Duerre in Namibia 2013

30 Antworten · 10,7k Aufrufe · gestartet 04. Mai 2013 von Joerg
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Themenstarter3'175 Beiträge · seit 200604. Mai 2013 · #1
Hallo liebe Fomis!

wollte mal fragen wie Ihr bis jetzt die diesjaehrige Duerre in Namibia erlebt habt?

Regnerische Gruesse aus Untefranken

Joerg
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
1'250 Beiträge · seit 200904. Mai 2013 · #2
Hallo Joerg,

bereits während unseres Aufenthaltes im Februar/März katastrophal!
Die Tiere leiden besonders, Rinder mussten schon unter Preis verkauft und dann doch mehr oder weniger "notgeschlachtet" werden (inzwischen sind oder waren ja auch die Schlachthöfe völlig überfüllt).
Dass es noch schlimmer kommt, war schon absehbar.
Es gab Gewitter, aber keinen Regen. Der Blitz schlug ein und hat das Veld in Brand gesetzt (haben wir in der Naukluft zweimal erlebt im März). So wurde der Rest an Weide auch noch vernichtet.......

Freunde von uns schrieben letzte Woche von der Farm (nahe Outjo), dass die noch vorhandenen Rinder wie 'Drahtgestelle' aussehen.
Auch Wildtiere müssen geschossen werden, weil sie sonst verhungern.

Die letzten Jahre in der Regenzeit waren sehr gut und da ist es jetzt umso gravierender mit der Trockenheit. Gibt es schon Prognosen, wie es wettermäßig weitergeht??

Schönes Wochenende,
Elch
Ein Freund ist ein Mensch, vor dem ich laut denken kann. R.W. Emerson Namibia 2013 - http://www.namibia-forum.ch/forum/17-news/278435-unterkunftsbeschreibungen-unserer-letzten-reise.html?start=12 Namibia 2015 - http://www.namibia-forum.ch/forum/8-camping/286282-unsere-campsites-im-maerz-2015.html
33,1k Beiträge · seit 200604. Mai 2013 · #3
Hallo Joerg,

also noch ist es halb so schlimm, wie auch z.B. das MET in Bezug auf Etosha mitgeteilt hat. Nur leider wird sich die Situation zur Mitte der Trockenzeit drastisch verändern. Nicht ohne Grund hat Pohamba die Dürre (die schlimmste seit 1967, deutlich schlimmer als die Mitte der 1990er) zur Chefsache erklärt. Auch die Landwirtschaftsunion gibt Ratschläge an Farmer etc. Die Rinderpreise sind auf absteigendem Ast , noch werden aber durchweg recht gute Preise erzielt. Viele Farmen können sich auf den zum Teil starken Regenfällen der vergangenen Jahre "ausruhen", sprich, die Weide ist vielerorts noch recht gut. Zwischen Okahandja und Windhoek steht das Gras - grün - etwa 30-40 cm hoch. Auch nicht sooo schlecht. Viele Communal Areas sind natürlich aber aufgrund der ständigen Überweidung stark betroffen, sei es das "Namaland" im Süden oder auch weite Teile des Kaokovelds. Die Getreideernte liegt bei 20-80 % des Jahresdurchschnitts.

In Windhoek aktuell ist es unproblematisch, mal abgesehen von den Bestimmungen, dass man keine Autos mit Schlauch waschen darf, Gärten nicht zwischen 10-16 Uhr bewässert usw. Aber das sollte eigentlich auch in Regenreichen Jahren so sein.

Mein Vater hat auf seiner Farm nahe Outjo z.B. 340 mm Niederschlag gehabt. Das entspricht dem Jahresdurchschnitt der letzten 25 Jahre, ist aber etwa nur 1/3 des Schnitts der vergangenen 3 Jahren (800 mm). Als die Regenmenge reicht locker aus, nur ist das Problem, dass der Regen sehr konzentriert jeweils an 2-3 Tagen im November und Januar fiel. Das bringt dann natürlich nicht viel 🙁

Viele Grüße aus Windhoek & bis bald hier auf ein Bier
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 04. Mai 2013
2'060 Beiträge · seit 201304. Mai 2013 · #4
Wie wirkt sich denn die Dürre auf die Temperaturen aus? Ist es wärmer als in regenreicheren Jahren?
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
497 Beiträge · seit 201204. Mai 2013 · #5
Hallo Berg-Eule,

Die Temperaturen von November bis März waren sehr hoch! Es waren teilweise wirklich sehr heiß!

Jetzt ist es recht rasch abgekühlt. Gerade jetzt haben wir 17°C Außentemperatur.

Liebe Grüße,
Sebastian
Info-Namibia www.info-namibia.com
2'664 Beiträge · seit 201205. Mai 2013 · #6
Die Strecke Okasise nach Karibib ist der Regenbarometer seit Jahrzehnten. Und da sieht es jetzt schon zum Teil sehr schlecht aus, ungeachtet der Grüne zwischen Windhoek und Okahandja.

Vor allem fängt der Ostwind sehr früh an, gestern hat er (noch kühl) bis Arandis durchgedrückt, mit schwächeren Böen bis Swakopmund, und das ist ein böses Zeichen. Das Wetter In Swakopmund war die letzten Tage traumhaft sonnig und warm. Vorbote für Ostwind. Auch in Karibib hat er gestern den ganzen Tag geblasen.

Wie in Botswana, sieht die Situation in NAM teilweise alles andere als rosig aus!

Grüsse aus dem nachts kalten Windhoek.
zuletzt bearbeitet 05. Mai 2013
33,1k Beiträge · seit 200605. Mai 2013 · #7
Hallo Berg-Eule,

wenn Du Dich für Wetterdinge hier in Namibia interessierst, dann empfehlen ich Dir www.namibiaweather.info. Das ist ein Zusammenschluss von privaten "Wetterstationen". Dort findest Du auch viele historische Daten. Meine Aufzeichnungen für Windhoek zeigen für diesen Simmer (2012/2013) niedrigere Temperaturen als das Jahr zuvor- Aktuell ist hier typisches Winterwetter, d.h. nachts kühl bis kalt und tagsüber 25 Grad. In Walvis Bay sind für heute 38°C und Sandsturm vorausgesagt - dem Ostwind sei Dank!

Viele Grüße
Christian
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2'060 Beiträge · seit 201305. Mai 2013 · #8
Danke, Sebastian.
Wir fliegen Mitte des Monats, da werde ich doch noch ein paar wärmere Pullis einpacken müssen!
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)
324 Beiträge · seit 200805. Mai 2013 · #9
Vielleicht etwas off topic:

Als wir im Dezember von Ghanzi nach Shakawe gefahren sind, konnten wir vor und nach dem Abzweig, wo es nach rechts nach Maun und nach links nach Shakawe geht, Tausende (!) tote Rinder sehen. Weil eigentlich alles schön grün war, dachten wir das es irgendeine Krankheit war. Am Posten bei der Abzweigung (der echt fürchterlich aussah, sagten uns dann aber Einheimische, dass es zu wenig Regen gab. Sie berichteten von zigTausend verendeten Rindern. So etwas hatte ich aber bisher noch nicht gesehen. Es war halt auch merkwürdig, weil das Delta auch gar nicht so (?) weit weg war. Das war das reinste "Gruselkabinett".

VG

Ronald
193 Beiträge · seit 201307. Mai 2013 · #10
Hallo
ich war im April in Namibia und der fehlende Regen war ein grosses Thema. Die Tiere bekommen zu wenig Wasser und werden geschlachtet. Die Landschaft ist sehr trocken und alle leiden.
Einziger Vorteil war das im Etosha die Tiere zu den Wasswrstellen kamen und es gab keine Moskitos.
Aber für Namibia ist der fehlende Regen schlimm
herzliche Grüsse
Tessi
50 Beiträge · seit 201207. Mai 2013 · #11
Was bedeutet das für Reisen im Juli/August?
Treffen wir dann nur noch auf Skelette?
Habe hier und da ja schon schreckliches von verendeten Tieren gelesen
1'455 Beiträge · seit 200608. Mai 2013 · #12
Die Regenmengen waren lokal unterscheidlich, aber die meisten haben weniger als den Durchschnitt abbekommen.
Die Farmer versuchen den Grossteil des Viehs zu verkaufen, natuerlich zu bescheidenen Preisen und es ist schwer Termin ein den Schlachthoefen zu bekommen.
Alle jammern und schimpfen, aber wohl deswegen, weil alle von den letzten guten Regenjahren verwoehnt sind.

Wie lange wir noch genug Wasser haben werden, um den Garten auf der Farm zu bewaessern...mal sehen.
Trinkwasser sollt ekein Problem sein, aber das Brauchwasser.

Anderswo (wir sind an der C26 35km ausserhalb von Windhoek) sieht es noch schlechter aus, vieles ist total abgeweidet.
Aber man sollte nicht vergessen, Namibia ist eines der trockensten Lander dieses Planeten.
Jetzt ist erstmal Herbst, die Baeume werden bunt und es wird kuehler.

LG Jens
115 Beiträge · seit 201012. Mai 2013 · #13
Hallo,

ich bin gerade über Kamanjab, Palmwag, Ogongo, Epupa, Ruacana und über Kamanjab wieder zurück nach Otji gefahren. Am schlimmsten sieht es westlich von Kamanja, bei Palmwag und am Kunene aus. Im Gegensatz zu früheren Jahren gibt es bei Palmwag keinen Grashalm mehr. Am Kunene außer Epupa gibt es kaum noch Ovahim-
ba, da es kein Gras mehr gibt. Gras gibt es eigentlich nur noch da, wo es entweder kein Vieh oder kein Wild gibt. Meine Prognose: die große Katastrophe kommt noch, und zwar ab Oktober. Im Damaraland und im Kaokofeld hat es zwei Jahre hintereinander nicht geregnet. Ein Komentar erübrigt sich hier. Ferner: sollte es in der nächsten Saison regnen, würden die Farmer gerne wieder ihre Viehbestände aufstocken. Die Frage bleibt: womit, wenn viel Muttervieh geschlachtet wurde? Und: sollte es noch ein Jahr Trockenheit geben, was dann? Die wirtschaftliche Kettenreaktion wird der namibischen Wirtschaft einigen Schaden zufügen.
Viele (Komunal-) Farmer sind jedoch selbst schuld: wer im März auf 5000ha noch fast 2000 Stück Vieh hatte, dem ist auch vom Staat nicht mehr zu helfen.
Gruß,
Kandanga
2 Beiträge · seit 201320. Mai 2013 · #14
Gestern Abend und heute Nacht lang anhaltender Regen in Okjiwarongo. Auch in Soussuvlei soll es gestern geregnet haben.
97 Beiträge · seit 200620. Mai 2013 · #15
Hallo Christian,
dein link zum namibiawetter ist klasse,
gibt es sowas auch für Südafrika??

gruß Potti
4'129 Beiträge · seit 200821. Mai 2013 · #16
Beobachtungen aus Mai, Kaokoveld
Überall wo wir 09 bewohnte Himba-Hütten und genutzte Kraals sahen (Marienfluss, Khumib, Hoarusib) war nun gähnende Leere. Alle Himbas sind fortgezogen. Nur noch rund um die Tiefbrunnen gibt es Hirten mit ihren Herden – mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Umgebung: Da wächst natürlich kein Halm mehr.

Im Marienflusstal weite Bereiche komplett abgegrast, die entfernten Grasflächen stehen noch, bis auch sie gebraucht werden. - Und jetzt ist noch vor dem Winter...


Gruß lilytrotter

Ach, - und der immerwährend plätschernde Bach an der Palmwag-Lodge ist zur Zeit trocken gefallen.
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 21. Mai 2013
33,1k Beiträge · seit 200621. Mai 2013 · #17
Hi zusammen,

Präsident Pohamba hat gestern den Notstand für Namibia ausgerufen. 400.000 Menschen, v.a. im Kaokoveld sind von der Dürre betroffen und erhalten nun umgehend Nahrungsmittelhilfen und Viehsubventionen. Nachzulesen in allen Tageszeitungen.

Viele Grüße aus dem bewölkten Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
1'115 Beiträge · seit 201021. Mai 2013 · #18
Hab ich auch gesehen in der AZ - der Notstand wird ausgerufen, ans Ausland wird appeliert.

Hmm, vielleicht fehlen hier halt nun doch die Gelder, die man in die AN legt und so quasi die Touristen subventioniert, die nun als Steuerzahler über ihre Regierung via die NGO's mit Geld ausstatten damit Namibia geholfen werden kann...

Ich weiss, ein wenig kompliziert. Aber es ginge vielleicht auch einfacher - aber möglicherweise dafür weniger lukrativer.......

Gruss
Rajang (der Steuerzahler)
Gast21. Mai 2013 · #19
Hallo,
Rajang schrieb:Hmm, vielleicht fehlen hier halt nun doch die Gelder, die man in die AN legt und so quasi die Touristen subventioniert, die nun als Steuerzahler über ihre Regierung via die NGO's mit Geld ausstatten damit Namibia geholfen werden kann...
Die Gelder fehlen auch an andere Stelle ganz dringend. Vor Kurzem gab es eine Studie, das viele staatliche Krankenhäuser in Namibia in katastrophalen Zustand sind - die Krankenhäusern, mit denen der Staat denjenigen, die sich keine Krankenversicherung leisten können, ein Minimum an medizinischer Versorgung bieten will. Da ist kein Geld da. Für das vermeintliche Statussymbol Air Namibia gibt es dagegen unbegrenzte Mittel.

Nachrechnen darf man ohnehin nicht. Air Namibias Subventionen werden vor allem mit der Bedeutung für den Tourismus begründet. Diese Jahr dürfte Air Namibia nur 50.000-60.000 Touris aus Europa einfliegen. Rechnet man die Subventionen gegen, so wird jedes dieser Flugtickets mit 21.500 NAD subventioniert. Da hätte man jedem Gast auch gleich ein Business-Class-Ticket bei einer richtigen Airline schenken können...

Ansonsten ist glaube ich Teil des Dürreproblems, das es in den letzten Jahren überdurchschnittlich Regen und somit ein überdurchschnittliches Weideangebot gab. Viele haben ihre Viehherden anwachsen lassen. Gerade im Kaokoveld. Das auch mal wieder magere Regenjahre kommen können, wurde teilweise nicht bedacht. Und so konkurriert teilweise mehr Vieh als im Durchschnitt um nun nicht vorhandene Weidefläche.

Beste Grüße

Guido
4'129 Beiträge · seit 200807. Aug. 2013 · #20
Zur Dürre in Namibia hab ich ein paar Vergleichsbilder aus dem Kaokoveld gefunden.
Anlass war eigentlich die Frage von fittken (im Zuge seiner Reiseplanung), wie es denn zur Zeit dort oben im Kaokoveld aussieht.
Ich denke, hier sind sie am richtigen Platz.


- Giribis Vlakte im August 2009 + Oktober 2012. (Vom Mai 13 gibt es kein Foto, es sah einfach noch schlimmer aus.)


Selbst im Marienflusstal sah es stellenweise ähnlich aus, aber es gab dort im Mai 13 auch noch Flächen mit recht gutem Bestand - und dort sammelte sich massenhaft Wild und Rinder...
Möchte nicht wissen wie es jetzt da aussieht...

- Khumib, zwischen Sanitatas und „Hoarusib-Querung“, im August 2009 + Mai 2013 (re oben und re unten sind fast an derselben Stelle aufgenommen):




Kein Wunder dass alle Himba aus der Gegend weggezogen sind, nicht einmal ihre Ziegen finden hier noch etwas zu fressen, geschweige denn Rinder.

Gruß lilytrotter




Interessantes zum Themenbereich:
http://www.az.com.na/umwelt-natur/d-rre-kann-wild-ausl-schen.409184
wenn die Probleme sich „ergänzen“ wird’s eng für die Wildtiere
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
zuletzt bearbeitet 07. Aug. 2013