ALM schrieb: Es ist heute noch gar nicht absehbar, welche weitreichenden Folgen die Covid-19-Krise in der europäischen/amerikanischen Gesellschaft hinterlassen wird.Du schreibt es ist noch nicht absehbar, um dann zu schreiben, dass es absehbar ist, dass es ganz schlimm kommt?
Meine Befürchtung ist, dass negative Aussagen zu einer Art selbsterfüllenden Prophezeiung werden können. Politiker und Experten sagen in den Medien, dass es keinen Sommerurlaub im Ausland geben wird. Touristik-Unternehmen (oder auch Medien) beauftragen Marktforscher, heraus zu finden, wie die Menschen für dieses Jahr ihren Urlaub planen. Da antworten viele dann das, was sie zuvor von Politikern und Experten in den Medien gehört haben: sie planen keinen Urlaub. Solche Daten der Marktforscher nehmen dann Touristik-Unternehmen für ihre eigenen Planungen. Wenn dann eine Airline die ältesten 20% der Flotte verschrottet, dann werden bereits Pflöcke eingeschlagen, dass der Tourismus tatsächlich auf Jahre nicht mehr das Vor-Krisen-Niveau erreicht, weil Kapazitäten dauerhaft aus dem Markt genommen wurden, die sich kurzfristig gar nicht mehr hinzufügen lassen. Unfundiertes, pessimistisches Gequatsche würde dann eine Negativspirale in Gang setzen, die vielleicht alles andere als unvermeidbar ist.
Gerade wir Deutschen wollen immer Planungssicherheit für alles im Leben, müssen aber vielleicht endlich lernen, mit bestimmten Ungewissheiten zu leben. Vieles in dieser Welt ist ungewiss. Das war schon vor Corona so. Und in der aktuellen Ausnahme-Situation hat erst recht niemand die Daten und die Modelle, um die weitere Entwicklung zeitlich präzise vorher zu sagen. Es wäre eigentlich wünschenswert, häufiger zu hören: "Das weiß ich nicht", "Das hängt davon ab, wie die Fallzahlen sich entwickeln und wann wir billige Schnelltests haben". Aber wer sich als Experte so äußert, ist leider für Medien als Gesprächspartner nicht attraktiv. So etwas lässt sich nicht auf knackige, einprägsame Schlagzeilen verdichten ("Prof. Schlaubi: Sommerurlaub fällt aus!" Bäämmm!!!).
Sicher scheint mir vorerst nur, was schon vor 5 Wochen im Startposting dieses Threads geschrieben wurde: Diejenigen, die lange im Voraus den gesamten Urlaub mit jeder einzelnen Nacht durchgebucht haben wollen, werden so erst mal nicht mehr reisen können. Wer flexibel ist, guckt vielleicht 1-4 Wochen vorher: Was ist zulässig? Was kann ich verantworten? Wohin gibt es Flüge? Und entscheidet und reist dann kurzfristig.
Ich bin sehr zuversichtlich, dieses Jahr noch in Afrika zu sein. Ich weiß nur noch nicht, wann und wo 😎
