Moin zusammen,
dass, was in Südafrika zurzeit vor sich geht, ist zwar ein massiver – und mittlerweile definitiv entschiedener- Richtungskampf innerhalb der herrschenden Partei, aber noch nicht unbedingt der Auslöser für den unmittelbaren Zusammenbruch dieses Staatswesens. Falls sich das Land in die WM hinein wird retten können, so werden die fünf Jahre danach die Geschwindigkeit der weiteren Entwicklung bestimmen.
Um zu verstehen, was in den letzten Wochen kulminiert ist, muss man weiter zurück in die Geschichte des ANC und seines Befreiungskampfes gehen. Der ANC ist über die Jahrzehnte seines Bestehens eine Xhosa-dominerte Befreiungsbewegung marxistischer Grundprägung geworden. Bereits zu Apartheidszeiten bestand ein Antagonismus zur Inkatha (
http://de.wikipedia.org/wiki/Inkatha_Freedom_Party) der Zulu Herrn Buthelezis – einer seiner Freunde war ein gewisser FJS.
Allerdings hat es der ANC geschafft, eine weite Spannbreite politischen Empfindens abzudecken. Auf Deutschland übertragen hat er bis vor kurzem die Kommunistische Plattform Sahra Wagenknechts aus der Linken und den Wirtschaftsliberalen Guido Westerwelles eine Heimat geboten. Und nun hat SahraWagenknecht (
http://de.wikipedia.org/wiki/Sahra_Wagenknecht), alias Jakob Zuma, eben Guido Westerwelle aus dem Amt geputscht. Worüber letzterer sicherlich froh wäre, da es bedeutete, dass er ein Amt gehabt hätte.
Warum nun ein derartiger Putsch so kurz vor dem Ende Mbekis Amtszeit? Was in der Diskussion der Gerichtsentscheidung untergegangen ist, ist die Tatsache, dass sie nur wegen eines Formfehlers bei der Anklageerhebung erfolgte! Es hätte somit erneut Anklage mit ungewissem Ausgang gegen Duschkopf-Zuma erhoben werden können. Aus diesem Grund war der nun erfolgte Putsch aus Sicht des Zuma-Camps reine Notwehr.
Dass es sich beim Feuern Zumas als Vizepräsident und der späteren Anklagen um eine rein politisch motivierte Handlung Mebkis handelte, halte ich für sehr wahrscheinlich. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Behauptung der Sunday Times, Mbeki hätte von seinen Kickbacks aus dem Waffenhandel 90% an den ANC abgeführt und den Rest seinem damaligen Vize zur persönlichen Verwendung übereignet.
Der Machtkampf ist entschieden. Die 1994er-Konzilianz, personifiziert durch Nelson Mandela, hatte zunächst die zu erwartenden Lagerkämpfe innerhalb des ANC verhindert. Durch die Autorität Mandelas wurden zunächst auch SACP (
http://de.wikipedia.org/wiki/South_African_Communist_Party) und COSATU (
http://de.wikipedia.org/wiki/Cosatu) in Schach gehalten. Auch Mbeki schaffte dies zunächst, wenn auch nicht durch natürliche Autorität, sondern durch schiere Machtpolitik. Diese ist ihm nun ins Gesicht explodiert.
Schon 1994 hat der ANC den armen schwarzen Massen versprochen, dass sie bald in den Häusern der Weißen sitzen würden. Bei zwei weiteren Wahlen haben sich diese Menschen noch ruhig stellen lassen. Das ist nun vorbei!
Vorbei ist aber auch die Chance von 1994, nachdem sich die weiße Minderheit selbst entmachtet hatte:
- In den seitdem vergangenen 14 Jahren hat sie gelernt, dass sie im neuen Südafrika unerwünscht ist.
- Das Erbe einer Erstwelt-Infrastruktur ist von der Regierung in nur 14 Jahren verschwendet worden.
- Die Finanzmittel, den Forderungen der Armen nachzukommen, wurden (durch Korruption und WM) verschwendet und die Kreditwürdigkeit des Staates wird ebenfalls immer schlechter werden.
Gruß, Michael