Living Museum

12 Antworten · 3'141 Aufrufe · gestartet 09. Juni 2016 von DMountain
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Themenstarter23 Beiträge · seit 201609. Juni 2016 · #1
Hallo zusammen,
im Zuge der Planung unserer ersten Namibia-Reise überlegen wir, ob wir einen Ausflug zu einem
Living Museum einbauen können. Ich bin zwar ein wenig zwiegespalten,
weil es ja immer so einen komischen Beigeschmack hat, wenn die Touris mit ihren Kameras irgendwo durchstampfen.
Aber von dem, was ich gelesen habe, scheinen mir die Living Museums eine ganz gute Initiative zu sein.
Oder wie seht Ihr das?

Von der Routenplanung würde so eine Ausflug für uns gut, entweder auf dem Weg von Swakopmund zur Vingerklip Lodge passen.
Da könnte man vielleicht das Living Museum der San auf der Farm Omandumba (http://www.omandumba.de/san) besuchen. Kennt Ihr das? Wie sind Eure Erfahrungen? Wie lang sollte man vor Ort einplanen? Ist das von der Strecke machbar?

ODER

Da wir zwei Nächte auf der Vingerklip Lodge sind, von da einen Tagesausflug zum Living Museum Damara machen
(auf der Seite der Living Culture Foundation http://www.lcfn.info/de) .
Kennt Ihr das? Wie sind Eure Erfahrungen? Wie lang sollte man vor Ort einplanen?
Ist das von der Strecke machbar?

Noch eine abschließende Frage: Gibt es verschiedene Institutionen/Initiativen, die solche Museen "betreiben"?
Das San Museum auf der Omandumba Farm findet sich z.B. nicht auf der Seite der Living Culture Foundation wieder.
Sind da alle Museen gleich seriös, so dass die Einheimischen wirklich voll davon profitieren?

Ich freue mich auf Eure Antworten - vielen Dank
Schöne Grüße
DMountain
1'543 Beiträge · seit 201309. Juni 2016 · #2
Hallo DMountain,
wir waren in Twyfelfontein im "Living Museum". Geschuldet dem Umstand, dass wir dort alleine vor Ort waren, war es sehr nett. Busparkplätze gab es jedoch dort auch, und von daher kann es auch mal voll werden. Wie es in Omandumba ist, kann ich nicht sagen. Dass du unsicher bist, ob du so etwas anschauen möchtest, kann ich gut verstehen. Sehr wohl habe ich mich nicht gefühlt. Man konnte sich gut verständigen, und die "Darbieter" haben uns auch von ihrem normalen Leben in der nahegelegenen Ortschaft erzählt. Das hat dann gar nichts mehr mit dem Erlebnis "Living Museum" zu tun. Ich habe es eher wie ein kleines "Theaterstück" empfunden, auch die Tanzdarbietungen und die Einführung ins "Feuer machen". Es muss jeder für sich entscheiden. Wir haben noch ein bisschen selbst gefertigten Schmuck gekauft, und so hat sich die "Vorstellung " auch für die Darsteller finanziell gelohnt. Wie gesagt, es spiegelt nicht das aktuelle Leben der Damara wider, sondern führt den Besucher in eine vergangene Zeit. Wenn ihr mit Kindern reist ist es mit Sicherheit lohnenswert, denn die dürfen auch mit Pfeil und Bogen schießen und das "Anschleichen" üben. Fotografiert haben wir im Übrigen dort nicht, denn das wäre uns zu voyouristisch vorgekommen. Gegenüber halbbekleideten Frauen, von denen viele auch noch schwanger waren, war bei uns die Hemmschwelle doch sehr groß, obwohl ich den Eindruck hatte, dass es denen nichts ausgemacht hätte. Unsere Führerin war 17 und erzählte uns stolz, dass sie gerade das 3. (!) Kind erwarten würde. Sowieso waren die Gespräche am Rande informativer als die ganze "Vorstellung".
Fazit (rein subjektiv!): bereut haben wir den Besuch nicht, würden es jedoch an anderer Stelle nicht noch einmal machen. Beim Besuch der Ombili Foundation in der Nähe von Tsuneb haben wir mehr vom Leben eines namibischen Volkes, in diesem Falle der San, erfahren.
P.S. Die "Vingerklip Lodge" ist eine tolle Wahl. Bei uns hatte sie leider nicht mehr reingepasst. Auf dem Weg zum Etosha haben wir dort zumindest eine Kaffeepause eingelegt.
Viel Spaß beim Weiterplanen
Herzliche Grüße
Beate
Reiseberichte: Patagonien 2020: Zwischen Anden, Pampa und Eis: https://namibia-forum.ch/forum/weiterelaender/299353-patagonien-2020-zwischen-anden-pampa-und-eis.html Das schönste Ende der Welt-Südafrika März 2017 https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/292402-das-schoenste-ende-der-welt-suedafrika-maerz-2017.html Südafrika 2018-Ohne Braai gibt es keine Katzen https://namibia-forum.ch/forum/30-reiseberichte/296432-suedafrika-2018-ohne-braai-gibt-es-keine-katzen.html
2'060 Beiträge · seit 201309. Juni 2016 · #3
Hallo DMountain,
wir haben beide von dir erwähnten Living Museums gesehen. Natürlich weiß man, dass diese Menschen heute nicht mehr so leben, dass sie ein Schauspiel vorführen, aber das ist in Deutschland bei den Mittelalterfesten ebenso. Man zahlt Eintritt und bekommt eine Show geboten.

Bei den Damara waren wir zusammen mit einer kleinen - uns fremden - Gruppe. Faszinierend war das Spiel mit Steinen in Kuhlen im Boden (ich weiß leider nicht mehr, wie es heißt). Ein Damara spielte zuerst mit dem Guide der Gruppe, dabei erklärte er die Regeln. Dann kam ein zweiter Damara, die beiden Männer spielten mit unglaublicher Geschwindigkeit und steigerten sich in einen Rausch hinein mit Gestik und Gespräch untereinander, der meiner Meinung nach nicht gespielt war, sie schienen uns gar nicht mehr wahrzunehmen und sie wollten gar nicht mehr aufhören, wurden dann von den Frauen unterbrochen, damit die Führung weitergehen konnte.

Bei den San von Omandumba waren wir seinerzeit ganz allein, uns wurde gesagt, eine Sippe sei immer eine Zeitlang hier, dann würde sie heimgefahren und eine andere nähme ihren Platz ein. Mir kam es bei den San authentischer vor, was sie machten, sah nicht so sehr nach Vorführung aus, aber vielleicht hängt das von den jeweiligen Personen ab, die anwesend sind. Außerdem kann man mit den San noch einen Bushwalk unternehmen, bei denen Pflanzen und Tiere erklärt werden, das Spurenlesen und Jagen wird gezeigt, ...

Besonders fiel mir der Unterschied beim Feuermachen auf, die Damara taten etwas, das sie eigentlich nicht mehr recht beherrschten, es funktionierte lange nicht, was mir an der mangelnden Technik zu liegen schien. Bei den San dagegen saß jeder Handgriff. Und einen gravierenden Unterschied empfand ich auch beim Tanzen. Die Damara zeigten einen längeren Tanz ohne Namen, alle bewegten sich ohne erkennbare Dramaturgie, schlenkerten Arme und Körper sinnlos herum, es erinnerte mich an die Tänze in Hula-Röckchen, die in der Südsee bei der Ankunft von Kreuzfahrtschiffen aufgeführt werden. Bei den San zeigte man drei Tänze mit Namen, die völlig unterschiedlich verliefen, und deren Sinn man nachvollziehen konnte.

In beiden Living Museums gab es handgearbeitete Waren zu kaufen. Die der San hatten Holzplättchen mit Namen dran, so dass offensichtlich das Geld dem/der jeweiligen Hersteller/in zugute kam. Die Damara trugen die Verkäufe in ein großes Buch ein, also vermutlich auch zur Abrechnung. Die Sachen in den beiden LMs gefielen mir besser als das auf den Holzmärkten angebotene Sortiment.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
16,9k Beiträge · seit 201209. Juni 2016 · #4
Heute schon die Suchfunktion genutzt? 🤪
zuletzt bearbeitet 09. Aug. 2026
218 Beiträge · seit 201309. Juni 2016 · #5
Die Living Museums sind genau das. Museen. Leute zeigen, wie sie früher gelebt haben und wie sie (ein klein wenig) noch immer leben. Das ist wie Heimatabend. Ich finde es informativ und gut, dass es so was gibt. Zumal die Einnahmen nicht in eine fremde Tasche fließen.

Gerade hier verstehe gar nicht, dass man sich als Eindringling vorkommt. Mir werden dort Dinge gezeigt. Warum sollte ich mich als Eindringling fühlen? (Ich verstehe das generelle Gefühl des Eindringlings schon, ich hoffe, ihr versteht den Unterschied).

Und deshalb habe ich auch überhaupt kein Problem damit dort zu fotografieren. Oder wenn jemand aus meiner Gruppe dort hemmungslos fotografiert. Also ich finde das HIER vollkommen in Ordnung.
663 Beiträge · seit 201509. Juni 2016 · #6
WernerW schrieb:Und deshalb habe ich auch überhaupt kein Problem damit dort zu fotografieren. Oder wenn jemand aus meiner Gruppe dort hemmungslos fotografiert. Also ich finde das HIER vollkommen in Ordnung.
Interessant finde ich Leute, die dort dann Hemmungen haben, mitten in der Stadt dann aber hoffnungslos auf Leute drauf halten die absolut nicht damit rechnen.

Wir selbst waren im Damara Living Museum und fanden es sehr interessant. Auch von der Art und Weise wie man herumgeführt wurde und alles erklärt bekam sehr angenehm und informativ gemacht. Das Feuer machen ging bei uns übrigens in 3 Sekunden, da muss wohl jemand anderes Dienst gehabt haben als zu dem Zeitpunkt als Berg-Eule dort war.
2'060 Beiträge · seit 201309. Juni 2016 · #7
Namibia-Neuling schrieb: Das Feuer machen ging bei uns übrigens in 3 Sekunden, da muss wohl jemand anderes Dienst gehabt haben als zu dem Zeitpunkt als Berg-Eule dort war.
Bei uns haben sich drei Männer damit abgemüht! 😄

Aber abgesehen davon fand ich es auch interessant. Nur schienen mir eben die San noch "näher an der alten Lebensweise" zu sein.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
zuletzt bearbeitet 09. Juni 2016
52 Beiträge · seit 201609. Juni 2016 · #8
Ich hab' zwar den Thread nicht eröffnet, bedanke mich aber trotzdem für die Antworten, da ich mir die genau gleiche Fragen gestellt habe wie DMountain.

🙂
Themenstarter23 Beiträge · seit 201609. Juni 2016 · #9
Vielen Dank Euch allen für Eure Antworten.
Das hat mich bestärkt ein Living Museum in die Route einzubauen.
Es würde mich nur noch interessieren wie viel Zeit man für den Besuch einplanen
sollte.
Vielleicht könntet Ihr dazu auch noch mal helfen? Danke!,
1'543 Beiträge · seit 201310. Juni 2016 · #10
Hallo DMountain,
die Führung hat bei uns ca. 45 Minuten gedauert, danach ging es ins "Dorf", wo typische Spiele, Tänze und das Feuer machen dargeboten wurden. Letzteres dauerte auch wohl noch 30 Minuten. Wenn ihr dann noch ein wenig rumlauft, vielleicht noch kunsthandwerkliche Kleinigkeiten erstehen wollt, dann plant mal ruhig 2 Stunden ein. Dann ist es ein gemütlicher Vor- oder Nachmittag.
LG
Beate
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2'060 Beiträge · seit 201310. Juni 2016 · #11
Wenn du bei den San zusätzlich den Bushwalk machen willst, musst du die doppelte Zeit einplanen.
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16,9k Beiträge · seit 201210. Juni 2016 · #12
Heute schon die Suchfunktion genutzt? 🤪
zuletzt bearbeitet 09. Aug. 2026
218 Beiträge · seit 201310. Juni 2016 · #13
Namibia-Neuling schrieb:
WernerW schrieb:Und deshalb habe ich auch überhaupt kein Problem damit dort zu fotografieren. Oder wenn jemand aus meiner Gruppe dort hemmungslos fotografiert. Also ich finde das HIER vollkommen in Ordnung.
Interessant finde ich Leute, die dort dann Hemmungen haben, mitten in der Stadt dann aber hoffnungslos auf Leute drauf halten die absolut nicht damit rechnen.
Ja, genau an das habe ich auch gedacht beim Schreiben. Wollte aber nicht weiter aufblähen.

Und natürlich ist das absolut kein Seitenhieb auf die vorgehenden Poster.