Weil‘s halt einfach Spaß macht!
Den Buchtipp merke ich mir gleich mal, danke!


















Irgendwann in der Nacht schreibt mir Vanessa, dass es ihr gar nicht gut geht. Sie hat Durchfall und meldet sich für den heutigen Ausflug ab.
Schade, denn den machen wir hauptsächlich wegen ihr. Wir besuchen die Plantation Vanille St Julien D`Hotman.
Wie der Name schon sagt, ist das eine Vanille Plantage, in St. Julien, zu der man kommt, wenn man von Mahebourg etwa dreißig Minuten in die südliche Richtung fährt.
Martin und Daniel unsere Hotelbekanntschaften, haben Vanessa von dieser Plantage erzählt und auch, dass es dort einen Laden gibt, in dem man Produkte aus eigener Herstellung kaufen kann.
Vanessa wollte ein paar Geschenke für ihre Freunde kaufen und gibt uns ihre Bestellung mit. Wie praktisch, wenn Mama und Papa sogar noch die Mitbringsel finanzieren.
Wir haben uns online für eine Führung um 13.00 Uhr angemeldet. Vorher ist noch ein Besuch auf dem Montagsmarkt in Mahebourg geplant. Der soll doppelt so groß sein wie der Wochenmarkt.
Mahebourg selbst finden wir nicht schön, ich empfinde diese Stadt als hässlich, aber das denke ich auch über Port Louis und da scheiden sich vielleicht die Geister.



























Möchte man Vanillestangen kaufen, werden Packungen angeboten, die für ein ganzes Leben reichen würden, und diese haben dann natürlich auch ihren Preis. Wenn man aber nach einer kleineren Menge fragt, zaubert die Verkäuferin eine kleine Packung mit zehn oder fünfzehn Stangen aus der Schublade. Das haben uns Daniel und Martin verraten.
Bis wir Vanessas Wunschliste abgearbeitet haben und auch für uns zwei Gläser Kokosmarmelade (eher eine relativ trockene Kokosmasse), ein Fläschchen Vanilleextrakt und zwei Gewürzpackungen zusammenhaben, lassen wir an die 100 Euro liegen.
Das klingt viel. Aber wir haben schon mehr Geld für weniger Genuss auf der Insel ausgegeben. Die Führung war echt klasse. Niemand war im Laden aufdringlich. Wir hätten ohne Weiteres gehen können, ohne etwas zu kaufen. Die Führung war informativ, und die Verkostung war ebenfalls ein schönes Erlebnis. Hier sehen wir das Geld als gut investiert an. Fünfzehn Stangen Bio-Bourbon-Vanille bekommt man auch bei uns nicht geschenkt.
Zurück im Hotel fühlt sich Uwe auch nicht mehr so gut. Ihm grummelt der Bauch, und die beschleunigte Verdauung setzt ein.
Na prima, ich sehe mich die letzten Tage nur noch im Hotel. Während sich Uwe heute nicht mehr aus dem Zimmer traut, gönne ich mir auf der Terrasse einen Kaffee und staune darüber, wie die Weihnachtsdekoration jeden Tag ein bisschen umfangreicher wird. Angesichts dieses Traumurlaubs, oder besser gesagt Alptraumurlaubs, kommt dennoch keine Weihnachtsstimmung auf.


17. Dezember
Am Morgen traut er sich mit mir zum Frühstück, hält sich aber sehr zurück. Vanessa meldet sich etwas später und wir beschließen in die Apotheke zu fahren und Medikamente und Elektrolyte für beide zu holen. Wir lassen ordentlich Geld liegen und kaufen alles, was helfen könnte. Bei Uwe schlagen die Medis ein klein wenig an, aber nur ein bisschen, bei Vanessa so gut wie gar nicht.
Es ist nicht mehr dran zu denken, das Hotel zu verlassen. Heute ist schon der siebzehnte. Am neunzehnten fliegen wir wieder zurück und ich fürchte mich mit jeder Stunde mehr davor, mich anzustecken. Es wäre ja sehr unwahrscheinlich, dass es mich nicht erwischt, wenn wir uns das Badezimmer teilen.
Die beiden haben bis zum Abflug wahrscheinlich das Schlimmste hinter sich und bei mir könnte es am Abreisetag akut werden. Das wäre eine Grande Katastrophe.
Während Uwe und Vanessa sich kaum aus dem Zimmer trauen, muss ich mir allein die Zeit totschlagen. Ich schlendere ein wenig auf dem Hotelgelände herum, sitze mal in dieser Ecke, mal in jener, trinke mal Kaffee und mal Fruchtsaft und hoffe, dass dieser Urlaub endlich vorbei ist. Morgen ist mein 60igster Geburtstag. Den habe ich mir auch anders vorgestellt.
Gegen Abend fühlen sich Vanessa und Uwe kurzzeitig besser, so dass sie sich einen kurzen Abstecher zur Notre-Dame Auxiliatrice in Cap Malheureux zutrauen. Die Kirche ist ja kaum 10 Minuten vom Hotel entfernt.
Es ist nur ein kurzer Abstecher, denn das Grummeln wird wieder schlimmer. Wir kehren bald ins Hotel zurück. Aber wenigstens hatte ich heute dieses kleine Highlight. Uwe verzichtet darauf heute Essen zu gehen. Vanessa begleitet mich, kann aber auch fast nichts essen. Ohne mein Wissen hat sie heute irgendwann an der Rezeption nachgefragt, ob sie eine Geburtstagstorte für mich bestellen könnte. Ihr wurde geantwortet, dass das sowieso gemacht wird.



18. Dezember
Nach dem Frühstück werde ich im Zimmer mit einer Gratulation bedacht.

Die beiden ziehen sich auch heute weitgehend aufs Zimmer zurück und ich schlage allein die Zeit im Hotel tot.
19. Dezember - Der Alptraum ist noch nicht vorbei.
Endlich Abflugtag. Ich will nur noch nach Hause. Mir geht es auch immer noch gut, Aber Vanessa und Uwe fühlen sich schlapp und krank.
Wir kommen am Flughafen an und geben auf dem Parkplatz unser Auto ab. Das verläuft zügig und ohne Reklamation. Vanessa ist das Elend auf zwei Beinen. Ich mache mir Sorgen und es tut mir so leid, dass sie sich am Flugtag so miserabel geht.
Wir betreten das Flughafengebäude. Uwe und ich möchten am Kiosk direkt neben der Eingangstür noch Getränke und einen Snack kaufen, weil wir das Flugzeugessen alle drei nicht mögen.
Vanessa geht direkt durch zum Gate, weil sie sich auf die Bank legen möchte. Sie sieht leichenbleich aus.
Uwe und ich stellen uns am Kiosk an, vor uns sind vielleicht sieben Leute. Nach ein paar Minuten Warten sehe ich, wie sich Uwe am Tresen festhält und schwankt, dann fängt er an zu kippen, ich will ihn aufhalten, aber er ist zu schwer, ich kann ihn nicht halten und rufe um Hilfe.
Sofort sind drei oder vier Leute da, die helfen ihn aufzufangen, damit er nicht auf den Boden knallt.
Er liegt da, mit weit offenen Augen, regt sich nicht mehr und ist nicht mehr ansprechbar. Er sieht tot aus. Ich gerate in eine Art Schockstarre, kann nichts denken oder tun. Ich denke auch nicht daran, seinen Puls zu fühlen. Diffus höre ich jemanden sagen: Er liegt nicht gut, er muss in die stabile Seitenlage.
Jemand zieht Uwe zur Seite und ein anderer fragt, ob er die Sanitäter rufen soll, das interpretiere ich zumindest, denn ich verstehe fast kein englisch und kann mich nicht ausreichend verständigen. Aber ich stimme zu.
Zwei, Drei Minuten, stehen die Menschen um uns herum und ich kniee am Boden neben Uwe und warte einfach… auf was auch immer.
Dann plötzlich, als hätte jemand einen Knopf gedrückt kommt Uwe wieder zu sich, setzt sich peinlich berührt auf, fragt, ob er ohnmächtig war, bedankt sich bei den umstehenden Leuten und meint: Es ist alles in Ordnung. „Es geht mir gut. Ich bin nur dehydriert und unterzuckert. Ich brauche nur eine Cola und muss raus an die frische Luft“.
Wir ziehen Uwe auf einen Stuhl, denn dieser Kiosk hat Tische und Stühle, die ganz nah am Tresen stehen.
Irgendjemand drückt Uwe eine Flasche Wasser in die Hand. Er öffnet sie, will sich aber nicht hinsetzen, sondern raus gehen. Ihm ist es sichtlich unangenehm sich so geschwächt zeigen zu müssen. Wieder verlangt er nur nach einer Cola, weil er sich unterzuckert, fühlt.
Ich fühle mich mit dieser Situation so überfordert und hilflos und schimpfe fast schon mit ihm, dass ich ihm die Cola kaufe, aber dass er jetzt gefälligst erst mal sitzen bleiben und auf die Sanitäter warten soll.
Dann drehe ich mich um und drängle mich vor, um die Cola zu kaufen, niemand motzt.
Als ich sie habe und mich ihm wieder zuwende, verliert er erneut das Bewusstsein. Die Wasserflasche fällt ihm aus der Hand und ergießt sich über den Boden. Ein paar Leute halten ihn fest, damit er nicht vom Stuhl fällt. Ich habe eine Heiden Angst um ihn und finde, dass die Sanitäter sehr lange brauchen.
Wieder gefühlt zwei oder drei Minuten später, kommt er zu sich und ist nicht mehr zu halten. Er nimmt mir die Cola aus der Hand, kippt sie auf Ex und Hopp runter und steht auf, um rauszugehen. Ich kann nichts anderes tun als ihn zu stützen und mitzugehen. Die Sauerei mit dem vergossenen Wasser vergesse ich völlig und denke auch nicht daran, irgendjemanden zu danken oder bescheid zu sagen, wo uns die Sanitäter finden.
Draußen gibt es direkt neben der Tür eine Bank. Da setzen wir uns hin. Uwe erholt sich tatsächlich ein wenig, sieht schon besser aus und jetzt kommen auch die Sanitäter. Uwe wiederholt, dass er aufgrund des Magen-Darm-Infektes nur dehydriert und unterzuckert ist, weil er noch nichts gegessen hat. Die Sanis messen den Blutdruck und Blutzucker und beide Werte sind nicht alarmierend.
Nachdem es Uwe sichtlich besser geht, denke ich an Vanessa, sie hat den gleichen Infekt, ihr geht es hundeelend. Was wenn sie am Gate auch kollabiert? Was wenn man sie zu einem Arzt bringen muss und wir sie nicht finden und nicht wissen wo sie ist?
Die Sanitäter wollen Uwe ins Krankenhaus oder zu einem Arzt bringen. Er weigert sich. Jetzt reden sie auf mich ein, ich soll Uwe anscheinend davon überzeugen zu kooperieren. Ich verstehe weder was sie sagen, kann es nur erahnen, noch kann ich mich verständigen.
Wieder fühle ich mich hoffnungslos überfordert. Uwe lässt sich auch von mir nicht überzeugen, wenn er etwas nicht will.
Er fühlt sich ja auch tatsächlich besser und hält diese Maßnahme für übertrieben. Außerdem würde eine Fahrt zum Arzt bedeuten, dass für uns alle drei das Ticket verfallen würde. Wir könnten Vanessa in ihrem Zustand auf keinen Fall allein fliegen lassen.
Ich kann aber auch nicht abschätzen, ob Uwe wirklich nur wegen dem Infekt so geschwächt ist. Es ist naheliegend, aber ich kann nicht ausschließen, dass er nicht doch etwas ernsthafteres hat.
Es ist eine Scheiß Situation und ich fühle mich schrecklich.
Die Sanis geben auf und lassen Uwe seinen Willen, wenn auch kopfschüttelnd.
Wir bleiben noch eine Weile sitzen. Dann gehen wir zum Gate und schauen nach Vanessa. Sie liegt auf der Bank, hat die Augen zu und versucht sich zu entspannen.
Wir kaufen noch ein paar Getränke und dann ist auch schon das Boarding.
Vanessa schleppt sich regelrecht ins Flugzeug. Wir sind noch nicht in der Luft wird es ihr schlecht. Sie lässt sich einen Spuckbeutel geben und bekommt ein Getränk, was ihr gegen die Übelkeit helfen soll. Dann wird sie fiebrig und bekommt Schüttelforst. Wir decken sie mit vier Decken zu. Sie versucht zu schlafen, aber in unserer Ecke sitzt regelrecht ein ganzer Kindergarten und die Kleinen sind teilweise sehr quengelig.
Beim Landeanflug auf Dubai merke ich, dass ich Migräne bekomme. Medikamente helfen bei mir normalerweise nicht. Migräne bedeutet in der Regel Totalausfall mit Erbrechen.
Uwe geht es wieder gut. Er holt mir einen Becher Kaffee und ich versuche diesen zu trinken, bevor es mir schlecht wird. Die Ursache für Migräne sind bei mir Verspannungen und ich denke, da könnte eine Magnesiumtablette helfen. Das habe ich noch nie ausprobiert, aber schaden kann es auch nicht. Also werfe ich eine ein. Tatsächlich geht es mir wieder einigermaßen gut, bevor wir weiterfliegen.
In Zürich warten wir wieder ewig auf unsere Koffer. Unser Fahrer ruft uns zwei Mal an, weil er sich nicht erklären kann, warum das so lange dauert. Nach einer weiteren Stunde Fahrt setzen wir Vanessa an ihrer Haustür ab.
Sie geht noch am gleichen Tag ins Krankenhaus, in die Notfallpraxis. Dort erwischt sie einen Arzt, der „Durchfall“ googelt und verschreibt ihr ein freiverkäufliches Medikament. Aber tatsächlich hilft es ihr und sie fühlt sich schon am nächsten Tag besser. Uwe hat den Infekt am nächsten Tag auch überstanden, aber mit der Gicht macht er noch bis Ende Januar rum.
Ich bin komplett von dem Magen-Darm-Infekt verschont geblieben.
Ihr Lieben, das war der Alptraum am Ende unseres Urlaubs. Wir haben es alle drei ohne bleibende Schäden überlebt.
So viele Herausforderungen dieser Urlaub auch mit sich gebracht hat: Dafür kann die Insel nichts. Mauritius ist wirklich wunderschön, sowohl die Strände als auch das Land. Die Idylle an vielen Orten konnte ich hoffentlich mit meinen Fotos ein bisschen anschaulich machen.
Danke euch allen, die ihr den Bericht gelesen habt, fürs Danke-Button-Drücken, für die Kommentare und die Ermutigung, mit dem Schreiben nicht aufzuhören.