Immer wieder in den Süden
Die Fotos stammen vom 15. Jänner. Die nächsten Aufnahmen stammen vom 7.2., als ich das zweite Mal im KTP war.
Da drängen sich bereits drei flauschige Bällchen im Nest und betteln um Futter.
Ich war einigermaßen erstaunt darüber, da ich die Jahre davor bereits im Dezember viel größere Junge sah.
Damit verabschiede ich mich jetzt für etwas mehr als eine Woche, danach geht es weiter mit "Genussbeobachtungen" und Überraschungen.
An unserem letzten Nossob-Tag erlebe ich eine Überraschung. Auf meinen bisherigen Reisen waren Kuhantilopen sehr selten zu anzutreffen, nun sehen wir sogar immer wieder kleine Herden mit vielen Jungtieren. Das prächtige Löwenmännchen sehen wir eher zufällig, als gerade mal ein Kopf mit dunkler Mähne aus dem Gras auftaucht.
Die Tage sind lange, da wir jedesmal bei Sonnenaufgang rausfahren, Frühstück gibt es nur während der Fahrt (man könnte ja etwas versäumen) und Pinkel-Pausen sind selten, da es kaum Picknickplätze gibt. Meine Nichte plant glaube ich schon eine kleine Revolution, weil sie endlich einmal chillen möchte. Also gehe ich den Kompromiss ein, am späten Nachmittag dem Pool in Nossob einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg vom Chalet zum Pool verbruzzeln wir fast in der Sonne, so heiß ist es, und am Metallriegel zum Öffnen des Tores bleiben wir fast kleben, er glüht nahezu.
Im Pool sind nur 6 Personen, wir gesellen uns dazu. Bald darauf sind wir in die gesellige Runde integriert und plaudern über Sichtungen, Erlebnisse und den aktuellen Bestand im Shop.
Eine Dame erzählt, gestern seien 28 Leute im Pool gewesen 😮. Das Gedränge mag ich mir garnicht vorstellen.
Nach der ersten Abkühlung haben wir das Gefühl, das Wasser im Pool wird von einer unsichtbaren Kochplatte aufheizt und wir verziehen uns in den Bungalow. Aber nicht, ohne vorher beim Hide vorbeizuschauen. Große Aufregung. Auf dem Zugang liegt eine Schlange, die sich wohl verirrt hat, nun aber zum Star wird. Dank FB (Snakes of Namibia) und dem nimmermüden, nahezu allwissenden Francois Theard kann ich sie als junge Mole Snake identifizieren.
Nun schmeckt unser letztes Abendessen in Nossob besonders gut. Die Lamb Chops sind gelungen, das Bier ist kalt und das Tischtuch, das ich immer dabei habe, sorgt für einen gemütlichen Touch.



In der Hitze ist am Wasserloch kaum was los, sobald die Dämmerung hereinbricht, kommt Leben auf.
Im Schutz der Dunkelheit wagen sich sogar eine Bande Löffelhunde und ein Triel ans beleuchtete Wasserloch. Weniger wegen des Wassers als vielmehr wegen der Insekten. Sie finden dort einen gedeckten Tisch.
Leider sind die Fotos nicht so besonders, weil das Licht nicht ausreichte. Es war aber ein Genuss, so eine Schar an Löffelhunden auf einmal zu sehen.
Eigentlich wollte ich über die D1033 fahren, die mir besser gefällt als das Auob-Tal, aber da wir schon spät dran sind und unsere Vorräte, vor allem Fleisch, wieder aufstocken müssen, fahre ich doch durch das Auob-Tal nach Gochas. Vor dem Shop in Gochas erleide ich fast einen Herzinfarkt. In richtiger Urlaubsmanier habe ich übersehen, dass heute Sonntag ist. Der Shop ist geschlossen. Naja, dann halt auf zum Shoppen nach Stampriet. Allerdings hätte ich mir natürlich gleich denken können, dass auch dort der Shop am Sonntag nicht geöffnet ist. Voller Verzweiflung schreibe ich Andre, von 21 Dune, ob er glaubt, in Aranos hätten wir Erfolg. Er antwortet zum Glück gleich, wir sollten es bei der Tankstelle in Stampriet versuchen. Der kleine Shop dort hat tatsächlich offen, allerdings weder Fleisch, noch Obst oder Gemüse. Gefühlte etliche Kilometer an Regalen mit Süßigkeiten und Salzigem, aber nichts wirklich Brauchbares.
Plötzlich fällt mir ein, dass 21 Dune ja eine Farm ist und mich auf meiner vorigen Reise jeden Morgen Schafe geweckt haben. Wieder schreibe ich Andre, wieder antwortet er prompt und zu meiner Erleichterung kann ich Lammfleisch kaufen. Wir erstehen noch einige Dosen Chakalaka, Eier und Wasser. Bier haben wir auch nicht mehr, das dürfen wir durch eine Glastür betrachten, kaufen aber nicht. Eine Flasche Farmdudler (ich komme aus dem Land des Almdudlers), den ich unbedingt kosten muss, kommt auch in den Korb. Das ist allerdings eine Fehlinvestition, er schmeckt nur süß, ansonsten nach nichts. Und Smoked Viennas, um unser Frühstück aufzupeppen, da es keinen Schinken gibt.


Und dann endlich: 21 DUNE 🥰🥰🥰 Ich liebe diese Farm. Auf meiner vorigen Reise war ich auf der Campsite, nun wohnen wir drei Tage in einem der Chalets. Die Chalets sind groß, geschmackvoll eingerichtet und haben eine Terrasse, die am Nachmittag Schatten bietet. Nun steht einem gemütlichen Tagesausklang nichts mehr im Wege. Das Lammfleisch, das wir uns im Farmhaus holen konnten, mundet köstlich. Und der hart erjammerte Whisky rettet den Sundowner.




Der Ausblick war diesmal aber komplett unterschiedliche. Beide Bilder wurden von der Terrasse aufgenommen, mit einem geringfügig verschobenen Blickwinkel. Bei meiner vorigen Reise versprachen spektakulär Gewitterwolken mehr als sie halten konnten (sie entluden sich über Botswana) und die Schafe mussten die winzigen Grashälmchen mühsam suchen. Diesmal gab es Regen und Gras im Überfluss.
Wie kurz drei Wochen doch sein können. Unsere gemeinsame Reise neigt sich dem Ende zu. Die letzten zwei Tage verbringen wir auf der Kalahari Anib Lodge. Ich mag sie als Abschluss einer Tour gerne, weil ich hier immer weit und lange wandern kann. In und um die Lodge sind wunderbare Beobachtungen möglich. Und der Pool ist nach einer anstrengenden Reise auch nicht zu verachten.
Einige Mitarbeiter begrüßen mich wie eine alte Bekannte, sie kennen mich von früheren Reisen, sind nun sehr erstaunt, dass ich nicht allein und nicht mit dem Buscamper unterwegs bin.
Die Freude am Pool ist leider getrübt, weil es sehr laut ist. Die Standard-Zimmer werden renoviert, wir wurden deshalb auf das Komfort-DZ upgegradet. Das ist zwar auch schon sehr in die Jahre gekommen, aber wir haben freiem Blick auf das hintere Wasserloch.
Nach einer letzten Morgenwanderung brechen wir auf nach Windhoek.


Nach einer Stärkung im Cafe des Craft Centers - wir genießen einen köstlichen Salat mit gebratenem Omajowa - bringe ich meine Nichte zum Flughafen, sie muss zurück nach Österreich. Ich werde noch weitere drei Wochen in Namibia unterwegs sein. Zum erste Mal fahre ich auf der neuen Autobahn. Ganz ungewohnt.
Ich tausche das Auto nicht wie gewohnt gegen den Bushcamper, sondern behalte den Double Cab und werde weiterhin in Selfcatering-Unterkünften unterwegs sein. Übernachtung in Arrebusch. Mein Bungalow scheint direkt auf der Straße zu liegen. Die ganze Nacht habe ich das Gefühl, die Autos preschen durch mein Schlafzimmer und die Sirene der Polizeiautos frisst sich in mein Gehirn. Ausgeruht bin ich am nächsten Tag nicht.
Meine kommende Route ähnelt der, die ich mit meiner Nichte gefahren bin, doch mit anderen Unterkünften und diesmal geht es runter bis an den Oranje. Danach im Südosten und ein Stück Südafrika wieder in den KTP (ich habe schließlich die wild card, die ich ausnutzen möchte 😎 ) und dann zurück nach Windhoek.
Die Stationen sind:
über den Spreetshoogte zu
Barkhan Dune
Bahnhofshotel Aus (da wollte ich immer schon mal übernachten)
über Maltahöhe und Rosh Pinah
Op My Stoep, Oranjemund
White House, Grünau
KTP (TR, Kieliekrankie, Nossob, KTC)
Kalahari Anib
Wie üblich gondle ich schön langsam dahin, bleibe immer wieder stehen zum Fotografieren und mache auch einen Stopp auf der Edenberry Strawberry Farm. Erdberren in Namibia, wie gibt's denn sowas. Die Erdbeeren gedeihen in Tunneln, um die Verdunstung und den Wasserverbrauch gering zu halten. Es darf selbst geerntet werden. Allerdings ist die Erntezeit schon zu Ende und es gibt nur mehr ein paar Beeren. Zudem gibt es dort ein Freizeitgelände mit Spielplatz und Pool und ein up side down house.
Danach geht es weiter wieder einmal über den Spreetshoogte Pass. Leider bin ich wieder einmal am späten Nachmittag dort und die Fotos gegen die untergehende Sonne sind nicht besonders.
Auf der Strecke gibt es keine Möglichkeit anzuhalten, die Straße ist zu eng und unübersichtlich. Erst an der Einfahrt zur Campsite bietet sich wieder eine Ausweichbucht. Da ich leider meine High Heels anhabe, darf ich den Campingplatz nicht betreten 😉

Kennt jemand diese Pflanze?
Die Sonne bereitet sich gerade auf den Untergang vor, als ich Barkhan Dune erreiche. Die letzten Strahlen genieße ich auf meiner Terrasse der Rustic Cabin,, rund einen Kilometer vom Haupthaus entfernt.







Da schmeckt um 10 Uhr das Frühstück dann besonders gut, auch wenn in meiner Schussligkeit wieder einmal ein Malheur in der Outdoorküche passiert.


Besonders nett ist das Outdoor-Badezimmer mit meinen Mitbewohnern.



Das angenehme an der rustic cabin ist, dass die großen Scheiben, die anstelle von zwei Wänden den Blick auf die grandiose Umgebung freigeben, beschattetet werden können. Die Rollos lassen sich runterziehen und so ist der Innenraum vor der sengenden Nachmittagssonne geschützt. Gemeinsam mit meiner eigenen Schattenplane auf der Terrasse lässt sich der Nachmittag gut in der Hängematte verträumen.

Ich überlege, ob ich nicht doch gleich bis Aus durchfahren und auf Maltahöhe verzichten soll, bin aber dann doch neugierig und biege ab.
Mein Ziel ist das Hotel Maltahöhe, mit einer sehenswerten Bar und zahlreichen kuriosen Fundstücken. Da ich mit dem Auto unterwegs bin, kann ich mich leider nicht an den gut gemeinten Rat auf dem Schild halten und nehme mit Wasser vorlieb. Ein Streifzug durch die Gasträume ist wie ein Blick in die Vergangenheit.





Und allerlei Getier treibt sich dort herum.


Ich bekomme eine "Privatführung" und bin total begeistert von dem, was ich hier sehe. Leider habe ich den Namen des engagierten Mannes vergessen, der mir alles zeigte. Es ist ein Paradebeispiel für Regionalentwicklung (wie wir es hier in Österreich nennen und was einst mein Beruf war - deshalb die besonders große Begeisterung). Die Gegend um Maltahöhe bekommt zwar kaum Regen ab, hat aber gutes Grundwasser, das über artesische Quellen zutage kommt. Es kann für Gemüseanbau genutzt werden. Dazu gibt es ein Versuchs- und Trainingszentrum für Gemüseanbau. Weiters wird Wäsche von Lodges in wasserarmen Regionen hier gewaschen, getrocknet und gebügelt (mit Solaranlage und Abwasseraufbereitung), es gibt einen Verkaufsladen, eine Plastik-Recyclinganlage und einen Transportservice für Wäschen, landwirtschaftliche Produkte und Menschen, die auf den Lodges arbeiten und in und um Maltahöhe wohnen.
Das ist jetzt zwar kein klassisches Touristenziel, aber ich muss euch trotzdem davon erzählen. Ich bin tief beeindruckt, hier "in the middle of nowhere" so etwas vorzufinden.





Ich komme am späten Nachmittag in Aus an. Es ist um einiges kühler als die Tage zuvor und es weht heftiger Wind. Da genieße ich es, auf der Hotelterrasse in der direkten Sonne zu sitzen. Als die Sonne verschwindet und der Wind kälter wird, hole ich sogar meine Fleece-Jacke aus dem Auto.
Am Abend plaudere ich mit Dieter, dem Besitzer, und er erzählt mir einige Geschichten über die Bahnverbindung, die nicht mehr existiert (einige Details habe ich dazu recherchiert). In Garub wurde Limo und Mineralwasser hergestellt und die auf der Schmalspurbahn fahrenden Dampfloks wurden mit Wasser betankt. Auch wurde von dort Trinkwasser nach Lüderitz gebracht, das selbst kein Trinkwasser hatte, sondern über Schiffe aus Südafrika versorgt wurde. Es wurden nicht nur Güter, sondern auch Personen transportiert. 1906 hatte Aus sogar zwei Hotels. Als die Dampfloks durch Dieselloks ersetzt wurden, verlor Garub seine Bestimmung, heute ist der Bahnhof ein beliebtes Fotomotiv.
Das Aus der Bahnverbindung nach Aus ( 😉 ) kam schleichend, aber unaufhaltbar. Der Wind wehte unermüdlich Sand auf die Geleise, das ständige Freischaufeln war mühsam und teuer. Auch wurde die Strecke immer wieder unterspült, die Dieselloks waren fast zu schwer für den weichen Untergrund und das Gefälle von Aus nach Garub (nahezu 800m) waren ein großes Sicherheitsrisiko. 2023 gab es einen schweren Unfall, ein mit Mangan beladener Zug entgleiste und zwei Menschen starben. Wahrscheinlich waren die Bremsen dem Gefälle nicht gewachsen. Und schließlich wurde die Straße immer mehr für den Güter- und Personenverkehr genutzt.
So einige Geschichten in Kurzform. Und heute ist das Bahnhof Hotel ein Bahnhof Hotel ohne Bahnhof ( 😉 ). Auch wenn das Schild immer noch vorhanden ist, der letzte Zug fuhr hier vor über einem Jahr.





Um Rosh Pinah wird die Gegend dann bergig, überall tauchen Schilder auf, die darauf hinweisen, dass ich mich in einer Bergbau-Region befinde. Rosh Pinah ist eine private Stadt, errichtet für die Minenarbeiter. Es gibt ganz einfache Hütten, wie man sie am Rand einer jeden Stadt findet, und es gibt auch einheitliche Häuser, die darauf hinweisen, dass die Stadt am Zeichenbrett geplant wurde.

Irgendwie sieht das Gelände in der Region zerschürft und durchbohrt aus, was es ja auch ist. Auch ziemlich öde. Bis zu dem Moment, wenn man das erste Mal den Oranje sieht. Unvermittelt taucht er vor mir auf, kostbares Wasser gibt es hier plötzlich im Überfluss. Und die entsprechende Wasservogelwelt gleich dazu. Ich stoppe an der ersten Möglichkeit am Straßenrand. Der Parkplatz ist leider gesperrt, weil die Straße erneuert wird.
Während ich mit dem Fernglas Grau- und Purpurreiher beobachte, nehme ich aus dem Augenwinkel eine Bewegung war und sehe, wie ein Seeadler sich in einer Baumkrone niederlässt. So ein Glück. Gerade zur richtige Zeit am richtigen Ort. Das Foto ist leider grottenschlecht, aber trotzdem muss ich es euch zeigen.

Die Straße entfernt sich wieder vom Fluss, ich fahre erneut durch die Berge. Alles ist grau und braun, Steine, Staub und Sand dominieren auch hier die Gegend. Ich entdecke ein undefinierbares Gebäude am Straßenrand, umgeben von ein paar Bäumen und Büschen. Dort bemerke ich Vögel. Da das Fernglas immer griffbereit am Beifahrersitz liegt, stoppe ich, um sie zu beobachten. Seit einer Stunde ist mir kein Auto entgegen gekommen, ich bleibe direkt auf der Fahrbahn stehen, da ich nach vorne und nach hinten gute Sicht habe und keine Gefahrenquelle für plötzlich auftauchenden Verkehr bin. Außerdem habe ich vor folgendem Schild gehörigen Respekt. Vielleicht sitzt ja irgendjemand irgendwo im Schatten und wartet nur darauf, endlich wen zu "ertappen" und zu strafen.
Plötzlich sehe ich im Rückspiegel, dass sich tatsächlich ein Auto näher. Kein Problem, ich bin gut sichtbar und die Straße ist breit genug, um gefahrlos zu überholen.
Es sind die beiden Polizisten. Sie haben wohl ihre Mittagsrast beendet und sind nun wieder voller Tatendrang.
Das Auto bliebt genau neben meinen stehen, der Fahrer kurbelt das Fenster runter und sieht mich grimmig an. Trotzdem fragt er "how are you, madam?"
Ich, gleich ganz schuldbewusst, frage, ob ich hier nicht fotografieren dürfe und sehe im Geiste schon meine Kamera konfisziert. Das sei nicht das Problem, das dürfe ich, meint der Polizist. Doch ich dürfe nicht einfach auf der Straße stehen bleiben. Das sei gefährlich. Ich solle doch aufs Bankett fahren, dann sei ich mehr kein Hindernis.
Ich bedanke mich überschwänglich für den Tipp, dem Polizisten entkommt sogar ein kurzes Lächeln und dann fahren die beiden weiter.
Uff, gerade noch davongekommen.






Endlich nähere ich mich der Stadteinfahrt. Da ist auch die Abzweigung über die Brücke nach Südafrika und gleichzeitig Staatsgrenze. Schilder weisen darauf hin, dass ich meine Papiere bereithalten und die Zollformalitäten erledigen muss. Ich zwänge mich zwischen riesigen Lastern in einen Parkplatz, gehe ins Zollhäuschen und frage die Beamtin, ob ich das auch alles erledigen müsse, wenn ich nur nach Oranjemund weiter wolle. Sie sieht mich an, als käme ich von einem anderen Planeten, denkt sich wahrscheinlich, sie habe es mit einer Analphabetin zu tun, und macht mich darauf aufmerksam, dass die Einfahrt nach Oranjemund gut beschildert auf einer anderen Spur ist. Tja, genau schauen und lesen kann manchmal hilfreich sein. Mit rotem Kopf verlasse ich das Häuschen, fahre gegen die Einbahn zurück zum Kreisverkehr und finde tatsächlich die richtige Spur und freie Fahrt.
Mein Quartier Op My Stoep liegt etwas außerhalb, ich will mir aber gleich einmal die Stadt ansehen. Bis 2011 war Oranjemund eine private Stadt, Namdeb (die namibische Diamantengesellschaft) hat sie für ihre Arbeiter errichtet. Noch bis 2017 war der Zugang für Nicht-Bewohner nur mit einer Sondergenehmigung möglich, heute kann sich jeder Gast frei bewegen, es gibt Freizeiteinrichtungen und sogar einen Golfplatz. Auf den komme ich später noch zu sprechen.
Momentan weht zwar nur eine etwas stärkere Brise, aber Oranjemund kann nicht verleugnen, dass der Wind hier das Sagen hat.
Nach einer Rundfahrt durch das Zentrum will ich endlich ans Meer. Die Oranje-Mündung ist Ramsar-Gebiet und ich will in Oranjemund in erster Linie Vögel beobachten. Doch darauf scheint der Wind nur gewartet zu haben. Als ich aussteige, traktieren mich wieder tausende Sandkörner wie mit Nadelstichen. Ich flüchte vom Strand in Richtung eines coffee shops nahe dem Campingplatz. Beide trotzen einsam und verlassen den Naturgewalten. Aber der Abstecher lohnt sich, denn plötzlich sehe ich nur mehr rosa.



Liebe Margit,
das sieht mega toll aus. Wäre mal einen Besuch wert. Hast du denn Vögel gesehen?Liebe Grüße, Margit
Obwohl der Wind so stark bläst, dass die Bilder fast alle unscharf sind, sind doch ein paar ganz gut gelungen. Bitte um Korrektur, wenn ich sie falsch bestimmt habe.

Dominikanermöwe

Seidenreiher

Kronenscharbe

Schlangenhalsvogel

Kapstelze

Hartlaubs Möwe

Sanderlinge

Graufischer

Pelikan
Der Atlantik zeigt, was er kann. Obwohl ich immer, wenn ich am Meer bin, ins Wasser möchte, verzichte ich hier. Ich befürchte, irgendwann an der Skelettküste angeschwemmt zu werden. Der Sturm tobt, durch den Wind versinkt der Strand hinter einem Sandschleier und über den Wellen verschwindet die Sonne in der Gischt. Es ist eine ganz besondere Stimmung.
An der Einmündung des Oranje in den Atlantischen Ozean trifft man aber nicht nur Vögel, sondern auch jede Menge Fischer. Hier mischen sich Süßwasser und Salzwasser, der ruhige Fluss und der wilde Atlantik.
Vom Strandcafe, das leider nicht geöffnet hat, ist es noch ein gutes Stück bis ans Ende der (wie mir erzählt wurde) aufgeschütteten Landzunge , auf der die Fischer ihre Angeln in Position gebracht haben. Um mein ganzes Equipment nicht immer schleppen zu müssen, denke ich - wenn die mit ihren Fahrzeugen dort sind, werde ich es wohl auch schaffen. Nach ein paar Probeschritten empfinde ich den Sand als ausreichend kompakt, um es mit dem Hilux zu wagen. Denke ich. Stellt sich aber als Irrtum heraus. Das Gelände wird plötzlich wellig und das Auto beginnt ordentlich zu "schwimmen". Mittendrin kehre ich um und schaffe eine größere Kuppe gerade noch mit Mühe. Egal, wenn mich jetzt jemand gesehen hat und sich vor Lachen nicht halten kann. Zähneknirschend muss ich meine Grenzen anerkennen. Aber es war eine kluge Entscheidung. Als ich zu Fuß zur Landzunge gehe, tritt einer der Fischer (sicher ein "alter Hase", was das Fahren im Sand betrifft) den Rückweg an und braucht auf einer Kuppe 4 Versuche, bis er sie endlich schafft. Inklusive eines halben Drehers und beeindruckender Sandfontänen.


Einer der Fischer hantiert geschickt mit einem Netz. Ich stelle mich vor und frage, ob ich ihn fotografieren und die Bilder veröffentlich dürfe. Er ist sichtlich stolz und stimmt zu. Als ich ihm die Fotos zeige, meint er mit einem verschmitzten Lächeln, eigentlich dürfe er gar nicht mit einem Netz fischen. Ganz erschrocken meine ich, dass ich dann die Fotos aber auch niemanden zeigen dürfe. Ach, sagt er, in Europa kenne ihn ohnehin niemand 😅

