BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201019. Dez. 2011 · #1
Reisebericht Südliches Afrika 27.07. bis 18.10.2011
Wie alles begann… Ein Traum wird wahr! Monatelang haben wir diesen Moment herbeigesehnt – nun ist er Wirklichkeit geworden: Heute Abend fliegen wir nach Afrika! 2009 kam das erste Mal die verrückte Idee einer mehrmonatigen Reise ins südliche Afrika über unsere Lippen und veranlasste uns dazu, Geld für einen solchen Trip zur Seite zu legen. 2010 kauften wir uns die ersten Reise- und Vogelführer des südlichen Afrikas. Lange Monate der Vorfreude, des Schwärmens und Träumens, aber auch der Ungewissheit, des Zweifelns und Hinterfragens nahmen ihren Lauf. Wird es jemals möglich sein, unseren Traum zu realisieren? Wie werden wohl unsere Arbeitgeber auf unsere wahnsinnige Bitte reagieren, uns drei Monate unbezahlten Urlaub zu geben? Wie können wir eine solche Reise überhaupt finanzieren? Was werden unsere Familien, Verwandten und Freunde dazu sagen, wenn wir ihnen unsere kühnen Pläne auftischen? Unsere Arbeitgeber wussten wohl nicht, was sie tun, als sie sich entschieden, diesem Vorhaben grünes Licht zu geben. Wir waren sprachlos – es gibt noch Zeichen und Wunder! Nun waren wir bereit, uns einem straffen Finanzplan zu unterziehen: die monatlichen Auslagen wurden auf das Nötigste minimiert – jeder nur erdenkliche Rappen floss in unser Reise-Sparschweinchen 😎 . Unser Umfeld reagierte ganz unterschiedlich auf unser geplantes Abenteuer. Die einen waren sichtlich begeistert und bekräftigten uns darin, unser Ziel weiterzuverfolgen. Andere waren eher schockiert und konnten nicht verstehen, dass wir uns freiwillig in die Höhle des Löwen begeben wollen. Es klang geradezu, dass es sich um eine todgeweihte Sache handle – sind doch die Chancen einfach unübertrefflich, von einer Schlange gebissen, von einem Raubtier gefressen oder von irgendwelchen Buschleuten überfallen zu werden. Nichts desto trotz: Wir hielten an unserer Überzeugung fest – Afrika wir kommen!
Dankeschön Unzählige Stunden haben wir in die Planung dieses Wahnsinns investiert: Reiseführer lesen, Reiseberichte aufsaugen, Reisegefährten suchen, Reiseroute erarbeiten, Afrika-Gurus finden, mit Afrika-Freaks e-mailen, Afrika-Foren durchstöbern, Afrika-Reise überarbeiten, Afrika Reise buchen… An dieser Stelle möchten wir an Andrea und Chris Heinrich (www.fotofeeling.com), Conny und Andi Schum (http://afrika.schums.com), Carsten Möhle (www.bwana.de), Patrick und Marie-Louise Cardwell (www.avianleisure.com), Dieter Risser (www.ondjamba.com.na), Nick (www.tutwa.com) und all den Reisefreaks und Gurus aus dem Namibia-Forum (www.namibia-forum.ch) ein ganz herzliches Merci ausrichten! Vielen, vielen Dank für die unzähligen Stunden und Nerven, die ihr in unsere Reiseplanung investiert habt. Dank euren Tips, Ratschlägen und Infos durften wir Orte besuchen, die uns die Sprache verschlugen, einer Tierwelt begegnen, die uns aus der Fassung brachte und auf fremde Kulturen treffen, die unsere typisch schweizerische Sicht der Dinge auf positive Weise ein wenig durcheinander wirbelten.
casimodo4'529 Beiträge · seit 200719. Dez. 2011 · #2
Hallo BeniSu,
das hört sich ja spannend und mutig an. Ich bin schon gespannt auf Euren Bericht !
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201019. Dez. 2011 · #3
Über uns Bevor die einzelnen Tagebucheinträge unsere Erlebnisse wiedergeben – hier ein paar Infos über uns: Ich heisse Beni, bin 29 Jahre alt und reise fürs Leben gerne. Mein Umfeld (insbesondere meine Frau) hält mich für einen krankhaften Vogel-Fanatiker. In der Tat ist die Ornithologie seit zwanzig Jahren ein grosses Hobby von mir. Seit zehn Jahren versuche ich zudem die vielen Beobachtungen fotografisch festzuhalten, wobei ich mich niemals als Fotografen bezeichnen würde – fehlen mir doch das nötige Know-how, die Geduld und auch ein wenig das technische Verständnis dazu. Es ist das erste Mal, dass ich das südliche Afrika bereise und es handelt sich ebenfalls um eine Erst-Erfahrung, mit einem 4x4-Vehikel mit Dachzelt unterwegs zu sein. Meine Frau Noemi (26) würde sich nicht unbedingt als Reisefreak bezeichnen – somit überrascht es kaum, dass diese Reise nach Afrika ihre erste grosse Reise überhaupt ist. Es war, ohne hier zu übertreiben, ein sehr mutiger und gewiss auch ein steiler Einstieg in die „Reisebranche“ und ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie sich für einen solchen Trip überreden liess. Noemi ist definitiv kein Vogel-Fanatiker und wird es aufgrund ihres „bekloppten“ Vogel-Freaks 😛 bestimmt auch nie werden – doch man staune – sie war ein klein wenig von der bunten Vogelwelt Afrikas begeistert! Gibt es nebst dieser winzig kleinen Differenz auch gemeinsame Interessen? Ja, die gibt es 😄 : Wir bewundern weite unberührte Landschaften, sind beide von der einzigartigen Tierwelt Afrikas begeistert und lieben Camping – draussen im Freien sein, über dem Feuer kochen, ums Lagerfeuer sitzen und mit anderen zusammen den Sternenhimmel bewundern, Erlebnisse austauschen und Bier und Wein trinken.
Unsere Reisegefährten Da wir, wie bereits erwähnt, das erste Mal das südliche Afrika bereisten, war es uns wichtig, insbesondere im wenig touristischen Botswana, zu viert und somit mit zwei Autos unterwegs zu sein. Tamara (26) und Thomas (29), zwei liebe Freunde von uns, entschieden sich, uns die ersten fünf Wochen zu begleiten. Es war eine weise Entscheidung: Vier Afrika-Grünschnäbel können sich im Busch besser helfen als nur zwei. Hierzu sei noch folgendes erwähnt: Ich bin ein ziemliches Greenhorn, was Auto-Mechanik anbelangt, somit war es äusserst hilfreich, mit Thomas einen erfahrenen und technisch versierten Hobby-Mechaniker dabei zu haben, was sich mehrmals auszahlte. Auch konnten wir von seinen technischen Fähigkeiten im Bereich Auto-Stromversorgung und Elektrik profitieren. Seine Frau Tamara erwies sich als geniale Menü-Planerin und bildete zusammen mit Noemi ein super Küchenteam. Täme und Hofi – es war einfach eine fantastische Zeit, mit euch zusammen Botswana zu entdecken. Die unzähligen gemeinsamen Erlebnisse und Erfahrungen haben uns mächtig zusammengeschweisst und werden uns in schöner Erinnerung bleiben. Es war einfach grossartig mit euch – gerne wieder 😁 !
Ein kleiner Vorgeschmack 84 Tage unterwegs, 3 Länder intensiv erlebt, 2 Länder am Rande gestreift, 13‘500 Auto-Kilometer zurückgelegt, 3 Autowerkstätte aufgesucht, 13 Nationalparks erkundet, unberührte Kalahari-Steppen durchfahren, riesige Wassermassen im Okavangodelta angetroffen, Fans der Palmwag-Konzession geworden, wunderschöne Wüsten gesehen, wilden Atlantik gespürt, unbeschreibliche Buchten entlang gelaufen, 440 Vogelarten bestimmt, über 70 Tierarten entdeckt, 2 Ureinwohnerstämmen begegnet, pulsierende Dörfer/Städte kennengelernt, Braai und Amarula süchtig geworden.
Mittowch, 27. Juli 2011 Endlich geht es los! Heute fliegen wir um 22.15 Uhr über Dubai nach Kapstadt. Nachdem anfangs Woche die letzten Buchungsbestätigungen von Bwana Tucke-Tucke eingetroffen, heute die letzten Einkäufe erledigt und die Koffer gepackt sind, fühlen wir uns bereit, unseren langersehnten Urlaub zu starten. Am Abend werden wir von Noemis Eltern und ihrer Schwester abgeholt und zum Flughafen Kloten gefahren – eine nette Geste, die wir natürlich nicht ausschlagen. Am Flughafen eingetroffen, finden wir kurze Zeit später Täme und Hofi, die ebenfalls nach Zürich chauffiert wurden. Nach einem kurzen, für Noemi emotionalen Abschied von ihren Eltern, checken wir ein, durchqueren die Passkontrolle und erwarten sehnlich unseren Flug in Richtung Dubai. Mehr oder weniger pünktlich rollen wir übers Flugfeld, um kurze Zeit später im dunklen Nachthimmel zu verschwinden. An Schlaf ist kaum zu denken – dazu sind wir viel zu aufgeregt. Zum Glück fliegen wir mit Emirates, was bedeutet, dass an jeder Rückenlehne ein kleiner Bildschirm angebracht ist, wo man sich nach Lust und Laune einen Film nach dem anderen reinziehen kann. Dazu muss man mich nicht zweimal bitten … schon nach wenigen Minuten hat mich ein aktueller Kinostreifen in seinen Bann gezogen…
Donnerstag, 28. Juli 2011 Noemi schaut auf ihre nigelnagelneue Kinder-Swatch-Uhr, die sie sich wenige Stunden vor Abflug in einem Swatch-Geschäft gekauft hatte (typisch Kindergärtnerin): Es ist 08.45 Uhr. Wir sitzen bereits im nächsten Flieger Richtung Kapstadt und warten auf grünes Licht vom Tower in Dubai. Zuvor haben wir uns einen Kaffee mit Blueberry Muffin in einem Starbucks im modernen Flughafengebäude genehmigt – zwar sauteuer, aber sehr genüsslich 😛 ! Wir sind todmüde, haben von Zürich bis Dubai kein Auge zugetan und hoffen nun, dass wir vom Schlaf überwältigt werden. Ach ja, da fällt uns eben ein: heute ist unser vierter Hochzeitstag, mal was anderes, diesen im Flugzeug zu verbringen. Kurze Zeit später sind wir wieder in der Luft. Die Zeit streicht nur sehr langsam vorüber. Nachdem ich schon x-mal meine Sitzposition geändert habe, reicht es langsam. Ich kann nicht mehr! Wie bescheuert muss man sein, freiwillig über 15 h in einem Flugzeug auszuharren? Um 17.00 Uhr dann die Erlösung: Wir landen in Kapstadt. Völlig übermüdet verlassen wir als Letzte die Passkontrolle und steuern die Gepäckausgabe an. Die leise Hoffnung, wir würden sämtliche Gepäckstücke antreffen, versuchen wir energisch aus unseren Köpfen zu verbannen – viel zu oft, so wurde uns gesagt – spricht die Realität eine andere Sprache. Gebannt schauen wir auf das Laufband … welch ein Wunder - alle unsere Gepäckstücke rollen friedlich vor sich hin – juhuii! Wir werden von einem sehr netten Chauffeur türkischer Abstammung abgeholt und nach Simon’s Town zu Avian Leisure gefahren. Auf der Fahrt zur Unterkunft bereits die erste Überraschung: Kurz vor unserem Ziel überqueren im Scheinwerferlicht ein paar Brillenpinguine die Strasse, um zu ihren Bruthöhlen auf der gegenüberliegenden Seite zu gelangen – wir sind total aus dem Häuschen – Pinguine in Afrika, irgendwie eine schräge Vorstellung. Endlich haben wir unser Zuhause für die nächsten beiden Nächte erreicht und werden sehr herzlich von Marie-Louise und Patrick Cardwell empfangen. Das Gepäck ist schnell im Wohnzimmer des Watsonia Apartments verstaut und kurze Zeit später essen wir ein feines cafe complet, welches wir uns unterwegs in einem Tankstellenshop besorgt haben. Es ist kalt und die Gasheizung erwärmt die Räumlichkeiten erst nach einer gewissen Zeit – uns ist das egal – wir sind in Afrika! Voller Freude hüpfen wir unter die Bettdecke und träumen von den Pinguinen.
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201019. Dez. 2011 · #4
Freitag, 29. Juli 2011 07.30 Uhr: Heute Morgen frühstücken wir mit Täme und Hofi in ihrem nahegelegenen Apartment namens Port of Call. Wir geniessen einen fantastischen Sonnenaufgang mit exzellenter Sicht über die False Bay. Auch in ihrem Apartment ist es a...kalt, aber schön.
[foto: 36435]
Anschliessend steht eine Erkundungstour zu Fuss auf dem Programm. Unterwegs zeigen sich wunderschöne Nektarvögel – Malachite Sunbirds, Southern Double-collared Sunbirds und Orange-breasted Sunbirds. Am Strand (in der Nähe des Golfplatzes) lassen sich eine handvoll Brillenpinguine bestaunen. Während Täme und Noemi sich auf Muschelsuche begeben und Hofi seine Spiegelreflex warm schiesst, versuche ich die nächsten Vogelarten zu bestimmen: Auf den nahegelegenen Felsen halten sich White-breasted Cormorant, Cape Cormorant, Kelp Gull und zu meiner grossen Freude zwei Black Oystercatcher auf. Hadeda Ibis, Swift Tern und Pied Crow lassen sich im Vorbeiflug beobachten, währenddessen ein einzelner Blacksmith Lapwing auf dem Golfgelände herumläuft. Hinzu kommen Cape Bulbul, Cape Wagtail, Karoo Prinia und der Common Fiscal. Einfach unglaublich: Jede Vogelart ist hier neu für mich. Nun ist es aber höchste Zeit, den Heimweg anzutreten.
[foto: 36396] [foto: 36436]
Pünktlich um 09.30 Uhr erreichen wir völlig ausser Atem die Unterkunft (diese befindet sich an einem steilen Hang). Dirk von Africamper ist bereits mit unserem Toyota Hilux Doublecab eingetroffen. Die Autoübergabe klappt sehr gut. Dirk nimmt sich viel Zeit, um uns das Auto näher zu bringen, zeigt uns den Aufbau des Dachzeltes sowie die detaillierte Campingausrüstung, um anschliessend noch den Papierkram mit uns durchzugehen. Der Hilux ist ungefähr dreijährig, besitzt deutliche Kratzspuren, was uns nur recht sein kann, steht auf vier neuen Reifen und macht aufs Erste einen wirklich guten Eindruck. Einzig das hintere Differential weist minimale Ölspuren auf, die auf ein kleines Leck hindeuten. Dirk nimmt‘s zur Kenntnis und versichert uns, im Falle eines Problems für die Kosten aufzukommen. Anschliessend zügeln wir zu viert unser Gepäck vom Watsonia und Port of Call ins Shearwater Apartment, welches wir aufgrund einer Terminkollision erst heute beziehen können: Das Shearwater Apartment, welches ebenfalls zu Avian Leisure gehört, haut uns aus den Socken. Es weist zwei schöne Schlafräume auf und verfügt über eine wunderbare Terrasse mit herrlichem Blick über die False Bay. Gleich unterhalb der Terrasse befindet sich ein kleines „Wasserloch“, von Patrick selbst angelegt, welches unzählige Vögel anlockt und in der Nacht mit einem Stachelschwein aufwarten kann. Wir fühlen uns pudelwohl in unseren neuen vier Wänden und können es kaum fassen, eine solche Unterkunft mit extrem lieben Gastgebern gefunden zu haben. Als Nächstes steht die zweite Autoübernahme auf dem Programm. Während Täme und Noemi mit Patrick Lebensmittel- und Campingeinkäufe für die nächsten Tage organisieren, fahren Hofi und ich zur KEA-Autovermietung, um das zweite 4x4 Vehikel in Empfang zu nehmen. Der Linksverkehr löst zu Beginn ein mulmiges Gefühl in mir aus, doch schon bald finde ich mich mit den neuen „Strassenverhältnissen“ gut zurecht. Zu Beginn verläuft die Übergabe ganz gut: Der Papierkram wird seriös erarbeitet und wir haben das Glück, von einem wirklich freundlichen KEA-Mitarbeiter instruiert zu werden. Die anschliessende Autobesichtigung entspricht weniger unseren Vorstellungen. Erst nach ewigem, dringlichem Bitten ist KEA bereit, die abgefahrenen Reifen durch neuere zu ersetzen. Das Werkzeugmaterial entspricht keineswegs dem Standard von Africamper. Trotzdem: Wir sind einigermassen guter Dinge, dass wir mit den uns zur Verfügung gestellten Mietautos die geplante Reise in Angriff nehmen können. Zurück beim Shearwater Apartment angelangt, gönnen wir uns einen schönen Sonnenuntergang bei den Pinguinen.
[foto: 36425]
Dann ist nochmals Einkaufen angesagt: Wir versuchen mit Hilfe eines Abendeinkaufs noch die restlichen Sachen, die wir für unseren Trip benötigen, zu besorgen. Als Belohnung: Essen bei McDonalds. Todmüde erreichen wir spät abends die Unterkunft. Leider war es nur Noemi vergönnt, die Spezialität des hauseigenen „Wasserlochs“ zu Gesicht zu bekommen: Das Stachelschwein. Glücklich, all die verschiedenen Kommissionen erledigt zu haben, kriechen wir ins Bett.
...das macht Lust auf mehr! Schreib´ schnell weiter.
Grüße tine
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201019. Dez. 2011 · #6
Samstag, 30. Juli 2011 Ich stehe früh auf, um von der Terrasse aus Vögel zu beobachten. Folgende Arten zeigen sich am Wasserloch: Cape Turtle Dove, Laughing Dove, Cape Bulbul, Cape Robin-Chat, Cape White-eye, sonnende Speckled Mousebirds, ein heimlicher Southern Boubou, die drei verschiedenen Nektarvogelarten von gestern sowie eine Gruppe Common Waxbills und ein einzelner Cape Canary.
[foto: 36434] [foto: 36433] [foto: 36423]
Anschliessend kräftigen wir uns mit einem feinen Frühstück, bevor Schwerstarbeit angesagt ist: Auto packen. Glücklicher Zwischenfall: Während ich nochmals auf die Terrasse verschwinde, entdecke ich in der False Bay plötzlich eine grosse Schule Delphine und ein paar Cape Gannets. Wenig später erspäht Noemi 3 Wale, die ebenfalls in der Bucht umherschwimmen. Das Packen dauert länger als erwartet. Völlig verschwitzt entscheiden wir uns, noch schnell eine Dusche zu nehmen bevor wir losfahren. Gegen Mittag: Abfahrt Richtung Clanwilliam. Auf der rund 4,5 stündigen Fahrt (inkl. Pausen) treffen wir eine enorm grüne und abwechslungsreiche Landschaft an. Wir kommen gut voran. Als wir den Piekenierskloofpas erreichen, steht bereits eine Autokolonne an der im Forum diskutierten Baustelle. Bereits nach wenigen Minuten dürfen wir passieren - für uns war die Wartezeit also gleich null 😛 .
Folgende Vogelarten kommen unterwegs hinzu: ein die Autobahn überfliegender Rosapelikan, kleine Gruppen Kuhreiher, 2 Afrikanische Löffler, eine Gruppe Heilige Ibisse, ein Jackal Buzzard, der sich auf einem Leitungsmasten ausruht, ein Gleitaar, Rock Kestrels, Perlhühner, Strausse, ein überfliegender Wiedehopf, White-necked Raven und eine Gruppe Red-winged Starlings. Vor Erreichen des Clanwilliam Dam verlassen wir die N7 und fahren am östlichen Ufer des Stausees entlang – wunderschöne Gegend. Um ca. 17.00 Uhr erreichen wir unser Tagesziel: Lebanon Citrus – ein günstiger Campingplatz direkt am See, umgeben von Orangenhainen. Wir stellen die Dachzelte auf und die Frauen verwöhnen uns mit Kartoffeln in Alufolien und einem bezaubernden Thon-Mais-Salat. Wir sind die einzigen Camper(!) und somit geniessen wir das Nachtessen ganz alleine unter einem unglaublichen Sternenhimmel – wow! Bereits um 20.00 Uhr verziehen wir uns in die Zelte – Gute Nacht
Tageskilometer: 249 km
[foto: 36426]
Beate21'117 Beiträge · seit 201020. Dez. 2011 · #7
Hallo Beni,
das finde ich ja schön, dass du uns nach eurem Urlaub eine Rückmeldung gibst. Alles in allem und insbesondere in puncto birdlife war die Zeit ja wohl ein voller Erfolg. 😁 Das freut mich sehr!
Ich werde mir deinen Bericht und die Fotos als Weihnachtslektüre aufheben
Liebe Grüße Beate
AFafrican-mum42 Beiträge · seit 201120. Dez. 2011 · #8
Hallo BeniSu!
Wir planen Ende nächsten Jahres auch eine mehrmonatige (6-7) Campingtour durchs südliche Afrika. Mir schwirrt zur Zeit der Kopf wegen den Vorbuchungen in den Nationalparks. Wie habt ihr das denn gemacht? Habt ihr etwas vorgebucht, wenn ja, was? Am liebsten möchte ich garnicht vorbuchen um sich keinem Zeitplan zu unterwerfen, zumahl wir mit unseren zwei Kindern (3 und 5) reisen ist eine langfristige Planung eher schwierig. Freu mich über eine Antwort
Monika
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201020. Dez. 2011 · #9
Hallo Monika
Ich habe dir eine PM geschickt.
Gruss Beni
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201020. Dez. 2011 · #10
@ Casimodo, tira und Beate2: Es freut uns sehr, dass euch unser Reisebericht gefällt. Wir hoffen schwer, dass wir heute Abend noch dazukommen, einen weiteren Reisetag ins Forum zu stellen:)
🤩 endlich kommt Euer ausführlicher Bericht. Den Anfang Eurer Reise habe ich sogleich verschlungen und warte nun ungeduldig auf mehr.😗 Liebe Grüße, Andrea
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201020. Dez. 2011 · #12
Sonntag, 31. Juli 2011
Saukalte Nacht! Morgens sind wir mit „pflotsch-nassen“ Dachzelt-Innenwänden konfrontiert. Um diesem Problem in Zukunft zu entgehen, entscheiden wir uns, von nun an die beiden Seitenfenster immer einen Spalt geöffnet zu lassen. Frühstück und das Trocknen der Dachzelte ist angesagt. Mit Kappe und Handschuhen schlürfen wir unser Müesli runter und geniessen die ruhige und wunderschöne Morgenstimmung: Alles ist in einen geheimnisvollen Morgentau eingehüllt; gespenstige Nebelschwaden schweben über dem See und die aufgehende Sonne lässt die Landschaft in einem bezaubernden Licht erstrahlen.
Rund um unseren Campingtisch singen Bokmakieries, eine Vogelart, die der Familie der Buschwürger angehört. Auf dem See lassen sich ein Haubentaucher und Reed Cormorants finden, über unsere Köpfe fliegen Hadeda Ibisse, währenddessen sich am Ufer ein Schlangenhalsvogel sonnt. Auf dem Campingareal finde ich zudem erneut einen Gleitaar, Speckled Mousebirds und die nervösen Cape White-eyes. Common Fiscals bevölkern die Umgebung, Cape Weavers bewachen ihre runden Nester und Cape Sparrows sitzen im Gebüsch. In einem Baum versteckt sich eine Karoo Thrush und ein Black-headed Heron stolziert über das nahegelegene grasbewachsene Flugfeld. Vor lauter Beobachten, Zelt-Trocknen und Plaudern vergessen wir einwenig die Zeit – Fazit: Wir fahren erst um 11.00 Uhr los. Tagesziel: Die rund 600 Kilometer entfernten Augrabies Falls. Na, jetzt aber los…! In der Nähe des Campingplatzes sitzt ein weiterer Gleitaar auf einem dürren Baum und entlang des Stausees kreist ein wunderschöner African Harrier Hawk – doch nochmals anhalten 😎! Dasselbe gilt in Clanwilliam – die Autos werden vollgetankt und der Luftdruck kontrolliert. (Als wir morgens den Luftdruck der Reifen kontrollieren wollten, stellten wir schockiert fest, dass bei beiden Mietwagen der dazugehörige Kompressor defekt ist). Anschliessend folgen wir der R364, um später über die R27 auf die N14 zu gelangen. Beim Überqueren des Botterkloof Passes merken wir, dass unserem Auto ein bisschen die Kraft fehlt – während Tamara und Thomas mit ihrem 3 Liter Motor zügig vorankommen, hat unser 2,4 Liter Motor aus irgendwelchen Gründen mächtig zu kämpfen. Oftmals schaffen wir es nur im ersten oder zweiten Gang den Berg hinauf. Umsomehr freuen wir uns über den tollen Ausblick auf der Passhöhe. Beim Fotografieren der Landschaft machen zwei lauthals wetternde Grey Tits auf sich aufmerksam und eine Cape Bunting fliegt von einem Stein zum nächsten. Auch Rock Martins und Alpine Swifts zeigen sich.
Die Fahrt auf der R364 erweist sich als wahres Blumenparadies: Immer wieder fahren wir an blühenden Blumenwiesen vorbei, die sich mehrmals bis an den Horizont erstrecken – gelb, orange, pink – einfach super! Unterwegs entdecken wir mehrere Southern Pale Chanting Goshawks auf Telefonmasten; eine einzelne Spur-winged Goose sitzt in einem Tümpel am Strassenrand und eine Schildkröte zieht ängstlich den Kopf ein, als wir mit unseren Vehikeln an ihr vorbeifahren.
Nachdem wir Calvinia durchquert haben, wird das Autofahren immer eintöniger – eine schnurgerade R27 durchquert in Richtung Norden eine unendlich lange Steppenlandschaft. Die Sonne steht bereits tief über dem Horizont und bis zu den Augrabies Falls ist es noch ein ganzes Stück zu fahren. Trotzdem entscheiden wir uns, an unserem Tagesziel festzuhalten. Die Dunkelheit hat bereits eingesetzt, als wir zusammen mit zwei Afrikanern das Gate erreichen. Anstatt einen Parkwächter anzutreffen, ist hier gähnende Leere. Wir schlucken ein paarmal tief 🙄. Der Afrikaner telefoniert mit seinem Handy irgendwelchen Leuten und gestikuliert wild; anhand seiner Mimik ist zu erkennen, dass er darauf besteht, irgendjemand soll dieses sch… Tor aufmachen 🤩. Es dauert etwa 20 Minuten, als ein Parkranger erscheint und sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt. Nach elend langem Papierkram dürfen wir todmüde, aber überglücklich die Campsite ansteuern. Während wir Männer im Dunkeln die Zelte aufbauen, kochen die Damen. Teigwaren mit Tomatensauce stillen den grossen Hunger. Schnell ist alles verräumt und wir liegen im Dachzelt und lauschen dem Rauschen des Wasserfalls.
Tageskilometer: 615 km
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201021. Dez. 2011 · #13
Montag, 01. August 2011
Die vergangene Nacht war sehr erholsam. Wir haben richtig gut geschlafen. Noemi ist im Vergleich zu gestern Morgen nicht unterkühlt aufgewacht und auch das Zähneklappern scheint sie heute bestens unter Kontrolle zu haben 😛. Während die anderen sich in ihren Schlafsäcken noch einmal drehen, zieht es mich nach draussen. Die Dämmerung hat eben eingesetzt. Bewaffnet mit meinem Feldstecher marschiere ich los und befinde mich kurz darauf am Anfang des Dassie Nature Trails. Es ist unglaublich ruhig. Ausser dem entfernten Rauschen der Fälle und dem fröhlichen Vogelgezwitscher sind hier nicht viele Laute zu vernehmen. Ich bin ganz allein, mitten im nirgendwo und habe keine Ahnung, was mich in dieser Felsblocklandschaft erwartet. Bereits nach wenigen Minuten finde ich das hübsche Orange River White-eye – ein Artgenosse des Cape White-eyes. Es handelt sich dabei um ein 10g schweres gefiedertes Nervenbündel, welches unruhig vom einen Ast zum nächsten flattert und aufgrund seines weissen Lidrings und den pfirsichfarbenen Flanken auffällt. Kurze Zeit später ertönt ein lauter Ruf und während ich noch studiere, um welchen Federvogel es sich hier handeln könnte, fliegt das sich suspekt anhörende Objekt in Form eines Giant Kingfishers vorüber. Es handelt sich hierbei um die grösste Eisvogelart Afrikas. Nun bin ich definitiv wach. Voller Erwartung setze ich meinen kleinen Spaziergang fort. Immer wieder treffe ich auf kleine Wassertümpel, die sich zwischen den schroffen Felsen gebildet haben. Wunderschöne sprudelnde Bäche, z.T. umgeben von Schilf, suchen ihren Weg in Richtung Schlucht. Die Sonne ist mittlerweile über dem Horizont aufgetaucht und lässt die Felsen in einem wunderschönen Braunrot erscheinen. Ohne viel zu überlegen, steuere ich einen weiteren natürlichen Wasserpool an, um mir das Ganze aus der Nähe anzusehen. Plötzlich stockt mein Atem … direkt vor mir, auf einem grossen Stein mitten im Pool, sitzt ein riesiger African Clawless Otter. Der rund 1 Meter grosse Kerl ist mindestens so erschrocken wie ich, schaut mich verdutzt an, verschwindet im Nu im Wasser, um sich anschliessend im nahegelegenen Schilf zu verstecken. Ich kann mein Glück kaum fassen. Ich habe einen Otter aus wenigen Metern Distanz bewundern können – dies passiert einem wohl nicht jeden Tag, geschweige denn mehrmals am Tag – oder etwa doch?! Voller Freude trete ich den Rückweg an und erzähle den anderen von meinem tollen Erlebnis. Wir starten zusammen gemütlich in den Tag, schauen uns die Fälle an, knipsen wie wild in der Landschaft rum und schauen vergnügt den lustigen Klippschliefern beim Herumtoben und Rumsitzen zu. Ein paar White-backed Mousebirds sonnen sich im Gebüsch, Alpine Swifts kreisen über der Schlucht und an der einen Aussichtsplattform schiesst ein Wanderfalke vorbei, währenddessen auf der gegenüberliegenden Seite der Schlucht ein paar Felsentauben das Weite suchen.
Allmählich meldet sich der Hunger. Zurück auf der Campsite gönnen wir uns einen feinen Brunch, bevor wir uns entscheiden, eine mehrstündige Wanderung in Angriff zu nehmen. Ausgerüstet mit Kamera, Feldstecher, Fernrohr und genügend Wasser starten wir den Dassie Nature Trail. Der Weg führt uns in Richtung Arrow Point – einem genialen Aussichtspunkt, von wo man einen wunderschönen Blick in die Schlucht hat. Während ich zum x-ten Mal den Himmel nach Raubvögeln scanne, entdecke ich ein Kaffernadler-Paar (Verreaux’s Eagles), welches in einiger Entfernung über der Schlucht kreist und sich durch das Fernrohr ausgiebig beobachten lässt. Eine Traumart! Ganz in der Nähe zeigt sich zudem ein Dusky Sunbird.
Wir entscheiden uns, den Dassie Nature Trail zu verlassen und schlagen den Klipspringer Hiking Trail ein, welcher uns durch eine fantastische menschenleere Landschaft führt. Nachdem unsere Wanderung den zu Beginn gesetzten Zeitrahmen bereits überschritten hat, machen wir eine Schlaufe und treten den Heimweg an. Wir haben etwas Mühe, auf den verschiedenen Trampelpfaden den richtigen Weg zu finden, verlassen uns jedoch auf unseren schweizerischen Orientierungssinn 😉. Während wir ein kleines Tal durchqueren, um auf der anderen Seite wieder emporzusteigen, finden wir zwei der langersehnten Klippspringer.
Unser Wasservorrat neigt sich dem Ende zu, als wir in der prallen Hitze des Tages den Moon Rock erreichen. Von hier oben hat man einen super Überblick. Wir laufen in Richtung Schlucht zurück, in der Hoffnung, bald einmal auf das Rest Camp zu stossen. Nach einiger Zeit befinden wir uns ganz in der Nähe der Stelle, wo ich morgens den Otter gesehen habe. Wir schleichen uns wie Indianer an den besagten Pool heran. Erneut lässt sich der Otter blicken, diesmal jedoch nur für Sekundenbruchteile und es bleibt leider auch dieses Mal nur mir vergönnt, das elegante Tier zu sehen, schade! Zurück auf dem Campingplatz erwarten uns die Vervet Monkeys (Grüne Meerkatze) – lustige Viecher, die jederzeit darauf warten, irgendeinen Essenshappen zu erwischen. Auch Streifenhörnchen, ein Wiedehopf, mehrere African Pied Wagtails und eine weitere Karro Thrush lassen sich aus nächster Nähe bewundern. Nach einem leckeren Abendessen und dem ersten Brotback-Versuch (Resultat ist gar nicht so schlecht) gehen wir auf einen Night-Drive, den wir bereits früh morgens gebucht hatten. Wir sehen Scrub Hares, Springböcke, Oryx-Antilopen, eine kleine Gruppe Zebras, erneut zwei Klippspringer und rund 10 Eland-Antilopen – die letztgenannten werden auf dem ganzen Trip die einzigen bleiben. Auf der rund 2 ½ stündigen Fahrt werden wir sehr müde und sind sehr froh, als wir völlig durchgefroren in unsere Schlafsäcke schlüpfen können. Ich bin etwas enttäuscht, dass sich auf dem Night-Drive keine Raubtiere zeigten, entscheide mich aber rasch, in Gedanken nochmals den tollen African Clawless Otter aufzusuchen.
lilytrotter4'129 Beiträge · seit 200821. Dez. 2011 · #14
Hallo, BeniSu!
Das ist aber mal’ne richtig schöne lange Reise! Und bei eurer Reiseroute, kommen sicher noch sehr schöne Erlebnisse hinzu. Ihr habt ja einige außergewöhnliche Plätze dabei. Spannende Sache. Eure Vogelbeobachtungen würzen den Bericht aufs Allerfeinste (sind wir doch selbst kleine Birder und „Rupf-Botaniker“), - birden macht die Naturbeobachtungen so vielseitig und lebendig. Vielen Dank für euren interessanten Reisebericht! Grüße von Zweien, die „nie von der Stelle kommen“, weil es immer so viel zu sehen gibt... die lilytrotters
Gruß lilytrotter
Always look on the bright side of life... :-)
Walvisbay boomt
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201021. Dez. 2011 · #15
@ fotofeeling: Hallo Andrea - endlich habe ich damit begonnen: 😄 ! Zuerst musste ich erst einmal die "hunderttausend" Fotos aussortieren und mich im Forum schlau machen, wie man eigentlich diese Fotos hochlädt. Nun hat soweit alles geklappt. Die Chancen stehen also gut, dass nun immer mal wieder ein Reisetag ins Forum plätschert 😛. Noemi und ich wünschen euch schöne Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
@ lilytrotter: Vielen Dank für dein Feedback. Ja, ja - die Vögel sind so eine Sache 😄! Ich liebe die gefiederten Kerle und insbesondere Afrika hat sehr viele Arten in allen Farbvariationen zu bieten - einfach genial.
Jetzt hats dich aber definitiv gepackt. Du bist wieder einmal vom Wahnsinn überfallen. Die Einträge sind der Oberhammer, irgendwie kommt mir das alles was du da schreibst so bekannt vor.....achja....ich war ja auch dabei 😄 Übrigens, du musst gar nicht so angeben mit deinem Profilbild, das kann ich auch 😛
Liebe Gruess vom Hofi.
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201022. Dez. 2011 · #18
@ engelni: Hallo Nina, cool dass dir unser Bericht gefällt!
@ Thomas Hochstrasser: Hey Hofi, esch jo geil dech do em Forum azträffe. Do esch wohl de Gwonder grad echli am öbereschwappe 😛. Jo, Jo - eusi Profilbilder - die cheibe Raubchatze send jo scho de Burner gsi!
Dienstag, 02. August 2011 Heute ist Packen angesagt. Wir verlassen die Augrabies Falls und fahren über Upington in den Kgalagadi Transfrontier National Park. Während dem Morgenessen werden wir von einem skeptischen Acacia Pied Barbet beobachtet. Ein Common Scimitarbill (ähnelt einem Wiedehopf, ist jedoch blau-violett-weiss gefärbt) stochert in der Rinde eines nahegelegenen Baumes nach Fressbarem und um uns herum fliegen ein paar äusserst vorwitzige African Red-eyed Bulbuls, mit der unverschämten Absicht, uns das Müesli streitig zu machen. Nach dem Vergnügen (Essen) kommt die Arbeit (Packen). Schnell ist das Geschirr abgewaschen und in den einzelnen Kisten verstaut. Auch der Dachzeltabbau klappt wie am Schnürchen. Schon bald sitzen wir in unseren Autos und fahren nach Upington. Heute steht uns ein Grosseinkauf bevor – immerhin gilt es, für die nächsten 10 Tage einzukaufen. Täme und Noemi haben während dem Morgenessen einen super Einkaufszettel geschrieben und sind voller Tatendrang, sich ins Shoppingabenteuer zu stürzen. In Upington angelangt, laden wir unsere Frauen beim Pick ‘n Pay Supermarkt ab und suchen die nächste Tankstelle auf. Ziel: Volltanken, Holz kaufen und nach neuen Kompressoren Ausschau halten. Während unsere Autos kräftig Diesel schlucken, hält ein weiterer Hilux an der Tankstelle. Hofi erklärt dem jungen südafrikanischen Pärchen, welches gerade aus dem Kgalagadi kommt, unser Kompressoren-Problem. Die beiden sind sehr herzlich und helfen gerne. Schnell werden nochmals die defekten Geräte unter die Lupe genommen und nach Lösungen gesucht. Auch die beiden Südafrikaner sind der Meinung, dass hier nichts mehr zu machen ist. Sie bitten uns, ihnen mit unseren Autos nachzufahren – kennen sie doch einen guten Shop in der Stadt, wo man Kompressoren kaufen kann. Ein paar Mal links und recht abbiegen und bereits stehen wir vor einem verheissungsvollen Geschäft (Walkers). Erneut werden die Geräte getestet und nochmals kriegen wir die Antwort, dass die Kompressoren defekt sind. Nun gilt es Africamper anzurufen und die Erlaubnis einzuholen, ein neues Gerät zu kaufen. Diskussionslos wird dem Vorhaben grünes Licht gegeben und wenige Minuten später laufen wir mit einem nigelnagelneuen Kompressor aus dem Geschäft. Wir sind mega froh, dass alles so reibungslos geklappt hat und bedanken uns ganz herzlich bei unseren südafrikanischen Engeln. Nun mal schauen, wie es unseren Frauen beim Einkaufen ergeht: Täme und Noemi haben vollen Einsatz geleistet und bereits zwei Einkaufswagen gefüllt – doch es fehlt noch Einiges. Zu viert begeben wir uns auf die Suche nach den fehlenden Lebensmitteln, bis wir schliesslich schwer beladen aus dem Supermarkt kommen. Wie um alles in der Welt sollen wir 10 Morgen-, Mittag- und Abendessen inkl. 150 Liter Wasser und Unmengen Sundowners im Kofferraum verstauen? Nach unzähligen Anläufen haben wir es endlich geschafft. Ja, ja, das kommt davon, wenn Perfektionisten am Werk sind 😎 . Nun aber los – der Kgalagadi ruft. Die R360 ist super zu befahren und wir kommen zügig voran. Mehrmals sehe ich interessante Vögel auf den Telefonleitungen und Masten sitzen, kriege jedoch von meiner Anti-Vogel-Frau 😛 jedesmal den Befehl, gefälligst weiterzufahren - schliesslich wollen wir nicht erneut bei Dunkelheit den Campingplatz ansteuern. Grrrr, als Ornithologe hat man kein einfaches Leben 😠! Nochmals entdecke ich einen kleinen Greifvogel und dieses eine Mal muss ich einfach kurz anhalten. Im vollen Bewusstsein, dass ich meine Frau auf die Palme bringe, klettere ich aus dem Fahrzeug, packe das Fernrohr, eile ein paar Meter zurück und bestaune ein wunderschönes Pygmy Falcon-Weibchen auf einer Telefonleitung – wow! Nun aber schnell zum Auto zurück. „Schatz, willst du einen kleinen Snack für die anstrengende Weiterfahrt? Vielleicht noch ein bisschen Käse? Eine wunderbare Scheibe von unserem selbstgemachten Brot?“ Ich versuche einen auf Gentleman zu machen und es klappt gar nicht so schlecht 😄 . Gegen 16.00 Uhr erreichen wir Twee Rivieren. Der südafrikanische Zoll hat bereits geschlossen (wir sind 5 Minuten zu spät) – aus diesem Grund müssen wir morgens nochmals antraben, um einen Ausreisestempel zu bekommen. Auf der botswanischen Seite ist immer noch Betrieb. Nachdem die Campingreservationen besprochen und die Fahrzeugregistrierung abgeschlossen ist, geht es endlich Richtung Rooiputs. Wir sind richtig aufgeregt, befinden wir uns doch im ersten grossen Nationalpark. Wo verstecken sich wohl die ersten Raubkatzen? Unterwegs sehen wir Springböcke und Oryx-Antilopen. Nach ein paar Kilometern treffen wir auf ein anderes Fahrzeug, dessen Fahrer uns von zwei Geparden erzählt. Gemäss seinen Ausführungen, müssen wir wohl an den beiden Cheetahs vorbeigefahren sein. Unser Puls klebt geradezu an der Decke - kaum sind wir im Park, werden wir bereits auf Geparden aufmerksam gemacht. Aber, wie konnte das passieren, dass wir an diesen wunderschönen Katzen vorbeifuhren? Mit ausgestreckten Hälsen und diesmal mit dem nötigen Adlerblick fahren wir zur besagten Stelle. Tatsächlich: Etwa 100 Meter von der Strasse entfernt, liegen unter einem Busch zwei Cheetahs. Die sind aber äusserst gut getarnt! Wenn die nicht gerade mal ihren Kopf in die Höhe strecken, hat man fast keine Chance, die Tiere zu erblicken.
Ich könnte ewig hier bleiben und den Kerlen beim Schlafen zu sehen. Aber heute möchten wir noch vor Sonnenuntergang die Campsite erreichen. So fahren wir überglücklich Richtung Rooiputs weiter und steuern kurz vor Sunset die Campsite 4 an. Es ist wunderschön hier! Schnell sind die Zelte aufgebaut und die Gaskocher in Betrieb. Heute gibt es Nudeln an einer Bananen-Schinken-Mozarella-Rahm-Sauce – einfach lecker! Während dem Nachtessen werden wir uns so richtig bewusst, dass wir mitten in der Wildnis sind – keine Zäune, keine Mauern, jedoch unzählige wilde Tiere! Irgendwie ein spezielles Gefühl! Schnell ist es dunkel und ein fantastischer Sternenhimmel inkl. Milchstrasse wird sichtbar – einfach atemberaubend. Bereits um 20.15 schlüpfen wir ins Zelt und horchen angespannt, ob sich irgendwas regt. Noemi sollte eigentlich nochmals aufs Klo, verzichtet aber aus verständlichen Gründen darauf. Ein weiterer Afrika-Tag neigt sich dem Ende zu und erneut gibt es viel ins Tagebuch zu schreiben.
herzlichen Dank dass du uns an eurer Reise teilnehmen lässt 🙂 . Du hast mir mit dem Anfang deines wunderschönen Berichtes und den tollen Fotos den Tag versüsst 😄 .
Bin gespannt wie es weitergeht ...
Liebe Grüsse aus Luxembourg und dir und deiner Familie ein besinnliches und schönes Weihnachtsfest.
BeniSuThemenstarter26 Beiträge · seit 201026. Dez. 2011 · #20
@ Lil: Es freut mich sehr, dass dir unser Bericht gefällt. Ich wünsche dir ebenfalls schöne Festtage und einen guten Rutsch ins neue Jahr.
@ alle Leser: Wir sind bis Ende Jahr am Snowboarden und somit bleibt keine Zeit, am Reisebericht weiterzuschreiben. Anfangs Jahr werde ich aber schön diszipliniert weiterfahren. Bis dahin wünschen wir euch allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und hoffen schwer, dass wir euch nicht allzu fest auf die Folter spannen 😛
Mittwoch, 03. August 2011 Um 05.50 Uhr klingelt der Wecker – Tagwache! Draussen ist es noch dunkel und kalt. Es braucht Überwindung, den warmen Schlafsack zu verlassen, doch die Neugier siegt. Wir leuchten mit der Taschenlampe die Umgebung ab, um uns zu vergewissern, dass keine Miezekatzen auf Frischfutter warten. Die Luft scheint rein zu sein. Müde kraxeln wird aus den Zelten und verstauen unser Nachtlager. Um 06.30 Uhr sind wir startklar. Noch immer ist es sehr dunkel und so entscheiden wir uns, 15 Minuten zuzuwarten. Anschliessend brechen wir via Toilette in Richtung Nossob auf. Angestrengt schauen wir nach vorne, nach links, nach rechts und wieder nach vorne. Einige Springbockherden grasen friedlich am Wegrand. Zwei Schabrackenschakale begleiten einen Honigdachs auf seiner Frühstück-Suche. Oryx, Kuhantilopen und Gnuherden bevölkern die Steppenlandschaft. Strausse, Sekretäre und Riesentrappen stolzieren durchs hohe Gras, während Kronenkiebitze lauthals wetternd auf sich aufmerksam machen. Ein Raubadler und zwei Kampfadler sitzen verschlafen auf den Bäumen. Wir hoffen auf Raubkatzen, sehen jedoch keine.
Die Fahrt führt uns an verschiedenen Wasserlöchern vorbei, die von unzähligen Singvögeln (v.a. Tauben und Finken) aufgesucht werden. Die Zeit verfliegt und der Magen beginnt zu knurren. Wir halten an der Picnicstätte Dikbaardskolk und geniessen einen vielfältigen Brunch. Ein Acacia Pied Barbet, mehrere Kalahari Scrub-Robins, ein Chestnut-vented Tit-Babbler, zwei Marico Flycatchers, Glossy Starlings und eine ganze Horde Social Weavers freuen sich über unseren Besuch.
Nach dem Mittag brechen wir in Richtung Twee Rivieren auf. Um 15.30 erreichen wir das Gate und erledigen die noch ausstehenden Aus- und Einreiseformalitäten am südafrikanischen und botswanischen Zoll. Das Ganze scheint ein bisschen kompliziert zu sein – jedenfalls dauert es ein schönes Weilchen, bis wir das Gebäude wieder verlassen können. Anschliessend nehmen wir die Campsite bei Twee Rivieren unter die Lupe. Es ist ein grosser Campingplatz mit guter Infrastruktur – jedoch fehlen uns ein bisschen der Charme und die Idylle. Beim Rundgang finden wir zwei vorwitzige Fuchsmangusten, die sich im schönsten Abendlicht präsentieren und eine Pearl-spotted Owlet macht mit ihrem unverkennbaren Ruf auf sich aufmerksam.
Auf dem Rückweg nach Rooiputs zeigt sich ein wunderschöner Southern Pale Chanting Goshawk und lässt sich ausgbiebig fotografieren. Nun ist es aber höchste Zeit, weiterzufahren.
Die Dämmerung hat bereits eingesetzt, als wir unseren wunderschönen Campingplatz auf Rooiputs erreichen. Heute weihen wir den Grill ein – dazu gibt es griechischen Salat. Gemütlich sitzen wir beisammen, quatschen über das Erlebte und geniessen erneut einen fantastischen Sternenhimmel. Zuhause habe ich mir ein App mit sämtlichen Vögeln des südlichen Afrikas inkl. deren Gesang und Rufe auf mein Iphone geladen. Heute Abend versuche ich Eulen anzulocken, indem ich verschiedenste Rufe dieser Nachtvögel übers Iphone abspiele. Während meine Mitreisenden meine Vorgehensweise einwenig belächeln, bleibe ich hartnäckig dran. Auf einmal kreischt es laut über unseren Köpfen. Voller Überraschung leuchten wir mit unseren Taschenlampen nach oben und entdecken eine lautlos kreisende Barn Owl – mein Experiment hat eben doch funktioniert. Lachend verschwinden wir in unseren Zelten und sind gespannt, ob wir vielleicht Morgen die ersten Löwen zu Gesicht bekommen.