Reisebericht - vom Pazifik zum Polarmeer

Reisebericht 64 Antworten · 3’671 Aufrufe · gestartet 29. Okt. 2025 von BikeAfrica
Über diesen Reisebericht

Zum Jahreswechsel auf 1996 fasse ich nach ein paar Gläsern Glühwein den Entschluss, allein mit dem Fahrrad vom Pazifik zum Polarmeer zu fahren. Im Juni und Juli 1996 setze ich das um: Ich starte in Anchorage im Süden Alaskas (USA), überquere die Alaska Range und radle durch Zentralalaska weiter in den kanadischen Yukon und schliesslich in die Northwest Territories Kanadas bis nach Inuvik am Ende der nördlichsten öffentlichen Piste Nordamerikas. Die letzten rund 150 km zum Polarmeer bei Tuktoyaktuk lege ich per Kleinflugzeug zurück, weil es dorthin damals noch keine Strasse gibt.

Ich bin die ganze Zeit allein unterwegs und übernachte fast jede Nacht im Zelt, oft mitten in sumpfigem Permafrostgelände. Ein grosser Waldbrand zwingt mich gleich zu Beginn zu einem Umweg, und mit Tagesetappen bis 265 km auf Schotterpiste erlebe ich die anstrengendsten Tage der ganzen Reise. In Alaska wie im Yukon begegnet mir überall die Geschichte des Goldrauschs. Das grösste Problem unterwegs ist aber nicht die nächtliche Kälte, sondern die Moskitoplage der Subarktis, gegen die selbst starke Mittel kaum helfen. Nördlich des Polarkreises erlebe ich die Mitternachtssonne, treffe Inuit, die traditionell Robben und Karibus jagen, und bade am Ende im Polarmeer. Nach dem Rückflug nach Calgary hänge ich noch ein paar Tage mit dem Mietwagen in den Rocky Mountains an, bevor die Reise endet.

Reisezeitraum
Juni/Juli 1996 (genaue Tagesdaten im Bericht nicht überliefert)
Länder
USA (Alaska), Kanada (Yukon, Northwest Territories)
Gruppe
Einzelreisender (allein unterwegs)
Reiseart
Selbst organisierte Radreise ohne Guide oder Veranstalter
Fahrzeug
Reiserad mit Gepäck, Verpflegung für bis zu 800 km dabei; am Ende Mietwagen (Ford Explorer) für den Abstecher in die Rocky Mountains
Unterkunftsart
Durchgehend Zelt/Wildcamping; eine Nacht im Mietwagen bei der Rocky-Mountains-Verlängerung
Route
Anchorage – Turnagain Arm – Denali-Nationalpark – Fairbanks – Tetlin Junction (Ende Alaska Highway) – Taylor Highway – Chicken – Grenze Alaska/Yukon – Top-of-the-World Highway – Dawson City – Dempster Highway – Polarkreis – Eagle Plains – Grenze Yukon/Northwest Territories – Fort McPherson – Tsiigehtchic – Inuvik – per Kleinflugzeug nach Tuktoyaktuk am Polarmeer; Rückflug Inuvik–Calgary, anschliessend per Mietwagen nach Banff/Jasper (Rocky Mountains)
Fahrstrecke
rund 1'550 km Anchorage–Tetlin Junction, weitere rund 1'100 km bis Inuvik (Angaben aus dem Bericht); Tagesetappen bis 265 km; letzte rund 150 km Inuvik–Tuktoyaktuk 1996 nicht befahrbar, nur per Kleinflugzeug
Flug/Anreise
Gabelflug mit mehrfachen Umstiegen in den USA nach Anchorage; separater Rückflug ab Inuvik über mehrere Kleinorte nach Calgary
Besonderheit
Bericht einer knapp 30 Jahre zurückliegenden Reise (1996); zur Reisezeit gab es keine Strasse zwischen Inuvik und Tuktoyaktuk; ausgeprägte Moskitoplage in der Subarktis
Gebiete
Denali-Nationalpark · Alaska Range · Yukon Territory · Northwest Territories · MacKenzie-Delta
Orte
Anchorage · Fairbanks · Chicken · Dawson City · Eagle Plains · Fort McPherson · Tsiigehtchic · Inuvik · Tuktoyaktuk
Reiseart
Solo-Radreise · Wildcamping · Selbstversorgung mit Vorräten
Bedingungen
Moskitoplage · Schotterpiste · Permafrostboden · Polarkreis-Überquerung · Waldbrand-Umleitung Denali · Fähre ohne Fahrplan MacKenzie-Delta · Tagesetappen über 200 km · Bärensichere Nahrungslagerung
Natur
Arktische Rotfüchse · Elche Big Delta · Pingos
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200629. Okt. 2025 ·
Hallo zusammen,

heute möchte ich mit einem kurzen Reisebericht über eine Radreise aus einem vergangenen Jahrtausend beginnen, die wohl bis heute meine spannendste Reise überhaupt geblieben ist.

Vor knapp 30 Jahren, zum Jahreswechsel auf 1996 kam ich nach hastigem Genuss von elf Bechern Glühwein auf die -wie ich fand- großartige Idee, vom Pazifik zum Polarmeer zu radeln.
Zum damaligen Zeitpunkt schienen mir Radreisen in Afrika noch viel zu gefährlich. Das war meiner Meinung nach etwas für Leute, die -des Lebens überdrüssig- auf möglichst anstrengende Weise Selbstmord begehen wollten. Kein normaler Mensch, so wie ich es einer bin, würde jemals auf eine derart sinnbefreite Idee kommen,.
Dachte ich.
So kann man sich irren ...

Das gesamte Internet passte damals ja ausgedruckt noch auf etwa drei Dutzend Karteikarten und es war in der Folge nicht rauszubekommen, ob das schon mal jemand gemacht hatte. Alleine die Organisation der Flüge erwies sich als schwierig und daran wäre schon beinahe alles im Vorfeld wieder gescheitert.

Ich startete in Anchorage im Süden Alaskas und radelte in die Inuit-Siedlung Inuvik am Ende der nördlichsten öffentlichen Piste Nordamerikas in die canadische Arktis. Für die letzten ca. 150 km nach Tuktoyaktuk am Polarmeer musste ich auf ein Buschflugzeug zurückgreifen, weil es damals noch keine Piste gab und dazwischen ein riesiges Flussdelta liegt.
Entlang der Strecke lag mit dem Mt. McKinley der höchste Berg Nordamerikas und der kälteste der Welt. Eine weitere Station war Dawson City, wo ein Goldfund 100 Jahre zuvor im August 1896 den berühmtesten und evtl. auch größten Goldrausch der Geschichte auslöste. Auch der Schriftsteller Jack London ("Lockruf des Goldes"), der hierzulande weniger bekannte Robert Service (Verfasser von "The Spell of the Yukon") und Thomas Alfa Edison waren damals vor Ort. Von ihm stammen die meisten (oder alle?) der erhaltenen Filmaufnahmen.

Ab Dawson City hatte ich Verpflegung für 800 km dabei, da ich nicht wusste, ob die Tankstelle bei Eagle Plains und die beiden Indianersiedlungen Tetlih Zheh (Fort McPherson) und Tsiigehnjik (Arctic Red River) der Déné-Gwich'in überhaupt existierten.

Soweit zu den Eckdaten. Demnächst gehts los ...

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
541 Beiträge · seit 201229. Okt. 2025 ·
Hallo Wolfgang,

was Allohool aus einem so machen kann! 😄 😉 Möchte nicht wissen was passiert wäre, wenn es noch ein paar Becher mehr gewesen wären.
Bei der Tour bin ich dein ständiger Begleiter!
Danke vorab!
Grüße
Dieter
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200629. Okt. 2025 ·
Papa Kenia schrieb:
was Allohool aus einem so machen kann! 😄 😉 Möchte nicht wissen was passiert wäre, wenn es noch ein paar Becher mehr gewesen wären.

Die Einleitung war nur Spaß.
Tatsächlich entstand die Idee zur Tour ohne Alkoholeinfluss bei klarem Bewusstsein (fast noch schlimmer) im Juli/August 1995. Damals kam ich gerade von einer Tour über den Alaska Highway zurück und wusste, ich muss nochmal in diese Region. Nur bisschen anspruchsvoller ...

Gruß
Wolfgang
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zuletzt bearbeitet 29. Okt. 2025
137 Beiträge · seit 201031. Okt. 2025 ·
Moin Wolfgang,
Eine wirklich tolle Idee von dir, die du bitte möglichst bald umsetzen solltest...
Ich lese jedenfalls ganz bestimmt mit.

Mit vorfreudigen Grüssen
Manfred
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200601. Nov. 2025 ·
... das Problem fing damit an, einen _bezahlbaren_ grenzübergreifenden Gabelflug Alaska/Canada zu finden und dabei ein Fahrrad mitnehmen zu können.
Das ließ sich lösen, indem ich auf Hin- und Rückflug jeweils fünfmal in den USA umsteigen musste und jeweils 24 Stunden unterwegs war.

Das größere Problem war, einen Inlandsflug von Inuvik zu einem internationalen Flughafen zu finden.

Die ersten vier Reisebüros fanden den Flughafen in meinem Zielort Inuvik erst gar nicht. Das fünfte Reisebüro fand den Flughafen, aber keine einzige Verbindung. Ich war schon kurz davor, die Idee wieder zu Grabe zu tragen, als ich zufällig an einem mir bis dahin unbekanntem Reisebüro vorbeikam. Durch die großen Scheiben sah ich, dass eine der Mitarbeiterinnen gerade nichts zu tun hatte.
Dies änderte sich sehr schnell und zwar für die nächsten zwei Stunden.
Sie knobelte eine Flugverbindung von Inuvik nach Calgary raus mit vier Zwischenlandungen in kleinen Dörfern, die nur per Flugzeug oder Boot erreichbar waren. Ob die Fahrradmitnahme möglich sein würde, konnte sie nicht rausbekommen. Ich ging das Risiko ein, buchte die Flüge und erzählte kurz, dass ich schon aufgeben wollte, weil es bisher niemand hinbekommen hatte, Flugverbindungen rauszufinden. Sie meinte, sie fand das jetzt viel interessanter und anspruchsvoller, als nur irgendwelche Pauschalreisen aus dem Katalog zu buchen. Als ich 1,5 Jahre später das nächste Mal dieses Reisebüro aufsuchte, begrüßte mich die Mitarbeiterin spontan mit Namen und freute sich bereits über die nächste Abwechslung vom Alltag.
Nachts um zwei Uhr kam ich in Anchorage an. Ich sattelte mein Stahlross und zog los in der Hoffnung, einen Campingplatz zu finden und meine Augenlider noch ein paar Stunden auf innere Verletzungen untersuchen zu können. Natürlich fand ich keinen. Dafür fand ich einen Supermarkt, der rund um die Uhr geöffnet hatte, kaufte ein bisschen was ein und fuhr direkt los nach Süden.

Das war ursprünglich nicht der Plan, aber zwischen Anchorage und dem nördlich gelegenen Denali-Nationalpark war ein großer Waldbrand, die Strecke war gesperrt und eine Umfahrung hätte mindestens 500 km Umweg bedeutet. Das ist mit dem Fahrrad ja eine ganz andere Nummer als mit dem Auto. Der Waldbrand war Anfang Juni 1996 sogar täglich Thema in den deutschen Nachrichten.

So ging es also erst einmal in den Turnagain Arm, eine große Meeresbucht des Pazifiks. Wenige Wochen vor mir segelte hier James Cook entlang im Glauben, die legendäre Bering-Route entdeckt zu haben und musste schließlich umkehren. So kam die Region zu ihrem Namen. Sie wurde einfach nach dem Irrtum eines verirrten Versagers benannt, während ich in den Geschichtsbüchern ungenannt blieb. Die Welt ist oftmals ungerecht..

Und da ich schon mal dort unten war, ging es noch zum Portage Gletscher. Das sah wenigstens schon mal aus, wie man sich Alaska so vorstellt - kalt und mit Schnee ...


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Gruß
Wolfgang
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zuletzt bearbeitet 01. Nov. 2025
137 Beiträge · seit 201001. Nov. 2025 ·
Moin Wolfgang,
Ein dickes Danke für diese spannenden ersten Zeilen deines Reiseberichts.
Ich habe mir heute mal die Stationen deiner Reise mitsamt geografischem Hintergrund - auf mehrere Grossbildschirme verteilt - angesehen und die Dimensionen und Entfernungen lange auf mich wirken lassen.
Alle Achtung !! Auf so Etwas hätte ich mich nicht in meinen besten Jahren eingelassen.
Umso mehr freue ich mich auf die Fortsetzung deines Abenteuerberichts...

Mit herzlichen Grüssen
Manfred
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200603. Nov. 2025 ·
Alaska ist eine Region für Leute, denen Namibia zu dicht besiedelt ist. Es ist etwa doppelt so groß wie Namibia, hatte damals aber nicht einmal ein Drittel der Einwohnerzahl.
Alaska ist der größte Bundesstaat der USA. Texas prahlt gerne mit seiner Größe. In Alaska nimmt man die nicht wirklich ernst.


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Auf dem Weg zum Denali Nationalpark traf ich mich noch mit einem guten Kumpel für ein paar Schießübungen.

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Gruß
Wolfgang
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zuletzt bearbeitet 03. Nov. 2025
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200604. Nov. 2025 ·
Knapp 240 km nördlich von Anchorage befindet sich der Parkeingang zum Denali Nationalpark. Er ist benannt nach dem Mt.McKinley, den die Athabascan-Indianer Denali („der Große“) nennen. Er ist der größte Berg Nordamerikas und gilt als kältester der Welt. Auf dem Gipfel ist es selbst im wärmsten Monat selten wärmer als minus 35 Grad.

Mit fast 6.200 Metern ist der Denali eine beindruckende Erscheinung, wenn er ausnahmsweise mal nicht völlig von Wolken verdeckt ist.

In den Park führt eine etwa 150 km lange Straße. Mit einem privatem Kfz sind jedoch nur die ersten 25 km befahrbar. Wer den Rest sehen will, muss auf einen der Ausflugsbusse zurückgreifen oder mit dem Rad fahren bzw. wandern. Übernachten ist nur erlaubt, wenn man mit reichlich Vorlaufzeit eine der wenigen Campingmöglichkeiten ergattern konnte oder eines der raren Back Country Permits. Damit darf man dann auch querfeldein laufen und sein Zelt überall aufstellen.

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Gruß
Wolfgang
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137 Beiträge · seit 201009. Nov. 2025 ·
Moin Wolfgang,

Ich befürchte, du wirst diesen Bericht nicht weiterschreiben und ich kann das gut verstehen: Wenig Interresse und kaum Feedback.
Schade, ich hatte einen der spannendsten und ungewöhnlichsten Reiseberichte in diesem Forum überhaupt erwartet und den Start fand ich schon mal sehr gelungen.
Aber echte Abenteuer aus dem letzten Jahrtausend mit seltenen Bildern, die ins digitale Zeitalter gerettet wurden, sind wohl nicht so gefragt.
Da sind offensichtlich Reiseberichte interressanter in denen es primär jede Menge HD-Bilder von Luxus-Unterkünften gibt.
Wirklich schade....

Mit leicht traurigen Grüssen
Manfred
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200609. Nov. 2025 ·
Hallo Manfred,

es geht bald weiter, auch wenn die Resonanz recht übersichtlich ist. Ich war unplanmäßig im Krankenhaus.

Übrigens plane ich, die Tour in ähnlicher Form nochmal zu wiederholen. 😉

Gruß
Wolfgang
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137 Beiträge · seit 201009. Nov. 2025 ·
Uff...!!
Danke Wolfgang,
Das Wichtigste ist jetzt, dass du deinen Krankenhaus-Aufenthalt unbeschadet überstanden hast und dich gut fühlst. Ich warte gerne und wünsche dir vollständige Genesung.

Manfred
1’014 Beiträge · seit 201610. Nov. 2025 ·
Also ich bin sehr gerne dabei. Ich fahre zwar allenfalls mt dem Fahrrad zum Bäcker, aber so ein Abenteuer lasse ich mir nicht entgehen-
Gespannte Grüße
Yanjep
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200610. Nov. 2025 ·
yanjep schrieb:Ich fahre zwar allenfalls mt dem Fahrrad zum Bäcker, aber so ein Abenteuer lasse ich mir nicht entgehen-

Wenn Du in Anchorage startest und zum nächsten Bäcker radelst, dann kommt so etwas wie meine Tour raus. Dann stehst Du irgendwann am Polarmeer, warst aber immer noch nicht bei einem Bäcker. 😉

Gruß
Wolfgang
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3’883 Beiträge · seit 201110. Nov. 2025 ·
Hallo Wolfgang,
da du dich gemeldet hast, weiß ich nun, dass es weitergeht. Ich interessiere mich nicht für prahlerische Fotos von teuren Unterkünften ud hoffe, bei deiner Tour auf meine Kosten zu kommen.

VG freshy
Reiseberichte und Videos Video:Bootsafari auf dem Kwando 2018 Forum(2016): Südafrika & KTP Forum(2013): Zwei Gruftys in Botswana Forum(2013): Fünf Tage in Johannesburg Web:Namibia & Botswana 2017 Video:Sani Pass 2015 Web:Südafrika & Lesotho 2015 Web:Auf Pad im südl. Afrika 2014 Video:Elefanten im Senyati Safari Camp 2013 Web:Namibia 2011
137 Beiträge · seit 201014. Dez. 2025 ·
Moin Wolfgang,

Ich stelle jetzt mal ganz schüchtern und höflich eine Frage :
Darf ich auf eine Fortsetzung dieses Berichts hoffen ? 😗

Ohne drängeln, aber mit freundlichem Gruss

Manfred
26 Beiträge · seit 202517. Dez. 2025 ·
Der Bericht würde mich auch noch sehr interessieren. Ich warte schon die ganze Zeit auf die Fortsetzung.

Namibia ist lange ein Traumziel gewesen, das ich nach über 20 Jahren Pause in den vergangenen drei Jahren immer wieder wahr machen konnte. Von den arktischen Gegenden träume ich dagegen noch. Vielleicht wird das auch mal wahr. Bis dahin nehme ich jeden Reisebericht über diese Gegenden gerne in mich auf.

Deshalb, lieber Wolfgang, fühl dich ermutigt, deinen Reisebericht fortzusetzen.

LG Micha
Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200615. Feb. 2026 ·
Nach langer Zeit und aus verschiedenen Gründen geht es erst nach langer Pause weiter.

Vom Denali Nationalpark geht es weitere 200 km nach Norden bis Fairbanks. Unterwegs ist die Bergkette der Alaska Range zu überqueren. Ich frage in einer Tourist Information nach dem Streckenprofil und erhalte als Antwort, das sei mit dem Fahrrad kaum zu schaffen. Auf meine Frage, ob es schwieriger sei als der im Vorjahr geradelte Alaska Highway, ändert sich die Aussage: „Wenn du die Strecke durch die Rocky Mountains geschafft hast, ist es kein Problem“.

Auf der weiteren Strecke liegen einige kleine Dörfer. Ortsnamen wie Nenana oder Tanana lassen den indianischen Ursprung erkennen. Zur Zeit des Baus der Alaska Railroad, was um 1902 seinen Ursprung hatte, lebten hier Tausende Menschen, heute sind es nur noch wenige hundert. Entlang der Straße zwischen Anchorage und Fairbanks läuft die Bahnstrecke der Alaska Railroad meist außer Sichtweite parallel und kreuzt die Straße mehrfach. Die Bahnübergänge sind unbeschrankt. Die Personenzüge sind vorwiegend dafür da, dass die Passagiere die Landschaft genießen können. Die Züge fahren mit etwa 40 km/h und an den Bahnübergängen grüßt der Lokführer mit einem Extra-Signalton und einem Winken aus dem offenen Seitenfenster selbst einen Radfahrer.

Entlang der Strecke finden sich wieder skurrile Fahrzeuge. Ich glaube, hier kann jeder machen was er will. Auch wenn der Monstertruck keine Straßenzulassung hat, findet man häufig Fahrzeuge im Straßenverkehr, die in Deutschland sofort einkassiert würden.

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Ich zelte in einem Dorf direkt am Straßenrand. Überhaupt habe ich auf dieser und der vorherigen Reise in 12 Wochen keine feste Unterkunft außer einer Nacht in Whitehorse bei zwei einheimischen Radlern, die ich unterwegs treffe und fast zwei Tage mit ihnen gemeinsam radle.

Die nächste größere Station auf der Reise ist Fairbanks in Zentralalaska, die zweitgrößte Stadt des Landes mit damals ca. 70.000 Einwohnern. Hier befindet man sich ziemlich in der Mitte Alaskas und ab hier gibt es zwei Möglichkeiten, auf dem Landweg zum Polarmeer zu gelangen.

Obwohl Nordamerika eine riesige Ausdehnung hat, gibt es nur zwei Möglichkeiten, den Polarkreis zu überqueren. Die eine ist der Dalton Highway, der einfach weiter geradeaus nach Norden zu den Ölfeldern an der Prudhoe Bay führt. Das ist eine private Versorgungsstraße der Ölgesellschaft, was bedeutet, dass hier in großer Zahl LKW mit Baumaterial und Ersatzteilen für die Ölbohrplattformen unterwegs sind und man Hunderte von Kilometern an einer Ölpipeline entlangfährt.
Die zweite Möglichkeit führt über den Dempster Highway durch Canada vorbei an geschichtsträchtigen Orten und durch offene weite Landschaft. Dreimal dürft ihr raten, für welche der zwei Möglichkeiten ich mich entschieden habe. Beide Strecken nennen sich zwar Highway, sind aber einfache Schotterpisten.

Demnächst gehts weiter ...

Gruß
Wolfgang
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3’883 Beiträge · seit 201115. Feb. 2026 ·
Hurrah!
Es geht weiter, freu, freu!

freshy
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Themenstarter7’343 Beiträge · seit 200616. Feb. 2026 ·
Wie ihr hoffentlich spätestens im dritten Versuch erraten habt, habe ich mich für die Variante durch Canada entschieden. Bis dorthin sind es aber noch ein paar Meilen.

In Fairbanks besuche ich erstmal wieder das Alaskaland. Hier hat man alte Gebäude aus der Goldgräberzeit von ca. 1880 bis 1910 aus dem ganzen Land zusammengetragen und wieder aufgebaut, dazu Goldwaschanlagen und einen alten Raddampfer sowie Fahrzeuge aus der Zeit des Baus des Alaska Highways 1942, der schließlich den Zweiten Weltkrieg entschieden hat.
Wieso eine Piste am Arsch der Welt einen Weltkrieg entschied, der sich größtenteils in Europa abspielte, erkläre ich später, wenn wir im Verlauf der weiteren Reiseroute das offizielle Ende des Alaska Highways erreichen.

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In Fairbanks gibt es auch noch ein Museum für Eisskulpturen, welches ich allerdings nicht besucht habe. Ich fand die im Bau befindliche Modelleisenbahn im Raddampfer des Alaskalands viel spannender. Hier entstand damals eine Modellbahnanlage im Maßstab 1:87 (H0), in der man eine Ortschaft (ich glaube, es war Nenana) zur Zeit des Goldrauschs und Beginn der Eisenbahnzeit nachbaute.
Und wenn man weiß, dass US-Modellbahner extrem vorbildgerecht bauen, dann wundert es nicht, dass jedes Haus anhand alter Fotos, Zeichnungen oder noch existierender Vorbilder nachgebaut wurde genau wie die Dampfloks und Waggons, da es keine entsprechenden Modelle zu kaufen gibt. Da damals auch Schwellenabstände der Gleise anders waren, sind auch die Gleise selbstgebaut.

Ich übernachte auf einem Campingplatz in Fairbanks und während ich beim Duschen bin, frisst sich ein Squirrel (vergleichbar mit Eichhörnchen) zielstrebig durch die Packtasche mit dem zuvor gekauften Toastbrot durch. Da ich nicht weiß, ob die diese possierlichen Mistviecher irgendwelche Krankheiten übertragen, werfe ich das Brot weg in eine dieser „Oskar-Mülltonnen“ mit losem runden losen Deckeln, warte, bis sich der kleine Drecksack wieder übers Brot hermacht und Deckel drauf.
Dunkelhaft.
Am nächsten Morgen will ich das Tier natürlich freilassen. Als ich den Deckel öffne, ist das Squirrel bereits weg. Irgendjemand hat sich beim Öffnen des Deckels wohl ziemlich erschreckt. 😉
Aber das gefräßige Etwas war über Nacht nicht faul. Dreiviertel vom Toastbrot sind weggefressen. Wie das möglich ist, ist mir schleierhaft. Das entspricht ja locker der doppelten Körpergröße des Squirrels. Das Tier muss irgendwie mit Takeru Kobayashi verwandt sein …

Gruß
Wolfgang
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zuletzt bearbeitet 16. Feb. 2026