Im Dorf der Zukunft

48 Antworten · 10,2k Aufrufe · gestartet 10. Aug. 2009 von Ulli
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Themenstarter931 Beiträge · seit 200610. Aug. 2009 ·
Im Spiegel von heute (10.8. - zur Zeit leider nur in der Printausgabe) steht ein interessanter Artikel über das Dorf Otjivero ca. 100km östlich von Windhuk.

Es handelt sich um den bisher einzigen Versuch in Namibia ein ganzes Dorf mit einem regelmäßigen Grundeinkommen auszustatten. Alle Bewohner erhalten pro Monat und Kopf 100 N$ - ohne irgendwelche Vorgaben oder Bedingungen. Das Geld kommt von diversen Stiftungen und Kirchen.

So wie es scheint läuft das Projekt mit gutem Erfolg. Zitat:"Die Eltern zahlen nun Schulgeld, der Anteil der Kinder, die den Unterricht besuchen, stieg auf 92%. [] Die Unterernährungsquote der Kinder sank von 42% auf 10%. Die Kriminalstatistik der Polizei zeigt einen Rückgang von Diebstahl und Wilderei"

Entgegen der vor Projektbeginn und auch immer noch geäußerten Befürchtungen wird das Geld keineswegs 'nur versoffen'. Im Gegenteil haben viele der neuen Einkommensbezieher investiert, in ihre Kinder, ihre Behausungen, Viehzucht und Ackerbau und auch in neu entstandenes Kleingewerbe.

Noch ein abschließendes Zitat aus dem Artikel:

"Auch Würde, so scheint es, kann man mit 100 Dollar kaufen"

Gruß

Ulli
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1’723 Beiträge · seit 200910. Aug. 2009 ·
Hallo Ulli,

das thema ist in Namibia sehr kontrovers in den Medien diskutiert worden und es gab etliche beitraege in der AZ hierzu und Grundeinkommen.

bisher sind sich die geleerten nicht einig ob man nun vom erfolg dieses projektes sprechen kann. Diejenigen, die es finanzieren und befuerworten sehen ganz klare fortschritte was die schulgelder etc betrifft andere stimmen sagen, dass die maenner es sofort in alkohol umsetzen.

Leider bin ich zuweit weg (geistlich und physisch) um mir ein echtes bild von der sache zu machen, allerdings habe ich lust an den erfolg zu glauben.

Und wenn man sich vorstellt, wie wenig fuer uns doch eigentlich 10 euros im monat sind, dann haetten wir alle grund in dieses projekt zu investieren wenn die kinder denn dann wirklich in die schule gehen koennten und ein halbwegs normales leben mit nahrung und bildung haben koennten.

Viele gruesse
[b]"eine der blamabelsten Angelegenheiten der menschlichen Entwicklung ist es, dass das Wort Tierschutz ueberhaupt geschaffen werden musste" theodor heuss
49 Beiträge · seit 200810. Aug. 2009 ·
Zukunft ?

Wenn man die AZ regelmäßig liest ( leider nur online )hat man auch andere Wertungen darüber vernommen. Gerade vor den Pay-Day steigen die Viehdiebstehle bei den Farmern rundum und der Store verkauft auch mehr, vor allem Alkohol - von illegalen Druggs ( Dacha und härter ) liest man nichts.

Das Problematischte ist meiner Meinung nach, dass den Leuten vorgegaukelt wird, ohne eigene Anstrengung läßt es sich doch auch ganz gut leben. Der Mensch benötig Anreiz- und Kontrollmechnismen, damit er sein leben selbst gestaltet. Das fehlt hier leider vollkommen.

Ist also nicht das "Wahre vom Ei "
81 Beiträge · seit 200610. Aug. 2009 ·
ja stimmt, die Medien berichten unregelmäßig über das Thema und zuweilen wird der Grant auch in anderen Berichten, z.B. über Viehdiebstahl thematisiert.
In der Bevölkerung hier spielt das Thema scheinbar keine so große Rolle, vielleicht auch deshalb, weil die Regierung nicht sonderlich an einer gelungenen Umsetzung interessiert ist und man keine landesweite Einführung - zumindest in absehbarer Zukunft - erwartet.

Schade ist auch, dass es keine wirklichen Studien über die Auswirkungen gibt, zumindest ist mir keine bekannt, aber dazu ist es vielleicht auch noch zu früh.

Übrigens gibt es auch in der BRD eine parteiübergreiffende Diskussion über ein Grundeinkommen, welches die Grundsicherung ersetzen soll und auch das Steuersystem vereinfachen...

Viele Grüße

Ralph
Themenstarter931 Beiträge · seit 200610. Aug. 2009 ·
Mir ist natürlich auch klar dass das Thema 'Grundeinkommen' kontrovers diskutiert wird. Aber nur weil die 'einschlägigen Verdächtigen' in der AZ sich kritisch äußern muss ja nicht alles schlecht sein. Die AZ und ihre Stammleser sind ja nun auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss...

Hier noch ein weiterer Artikel zum selben Thema, diesmal online verfügbar:

http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2698

Gruß

Ulli
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81 Beiträge · seit 200610. Aug. 2009 ·
vollkommen richtig Ulli, trotzdem gefällt mir die Idee der Microfinanzierung, die ja demnächst auch in Namibia erhältlich sein wird ungemein besser.
Der Grant hat ja sicherlich ein wenig Almosencharakter und ob man für 100N$ wirklich Würde kaufen kann....?

Gruß

Ralph
49 Beiträge · seit 200810. Aug. 2009 ·
Man sieht ja auch in Deutschland, was passiert, wenn die kostenlosen Zuwendungen ( ALG II und Tafeln ) hinführen. Viele richten sich darauf ein und bescheren der Gesellschaft somit massive Wohlstandsverluste, da sie keine Güter und Dienste mit beisteuern.
Für solche Sozialromantik werden wir in den nächsten Jahren keine Mittel mehr zu Verfügung haben.
Was ist das für eine Kameradschaft, wenn nur der Kamerad "schafft" ?
81 Beiträge · seit 200610. Aug. 2009 ·
Was ist das für eine Kameradschaft, wenn nur der Kamerad "schafft" ?
na da hört man gleich woher der Wind weht.

Der Kamerad, also der Freund ohne zwischenmenschlicher Beziehung schafft gar nichts, ausser in der Kammer 😄 .
Es schafft vielleicht der Kollege, also der Berufsgenosse und sonst keiner.

Was eine 10€ Grundsicherung mit Sozialromantik zu tun haben soll, verschließt sich mir vollkommen!

Gruß

Ralph
49 Beiträge · seit 200810. Aug. 2009 ·
Die Grundsicherung sind keine € 10, sondern N$ 100 !
Sollte man nicht mit Deutschland / Europa vergleichen, sondern eher mit der Grundrente in NAM oder dem Lohn eines dortigen Farmarbeiters, von dem Pay für nordkoreanische bzw. chinesische Arbeitskräfte vor Ort ganz zu schweigen.

Und dann halte ich mich sonst mit persönlichen Diffamierungen zurück...
81 Beiträge · seit 200610. Aug. 2009 ·
und für 100N$ bekommst du 750g Rindfillet.... naja immerhin 25g (roh, 18g bebraten) pro Tag...

Ach ich vergass ja ganz, die (fr)essen da ja nur Papp... sorry aber die Diffamierung werden die mir verzeihen im Angesicht solcher Ignoranz!
730 Beiträge · seit 200611. Aug. 2009 ·
Am 19. August 2009, 22:15 - 22:45 Uhr kommt darüber was im ZDF:
"Abenteuer Wissen - Wie funktioniert Geld?"Viele Grüße
Ina
982 Beiträge · seit 200611. Aug. 2009 ·
buddy58 schrieb:
Das Problematischte ist meiner Meinung nach, dass den Leuten vorgegaukelt wird, ohne eigene Anstrengung läßt es sich doch auch ganz gut leben. Der Mensch benötig Anreiz- und Kontrollmechnismen, damit er sein leben selbst gestaltet.
Ist doch in Deutschland auch so. Heißt hier Sozialhilfe. Sicherlich gibt es wirklich Bedürftige, aber die Zahl derjenigen ist nicht zu verachten, die sich in der sozialen Hängematte ausruhen.
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1’107 Beiträge · seit 200911. Aug. 2009 ·
wer wissen will, wie Geld funktioniert, wird bei youtube fündig:
http://www.youtube.com/watch?v=9BrLrwbkQWQ (3-teilig)

Ich habe mich mit dem Thema ziemlich ausführlich beschäftigt. Es gibt, wer der Darstellung des Trickfilms nicht folgen möchte, eine Broschüre der Dt. Bundesbank für die Sekundarstufe 2 zum Thema.

Da stehen Dinge drin...


Mein Fazit: wenn du Menschen verarschen willst, mach es so offensichtlich wie du nur kannst. es wird kaum einer blicken.

Ich bin übrigens ein Fan des Grundeinkommens. Und zwar nicht wegen der Unterstützung der Faulheit, sondern weil es Kreativität und Schaffenslust fördert. Wieviele Menschen kennt ihr, die einen Job ausüben, der sie ausfüllt und wieviele kennt ihr, die den Job nur machen, weil sie das Geld benötigen?

Ein Grundeinkommen sichert das Grundleben. Das bietet jedem die Möglichkeit, zusätzlich das zu tun was ihm Spaß macht, was ihn/sie ausfüllt.
Ein Wahnsinn...

Stellt euch nur mal ganz kurz - wirklich nur ganz kurz vor, was passieren würde, wenn wir unserer Berufung nachgehen könnten ohne in Ängsten zu leben.

Das ist natürlich nicht gewünscht, deshalb wird es auch nicht so kommen.
Angst regiert die Welt 🙂

Grüße
982 Beiträge · seit 200611. Aug. 2009 ·
Die größte Schwierigkeit ist aus meiner Sicht der Gewöhnungseffekt. Irgendwann reichen die 100N$ nicht mehr aus, weil die Lebensmittelpreise in der Region angezogen sind und
der "Wohlstand" mehr Geld verlangt.

Grüße,

Holger
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1’107 Beiträge · seit 200911. Aug. 2009 ·
noch ein interessanter Link zu einer praktischen Umsetzung in den 30ern des letzten Jahrhunderts:
http://www.unterguggenberger.org/index.php

Dort auf Hintergründe und dann lesen, lesen, lesen.... wer mag

Grüße
1’107 Beiträge · seit 200911. Aug. 2009 ·
holger schrieb:
Die größte Schwierigkeit ist aus meiner Sicht der Gewöhnungseffekt. Irgendwann reichen die 100N$ nicht mehr aus, weil die Lebensmittelpreise in der Region angezogen sind und
der "Wohlstand" mehr Geld verlangt.

Grüße,

Holger
Hallo Holger,

die Idee ist nicht, faule Menschen zu produzieren, die den lieben langen Tag nichts tun. Es geht darum, das Grundleben zu sichern... so bleiben dir 24 Stunden am Tag, um das zu tun was du möchtest und worin du gut bist. Du kannst auch neues lernen und deinen Horizont erweitern. Whatever....

Unterhalte dich mal mit reichen/vermögenden Menschen, die ne Weile "nichts" getan haben. Das ist unerträglich langweilig. Niemand, mit einem intakten Innenleben hält das auf Dauer aus. Diese Gefahr, die du siehst, ist gleich 0. Die Chancen dagegen sind immens...

Es wird nicht kommen, weil Menschen die Zeit haben und angstfrei sind Zeit zum nachdenken haben. Das ist gefährlich 🙂

Besser ist es ein Rad am Laufen zu halten, wo du keine Zeit hast, weil du neben dem Schlafen und Essen eine Menge Zeit mit Arbeiten verbringst (ich habe Zeiten hinter mir, wo ich ca. 70% des Tages gearbeitet habe).
Wenn du dann noch voller Sorgen bist und Ängste hast, denkst du nicht mehr nach.

Und wenn du Erfolg hast, arbeitest du mehr und mehr um den Erfolg zu steigern. Der Balsam für die Seele sind dann materielle Luxusgüter.

So sind alle eingespannt und spielen das Spiel.

Grüße
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2009
Themenstarter931 Beiträge · seit 200611. Aug. 2009 ·
Auch ich glaube nicht an ein Grundeinkommen als die alleinige Lösung. Aber immerhin sehe ich ein Grant als möglicherweise sehr effiziente Ergänzung zu anderen Maßnahmen in Entwicklungsländern. Wenn man bedenkt welche Geldmengen über klassische Entwicklungshilfe in die Ländern fließen und wie viel davon 'unten' ankommt muss man eigentlich zwingend über solche Alternativen nachdenken.

Ich kann aber überhaupt nicht verstehen warum manche sofort die Situation in Europa bzw. Deutschland zum Vergleich bemühen. Sowohl die Ausgangslage als auch alle anderen Eckdaten sind völlig andere. Sozialhilfe, ALG2 etc. haben mit einem Grundeinkommen wie in dem Namibia-Projekt überhaupt nichts zu tun. Und wer wirklich meint ALG2, Tafel, Sozialhilfe seien Sozialromantik und damit das eigentliche Problem der hat wirklich nichts verstanden. Wer sich gegen 'persönliche Diffamierungen' verwahrt sollte solchen menschenverachtenden Unsinn im Anbetracht von 6-10 Millionen Betroffenen in Deutschland vielleicht besser für sich behalten.

Vielleicht gibt es ja jemanden der sich mit dem Grant / Microfincance in Namibia oder den Nachbarländern auskennt. Die Diskussion und der Austausch dazu wäre sicher interessanter als hier seine deutsche politische Meinung auszugießen.

Gruß

Ulli
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2’612 Beiträge · seit 200711. Aug. 2009 ·
Ulli schrieb:
Mir ist natürlich auch klar dass das Thema 'Grundeinkommen' kontrovers diskutiert wird. Aber nur weil die 'einschlägigen Verdächtigen' in der AZ sich kritisch äußern muss ja nicht alles schlecht sein. Die AZ und ihre Stammleser sind ja nun auch nicht immer der Weisheit letzter Schluss...

Hier noch ein weiterer Artikel zum selben Thema, diesmal online verfügbar:

http://www.brandeins.de/home/inhalt_detail.asp?id=2698

Gruß

Ulli
Hallo Ulli,

vielen Dank für den Link, werde ihn daheim dann komplett lesen. Entscheidend für das Konzept dürfte sein, wie nachhaltig das Geld von den Leuten eingesetzt wird - das ist in Afrika nicht anders als anderswo auf der Welt. Wird es nur für Konsum genutzt, fehlt irgendwann - eventuell schon Ende 2009 - das Einkommen. Ich habe mich bisher nicht intensiv mit dem BIG-Projekt beschäftigt, weiss daher z.B. auch nicht, ob den Leuten Grundlagen des Wirtschaftens beigebracht werden - ich vermute eher nicht. Soll die Verbesserung der Lebensverhältnisse dauerhaft sein, muss den Beschenkten klar gemacht werden, dass ein Teil des Geldes dazu genutzt werden muss, um weiteres Geld zu erwirtschaften. Ebenso sollte es anfangs gewisse Steuerungsmechanismen geben, die verhindern, dass nun alle die gleichen Geschäftsideen verfolgen (Korbflechten, Nähen etc.) und die Konkurrenzsituation dazu führt, dass etliche Gelder verpuffen - das gilt m.E. für Grants ebenso wie für Kredite.

Ich werde mal versuchen, über die im Artikel genannten Personen etwas mehr zum Projekt zu erfahren. Hat vielleicht jemand im Forum gar schon Kontaktdaten?

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
81 Beiträge · seit 200611. Aug. 2009 ·
die Website der BIG Coalition Namibia findest du hier:

http://bignam.org/


Gruß

Ralph
982 Beiträge · seit 200611. Aug. 2009 ·
- gelöscht -
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zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2009