Hi,
lilytrotter schrieb:
Oh, ihr meint, andere haben Schuld, an den 6 platten Reifen?
Es geht nicht um "Schuld".
Das ist leider immer das extrem Mühsame an derartigen Diskussionen. Es geht eher darum, den Ablauf festzustellen und daraus Erfahrungen für zukünftige Geschichten zu sammeln.
lilytrotter schrieb:Aber eben das können wir uns nicht vorstellen und auch nicht, wie man auf einer so kurzen Strecke überhaupt 6 Platten hinkriegt (war ja nicht grad'ne alte Klapperkiste), - es sei denn, man lässt die Ventile rausfliegen, weil man nicht weiß, wie es geht, - das, mit dem Luft-rauslassen...
Wie das geht, hab' ich dir beschrieben. Und nein, man muss nicht die Ventile rausfliegen lassen, um die Reifen für eine weitere Fahrt eher unbenützbar zu machen. Ich hatte nach meinem Erlebnis in einem Reifen auch nur mehr 0,4 Bar drin, das würde ich auch als "platt" bezeichnen.
lilytrotter schrieb:In Namibia regt man sich über die fehlende Dankbarkeit und die Dummheit dieser Leute auf. Mit Recht.
Denn es besteht in Namibia eine sehr selten vorzufindende Fürsorge für Touristen!!!
Nur dieses besondere Empfinden von „Sich-Umeinander-Kümmern-Wollen“ in Namibia (Verantwortung hat dort wie hier natürlich kein Agent/keine Lodge - und trotzdem tun sie es!) hat den Franzosen das Leben gerettet!!
Ach weißt du, vielleicht bin ich da weniger sensibilisiert als du, weil derartige Dinge in meiner Umgebung täglich mehrmals vorkommen. Laufend kann man in Österreich von Bergrettungseinsätzen hören, die Menschen suchen, die irgendwo in den Alpen verloren gegangen sind. Teilweise mit falscher oder schlechter Ausrüstung. Teilweise gegen die Warnungen von Hüttenwarten oder anderen Einheimischen, die's wissen müssten. Laufend gibt's im Winter Einsätze von Bergrettern, die Verschüttete aus Lawinen ausgraben, die sie selbst ausgelöst haben, weil sie in gesperrte Hänge eingefahren sind. Und die begeben sich bei der Rettung meistens dann tatsächlich auch selbst in Lebensgefahr.
Das ist *Standard* bei uns. Ist doch in Deutschland das selbe, oder? Sowohl bei der Bergrettung als auch beim Seenotrettungsdienst, oder? Da fragt kein Mensch danach, das *tut* man einfach. Und viele unterstützen bei uns die Bergrettung finanziell. So wie bei euch. Wenn sich bei uns jeder jedesmal über die Dummheit aufregen würde, kämen wir doch in unserem Leben zu gar nichts anderem mehr. Warum sollte das in Namibia anders sein? Kein Mensch wirbt damit, dass man in Österreich im Notfall gesucht wird. Wäre ja auch eher sinnbefreit...
Und Dankbarkeit? Ja, gibt's manchmal. Manchmal nicht.
Und manchmal gibt's Situationen, wo sich dumme Touristen am Berg im Gipfelbuch eintragen und dazuschreiben "und retour geht's mit dem Helikopter", um dann einen Rettungseinsatz wegen eines "gebrochenen Knöchels" zu initiieren. Zum Glück werden bei der Bergrettung dann derartige Einsätze aufgearbeitet, dadurch kam man auch zum Gipfelbuch und den Einträgen. Was den beiden Idioten dann eine ganz kräftige Rechnung über den Einsatz beschert hat. Und ja, *da* gab's bei uns auch Diskussionen.
Ja, es ist toll, dass auch hier eine großangelegte SAR Aktion gestartet wurde. Es ist toll, dass auch hier Menschen mitgedacht haben, dass Alarm geschlagen wurde, als die Touristen nicht am vereinbarten Nächtigungspunkt angekommen sind. Und es ist schön, dass die Geschichte dann so ausging. Aber für mich ist das eher "selbstverständlich", dass bei Bekanntwerden einer solchen Geschichte eine derartige Aktion gestartet wird, weil ich das eben so gewohnt bin. Und ja, selbstverständlich *auch* wenn die, die einen derartigen Einsatz notwendig machen, "selbst schuld" sind.
Was aber - nur um das gesagt zu haben, damit nicht wieder ein Argument kommt - NICHT heisst, dass man bei seinen Aktivitäten darauf vertrauen sollte und nach dem Motto: "na is eh wurscht, wenn's schief geht, suchen und retten sie mich eh". Jährlich dutzende Beispiele in den Alpen zeigen, dass es eben im Fall des Falles schief gehen kann und man einfach stirbt.
lg
Wolfgang