Wahlen in Namibia

25 Antworten · 3'588 Aufrufe · gestartet 15. Nov. 2014 von travelNAMIBIA
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Gast02. Dez. 2014 · #21
Hallo,
Christian-S. schrieb:In Swakopmund etwa gab es 27,258 registierte Waehler und 17 Wahllokale (darin sind zwei mobile Wahlstationen eingeschlossen). Im Mittel sind das dann 1603 Waehler pro Wahllokal, oder 115 Waehler pro Wahllokal und Stunde (bei einem Wahltag von 14h). Wenn man diese Zahl durch 60 teilt, kommt man darauf, dass ein Wahllokal fast zwei Waehler pro Minute abfertigen muesste, damit alle ihre Stimme abgeben koennen...
Diese Zahlen taugen so nicht zu Begründung. Beispiel Berlin: 2,5 Mio. Wahlberechtigte bei 1709 Wahllokalen und nur 10 Stunden Öffnungszeit ergeben rechnerisch 146 Wähler pro Stunde (vs. "nur" 115 in Swakopmund). In Deutschland also "schlimmere" Verhältnisse als in Namibia. In der Praxis gehen natürlich in beiden Ländern Nichtwähler und Briefwähler ab.

Interessant finde ich eher andere Dinge: Warum dauert die "Auszählung" 3 Tage? Wenn man elektronische Wahlgeräte nutzt, dann muss man anders als bei den papiergebundenen Wahlen wie in Deutschland eben nicht mehr auszählen. Mit Schließung des Wahllokals liegt das Ergebnis unmittelbar auf Knopfdruck sofort vor. Warum dauert die "Auszählung" in Namibia dann noch 3 Tage (bis Montag)? Und was war die Begründung für die Einführung elektronischer Wahlgeräte? Wenn man anschließend 3 Tage zum "Auszählen" braucht, wo liegt dann überhaupt noch ein Vorteil elektronischer Wahlgeräte?

Ansonsten scheinen viele in Namibia große Hoffnungen in Geingob zu setzen. Ich bin nicht ganz so optimistisch. Aber jeder hat eine Chance verdient, sich zu bewähren. Allso erst mal machen lassen. Zum Kritisieren bleibt ja noch jahrelang Zeit. Auf jeden Fall gut, dass Pohamba abtritt. Der machte jahrelang als besonnener, moderater Präsident einen ganz guten Eindruck, aber zuletzt war er mit seinen öffentlichen Reden nach meinem Eindruck mehr und mehr zum schlechten Witz geworden.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 02. Dez. 2014
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200602. Dez. 2014 · #22
Moin zusammen,

die Wahl war ohne Wenn und Aber absolut chaotisch. Neben technischen Problemen (gar nicht so sehr mit den Wahlgeräten selber, sondern mit den Verifizierungsscannern) kamen natürlich auch menschliche und logistische Probleme dazu. Erstmals wurde ja auch an einem Tag gewählt - davor waren es immer zwei Tage. Zudem brauchen die Wahlgeräte Strom, was nicht überall vorhanden war (bei Papier und Stift geht es auch ohne).

@Guido: Leider ist es nicht so wie von Dir beschrieben; es wird nicht einfach das Wahlgerät dann an den PC angeschlossen und schwups liegen die Ergebnisse vor. Jede einzelne Stimme wird nochmals manuell verifiziert, d.h. ob diese anhand er abgegebenen Stimmen überhaupt gültig erscheint. Das dauert seine Zeit. Scheinbar wurden auch alle Ergebnisse händisch (!) in das Online-System auf www.elections.na eingearbeitet. Das hatte ich - und sicher viele andere - sich auch anders vorgestellt.

In der Quintessenz: Namibia war für eine Wahl in der Form nicht vorbereitet.

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
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216 Beiträge · seit 200902. Dez. 2014 · #23
Guido. schrieb:Hallo,

Diese Zahlen taugen so nicht zu Begründung. Beispiel Berlin: 2,5 Mio. Wahlberechtigte bei 1709 Wahllokalen und nur 10 Stunden Öffnungszeit ergeben rechnerisch 146 Wähler pro Stunde (vs. "nur" 115 in Swakopmund). In Deutschland also "schlimmere" Verhältnisse als in Namibia. In der Praxis gehen natürlich in beiden Ländern Nichtwähler und Briefwähler ab.
Hallo Guido,

Briefwahl gibt es in Namibia nicht. Ausserdem ist der Prozess der Verifikation hier recht kompliziert gewesen. Karte vorzeigen, Finger scannen, Finger auf Farbe ueberpruefen, Farbe auf Finger anbringen, ab in die erste Kabine und fuers Parlament abstimmen, dann in die zweite Kabine und fuer den Praesidenten abstimmen... Das ist schon etwas langwieriger, als in Deutschland, wo man ja in der Regel nur die Benachrichtigungskarte vorzeigt und dann gleich waehlen kann. Zudem kam es eben zu zahlreichen Verzoegerungen durch technische Pannen etc.

Viele Gruesse,
Christian
Gast02. Dez. 2014 · #24
Hallo Christian,
travelNAMIBIA schrieb:@Guido: Leider ist es nicht so wie von Dir beschrieben; es wird nicht einfach das Wahlgerät dann an den PC angeschlossen und schwups liegen die Ergebnisse vor. Jede einzelne Stimme wird nochmals manuell verifiziert, d.h. ob diese anhand er abgegebenen Stimmen überhaupt gültig erscheint.
Im Vorfeld hieß es doch, dass es bei diesen Geräten keinen parallelen Papierausdruck pro Stimme gibt und somit überhaupt keine Möglichkeit besteht, noch mal manuell nachzuzählen? Oder wurde mit den Wahlgeräten bei jeder Stimmangabe eine Wählernummer erfasst, die noch mal nachträglich mit einem Papier-Wählerverzeichnis abgeglichen wurde?

Ansonsten gibt es in Deutschland ganz grob 50.000 Wahllokale und man hat nach manueller Papierauszählung alle Stimmen in 5-8 Stunden zusammen. Namibia braucht für 1.000 bis 1.500 Wahllokale mit elektronischen Wahlgeräten ca. 60 Stunden. Ist schon ein bisschen komisch. Wie auch immer: Die SWAPO würde so oder so gewinnen und insofern ist es fast müßig über Details zu streiten.

Beste Grüße

Guido
Themenstarter33,1k Beiträge · seit 200602. Dez. 2014 · #25
Hi Guido,
Namibia braucht für 1.000 bis 1.500 Wahllokale mit elektronischen Wahlgeräten ca. 60 Stunden
. Es waren über 3000 Wahllokale - aber das ändert nichts an der Problematik. Wobei viele viele Länder auf dieser Erde teilweise mehrere Wochen für die Auszählung von Wahlstimmen benötigen... da ist Namibia noch relativ flott.

Viele Grüße
Christian
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216 Beiträge · seit 200902. Dez. 2014 · #26
Die Ergebnisse lagen tatsaechlich nur digital auf der jeweiligen Maschine vor. Diese wurden dann aber erst einmal handschriftlich auf ein Formular uebertragen und nach Windhoek gefaxt, die Auszaehlung auf Wahllokalebene wird auch am Wahllokal ausgehaengt. Die Maschinen aus einem Wahlkreis wurden dann noch einmal in einem verification centre ausgelesen und die Daten wieder nach Windhoek gemeldet. Es gab da Diskrepanzen, und die Ausraeumung dieser hat wohl Zeit gebraucht...