Deutschland die Rolle des Buhmanns zuschieben zu können. Dann kann man mehr moralischen Druck aufbauen: "Wir wollten ja fair verhandeln, aber Deutschland hat uns nicht ernst genommen und beleidigt, in dem es nur ein paar Brotkrumen angeboten hat. Nun sind wir leider, leider gezwungen zu klagen." Wenn dagegen die deutsche Seite sagen kann: "Wir wollen ja fair verhandeln, aber Namibia hat offenbar gar kein ehrliches Interesse daran und will sowie so klagen." dann ist Namibia der Buhmann.

Wir werden sehen.

Beste Grüße

Guido
ThemenstarterGast14. Sept. 2017 ·
Hallo,

bei den Genozid-Verhandlungen fordert die Namibische Regierung 400 Milliarden N$ Entschädigung von Deutschland (was ungefähr den schon bekannten 30 Milliarden EUR entspricht). Der feiste Herero-Führer Rukoro, gegen den in Namibia gerade Korruptionsuntersuchungen laufen, hätte dann gern noch das Doppelte also weitere 800 Milliarden N$ von Deutschland.

Reparations demands could top N$1,2 trillion

Am 13. Oktober geht es in den USA mit dem von denn Hereros gegen Deutschland angestrengten Verfahren weiter.

Beste Grüße

Guido
33,2k Beiträge · seit 200610. Nov. 2017 ·
Hi zusammen,

erstmals scheint es konkretere Infos zum den bilateralen Völkermordverhandlungen zwischen D und NAM zu geben (sorry, hat nichts mit der Hereroklage in den USA zu tun, aber ich habe auf die Schnelle keinen anderen Threa dzum Thema gefunden).

Viele Grüße aus Windhoek

"Deutschland will direkt mit Vertretern betroffener Gemeinden des Nama- und Hererokrieges verhandeln. Das sagte der ehemalige Kabinetsminister Kazenambo Kazenambo gegenüber der Namibian Sun. Laut Kazenambo habe Deutschland der namibischen Regierung drei Forderungen gestellt. So soll nicht von "Völkermord" sondern von "Kriegsverbrechen" gesprochen werden, das Wort "Wiedergutmachung" soll mit "Sonderfonds" ersetzt werden und drittens sollen betroffene Gemeinden direkt in die Gespräche einbezogen werden, so Kazenambo. Der namibische Sondergesandte bei den Verhandlungen Zed Ngavirue, wollte die angeblichen Forderungen der deutschen Regierung weder bestätigen noch dementieren." (Quelle: Hitradio Namibia, 10.11.2017)
Vom 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!