Toilettenpapier - oder Schnitzeljagd?

11 Antworten · 4'335 Aufrufe · gestartet 07. Jan. 2011 von baboon
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ThemenstarterGast07. Jan. 2011 · #1
... hier ein sehr persönlicher Eindruck meiner letzten Reise im Oktober 2010, den ich gerne zur Diskussion stellen möchte:

Die Baines Baobabs finde ich sehr enttäuschend, das hänget mit den Umständen zusammen. Die kleine Erhebung inmitten der Pan ist von Schmeißfliegen und leuchtend weißen Klopapierfahnen regelrecht verseucht. Es macht keinen Spaß, ein paar Schritte zu laufen und sich umzusehen.

Was war zuerst da? Die Fliegen, die menschlichen Exkremente mit den zugehörigen weißen Klopapierfahnen? Widerlich!

Das ist ein Bild, das uns dieses Jahr bereits durch ganz Afrika begleitet - eine Schnitzeljagd?

Wir haben gelernt: Loch graben, im Beutel mit dem Klopapier ist eine Schachtel Streichhölzer/Feuerzeug. Die biologische Verwertung klappt, das Papier wird zu Asche (das Loch wird zugeschaufelt - und somit die Flammen erstickt) und die Nachwelt stolpert nicht über weiße Fahnen.

Grüße Karola
zuletzt bearbeitet 08. Jan. 2011
886 Beiträge · seit 200709. Jan. 2011 · #2
Hier stimme ich Dir voll und ganz zu, WIDERLICH !
Wir haben dergleichen nicht in dem Umfang wahrgenommen, mußten aber feststellen, das es auf der Linyanti Campsite auch einige Herrschaften nicht mehr bis zu den sanitären Einrichtungen geschaftt hatten.

Was ja auch akzeptable ist, wenn es sich bspw. um einen nächtlichen Toilettengang handelt, den man dann aber wie von Dir oben beschrieben "unsichtbar" machen sollte.

LG
lisolu
1'223 Beiträge · seit 201009. Jan. 2011 · #3
Karola,

ich stimme Dir zu, die weißen Klopapierfahnen sind widerlich, zumeist stammend von Besuchern. Weil die Leute zu faul sind, einen Spaten mitzunehmen und ein Loch zu graben. Unverantwortlich dagegen finde ich jedoch, dort mit Streichhölzern zu spielen. Das ist noch schlimmer als die paar weißen Fahnen. Denn wenn trocknes Gras anfängt zu brennen, geht es oftmals so schnell wie eine Verpuffung, und Du bist inmitten eines Infernos.

Man kann es aber auch tun wie die Einheimischen, und zwar ohne Würstchenbeerdigung:
Statt mit Klopapier, mit Steinen, mit Holz, oder einfach nur mit einem ausgerissenen Grasbüschel abputzen. Europäer stellen sich aber damit an, was wir auch als Kinder praktiziert haben bis die Kultuverweichlichung uns eingeholt hat. Steine haben wir uns immer entlang der Rivierläufe gesucht; die waren nicht mehr so scharfkantig... Die Reste zerfallen recht schnell in der Sonne und durch Kleingetier.

BadBoy
*Wer einen Fehler begeht und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten! (Konfuzius)
zuletzt bearbeitet 09. Jan. 2011
Gast09. Jan. 2011 · #4
hallo,

jetzt ist alles verraten...

Die Steinhaufen, die ihr manchmal in der Gegend seht sind meine Vorräte an Abwischutensilien....
Also Finger weg!!!!!!!!!!!
Wird aber nichts nützen, also fange ich nun wieder an, mit nem Sack Steine im Auto durch die Sandgegenden Afrikas zu fahren - Mist... 🤩 🤩 :

Wer mit dem Spaten los zieht kann aber auch auf das zündeln verzichten und alles komplett eingraben, da ist schon was dran mit dem Buschbrand (Wenns Busch gibr). Papier angezündet, nene Windstoß und es fliegt dahin, wo man es nicht wollte....
zuletzt bearbeitet 09. Jan. 2011
82 Beiträge · seit 200628. Feb. 2011 · #5
Hier der ultimative Tip für alle, die keinen Spaten mitführen, weder die linke Hand noch natürliche Hilfsmittel zum Abwischen benutzen möchten und Angst vor Feuersbrünsten haben:
Zu Beginn der Reise im Supermarkt sogenannte ZIP-lock Tüten kaufen, das benutzte Klopapier hineintun, gut verschließen und irgendwann mit dem restlichen Müll entsorgen. Ist zwar nicht die umweltfreundlichste Methode, aber die ästhetischste und die einzige verbleibende Alternative zum Darmverschluß.
Gruß,
squirrer
4'129 Beiträge · seit 200801. März 2011 · #7
@ all!

Ja, ja, da wären wir wieder beim Bereich der ungeschriebene Regeln…

Auch hier, nicht nur beim „campsite squattern“ scheint es nötig zu sein, dass sich das Verhalten nach gewissen Regeln richtet.
Selbst das gewöhnliche täglich menschliche Bedürfnis gehört in seiner Erledigung in den Bereich der ungeschriebenen Regeln, damit sich das Umwelt- und Augen-schonende Verhalten etwas weiter verbreitet, als es zur Zeit augenscheinlich häufig der Fall ist.

Es ist ja ein wirklich unappetitliches Thema, aber leider doch sehr wichtig. Nicht nur in Afrika, auch in Europa, hier sehen ja bestimmte Plätze in Ausflugsregionen ebenso fürchterlich aus.
Und jeder, der einmal am Bosua-Pass (C28) oben ausgestiegen ist, um die schöne Landschaft zu genießen und dort gar sein Picknick mit Aussicht zu machen, verlässt angeekelt diesen völlig verschissenen Platz, da oben am Aussichtspunkt: Überall flattern weiße Klopapierfahnen und blitzen weiße Klopapier-Haufen unter kleinen Steinchen hervor. Widerlich!
Grundsätzlich erleichtert man sich nicht an Look-Outs, aber nicht einmal das ist offensichtlich klar. Dabei kann man kilometerweit davor und danach nach Herzenslust…

Dieses Toilettenpapierproblem in der Natur würde nicht existieren, wenn jeder sein Papier einfach wieder mitnimmt.
Dafür wickele man das Benutzte einfach in noch ein bisschen mehr Toilettenpapier ein (den erhöhten Verbrauch kann man gut verkraften…;)) und führt es dem abendlichen Lagerfeuer zu, ebenso wie anderen Papierkram, der sich so im Laufe des Tages/der Tage sammelt.

Niemals würden wir das flatterhafte Toiletten-Papier in der Umgebung trockenen Grases anzünden.

Das so häufig erwähnte Verbrennen hat zwei entscheidende Nachteile: Jeder Einzelne steht nach seinem Geschäft in der Gegend rum und zündelt… – viel zu aufwändig und gefährlich. Außerdem ist das Papier ja nun mal ein wenig feucht und lässt sich sowieso nicht mal eben schnell vollständig abbrennen und - das ist schon ein bisschen leichtsinnig: Es weht doch permanent Wind! Oft genug sehr kräftiger heißer Wind! Da flattert der brennende Krempel zu leicht in die Gegend. Rennt man dann hinterher?? Bis wohin? Wer will denn für einen Veldbrand verantwortlich sein? Der entsteht ja nicht unmittelbar neben einem, es schwelt erst einmal ein Weilchen vor sich hin und beim nächsten Windstoß vielleicht... wenn wir schon weg sind…

Empfehlung: Toilettenpapier entweder mit dem Müll in einer Stadt entsorgen oder im abendlichen Feuer…
Außerdem ist die Benutzung eines Spatens obligatorisch.

Grundsätzliche Regel: Man hinterlässt nichts, außer seiner Fußabdrücke. Insbesondere gilt dies an besonderen Plätzen, die relativ häufig frequentiert sind.

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
ThemenstarterGast01. März 2011 · #8
Hallo Lillytrotter,

vielen Dank für die klaren Worte - es tröstet mich, dass nicht nur ich im wahrsten Sinne des Wortes über 😠 stolpere.

Zum Thema Verbrennen des Papiers - nach Einsatz des Spatens (und ausreichender Tiefe des Werkes) auch ohne Steppenbrand problemlos möglich... (auch wenn es nicht jeder angenehm finden wird). Aber auch Dein Vorschlag mit dem Lagerfeuer ist gut - da ist auch weiterer Plastikmüll nicht nötig.

Grüße Karola
1'223 Beiträge · seit 201002. März 2011 · #9
Das ist alles schön und gut, Maßregelungen sind fein, wahrscheinlich halten sich auch 75% der Leute daran.
Die Tretminen der restlichen 25% sind schlimm genug.
Oftmals stammen diese auch von Einheimischen. Was glaubst Du wie sieht es aus wenn ein mit 20 Mann beladenes Sammeltaxi mal eine Pinkelpause einlegt mit Insassen, denen nie jemand beigebracht hat wo man hinkleckert und wo nicht, oder die noch nie ein WC von innen gesehen haben. Zumindest nehmen sie dann meistens Steine oder Stückchen Holz, und keine weißen "Fahnen", höchstens alte Zeitungen. Und diese Taxis trifft man auch an Aussichtspunkten oder Rastplätzen an. Und die erreichst man auch nicht über dieses Forum. Und wenn Du sie ansprechen willst, besonders als Frau, lachen Sie Dich freundlich an und aus! Ohne daß Du die Witzchen und Belustigungen verstehst, die sie über Dich machen.

Deutsche Autobahnparkplätze sehen doch heute auch nicht mehr anders aus, übersät mit Tretminen und Gestank. Die LKW-Fahrer sind gezwungen, Pausen auf tausenden Parkplätzen ohne WC einzulegen, wo sollen die Leute denn ihr Geschäft verrichten? Deutsche Parkplätze fangen heute an auszusehen, wie ich es bisher nur in der Ukraine erlebt habe, wo selbst Toiletten im Radius von 20-30m rundum zugeschissen sind.

Meint der
BadBoy
*Wer einen Fehler begeht und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten! (Konfuzius)
zuletzt bearbeitet 02. März 2011
ThemenstarterGast02. März 2011 · #10
Hallo Swakop52!
Die Baines Baobabs finde ich sehr enttäuschend, das hängt mit den Umständen zusammen. Die kleine Erhebung inmitten der Pan ist von Schmeißfliegen und leuchtend weißen Klopapierfahnen regelrecht verseucht. Es macht keinen Spaß, ein paar Schritte zu laufen und sich umzusehen
... ehrlich?
Oftmals stammen diese auch von Einheimischen
... die fahren da wirklich hin??? In Sammeltaxis???
1'223 Beiträge · seit 201003. März 2011 · #11
Nein Baboon, in diesem Falle bestimmt nicht, aber an vielen Aussichtspunkten an den Hauptstrecken. Oder hatte ich etwa geschrieben, es seien immer die Sammeltaxis?

Der Begriff "oftmals" bedeutet nicht "immer".

Aber mal ehrlich: hast Du jemals einen solchen Stop mit 20 und mehr Leuten miterlebt, die stundenlang wie die Sardinen eingepfercht gesessen haben?

Auch unter den ausländischen und inländischen Besuchern gibt es jede Menge Schweinigel, das hat niemand in Frage gestellt.

Und daran werden weder Du noch ich etwas ändern, so lange es keine drakonischen Strafen von staatlicher Seite gibt. Und die sind nicht abzusehen.

BadBoy
*Wer einen Fehler begeht und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten! (Konfuzius)
zuletzt bearbeitet 03. März 2011
5'479 Beiträge · seit 200903. März 2011 · #12
Swakop52 schrieb:
Deutsche Autobahnparkplätze sehen doch heute auch nicht mehr anders aus, übersät mit Tretminen und Gestank. Die LKW-Fahrer sind gezwungen, Pausen auf tausenden Parkplätzen ohne WC einzulegen, wo sollen die Leute denn ihr Geschäft verrichten? Deutsche Parkplätze fangen heute an auszusehen, wie ich es bisher nur in der Ukraine erlebt habe, wo selbst Toiletten im Radius von 20-30m rundum zugeschissen sind.

Also ich sehe das nicht als neues Phänomen an. Deutsche Autobahn-Parkplätze waren auch schon vor 30 Jahren ekelig.
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