Selber oder „mitfahren“?

28 Antworten · 9'171 Aufrufe · gestartet 18. März 2012 von wernerbauer
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ThemenstarterGast18. März 2012 · #1
oder muss aller Anfang schwer sein?

In dem ¾ Jahr, in welchem ich hier mitgelesen habe, habe ich zu meinem Erstaunen gelernt, wie viele Erstlings-Selbstfahrer es gleich „zünftig“ angehen wollen und auch nicht mehr total einfache Campingtouren selber machen (wollen), ohne irgendeine Vorerfahrung mit sowas zu haben, von Kampieren bis Allradfahren. Daher:
Welche Route, welches Auto, wie ausgestattet, ist auch Werkzeug da, sind die Reifen richtig und i.O., Wasser und Spritkanister ausreichend, Abschlepp oder Bergeseile vorhanden und passender Haken? Welche Versicherung, welcher Selbstbehalt, welcher Routenausschluss, welche Karte oder Navi? Wo buchen und verdammt: warum antworten die nicht und habe ich jetzt eine Buchung oder keine? Bis zu den Basics: Wie Reifen wechseln, wo Kaffee und welches Wasser trinken ……und wo (sogar wie!!!) auf’s Töpfchen gehen, wo da in der Nacht doch die bösen Tiere sind.….??

Viele der organisatorischen Probleme sind echt, manche entspringen eher einem gesteigerten Sicherheitsbedürfnis. Die, die obige Frageliste nicht abarbeiten, vertrauen dann (unbewusst) auf Glück und hilfreiche Geister unterwegs. Daher Hut ab vor allen Erstlingen, die sich da durchkämpfen und die Reise auch wirklich durchführen und Respekt an die Forumsmitglieder mit Erfahrung, die das alles mit Engelsgeduld beantworten und sich auch öfters mal als „Gratisreisebüro“ missbrauchen lassen.
Aber, ist das wirklich für jeden notwendig und sinnvoll und wäre es für Manche nicht klüger bei den Touranbietern etwas Passendes zu buchen? Für die Unternehmungs- und Abenteuerlustigen ist Letzteres natürlich keinen Gedanken wert, da ist das Erfolgserlebnis beim Selbermachen schon das halbe Reiserlebnis. Aber bei denen, die nicht so gestrickt sind, trübt wohl auch der ganze Aufwand und hin und wieder auch die Verunsicherung (die in vielen der Anfragen hier durchkommt) das Erlebnis ein bisschen. Wahrscheinlich "müssen" sie aber (mehr als sie wollen) selber fahren, weil sie eben keine (Klein-)Gruppen- oder Overlandertour oder Lodgetour machen wollen und eben (möglichst) alleine sein wollen. Ich nehme an, dass es doch wohl auch Reiseveranstalter gibt, die Campingtouren auch mit nur zwei Personen durchführen, diesem Interessentenkreis aber nicht bekannt sind. So was wird schon etwas mehr kosten (aber auch nicht unbedingt 200 – 300 € ppT), aber es gibt auch viele Vorteile: Sich um nichts kümmern zu müssen, heißt auch viele Tage für die Planung erspart und zwei bis drei Tage vor Ort gewonnen zu haben; auch die Buchungen in den NP kriegen, weil die Profis dabei bevorzugt werden (das unterstelle ich mal); das Wissen des Guides über Land, Leute und Natur…….. kein eigenes Sat-Telefon brauchen….. Und wenn es dann die einzige Reise dieser Art bleibt, war sie total entspannt, weil immer beaufsichtigt und (subjektiv gefühlt) sicher. Und wer auf den Geschmack gekommen ist, hat dann schon einen Startvorteil für die nächste, dann Selbstfahrerreise.

Da dieses Angebot meistens nur „auf Anfrage“ ist, glaube ich, dass es für viele Erstlinge in der Entscheidungsfindung hilfreich wäre, wenn die hier im Forum versammelten Profis das ein Mal etwas ausführen würden. Also: Gibt es ein Campingtourangebot für auch nur zwei/drei Personen, welches zwischen „Overlanding“ und „guided tours“ liegt, und mit welchen Kosten pro Person und Tag ist da bei zwei Personen etwa zu rechnen? Bin gespannt,
Grüße Werner
1'450 Beiträge · seit 200618. März 2012 · #2
Hallo Werner,

Du hast in vielen Punkten recht. Aber ich bin doch der Meinung, wer es sich nicht zutraut, allein zu fahren, und/oder wer weiss, dass er 2 linke Daumen hat, der wird eine solche Tour bestimmt nicht in Eigenregie machen. Der wird dann doch eine Kleingruppe bevorzugen. Und um diese zu finden, muss man eigentlich nur ein bischen googeln.

Auch wir haben unsere erste Tour, damals nach Namibia, ohne Vorkenntnisse der Gegebenheiten in Namibia alleine durchgeführt, aber mit Hilfe eines Reisebüros die Eckpunkte geplant. Und wir wissen, dass wir beide handwerklich fit sind, sodass nicht viel passieren kann. Und eine Vorabinformation, nicht nur im Forum, sondern auf allen Seiten, die man findet, ist immer nötig. Aber, wie gesagt, das wird jeder Erstling schon von sich aus machen.

Gruss Beate
2'048 Beiträge · seit 200718. März 2012 · #3
Hallo Werner,
ich empfehle das ja sehr häufig bei den Erstlingsanfragen hier im Forum.
Es ist ja noch viel mehr was da dran hängt.
Wenn ich mir anschaue, was hier einige nach Rückkehr so an Unwissen im Forum wiedergeben, da denke ich oft, die hätten von einer Tour mit einem Guide, der alles erklärt und viele Fragen beantworten kann, sehr viel mehr von der Reise gehabt.
Wer nicht per se das Abenteuer, selbst alles gemacht und organisiert zu haben sucht, dem sollte eine guidet Tour eine lohnende Alternative sein. Es ist gut angelegtes Geld.
Damit hat man auch alle Hummeldumm-Probleme mit Mitreisenden los, man reist nur mit eigener Manschaft / Familie. Und wer überlegt, 2 Hilux o.ä. zu mieten, der kann mit so einer Tour im geeigneten Fahrzeug sogar ohne nennenswerte Mehrkosten rauskommen, da er statt 2 Fahrzeugmieten nur ein Auto + Fahrer braucht. Die Ausrüstung ist meist besser und die Erfahrung des Guides bringt die Reisenden an Plätze, die er ohne wohl kaum gefunden / aufgesucht hätte.

Jetzt kommt das Aber: Von allen meinen Bekannten die solche Touren als Guide fahren oder organisieren höre ich: Namibia hat einen eklatanten Mangel an fähigen Guides. Naja und die guten fahren dann auch evtl. lieber einen Bus mit 20- 30 x Trinkgeld als eine 2er oder 3er Gruppe. Deswegen ist das auch so ein Nebenangebot geworden.
Die Kosten sinken mit steigender Zahl der Mitreisenden. Es gibt Touren mit eigenen ausgerüsteten Fahrzeugen oder aber es werden "normale" Mietfahrzeuge benutzt. Letzteres ist billiger, aber nicht ganz legal, weil die Bestimmungen über kommerzielle Personenbeförderung (besonderer Führerschein, Notausstiege am Fahrzeug, jährlich NATIS-Check) umgangen werden. Daher lautet der Mietvertrag auch auf den Kunden mit allen Haftungsrisiken.
Ich empfehle Touroperator mit eigenem Fahrzeug. Da gibt es verlängerte Defender oder Landcruiser für 6-8 Personen bequem, Trailer für die Ausrüstung etc. Hohe Geländegängigkeit plus erfahrener Offroad-Fahrer, der oft und gerne dann auch Fahrhinweise gibt.
Ich denke, dass dies bei 2 Personen mit 300-350€ p.P. inclusive Essen, alkoholfreie Getränke etc. abgehen dürfte. Mehr Mitreisende senken den Preis, weil sich die Fixkosten ja besser verteilen. Rechnet das auf Mietwagenkosten, Buchungen und alles drumherum um dann werdet ihr sehen, dass es nicht billig, aber sicher auch nicht so teuer ist, wie eine Lodgetour o.ä., was man mangels Zutrauen evtl. als Alternative machen würde. Und den Mehrwert kann man natürlich auch schlecht beziffern.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
46 Beiträge · seit 201118. März 2012 · #4
Mir haben die Leute immer leid getan, die da mit Guide und Fahrer durchs Land geschaukelt werden. Es gibt einfach nichts beeindruckenderes, als mutterseelenallein zwischen all den Tieren rumzukurven, Zeit zu haben, und keinen Fremden im Nacken der einem den ganzen Tag die Ohren vollquatscht. Lieber weiß ich nichts vom Brunftverhalten der Elefanten und deren Höhe Breite und Länge. Namibia und Südafrika sind easy wenn man seine eigenen Grenzen kennt. Man kann wochenlang Spaß haben und jede Menge Tiere hautnah erleben ohne daß man je einen Macho-4x4 braucht.
290 Beiträge · seit 200719. März 2012 · #5
Die Guides (oder zumindest der Guide, mit dem ich meine erste Afrika-Tour gemacht habe) haben ein ähnliches Problem, wie die Selbstfahrer, die absolut krasse Tagesetappen planen, weil hat alles in 14 Tage gepresst werden muss. Da wird genauso viel zu schnell gefahren, nach 8 Stunden auf der Pad muss der Fahrer auch noch kochen. Ganz besonders auf den von jaw erwähnten 6-8 Personen-Touren ist das für den Fahrer extrem stressig! Dann wird auch mal schnell ein Campingplatz umgebucht (im bequemen Büro in Kapstadt erscheinen die 2 Stunden fahrt mehr ja lächerlich zu sein), irgendwo gibt es keinen Diesel, ...

Wenn dann noch bis um Mitternacht der Guide als Vermittler und Psychologe zwischen den Hummeldumms gefragt ist, dann fahre ich lieber selber... Und zwar auf einer Strecke, die vernünftige Tagesetappen hat!

Phil
Meine Reiseberichte aus Afrika, Thailand, Kambodscha, den Philippinen und von Kreuzfahrten mit der AIDA: http://www.philippschaeufele.de
359 Beiträge · seit 201019. März 2012 · #6
Hallo Werner,

du hast sicher mit den meisten Punkten total recht. Es gibt für mich zwei ganz wichtige Punkte die man aber bei der Planung Selbstfahrer/Tour beachten sollte:

1) Namibia ist auf 99,9% der von der Mehrzahl der Touristen befahrenen Stecken einfacher zu befahren als Berlin, Hamburg oder München! Hier wird nach meiner persönlichen Auffassung immer etwas viel Butter aufgetischt, damit das Abenteuer auch echtes Abenteuer bleibt. Das fängt bei der Frage des Fahrzeuges an (ganz klar wird hier leider zu oft nach der Maxime bigger is better gehandelt, was ich als ökologisch denkender Teil der Weltbevölkerung oft nicht nachvollziehen kann....und ja wir fahren auch so eine Kiste, aber wir haben sie auch wirklich oft gebraucht) und hört bei der Frage nach dem fünften Ersatzrad auf. Wirklich wichtige Dinge, wie z.B. der Überblick über das Wirrwarr der Notrufnummern, gehen dabei oft unter.

2) Dem gegenüber stehen aber eine unglaublich hohe Anzahl von toten Touristen in jedem Jahr. Denn nur weil eine Gravelroad eigentlich nichts besonderes und per se gefährliches ist (halb Skandinavien war bis vor wenigen Jahren noch Piste), gibt es Dinge zu beachten, die einige eben "übersehen". Und da ist dieses Forum dann hoffentlich doch hilfreich indem es sensibilisiert und auf Gefahren aufmerksam macht, ohne Panik zu schüren.

Gruß aus dem Corolla-Paradies Windhoek
Kowo
zuletzt bearbeitet 19. März 2012
33,1k Beiträge · seit 200619. März 2012 · #7
Hallo Werner,
Da dieses Angebot meistens nur „auf Anfrage“ ist, glaube ich, dass es für viele Erstlinge in der Entscheidungsfindung hilfreich wäre, wenn die hier im Forum versammelten Profis das ein Mal etwas ausführen würden. Also: Gibt es ein Campingtourangebot für auch nur zwei/drei Personen, welches zwischen „Overlanding“ und „guided tours“ liegt, und mit welchen Kosten pro Person und Tag ist da bei zwei Personen etwa zu rechnen? Bin gespannt,
Es gibt zig unabhängige Guides, wie Jaw schon richtig schreibt, die Touren ganz individuell machen. Die Kosten hängen von den Campingplätzen bzw. Mietfahrzeug ab. Der Guide nimmt ab N$ 1000 pro Tag zzgl. Verpflegung/Getränke.

Eine Auswahl findet man auf der Siete der Tourist Guide Association of Namibia (www.natron.net/tan/) bzw. Tour & Safari Association of Namibia (www.tasa.na/guide.php). Da es immer mehr unabhängige Guides gibt, wurde sogar eine neue Mitgliedskategorie bei der TASA dafür geschaffen.

Sonnige Grüße
Christian

P.S: @Jaw
Letzteres ist billiger, aber nicht ganz legal, weil die Bestimmungen über kommerzielle Personenbeförderung (besonderer Führerschein, Notausstiege am Fahrzeug, jährlich NATIS-Check) umgangen werden. Daher lautet der Mietvertrag auch auf den Kunden mit allen Haftungsrisiken.
Das stimmt nicht! Als unabhängiger "Tour Guide" registrierst Du Dich beim NTB als soclher und benötigts ausdrücklich kein Fahrzeug sondern gibst an, dass Du normale Mietfahrzeuge nutzt. Das ist absolut die Regel und wird vom NTB sogar empfohlen, da Mietfahrzeuge meistens besser gewartet sind als irgendwelche Privatfahrzeuge von Guides. Du musst lediglich einen Passanger Transport Licence haben (Personenbeförderungsschein) und die nötige Insassenversicherung nachweisen können. Eigene Fahrzeuge (und dann die ganzen jährlichen Checks etc.) müssen nur namibische "Tour Operator" nachweisen, ausländische Tour Operator hingegen auch nicht.
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
zuletzt bearbeitet 19. März 2012
238 Beiträge · seit 201119. März 2012 · #8
Hallo,

schau doch mal unter www.africa-wildtours.com vorbei. Mit diesen beiden Privatpersonen (KEIN Veranstalter!) sind wir 2x mitgefahren. Vllt. ergibt sich für Dich dort eine Tour. Meist ist hier Camping angesagt, weniger Lodges. Preislich ist das Ganze auch völlig i.O.

Beste Grüße

Sven
4 Beiträge · seit 201219. März 2012 · #9
Hallo zusammen,
habe mich nach 2 Jahren stilles mitlesen mal endlic registriert. Wir (2 Erwachsene und 2 Kids, damals 12 und 15) waren im Sommer 2010 3 Wochen in Namibia unterwegs. Wir wollten damals "auf Nummer Sicher" gehen (wg. der Kids) und haben eine individuelle Lodge-Reise über Bwana-Tucke-Tucke mit eigenem Guide gebucht. Wir haben es nicht bereut, was wir gesehen haben, was uns Stefan (unser Guide) erzählt hat und was wir alles neu dazu gelernt haben .... Das hätten wir niemals aus Büchern und Reiseführern alles "erlesen" können. Wir würden gerne nochmals nach NAM reisen, dann aber vermutlich selber fahren. Aber die Reise 2010 würden wir alle sofort wieder genau so machen. Wir träumen heute noch von den 3 Wochen Namibia.

Viele Grüße
Brit67
1'287 Beiträge · seit 200819. März 2012 · #10
Hallo,

nachdem ich gestern etwas in den Thread "Verhalten beim Campen" schrieb und kurz darauf diesen Thread von Werner hier las, dachte ich spontan an Gedankenübertragung.

Ich denke Werners Beitrag zielt vor allem auf die "Ersttäter" in Botswana ab. Mich erstaunt in den letzten Monaten auch immer wieder, welche Fragen hier gestellt werden, wenn es um eine aller erste Campingtour in einen der großen Nationalparks in Botswana geht. Beim Lesen beschleicht mich dann auch immer wieder der Gedanke, ob es nicht besser wäre vielleicht erstmal in Namibia oder RSA mit "Afrika anzufangen" und sich dann weiter zu entwickeln.

Mir geht es dabei gar nicht um Besserwisserei, ich finde es eben nur erstaunlich, dass mit zunehmender Vermarktung solcher Reisen und der steigenden Informationsflut im Internet in meinen Augen der Respekt vor solcher Reisen immer kleiner wird.

Ich persönlich fand die Einstimmung durch mehrere Reisen in RSA und Namibia vor meinem ersten Botswana Trip jedenfalls sehr sinnvoll und gut.
Immerhin geht es hier schon noch darum große Distanzen in einem Nationalpark mit wilden, unbekannten Tieren auf teilweise schwierigen Wegen mit unter Umständen komplizierten Navigation zu absolvieren. Das ist in einem Land ohne 100% Handyempfang oder einem etablierten Pannendienstnetzwerk schon eine Herausforderung. Nicht davon zu sprechen, dass bestimmte Rahmenbedingungen (Versicherungen, Versorgung, Verständigung usf. usw.) in diesen Ländern eben nicht immer "europäisches" Niveau haben.
Darauf kann man sich in meinen Augen nicht zu 100% aus Reiseberichten und Büchern vorbereiten, da hilft meiner Meinung nach nur ein erfahrener Guide oder ein langsameres Herantasten an die Materie, um einen entsprechenden Erfahrungsschatz aufzubauen.

Aber vielleicht bin ich selbst auch einfach nur zu vorsichtig.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 19. März 2012
1'680 Beiträge · seit 200719. März 2012 · #11
ebenfalls Hallo 🙂
carl schrieb:
Immerhin geht es hier schon noch darum große Distanzen in einem Nationalpark mit wilden, unbekannten Tieren auf teilweise schwierigen Wegen mit unter Umständen komplizierten Navigation zu absolvieren. Das ist in einem Land ohne 100% Handyempfang oder einem etablierten Pannendienstnetzwerk schon eine Herausforderung.
ich würde sogar noch weiter gehen, ich persönlich finde es sogar fahrlässig, wenn Afrika-Anfängern mit Null Geländeerfahrung zu Selbstfahrer-Camping-Touren in Botswana geraten wird. Ich habe mich 2007 bewusst für eine geführte Campingsafari entschieden und war vielfach froh, nicht selber fahren zu müssen. Es gab einige brenzlige Situationen, angefangen vom Eingraben in den Pfannen mit Löwenrudel in der Nähe, diverse Tiefsandpisten und Wasserdurchfahrten und ganz abgesehen von der Situation, als sich bei einem Guide einer geführten Selbstfahrertour die Bremsen festgefahren haben und er 24h auf ein Ersatzfahrzeug warten musste (*göttinseidank* nicht unsere Tour) - bei diesem Hintergrund finde ich es verantwortungslos, wenn absoluten Newbies solche Selbstfahrer-Camping-Touren als das einzig Wahre verkauft wird. Mir scheint, dass die "Selbstfahrer-Profis" einfach "vergessen" haben, wie es für Anfänger werden kann - nämlich mehr Frust als Lust.

Es gibt viele Möglichkeiten Botswana zu bereisen und das organisierte Reisen jenseits von Hummeldumm ist nicht nur möglich, es stellt in meinen Augen nicht die schlechteste Alternative dar, denn auch da ist für jeden Geldbeutel etwas dabei.
lG und bleibt gesund! M@rie M@rie's on the road again - Namibia-Botswana 2012 "Es kommt nicht darauf an, ob du gewinnst oder verlierst, es kommt nur darauf an nicht aufzugeben!" ~ "It always seems impossible until it is done." Nelson Mandela ~
zuletzt bearbeitet 19. März 2012
1'723 Beiträge · seit 200919. März 2012 · #12
hallo ...

und jetzt komm ich wieder ... nee also mal ehrlich .. was aendert sich wirklich, wenn man eine erste tour macht wo man nicht selber faehrt, und dann das jahr drauf selber faehrt ???? weil den erfahrungswert "fahren" kann man eben nur machen wenn man "faehrt" ...

Wo ich einigen vorrednern zustimme ist, dass man vielleicht erst mal logger anfangen sollte mit Namibia oder SA wenn man selber fahren will.. da bekommt man schon mal wenigsten ein gefuehl dafuer wie das so ist, auch wenn die 4x4 erfahrung hier etwas zu kurz kommt.

Wir haben uns nie wirklich nen kopp gemacht, ich habe von anfang an alles selber organisiert, und mal ganz ehrlich, wenn ich gruppenreisen sehe weiss ich genau, das es das nicht fuer uns waere..

Wir hatten dieses jahr in walvis eine bustour und vor allem deren fahrer und guides in unserem guesthouse und denen beim fruehstueck beim lamentieren zu hoeren zu muessen hat mir vollends gereicht (das war nur ne halbe stunde, ne ganze reise und ich haette mindestens einen von denen umgebracht )

Es kommt sicher auf den Typ Mensch an, der eine selfdriving tour machen will. Wem es echt egal ist auch mal in der schei.... zu stecken, warum denn nicht. man sollte die wichtigsten dinge wissen, vor allem wenn es um sicherheit geht, huebsch ein SATPhone mitnehmen (haben wir beim ersten mal noch nicht mal gemacht) und vielleicht versuchen mit freunden und mini 2 wagen zu fahren ...

Ganz ehrlich ich versteh oft nicht ab wann man, einigen Fomis zu folgen, die REIFE hat zu einem echten selfdriver zu werden. Ab wann darf man sich zum erlauchten Kreis zaehlen ?? Was gibt einem die "berechtigung" ohne sich lynchen lassen zu muessen, selber eine tour anzupacken ?

. wir haben uns die frechheit rausgenommen und sind es vom ersten mal an geworden, mit allen fehlern und erfahrungen die man daraus schliessen kann.

viele gruesse
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
238 Beiträge · seit 201119. März 2012 · #13
Hallo zusammen,

...ich noch mal...Ich bin da ganz Carls Meinung. Ein wenig sollte man die Gegebenheiten kennen. Man kann sich schnell verfahren, auch MIT Navi, sich festfahren, die Tiefe einer Furt unterbewerten etc. All das -finde ich- sollte man lernen. Ich würde daher auch erst mal zu einer geführten Tour raten, um alles kennenzulernen, auch was Equipment betrifft wie bei Kleinigkeiten, woran man u.U. nicht denkt: Mehrfachzigarettenanzünderanschluß (solche Wörter kann man nur in deutsch bilden 😄 , universale Batterieladestation etc.

Wir sind 2x geführt mitgefahren und nehmen dieses Jahr (alleine) ziemlich genau die gleiche Strecke. Da kennt man noch in etwa die Wegpunkte und kann sich dann vorwärts tasten.

Ansonsten...oben eine Empfehlung, die größtenteils Zelt beinhaltet.

Beste Grüße

Sven
zuletzt bearbeitet 19. März 2012
630 Beiträge · seit 200819. März 2012 · #14
Ich würde - wie Miss Ellie - auch das Risiko in Betracht ziehen, dass man an einen Guide gerät, den man so gar nicht vertragen kann.

Im Übrigen sollte man auch bei der Übertragung von Reiseplanung und Durchführung an einen Fachmann selbst das Mitdenken und Kontrollieren nicht vergessen. Meine beiden einzigen Fehlbuchungen (falsche Unterkunftsart) bislang haben mir Reiseprofis eingebrockt.

Viele Grüße

Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. (Hans Magnus Enzensberger)
1'419 Beiträge · seit 200919. März 2012 · #15
Hallo,

jeder hat halt nen anderen Geschmack und vielleicht auch grössere Ängste oder will sich weniger intensiv vorbereiten. Für solche Leute ist eine Tour mit eigenem Guide sicher nicht verkehrt. Oder eine Hummeldumm-Reise. Für manche schlimm, für andere vielleicht das perfekte Urlaubserlebnis.

Für mich rein persönlich wär´s der absolute Horror. Ich möchte mich nicht betüdeln und zuquatschen lassen und wenn ich mal mehr Infos will kann ich ja immer noch in einer Lodge einen geführten Gamedrive machen. Danach bin ich dann aber wieder mit meinem Partner alleine und kann die Einsamkeit geniessen.
Und wenn mir mal ein Pups querhängt will ich mir den nicht über 200km Schotterpiste verdrücken müssen weil da noch wer mit im Auto ist mit dem wir zu dritt Urlaub machen! 🤩

Wir haben auch mit 2x Südafrika und 1x Namibia als reine Selbstfahrer angefangen und das war als Einstieg eigentlich optimal. Man muss sich halt wirklich bloss trauen wenn man will.

Grüssle
janet
Reisebericht: 3 Wochen Namibia 2009 - "suchen und finden *g*" Reisebericht Sao Tomé 2011 Diskutiere niemals mit einem Idioten. Er zieht dich auf sein Niveau herab und schlägt dich dort durch Erfahrung!
1'723 Beiträge · seit 200919. März 2012 · #16
@bluna ....
versteh mich nicht falsch, jeder muss das so sein ding finden und machen wie er es fuer SEINEN urlaub am besten empfindet .. Aber mal ganz ehrlich, ne strecke, die ihr 2 mal gefahrenn worden seid, werdet ihr ganz ganz anders empfinden wenn ihr sie selber fahrt...

was wasserdurchquerungen und bodenfeuchte angeht, so ist das staendig anders und keine konstante fuer ewigkeiten..

genau deshalb glaube ich nicht, dass man sooo einen vorteil hat wenn man "gefahren" wurde.. aber nochmals : jeder wie er persoenlich seinen urlaub am liebsten verbringen moechte..

Ich finde es nur schade jemandem eine gefuehrte tour oder gruppenreise quasi nahe-legen zu wollen, weil er dann glabut beim naechsten mal kann ihm gar nix passieren.. das halte ich fuer totalen bloedsinn. Wir haben zum beispiel diesmal ne truppe getroffen, schon zigmal dort unterwegs, aber 5 mal wegen nicht so guten reifen, in wasserdurchquerungen im moremi stecken geblieben.. tja so kanns auch nach 10 botswana urlauben kommen..
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
1'287 Beiträge · seit 200819. März 2012 · #17
Miss Ellie schrieb:
Ganz ehrlich ich versteh oft nicht ab wann man, einigen Fomis zu folgen, die REIFE hat zu einem echten selfdriver zu werden. Ab wann darf man sich zum erlauchten Kreis zaehlen ?? Was gibt einem die "berechtigung" ohne sich lynchen lassen zu muessen, selber eine tour anzupacken ?
Hallo,

es steht mir sicher nicht zu, jemanden davon abzuhalten sofort ohne Erfahrungen durch Botswana oder durch ein irgend ein anderes Land zu fahren und das war auch nie meine Absicht.
Es ging mir hier nur um den Vorschlag, vielleicht erst einmal darüber nachzudenken, ob nicht ein "einfacheres" Land als z.B. Botswana als "Einstiegsdroge Afrika" besser geeignet wäre. Ob nun als Selbstfahrer, selbst organisiert, geführt oder vorgebucht ist sicher sehr abhängig von den eigenen Vorlieben.

Ich jedenfalls habe in Parks wie z.B. Etosha, Krüger oder auch Addo (auch durch geführt Touren) gute und wichtige Erfahrungen sammeln können, die mich meine Reisen in Botswana und anderen Ländern noch mehr genießen haben lassen.

Natürlich ist das alles nur eine persönliche Empfehlung und jeder hat das Recht eigene Entscheidungen zu fällen.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
2'048 Beiträge · seit 200719. März 2012 · #18
Hallo Miss Ellie,
also dass Gruppenreisen nichts für dich wären glaube ich sofort.
genau deshalb glaube ich nicht, dass man sooo einen vorteil hat wenn man "gefahren" wurde.. aber nochmals : jeder wie er persoenlich seinen urlaub am liebsten verbringen moechte..
Naja, wenn man schon alles weiß und vieles kennt ist das klar. Schaue ich mir so manchen Thread und manche Fragenrunde hier so an, dann denke ich oft, die wären mit Guide besser dran.
Es geht ja nicht nur darum, ob man das ohne Guide schafft, sondern was und wie viel man von seinem Urlaub hat. Und nicht zuletzt benehmen sich viele so, dass ein Guide eine große Hilfe wäre, für alle die danach kommen.
Klar kann ich mir einiges anschauen, was in den Reiseführern steht. Aber viele wirklich tolle Erlebnisse habe und hatte ich gerade an den Plätzen, die da nicht drin stehen. Teilweise fahre ich da mit Freunden oder auf deren Ratschlag hin. Und wenn ich wandern will, dann muss ich wissen wo und bei wem ich mein Auto abstellen kann, ohne mir dauerhaft sorgen machen zu müssen. viele Touris steigen dann nicht aus, streichen Unternehmungen, weil sie sich nicht trauen. Die haben viel Geld gelöhnt, und weil am Guide gespart wurde fällt einiges einfach flach oder wird problematisch.
Wem es echt egal ist auch mal in der schei.... zu stecken, warum denn nicht
Aber die Fragen zeigen doch, dass es den meisten nicht egal ist. Eine Selfdriving-Tour ist keine Vollkasko-pauschalreise. Das sehen aber viele nicht so, wollen eben die Vollkasko-Bedingungen bei Autoversicherung und "ADAC"-hilfe. Dass es auch keinen Notarzt gibt merken die meisten ja nicht, weil sie ihn nicht brauchen.
Aber bis zu 30 versenkte Mietfahrzeuge in Botswana, die Zahl der schweren Unfälle von Touristen und und und zeigen eben, dass es trotz der stark gestiegenen Zahl an Selbstfahrern noch lange kein Ausflug nach Österreich ist.
Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
zuletzt bearbeitet 19. März 2012
5'538 Beiträge · seit 200819. März 2012 · #19
Hallo Zusammen,

ich habe in meinem ganzen Leben meine Reisen immer selbst geplant und ich bin auch immer selbst gefahren - in Europa mit dem eigenen Auto und auf anderen Kontinenten mit Leihwagen. Ich habe mir die Routen selbst ausgewählt und dazu das passende Fahrzeug. Nun muss ich aber fairerweise bekennen, dass ich Namibia erst seit 1999 mache und dass ich anfänglich nur die typischen Hauptrouten gefahren bin, auf denen einem wirklich (fast) nichts passieren kann. Und da ich von Anfang an meinen eigenen Wagen hatte, hatte ich natürlich auch das Kennenlern-Programm mit Reifenwechsel etc. nicht zu absolvieren. Denn das sollte man unbedingt machen. Ich möchte generell auch keinen anderen Urlaub machen. Weder möchte ich mit einem mir unbekannten Guide noch mit einer mir unbekannten Gruppe zusammen fahren - das Risiko wäre mir zu groß. Dafür sollte man sich anfänglich eben auf die "gängigen" Strecken und Ziele beschränken und nicht gleich in Kaokoveld oder ins Delta fahren wollen.

Aber es ist halt Geschmackssache. Freunde von mir fahren öfter mit Guide als Individaultour. Die sind bisher immer happy nach Hause gekommen.

Liebe Grüße
Gerd
5'479 Beiträge · seit 200920. März 2012 · #20
Hier warst Du aber schon mit Guide unterwegs 😛 : http://www.namibia-forum.ch/forum/156-diverses/149375-mein-masai-mara-traumtagebuch.html (Wo ist eigentlich das PDF-Dokument mit Deinem tollen Reisebericht geblieben?

Das heute viele bezüglich einer Selbstfahrer-Campingreise anfragen, ist sicherlich auch den modernen Informationsmedien, wie z.B. dem Namibia-Forum geschuldet. Als wir unsere erste Afrikareise (nach Namibia) planten, gab es außer Reiseführern keine weiteren Informationsquellen - das Internet wurde gerade erst erfunden. Da musste man nach Lektüre des Reiseführers selbst entscheiden, ob man sich das zutraut.

Wenn in diesem Thread bislang von den Voraussetzungen und Fähigkeiten für eine Selbstfahrer Campingssafari geschrieben wurde, fehlten mir die wichtigsten Voraussetzungen. Wer flexibel ist, bereit ist sich unvorhergesehenen Problemen zu stellen, improvisieren kann, bereit ist sich die Hände schmutzig zu machen, mit Rückschlägen und Niederlagen umgehen kann, sich im Vorfeld mit dem Thema Camping & Outdoor vertraut macht und sich über die landestypischen Besonderheiten und Gefahren informiert, kann nach meiner Ansicht sofort mit einer Selbstfahrer-Campingsafari in Afrika starten.

Wir haben es 1996 so gemacht (Namibia incl. Kaokoveld) und es in keinster Weise bereut.
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